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Das Buch behandelt die elementarsten Fragen der Menschheitsgeschichte. Es enthält, neben der wahren Schöpfungsgeschichte (wissenschaftlich erwiesene Version!), extrem brisante, bisher noch nie veröffentlichte Informationen über Gott, den Teufel und Fritz Steiner. Warum musste Letzterer in der Figurenheilanstalt behandelt werden? Lebt Elvis noch in Obermaunzing? Führen die Wege des Herrn durch den Darmkanal? Wie entstand der Frauenhass? Warum hob Marcel das linke Bein? (Warum kann der Allmächtige Worte nicht lesen, wenn sie in Klammern geschrieben werden?) Was ist der (wissenschaftlich erwiesene) Sinn des Lebens? All das und vieles mehr erfährt der Leser in diesem hochseriösen, glänzend recherchierten Meisterwerk.
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Seitenzahl: 157
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Bachus Bogner
DER UNSINN DES LEBENS
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Der Beinheber
Die Kompetenzcops
Schwanz oder Nichtschwanz
Der sanfte Blitz des Allmächtigen
Die wahre Schöpfungsgeschichte (wissenschaftlich erwiesene Version)
Die Sexaffäre
Die Figurenheilanstalt
Showdown im Untersberg
Impressum neobooks
Er hob tatsächlich das Bein. Fritz musste lachen. Hubert würde zufrieden sein. Er würde viel Geld sparen. Chantal würde traurig sein. Sie würde viel Geld verlieren. Marcel würde enttäuscht sein. Er würde sein Bein in Zukunft woanders heben müssen. Wenn er nicht arbeiten wollen würde. Und arbeiten wollte er noch nie. Musste er auch nie, denn er war schön. Die Damen liebten ihn und sie finanzierten ihn. Dafür hob er auch sein Bein für sie. Gewiss war er zu dumm, um auch nur zu erahnen, warum die Männer von denen er sich das Beinheben abschaute, das Bein heben. Er war jedoch schlau genug, um zu wissen wie man eine Millionärsgattin ausnahm. Da hatten sich weder Hubert noch Herbert noch Heribert je getäuscht. Marcel wollte ihr Geld. Doch daraus sollte nichts werden. Immerhin hatten sie Fritz engagiert. Den zweifellos besten Schnüffler von Hintergrindelfing und Umgebung. Dieser hatte sein Handwerk wirklich von der Pieke auf erlernt. Schon als Heranwachsendem gelang es ihm unbemerkt in die Nachbarhäuser einzudringen und herum zu schnüffeln. Am liebsten schnüffelte er an den Höschen der Witwe Winifred. Und so kam er auch zu seinem ersten selbstverdienten Geld als Schnüffler bzw. Erpresser. Da Winifred im Sommer ihre Terrassentür stets offen ließ, war das Einschleichen in ihre Gemächer besonders einfach. Er wartete einfach bis sie, so wie jeden Sonntag, pünktlich um 9.45 Uhr das Haus verließ, um sich, wie fast alle anderen Hintergrindelfinger auch, in der Kirche einzufinden und Pfarrer Wunibald bei seinen Hetztiraden wider des allgemeinen Sittenverfalls zu lauschen. Heute waren wieder mal die Schwulen dran. „Das männliche Glied ist nicht für den Mastdarm bestimmt!,“ schallte es von der Kanzel. Die Leute nickten. Selbst die Schwulen. Schließlich lebte man sich ja nicht aus. Im Gegensatz zu Fritz. Der lag zu diesem Zeitpunkt bereits mit Witwe Winifreds Wollunterhose auf dem Gesicht in ihrem Bett, zog seine Feinrippunterhose runter und holte sich einen runter. Masturbation war zwar laut Wunibald auch verboten, doch wenn man hinterher drei „Vater unser“ und ein „Gegrüßet seist du Maria“ betete, dann müsste man nicht erblinden. Fritz betete viel in jenen Tagen seiner frühen Jugend. So auch an diesem Tag, der für ihn ein äußerst Lukrativer, für Heribert ein Tragischer und für Marcel ein Überlebensnotwendiger werden sollte. Verantwortlich für diesen schicksalshaften Verlauf der Dinge war Gott der Allmächtige, der Dreifaltige, in Personal- bzw. Gottunion mit Jesus Christus und dem Heiligen Geist Herrschende, Schöpfer des Himmels und der Erde. Und des Weines. Davon konnte er gar nicht genug erschaffen, denn auch im Himmelszelt war man gerne sternhagelvoll, was ab und an dazu führte, dass man die ein oder andere Schweinerei 32.000 Meter tiefer übersah. Der Brief den Fritz an jenem Sonntagvormittag fand, stellte zweifellos eine solche Schweinerei dar. Als Gott am Abend von dessen Existenz erfuhr, wäre er beinahe aus allen Wolken gefallen. Er konnte nicht fassen, dass sich einer seiner eigenen Angestellten zu derartigen Lügen verstieg. Und das auch noch im Namen seines Heiligen Geistes. Das konnte nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Der Leibhaftige musste seine Finger im Spiel gehabt haben. Gott griff zum Hörer und wählte die 666. Kurz darauf läutete 66.666 Meter tiefer das Telefon.
