Der Tag - Maria M. Schneider - E-Book

Der Tag E-Book

Maria M. Schneider

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Beschreibung

Die Idee zu dieser Liebesgeschichte, die zur Zeit des 2. Weltkrieges spielt kam mir bereits vor ca. zehn Jahren, als wir uns zu einer Reise nach Ostpreußen aufmachten. Auf dieser Fahrt war dieser schreckliche Krieg für mich überall gegenwärtig, obwohl ich erst viel später geboren wurde und - Gott sei Dank - nicht einen Tag davon erleben musste. Im Laufe der Jahre nahm das fiktive Leben von Juliane von S. und Joachim B. in meiner Vorstellung langsam, aber stetig Gestalt an.

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Seitenzahl: 42

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Maria M. Schneider

Der Tag

Juliane von S. und Joachim B.

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Das erste gemeinsame Weihnachtsfest von Juliane von S und Joachim B.

Impressum neobooks

Das erste gemeinsame Weihnachtsfest von Juliane von S und Joachim B.

Weihnachten 1945

Mit einem Stöhnen „Uaaahh“, wachte Joachim Bergmann in seinem unbeheizten Zimmer auf. Das Eisenbett, in dem er schon als Junge vor dem Krieg schlief, war an die eiskalte Außenwand geschoben, was sich nun rächte. Feucht fühlte sich die schwere Decke an der Seite an, wo sie an die Mauer reichte.

Der metallene Sprungrahmen quietschte verdächtig, als er sich mit einem Ruck aufsetzte. Zwei Federn waren zerbrochen. Der vorherige Benützer dieses Bettes musste ein ordentliches Schwergewicht gewesen sein, der sich abends unsanft auf die Matratze plumpsen ließ, bis die Metallspiralen zerbarsten. Oder aber die Kinder der Familie, die diese monatelang verwaiste Wohnung seiner Eltern mit all den Möbeln darin als ihren neuen Besitz ansahen und sich darin häuslich niedergelassen hatten, hatten dieses Bett wie ein Trampolin benützt und waren wild und ungezügelt darauf herum gesprungen.

Joachim wusste nur, als er vor dem Krieg mit seiner Familie in dieser Wohnung lebte und Nacht für Nacht in diesem Bett schlief, wurde er von seiner Mutter angehalten, pfleglich mit diesem Möbelstück samt Sprungrahmen umzugehen, da es sich dabei um eine teure Anschaffung handelte, für die der Vater lange arbeiten musste. Da von seiner Familie niemand mehr lebte.... – nein, das wollte er erst gar nicht denken. Seine Mutter war tot. Herzversagen. Einer seiner Brüder vor Stalingrad gefallen. Aber sein Vater, sein anderer Bruder – was mit denen passiert war, wusste er nicht und hoffte Abend für Abend, dass sie beide vielleicht schon am nächsten Morgen vor der Haustür stünden. Diese Hoffnung hielt ihn aufrecht, trieb ihn Tag für Tag an, sein Leben wieder zum Laufen zu bekommen.

Es war für ihn schwerer als gedacht, im Frieden anzukommen. Während der langen Wochen im Lazarett erträumte er sich seine ganz eigene Vorstellung, von seinem Frieden mit den Geschehnissen der letzten Jahre. Doch inzwischen stellte es sich als ein Trugschluss heraus. Noch immer hörte er in seinen Träumen das mahlende Geräusch der Panzerketten, die Detonationen der Panzerfäuste, das Einschlagen der Granaten und das Rattern der Maschinengewehre. Von den Schreien der Verwundeten nicht zu reden. Das war für ihn das Schlimmste gewesen und verfolgte ihn auch jetzt noch bis in seine Träume.

Frieden!?

Der wurde für ihn nicht mit dem Unterzeichnen der Kapitulation hergestellt. Sein eigener Frieden musste von ihm erst noch gefunden werden. Als ob mit einer Unterschrift unter einen Friedensvertrag all das Grauen ausgelöscht werden könnte, dass er in den Kriegsjahren erleben musste. Von seinen verlorenen Lebensjahren ganz zu schweigen. Für einen Irrsinn hatte man ihn und seine Alterskameraden ihrer Lebensjahre beraubt.

Nicht mehr darüber nachdenken! Sonst drehten sich seine Gedanken wieder nur im Kreis.

Lehrer wollte er werden. Sein Traum war es gewesen, Kindern etwas beizubringen, damit sie eine Chance im Leben hatten. Und was war er mit seinen Kameraden gezwungen zu tun? Ortschaft nach Ortschaft mussten sie erobern, den dortigen Menschen ihre Chancen auf ein besseres Leben nehmen.

Später, als er wusste, dass zu Hause niemand mehr auf ihn warten würde, er niemanden mehr hatte für den sich das Zurückkommen lohnte, saß er in einem Unterstand, hielt den Revolver schon in der Hand, hob ihn an die Schläfe und überlegte, sich selbst die Kugel zu geben. Aber ihn verließ der Mut. Der Überlebenswille war stärker.

Sein Kamerad Helmut, ein Jurastudent, mit dem er sich angefreundet hatte und der ihn dabei beobachtete meinte erleichtert, als er die Hand mit der Waffe wieder sinken ließ, „das wäre der falsche Weg. Wir müssen zusehen, dass wir hier wieder heil raus kommen. Danach liegt es in unseren Händen, es besser zu machen als die Alten, die uns das hier alles eingebrockt haben“.

Wo mochte Helmut jetzt sein? Hoffentlich gehörte er auch zu den Überlebenden. Er war schwer verwundet worden, wurde mit einem zerfetzten rechten Arm ins Lazarett transportiert. Mit schmerzverzerrtem Gesicht und unter Stöhnen meinte Helmut beim Abschied in seiner ganz eigenen Art, alles im Leben mit Spott zu belegen, „das einzig Gute daran ist, dass sie mich jetzt nicht mehr gebrauchen können. Für mich ist der Krieg aus. Pass gut auf dich auf“. Dabei hob er den blutenden Stumpf, der Rest seines rechten Oberarmes, wie zur Bekräftigung wenige Zentimeter an.

Joachim traten bei diesem Anblick Tränen in die Augen als er sich eingestehen musste, dass er seinen Freund darum beneidete, aus diesen längst sinnlos gewordenen Kämpfen endlich entlassen zu sein.

Was er nicht wusste, auch für ihn kam wenige Monate später der Moment, dass er zur Untauglichkeit zusammengeschossen wurde. Für ihn war es nicht der rechte Arm sondern das Bein, für dessen Erhalt die Ärzte von da an verantwortlich waren. Lange Zeit stand es auf der Kippe, ob er jemals wieder auf eigenen Beinen das Lazarett verlassen würde.