Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde - Robert Louis Stevenson - E-Book

Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde E-Book

Robert Louis Stevenson

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Beschreibung

In 'Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde' entfaltet Robert Louis Stevenson ein fesselndes psychologisches Drama, das die Grenzen der menschlichen Natur und die Dualität des Seins auf eindringliche Weise erkundet. Der Roman, der in einer düsteren, viktorianischen Umgebung spielt, verwebt Elemente der Horrorliteratur mit philosophischen Fragen über Identität und Moral. Stevensons präziser und atmosphärischer Schreibstil intensiviert die Spannung und verstärkt die Auseinandersetzung mit den inneren Dämonen, die den respektablen Dr. Jekyll und seinen skrupellosen Doppelgänger, Mr. Hyde, antreiben. Robert Louis Stevenson, ein schottischer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, war bekannt für seine Erkundungen der menschlichen Psychologie und seiner Faszination für das Unheimliche. Sein eigenes Leben, geprägt von gesundheitlichen Problemen und einer beständigen Auseinandersetzung mit dem Wesen des Menschen, fließt in die Charaktere und Konflikte des Werkes ein. Stevensons Exploration der moralischen Ambivalenz und die Auseinandersetzung mit dem wissenschaftlichen Fortschritt seiner Zeit reflektieren die zeitgenössischen Ängste und den kulturellen Diskurs der Ära. Dieses meisterhaft geschriebene Buch wird jedem empfohlen, der sich für die Abgründe der menschlichen Seele und die Philosophien von Identität und Moral interessiert. 'Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde' ist nicht nur ein Klassiker der Weltliteratur, sondern regt auch zur Reflexion über die eigene menschliche Natur an. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine Autorenbiografie beleuchtet wichtige Stationen im Leben des Autors und vermittelt die persönlichen Einsichten hinter dem Text. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Robert Louis Stevenson

Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Bereicherte Ausgabe. Ein Gruselklassiker
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen
Einführung, Studien und Kommentare von Sterling Hale
Bearbeitet und veröffentlicht von Good Press, 2023
EAN 8596547675907

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Autorenbiografie
Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Im Londoner Nebel steht eine unscheinbare Tür, hinter der Anstand und Abgrund aneinanderstoßen. Diese Bildhaftigkeit verdichtet den Kern von Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde: das Ringen zwischen bürgerlicher Fassade und dunkler Versuchung. Robert Louis Stevenson entfaltet dieses Spannungsfeld mit scharfem Blick für Moral, Angst und Verlangen. Die Stadt wird zur Bühne, auf der Schritte hallen, Gesichter verschwimmen und Beweggründe sich verhüllen. Schon die ersten Szenen laden dazu ein, das Schimmern der Straßenlaternen als Spiegel innerer Zustände zu lesen. Was sich öffnet, ist weniger eine Tür als ein Bewusstsein.

Dass diese Novelle als Klassiker gilt, verdankt sie ihrer einzigartigen Verbindung von Spannung, psychologischer Tiefenschärfe und formaler Eleganz. Stevenson destilliert große Fragen in kompakte Prosa und verleiht ihnen eine mythische Schlagkraft. Sein Werk hat die Literatur nachhaltig geprägt: Die Formel vom gespaltenen Selbst ist seither ein fester Bestandteil moderner Erzählkunst. Autorinnen und Autoren des Horrors, der Kriminalliteratur und der psychologischen Prosa greifen wiederholt auf seine Motive zurück. Zugleich hat der Text die Populärkultur durchdrungen und eine Metapher geschaffen, die über das Buch hinausweist. So entsteht Kanonizität: Wirkung, Wiedererkennbarkeit, Widerhall.

Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde erschien 1886 und stammt von Robert Louis Stevenson, einem schottischen Autor, der für prägnante Erzählweisen und atmosphärische Dichte bekannt ist. Die Novelle führt ins viktorianische London und entfaltet in konzentrierter Form ein Rätsel um Ansehen, Schuld und Geheimhaltung. Im Mittelpunkt steht die Verbindung zwischen dem angesehenen Arzt Henry Jekyll und dem rätselhaften Edward Hyde, deren Beziehung die Ordnung einer Gemeinschaft erschüttert. Ohne sich in Details zu verlieren, skizziert Stevenson ein Experiment an den Grenzen des Erlaubten und eine moralische Bewährungsprobe. Absicht und Ziel: Erkenntnis durch Verdichtung, Unruhe durch Präzision.

