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Ein unbekanntes Raumschiff nähert sich der Erde. An Bord: drei Astronauten, die von einem fernen Planeten kommend den Auftrag haben, nach intelligentem Leben zu suchen. Der dritte Planet, wie sie die Erde nennen, fesselt ihre Aufmerksamkeit. Mit Hilfe von Radiosignalen und hochauflösenden Kameras beginnen sie, die Erdoberfläche systematisch nach Zeichen zu durchsuchen, die für oder gegen eine Kontaktaufnahme mit den Bewohnern sprechen. Nach und nach entschlüsseln sie die Grundformen des Lebens, die diesen Planeten so einzigartig machen: Tiere, Insekten, Pflanzen - und sie entdecken die Menschen mit all ihren seltsamen Eigenschaften und Widersprüchen. Sie erkennen die Vorrangstellung des Menschen, der sich nicht länger nur als Teil der Natur zu begreifen scheint … Ein philosophisches Gedankenspiel, eine dystrophische Kakophonie, ein logischer wie kosmologischer Debattierclub: Lienhard Pagels erzählerisches Sachbuch "Der seltsame dritte Planet" ist ein ebenso intelligentes wie hoffnungsfrohes Plädoyer für eine Zukunft, die wir selbst gestalten müssen.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Der seltsame dritte Planet
Ein außerirdischer Blick auf unsere irdische Gesellschaft
Lienhard Pagel
Impressum
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ohne Zustimmung des Autors und des Verlages ist unzulässig. Das gilt für die elektronische und sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.(C) Dr. Lienhard Pagel1. Auflage Frühjahr 2024Alle Rechte vorbehaltenTextredaktion: text & geschick, WiesbadenUmschlaggestaltung: Cover Boutique, WedemarkSatz: Dr. Lienhard PagelEigenverlag: Dr. Lienhard Pagel, Mecklenburger Str. 8718311 Klockenhagen, DeutschlandISBN 978-9-403-73621-1 SoftcoverISBN 978-9-403-73626-6 eBook
Menschen geraten manchmal in Situationen, die sie sehr beeindrucken. Oft ist es angebracht, solche Erlebnisse anderen zu erzählen. So können mehr Menschen an den Erlebnissen teilhaben und sie auf unterschiedliche Weise verarbeiten.
Ein herausragendes Medium, Erlebtes einer größeren Gemeinschaft zugänglich zu machen, ist ein Buch. Alles, was ich zu berichten habe, beginnt an einem ungewöhnlichen Abend in meiner kleinen privaten Sternwarte.
Astronomie ist eine faszinierende Wissenschaft. Diese Faszination springt manchmal wie ein Virus auf interessierte Zeitgenossen über. Die einen beginnen Bücher zu lesen. Andere schaffen sich ein Fernrohr an und beobachten den Sternenhimmel. Die Faszination kann so weit gehen, dass fast die gesamte Freizeit “astronomisch” verbracht wird. Das Hobby kann allerdings schnell teuer werden. Vor allem, wenn dann die Erkenntnis reift, dass auch mit kleineren Instrumenten oder einfach nur mit einem Computer kleine Beiträge für die Wissenschaft geleistet werden können.
Ein besonders interessantes Gebiet der Astronomie ist Beobachtung veränderlicher Sterne. Himmelsobjekte wie Sterne sind zwar der Inbegriff von Beständigkeit, sie können Milliarden Jahre existieren, ohne sich äußerlich nennenswert zu verändern. Unser Zentralgestirn, die Sonne, existiert seit etwa 4,5 Milliarden Jahren. Sie verändert sich derzeit nur wenig. Und das wird auch noch einige Milliarden Jahre so bleiben.
Dieses stabile Verhalten trifft nicht auf alle Sterne zu. Viele sind nicht stabil. Es gibt dann kein Gleichgewicht zwischen den Gravitationskräften, die die Sterne zusammenziehen wollen und den Kräften, die versuchen, sie auseinander zu treiben. Denn der thermonukleare Ofen im Inneren der Sterne heizt das Gas auf. Durch die Hitze dehnt sich das Gas aus und versucht die Sterne auseinander zu treiben. Solange diese Kräfte sich die Waage halten, bleibt der Stern stabil.
Ist das Gleichgewicht gestört, gewinnt mal die auseinandertreibende Kraft, mal die Schwerkraft, die den Stern verdichten möchte.
Was ist die Ursache dafür? Wenn sich der Stern ausdehnt, wird er größer, die Temperatur sinkt. Er wird dann meistens auch dunkler. Weil die Temperatur im Inneren sinkt, erzeugt der “nukleare Ofen” weniger Wärme. Die auseinandertreibende Kraft verliert an Stärke.
Die Gravitation, also die zusammenziehende Kraft, gewinnt nun die Oberhand. Der Stern zieht sich zusammen, wird kleiner. Durch diese Verdichtung steigt wieder die Temperatur, der Stern kann heller werden. Auch im Inneren steigt die Temperatur, der nukleare Ofen produziert mehr Wärme und der Stern expandiert wieder. Das Spiel beginnt also von vorne.