„Hölle.“
„Himmel. Mit wem spreche ich bitte?“
„Kahn.“
„Oli Kahn?“
„Dschingis Khan.“
„Der Schlächter?“
„Nein. Der Sänger. Und mit wem habe ich die Ehre?“
„Gott.“
„Karel Gott?“
„Gott der Allmächtige! Ich will deinen Chef sprechen!“
„Was zur Hölle willst du von ihm?“
„Das geht dich einen Dreck an! Scher dich zum Teufel und hol ihn um Himmels Willen an den Apparat!“
Khan ging zum Teufel und holte ihn.
„Satan.“
„Gott.“
„Welcher?“
„Der Allmächtige.“
„Moment bitte.“
Der Teufel runzelte die Stirn. Es war wirklich ein Kreuz mit diesen ganzen Göttern heutzutage, dachte er, schlug sein dickes Götterbuch auf und arbeitete sich gewissenhaft durch das Verzeichnis.
„Ich habe hier keinen Allmächtigen.“
„Versuchen Sie es mal unter Dreifaltiger.“
Der Teufel sah abermals nach und wurde fündig.
„Treffer. Dreifaltiger, Schöpfer des Himmels und der Erde. Familienstand: ledig, ein Sohn, ein Heiliger Geist.“
„Dreifaltig eben.“
„Ich bin etwas verwirrt, hier mit Ihnen zu sprechen. Friedrich behauptet, Sie wären tot.“
„Friedrich leidet an Syphilis.“
„Na schön Gott. Was kann ich für dich tun?“
„Herr Gott!“
„Wie bitte?“
„Für Sie noch immer Herr Gott.“
„Na gut Herr Gott nochmal! Was zum Teufel wollen Sie von mir?“
„Eine Auskunft. Wo waren Sie letzten Samstag zwischen 18.00 Uhr und Mitternacht?“
„Im Fegefeuer. Christen foltern.“
„Jetzt sagen Sie bloß, Sie machen das noch immer?“
„Mein Gott. Die wollen das halt so.“
„Was haben Sie danach gemacht?“
„Um 20.00 Uhr bin ich zurück zur Haupthölle, habe noch ein bisschen Brennholz gehackt, mit Adolf, Josef und Benito eine Partie „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt und mich dann so gegen Mitternacht in die Glut gelegt.“
„Sie bestreiten also an jenem Tage in einen meiner Vertreter auf Erden gefahren zu sein?“
„Absolut. Fragen Sie Papst Urban VIII, wenn Sie mir nicht glauben. Der war den ganzen Tag an meiner Seite.“
„Pah! Urban VIII! Das war doch derjenige, der seinen Studienkumpel Galilei vor dem Scheiterhaufen bewahrt hat. Dieser Versager trägt doch Mitschuld daran, dass heute die Menschheit die Erde für eine Kugel hält.“
„Ist sie ja auch!“
„So ein Blödsinn! Die Leute würden ja herunterfallen und außerdem: Wo wäre denn dann die Hölle?“
„Die Hölle ist in jedem von uns. Hahaha.“
„Wenn Sie so weitermachen schicke ich Ihnen nächste Woche ein Dutzend deutscher Schlagerstars.“
„Oh Gott, nein!“
„Zum Teufel, ja! Ich werde Sie jetzt noch einmal fragen: Waren Sie in Wunibald?“
„Nein. Ich schwöre bei Gott und meinen zwei Schwänzen, dass ich mit dieser Sache nicht das Geringste zu tun habe.“
„Na gut. Ich glaube Ihnen.“
Gott legte auf. Sein gefallener Engel schien ihm ehrlich zu sein. Seine Schwänze waren ihm sicher zu wichtig, um sie wegen eines Dorfpfarrers zu verlieren. Doch wenn Luzifer nicht in Wunibald war, wer dann? Wer war in Wunibald? Der Allmächtige war nicht allwissend. Er war ziemlich ratlos. Fritz nicht. Zwar wusste er auch nicht wer in Wunibald war, doch genügte es ihm vollkommen zu erfahren, dass Wunibald in Winifred war. Den dies beweisenden Brief hatte er rein zufällig auf dem Nachtkästchen