Der schwarze Tod - Dominik D. Schütz - E-Book

Der schwarze Tod E-Book

Dominik D. Schütz

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Beschreibung

Was wäre, wenn man sein Gehirn erweitern kann? Müsste es staatlich kontrolliert werden? Doch was passiert, wenn diese Macht missbraucht wird? In einer solchen Welt spielt diese Geschichte. Der junge Mann, Tetsuya Nishimura gehört zu einer Organisation, die das transferieren von Intelligenz und damit ein gehende Probleme kontrollieren sollen. Sie ermöglichen ein ruhiges und friedliches Leben in diesee Stadt. Doch ist wirklich alles so, wie es scheint?

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EPUB
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Seitenzahl: 329

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dominik D. Schütz

Der schwarze Tod

Gegen die Black Blades

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Impressum neobooks

Kapitel 1

Dominik D. Schütz

Der schwarze Tod

Dominik D. Schütz

Der schwarze Tod

gegen die Black Blades

Thriller

Impressum

Texte: © 2020 Copyright by Dominik D. Schütz

Umschlag: © 2020 Copyright by Dominik D. Schütz

Verantwortlich

für den Inhalt: Dominik D. Schütz

59077 Hamm

[email protected]

Druck: neobooks – ein Service der Neopubli GmbH, Berlin

Wir haben das Jahr 3020. Die Welt hat sich ganz schön verändert. Die Menschheit hat sich stark weiterentwickelt und sogar einen dritten Weltkrieg überstanden. Doch die größte Neuerung betrifft wohl das menschliche Gehirn. Es ist inzwischen möglich mehrere Gehirne miteinander verschmelzen zu lassen. Dies wird auch oft durchgeführt. Meist funktioniert es, doch manchmal schlägt es fehl. In solchen Fällen, hat ein Mensch nicht nur stärkere kognitive Fähigkeiten, die bei einem Erfolg schon übermäßig erhöht sind, sondern auch noch das Bewusstsein von allen verschmolzenen Gehirnen. Für diese Missglückten wurde eine Spezialeinheit eingerichtet, um diese zu beseitigen und den Frieden, der durch sie gestört wird, zu erhalten. Diese Spezialeinheit trägt den Namen Black Blades. Zu dieser gehört auch Tetsuya Nishimura. Ein Mann, mit unglaublichen Fähigkeiten.

„Ein neuer Auftrag. Das gleiche wie immer“, murmle ich, auf dem Dach eines Hochhauses, während mein schwarzer Mantel im Wind weht. Wer ich bin? Na Tetsuya Nishimura. Doch mir bleibt keine Zeit zum Reden. Der Auftrag wartet. Mit einem Satz verschwinde ich, vom Dach herunter, in die Dunkelheit der Nacht. Im freien Fall, von einem sechsstöckigen Gebäude herunter. Normalerweise würde niemand diesen Sturz unverletzt überstehen. Die meisten währen sofort tot. Doch nicht ich. Ich habe meine Vorkehrungen getroffen. An meinem Gürtel ist ein dünnes Seil befestigt. Es wird gespannt und dehnt sich ein Stück. Der Sturz ist abgebremst. Ich stoße mich von der Hauswand ab und lande auf einem kleineren, nebenstehenden Haus. Dabei reißt das Seil. Nun, ich bin unbeschadet gelandet. Und bei dieser bewölkten Neumondnacht hat mich auch wieder niemand sehen können. Schnell laufe ich weiter, von Dach zu Dach, durch diese dicht bebaute Siedlung. Mein Auftrag ist nicht weit von mir entfernt. „Ein Missglückter mit zwei Gehirnen. Heute ist der Chef ja mal human“, murmle ich, während ich am Ende der gut beleuchteten Straße vom Dach springe. Die Straße ist menschenleer. Bis zu meinem Ziel sind es nur noch zwei Straßen. Mit einem Auto wäre ich schneller, aber es wäre auch auffälliger. Ich laufe also ganz gemütlich die Straße runter. Das ein Mann, gekleidet in schwarz, nachts alleine durch die Straßen rennt, ist in dieser Ecke der Stadt nichts ungewöhnliches. Und meistens bin das nicht mal ich.

Die Straßen hier sind gut beleuchtet. Wenn ich auf der Straße bleibe, wird mein Ziel mich bemerken. Wäre aber auch nicht das erste mal. Trotzdem habe ich den Ruf, fehlerfrei zu sein. Die muten mir einfach zu viel zu.

Da vorne ist er auch schon. Ich schreibe meinem Chef schon mal eine Nachricht, dass ich gleich fertig bin.

In dem Moment, in dem ich die Nachricht absende, gehe ich an ihm vorbei. Mit der rechten Hand habe ich die Nachricht verschickt, mit der Linken ihm einen dünnen Faden um den Hals gelegt. Ich drehe mich um und sage:

„Hey, du, ich bin von den Black Blades.“

Er schreckt auf. „Scheiße, ein Blade!“, fluchen zwei Stimmen aus seinem Mund.

Im gleichen Atemzug läuft er weg. Ich brauche mich nicht mal zu bewegen. Ich halte einfach weiter den Faden fest. Durch die Flucht meines Ziels, spannt sich der Faden und die Schlinge zieht sich zu. Ich zieh noch einmal nach, der Faden schneidet sich in seinen Hals. Langsam nähere ich mich ihm und rolle dabei den Faden auf meiner Hand auf. „Was bist du?“, fragt mich mein Ziel, während es versucht, den Faden los zu bekommen.„Wie gesagt, ein Blade“, gebe ich von mir.Ich ziehe ein Messer. Mit einem gezielten Schnitt am Hals verpasse ich ihm den Gnadenstoß. In dem Moment hält eine weiße Limousine neben mir. Das ist der Wagen der Entsorgungsabteilung. Eine Tür öffnet sich und ein junger Mann in einem weißen Anzug tritt heraus. „Gute Arbeit, Nishimura“, sagt er.„Viel Spaß mit dem“, gebe ich nur zurück. Doch gehen kann ich noch nicht.