Solch eine Pulsation kann wenige Stunden dauern oder aber auch Jahre. Die Helligkeitsänderungen sind teils sehr heftig. So können Sterne hundertmal heller werden. Manchmal verdoppeln Veränderliche nur ihre Helligkeit. Natürlich gibt es auch sehr kleine Änderungen, die nur schwer zu messen sind.
Ich bin begeisterter Sternfreund und habe mich nun voll und ganz der Beobachtung von veränderlichen Sternen verschrieben. Von den vielen Tausend gut beobachtbaren Veränderlichen habe ich einige spezielle Freunde. Deren Verhalten beobachte ich schon seit Jahren. Ich kenne sie beinahe in- und auswendig und muss immer mal wieder nach ihnen schauen. Meine Messergebnisse gewinne ich mit speziell für die Astronomie gebauten sogenannten CCD-Kameras. Solch eine Kamera montiere ich an Stelle des Auges an das Fernrohr.
Manchmal schaue ich auch durch das Fernrohr, um mir einen Eindruck vom veränderlichen Stern zu verschaffen.
An einem schönen lauwarmen Sommerabend hatte ich mir vorgenommen, meinen alten Freund “AR Herculis” zu beobachten. So heißt ein pulsierender Veränderlicher, den ich schon viele Jahre im Blick habe. Er ist, wie der Name sagt, im Sternbild Herkules zu finden. Ich wollte mal wieder nach ihm sehen.
Ich ging also in meine kleine Sternwarte. Das ist ein einfacher Schutzbau aus Brettern. Darin stand mein Fernrohr. Ich musste also nur das Dach zur Seite fahren, den Computer starten und die Kamera einschalten. Wie so häufig klemmte das Dach, es ließ sich nicht so einfach öffnen. Das kannte ich schon. Ich musste mit sanftem Druck nachhelfen, damit sich das Dach selbständig öffnete. Ich dachte so bei mir, dieses Problem wolltest du doch schon vor Monaten lösen. Aber die Lust an der Beobachtung ist eben meist größer als der Wille, unangenehme Dinge zu erledigen. Also, verschob ich die Reparatur des Daches immer wieder.
Als alles eingerichtet war, bewegte ich das Fernrohr aus der Parkposition auf mein Ziel, den Stern “AR Herculis”. Das Fernrohr fuhr, durch den Computer gesteuert, zum Sternbild Herkules, genau an die Stelle am Himmel, wo ich meinen Veränderlichen immer finde. Er ist grundsätzlich so schwach, dass ich ihn mit bloßem Auge nicht sehen kann. Also schoss ich ein erstes Foto mit der Astrokamera. Es dauerte etwa eine Minute, dann war das Foto auf dem Bildschirm zu sehen.
Zu meinem Erstaunen sah ich zwar die Umgebungssterne, also die Nachbarn der Veränderlichen. Aber “AR Herculis” fehlte. Was war da los? Ich kannte die Umgebung von “AR Herculis” seit Jahren. Hatte ich mich geirrt? Suchte das Fernrohr etwa am falschen Ort? Ich machte eine Serie weiterer Aufnahmen. Immer noch keine Spur von meinem Stern. Ich überlegte, die Belichtungszeit zu verlängern. Ein einfacher Trick, um auch schwächere Sterne zu sehen. Sollte “AR Herculis” wirklich so schwach sein? Das wäre sensationell, weil es eigentlich unmöglich ist. Während ich darüber nachdachte, war “AR Herculis” plötzlich sehr hell auf dem Bild zu sehen. Vielfach heller als seine maximale Helligkeit es möglich macht. Das gibt es doch nicht, dachte ich. Das wird ja immer unwahrscheinlicher.
Ich begann an meiner gesamten Ausrüstung zu zweifeln. Also entschloss ich mich, meinen Veränderlichen durch das Okular mit eigenen Augen zu betrachten. Meine 46 cm Optik des Teleskops sollte AR Herculis hell genug erscheinen lassen.
Ich ging zum Teleskop, montierte die Kamera mit wenigen Handgriffen vom Okularauszug ab und legte sie zur Seite. Jetzt war der Platz frei für ein Okular. Ich entschied mich für ein langbrennweitiges Okular. Ich wollte schließlich auch die Umgebung meines Veränderlichen sehen. Voller Erwartung blicke ich in das Okular. In der Mitte blinkte “mein” AR Herculis. Anhand der Umgebungssterne war mir sofort klar, das war er, “mein” Veränderlicher. Seine übermäßige Helligkeit war für sich schon verblüffend genug. Noch mehr war ich von seinem heftigen Flackern fasziniert. War das die berüchtigte Luftunruhe, die den Stern so schnell heller und dunkler werden ließ? Das Flackern eines Sternes, das wir im Winter oft bei hellen Sternen mit bloßem Auge beobachten können, entsteht durch Turbulenzen in der Atmosphäre. Wärmere und kühlere Luftbereiche haben unterschiedliche Brechkraft für das Licht. Werden diese Luftmassen durcheinandergewirbelt, wird auch das Licht eines Sternes “verwirbelt”. Der Stern erscheint heller und dunkler, er springt auch etwas hin und her.
