Der Versuch - Eva Lubowsky - E-Book

Der Versuch E-Book

Eva Lubowsky

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Beschreibung

Simone ist 64 Jahre alt und geschieden. Sie übt einen guten Job im Außendienst aus und lebt bereits einige Jahre ohne Partner. Das jüngste Kind, ihr Sohn Jörn, lebt mit seiner Frau inzwischen im eigenen Nest. Simone hat einen netten Bekanntenkreis, doch in letzter Zeit spürt sie, dass ihr etwas für’s Herz fehlt. Obwohl bei ihr keine Kontaktschwierigkeiten vorhanden sind und sie viel unterwegs ist, gelang es ihr bisher nicht einen Mann zu finden, mit dem sie sich eine Verbindung vorstellen kann. Sie beschließt auf Partnersuche zu gehen und meldet sich bei einer Single Börse im Internet an. Eine abenteuerliche Zeit beginnt...

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Seitenzahl: 250

Veröffentlichungsjahr: 2018

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© 2018 Eva Lubowsky

Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung

Einstieg in die Partnersuche

Schon seit längerer Zeit war Simone ohne Partner. Und das wollte sie ändern.

Die Bekanntschaftsanzeigen in den Zeitungen sagten ihr nicht zu. Sie versprach sich mehr Chancen mit einer Suchmaschine im Internet. Überrascht sah Simone die Vielzahl der Anzeigen. Mit so einem großen Angebot hatte sie nicht gerechnet. Ein passender Deckel, das hätte schon was. Doch was tun, wenn der Griff am Deckel fehlt…?

Simone war verwirrt. Sie dachte: Wer soll sich da zurechtfinden? Was ist gut, was ist schlecht? Vielleicht wirst du noch das Opfer eines Heiratsschwindlers? Der hätte in ihrer Sammlung gerade noch gefehlt…

Vielversprechende Anzeigen wie …

…Partnersuche mit Niveau;

Partnersuche regional,

Partnersuche über 50,

Partnersuche kostenlos.

Oha, das sah nach Arbeit aus, dachte Simone. Welche Partnerseite klicke ich zuerst an? Simone entschied sich für vip-partner.de und rief diese Seite auf. Hier wurde mit hochkarätigen Partnern geworben.

Nach den Angaben wie Geschlecht, E-Mail Adresse und obligatorischem Passwort kam die Weiterleitung zu einem Persönlichkeitstest. Ja, es wurde spannend! Fragen nach gemeinsamen Interessen, Treue, gesicherter Zukunft, gleiche Wellenlänge, Freiraum, Zärtlichkeit und Sex mussten beantwortet werden. Zärtlichkeit und Sex waren ja absolut wichtig - zumindest für Simone! Durch die Verpflichtungen in der Vergangenheit sind diese Gefühle und Aktivitäten längere Zeit bei ihr auf der Strecke geblieben.

Weitere Fragen wie Freizeitbeschäftigung, Wohnungssituation, Hobbys, Freundeskreis, Musik, Theater, Sport und mehr sollten je nach Relevanz beantwortet werden. Simone füllte alles wahrheitsgemäß aus, denn es musste ja seine Ordnung haben. Dabei hatte sie ein Gefühl, als würde sie sich entblättern. Doch der Zweck heiligt nun mal die Mittel, dachte sie.

Dann kam der Menüpunkt für die endgültige Anmeldung. Es erschienen die Preise für die Leistungen. Ihr kam es vor, als würde sie höhnisch ausgelacht. VIP-Mitglied musste man sein, um Partnervorschläge zu bekommen, die passend auf das eigene Profil zugeschnitten sein würden.

Simone sah den „überaus günstigen“ Jahrespreis von über € 400 und schluckte trocken. Immerhin war dies schon eine enorme Kostenersparnis, wenn man bedenkt, dass der Monatspreis bei sechs Monaten bereits über € 55 lag. Da konnte man mal wieder sehen, dass Hochkaräter eben ihren Preis haben, dachte sie.

Mit dem günstigen Monatspreis konnte sie sich aber nicht anfreunden und verließ das Portal von VIP- Partner.

Die Konditionen bei VIP-Partner hatten Simones Euphorie etwas gedämpft, doch der Wunsch blieb, nach einem Mann für den nächsten Lebensabschnitt zu suchen. Also weiter! Die Auswahl an Partnerseiten war groß.

newlove.de erregte ihre Aufmerksamkeit und animierte sie, sich näher mit diesem Partnerportal zu beschäftigen.

Kostenlos anmelden? Oh, diese Option bestand bei VIP nicht, stellte sie fest. Ist vielleicht ein Haken dabei, da sie von VIP-Partner.de vorgewarnt war? Mal sehen, was jetzt kommt, überlegte Simone. Versprochen werden:

Chats, flirten, Partner in der Nähe und geprüfte Mitglieder - das hörte sich doch schon recht verheißungsvoll an.