„Warte!“, sagt der Mann von den Entsorgern, „Ich soll dir ausrichten, dass du zum Chef sollst.“„Kann er das nicht selber sagen?“, seufze ich, „Na gut, ich mach mich sofort auf dem Weg.“

Wie gesagt, gehe ich nun zu unserem Hauptquartier. Zum Glück ist das nicht weit von hier entfernt. Sonst müsste ich mit den Entsorgern mitfahren. So schnell ich kann, laufe ich los. Ich will den Chef ja nicht warten lassen und nicht von diesen Idioten in weiß aufgegabelt werden.

Es dauert nicht lange, da stehe ich schon wieder vor dem großen, dunklen Gebäude, von dem ich vor gar nicht so langer Zeit gesprungen bin. Durch die riesige Glasfront scheint kein Licht. Es erweckt den Eindruck, dass niemand da ist. Doch dieser Schein trügt. Denn kaum öffne ich die Tür ist vor dem Gebäude alles mit Licht geflutet. Die Scheiben lassen lediglich nur sehr wenig Licht durch, weshalb es immer dunkel wirkt.

Ich betrete die gewaltige Eingangshalle. Sie ist nahezu leer. Am Rand stehen ein paar Stühle und Tische, ansonsten ist hier nur die Rezeption. Ich gehe schnurstracks auf die Rezeptionistin zu, die gerade mehr mit ihren blonden Haaren beschäftigt ist, als mit allem anderen. Vor ihr räuspre ich mich einmal laut. Sie blickt erschrocken auf.„Oh, tut mir leid“, gibt sie von sich, „Ach, sie sind es, Herr Nishimura. Möchte der Boss sie wieder sehen?“Ich nicke.„Ich verstehe. Sie kennen ja den Weg. Aber wenn sie danach noch Zeit haben, würde ich mich auch über ihre Gesellschaft sehr freuen“, sagt sie.Doch ich antworte ihr nur,„Konzentrieren sie sich lieber auf ihren Job.“Während ich weiter gehe, zur hinteren Wand der Eingangshalle, zum Aufzug, ruft sie mir hinterher:„Also stehen sie eher auf hart arbeitende Frauen?“

Doch ich reagiere da gar nicht mehr drauf. Sie hat es schon so oft versucht, so langsam nervt mich ihr Verhalten nur noch.Im Aufzug drücke ich den Knopf für den sechsten Stock. Dort befindet sich nur das Büro des Chefs. Was er wohl wieder von mir will? Bestimmt wieder ein Auftrag, den er nicht übers Telefon besprechen will.

Es dauert nicht lange, da hält der Aufzug an. Langsam öffnet sich die Tür und ich trete heraus. Vor mir erstreckt sich ein kleiner Vorraum. Auf der gegenüberliegenden Seite ist die Tür zum Büro. Ich laufe langsam über den roten Teppich am Boden. Nirgendwo im ganzen Gebäude sieht es so gut aus, wie hier am Büro. Und verglichen mit dem eigentlichen Büro ist dieser Vorraum auch noch schäbig.Ich klopfe an die Tür.„Boss, sie wollten mich sprechen?“, frage ich.„Komm rein, Tetsuya!“, erklingt eine befehlende Männerstimme.Sofort öffne ich die Tür. Die Wände sind komplett mit Holz ausgekleidet, auf dem Boden liegt ebenfalls ein roter Teppich aus Samt und an der Decke hängt ein ziemlich teurer Kronleuchter, der das ganze Büro beleuchtet.Mein Chef sitzt an einem Glastisch in der Mitte des Raumes. An diesem Tisch stehen zwei Stühle. Der in einem schwarzen Anzug gekleidete Mann bittet mich, auf dem zweiten Stuhl platz zu nehmen. Kaum sitze ich, bietet er mir ein Glas Wein an.Doch ich antworte:„Ich fühle mich wirklich geehrt von ihrem Angebot Boss, doch ich bin noch im Dienst. Also, worüber wollten sie mit mir reden?“„Gewissenhaft und ehrlich wie immer, Tetsuya. Gut, dann nicht. Möchtest du was anderes trinken? Einen Kaffee?“, fragt er, anstatt auf meine Frage einzugehen.„Ja, ein Kaffee klingt nicht schlecht, wenn sie das nicht stört“, antworte ich. „Nicht doch. Wie möchtest du ihn?“, fragt er.„Schwarz, wie immer“, antworte ich ihm.Wenig später bekomme ich schon einen Kaffee. Kaum steht die Tasse auf dem Tisch, beginnt mein Chef endlich mit dem Thema.„Tetsuya, der Grund, weshalb ich dich hierher bestellt habe, ist ein Auftrag. Er ist ziemlich kompliziert und hat einige Ungereimtheiten“, erklärt er.„Aber Herr Miyazawa, finden sie wirklich, dass ich die richtige Person dafür bin?“ frage ich.„Natürlich!“, antwortet er, „Es gibt keinen besseren als dich.“„Was ist mit der S1? Das sind schließlich unsere besten Männer“, frage ich.„Die haben schon versagt“, antwortet mein Chef, „Alle haben bisher versagt. Die S2, die S1, sogar die Einheit 0. Deshalb frage ich dich. Selbst der Gruppenführer der Einheit 0 respektiert dich. Um ehrlich zu sein, war es auch er, der dich vorgeschlagen hat. Deine Fähigkeiten sind einfach unbeschreiblich, wir sind uns einig, dass du es schaffen kannst.“