Doch Halt! Dieser Stern sprang ja gar nicht hin und her.
Langsam wurde es unheimlich. Als der Stern, das Objekt meiner Neugier, nun noch regelmäßig etwa im Sekundentakt blinkte, dachte ich sofort an die ungeheuerliche Größe eines Sternes und dass solch schnelle Änderungen wegen der Trägheit und der endlichen Lichtgeschwindigkeit eigentlich gar nicht möglich waren. Während mir das klar wurde, änderte das seltsame Objekt seine Blinkfrequenz. Er wurde schneller, immer schneller. Ich war gefesselt von dem blinkenden Etwas. Wie konnte das ein Stern, ein riesiger Ball aus heißem und leuchtendem Gas sein?
Der Rhythmus des Blinkens änderte sich immer wieder. Mal blinkte es schneller, mal langsamer. Dann wurde es chaotisch. Ich versuchte verzweifelt, Gesetzmäßigkeiten zu erkennen. Es gelang mir nicht. Trotzdem konnte ich meinen Blick nicht von dem leuchtenden Punkt in meinem Okular losreißen. Gebannt verfolgte ich den Lichtwechsel - und dann wurde ich müde, immer müder, und meine Gedanken verloren jeden Halt ... .
Ich erwachte wie aus einem Tiefschlaf, als der Stern völlig konstant leuchtete, ohne jegliche Änderung seiner Helligkeit. Er strahlte förmlich. Und bei diesem Anblick, in einem der spannendsten Momente meines Lebens, sollte ich eingeschlafen sein?
Wie viel Zeit war überhaupt vergangen? Minuten? Stunden? Das Fernrohr war schon sehr weit nach Westen gefahren. Ich schaute auf meine Uhr und erschrak. Etwas mehr als zwei Stunden hatte ich wie eine Maus vor der Schlange, schlafend vor dem Okular gesessen und meinen Blick nicht abwenden können.
Was ich erlebt hatte, war eine Art Tiefschlaf, aber mit heftigen Träumen. Und jetzt hatte ich tatsächlich das unwiderstehliche Gefühl, schlafen zu müssen. Wie in Trance schloss ich meine kleine Sternwarte und ging zu Bett. Innerhalb weniger Augenblicke fiel ich in einen sehr tiefen Schlaf. Die Erinnerung an das merkwürdige Objekt trat schnell in den Hintergrund. Ich konnte später nur noch an den Traum denken, der mir seltsamerweise sehr gegenwärtig war. Ich hatte von Außerirdischen geträumt. Mir war noch jedes Detail bewusst.
Was sollte ich mit dem Traum anfangen? Sollte ich ihn einfach nur weitererzählen? Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr schien mir das Geträumte absolut schlüssig zu sein. Und es war mir so präsent wie ein eigenes Erlebnis. Wie selbstverständlich kam mir der Gedanke, diesen Traum in einem kleinen Buch aufzuschreiben. Allerdings, ich habe noch nie einen Erlebnisbericht oder gar einen Roman geschrieben. Kann ich das überhaupt? Meine Fachbücher sind da von ganz anderer Art. Da geht es um wissenschaftliche Zusammenhänge, um Fakten und Formeln. Ein schlauer Verleger hatte mal bemerkt, dass jede Formel die ohnehin schon kleine Leserschaft weiter halbiert. Recht hatte er.
Dennoch, ich hatte das unbedingte Gefühl, diesen Traum aufschreiben zu müssen. “Erstmal loslegen”, sagte ich mir, “dann sehen wir mal weiter.” Sofort setzte ich mich hin und versuchte das Erlebte, genauer, das Geträumte, in eine Form zu bringen. Erstaunlicherweise musste ich gar nicht groß nachdenken: Der Text floss wie von selbst aus meinem Gedächtnis über die Tastatur in meinen Computer.
Ein Raumschiff von einem fernen Planeten fliegt in Richtung Sonnensystem. Die Mission beginnt mit der Ankunft der Raumfahrer.
Das Raumschiff fliegt nun seit einigen Jahrtausenden durch die schier unendliche Galaxis. Das Ziel, ein Planetensystem mit dem blauen Planeten, ist nur noch einen Bruchteil eines Lichtjahres entfernt Ein Lichtjahr ist eine astronomische Entfernungseinheit. Es ist die Entfernung, die das Licht in einem Jahr zurücklegt und entspricht 63 000-mal der Entfernung zwischen Erde und Sonne.. Das Raumschiff ist kurz davor, in die äußeren Bereiche des Systems einzudringen. Es steckt bereits tief in der Wolke Oortsche Wolke von kleineren Himmelskörpern, die das Planetensystem weiträumig umgibt. In der Wolke befinden sich “schlafende” Kometen und viele Milliarden kleinerer Körper. Das Ziel der Mission ist die Erkundung des dritten Planeten.
Die überschaubar große Besatzung des Raumschiffes wird aus einem inaktiven Zustand aufgeweckt. Das erste Mitglied der Besatzung erwacht, das Bewusstsein ist angekommen. “Wo bin ich?”, fragt sich Alp. Ihm ist bewusst, dass alle Informationen, die seine Persönlichkeit ausmachen, von seinem Heimatplaneten zu diesem Raumschiff inzwischen übertragen wurden. “Ich bin wieder ich, phantastisch!”, denkt er.