Mit Eifer begann sie, ihr Profil anzulegen. Sich selbst zu beschreiben, ist nicht unbedingt einfach, besonders dann nicht, wenn man ehrlich sein will. Nach einigen Überlegungen gab Simone folgenden Text bei newlove.de ein:.

Nur Fledermäuse lassen die Flügel hängen!

Ich bin „Lalila“, 64 Jahre alt, 173 cm groß,

blond, grünäugig und mollig

Ausbildung: Fachhochschulreife und Lehre

Beruf: Selbständige Kauffrau im Aussendienst

Zum alten Eisen gehöre ich noch nicht. Ich suche für den letzten Lebensabschnitt den passenden Partner zwischen 56 und 65 Jahren, mit dem ich auf Wolke sieben schweben kann – die eher seltenen Tränen werden im Keller vergossen.

Verständnis für einander, Ehrlichkeit, Zärtlichkeit, Liebe und Sinnlichkeit sollten unser Leben verschönern.

Ich bin humorvoll, denke positiv und lache gern – auch über mich selbst. Für mich ist nicht der Geiz geil, sondern der Geist. Meine Hobbys und Interessen sind:

Theater, Oper, Konzerte, Musizieren, Tanzen, Reisen, Lesen, Fotografie, Antiquitäten, Malen, Fitness, Radfahren, Schwimmen, Kochen, Essen gehen und Freunde treffen.

In der Fotogalerie auf ihrem PC suchte sie nach Bildern. Es sollten aktuelle Fotos sein. Doch wer die Wahl hat, hat die Qual. Sehe ich auf diesem Foto gut aus? Nein, die Haare sitzen nicht, ich nehme doch besser das andere mit den Rosen im Hintergrund, beschloss sie… Die Entscheidung für das zweite Foto fiel ihr dann sehr viel leichter.

Aufmerksam und kritisch wurde noch einmal alles durchgelesen, bevor sie das fertige Profil zur online Stellung freigab.

Kostenlos war allerdings nur die Einstellung ihres Profils mit Fotos in dem Portal, jedoch mit eingeschränkten Funktionen. Aha, hier ist der Haken! Eingeschränkte Funktionen bei der Kontaktaufnahme wollte sie nicht.

Was brachte es, wenn die Kontaktmöglichkeiten geringer waren? Wenn schon, denn schon! Der Entschluss war schnell gefasst, bei newlove.de die Mitgliedschaft für ein Jahr einzugehen.

Mit den Kosten von unter 250 € für ein Jahr konnte sie leben. Was bekommt man in unserer heutigen Gesellschaft ohne Geld…

Nervös lief Simone mit einem Glas Sekt im Wohnzimmer auf und ab, weil sie auf die Nachricht wartete, dass ihr Profil online war. Es dauerte vier Stunden, bis ihre Angaben überprüft waren. Dann kam die erlösende Nachricht, Simones Profil war online.

Eine aufregende Zeit begann!

Es kann losgehen. Samstagmorgen wachte Simone sehr früh auf. Noch während sie sich in ihrem weichen Bett wohlig streckte, nahm sie sich vor, heute in erster Linie newlove ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Sie hatte das Profil bereits am Freitag eingestellt, weil sie am Wochenende mehr Zeit für die Suche hatte.

Bevor sie unter die Dusche ging, fuhr sie den PC hoch. Sie machte sich rasch einen Kaffee, holte ein paar Kekse aus dem Schrank und begab sich damit zum PC. Gespannt machte sie das E-Mail Postfach auf, doch leider war keine neue Nachricht dabei. Ihre Enttäuschung darüber hielt sie nicht davon ab, sich sofort bei newlove einzuloggen, um zu sehen, was dort los war - hoffentlich mehr als in ihrem Postfach…

Dann war Simone im Forum und erkannte erfreut, dass sie nicht unbeachtet geblieben war! Zwölf Mitglieder hatten ihr Profil aufgerufen, und zwei davon hatten ihr sogar einen erhobenen Daumen gegeben. Diese Aktivität vermittelt: „Du gefällst mir!“ Ihr Puls war nun etwas schneller als sonst.

Natürlich schenkte sie den Herren mit den erhobenen Daumen zuerst ihre Aufmerksamkeit.

Numme eins war -ach du Schreckein glatzköpfiger, bierbäuchiger Mann! Mit einem Bier in der Hand stand er in voller Größe, die kaum der Rede war, auf einem Festplatz. Sein blaues T-Shirt mit dem Aufdruck “Superman“ machte ihn für sie auch nicht attraktiver. Da Simone aber durchaus ein gründlicher Mensch war, beschäftige sie sich mit seinem Profil.

„Ich fasse es nicht“, rief sie aus. „Kann der Typ nicht lesen?“ Mecki, wie er sich nannte, war 165 cm groß und 73 Jahre alt. Simone hat eine Vorliebe für größere Männer. Deshalb war ein Mann, der unter ihrer Nasenspitze durchlaufen konnte, für sie ein absolutes No Go!