„Und das, obwohl selbst 1 und 0 versagt haben? Sie überschätzen mich maßlos. Aber gut, ich guck es mir mal an. Worum geht es?“, frage ich.„Ich wusste, dass auf dich Verlass ist“, sagt Herr Miyazawa, „Es geht um einen Misslungenen. Einer der ganz gefährlichen Art. Wir wissen nicht, wie viele Bewusstsein er hat und wie gut seine Fähigkeiten sind, aber was wir wissen ist, dass er sehr gefährlich ist. Er hat mehrere bewaffnete Soldaten auf seiner Seite und hat fünf mögliche Aufenthaltsorte. Alle davon sind schwer bewacht. Die genauen Standpunkte sind auf einer Karte, die ich dir gleich schicken werde, zusammen mit allen Informationen, die wir haben. Die Soldaten sind zweitrangig. Es sind normale Menschen. Oberste Priorität bei dem Auftrag hat das Gehirn des Misslungenen. Wir brauchen es unbeschädigt!“„Ich habe verstanden, Boss. Ich werde ihnen den Mann, wenn möglich, noch lebendig vorbei bringen und dem Gehirn keinen Schaden zufügen. Die Soldaten töte ich nur, wenn sie mir im Weg stehen. Ich kann ihnen aber keinen Erfolg versprechen. Wie lange hab ich Zeit?“, antworte ich.„So lange wie du willst“, entgegnet mein Chef. Ich trinke den letzten Schluck meines Kaffees und erhebe mich.„Vielen Dank für den Kaffee. Ich werde ihnen ein möglichst gutes Ergebnis bringen.“Ich verabschiede mich von Herr Miyazawa und verlasse das Büro wieder. Mit dem Aufzug fahre ich wieder nach unten. In der Eingangshalle ist die Rezeptionistin schon wieder mit ihren Haaren beschäftigt. Doch als ich an ihr vorbei zur Tür gehe, bemerkt sie mich.Sofort ruft sie:„Nishimura, was ist jetzt mit unserem Date?“Ich drehe mich kurz zu ihr. „Tut mir wirklich leid, aber ich habe wieder einen Auftrag“, gebe ich zurück.„Das ist gemein, immer sind sie am Arbeiten. Nehmen sie sich mal eine Pause“, sagt sie.Doch ich bin schon aus der Tür verschwunden. Als die Tür hinter mir zu fällt höre ich sie noch fluchen, dass ich schon wieder verschwunden bin. Sie will es wirklich nicht aufgeben. Dabei habe ich ihr schon so oft zu verstehen gegeben, dass ich nichts von ihr will, doch sie versucht es immer wieder.

Ein neuer Auftrag... Es ist schon sehr spät. Ich sollte erst mal nach Hause gehen und morgen loslegen. Je besser ich da drauf vorbereitet bin, desto eher wird es ein Erfolg.

Es ist inzwischen 2 Uhr morgens. Ich streife durch die dunklen Gassen, auf dem schnellsten Weg zu meiner Wohnung. Nur vereinzelt steht an diesen Gassen eine Laterne. Auf der Erde liegt sehr viel Abfall und die Wände sind voll mit Graffiti. Und in dieser Siedlung wohne auch ich. Es ist nicht gerade die schönste Ecke, und lange nicht die sicherste, schließlich werden hier wöchentlich zwei Menschen umgebracht, aber die Miete ist niedrig.Da ist sie auch schon, meine kleine Wohnung. Ich schließe die Tür auf, da springt mich schon ein Hund an und reißt mich zu Boden. Es ist ein kleiner Ainu mit weißem Fell.„Hey, Ivo, ich freu mich ja auch dich zu sehen“, begrüße ich den Kleinen.

Er geht von mir runter und ich richte mich wieder auf. Der Hund läuft sofort wieder rein und ich gehe langsam hinterher. Hinter mir schließe ich die Tür ab. Ich gehe durch den kleinen Flur ins nächste Zimmer. Dort setze ich mich an den kleinen Tisch. Ivo legt sich sofort auf meinen Schoß. Er will von mir gestreichelt werden. Das macht er jedes mal, wenn ich von der Arbeit komme. Es beruhigt mich, den Kleinen zu haben. Der Job bei den Blades kann sehr stressig sein, auch wenn man nur selten Aufträge hat, Da ist es gut, etwas Abwechslung zu haben. In der Organisation würde mir wahrscheinlich niemand glauben, dass ich auch eine sensible Seite habe. Es dauert nicht lange, da ist Ivo schon eingeschlafen. Ich lege ihn vorsichtig auf ein Kissen, das am Rand des Zimmers steht. So langsam sollte ich mich auch mal hinlegen. Das Schlafzimmer liegt gleich gegenüber. Auch das ist sehr spärlich eingerichtet. Ein Bett und ein Karton mit Kleidung. Aber das reicht auch für mich. Ich schmeiße mich aufs Bett und schaue noch eine Weile zur Decke auf, ehe ich meine Augen schließe. Bis ich eingeschlafen bin, denke ich noch über den Auftrag nach.

Ein Misslungener, der selbst der Einheit 0 zu mächtig ist, und das soll ich alleine schaffen? Die wollen mich doch verarschen. Oder wollen die einfach nur, dass ich sterbe? Nein, ich habe nichts getan, was meine Exekution rechtfertigen würde. Gut, ich wurde zwischendurch von meinem Ziel gesehen, aber das ist danach auch immer gestorben. Und die Gehirne waren meist auch unbeschädigt. Ich sollte mir nicht so sehr den Kopf darüber zerbrechen, warum ich gewählt wurde, sie werden schon ihren Grund dazu haben. Ich werde mich sofort auf den Weg machen, wenn ich ausgeschlafen bin, und gucke mir mal die möglichen Aufenthaltsorte des Ziels an...