entdeckt, als er auf der Suche nach etwas zum Abwischen mit seinen klebrigen Fingern an einem Umschlag haften blieb. "Für Wini von Wuni“, stand darauf und allein an der Handschrift konnte Fritz erkennen, dass es sich beim Verfasser um den, als Pfarrer und Vorstand des Ringervereins herrschenden Oberhintergrindelfinger, Wunibald Wutke handeln musste. Ein diabolisches, ja nahezu teuflisches Grinsen durchzog das, von hartnäckigen Pickeln übersäte und vom ersten Flaum über der Oberlippe verzierte, Gesicht des künftigen Privatdetektives. Ein Pfarrbrief war das sicher nicht. Zumindest kein Offizieller. Fritz las den Brief nicht. Nicht vor Ort, denn im Gegensatz zu den männlichen Hintergrindelfingern, gingen die Weiblichen nach der Kirche stets direkt nach Hause und deshalb drängte die Zeit. Witwe Winifred war bereits unterwegs. Wütend und traurig ging sie schneller als sonst. Er hatte sie nicht einmal angesehen. Er wollte selbst jetzt noch nicht zu ihr stehen. Er hatte nicht einmal den Mut, ihr das ins Gesicht zu sagen. Er würde sich wieder einmal mit seinen Ringerfreunden volllaufen lassen, statt mit ihr Liebe zu machen. Liebe (heterosexueller Natur) predigte er vormittags in der Kirche. Abends brüllte er: „Reiss ihm die Gedärme raus!“ in die Arena. Für die meisten Katholiken stellte das damals zwar keinen Widerspruch dar, doch Winifred begann langsam sich wegen des Geisteszustands des Geistlichen zu sorgen. Zwar schlicht vom Gemüte war sie doch mit einer hohen emotionalen Intelligenz gesegnet und hatte außerdem große Erfahrung im Umgang mit Geisteskranken. Ihr verstorbener Gatte war ein schwerer Neurotiker, der nicht auf die Toilette gehen konnte ohne sich vorher dreimal mit der Faust auf den Kopf zu schlagen und dabei Jummi Jummi zu schreien. Die Zahl drei und die Worte Jummi Jummi übten generell eine magische Anziehungskraft auf ihn aus. So sah er sich außer Stande morgens sein Grundstück zu verlassen, ohne vorher seinen Hund, den er ebenfalls Jummi Jummi nannte, dreimal am Schwanz gezogen zu haben, was regelmäßig zu kleineren Bissverletzungen führte. Im Wirtshaus bestellte er stets drei Bier gleichzeitig mit der Begründung, er trinke für seine Zwillingsbrüder Jummi und Jummi in Übersee, je eines mit. Als er einmal nur zwei Bier orderte und der Wirt ihn etwas verlegen fragte, ob denn ein Jummi gestorben wäre, gab er zur Antwort: „Nein, aber ich habe mir das Saufen abgewöhnt.“ In Wirklichkeit wollte er natürlich seine Neurosen loswerden. Tragischerweise gelang das nicht. Zum Verhängnis wurde ihm letztendlich das dreimalige Bohren mit dem Finger in der Steckdose, zu dem er gezwungen war, bevor er den Lichtschalter betätigen konnte. Eines Tages hörte Winifred daraufhin nicht das gewohnte Jummi Jummi, sondern ein zischendes Zssst, Zssst. Und seitdem leuchtet ihrem Waldemar das ewige Licht. Das behauptet jedenfalls Witwentröster Wunibald, der ihr ein sehr einfühlsames Gedicht zum Thema Auferstehung schrieb:
"Waldemar komm doch heraus,
setz dich zu unserem Leichenschmaus.
Erheb dich von den Toten
und lausche meinen Zoten.