Auch ein Mann von über 65 Jahren passte einfach nicht. Diese Erfahrung hatte sie schon gemacht. Leider waren die Typen, mit denen man noch etwas anfangen konnte, meist in festen Händen. Die frei Herumlaufenden konnte man vergessen. Wenigstens dachte Simone so. Die Herren waren schon sooo fertig mit dem Leben – bloß keine Veränderung war deren Devise!

Die Profilangaben von Mecki verstärkten noch Simones Widerwillen. Hobbys wie Volksmusik, Hasen als Haustiere…

Beruf: Maurer nich Prüfung,

Trinken: Wein.ein.bier und.wasser,

Traumpartner: Treue und liebe und ein Frau gut dufte.

Also bei Mecki wird der „Daumen hoch“ nicht erwidert. Nein höflich ist sie zwar, aber sich so zu verbiegen: nein!

Nun kam Daumen hoch Nummer zwei. Dieser Mann, Peterpan konnte ihr schon eher gefallen. Zwar hatte dieser Herr ebenso kaum Haare auf dem Kopf, jedoch glich sein Haupt nicht einer Billardkugel. Blaue Augen mit positivem Blick, markante Nase und ein Lächeln auf den wohlgeformten Lippen. Sein kräftiges Kinn verriet Energie und Willenskraft.

Jetzt beschäftigte sie sich mit dem Profil. Peterpan schrieb:

Ja, an die Liebe glaube ich noch, denn

die Zeit zu zweit kann wunderschön sein!

Gern möchte ich das wieder genießen,

Etwaige Zweifel habe ich erfolgreich versenkt

und suche hier nun optimistisch nach der

"Richtigen".

Eine liebevolle Frau, in die ich mich verlieben kann. Eine mit Verstand, Humor und Ehrlichkeit im partnerschaftlichen Sinne. Mit ihr möchte ich die schönen Momente genießen und auch die Hürden des Lebens meistern.

Ein Lächeln umspielte Simones Lippen. Der Text berührte sie und hatte die romantischen Seiten ihres Wesens geweckt. Schön und gefühlvoll hatte er sich ausgedrückt. Auch die anderen Angaben seines Profils gefielen ihr.

Also verschickte sie, erwartungsvoll auf mehr hoffend, einen Daumen an Peterpan und war gespannt, wie es weitergehen würde.

Danach beschäftigte Simone sich mit den anderen Männern, die zu Besuch auf ihrem Profil waren. Von den zehn Usern verbuchte sie neun unter der Kategorie uninteressant, doch der zehnte Besucher war einen Blick wert.

Oh là là, dachte sie. Bereits sein Aussehen ließ ihr Herz höher schlagen. Ein gut geschnittenes Gesicht, zwei dunkle Augen, die sie etwas spöttisch anschauten. Volle dunkle, leichte gelockte Haare, ein dichter Oberlippenbart.

Neugierig klickt sie ein weiteres Foto von ihm an, auf dem er sich in voller Größe, immerhin beachtliche 189 cm, an einem Flussufer präsentierte. Enge Jeans bedeckten seine athletischen Beine, der muskulöse Oberkörper wurde von einem roten Poloshirt umspannt. Die Knöpfe des Shirts waren offen und gaben den Blick frei auf dunkel gelockte Brusthaare. Das enge Shirt ließ erahnen, was unter ihm steckte: Beachtliches! Sein Pseudonym „Adonis“ war wirklich passend.

Simone ist ja nicht hässlich, doch dieser Typ, was will er auf dieser Plattform? Er sieht aus wie ein Dressman. Dem müssten doch die Frauen scharenweise hinterherlaufen.

Im Profil von Adonis entdeckte Simone schnell, dass dieser Schönling nur eine Frau für erotische Stunden suchte. Zwar war sie keineswegs erotischen Erlebnissen abgeneigt, doch dies war ihr zu wenig, zumal sie davon ausging, dass es vielleicht nur ein ONS (One Night Stand) werden würde. Solche Abenteuer kann ich jederzeit in meinem Umfeld haben, dachte sie. Eine Anmeldung bei newlove wäre dafür nicht nötig gewesen.

Was soll's, schoss es ihr durch den Kopf, die Auswahl an männlichen Wesen schien bei newlove recht groß zu sein. Mit diesem Gedanken im Kopf ging sie auf die Suchmaschine von newlove und gab ein. Suche - jetzt online:

Mann zwischen 56 und 64 Jahren, wobei Männer unter 60 bevorzugt werden. Größe ab 175 cm, Umkreis bis 150 km von Meldorf entfernt.

Näher wäre natürlich besser und würde zu meiner Spontanität passen.

Es gab reichlich Männer, die in Simones Beuteschema passten. Gespannt sah sie sich die Fotos an. Was für ein Wahnsinn, schoss es ihr durch den Kopf, fast wie im Katalog… Nur die Preise fehlten, schmunzelte sie in sich hinein.