Kapitel 2

Gegen Mittag wache ich wieder auf. Das erste, was ich tue, ist einen Blick auf die Uhr werfen.„Halb Zwölf“, seufze ich, während ich mich langsam aus dem Bett erhebe und mir was Neues anziehe. Diesmal nicht meine schwarze Uniform, die ich sonst immer bei der Arbeit trage. Eine Jeans und ein dunkelblaues Shirt, das sollte für heute reichen. In meine Tasche packe ich mir trotzdem mal ein Exemplar meiner Uniform. Die schwarze Hose, das blutrote Shirt, der schwarze Mantel und der graue Gurt, an dem ich mein Messer habe.Doch bevor ich gehe, sollte ich noch schnell was essen. Ich brate mir schnell einen Fisch und auch Ivo gebe ich sein Futter in seinen Napf. Die Küche ist im gleichen Raum wie das Wohnzimmer, in dem auch Ivos Kissen liegt. Wie gesagt, die Wohnung ist nicht gerade groß. Nach dem Essen gehe ich sofort los. Zu erst klopfe ich jedoch noch bei der Wohnung meiner Nachbarin an. Wenig später öffnet eine alte Frau die Tür.„Oh, hallo Tetsuya. Du hast ja lange nicht mehr hier vorbei geschaut“, begrüßt sie mich.„Guten Tag, Frau Noma. Ja, es ist wirklich eine Weile her, ich hatte viel zu tun“, begrüße ich sie ebenfalls.„Und was verschafft mir die Ehre an diesem schönen Tag?“, fragt sie.„Ich wollte fragen, ob sie mir einen kleinen Gefallen tun könnten“, antworte ich.„Natürlich, so oft, wie du mir schon geholfen hast“, meint sie.„Ich muss für ein paar Tage weg und wollte sie deshalb fragen, ob sie wieder auf Ivo aufpasse könnten. Natürlich nur, wenn ihnen das wirklich nichts ausmacht“Sie willigt sofort ein.„Auf den Kleinen aufzupassen ist ja nicht anstrengend. Du hast ihn ja gut erzogen. Ich passe gerne auf ihn auf, bis du zurück bist.“„Vielen Dank. Ich muss dann auch schon los. Wenn ich zurück bin lade ich sie dann zum Dank auf einen Kaffee ein“ verabschiede ich mich und gehe auch schon wieder weiter.„Ach, mach dir keine Umstände, Junge. Das ist ja nichts Großes, worum du mich hier bittest“, sagt sie, während ich gehe.Anschließend geht auch schon die Tür hinter ihr zu.

Nun kann ich mich voll und ganz auf den Auftrag konzentrieren. Zu erst wollte ich mir die markierten Orte auf der Karte angucken. Mein Motorrad steht am Eingang des Hofes. Damit müsste ich schnell zu den einzelnen Orten kommen. Das einzige Problem ist, die sind in gleichmäßigen Abständen im Kreis um ein Gebiet hier in der Stadt angeordnet, und ich befinde mich grade einige Kilometer von dem Kreis entfernt, in der Mitte zwischen zwei Punkten. Ich darf keine Zeit verlieren! Sofort schwinge ich mich auf mein Motorrad und fahre los. Am Tag sieht die Siedlung in der ich lebe gleich viel freundlicher aus, ins Licht der Sonne getaucht, ohne zwielichtige Gestalten an jeder Ecke. Je mehr ich mich von meinem Zuhause entferne, desto weniger Graffiti ist auch an den Wänden zu sehen, bis die Wände schließlich komplett frei davon sind. Nur noch riesige, graue Betonwände. Der Bezirk ist voll von Hochhäusern, bis auf der einen kleinen Ecke, in der ich Wohne. Es dauert nur ein paar Minuten, da lasse ich die erste Betonwüste hinter mir. Die nächsten zehn Minuten werde ich über eine Straße fahren, umgeben von grüner Natur. Einer der wenigen, noch wirklich grünen Orte dieser Stadt, eine weite Wiese, vereinzelt stehen dort ein paar Bäume, unterschiedliche Arten von Bäumen. Hier kann man sich wirklich gut entspannen, wenn man eine Auszeit vom Stadtleben braucht und dafür nicht die Stadt verlassen will. Ich wünschte ich hätte die Zeit dafür, aber die Arbeit geht vor. Zur Mittagszeit ist der Verkehr zwischen den 14 Bezirken der Stadt derartig gering, man sieht fast kein Auto. Aber selbst für diese Uhrzeit ist es heute ziemlich leer auf der Straße. Es sind nicht nur wenige, ich habe heute noch kein einziges Fahrzeug auf dieser Strecke gesehen. Irgendwas stimmt da nicht. Ob das wohl mit meinem Auftrag zusammen hängt?

Am Horizont sieht man schon die nächsten Gebäude. Ich nähere mich schnell dem nächsten Bezirk. Es ist der fünfte Bezirk. Die Gebäude dort sind allesamt nicht sonderlich hoch und komplett weiß gestrichen. Dieser Bezirk hat auch den Spitznamen „Der schneeweiße Kern der Stadt“. Diesen Namen hat er der Farbe der Gebäude zu verdanken. Es ist außerdem der kleinste der vierzehn Bezirke.Kurz bevor ich in Sichtweite der Gebäude bin verlasse ich die Straße, in einen dunklen Wald hinein. Das ist der leichteste Weg zum ersten Stützpunkt. Es dauert nicht lange, da bin ich bereits am Stützpunkt meines Ziels vorbei. Innerhalb des Rings, welcher etwa ein Viertel des Bezirks einkreist, kann ich nun leichter alle Orte abfahren. Es sind alles unterschiedliche Gebäude. Sie sind nicht öffentlich zugänglich, teils sogar verlassen oder einsturzgefährdet. Dazu kommt noch, dass sie alle schwer bewacht werden. Alleine an den Eingängen, die ich von der Straße aus sehen konnte und an den Fenstern stehen mehrere, schwer bewaffnete Personen. Einige patrouillieren sogar über die Straße. Alle sind gleich gekleidet. Sie tragen eine dunkelgrüne Militäruniform. Auf ihrem Rücken ist ein schwarzer Adler abgebildet. Einen zweiten Eingang gibt es auch nirgends. Und ich will gar nicht wissen, wie viele in den Gebäuden sind. Sobald ich mit meiner Runde fertig bin, setze ich mich in ein kleines Kaffee, das sich nahe des letzten Stützpunktes befindet, an dem ich vorbei gefahren bin. Einen schwarzen Kaffee bestell ich. Vor mir liegt mein Handy mit einer Karte der Gegend offen.Irgendwas stört mich. Die Unterkünfte der Anhänger meines Ziels sind zu gleichmäßig verteilt. Dazu kommt noch die Bewachung. An den Häusern, scheinbar dutzende, auf den Straßen hingegen nur in großer Entfernung eine große Präsenz. Sie sind so verteilt, dass ein unbefugtes Betreten eines Hauses sofort zum Tot des Eindringlings führt. Dazu kommt noch, dass sie sehr schnell an Verstärkung kommen würde. Ich trinke einen Schluck von meinem Kaffee. „Das ist doch eindeutig eine Falle“, murmle ich, „aber wo sind sie wirklich? Wen auch immer ich da verfolge, er scheint sehr intelligent. Sein Versteck wird nicht so offensichtlich sein. Oder hat er schon beachtet, dass man das denken könnte und deshalb das Offensichtlichste genommen? Dazu würde auch die Aufteilung der Patrouillen passen. Aber das könnte auch wieder eine Falle sein, vorausgesetzt, das Ziel hat so weit gedacht. Nein, jeder, der so weit denkt, würde sich von dort fern halten. Er ist dort. Obwohl, nein, das ist zu Offensichtlich. Er befindet sich nicht im Zentrum. Wo sind die wenigsten Anhänger gewesen? Dort!“

