Der Tinder-Bericht - User: Denise - E-Book

Der Tinder-Bericht E-Book

User: Denise

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Beschreibung

Der Tinder-Bericht ist ein Erfahrungsbericht einer Singlefrau im besten Alter, die sich auf die Onlinepartnersuche einlässt. Ein unterhaltsamer Selbstversuch, mit witzigen, spannenden und zum Teil äußerst kuriosen Geschichten. Sowie offene Briefe an gewisse, immer wieder auftretende, Charakteren von Männern, die sich auf solchen Plattformen tummeln. Aber die wichtigere Frage ist: Ist es wirklich möglich, im Netz die große Liebe zu finden? Und was ist dazu nötig?

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Seitenzahl: 76

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhaltsverzeichnis

Die Ausgangslage

Die Anmeldung

Die Handhabung

Die Auswahl

Der Reale-Wischer

Der Verwischer

Der Minimalist

Der Grosse

Der WhatsApper

Der Gefrustete

Der Komplimente-Macher

Der Offene

Die Eintagsfliege

Der Tourist

Das Zauberwort

Der Göttliche

Der Soldat

Der Schüchterne

Der Bürolist

Der Jüngling

Das Chaos

Das Fazit

Das Happy End

Der Anhang

Das Schlusswort

Die Ausgangslage

Fünfunddreissig Jahre alt, weiblich, berufstätig, sportlich, halbwegs intelligent und umgänglich, keine Kinder und (ungewollt) Langzeitsingle.

Okay, richtig Mühe gebe ich mir nicht diese Situation zu ändern oder gezielt nach meinem Traumprinz zu suchen. Den zum einen ist es, in einem durchgeplanten Single-Leben auch nicht so einfach, sich dafür Zeit zu nehmen, zum anderen bin ich mir nicht immer sicher, ob ich meine Situation überhaupt ändern möchte.

Ich verdiene mein eigenes Geld und kann mir damit so viel Sneakers kaufen wie ich möchte. Ich muss dazu vor niemandem Rechenschaft ablegen oder meine Beute sogar ein halbes Jahr im Schrank verstecken, um der vorwurfsvollen Frage „Schon wieder neue Schuhe?“ aus dem Weg zu gehen.

Wenn ich am Sonntagmorgen aufstehe, es regnet und die Welt wiedermal ein bisschen Zuviel ist, kann ich den ganzen Tag auf dem Sofa verbringen und im frisch geshopptem Trainingsanzug vor mich hingammeln. Ich muss nicht duschen oder die Haare kämmen, meinen Katzen ist es egal wie ich rumlaufe.

Doch wenn alle um dich rum heiraten, Kinder kriegen und sich sogar schon wieder scheiden lassen, merkst du langsam, dass bei dir etwas anders läuft.

Nicht dass ich mich nach einer Scheidung mit Schlammschlacht sehne, aber ich hätte wenigstens gerne die allererste Voraussetzung, die einen solchen Schritt möglich machen würde.

Meine Oma meinte immer, dass man nicht suchen muss, sondern nur offen sein, dann kommt die Liebe von ganz alleine - check, offen sein!

Doch wie ist man denn offen für die Liebe? Ich gehe aus, mach mich sogar fürs Fitnessstudio hübsch, falls der Auserwählte genau da meinen Weg kreuzt, der Freundinnen-Joker wurde schon vermehrt ausgespielt, aber sogar bei den Kumpeln von meines Bruders Kumpeln war nix passendes dabei.

Und was nun, einsam sterben? Der Freundinnenrat tagt und ist der Meinung, dass wir (meiner besten Freundin geht‘s nämlich identisch) mit der Zeit gehen müssen und unsere grosse Liebe online finden werden, wenn wir uns auf einer dafür vorgesehenen Plattform anmelden würden.

Da wir zu zweit sind, macht es das Ganze etwas einfacher: „Wenn du, dann ich und wenn nicht dann musst du, denn sonst…!“ Der Entscheid steht, aber auf welchem der hunderten verschiedenen Portalen anmelden?

