Der Trader - Thomas Henkel - E-Book

Der Trader E-Book

Thomas Henkel

0,0

Beschreibung

Der Klick auf ein geheimnisvolles Zeichen in einem Orderbuch ist der Auftakt eines wahrhaft mysteriösen Wirtschaftskrimis, in den der selbständige Börsentrader Tilmann A. vor seinen heimischen Bildschirmen hineingezogen wird. Er wird zwar durch die hochriskante Spekulation auf einen fallenden Kurs der Aktie der Firma Bioconstruct unverhofft zum Millionär, was ihm all die Jahre nicht gelungen ist, doch fragt sich der Trader, ob er seinen Riesengewinn angesichts der Todesfälle bei Bioconstruct wirklich behalten soll und darf. Doch es kommt alles noch schlimmer ... Die Kurzgeschichte verbindet Elemente des Schauerromans mit solchen des Wirtschaftskrimis. Das Anliegen des Autors war es vor allem, ein Konzentrat aus unheimlicher Atmosphäre zu erzeugen. Ein oder mehrere Gruselschauer werden jeder Leserin und jedem Leser garantiert! Der Kurzkrimi ist mit einigen Anspielungen auf das Gedicht "Der Rabe" auch gleichzeitig eine kleine Hommage an Edgar Allan Poe.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 38

Veröffentlichungsjahr: 2020

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Thomas Henkel

Der Trader

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Impressum neobooks

Kapitel I

Der Trader

Es geschah am gestrigen Nachmittag – draußen herrschte trübes Herbstwetter –, nachdem ich mir gerade einige Aktienkursverläufe, die wir Börsianer Charts nennen, angesehen und zu ergründen versucht hatte, wohin die Reise bei diesen Aktien in den nächsten Monaten mit einiger Wahrscheinlichkeit gehen könnte: nach oben, nach unten oder seitwärts? Dabei bezog ich in meine Überlegungen natürlich auch die derzeitige Lage und mutmaßliche zukünftige Entwicklung des heimischen, des europäischen und des weltweiten Wirtschaftsklimas ein. Als ich nun Einsicht in das Orderbuch, auch Markttiefe genannt, eines bestimmten Anteilsscheins nahm, bei dem ich glaubte, dessen Kurs stehe mit recht hoher Wahrscheinlichkeit eine kräftigere Aufwärtsbewegung bevor, wobei die Chancen eindeutig die Risiken überwogen, entdeckte ich neben der untersten, preislich niedrigsten Position auf der Nachfrageseite ein merkwürdiges Symbol, welches Ähnlichkeit mit einer ägyptischen Hieroglyphe oder vielleicht auch mit einem einfachen chinesischen Schriftzeichen hatte.

Was zum Teufel hatte der Markt mit Tiefe zu tun, fragte ich mich manchmal. Ein Gedanke konnte tief sein, aber der Markt? Eine Bettbekanntschaft von mir verlangte mal im Eifer des Gefechts nach mehr Tiefe. Lange ist das aber her. De profundis clamavi ad te, Domine – aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir, höre auf meine Stimme! Der Begriff der Markttiefe erweckt den Anschein, als handle es sich um eine mysteriöse Sphäre, in welcher die unsichtbare Hand eines gnädigen oder zürnenden Gottes entweder Gewinne verteilt oder mit Verlusten bestraft. Doch ist die Markttiefe etwas reichlich Profanes: Was ich da auf einem meiner beiden Computerbildschirme vor Augen hatte, waren einfach die gewünschten Preise und Stückzahlen einer bestimmten Anzahl von Kaufgesuchen und einer bestimmten Zahl von Verkaufsangeboten, und zwar derjenigen, die preislich am nächsten beieinanderlagen. Alle 10 bis 15 Sekunden verschwand ein Posten oder seine Stückzahl verminderte sich, was bedeutete, dass ein Geschäft zustande gekommen oder eine Position zurückgenommen worden war. Gleichzeitig rückte ein neuer Posten ins Blickfeld.

Ich wohne im dritten Stock eines Altbaumietshauses mit Fenstern zum Innenhof. In diesem Hof steht eine riesige Kastanie. Die Fenster meiner Wohnung gehen nach Norden. Dieser Umstand und das Baumungetüm führen dazu, dass ich bei bewölktem Wetter das Licht anknipsen muss.

Draußen begann es bereits, zu dämmern. Die Hieroglyphe machte mich neugierig, da mir etwas Derartiges im Orderbuch bislang nicht begegnet war. Ich dachte daran, dass hier den Börsenbetreibern vielleicht ein Fehler unterlaufen ist und das Zeichen irgendwelche sonst unzugänglichen Informationen verbergen könnte, die ich mir vielleicht für die Steigerung der Gewinne meines Tradings zunutze machen kann. Obwohl ich sehr wohl wusste, dass ich mir durch das Anklicken des Zeichens womöglich einen Virus oder Ähnliches auf meine Rechner hole, siegten schließlich die Neugier und die Unvernunft. Ich klickte also auf das Schriftzeichen. Plötzlich verschwanden die Charts und die blinkenden Anzeigen und beide Bildschirme zeigten auf blauem Grund die Meldung: „Schwerer Ausnahmefehler!“ Nach wohl einer Minute führten beide Rechner von selbst einen Neustart durch. Doch noch ehe die Computer vollständig hochgefahren waren, erloschen die beiden großen Rechtecke vor mir in ein undurchdringliches Schwarz. Gleichzeitig ging im Raum das Licht aus und ich hörte, wie die leisen Betriebsgeräusche der Rechner verstummten. Ich erschrak, da ich im ersten Moment diese Ausfälle ebenfalls der geheimnisvollen Hieroglyphe zuschrieb. Doch fasste ich mich rasch wieder und untersuchte, ob in den anderen Zimmern der Wohnung das Licht ging, aber alle betätigten Schalter versagten ihren Dienst. Ich begab mich ins Treppenhaus. Auch dort kein Licht! Es schien im ganzen Haus der Strom ausgefallen zu sein.

Ich sah aus dem Küchenfenster. Auch in den gegenüberliegenden Wohnungen war es überall dunkel. Ich nahm den Hörer meines Festnetztelefons in die Hand und drückte die grüne Taste: ebenfalls tot. Selbst das Display meines Smartphones zeigte: kein Netz. Die ganze Angelegenheit wurde mir unheimlich. Ich sah erneut aus dem Fenster und blickte an der Kastanie vorbei zum Himmel empor. Die Stimmung war gespenstisch, geradezu apokalyptisch. Die Atmosphäre erinnerte mich an den 11. September 2001. Auch damals blickte ich in den Himmel über Berlin, während auf dem Fernsehbildschirm unzählige Male die beiden Flugzeuge in die New Yorker Türme krachten, welche dann, so unglaublich und unwirklich dies schien, in sich zusammensanken, und während ein drittes Flugzeug das Pentagon getroffen hatte. Die Fernsehbilder waren zum Teil live und ich rechnete ernsthaft damit, dass am Berliner Himmel sogleich die Zeichen eines ähnlichen Infernos sichtbar werden würden.