Die Fotos vermittelten ihr bereits einen ersten Eindruck, so dass sie sich bei einigen ernsthaft fragte, ob sie sich überhaupt näher mit dieser oder jener Person befassen sollte… Wenn ein Bild jedoch absolut kein Interesse in ihr weckte, war nichts zu machen.

Bei einem stutzte Simone: „Oh wie kann man nur?“ Dieser Typ präsentierte sich mit herausge-streckter Zunge, die Daumen in den Ohren, die restlichen Finger gespreizt. Es sollte wohl ein Geweih darstellen. Ein blödes Gesicht musste er gar nicht mehr machen… Kaum vorstellbar, dass es eine Frau gab, die auf so etwas fliegt. Simone verfügte über einen gesunden Humor. Aber das hier war einfach nur doof…

Es gab natürlich noch mehr Männer, die offensichtlich keinen großen Wert auf sympathische Fotos legten. Teilweise waren sie ganz schön hässlich…

Allerdings erregten einige männliche Exemplare doch ihre Aufmerksamkeit.

Zum Beispiel Mikel, 59, recht sympathisch, auch attraktiv, weckte ihr Interesse. „Also werde ich mich mal näher mit dem Knaben befassen“, dachte sie.

Geschieden, 183 cm groß, 90 kg schwer Ich bin natürlich, großzügig, offen, ehrlich, kritisch und spontan. Suche eine freundliche, ehrliche, unternehmungslustige, zärtliche Partnerin, die auch mit Problemen umgehen kann. Möchte mit ihr Freud' und Leid teilen und auch mal verrückte Dinge tun.

Ist er einen Daumen wert, oder nicht? überlegte Simone. Gute Frage! Ach, er sieht ja, dass ich mich mit seinem Profil beschäftigt habe. Vielleicht kommt ja etwas von ihm. Also einfach mal abwarten.

Puh, das ist ja ganz schön anstrengend, jetzt erst mal eine Pause machen, dachte Simone. Sie zog sich rasch an, um für das Wochenende einzukaufen.

Plötzlich klingelte das Telefon. Erst wollte sie gar nicht abheben, doch dann sah sie, dass es ihre Freundin Babsi war.

Etwas lahm, entgegen ihrer sonstigen Art, meldete sie sich. Babsi fiel es sofort auf, und sie fragte auch gleich:

„Was ist los mit dir, Simone? Du klingst so abwesend.“

Simone wollte nicht raus mit der Sprache und versuchte, Babsi mit „oh nichts“, abzuwimmeln.

Doch wenn man jahrelang befreundet ist, spürt man die feinen Nuancen in der Stimme der Freundin. Schließlich gab Simone dem Drängen von Babsi nach, und erzählte von ihren neuen Aktivitäten.

„Wie du?“ fragte Babsi lachend, „darüber möchte ich mehr hören.“

Simone konnte Babsis Vorschlag, sich um zwei Uhr im Dom Café auf dem Markt zu treffen, nicht ablehnen.

„Na dann bis um zwei Uhr“, verabschiedete sie sich von ihrer Freundin.

Inzwischen erledigte Simone in aller Ruhe ihre Einkäufe. Sie hatte es nicht eilig, Babsi zu sehen, denn eigentlich wollte sie gar nicht über ihre Partnersuche sprechen. Sonst war sie recht mitteilsam, doch bei diesem Thema hielt sie sich zurück.

Als sie dann im Dom Café ankam, saß Babsi bereits an einem Tisch beim Fenster und lächelte sie erwartungsvoll an. Simone setzte sich zu ihr und bestellte bei der Bedienung ein Kännchen Kaffee. Um nicht gleich Rede und Antwort zu stehen, stand sie wieder auf, ging zum Kuchentresen und ließ sich mit der Auswahl Zeit. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie, wie Babsi ungeduldig mit ihren Fingern auf die Tischplatte trommelte. Irgendwie freute sie sich darüber.

Als die Kellnerin den bestellten Kuchen brachte, war die Schonzeit vorbei. Da sprudelte es schon aus Babsi heraus: „Du hast dich also in ein Single Forum angemeldet. Da schau her! Wie kam das denn?“ Etwas verlegen erwiderte4 Simone:

„Ich bin nun lange genug allein. Er muss ja nicht gleich bei mir einziehen. Ich brauche jemanden fürs Herz, zum Kuscheln, für geistigen Austausch, und natürlich darf der Sex auch nicht fehlen.“

Babsis Antwort darauf war irgendwie ernüchternd: „Gut, aber mit Sicherheit wird damit deine Freiheit eingeschränkt. Willst du das? Du warst doch immer so stolz auf deine Unabhängigkeit.“

„Was du schon wieder hast“, konterte Simone, „ich sitze abends meist allein auf meiner Couch und spüre nur allzu deutlich, dass etwas Wichtiges fehlt in meinem Leben. Gefühle, von denen ich annahm, dass sie zur Vergangenheit gehören, sind einfach wieder da. Deshalb will ich etwas ändern.“

Dagegen anzureden war zwecklos, das merkte Babsi recht schnell. So schwer es ihr auch fiel, sie gab ihren Protest auf..