Die Handlung beginnt mit einer Unruhe im Bekannten: Ein angesehener Anwalt, Mr. Utterson, hört von einem verstörenden Vorfall, in den ein Mann namens Hyde verwickelt ist. Zugleich entdeckt er, dass sein Freund Dr. Jekyll rechtlich mit diesem Unbekannten verbunden ist. Aus pflichtbewusster Sorge entwickelt sich eine leise, nachdrückliche Untersuchung, die nicht mit großen Gesten, sondern durch beharrliches Befragen der Zeichen voranschreitet. Stevenson nutzt dabei die Perspektive des nüchternen Beobachters, um das Unheimliche allmählich in den Alltag einsickern zu lassen. So wächst der Verdacht, dass hinter der bürgerlichen Ordnung ein anderes, gefährlicheres Register mitschwingt.

Im Zentrum stehen die Doppelung des Menschen und die Schattierungen moralischer Entscheidung. Stevenson interessiert weniger eine simple Gegenüberstellung von Gut und Böse als die Reibung zwischen Trieb und Maß, Verlockung und Verantwortung. Aus dieser Reibung entstehen Schuld, Selbsttäuschung und die Sehnsucht nach Grenzüberschreitung. Die Novelle fragt, wie weit der Wille reicht, wenn Wünsche sich verkleiden, und wie Gesellschaft Normen bewacht, die zugleich Bedürfnisse verdrängen. Es geht um Identität als Balanceakt, um die Masken, die Rollen, die wir tragen. Dadurch gewinnt der Text seine zeitlose, zugleich verstörend intime Wirkung.

Formal verbindet das Werk Elemente der Schauerliteratur mit einem nüchternen, beinahe juristischen Blick. Briefe, Berichte und Aussagen greifen ineinander und erzeugen ein Mosaik der Deutungen. Die Struktur verzögert gezielt Gewissheiten und lässt den Leser die Arbeit des Erkennens mitleisten. Atmosphärisch herrschen Zwielicht, enge Gassen, abgeschlossene Räume – klassische Topoi des Gothic, hier jedoch in das moderne, urbane Leben übertragen. Stevensons Prosa ist knapp, rhythmisch und ökonomisch, aber reich an symbolischer Aufladung. Das Ergebnis ist ein Erzählfluss, der beklemmt und klärt, lockt und warnt, ohne auf Effekthascherei angewiesen zu sein.

Die Entstehungszeit im späten 19. Jahrhundert prägt die Novelle maßgeblich. London als Metropole der Moderne steht für Fortschritt, Kontrolle und öffentliche Moral – und zugleich für Anonymität, Versuchung, soziale Risse. Wissenschaftliche Neugier trifft auf ethische Fragen, bürgerliche Tugend auf verdrängte Wünsche. In dieser Spannung verortet Stevenson sein Szenario und macht die Angst vor Kontrollverlust zum Erfahrungskern. Das Werk spiegelt Debatten über Verantwortung, Schuld und Strafe, ohne je zu moralisieren. Es beobachtet, wie Ordnungen fragil werden, wenn sie das Verdrängte nicht einhegen können. So gewinnt das Historische exemplarische Kraft und spricht über seine Zeit hinaus.

Stevensons Sprache arbeitet mit Kontrasten: hell und dunkel, glatt und rau, offen und verschlossen. Türen, Straßen, Nebel und Geräusche bilden ein System von Zeichen, das das Unausgesprochene sichtbar macht. Wiederkehrende Motive – die Schwelle, der Blick, die Hand – rhythmisieren die Erzählung und strukturieren das Unheimliche. Dabei bleibt die Prosa eindringlich, ohne barock zu werden; sie schneidet, wo nötig, und schweigt, wo Stille lauter wirkt. Die urbane Topografie verwandelt sich in eine Seelenlandschaft, in der Wege sich kreuzen und verlieren. So entsteht eine Bildwelt, die unmittelbar lesbar und doch vieldeutig bleibt.

