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In diesem Buch wurden mehrere Kurzgeschichten zusammengefasst. Humoristisch und präzise den "normalen" Menschen beschreibend, führt der Schreiber dem Leser einen Spiegel vor die Augen. Egal ob ein neues TV gekauft werden soll oder ein Besuch beim Zahnarzt ansteht, es sind die lustigen Momente, die unser Leben bereichern. Der Tagträumer beschreibt einen ganz "normalen" Zeitgenossen, der im Internet seine Geliebten findet. ca. 30 Seiten
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Seitenzahl: 57
Veröffentlichungsjahr: 2014
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U. R. Basler
Der TagträumerX
und andere Kurzgeschichten
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Der Tagträumer
Impressum neobooks
Ich gehe auf sie zu. Sie kann mich nicht kommen sehen, sie sitzt mit dem Rücken zu mir an ihrem Schreibtisch. Ich trete hinter sie und sage „Hi, ich bin Peter, ich bin 25 Jahre alt“.
Sie dreht sich mit samt ihrem Stuhl um, schaute mir in mein Gesicht, sieht in meine strahlend blauen Augen, steht auf und fällt mir um den Hals. Genauso habe ich mir die erste Begegnung mit Fee vorgestellt. Ich halte sie in meinen Armen und drücke sie an mich. Ich kann ihren weiblichen Körper spüren, es ist in der Realität viel besser als in meinen schönsten Träumen. Ihr Haar duftet so fein nach Frühling, sie drückt ihren gertenschlanken Körper an mich und ich weiß genau, dass sie meinen Körper genau so spürt wie ich ihren. Es ist aufregend, die Gefühle sind so stark, ich liebe sie. Noch nie in meinem jungen Leben hatte ich solch starke Gefühle empfunden wie für Fee. Ich muss es ihr sagen, ich muss sie mit diesen Worten glücklich machen. Ich weiß, dass sie es hören will weil sie wie alle Mädchen unsterblich in mich verliebt ist. Ich spreche die magischen Worte ganz leise in ihr Ohr. Sie nimmt ihren Kopf zurück, ein gieriger Blick in meine bezaubernden Augen und sie küsst mich. Wild, feucht und schwer atmend küsst sie mich. Ich spüre ihre Zunge in meinem Mund, ich genieße es, dann drücke ich sie vorsichtig von mir weg.
„Küsst du immer Männer die du zum ersten Mal siehst?“
Sie lacht und antwortete, dass sie mich jetzt schon so lange kennt.
Ihr Chef kommt in das Großraumbüro. Um Fee herum arbeiten noch fünf andere Mitarbeiter, die alle zu uns hersehen. Sie tuscheln, ich kann einzelne Gesprächsfetzen verstehen.
„Er sieht so gut aus…… Wie macht die das nur das sie solch einen Typen bekommt……Ich bin neidisch auf sie“.
„Hi Tran“, begrüße ich Fee´s Chef. Tran kommt lachend zu mir und sieht seine Mitarbeiterin an. „Ich gratuliere ihnen, Fee. Besser hätten sie es nicht treffen können.“
Fee schaut mich fragend an. „Tran ist mein Freund. Wir kennen uns seit Jahren.“
„Das mit den Ferien geht in Ordnung Peter, nach dem TET Fest muss sie wieder zurück sein.“
Fee schaute noch ratloser durch die Gegend. „Wir gehen jetzt zu dir nach Hause, packen ein paar Klamotten für dich und dann fliegen wir nach Phu Quoc. Dort wolltest du doch immer schon mal Ferien machen. Ich habe einen Bungalow auf der Insel für uns reservieren lassen.“
„Schöne Ferien“ sagt Tran, schüttelt meine Hand und geht zurück in sein Büro.
Ich greife nach Fee´s Hand, schaue in ihre Augen, küsse sie zärtlich auf ihren Mund und sage ihr, dass sie ihre Sachen mitnehmen soll. In den nächsten drei Wochen würde sie das Büro nicht mehr betreten. Fee griff nach ihrer Tasche und sagte „fertig“. Wir gingen, die Angestellten im Büro klatschten wie die Frauen im Film „Ein Offizier und Gentlemen“, als Zack Mayo die Arbeiterin der Papierfabrik Paula auf seinen Armen aus der Fabrik trug. Es war ein fantastischer Augenblick, ich würde ihn immer und immer wieder erleben wollen.