Babsi war mit ihrem Leben zufrieden. Sie hatte einen überaus potenten Lover, mit dem sie je nach Bedarf ihren Hunger auf Sex stillte. Obwohl Bernd, ihr Sexpartner, gern eine engere Verbindung eingehen würde, ließ sie das nicht zu. Sie mochte Bernd, fühlte sich in den Stunden mit ihm wohl, doch mehr wollte sie nicht.

Für Bernd war es mehr als nur der hormonelle Trieb, doch da es aussichtslos war, mehr bei Babsi zu erreichen, gab er sich mit diesen lustvollen Treffen zufrieden. Er war der Ansicht, es sei besser als nichts und genoss den intensiven Sex mit ihr.

Wieder zu Hause angekommen, wollte Simone einfach nur ihre Ruhe haben. Newlove war heute kein Thema mehr für sie. Im bequemen türkis-bunten Kaftan auf ihrer Couch, mit einem Glas Rotwein auf dem Tisch, zappte sie sich durch das TV Programm. Doch so ganz war sie nicht bei der Sache, weil ihre Gedanken Purzelbäume schlugen.

Habe ich das richtig gemacht? Hat Babsi vielleicht Recht? Schließlich beruhigte sie sich damit, dass sie ja jederzeit ihr Profil löschen konnte.

In der Nacht zum Sonntag konnte Simone schlecht schlafen. Mehrmals war sie aufgewacht und durch die Wohnung gewandert. Erst gegen Morgen schlief sie ein. Als sie endlich aufstand, war es schon fast Mittag.

Simone machte sich fertig und überlegte, was sie zuerst tun sollte. Die Sonne schien, deshalb wäre ein Spaziergang am Deich bestimmt herrlich. Sie setzte sich in ihr Auto und fuhr zum Meldorfer Hafen. Von dort aus marschierte sie in Richtung Deich. Ihn hinter sich lassend, ging sie den Mückenweg entlang. Der verläuft parallel zur See und ist ihre absolute Lieblingsroute. Egal ob es stürmt, regnet, schneit oder die Sonne scheint - die unverbrauchte Natur sowie die frische Meeresluft schenkten ihr jedes Mal die innerliche Ruhe und Gelassenheit, die sie so dringend brauchte.

Nach Simones Rückkehr erwartete sie eine Nachricht von Peterpan.

Hallo Lalila,

dein Profil und auch dein Foto gefallen mir. Deine Ausstrahlung fasziniert mich. Gern würde ich dich näher kennenlernen.

Liebe Grüße

Peter

Obwohl Simone bereits mit einer Reaktion von Peterpan gerechnet hatte, freute sie sich darüber, zwang sich dann aber, nicht sofort zu antworten. Lass‘ ihn ruhig ein wenig zappeln, dachte sie, das erhöht den Marktwert…

Als erstes beschäftigte sie sich mit den Herren, die ihr Profil besucht hatten. Es waren schon einige, doch keiner ließ ihr Herz höher schlagen.

Zwei erhobene Daumen hatte sie auch wieder bekommen, doch die beiden Herren beeindruckten sie nicht. So skurril wie Mecki waren sie allerdings nicht, deshalb schickte sie ihnen einen erhobenen Daumen zurück.

Bei den Männern, die online waren, fiel Simone einer besonders auf. Er nannte sich Rambo, war 62 Jahre alt und trug auf dem Foto einen Sombrero. Die Lippen hatte er zu einem Kussmund gespitzt. Eines musste man Rambo lassen, er hob sich sofort von der Menge ab. Für sie war er jedoch nur eine Lachnummer. Lieber einen Frosch küssen, als Rambo, resimürte sie.

Leidet Rambo unter einer Profilneurose? Diesen Verdacht hatte Simone oft bei Männern, die durch solche albernen Äußerlichkeiten auffallen wollen. Sie stellte sich Rambo mit Colt und Westernstiefeln vor. Das nächste Foto bestätigte Simones Vorstellungen, denn Rambo lehnte lässig mit Hut und Cowboystiefeln an einer Mauer.

Der Pistolengürtel fehlte, doch sein extrem breiter Ledergürtel konnte sich auch sehen lassen. Mindestens sechs Zentimeter breit war er und mit einer überdimensionalen Löwenkopfschnalle geschmückt. „Fiesta Mexicana!“, dachte sie schmunzelnd.

Jetzt war es an der Zeit, Peterpan eine Nachricht zu schicken, denn zu lange wollte sie ihn auch nicht schmoren lassen.

Hallo Peter,

es freut mich, dass dir Profil und Foto von mir gefallen. Was ich von dir bisher weiß und gesehen habe, weckt ebenfalls mein Interesse. Ein näheres Kennenlernen ist auch in meinem Sinne. Mach‘ einfach einen Vorschlag, wie du dir das vorstellst.