Seine Freude ist nicht unbegründet. Solche Übertragungen von kompletten Individuen sind nicht ungefährlich. Über sehr große Entfernungen kann da schon mal was schiefgehen. Wie bei jeder anderen Datenübertragung können Störungen auftreten, können Daten verfälscht werden oder unvollständig übermittelt werden. Dann sind die Daten verändert und damit auch die Persönlichkeit, die übertragen wurde. Doch diesmal ist alles glatt gegangen.
Alp ist wieder bewusst, dass er sich für diese Mission beworben hatte. Und warum. Seine Freunde hatten ihn davor gewarnt. Aber sein Unternehmungsgeist, seine Neugier, haben trotz aller Risiken gesiegt.
War er zu leichtsinnig gewesen? Nein. Leichtsinn ist es, wenn man sich in Gefahr begibt, ohne das Risiko zu kennen. Er kannte alle möglichen Szenarien, auch das des Totalverlustes seiner Persönlichkeit. Es war eine Option, aber Alp hatte das Risiko für beherrschbar gehalten.
Sein Heimatplanet ist etwas weniger als 100 Lichtjahre vom Ziel der Mission entfernt. Ein Raumschiff braucht mit den fortschrittlichsten Antriebstechnologien mindestens 1000 Jahre für den Flug. Komplexe Persönlichkeiten eine solch lange Zeit direkt fliegen zu lassen, ist nicht praktikabel. In seiner Zivilisation war die Informationstechnik soweit entwickelt, dass Computerprogramme Intelligenz und sogar ein eigenes Bewusstsein haben. Die Persönlichkeit eines Individuums wird auf Computern verwirklicht.
Die Lebewesen auf seinem Planeten waren ursprünglich biologische Wesen, die für eine Übergangsphase ihre Identität, also ihre ganze Persönlichkeit, mit ihrem gesamten Wissen und all ihren Fähigkeiten, auf technische Systeme übertragen können.
Das war einer der wichtigsten Schritte in der Entwicklung des Lebens und der Intelligenz auf seinem Planeten. Seitdem existierten Individuen eigentlich nur als Computerprogramme auf sehr leistungsfähigen Rechnern. Nun eröffnet die Möglichkeit der Datenübertragung auch die Übertragung von Individuen von einem Computer zu einem anderen, auch über sehr große Entfernungen hinweg - und das mit Lichtgeschwindigkeit. Damit ergab sich für die bemannte Raumfahrt die Chance, unbemannte Raumschiffe in weit entfernte Bereiche der Galaxis zu schicken, die erkundet werden sollen. Diese Raumschiffe fliegen über Jahrtausende durch das Weltall. Erst kurz vor dem Ziel werden dann über sehr breitbandige optische Informationskanäle die Individuen mit Lichtgeschwindigkeit zum entfernten Raumschiff übertragen.
In der klassischen Computertechnik besteht fast immer die Möglichkeit, Programme und Daten zu kopieren. Damit ergibt sich theoretisch auch die Möglichkeit, Individuen zu kopieren. Man könnte also eine Sicherungskopie eines Individuums machen, auch wenn das ungeheure Datenmengen erfordern würde. Nun kommt das “aber”: Die Computertechnik auf Alps Planeten nutzt intensiv Quanteneffekte. Die digitalisierten Persönlichkeiten bestehen also aus sehr komplexen Quantenobjekten. Beim Quantencomputing ist allerdings die Erzeugung einer genauen Kopie wegen des sogenannten No-Cloning-Theorems (Ein Theorem der Quantenmechanik, das besagt, dass Quantenbits nicht geklont werden können) prinzipiell nicht möglich. Deshalb bleibt ein Individuum einmalig. Das ist auch der Grund dafür, weshalb es in der Computer-Welt von Alps Planeten auch Todesangst gibt - und die ist charakteristisch für das Leben an sich. Denn im wirklichen Leben gibt es nie eine “Sicherungskopie” eines Individuums, auf die man zurückgreifen kann, wenn was schiefgeht.
Wenn das Datenpaket vollständig im Raumschiff angekommen ist, wird es wie eine Art zip-Datei entpackt und in einem Computer gestartet. Das ist dann der Zeitpunkt, in dem das Bewusstsein und die Persönlichkeit des Individuums wieder aktiv werden und das Individuum wieder zu existieren beginnt. Es wacht auf und erkennt, dass das Bewusstsein wieder da ist, dass es also im Hier und Jetzt existiert.
Alp hatte bereits an einer früheren, allerdings viel kleineren Mission teilgenommen. Wegen seiner umfangreichen Erfahrungen ist er nun zum Leiter der aktuellen Mission bestimmt worden. Er hat also bei allen Entscheidungen das letzte und bestimmende Wort. Bei Planung und Vorbereitung der Mission mussten die Risiken gut abgewogen werden. Einerseits sollten so wenig wie möglich Individuen in Gefahr gebracht werden, andererseits müssen so viele Individuen wie möglich an der Mission teilnehmen, damit der Erfolg wahrscheinlich ist.