Vor dem Haus parkte mein BMW. Das Dach war offen, in Saigon fuhr man besser mit offenem Dach, und wir fuhren zu ihr nach Hause. Wir hätten laufen können, es waren keine 500 Meter.
Dort angekommen blieb sie auf der Treppe, die zum Haus hochging, stehen. „Mach bitte genau was ich sage, du weißt ja, hier in Vietnam haben wir andere Benimmregeln als ihr in Deutschland“.
„Baby, verlass dich auf mich, hab keine Angst. Deine Eltern werden mich lieben.“ Wir gingen die letzten Stufen, Fee schloss die Haustüre auf und wir betraten ihr Elternhaus.
Ein kleiner absolut süßer Hund kam uns sofort entgegen. Er stürmte auf mich zu und sprang mich an. Ich bückte mich um ihn zu streicheln. „Das ist Happy“ klärte Fee mich auf. Ich wusste es bereits, sie hatte es mir beim Chatten erzählt und mir auch ein Bild von ihm gesendet..
Happy genoss meine Streicheleinheiten. Fee´s Mutter kam in den Vorraum. „Mama, das ist Peter, ein Freund. Peter hat mich eingeladen mit ihm in die Ferien zu fahren. Ich stand auf und sagte leise „Guten Tag“. Die Frau sah mich freundlich an, dann sagte sie „ah ein deutscher“. Ich hatte unbewusst deutsch zu ihr gesprochen. In diesem Moment kam ihr Mann, Fee´s Vater dazu.
„Wir haben Besuch aus Deutschland. Schau nur wen Chau da mitgebracht hat“. (Chau war Fee, Fee war Chau´s Spitzname.) „Besuch aus dem fernen Deutschland“.
„Ich wünsche einen guten Tag“ begrüßte mich Fee´s Vater auf Deutsch. „Ich habe in Deutschland studiert. Damals hieß es noch DDR“
Ich bedankte mich für den freundlichen Empfang. Dann sah ich beide Eltern an und sagte in klarem Vietnamesisch. „Ich bin nicht gekommen um ihnen eine Tochter zu stehlen. Vielmehr ist es an der Zeit das sie vielleicht, wenn Fee möchte, einen Sohn dazu bekommen“.
Das war dick aufgetragen doch meine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Die Eltern nahmen mich beide in den Arm, Fee´s Mutter begann zu weinen. Ich drehte hilfesuchend meinen Kopf zu Fee. Sie sah mich mit großen Augen an und sagte: „Du sprichst Vietnamesisch?“
Ich hauchte ihr einen Kuss zu. Happy sprang an uns hoch, er bemerkte die Fröhlichkeit aller und wollte teilhaben.
„Darüber sprechen wir noch“ sagte Fee zu mir als wir in ihrem Zimmer waren. Ich sah ihr beim Packen zu. „Worüber?“ fragte ich mich dumm stellend. „Darüber das du uns quasi verlobt hast. Außerdem hast du mir nie gesagt das du vietnamesisch sprichst“.
Ich grinste sie an, „Liebst du mich etwa nicht?“
„Das weißt du genau, ich liebe dich mehr als alles doch du…“
In diesem Moment summte mein PC. Ich öffnete meine Augen und sah auf den Bildschirm. „Sweetgirl99x mag dich“ stand da in einer blauen Sprechblase geschrieben.
Schade, der Traum war so schön und noch lange nicht fertig geträumt. Ich notierte den Namen „Sweetgirl99x“ auf einem Zettel auf meinem Schreibtisch. Später, vielleicht auch erst morgen würde ich ihren Namen anklicken und sehen wer sie war. Sofort zu reagieren war schlecht, das sah aus als wäre ich ein verzweifelter Kerl auf der verzweifelten Suche nach einem verzweifelten Mädchen. Ich war nicht verzweifelt, ich hatte zwar keine richtige Freundin zum anfassen aber ich war von virtuellen Freundinnen umzingelt.
Fee hatte ich wie alle anderen auf einer Dating Website kennengelernt. Das Programm sagte mir eine Trefferquote von 92%, das Bild das Fee von sich eingestellt hatte war überzeugend, ihre Beschreibung las sich wie meine eigene. Das Interesse war da. Ich schrieb sie an und wir kamen sofort in ein unterhaltsames Gespräch. Meine erste Zeile lautete:
„Hi, ich bin Peter und sehr schüchtern“.