Der Einfluss des Buches reicht weit über die Literatur hinaus. Der Name des Titels ist zum Chiffre für innere Gespaltenheit geworden und prägt Redeweisen, Kritiken und Figurenentwürfe bis heute. Theater, Film, Hörspiel und Comic haben die Geschichte in immer neuen Formen adaptiert und interpretiert. Autorinnen und Autoren psychologischer Spannungsliteratur verdanken Stevenson Modell und Maß zugleich: die Kunst, ein Rätsel so zu bauen, dass es den Charakter erhellt. Auch die Wissenschaften der Psyche fanden in seinen Bildern Anschlüsse. Dieser kulturelle Nachhall erklärt, warum das Werk nicht nur gelesen, sondern zitiert, variiert, gelebt wird.

Als Lektüre bietet die Novelle beides: unmittelbare Spannung und nachwirkende Irritation. Die Fragen, die sie aufwirft, bleiben bewusst offen, damit die Lesenden sich ihnen stellen. Wie weit reicht Selbstbeherrschung, wenn Verlockung einen Namen trägt? Welche Masken schützen, welche entstellen? Stevenson fordert zur eigenen Urteilsbildung auf, indem er Ambivalenzen nicht glättet, sondern scharf konturiert. Die Klarheit der Konstruktion erzeugt Intensität, der kontrollierte Rhythmus hält die Nerven gespannt. So entsteht ein Text, der beim Lesen vorwärtszieht und danach zurückbleibt – als leiser Druck, als Gedanke, der wiederkehrt.

Heute wirkt das Werk besonders aktuell, weil es Identität als situatives, verletzliches Gefüge begreift. In einer Welt öffentlicher Rollen und privater Wünsche, regulierter Räume und individueller Freiheiten stellt es die Frage nach Konsequenz und Verantwortung. Der soziale Blick, der hier so präzise inszeniert ist, ähnelt dem digitalen Blick: Er beobachtet, vergleicht, normiert. Zugleich erinnert die Novelle an die Notwendigkeit innerer Redlichkeit, wenn äußere Maßstäbe wanken. Ihre Themen – Selbstkontrolle, Versuchung, Geheimnis – sind nicht gealtert, sondern geschärft. Darin liegt ihre Relevanz: Sie hilft, sich selbst auszuhalten, ohne zu vereinfachen.

Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde ist ein konzentrierter Klassiker, weil er das Große im Kleinen zeigt: eine Stadt, ein Kreis von Personen, ein Rätsel – und darin die Verfasstheit des Menschen. Stevenson verbindet erzählerische Strenge mit symbolischer Weite, psychologische Genauigkeit mit stilistischer Zurückhaltung. Wer diese Novelle liest, erlebt Spannung, Atmosphärenkunst und gedankliche Klarheit in seltener Einheit. Ihre dauerhafte Anziehungskraft liegt in der Mischung aus Unmittelbarkeit und Deutungsspielraum. Sie spricht Kopf und Nerven an, Gewissen und Imagination. Und sie bleibt, wie alle wichtigen Bücher, ein Spiegel, der nicht nachgibt.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

In London begleitet der Anwalt Gabriel John Utterson seinen Verwandten und Freund Richard Enfield auf einem Spaziergang durch ruhige Straßen. Vor einer schäbigen Tür erzählt Enfield von einem nächtlichen Vorfall: Ein unheimlicher Mann stieß ein Mädchen zu Boden und erzwang die gütliche Einigung mit Geld, das er hinter jener Tür holte. Der Name des Mannes lautete Hyde; sein Anblick wirkte ohne klaren Grund abstoßend. Enfield und Utterson vereinbaren, nicht weiter zu tratschen, doch die Tür und der Name bleiben Utterson im Gedächtnis. Das Setting aus Respektabilität und Schatten bildet den Ausgangspunkt der folgenden Ermittlungen.

Zurück in seinem Büro erinnert sich Utterson an das Testament seines alten Freundes, des angesehenen Arztes Dr. Henry Jekyll. Darin setzt Jekyll überraschend einen gewissen Mr. Hyde als Alleinerben ein und fügt Klauseln hinzu, die diesem bei Jekylls Abwesenheit weitreichende Vollmachten geben. Utterson, nüchtern und pflichtbewusst, vermutet Erpressung oder üblen Einfluss. Er befragt Bekannte über Hyde, erfährt aber nur bruchstückhafte, beunruhigende Eindrücke. Jekylls Haus, mit dem angebauten Labortrakt, wirkt geordnet, doch einzelne Diener berichten von abgeschiedener Arbeit. Utterson beschließt, selbst zu beobachten, und stellt sich nächtelang an die unauffällige Tür, die Enfield zeigte.