Mit einem einzigen Individuum wäre solch eine Mission nicht sinnvoll. Für den Erfolg der Mission muss ein Gedankenaustausch möglich sein. Auswege aus schwierigen Situationen oder echten Krisen können nur im Dialog gefunden werden, der auch ein Streitgespräch sein kann. Deshalb ist mindestens ein zweites Individuum notwendig. Das ist bei dieser Mission Bet. Seine Übertragung läuft gerade und geht bald zu Ende. Alp überwacht den Abschluss der Übertragung und steuert den Start des übertragenen Individuums.
Als sich Bet mit “Wo bin ich?” meldet, ist Alp erleichtert, weil die Übertragung geklappt hat. “Hallo Bet”, fragt Alp, “wie geht es dir? Bist Du wieder gut beisammen und ganz bei dir?”
“Ich bin sicher und vollständig angekommen. Ich glaube, mir fehlt nichts”, antwortet Bet. “Wie lange bist Du schon hier? Ist alles gut gegangen? Hast du irgendwelche Ausfälle in deinem Gedächtnis feststellen können?”
Alp verneint. “Alles ist gut. Nun warten wir noch auf unser drittes Besatzungsmitglied.” Das ist Azu.
“Ich habe nicht so recht verstanden, weshalb wir ein solches, noch so wenig entwickeltes Individuum in unserer kleinen Gruppe mitgenommen haben?”, fragt Bet.
“Ja, ich weiß, du hättest lieber ein Individuum mit umfangreichem Wissen und mehr Fähigkeiten an Bord gehabt. Aber das Argument, dass ein unerfahrenes Individuum eine andere Sicht auf unvorhergesehene Situationen hat, ist nicht von der Hand zu weisen”, erwidert Alp. “Die Missionsplaner hatten gute Gründe. In schwierigen Situationen haben eben oft gerade die wenig mit Wissen und Erfahrung vorbelasteten Individuen die besten Lösungen gefunden. Das sind fast immer einfache Lösungen. Allzu komplexe Antworten auf unbekannte Herausforderungen führen oft zwangsläufig zu Widersprüchen.”
Bet gibt sich geschlagen. Er sieht wohl auch ein, dass diese Diskussion zu nichts führt. Eine letzte Bemerkung muss er aber noch loswerden. “Ich meine nur, dass wir unserem Azu noch einiges erklären müssen, weil er vieles noch nicht gelernt hat. Das kostet uns Zeit.”
“Beim Erklären komplexer Zusammenhänge lernt auch immer der Erklärende. Zudem wird er gezwungen, sich an Grundlegendes zu erinnern und noch mal neu zu überdenken. Das ist der Vorteil für uns.”
Nun kommt schon das Signal, dass auch Azu angekommen ist. “Wo bin ich?”, fragt er und räkelt sich.
“Willkommen auf unserem Raumschiff”, begrüßt ihn Alp. “Wir sind nun komplett. Ich denke, wir werden eine interessante Zeit vor uns haben. Die Herausforderung ist sehr groß. Schließlich hat unsere Zivilisation noch nie eine Verbindung mit einer fremden Zivilisation aufgenommen. Ihr beide kennt die Instruktionen, die wir erhalten haben. Der wichtigste Grundsatz lautet, dass wir erst dann für die fremde Zivilisation erkennbar sein dürfen, wenn wir sicher sind, dass wir in dieser fremden Zivilisation und in unserer eigenen Zivilisation keinen Schaden anrichten und auch in Zukunft kein Schaden entstehen kann. Das setzt voraus, dass diese unbekannte Zivilisation auf einer ähnlichen Entwicklungsstufe stehen sollte wie wir.” Azu meldet dazu eine Frage an: “Natürlich akzeptiere ich die Instruktionen. Ich versteh nur nicht, weshalb wir zunächst passiv bleiben und einer fremden Zivilisation nicht einfach helfen dürfen?”
“Ganz einfach, Azu. Wir wissen nicht, ob unser Entwicklungsweg optimal verlaufen ist und ob das Ergebnis unserer eigenen Entwicklung erstrebenswert ist”, sagt Bet. “Selbst bei technischen Fragen dürfen wir keine unmittelbare Hilfe leisten, weil wir deren Wirkung nicht abschätzen können. Wir wissen nicht, ob wir im Zweifelsfall wirklich helfen oder zerstören.”
“Und wenn sie uns schaden?”, hakt Azu nach. “Bei einem direkten Kontakt, der ja immer ein Informationsaustausch ist, könnten wir doch auch Schaden nehmen. Was ist, wenn sie viel weiterentwickelter sind als wir und in unsere Systeme eindringen und uns verändern, vielleicht sogar unsere ganze Zivilisation verändern?”
“Diese Gefahr ist bei der Missionsplanung berücksichtigt worden”, erklärt Alp. “Es liegen allerdings keine Erkenntnisse vor, die eine solche Gefahr wahrscheinlich machen.” Er betont, dass zum Zeitpunkt der Übertragung der Raumfahrer noch viel zu wenig Wissen über die Intelligenz und Entwicklungsstand auf dem dritten Planeten vorhanden war.