Schnell trinke ich meinen Kaffee aus, bezahle und renne wieder raus. Wieso habe ich so lange gebraucht, um darauf zu kommen? Das ist doch sowas von offensichtlich! Ich bin ja sogar an ihm vorbei gefahren. Schnell fahre ich zu diesem Standpunkt. Es ist der Stützpunkt, an dem ich als aller erstes vorbei gefahren bin.Ich konnte unmittelbar an dem Gebäude vorbei fahren, direkt an den Wachen vorbei. Sie schienen sich nicht mal gewundert zu haben, dass jemand über eine so alte, inzwischen eigentlich gesperrte, Straße fährt. Er schien also vorher schon zu wissen, dass wir von dort kommen und hat sich wahrscheinlich ordentlich kaputt gelacht, als er uns hat an ihm vorbei fahren sehen. Aber jetzt ist Schluss mit lustig, denn jetzt bin ich am Zug!

Ganz in der Nähe stelle ich mein Motorrad ab. Über ein nebenstehendes Gebäude werde ich eindringen. Es ist etwas höher. Vom Dach aus komme ich dort prima rüber. Das Gebäude ist leer und unbewacht, der Weg aufs Dach ist daher ein Kinderspiel. Doch das war sogar zu leicht und auf dem Dach angekommen sehe ich auch schon wieso. Auf dem Dach, auf das ich von hier aus springen wollte stehen mehrere Schützen, alle schwer bewaffnet. Sie drehen mir zwar gerade den Rücken zu, aber sobald ich rüber springe oder einen von ihnen töte werde ich von ihnen vollständig durchlöchert.Dann halt Plan B. Ich verankere ein Seil an einer Kante des Hauses, auf dem ich stehe und seile mich ab, bis ich unter der Dachkante bin. Von hier aus springe ich an die Dachkante des anderen Hauses und hangel mich bis zum nächsten Fenster. Vor dem Fenster ist ein kleines Brett, auf das lass ich mich fallen. Das Fenster steht sogar offen. Ob das wohl auch wieder eine Falle ist? Naja, eigentlich auch egal. Jetzt gibt’s eh kein zurück mehr. Ich klettere also durch das Fenster ins Haus rein. Im ganzen Flur keine einzige Wache, irgendwas ist hier faul. Wo ist das Begrüßungskomitee?„Oh, da kommt es ja schon“, sage ich grinsend, als die ersten Soldaten kommen. Sie haben keine Schusswaffen. Das macht es leichter. Und einer von ihnen verrät mir sicher, wo ich ihren Boss finde.Ich ziehe mein Messer. „Lasst uns das hier schnell hinter uns bringen“, flüstere ich dabei.Ich sollte nicht zu viel Lärm machen, sonst fliegen sie noch aus.Kaum habe ich es ausgesprochen stürmen sie schon auf mich los. Fünf Stück, jeder ein kleines Messer, unerfahren im Kampf. Ich hab leichtes Spiel.Erster Hieb, dem Ersten wurde die Kehle aufgeschlitzt. Noch während er fällt nehme ich mir sein Messer. Dem Zweiten weiche ich aus, dabei umwickle ich seinen Hals mit einem Nylonfaden. Ein Zug und er kriegt keine Luft mehr. Dem Dritten ramme ich das Messer seines Kollegen zwischen die Augen, während ich ihm mit meinem ebenfalls den Hals aufschlitze. Nur noch zwei.„Ihr seid mir nicht gewachsen“, sage ich ihnen seelenruhig. So langsam bekommen sie Angst, dennoch gehen sie auf mich los. Den Ersten stoße ich gegen die Wand links von mir, dem Zweiten weiche ich aus. Dabei nehme ich ihm sein Messer ab und ramme es dem anderen in den Nacken. „Nun, dich lasse ich vorerst leben. Ich habe ein paar Fragen an dich und du wirst sie mir auch beantworten.“