Für Christen ist der Tod ja nicht unendlich,
die Auferstehung selbstverständlich.
Drum kriechen heut' bejubelt vom Kirchenchor
aus ihren Gräbern die lebenden Toten hervor.
Gesalbt und geheiligt im Gotteshaus
predigt der Pfarrer ihren Kadavern die Würmer heraus.
Die Bibel zitierend,
darin kann man es lesen,
wer fleißig betet,
der muss nicht verwesen.
So kann und so wird es ewig weitergehen,
doch nur wenn man glaubt,
das muss man verstehen."
Winifred glaubte fest daran, doch verstehen konnte sie an jenem Sonntag vieles nicht mehr. Sie war verzweifelt. Zu allem Überfluss lief ihr jetzt auch noch der Bengel vom alten Steiner über den Weg. Auch mit dem schien irgendetwas nicht zu stimmen. Sein Blick hatte immer so etwas Verschlagenes, Hinterlistiges an sich. Außerdem war er an seinen Ohrläppchen eindeutig als Perversling zu identifizieren. „Wenn bei einem Mann die Ohrläppchen spitz zulaufen und etwas nach vorne geneigt sind, dann halte dich fern von ihm. Männer mit solchen Ohrläppchen sind pervers und heimtückisch mein liebes Kind!“, hatte ihr Vater, ein Biologieprofessor, ihr immer wieder eingeschärft. Und der musste es schließlich wissen. Als ehemaliger Leiter der Villa Beffert in Hannover, war er ein absoluter Fachmann für germanische Volks- und Rassenkunde und somit prädestiniert für die Entschlüsselung körperlicher Eigenheiten und deren Auswirkungen auf den Geisteszustand. Oder auch umgekehrt. „Manchen wachsen vom Lügen lange Nasen. Bei anderen werden die Fingerknöchel weiß. Masturbation führt bei Kelten zu einem krummen Penis, bei Slawen zu einem Schrumpfkopf und bei Asiaten zu Akne. Da sind die Rassen durchaus unterschiedlich. Auch beim Schwulsein. Kommt ein Afrikaner nach gleichgeschlechtlichem Sexualverkehr noch mit einer leichten Grippe davon, so muss sich ein Germane allein für das Küssen eines anderen Germanen, mit einem langwierigen Genitalherpes herumschlagen.“, dozierte der Altnazi. Und Winifred lauschte. „Was du alles weißt Vater!“, pflegte sie dann zu sagen und glaubte jedes Wort. Was nicht verwunderlich war, denn selbst Adolf Hitler hatte damals die Karriere des Professors mit den markanten Ohrläppchen mit größtem Interesse verfolgt, wie ihm Gauleiter Weichmann Leiserbacher stets versicherte. „Ausgezeichnet Herr Eseler! Ihre Studie über Stalins Ohrläppchen hat dem Führer die Augen geöffnet. Sie haben großen Anteil daran, dass wir nächste Woche die Russen angreifen. Gratuliere Herr Direktor. Immer weiter so!“ Und Pferdinand Eseler machte weiter bis an sein Lebensende. Zwar wurde er nach dem Krieg von den Alliierten etwas getadelt, doch dauerte es nicht lange bis man ihm an der Universität der, von Hintergrindelfing nur einen Katzensprung entfernten, dreitausend Einwohner Metropole Obermaunzing, eine neue Stelle als Professor zuwies. So konnte er sein umfangreiches Wissen, noch bis in die späten 70er Jahre hinein, an die schlauesten Köpfe der Region weitergeben. Für die Kirche war er jedoch ein Spinner und seine Theorien wurden als fantastischer Unfug abgetan. „Ein guter Katholik weiß, dass man vom Schwulsein nicht Genitalherpes bekommt, sondern in die Hölle muss!“, fühlte sich Pfarrer Wunibald bemüßigt eines Sonntages klar zu stellen. Darum war Winifred auch häufig hin und her gerissen, im Glauben an die Weisheiten ihres Vaters einerseits und jenen ihres Geliebten andererseits. Bei der Sache mit den Ohrläppchen war sie sich jedoch sicher. Fritz musste ein Perverser sein. Ein Voyeur oder Exhibitionist. Ein Sodomist. Ein Sadist oder Masochist. Ein Nekrophiler. Ein Pädophiler. Oder noch schlimmer: „Ein Schwuler!“, ging es ihr durch den Kopf, als ihr der Höschenfetischist an jenem Vormittag begegnete und sie übertrieben freundlich grüßte.