“Deshalb sind wir ja hier”, ergänzt Bet.
Azu gibt noch nicht auf: “Und was ist, wenn sie nun eine viel höhere Form der Intelligenz besitzen als wir und diese Form so hoch entwickelt ist, dass wir sie als solche nicht erkennen?”
“Ja, Azu, das könnte ein Problem sein”, bemerkt Alp.
“Das ist auch der Grund, weshalb wir bei einer möglichen Kontaktaufnahme äußerst vorsichtig sein müssen. Die wichtigste und zugleich schwierigste Frage ist somit die, ob wir überhaupt direkten Kontakt aufnehmen sollten. Falls die Zivilisation des dritten Planeten in der Lage sein sollte, in unsere Systeme einzudringen und uns zu kapern, gibt es einen Notfallplan, der, wenn nötig, unsere Selbstzerstörung einschließt.”
“Ja, ich bin auch über dieses Risiko aufgeklärt worden. Aber dennoch: Weshalb unternehmen wir solch eine riskante Erkundung, wenn wir möglicherweise gar keinen Kontakt aufnehmen?”, erwidert Azu aufmüpfig. “Das Risiko existiert, aber wenn wir keine Risiken eingehen, bleiben uns viele Erkenntnisse verschlossen. Ich meine damit ausdrücklich die Risiken für beide Seiten. Das Wichtigste ist aber, dass wir uns der Risiken bewusst sind”, beendet Alp die Diskussion.
Der erste Schritt der Erkundung des Zielplaneten erfolgt aus sicherer Entfernung. Das Raumschiff soll von den Bewohnern des dritten Planeten nicht erkennbar sein. Das ist eine der unbedingten Instruktionen, die Alp, Bet und Azu einhalten müssen.
Um das Ziel, den dritten Planeten, sehen zu können, schaltet Alp die optischen Kameras ein. In der Mitte des Bildes leuchtet hell der zentrale Stern des Planetensystems. Das Raumschiff fliegt das Planetensystem auf der Ebene der Planetenbewegungen an. So erscheinen die großen Planeten vor ihnen wie eine Perlenkette aufgereiht. Alp startet die Bildanalyse. Nun werden auch sehr viele kleinere Planeten sichtbar.
Auch weit außerhalb der großen Planeten sind viele Objekte zu erkennen.
Die Auflösung der optischen Teleskope ist wegen der immer noch sehr großen Entfernung nicht ausreichend, um auf den Planeten nähere Details erkennen zu können.
Dennoch kann mit der Analyse des Lichtes vom Zentralgestirn, das vom dritten Planeten reflektiert wird, die chemische Zusammensetzung der Oberfläche und der Atmosphäre grob ermittelt werden. Die Raumfahrer beauftragen die Beobachtungsautomaten, das Licht mit Hilfe von Spektrometern zu analysieren. Die Raumfahrer sind über die Ergebnisse wenig überrascht, weil sie nicht wesentlich über die Informationen hinausgehen, die von ihrem Heimatplaneten aus mit sehr großen Teleskopen gewonnen wurden.
Die Atmosphäre des dritten Planeten enthält etwa 80% Stickstoff, etwa 20% Sauerstoff und einen kleinen Rest Kohlendioxid. Die Analysen bestätigen, dass offenbar große Mengen Chlorophyll auf der Oberfläche des Planeten vorhanden sind. Diese Kombination macht es sehr wahrscheinlich, dass auch Leben auf dem dritten Planeten existiert. Genau diese Hoffnung war auch der Grund für die sehr aufwändige und nicht unumstrittene Mission zum dritten Planeten.
Weil diese erste optische Erkundung wenig Neues bringt, versuchen die Raumfahrer, über Radiostrahlung weitergehende Informationen zu gewinnen. Denn hier haben die automatischen Systeme, die während des langen Fluges des Raumschiffes gearbeitet haben, einige Neuigkeiten zu bieten.
Die wichtigste Neuigkeit ist: Der Zielplanet sendet im Bereich der Radiostrahlung auf vielen Frequenzen teils mit erheblicher Leistung Signale aus. Diese sind auch in großen astronomischen Entfernungen mit empfindlichen Antennen und Empfängern nachweisbar. Das Raumschiff hat während des Anflugs auf das Planetensystem diese Radiostrahlung bereits aus der Entfernung von einigen zehn Lichtjahren messen können. Diese Information ist für die Raumfahrer natürlich sehr nützlich.
Die kräftigen Radiosignale des dritten, im optischen Bereich des Spektrums blau aussehenden Planeten, werden schnell von den Raumfahrern und den Analyseautomaten als künstlich erzeugte Strahlung entschlüsselt. Das ist die erste Sensation für die Raumfahrer. Es gibt offenbar nicht nur Leben, sondern möglicherweise auch eine Zivilisation auf dem dritten Planeten. Die Aussicht, eine Zivilisation vorzufinden, die auch über Strahlung kommuniziert, macht die Mission bereits zu diesem Zeitpunkt zum Erfolg.