Der letzte Lebende gibt sofort nach. Er will mir alles sagen, wenn ich ihn nur am Leben lasse. Das verspreche ich ihm auch. Trotzdem fessle ich ihn erst. „Los, sprich, wo ist euer Boss?“, frage ich.„Im Keller!“, antwortet er sofort.„Danke“, gebe ich freundlich, lächelnd von mir.Denkt gar nicht erst da dran, dass ich ihm die Fesseln abnehme. Ich brauche ihn ja noch, falls er gelogen haben sollte.Das Haus hat zwar einen Fahrstuhl, der bis in den Keller fährt, aber wenn ich den nehme stürzt der bei meinem Glück noch ab. Also die Treppen. Ich bin ja gerade eh nur im zweiten Stock. Im Treppenhaus treffe ich wieder keinen. Sie sind alle auf die Außenwelt konzentriert. Lautlos schleiche ich an ihnen vorbei. Die Häuser hier sind ja sogar innen ganz weiß. Bis auf ein paar grüne Banner in diesem hier. Aber das könnte an meinem Ziel liegen.Da ist die Treppe zum Keller. Am unteren Ende ist eine schwere Eisentür. Ich versuche sie zu öffnen, doch sie ist verschlossen. Dann klopfe ich mal.Kaum habe ich geklopft, öffnet sich die Tür einen Spalt und eine leise Frauenstimme spricht zu mir.„Wer ist da?“, fragt sie.„Nishimura mein Name, ich wollte mit Ihnen reden“, antworte ich ihr.„Mit mir?“, fragt sie.„Ja, also öffnen sie bitte die Tür“, bitte ich sie. Die Tür wird auch sofort geöffnet. Eine Junge Frau steht vor mir. Sie ist einen Kopf kleiner als ich und hat langes, blondes Haar.„Vielen Dank. Es tut mir leid“, gebe ich von mir.„Was tut ihnen leid?“, fragt sie verwirrt.„Was hier gleich passiert. Bitte gehen Sie, sonst muss ich sie auch gefangen nehmen“, sage ich.Die junge Frau ist immer noch verwirrt, doch sie tut, was ich ihr sage und geht.Vor mir liegt ein kleiner Flur, er ist komplett leer. Auf der anderen Seite ist eine kleine Holztür. Hinter mir fällt die Eisentür zu. Die Holztür aufzubrechen ist kein Problem. Sie scheint sehr alt und morsch. Dazu kommt noch, dass sie nicht mal abgeschlossen ist. Vorsichtig öffne ich die Tür, doch die Scharniere quietschen derartig laut, dass mich alle im Raum bereits bemerkt haben. Doch im Raum sind nur Soldaten. Aber sie greifen mich nicht an. „Du bist also wirklich in die Falle getappt. Ich muss schon sagen, unsere Chefin ist echt genial“, sagt einer der Soldaten.Ihre Chefin? Also war die Frau vorhin das Ziel. Naja, immerhin weiß ich jetzt endlich mal, wen genau ich suche. „Sagt mal, wie viele Gehirne hat eure Chefin?“, frage ich. Ich bin immer noch die Ruhe selbst.„Drei!“, antwortet einer der Soldaten.Drei Gehirne also, und dann noch eine Missglückte. Ich verstehe schon, wieso mein Boss dieses Gehirn unbeschädigt haben will, doch um ihm das zu besorgen muss ich erst mal hier raus. Aber wie? Wenn ich mich umdrehe bin ich ungeschützt und die können mich töten. Wenn ich rückwärts gehe kann mich jederzeit einer von hinten überraschen. Ich sitze hier ziemlich in der Klemme. Eine so aussichtslose Situation hatte ich lange nicht mehr. Grinsend blicke ich in die Menge vor mir, in dutzende verwirrte und überraschte Gesichter. Wie kann ich in so einer Situation noch ruhig bleiben und lachen, fragen sie sich. Und die Antwort ist ganz einfach, ich habe bereits einen Plan, wie ich hier raus komme. Der Raum ist ebenfalls komplett leer. Die in der hintersten Reihe haben Schusswaffen, vorne haben die Messer und Pistolen mit kleinerer Reichweite. Was wäre der beste Weg, hier unbeschadet weg zu kommen? Richtig, eine Schlägerei in deren eigenen Reihen. Die muss ich jetzt nur noch verursachen. Ich habe nur ein Messer dabei, das ich los werden kann und mein Messer, das ich immer im Nahkampf benutze. Das eine Messer werfe ich in die Menge, gegen den Abzug einer Pistole, von dieser löst sich ein Schuss, der einen anderen Soldaten tötet. Es beginnt das erste Gemurmel. Der Schütze versucht sich raus zu reden. Alle Augen sind nun auf ihn gerichtet. Zwei der vordersten töte ich, ohne dass jemand das bemerkt und lege sie leise ab. Zum Glück für mich, sind sie grade derartig unaufmerksam, dass das funktioniert. Ihre Messer werfe ich auf zwei ihrer Kameraden und stelle mich wieder in die Tür. Zwei weitere gehen mit einem lauten Schrei zu Boden, jetzt ist das Chaos endgültig. Sie trauen sich nicht mehr gegenseitig und schenken mir jetzt erst recht keine Beachtung mehr. „Wir sehen uns!“, rufe ich ihnen noch zu, als ich gehe. Doch sie bekommen selbst das nicht mehr mit.Die Eisentür ist auch nicht abgeschlossen, dabei macht sie es mir damit nur noch einfacher. Ich hätte die Tür abgeschlossen und mich mit den Chaoten hier eingesperrt, dann wäre ich sicher, dass ich mir nicht mehr in die Quere kommen könne. Aber so weit kann sie wohl mit ihren drei Gehirnen nicht denken. Sie hat wohl am falschen Ende gespart. Auch auf dem Weg nach oben begegne ich keinem Soldaten. Das Haus ist wie leergefegt. Anscheinend haben sie den Stützpunkt aufgegeben, für den Fall, dass ich entkomme. Langsam gehe ich wieder zu meinem Motorrad. „Wo könnte sie nur jetzt sein?“, frage ich mich, „Jetzt muss ich wohl wieder bei null anfangen.“Neben meinem Motorrad bleibe ich stehen und lehne mich an eine Hauswand. Heute ist echt nicht mein Tag. Erst fahre ich am Aufenthaltsort meines Zieles vorbei und irre unnötig durch die Stadt und jetzt ist mir mein Ziel noch entkommen. Wenn der Boss das erfährt, kriege ich noch echt Probleme. Besser beeile ich mich und finde ihr neues Versteck schnell.Mir lange darüber den Kopf zu zerbrechen bringt nichts, deshalb schwinge ich mich schnell auf mein Bike und fahre los, direkt in eine ihrer Fallen hinein. Im Zentrum des Kreises sind die meisten Leute, sicher sind sie dort nicht, aber vielleicht komme ich da an ein paar Informationen.