Parship: In 15 Minuten verlieben, das geht mir nun doch etwas zu schnell, ich will ja schliesslich erobert werden, auch wenn‘s nur ein virtueller Prinz ist.

ElitePartner: Die nehmen nur Singles mit Niveau. Klingt eigentlich gut, doch wie stellen die das fest? Am Ende muss ich noch irgend so einen Psycho-Test machen und es kommt raus, dass ich selbst für eine Single-Seite nicht geeignet bin. Lieber nicht.

Tinder schlägt jemand vor. Gratis, sympathisch, aber ist dies nicht dieses OneNightStand-App? Mal googlen, Tante Wiki wird mir da schon genauer Auskunft geben können:

"Tinder (dt. Zunder) ist eine kommerzielle mobile Dating-App, die das Ziel hat, ihren Benutzern das Kennenlernen von Menschen in der näheren Umgebung zu erleichtern. Sie wird zur Anbahnung von Flirts oder zum Knüpfen von Bekanntschaften verwendet."1

Naja, Flirts und Bekanntschaften sprechen nicht gerade für die grosse Liebe und im Ursprung war es wohl eine Kuppler-App auf irgendeiner amerikanischen Universität. Wie die Studenten es da so mit Liebe haben, wissen wir ja spätestens seit der Reportage über Spring-Break.

Aber da war doch dieser alte Schulfreund, der seine grosse Liebe genau auf Tinder gefunden hat und seit zwei Jahren ziemlich glücklich wirkt.

Vielleicht sind wir Mitteleuropäer einfach zu prüde um die App für so zu verwenden, für deren Zweck sie einst erfunden wurde. Das würde mir sehr in die Karten spielen, ist doch ein dauerndes Wechseln der Sexualpartnern in meinem Alter schon viel zu anstrengen, ich möchte nicht jedes Mal von neuem erklären, dass er genau das nicht tun soll, von dem anderen aber bitte viel mehr einbauen darf.

Was kostet es schon sich da mal anzumelden?

1 Quelle: Wikipedia 28.04.16

Die Anmeldung

Im App-Store sind ein paar Bilder von vermeintlichen angemeldeten Singles. Na wenn die alle so aussehen, dann gute Nacht. Da werden wir untergehen in der bestechend hübschen Konkurrenz. Aber nicht gleich entmutigen lassen. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Beim Öffnen der App wird auf dein Facebook-Profil zugegriffen, das erleichtert einiges. Du brauchst keine Fotos hochzuladen und dein „Gefällt mir“-Angaben, werden automatisch als Interessen aufgeführt.

Hast du allerdings in der Vergangenheit „Strickvorlagen für Woll-Tangas“ oder „I Love Babys - they are so tasty“ geliked, solltest du vielleicht dein Facebook-Profil vor der Anmeldung auf Tinder überarbeiten. Ausser natürlich du magst die Wolldinger so sehr, dass du von deinem künftigen Mann fürs Leben erwartest, dass er genau diese in euren bevorstehenden Liebesnächten trägt. Dann ist alles okay.

Bei mir kommen viele Interessen, die etwas mit Sport, Fitness und gesunder Ernährung zu tun haben. In meinen Augen sollte doch genau das Männer ansprechen? Wenn ich mein Profil so studiere, bin ich ziemlich zufrieden. Ich bin ein ganz schön guter Fang, so auf den ersten Blick. Jetzt muss das nur noch irgendwer bemerken.

Jetzt noch schnell ein kurzer prägnanter Satz über mich verfassen, der alles und trotzdem nichts sagt. Man muss ja die Spannung erhalten.

Ich lese nicht nach wie das Ganze funktioniert, das wird sich schon rausstellen, wenn man etwas damit rum spielt.

Los geht’s, meine Auswahl wird geladen und schon strahlt mich der erste etwas zerzauste Kerl mit Wohlstandsbäuchlein aus meinem Handy an. Sein Handy ist laut GPS-Signal rund zehn Kilometer von meinem entfernt.