Die Raumfahrer können die Signale allerdings noch nicht entschlüsseln. Dafür sind weitergehende Kenntnisse über die Zivilisation erforderlich, um die komplexen Signale dekodieren und verstehen zu können.
Alp aktiviert die große Radioantenne, sie entfaltet sich in einer Größe, die eine genauere Lokalisierung der Radioquellen auf dem dritten Planeten möglich macht.
Bei allen Aktionen müssen die Raumfahrer darauf achten, dass sie selbst vom dritten Planeten aus nicht gesehen werden können, weder im optischen Bereich noch mit Radioteleskopen. Das Raumschiff sendet selbst keinerlei Strahlung aus. Das war eine Bedingung, die die Konstrukteure erfüllen mussten. Die Reflexion von Strahlung ist extrem gering, sowohl im optischen als auch im Radiobereich. Das Raumschiff ist also durch die schwarze Hülle perfekt getarnt und vom Hintergrund kaum zu unterscheiden.
Die Bewohner des blauen Planeten nutzen offensichtlich keine Röntgen-Strahlen, um ihre astronomische Umgebung zu erkunden. Eine Erkenntnis, die bereits vor dem Start der Mission gewonnen wurde und die bei der Konstruktion des Raumschiffs eine große Rolle gespielt hat. Somit wäre das Raumschiff für Röntgenstrahlung oder noch höher energetische Strahlung durchaus sichtbar. Die Missionsplaner haben diesen Umstand nicht als Nachteil gesehen.
Kritischer verhält es sich mit dem Antrieb des Raumschiffes. Um Positionen ändern zu können, müssen die Triebwerke Schub erzeugen. Dabei muss sorgfältig darauf geachtet werden, dass keine Strahlung in Richtung des dritten Planeten ausgesendet wird.
Die ersten Analysen der Radiostrahlung zeigen, dass die Sender über den ganzen Planeten verteilt sind. Besonders starke Signale kommen vom Rand des Planeten. Das deutet darauf hin, dass sich die Empfänger auf der Oberfläche befinden. Der Ausstrahlungswinkel ist bei den meisten Sendern sehr breit. Alp zieht daraus den Schluss, dass ein Sender sehr viele Empfänger auf der Oberfläche versorgt. Die Radiostrahlung ist überwiegend moduliert und dient deshalb offensichtlich der Informationsübertragung.
Schnell wird klar, dass die Sender an festen Orten auf dem Planeten lokalisiert sind. Das erlaubt eine Zuordnung der Signale zu bestimmten Sendern, was die Entschlüsselung der Signale erleichtern wird. Alle Signale werden für spätere Analysen aufgezeichnet.
Dann die nächste große Überraschung: Einige Sender bewegen sich schnell und gleichmäßig um den Planeten. Die Geschwindigkeit passt zu niedrigen Umlaufbahnen von künstlichen oder auch natürlichen Satelliten. Das ist ein erster direkter Beweis dafür, dass die Bewohner des dritten Planeten Raumfahrt betreiben.
Viele Sender werden auf einer nahezu kreisförmigen Umlaufbahn geortet. Auf dieser Bahn herrscht großes Gedränge, während andere Umlaufbahnen kaum besiedelt sind. Das ist für die Raumfahrer erst einmal ein Rätsel. Weshalb gerade diese Bahn? Schnell zeigt sich, dass die Sender ihre relative Position zur Planetenoberfläche kaum ändern. Die Satelliten sind also geostationär. Damit wird auch klar, weshalb diese einmalige Umlaufbahn so dicht besetzt ist. Die Sender versorgen immer den gleichen Bereich auf der Oberfläche. Die Bewohner des dritten Planeten betreiben offensichtlich eine ganze Flotte von Satelliten, die aktiv Radiostrahlung verschiedenster Frequenzen aussenden.
Bet regt sofort an, auch innerhalb des gesamten Planetensystems nach künstlichen Signalen zu suchen. “Wir müssen wissen, ob die Bewohner des dritten Planeten interplanetare Raumfahrt betreiben. Das könnte sehr wichtig für uns sein.” Alp stimmt zu und lässt die Antenne die Ebene der Planeten absuchen. Von fast allen Planten sind künstliche Signale erkennbar.
Schnell zeigt sich, dass Bet recht hat: “Wir müssen tatsächlich davon ausgehen, dass die Bewohner des dritten Planeten interplanetare Raumfahrt betreiben. Dem zu Folge sind sie fähig, uns zu erkennen, wenn wir nicht vorsichtig genug sind. Um mehr zu erfahren, müssen wir dichter herankommen. Sprich: Unser Raumschiff wird sich unaufhaltsam dem Planetensystem nähern. Wir müssen uns bald entscheiden, wo wir uns in dem System platzieren. Wir wollen viel sehen und möglichst nicht gesehen werden.” “Ja”, stimmt Bet zu, “wir müssen schnellstmöglich mehr Informationen sammeln und sollten deshalb die Erkundung im optischen Bereich fortsetzen.”
Die optische Erkundung wird im Wellenlängenbereich von 400 nm bis 700 nm des elektromagnetischen Spektrums fortgesetzt.