Doch was ich bei meiner Ankunft dort sehe ist unbeschreiblich. Ein schrecklicher Anblick. Deshalb habe ich in der ganzen Zeit hier kaum einen Menschen gesehen. Im Zentrum des Kreises sind dutzende Leute versammelt. Sie sind alle gefesselt, teils tot. „Was zur Hölle ist hier los?“, frage ich. Da packen mich schon zwei Soldaten meines Ziel, je einer pro Arm, und wollen mich gefangen nehmen.„Noch ein freiwilliges Gehirn mehr, wie toll“, sagen sie synchron. Sie sammeln die Leute hier also um an ihre Gehirne zu kommen. Stimmt, in den Unterlagen stand, dass hier in der Gegend sehr viele, sehr intelligente Personen verschwunden sind, deren Gehirne wahre Goldgruben sein könnten. Das machen die also hier. Das erklärt den großen Auflauf an bewaffneten Soldaten. Mist, wenn ich mich wehre, bring ich die anderen nur in Gefahr, dann habe ich definitiv ein Problem, und das nicht nur mit Herrn Miyazawa. „Wollt ihr wirklich mein Gehirn?“, frage ich. „Das ist überhaupt nichts wert.“„Wie viel du wert bist, bestimmt die Chefin“, antworten sie wieder synchron.„Von mir aus“, gebe ich unmotiviert und gelangweilt zurück.Ich scheine ja heute doch noch Glück zu haben. Jetzt kommt mein Ziel sogar freiwillig zu mir. Doch die Typen fesseln mich erst mal an einen Pfahl, den sie hier auf einem großen Platz aufgestellt haben. Eng bei einander stehen hier sehr viele davon. Teils sind da vier Personen gleichzeitig dran gebunden, ich bin alleine, das beruhigt mich sogar ein wenig. Teils liegen die sogar gefesselt am Boden und die Toten werden am Rand aufgehäuft. So behandelt man eigentlich keine Leichen, aber unsere Entsorger sind auch nicht netter zu den Toten.Auf jeden Fall heißt es jetzt erst mal warten. Sehr lange warten. Selbst spät abends ist sie noch nicht aufgetaucht. Jede Stunde haben sie einen getötet. Sie haben den Kopf aufgeschnitten und das Gehirn entnommen. Ich will gar nicht nachzählen, wie viele Gehirne in den Aufbewahrungsbehältern sind. Und ich habe auch noch direkten Blick da drauf.Mitten in der Nacht kommt sie endlich. Die Beiden, die mich gefangen genommen haben, führen sie direkt zu mir.„Oh, wen sehe ich denn da. Wie erwartet, hast du das Haus verlassen können, doch dass du hier auftauchst, hätte ich nie gedacht“, sagt sie.„Wäre mir neu, dass wir schon beim 'du' sind. Aber ist eigentlich egal, oder?“, entgegne ich.„Oh, tut mir leid, wir wollten nicht so unhöflich sein. Aber du hast recht, es ist jetzt egal, denn du stirbst eh gleich. Dein Gehirn gehört zu den wertvollsten hier“, sagt sie.„Ich fühle mich echt geschmeichelt“, sage ich grinsend, „dass sie mein Gehirn für so kostbar halten, aber hier ist es leider nicht für mich vorbei.“

Meine Fesseln fallen zu Boden, mit meiner rechten Hand streiche ich mir meine Haare aus dem Gesicht, die vom ganzen nach unten gucken der letzten Stunden nun vor meinen Augen hängen, mit meiner linken Hand ramme ich das Messer, mit dem ich die Seile durchgeschnitten habe, der Wache links von mir in die Brust. Sofort greift mich die zweite Wache an, doch ich schaffe es auszuweichen und durchbohre auch sein Herz mit meiner Klinge.„Du bist besser als wir dachten“, gibt mein Ziel von sich, während es drei Schritte zurück weicht.Kaum habe ich mich zu ihr gedreht, sucht sie auch schon das Weite. So schnell sie kann, versucht sie quer über den Platz wegzulaufen. Sofort nehme ich die Verfolgung auf. Sie mag zwar mit ihren drei Gehirnen intelligenter sein als ich, und ist auch nicht grade unsportlich, aber ich bin eindeutig ausdauernder als sie. Anfangs sind wir etwa gleich schnell, doch das ändert sich bald. Als sie am gegenüberliegenden Ende des Platzes ankommt, wird sie bereits langsamer, während ich nochmal schneller werde. Sie kennt sich in den Straßen hier besser aus. Ich muss sie kriegen, bevor sie in einer Seitengasse verschwindet und ich sie aus den Augen verliere. Das dauert auch nicht mehr lange, sie wird von Sekunde zu Sekunde langsamer, bis ich sie endlich eingeholt habe. Ich packe mir ihren Arm und sage:„Jetzt ist es vorbei, aber keine Sorge, ich töte dich nicht. Zumindest, wenn du nett und kooperativ bist.“

Noch während ich das sage, nehme ich ihr ihre Waffe ab und schmeiße sie zur Seite. Mit einem Seil, dass ich mir beim laufen geschnappt hatte, fessle ich sie. Ihre Beine bleiben frei, sie soll ja schließlich noch laufen können. Wir sind gerade in einer kleinen Seitenstraße. Ich führe sie hinaus auf die nächste Hauptstraße, wo ich sie sanft auf die Knie bringe. Anschließend rufe ich sofort den Kommandanten der Einheit 0 an, einen guten Freund von mir, Shun Higa.

Etwa eine Stunde später, in der mein Ziel die ganze Zeit nur gemeckert hat, kommen sie auch schon an. „Hallo, Tetsuya!“, begrüßt Shun mich.„Morgen. Hier ist die Misslungene. Um den Rest kümmert ihr euch doch sicher, oder?“, frage ich ihn.Shun nickt. „Heute Abend wieder in unserer Stammbar?“, frage ich ihn noch, als sie an mir vorbei gehen.„Sicher. Gleiche Uhrzeit wie immer“, antwortet er.In der Öffentlichkeit und bei Einsätzen ist er immer so wortkarg. Das ändert aber nichts an der Tatsache, was für ein bemerkenswerter Blade er ist. Nicht nur seine Fähigkeiten sind unglaublich, auch sein Charakter. Ich kenne keinen, der nicht mit ihm klar kommt. Natürlich, gibt es auch Leute, die auf ihn neidisch sind, aber auch die hassen ihn nicht wirklich. Auch in seiner Einheit hat er die unterschiedlichsten Arten von Menschen. Dazu kommt noch, dass er, so wie ich, zu den wenigen Blades gehört, die noch kein weiteres Gehirn bekommen haben, dennoch heißt es, wir wären die Besten. Manche aus unserer Organisation schließen sogar Wetten ab, wer von uns einen kniffligen Auftrag bekommt oder wer in einem Monat mehr Misslungene ausschaltet. Aber genug zu ihm, ihr werdet ihn noch genauer kennen lernen.

