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Die Unmöglichkeit des Vergessens.
Nach Jahren treffen sich die beiden ungleichen Schwestern Maria Inês und Clarice wieder, um das Unerklärliche zu klären, das ihr Leben geprägt hat. Die beiden Mädchen wachsen in einem wohlhabenden Elternhaus auf einer Fazenda im Landesinnern des Bundesstaates Rio de Janeiro auf. Ihre Kindheit verläuft scheinbar harmonisch und behütet, tatsächlich aber ist ihre Welt bestimmt von den „verbotenen Dingen“, die man nicht aussprechen darf. Und so teilen Clarice und Maria Inês dunkle Geheimnisse, die jeden ihrer Schritte begleiten. Mit den Jahren verlieren sie sich aus den Augen, die eine lebt als Ärztin in Rio, die andere auf der heimatlichen Fazenda. Erst nach dem Tod der Eltern treffen die Schwestern in einer schicksalhaften Nacht wieder aufeinander und bringen all die unausgesprochenen Wahrheiten endlich ans Licht.
„Der Sommer der Schmetterlinge“ erzählt in starken Bildern und mit viel Atmosphäre von Abhängigkeiten und Abgründen in Zeiten der Diktatur und Repression. Ein fesselnder, poetischer Roman über große Gefühle und dunkle Leidenschaften.
"Wir haben es mit einer Autorin zu tun, der die Zukunft gehört. Ihr Schreiben verspricht Großes und hat bereits eine Menge davon erreicht.“ José Saramago.
„Eine mitreißende Geschichte, ein eleganter Stil: Mit Der Sommer der Schmetterlinge gelingt der brasilianischen Schriftstellerin Adriana Lisboa der faszinierendste Roman der Saison.“ ELLE
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Seitenzahl: 307
Veröffentlichungsjahr: 2013
ADRIANA LISBOA
Der Sommerder Schmetterlinge
Roman
Aus dem brasilianischen Portugiesischvon Enno Petermann
Die Originalausgabe unter dem Titel Sinfonia em brancoerschien bei Editora Rocco, Rio de Janeiro.
Obra publicada com o apoio do Ministério da Cultura do Brasil/Fundação Biblioteca Nacional.
Die Publikation dieses Werkes wurde vom brasilianischen Kulturministerium (Fundação Biblioteca Nacional) gefördert.
ISBN 978-3-8412-0663-3
Aufbau Digital,
veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, August 2013
© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin
Die deutsche Erstausgabe erschien 2013 bei Aufbau, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG
Copyright © Adriana Lisboa, 2001
By arrangement with Literarische Agentur Mertin, Inh. Nicole Witt e. K., Frankfurt am Main, Germany
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.
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Inhaltsübersicht
Cover
Impressum
Ein Schmetterling, ein verbotener Steinbruch
Trio für Horn, Violine und Klavier
Dunkelrote Rosen
Si, ch’io vorrei morire ...
Die offiziellen Versionen
Symphonie in weiß
Florian
Neun Uhr (brasilianischer Sommerzeit)
Sonderschicht
Ein wunderschöner Ring aus Venedig
Der Faden der Ariadne
Dreizehn Jahre und vierzehn Sommer
Junifeier
Die offene Tür
Die Seele der Welt
Quellennachweis
Informationen zum Buch
Informationen zu Autorin/Übersetzer
Wenn es nutzlos ist zu weinen, muss man, glaube ich, trotzdem weinen. Weil die Verzweiflung spürbar ist. Das bleibt. Die Erinnerung an die Verzweiflung, das bleibt. Manchmal tötet es.
Marguerite Duras
Es blieb noch etwas Zeit bis zu ihrer Ankunft.
Der drückend heiße Sommernachmittag stieg als Staub von der Straße auf und dehnte sich in der Luft. Alles war still, oder fast still, träge, von Schläfrigkeit erfüllt. Ein Mann mit weit geöffneten Augen (durchscheinend vor Helligkeit, was ungewöhnlich war) gab vor, seine Gedanken ganz auf die Straße zu richten. In Wahrheit vermaßen seine Augen andere Orte, streiften auf inneren Wegen und lasen Erinnerungsreste auf, wie ein Kind, das am Strand Muscheln sammelt. Gelegentlich drängte die Gegenwart herein, unterbrach ihn, und er dachte: Bei meinem nächsten Bild werde ich mit Erde arbeiten. Doch dann zog diese braune, dürre, staubige Welt sich wieder zurück, und vor seinem geistigen Auge erschien ein jungfräuliches Weiß, ein weißgekleidetes Mädchen, das ihn an ein Gemälde von Whistler denken ließ.
Tomás erinnerte sich. Die Liebe. Was war aus ihr geworden?
Von der Liebe war nur ein blasser Abdruck geblieben, wie von einem Bild, das viele Jahre an derselben Stelle hing. Doch sie hatte Spuren auf seiner Seele hinterlassen, in seinen hellen Augen, auf dem verblichenen Abbild seiner selbst. Früher hatte die Liebe in ihm geschrien, hatte sein Innerstes entflammt. Das war nun vorbei. Selbst die Erinnerung war trügerisch, bruchstückhaft. Zufällig erhaltene Skelettteile eines prähistorischen Ungetüms. Unmöglich, ein einheitliches Ganzes wiederherzustellen. Dreißig Jahre danach. Zweihundert Millionen Jahre danach.
Zu Tomás’ Füßen schlief der Hund und träumte, ohne die Erinnerung an ein Mädchen in Weiß. Ab und zu winselte er. Dann hob er plötzlich den schwarz-weiß gefleckten Kopf und biss sich in die Pfote, um einen Sandfloh zu entfernen. Die Perlhühner der Köchin Jorgina gackerten unbeachtet vor sich hin. Es war ein glanzloser Nachmittag, wie ein altes Stück Gummi, ein abgefahrener Reifen. Ein Fossil, zweihundert Millionen Jahre alt.
Die Bougainvilleen blühten hemmungslos, fast aggressiv, die Zweige trieben in alle Richtungen und trugen Stacheln, im Widerspruch zur Zartheit ihrer Blüten. Diese Bougainvilleen waren lange vor Tomás da gewesen und würden es womöglich noch sein, wenn er auf die eine oder andere Weise gegangen war.
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