Eines Abends begegnet Utterson dem flüchtig auftauchenden Hyde vor der Tür. Der Mann spricht kurz angebunden, besitzt einen Schlüssel und verschwindet rasch. Utterson empfindet Unbehagen und verknüpft Hyde mit Jekylls Anwesen. Später sucht er Jekyll auf, der freundlich bleibt, jedoch eine Grenze markiert. Angesprochen auf das Testament, bittet Jekyll den Anwalt, seine Wünsche zu respektieren, und erklärt, er könne sich von Hyde jederzeit lösen. Utterson bleibt wachsam, ohne offenen Konflikt zu provozieren. Die Gegenüberstellung von respektabler Fassade und rätselhaftem Einfluss verdichtet sich, während das ruhige gesellschaftliche Leben der Londoner Kreise fortzufließen scheint.

Die Ruhe endet, als ein prominenter Bürger, Sir Danvers Carew, nachts auf offener Straße brutal angegriffen wird. Eine Zeugin identifiziert den Täter als Hyde. Utterson begleitet die Polizei, die Hydes Zimmer aufspürt; dort finden sie chaotische Spuren, verbrannte Papiere und Teile eines Stockes, den Utterson erkennt. Hyde bleibt unauffindbar. Jekyll versichert inzwischen, mit Hyde abgeschlossen zu haben, und zeigt eine scheinbar von Hyde verfasste Nachricht, die Rückzug ankündigt. Utterson zweifelt an der Echtheit des Schreibens und an Jekylls Distanz. Der Fall gewinnt an öffentlicher Brisanz, während in Jekylls Umfeld die Türen sich merklich schließen.

In den folgenden Wochen wirkt Jekyll wie erleichtert. Er empfängt Freunde, speist gesellig und vermeidet jede Erwähnung Hydes. Doch der Wandel hält nicht an. Allmählich zieht er sich zurück und beendet Besuche. Utterson sucht Rat bei Dr. Lanyon, einem früheren wissenschaftlichen Gefährten Jekylls. Lanyon zeigt sich erschüttert, körperlich gealtert und von einem unerklärlichen Erlebnis gezeichnet, das seine Überzeugungen erschütterte. Er lehnt jeden weiteren Kontakt zu Jekyll ab, übergibt Utterson jedoch ein versiegeltes Dokument mit Bedingungen für die spätere Öffnung. Zwischen professioneller Loyalität und wachsender Sorge beginnt Utterson, die Ereignisse strenger zu ordnen.

Lanyon stirbt bald danach, und Utterson respektiert die Auflagen des versiegelten Briefs. In Jekylls Haus häufen sich ungewöhnliche Vorkommnisse. Ein Bote sucht verzweifelt nach einer bestimmten Chemikalie; wiederholte Lieferungen erweisen sich als unbrauchbar. Diener berichten von einer veränderten Stimme hinter verschlossener Labortür und von Anweisungen, niemanden vorzulassen. Poole, Jekylls Butler, wendet sich in Furcht an Utterson: Das Wesen im Labor bewege sich anders, meide Tageslicht und reiche nervöse Zettel mit dringenden Bitten hinaus. Die wiederkehrenden Details deuten auf eine Krise hin, die weder mit Ansehen noch mit Routine zu bewältigen ist.

Utterson folgt Poole in das düster gewordene Haus. Gemeinsam prüfen sie Fußspuren, Stimmen und das Verhalten der Dienerschaft und entscheiden, dass Eingreifen geboten ist. Nach kurzer Beratung brechen sie die Labortür auf. Im Raum finden sie eine komplexe Apparatur, chemische Ausrüstung, Dokumente auf dem Tisch – und einen Toten, der offenbar kurz zuvor starb. Neben dem Körper liegen Umschläge, adressiert an Utterson, mit klaren Leseanweisungen. Der erste führt zu Lanyons Bericht, ein weiterer kündigt Jekylls eigene Darstellung an. Die Dokumente versprechen eine durchgehende Erklärung der bisher losen Fäden des Falls.