Liebe Grüße

Simone

Gespannt auf seine Reaktion besuchte sie nochmals das Profil von Peterpan. Sie fand immer noch Gefallen daran.

Inzwischen war wieder ein Daumen angekommen von einem Mann „JonnyK“, der jedoch recht jung aussah. Simones Vermutung wurde bestätigt. JonnyK war gerade 45 Jahre alt. Eigentlich etwas zu jung, fand sie, doch alles andere sagte ihr zu. „Aber was will er von mir?“, fragte sie sich. Sie wollte es wissen und antwortete mit einem erhobenen Daumen. Es dauerte keine fünf Minuten, dann hatte sie eine Nachricht von ihm.

Jonny schrieb:

„Du gefällst mir! Du sprühst nur so vor Erotik, und darauf stehe ich!“

Doch Simone war eher misstrauisch und schrieb zurück:

„Du gefällst mir auch, aber hast du nicht gesehen, wie alt ich bin?“

Jonny:

„Auf die paar Jährchen kommt es doch nicht an.“

Simone:

„Meinst du?“

Ihr erster Eindruck verstärkte sich.

Jonny:

„Ja, ältere Frauen sind einfach dankbarer und nicht so zickig wie die in meinem Alter, die häufig Probleme mit ihren Hormonen haben.“

Simone:

„Vielleicht habe ich die ja auch!“

Der ist vielleicht schräg drauf, dachte sie.

Jonny:

„Das habe ich noch nicht erlebt. Frauen in deinem Alter halten das, was die jüngeren versprechen“, tönte er.

Simone ironisch:

„Ist das wirklich so?“

Langsam fing sie an zu kochen.

Jonny:

„Sei nicht so zickig! Du treibst es doch bestimmt auch gern“, legte er nach.

Jetzt wurde Simone wütend:

„Mit dir ganz bestimmt nicht! Ich glaube, du tickst nicht ganz richtig!“

Und dann klickte sie ihn weg.

Worum es hier ging, war klar. Sex ja, jederzeit, doch nicht unter diesen Voraussetzungen. So schnell kommt Schätzchen wirklich nicht zur Sache. Bin ich hier im falschen Film? Simone brauchte einige Minuten, um diesen Chat zu verdauen. Hoffentlich überwiegen Herren dieses Kalibers nicht im Portal.

Doch dann war die ersehnte Nachricht von Peterpan endlich da. Gespannt las sie seine Mail:

Liebe Simone,

mein Vorschlag ist, wir sollten es langsam angehen lassen, um uns erst einmal durch den Austausch schriftlicher Nachrichten ein wenig kennenzulernen. Nun zu mir. Vor sechs Wochen bin ich 60 geworden und bin Leiter vom Innendienst in einem mittelständischen Unternehmen. Noch macht die Arbeit Spaß, doch im privaten Bereich fehlt mir etwas.

Der Kühlschrank antwortet nicht, wenn ich abends mit ihm kommunizieren will.

Meine beiden Söhne sind gut versorgt, unser Verhältnis ist liebevoll und entspannt. Sie haben ihr eigenes Leben und keine große Lust oder auch wenig Zeit, sich mit ihrem Vater zu beschäftigen. Das ist auch nicht in meinem Sinne.

Mir fehlt eine Partnerin, mit der ich etwas unternehmen und reden kann, mit der auch eine gefühlvolle Zweisamkeit möglich ist. Aber das alles muss wachsen. Wir sollten es versuchen.

Jetzt freue ich mich auf deine Nachricht.

Liebe Grüße

Peter

Simone war sehr glücklich darüber, dass er sich gleich gemeldet hatte. Doch dann wurde sie nachdenklich. Was wird daraus werden? Sie war sich ihrer eigenen Schwächen wohl bewusst und deshalb skeptisch, ob es wirklich passen würde. Die Erwartungen waren nicht gerade gering, doch sich verbiegen - nein, das kam für sie nicht in Frage. Schade eigentlich, dass man sich sein Wunschexemplar nicht beim Bäcker bestellen kann…

Simone entschloss sich, erst einmal abzuschalten und sich etwas Leckeres zu kochen. Im Kühlschrank fand sie einen Schweinefiletkopf, Paprikaschoten, Cherrytomaten und einen Eisbergsalat. Daraus entstand mit Balsamico, Olivenöl, Salz und Pfeffer ein leckerer Salat. Den Filetkopf schnitt sie in Scheiben und ließ diese in der Pfanne langsam zu köstlichen Medaillons braten.

Mit einem Glas Wein und Musik von Ed Sheeran im Hintergrund ließ Simone sich auf einem der gemütlichen Stühle an ihrem weißen Esstisch nieder und genoss ihr Abendessen.