Jetzt, da die Einheit 0 alles weitere erledigt, kann ich zurück und meinen Bericht abgeben. Aber Ruhe werde ich noch nicht haben. Der Boss wird wahrscheinlich bereits den nächsten Auftrag für mich haben.„Soll ich mir vielleicht etwas Zeit lassen, auf dem Rückweg?“, frage ich mich, als ich mich wieder auf mein Motorrad schwinge. „Nein, Shun hat dem Boss wahrscheinlich schon Bescheid gegeben, dass sie hinter mir her räumen gehen.“Das wird dann wohl nichts mit einer kurzen Pause auf dem Rückweg, aber mir wird schon niemand verübeln, dass ich nicht zurück rase.Langsam, in einem gemütlichen Tempo fahre ich wieder zurück. Es scheint bereits bekannt zu sein, dass die Organisation gefallen ist. Es sind wieder mehr Menschen unterwegs, und auch die Straße ist nicht mehr komplett leer. Zu der Zeit sind zwar generell nicht viele Autos zu sehen, aber ein paar auf der Straße zu haben ist immer noch besser, als eine komplett leere Straße, das ist ein ganz anderes Gefühl. Eine leere Straße wirkt immer so einsam und verlassen, ein bisschen Leben bewirkt da regelrecht Wunder. Auch auf der Grünfläche zwischen den beiden Bezirken sieht man nun wieder Kinder spielen oder Erwachsenen nach einem harten Tag entspannen. Nur in meiner Heimat wirkt es immer noch bedrückt. Gut, das ist auch die schlimmste Ecke in der ganzen Stadt. Da ist es auch schon wieder am Ende der Straße zu sehen, das große Gebäude von Black Blades. Ich parke mein Bike direkt an der Tür. Beim betreten der Eingangshalle sind sofort alle Blicke auf mich gerichtet. Die Halle ist diesmal ziemlich voll, teils bekannte Blades, teils vollkommen neue Gesichter.Ich laufe direkt durch zum Aufzug. Beim durchschreiten der Halle höre ich das Getuschel der anderen.„Das ist Tetsuya Nishimura.“„Er soll heute wieder einen Misslungenen mit drei Gehirnen erledigt haben.“„Der sieht echt stark aus.“„Er soll sogar der Einheit 0 überlegen sein.“Natürlich sind das alles nur Gerüchte, aber unser Boss mag solche Schauermärchen und will die anderen mit Shun und meiner Rivalität etwas anspornen. Aber ich finde, er übertreibt damit ein wenig.Mit dem Aufzug fahr ich wieder direkt zum Büro des Bosses und klopfe an die Tür. Er bittet mich sofort herein. Woher er weiß, dass ich das bin? Nun, er hat eine Kamera direkt vor der Tür installiert. Ich betrete sofort das Büro. Mein Boss bietet mir diesmal keinen Platz an.„Gute Arbeit, Nishimura, dieses Gehirn wird uns wirklich sehr helfen“, beginnt er sofort.„Danke“, gebe ich kurz zurück. „Die Belohnung ist bereits überwiesen. Bist du dir sicher, dass du kein weiteres Gehirn haben willst? Überlege mal, wie viel besser du dann noch wärst“, fragt mein Boss.„Ich fühle mich wirklich sehr geehrt, aber ich brauche wirklich keins. Meine Fähigkeiten sind gut so, wie sie sind. Außerdem haben viele auch so schon Angst vor mir. Könnten sie bitte mit den Geschichten aufhören?“, bitte ich ihn.Doch Herr Miyazawa verneint diese Bitte. Er will Shun und mich unbedingt als unschlagbar darstellen und die anderen anspornen, uns besiegen zu wollen.

„Was ist mein nächster Auftrag?“, frage ich.„Willst du immer noch arbeiten?“, fragt Herr Miyazawa. „Nimm dir den restlichen Tag doch einfach frei. Ich schicke dir morgen früh Informationen zu einem neuen Auftrag.“

„Vielen Dank“, sage ich und verabschiede mich.Ich gehe auf den gleichen Weg zurück, wie ich auch hoch gegangen bin. In der Eingangshalle begegne ich einem bekannten Gesicht. Ein junger Mann spricht mich an. Er ist ein Neuling, etwa zwei Jahre jünger als ich. „Guten Tag Herr Nishimura“, spricht er mich an.„Hallo Asahi“, grüße ich ihn zurück.Asahi Honma, ein guter Junge. Er gehört noch nicht lange zu uns, ist aber sehr talentiert. Ich habe ihm ein bisschen im Kampf mit dem Messer trainiert.„Haben sie wieder einen Auftrag, Meister?“, fragt er mich.„Nein, diesmal nicht, ich hab heute mal frei. Und, wie geht’s bei dir voran?“, frage ich.„Was, auch sie machen mal frei? Naja, ich habe fleißig trainiert und sehr viele Aufträge erledigt!“, antwortet er stolz. „Kann ich mal mit ihnen zusammen auf einen Auftrag gehen?“„Mal gucken, irgendwann bestimmt. Und bis dahin bist du weiter schön fleißig. Na dann, ich muss los, man sieht sich!“, verabschiede ich mich.Auch Asahi verabschiedet sich. Mit ihm auf einen Auftrag, dass könnte wirklich interessant werden, aber bis es dazu kommt, wird noch ein Weilchen dauern.Zügig verlasse ich wieder das Gebäude und schwinge mich auf mein Motorrad.

Kapitel 3