In Lanyons Bericht schildert der Arzt eine Nacht, in der er nach strengen Anweisungen eine Schublade mit bestimmten Substanzen aus Jekylls Labor bergen sollte. Ein ungewöhnlicher Besucher erscheint, verlangt die Mischung und führt eine Demonstration vor, die Lanyons Vorstellungen von Natur, Identität und wissenschaftlicher Grenze erschüttert. Er beschreibt genaue Abläufe, sein wachsendes Entsetzen und das Gefühl, zum Zeugen eines Ereignisses geworden zu sein, das sein Weltbild zerstört. Lanyons Gesundheitsverfall erklärt sich aus dieser Belastung. Der Bericht verbindet Jekylls abgeschiedene Arbeit mit dem gefährlichen Einfluss, der Utterson bereits beunruhigt hatte.

Jekylls anschließende Darstellung setzt bei Motiven und Experimenten an. Er schildert den Wunsch, innere Neigungen zu trennen, gesellschaftliche Erwartungen zu wahren und dennoch verborgenen Impulsen nachzugehen, ohne öffentliches Ansehen zu verlieren. Der Text erläutert die vorbereitenden Forschungen, die Abhängigkeit von einer bestimmten Substanz und die unvorhersehbaren Folgen, die daraus entstehen. Zugleich ordnet er die bekannten Indizien: das Testament, die Tür, die Besuche zu ungewöhnlichen Stunden und die Verschiebungen im Verhalten. Am Ende steht eine klare Botschaft über die zwiespältige Natur des Menschen und die Grenzen, mit künstlichen Mitteln Kontrolle über das Selbst zu gewinnen.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Zeitlich verortet der Roman sich im späten Viktorianischen London der 1880er Jahre, einer Epoche rasanter Urbanisierung und sozialer Disziplinierung. Der Schauplatz kontrastiert vornehme Bezirke wie den West End mit engeren, gemischten Vierteln wie Soho. Gasbeleuchtung, feuchte Nebel und enge Hintergassen prägen die nächtliche Stadt. Architektonisch spiegelt Jekylls Haus mit repräsentativer Vorderseite und separatem Hintereingang in eine Labor- und Dienstbotenzone die räumliche Trennung von öffentlicher Respektabilität und privatem Experiment. Die rechtlich-polizeiliche Ordnung ist sichtbar, aber löchrig; das nächtliche Treiben in Nebenstraßen ermöglicht ein Doppelleben, das Hyde für Gewaltakte und heimliche Wege ausnutzt.

London war als Hauptstadt des Britischen Empire in den 1880er Jahren zugleich Machtzentrum und Moloch: Die Bevölkerung wuchs von rund 2,36 Millionen (1851) auf über 4,2 Millionen (1891). Zwischen City, Westminster und den kommerziellen Zonen entstanden dichte Verkehrsnetze, Clubs der Oberschicht und medizinische Einrichtungen. Nebel und Kohlesmog verschleierten klare Sicht, während das Bürgertum eine Kultur der Selbstdiziplin pflegte. Diese Topografie ermöglicht im Roman schnelle Wechsel zwischen dem bürgerlichen Umfeld von Anwälten und Ärzten und den dunklen Gassen, die Hyde frequentiert. Zeit und Ort liefern damit die materielle Infrastruktur für die von Stevenson erzählte moralische und soziale Doppelbödigkeit.

Edinburgh, Stevensons Geburtsstadt (1850), prägte das Motiv der geteilten Urbanität entscheidend. Die planmäßig errichtete New Town (entworfen 1767 von James Craig) stand mit klassizistischen Fassaden und rationaler Ordnung im scharfen Gegensatz zur mittelalterlich-verschachtelten Old Town mit engen Closes und latentem Elend. Dieses Nebeneinander von repräsentativer Öffentlichkeit und verborgenem Hinterhof bildete einen lebensweltlichen Prototyp der doppelten Stadt. Historisch ist die New Town Ausdruck bürgerlicher Selbstbeherrschung und sozialer Auszeichnung; die Old Town verkörperte Persistenz des Anrüchigen. Im Roman wird diese Erfahrung transponiert: Jekylls respektable Räume und Hydes Seitengassen codieren die urbane Spaltung, die Stevenson aus Edinburgh kannte.