Danach zog sie sich um. Abends trug sie gern eins ihrer langen Hauskleider in verschiedenen Farben. Simone liebte diese bequemen Kleidungsstücke. Das weiche Material umhüllt ihren Körper vorteilhaft, und die schwarz-rote Farbe schmeichelte ihren Teint. Was nun? Peter schreiben? Im Forum noch ein wenig auf Jagd gehen? Das Fieber der Suche hatte sie gepackt, ohne dass sie sich dessen bewusst war. Doch die Entscheidung fiel zugunsten Peterpans aus. Simone loggte sich bei newlove ein, um Peters Mail zu beantworten.

Lieber Peter,

danke für deine netten Zeilen. Deinen Vorschlag finde ich gut, obwohl Geduld nicht gerade zu meinen Stärken zählt.

Seit Jahren arbeite ich im Außendienst, bin also recht viel unterwegs. Diese abwechslungsreiche Tätigkeit macht mir Spaß. Allerdings geht es mir ebenso wie dir, meine Abende und auch die Wochenenden könnten ausgefüllter sein.

Meine drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, haben bereits eigene Familien. Ich bin schon glückliche Oma, die gern zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird. Natürlich ist es auch bei mir so, dass meine Kinder ihr eigenes Leben führen.

In letzter Zeit wird mir immer mehr bewusst, dass etwas Wichtiges in meinem Leben fehlt. Das Alleinsein ist nicht immer schön, wenn auch besinnliche Stunden durchaus Qualität haben.

Obwohl mein Leben tagsüber sehr ereignisreich ist, fehlen mir Nähe und Zärtlichkeit zu einem geliebten Menschen. Das war auch der Grund, weshalb ich mich bei newlove angemeldet habe.

Für heute liebe Grüße

Simone

Der Tag neigte sich dem Ende zu. Für Simone standen am nächsten Tag zwei wichtige Kunden auf dem Programm. Deshalb fand sie, dass es wohl besser wäre, den Tag zu beenden und schlafen zu gehen.

Vor dem Einschlafen schweiften Simones Gedanken wieder zu Peter und ihren Aktivitäten bei der Partnersuche. War dieser Weg wirklich der richtige für sie? Morgen hatte sie in Hamburg zu tun. Sollte sie entgegen ihrer sonstigen Angewohnheit mal in der Großen Elbstraße in ein Restaurant gehen, wo man mittags schon interessante Männer treffen könnte? Ein großer Umweg war das nicht, da die Kunden in der Königstrasse und in der Palmaille waren.

Dieser Gedanke reizte sie und sie überlegte, was sie anstellen könnte, um im richtigen Moment von einem netten männlichen Exemplar bemerkt zu werden.

Eine Möglichkeit wäre, die Aktenmappe, die natürlich vorher präpariert werden musste, fallen zu lassen, damit die Prospekte und Unterlagen sich auf dem Boden vor dem Beuteobjekt verteilten. Dazu ein bestürzter und erschrockener Augenaufschlag in Richtung des eventuellen Opfers. Das müsste doch erfolgversprechend sein.

Vielleicht stolpern, dann in seine Richtung straucheln. Doch was, wenn er eine Schlafmütze war und nicht schnell genug reagierte? Könnte fatal werden und weh tun, vielleicht auch mehr…

Schließlich kam sie zu dem Schluss, dass diese Nummer doch nicht zu ihr passte, zumal sie an ihrem schauspielerischen Talent zweifelte. Vielleicht sollte sie einfach abwarten und sehen, was sich bei newlove tun würde…

Der Wecker klingelte ziemlich penetrant um sechs Uhr. Simone war versucht, ihn an die Wand zu werfen, dann stand sie doch verschlafen auf.

„Den Montag sollte man abschaffen“, schimpfte sie. Nach fünf Minuten hatte sie sich mit ihrem Schicksal abgefunden und befasste sich nun mit den Aufgaben, die heute auf sie zukamen.

Wenig später stand sie unter der Dusche und machte sich anschließend fertig.

Es folgte ein Becher Kaffee und dazu ließ sie sich einen Toast mit leckerem Käse schmecken. Als sie dann vor dem Kleiderschrank stand, tauchte das immer wiederkehrende Problem auf:

„Was soll ich heute anziehen?“ Ihre Wahl fiel auf eine feine, schwarze Hose, die sie mit einem farblich passenden Seidenshirt kombinierte. Nachdem sie geschminkt war und die Haare gestylt hatte, befestigte sie die großen Goldcreolen an den Ohren.

Sie schlüpfte in die schwarzen Hochfrontpumps, trat prüfend vor den Spiegel, warf kurz den Kopf zu Seite, so dass die Ohrgehänge hüpften, und war mit ihrem Anblick zufrieden. Mit Aktenmappe und schwarzer Handtasche ging sie zum Auto und machte sich auf den Weg nach Hamburg.

Den ersten Termin hatte Simone in der Königstrasse in Hamburg-Altona um 9.30 Uhr. „Oh, es wird knapp“, stellte sie fest, denn es war schon acht Uhr. Immerhin musste sie 120 km fahren, davon 30 km Landstraße. Meist ging es auf der Autobahn bis Pinneberg recht schnell, aber danach musste man mit einem Stau rechnen. Ihre Vermutung war auch diesmal richtig, deshalb verließ sie früher die Autobahn und fuhr über Schleichwege nach Altona. Dort kam sie pünktlich um 9.25Uhr an, worüber sie sich sehr freute.