„Grüß Gott Frau Wundracek! Welch herrlicher Tag! Finden Sie nicht auch?“
„Der Tag des Herrn, junger Mann. Ich habe dich heute gar nicht in der Kirche gesehen.“
„Ich musste mich um die Wäsche kümmern, weil meine Mutter krank ist.“
„Verstehe. Was fehlt ihr denn?“
„Grippe.“, log Fritz in dem Wissen, dass sich die beiden Damen hassten und nur übereinander aber niemals miteinander redeten.
„Ich hoffe sie wird bald wieder gesund.“, log Winifred in dem Wissen, dass Fritz wusste, dass sie log.
„Ganz bestimmt Frau Wundracek. Wie geht es Ihnen? Sie sehen so traurig aus heute.“
„Ach das täuscht. Ich bin nur etwas müde.“
„Verstehe.“, erwiderte Fritz in dem Wissen, dass Winifred nicht glaubte, dass er tatsächlich verstand, weil sie der Ansicht war, dass das männliche Geschlecht das Weibliche nie versteht und immer nur deshalb vorgibt zu verstehen, um seine Ruhe zu haben. Doch sie irrte. Fritz verstand. Er verstand sie besser als jeder andere. Er kannte nicht nur ihre Unterhosen in- und auswendig, sondern auch ihre Gefühle, Sehnsüchte und Wünsche. Schließlich las er regelmäßig in ihrem Tagebuch. Das verschaffte ihm natürlich einen nicht zu unterschätzenden Vorteil im künftigen Ringen mit dem Ringerpapst und Oberlehrer, dem Gröler und Frömmler, dem gottverdammten Lügner und erbärmlichen Heuchler Wunibald, der Winifred nur begehrte, nicht aber schätzte und schon gar nicht liebte. Im Gegensatz zu ihm. Dem wahrhaft und mit jugendlicher Hingabe Verehrenden. Er würde sie im Sturm erobern, denn nur er wusste was die wunderschöne Witwe Wundracek brauchte. Keinen Windhund wie Wunibald, der sie verleugnete und sicher auch keinen Freak wie Waldemar, der selbst beim Sex noch Jummi Jummi stöhnte und exakt nach drei Minuten fertig sein musste. Nein, was sie brauchte war ein ganz normaler 13jähriger Mann, wie in der fesche Herr Steiner jun. darstellte.
„Ich muss jetzt heimgehen und die Schweine füttern!“, sagte der junge Herzensbrecher, nicht ohne dabei sein charmantestes Lächeln aufzusetzen.
„Einen schönen Sonntag noch.“, entgegnete die Angebetete und dachte: „Warum grinst dieser Pimpf so debil? Dem gehören wohl mal wieder die perversen Ohren lang gezogen.“
„Halt! Halt! Halt! So kannst du das nicht schreiben Bachus!“, meinte meine Frau.
„Wieso nicht Aphrodite?“, fragte ich.