Die Handhabung

Ich kann nach links wischen, links ist blöde, links wollen wir nicht. Oder ich kann nach rechts Wischen, rechts ist toll, rechts mögen wir.

Ganz rechts hat’s ein Sternchen, mal draufdrücken und schauen was passiert. Hoppla, ich hab dem netten etwas kahlköpfigen, leichtuntersetztem Herrn gerade ein Superlike gegeben. Das ist noch viel besser als nach rechts wischen. Das ist so wie wenn du dich in einer Bar direkt vor deinen Schwarm stellst und in bittest sein Leben mit dir zu verbringen.

Naja, hab ich dem Herrn, der sicherlich einen bestechend guten Charakter hat, den Tag etwas versüsst.

Nach ein bisschen nach links wischen, kommt der erste der mal einen zweiten Blick wert ist. Ich bleib mit dem Daumen kurz auf dem Display, weil ich mich nicht entscheiden kann in welche Richtung ich wischen möchte und lande auf seinem Profil. Ah okay, da gibt’s noch mehr als nur diese eine Bild.

Schnell zurück zu meinem Account, mal schauen, was bei mir so alles hochgeladen wurde. Es sind zum Glück nur Profilbilder, also keine Bilder einer durchtanzten Partynacht, auf dem ich von irgendeinem Freund markiert wurde, die Markierung aber nicht löschen möchte, da ich sonst uncool wirken könnte.

Alles im grünen Bereich, ich kann mich wieder meinen potenziellen Matches widmen.

Und sofort entdecke ich das nächste Feature von Tinder. Bei einem Herrn aus der näheren Umgebung werden im unterm Bereich „Verbindungen“ angezeigt. Zum einen sind da Seiten zu sehen, die wir beide geliked haben, doch das wirklich hilfreiche sind unsere gemeinsamen Freunde.

Bei alten Schulfreunden, die du das letzte Mal mit sechzehn gesehen hast, braucht es vielleicht eine Portion Mut um nachzufragen wie den derjenige so ist, der dir von Tinder gerade als potentieller Partner vorgeschlagen wurde. Wenn du aber ein paar guten Freunden von deinem Tinder-Experiment erzählt hast, bringt dies schon gewisse Vorteile mit sich. Kurz ein Printscreen an den gemeinsamen Freund schicken und schon erhältst du ein bisschen Wischhilfe.

Ob du dich dann von Sätzen wie „hübsch aber strohdumm“ oder „das ist mein Exfreund, lass und Vagina-Sisters werden“ beeinflussen lässt, ist natürlich dir überlassen.

Auch das Internet-Stalkern wird dadurch beträchtlich erleichtert. Und mal ehrlich, wer macht das nicht wenn er gerade einen neuen potenziellen Vater eure noch nicht gezeugten gemeinsamen Kinder entdeckt hat?

Im Tinder brauchst du dazu nicht mal die Hilfe deiner gemeinsamen Freunde. Er hat sein Hobby in seinem Text vermerkt. Vielleicht sogar ein Foto mit dem Trikots des entsprechenden Sportklub abgebildet?

Heute hat jeder Beer-Pong-Spassverein seine eigene Webseite, auf der die Mitglieder mit allen erdenklichen Merkmalen beschrieben werden. Du hast den Vornamen von Tinder und ruckzuck auch den dazugehörigen Nachnamen.

Einmal auf allen sozialen Netzwerken durch die Suche gejagt und schon hast so viele Informationen über die Person, dass du beim ersten Treffen gar nicht mehr weisst was du denn noch erfragen sollst, was du nicht schon längst über ihn weisst.

Die Auswahl

Was mich wirklich erstaunt ist, dass zwei Damen im selben Alter, mit nahezu identischem GPS- Standpunkt, scheinbar keinen selben Kerl vorgeschlagen bekommen.