Der Termin verlief unerwartet schnell und erfolgreich. Simone telefonierte hinterher mit dem nächsten Kunden und fragte an, ob sie vielleicht etwas früher kommen könnte. Der Kunde war einverstanden, so dass sie bereits um 14 Uhr ihr Tagespensum, bis auf den Kundenbericht, erledigt hatte. So etwas kam montags eher selten vor, deshalb war es für sie ein Glücksfall.

Wie gewohnt suchte Simone sich ein kleines Restaurant. Dort setzte sie sich in der äußersten Ecke an einen kleinen Tisch, weil sie Ruhe haben wollte. Sie studierte die auf dem Tisch liegende Speisekarte. Ihre Wahl fiel auf ein gebratenes Seelachsfilet mit Salat und Kräuterbaguette.

Während Simone auf das Essen wartete, holte sie ihr iPhone aus der Handtasche und checkte die Mails. Sie stellte fest, dass sich einiges in Sachen Liebe getan hatte. Ein zufriedenes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.

Auf Simones Profil hatten sich elf Besucher getummelt und drei Daumen hatte sie bekommen. Nur diese interessierten sie, doch da sie sich nach dem Essen auf dem Heimweg begab, wollte sie später sich in aller Ruhe die Daumen-Kandidaten ansehen.

Um mehr Zeit für newlove zu haben, erledigte sie den leidigen Tagesbericht rasch im Restaurant. Kaum war Simone damit fertig, als die Kellnerin ihr auch schon das Essen brachte. Auf einer weißen, ovalen Platte lag das Fischfilet halb den Salat bedeckend. Garniert war es mit zwei Zitronenscheiben und Petersilie. Das Kräuterbaguette befand sich auf einem extra Teller. Alles sah sehr ansprechend und appetitlich aus, und genauso schmeckte es auch, einfach lecker!

Die Rückfahrt nach Meldorf verlief reibungslos, nur einige Chaoten waren unterwegs, die durch laufenden Spurwechsel nervten. Meist machte sie das wütend und dann schimpfte sie, nicht gerade fein, vor sich hin.

Zu Hause angekommen, entledigte sie sich ihrer edlen Arbeitskluft und schlüpfte in ihr Hauskleid. Endlich konnte sie sich den Daumen bei newlove widmen.

Dompteur011 war der erste, doch seine Beschreibung konnte sie nicht für ihn begeistern.

Es störte sie schon, dass er nicht mit einem Foto vertreten war. Hat er vielleicht etwas zu verbergen, oder war er so hässlich, dass er sich verstecken musste? Einzigartig möchte er gern sein und wünscht sich prickelnde Chats mit einer Frau die eine Rubensfigur hat. „Sehr bescheiden! Dem ist die Sexhotline wohl zu teuer“, dachte sie grimmig und entschied: „Den brauche ich nicht!“

Dreamboy war die Nummer zwei. Dunkelhaarig, groß, auch nicht ganz hässlich, doch auweia – im Unterhemd mit unübersehbarem Bierbauch! Aber das hätte sie ja noch akzeptiert. Doch die fette Goldkette um den Hals, wahrscheinlich Trompetenblech, eine große Creole mit Kreuzanhänger im Ohr und beide Arme bis zu den Fingern tätowiert - nein, das war zu viel und absolut nichts für Simone.

Der verbleibende Herr, der einen Daumen für sie übrig hatte, war nicht mit einem Foto vertreten. Wolle war sein Name. Sie las sein Profil. Es war nett geschrieben. Hier konnte sie sich auch vorstellen warum das Foto fehlte, denn er arbeitete im sozialen Bereich mit Jugendlichen: Ein logisches Argument! Daher schickte sie ihm auch einen Daumen.

Dann sah Simone, dass Peterpan geschrieben hatte. Die Mail muss gerade erst eingegangen sein, dachte sie. Er schrieb:

Liebe Simone,

schön zu hören, dass deinem Leben Wärme und Nähe mehr Qualität geben könnte. Erfolg sowie Anerkennung im Berufsleben, sind zwar erstrebenswert, wenn das Gehalt stimmt, doch einen Menschen rundum glücklich machen, kann es nicht. Da fehlt einfach etwas Wichtiges. Man kann Gefühle nicht immer unterdrücken. Wir sind auch für Liebe und Sinnlichkeit geschaffen, deshalb ist es sinnvoll, die Liebe zu leben…

In dieser Hinsicht ist mein Leben ist kalt und arm. Ich möchte so gern etwas ändern. Wollen wir uns, vorausgesetzt du bist einverstanden, zu einem zwanglosen Essen treffen? Ein persönliches Gespräch bringt uns doch mehr als unser Briefwechsel.