Azu will es genauer wissen: “Weshalb gerade dieser Wellenlängenbereich?” Bet erklärt, dass in diesem Bereich das Zentralgestirn die höchste Strahlungsintensität hat und deshalb als Beleuchtung gute Dienste leistet. Wahrscheinlich haben die Bewohner des dritten Planeten auch in diesem Bereich Sensoren und orientieren sich mithilfe dieser natürlichen Beleuchtung durch das Zentralgestirn.
Die optischen Sensoren des Teleskops werden wieder aktiviert. Der dritte Planet ist aus dem Blickwinkel des Raumschiffes etwa zur Hälfte vom Zentralgestirn beleuchtet. Trotz der noch großen Entfernung reicht die Auflösung immerhin für eine erste grobe Kartografierung aus.
Das Ergebnis ist allerdings ernüchternd: Details über die Zivilisation sind nicht erkennbar. Auch größere Bauwerke sind nicht zu sehen.
Die Aufmerksamkeit der Raumfahrer wendet sich dann der schattigen Seite des Planeten zu. Millionen kleinere leuchtende Punkte in unterschiedlicher Strahlungsstärke legen nur einen Schluss nahe: Dort scheint es Lichtquellen zu geben. Azu ist sofort Feuer und Flamme: “Wir sollten unbedingt mehr Informationen über die dunkle Seite des dritten Planeten gewinnen. Unsere derzeitige Position ist allerdings dafür wenig geeignet.”
Alp ist amüsiert und antwortet fast philosophisch: “Ja, der dritte Planet hat eine helle und eine dunkle Seite, so wie viele andere Dinge auch”.
“Meinst du damit auch die Bewohner des Planeten?”, fragt Azu erschrocken zurück. “Denkst du, die haben auch eine helle und dunkle Seite?” Bet beruhigt ihn: “Das ist zum jetzigen Zeitpunkt nur Spekulation, und folglich ist eine Diskussion darüber nur Zeitverschwendung.”
Auch die Hoffnung, künstliche Satelliten direkt zu erkennen, hat sich bisher nicht erfüllt. Azu hat sich wieder beruhigt und stichelt: “Was hat uns diese optische Erkundung nun gebracht?” Alp fasst lapidar zusammen: “Nichts Sensationelles.”
Die drei Raumfahrer beraten, welche Umlaufbahn um das Zentralgestirn sie nun ansteuern sollten. Alp möchte erst mal kein Risiko eingehen und schlägt vor, außerhalb des dritten Gasplaneten (das ist der Neptun) eine angenähert kreisförmige Umlaufbahn einzunehmen. Bet und Azu stimmen zu. Später könne man immer noch näher an den dritten Planeten herannavigieren. Gesagt, getan.
Sicherheitshalber wird eine Position auf der Umlaufbahn eingenommen, die vom dritten Planeten aus gesehen hinter dem Zentralgestirn liegt. Der Navigationsautomat wird von Alp angewiesen, eine solche Position anzusteuern.
Die Zeit bis dahin wird von den Raumfahrern für die weitere Erkundung des Planetensystems genutzt. Dabei kommen nur passive Verfahren zum Einsatz, also Verfahren, bei denen vom Raumschiff keinerlei Strahlung ausgesendet wird. Das sind vor allen Dingen optische Methoden. Das große Teleskop des Raumschiffes arbeitet nun intensiv. Auch die kleineren Teleskope sind jetzt ununterbrochen in Aktion.
Die Triebwerke bremsen nun mit kräftigem Schub das an das Zentralgestirn heranfliegende Raumschiff ab. Gleichzeitig wird die Flugrichtung ein wenig geändert. Die photonischen Triebwerke werden dabei so eingestellt, dass die Antriebsstrahlen an den Planeten, und besonders am dritten Planeten, vorbeigehen. Die Geschwindigkeit wird so weit verringert, dass sie der Geschwindigkeit der Umlaufbahn entspricht. Dieses Manöver verbraucht einen großen Teil des nuklearen Treibstoffes des Raumschiffs.
Das Raumschiff ist nun auf der vorgesehenen Umlaufbahn und praktisch ein sehr kleiner Planet im Planetensystem des dritten Planeten. Der dritte Planet ist jetzt wie erwartet unsichtbar, er befindet sich nun hinter dem Zentralgestirn. Das heißt natürlich im Umkehrschluss, dass auch die Raumfahrer nun vom dritten Planeten aus nicht mehr direkt zu sehen sind.
Azu fragt, wie denn nun die weitere Planung aussieht. Alp macht klar, dass nun erst mal die genauere optische Erkundung des gesamten Planetensystems ansteht. Der dritte Planet ist dabei vorerst ausgenommen, er bleibt unsichtbar. Die Automaten vermessen die Bahnen aller Körper, die um das Zentrum kreisen. Ein überraschendes Ergebnis ist die große Anzahl kleiner und kleinster Körper zwischen der Bahn des vierten Planeten (das ist Mars) und dem größten Gasplaneten (Jupiter ist gemeint).
Sofort kommt Azu mit der Idee, dass sich das Raumschiff unter diese Kleinplaneten mischen könnte. Würde es entdeckt, würden es die Erdbewohner als Kleinstplaneten ansehen.