„Der arme Fritz! Wieso muss sie ihn so verachten?“
„Weil er ein Schnüffler ist.“
„Aber ein Schnüffler mit Gefühl.“
„Das weiß sie doch nicht.“
„Aber du könntest sie es ahnen lassen.“
„Wozu? Soll sie sich in einen 13jährigen verlieben? Das wäre ja unrealistisch.“
„Im Gegensatz zum Telefongespräch zwischen dem Dreifaltigen und dem Leibhaftigen?“
„Wieso sollte es so ein Gespräch nicht gegeben haben?“
„Ich glaube nicht an den Teufel.“
„Ich schon. Ich habe ihn sogar schon gesehen.“
„Ach ja. Und wo?“
„Auf dem Obermaunzinger Faschingsball. Er schlich ständig zwischen den Tischen umher und trank unbemerkt fremder Menschen Biergläser leer.“
„Das war doch der Simml Hans, der alte Restezutzler. Der hat sich doch bloß als Teufel verkleidet.“
„Scheinbar meine Schöne. Das war ja gerade das Perfide daran. Der Teufel tat nur so als wäre er der, als Teufel verkleidete, Simml Hans.“
„Du meinst der Teufel ergriff Besitz vom Simml Hans, verkleidete sich als Teufel und benahm sich dann wie der Simml Hans?“
„Exakt.“
„Das ist raffiniert. Aber woher willst du wissen, dass es nicht doch einfach nur der Simml Hans war?“
„Weil er ganz entsetzlich nach Schwefel stank.“
„Verstehe. Aber wieso bemächtigte er sich des Simml Hanses? Der Mann kann ja kaum sprechen. Was ist so interessant an dem?“
„Tja. Das weiß nur Gott allein.“
„Gott, der Allmächtige?“
„Nein. Gott Schalk. Der ist für jeden Blödsinn zu haben.“
„Und du musst jeden Blödsinn aufschreiben?“
„Naja. Wenn die eigentliche Geschichte etwas dünn ausfällt, dann…“
„Was ist denn die eigentliche Geschichte?“
„Das verrate ich doch jetzt noch nicht!“
„Na schön. Wie du meinst. Aber die Szene zwischen Winifred und Fritz wirst du umschreiben. Die gefällt mir nicht.“
„Wie willst du die Szene haben, oh Holde?“
„Winifred sollte die Anhimmelung bemerken und sich geschmeichelt fühlen.“
„Wegen einem pickeligen Perversling?“
„So pervers ist er ja gar nicht. Die Pickel vergehen und wenn er achtzehn ist, ist er reif für sie.“
„Dann ist sie ja schon vierzig!“
„Na und! Moderne Frauen wollen keine alten Säcke mehr! Sie wollen was Knackiges heutzutage!“
„Die Szene spielt 1977!“
„Gelesen wird sie aber heute. Also mach den Fritz ein bisschen schöner und die Winifred ein bisschen sanfter.“
„Ich muss jetzt heimgehen und die Schweine füttern.“, sagte der junge Herzensbr...
„Halt!“
„Was ist?“
„Lass die Schweine weg!“
„Aber die Schweine sind doch hungrig!“
„Das muss sie ja nicht wissen. Schweine haben in einer Liebesgeschichte nichts zu suchen!“
„Ich muss jetzt heimgehen und meiner kranken Mutter einen Tee kochen.“, sagte Fritz. „Das ist lieb von dir.“, entgegnete Winifred. Langsam gefiel ihr der junge Mann immer besser. Wie fürsorglich er sich um seine Mutter kümmerte. „Der weiß wie man eine Frau behandelt.“, dachte sie und betrachtete den Gentleman nun etwas genauer. Seine Augen schienen ernsthaft besorgt wegen der kranken Mutter. Der Mund jedoch deutete ein dezentes Lächeln an, das seinem hübschen, für dieses Alter jedoch schon erstaunlich markanten Gesicht, einen unwiderstehlichen Charme verlieh und seine perversen Ohrläppchen nahezu vergessen ließ. Und das tat Winifred auch. Sie vergaß. Sie vergaß Waldemar und Wunibald. Sie vergaß ihr großes Problem. Sie vergaß Ort und Zeit. Sie vergaß, dass Fritz erst dreizehn war. Sie vergaß sich selbst, stürzte sich wie eine wild gewordene Bestie auf den jungen Charmeur, riss ihm die Kleider vom Leib, küsste ihn zuerst oben, dann unten, warf ihn zu Boden, zog sich den Slip aus, schob sich den Rock hoch, setzte sich mit ihrer klatschnassen Möse auf seinen stahlharten Schwanz und begann ihn mit rhythmischen Stößen, direkt neben der Straße, hemmungslos durchzu ….
„Nanana! Mein lieber Bachus! Wir hatten doch abgemacht, dass sie sich geschmeichelt fühlen solle.“
„Tut sie ja auch.“
„Aber deswegen fällt sie doch nicht gleich über ihn her.“
„In meiner Phantasie schon.“
„Die musst du zügeln! So schnell geht das nicht! Außerdem finde ich die Wortwahl schrecklich. Du kannst doch nicht Möse und Schwanz schreiben! Ein seriöser Autor schreibt nicht Möse und Schwanz!“
„Ich soll nicht Möse und Schwanz schreiben?“
„Nein! Schreib nicht Möse und Schwanz!“
„Wieso soll ich nicht Möse und Schwanz schreiben?“
„Weil mir das einfach zu derb ist, wenn du Möse und Schwanz schreibst.“
„Ich würde aber gerne Möse und Schwanz schreiben. Mir gefallen die Worte Möse und Schwanz.“
