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Millionenfaches Leid hat der zweite Weltkrieg über die Menschheit gebracht. Anzuklagen ist aber nicht nur eine krude Führung mit einer wahnwitzigen Agenda, erst willfährige Unterstützer, Verblendete und korrumpierte Mitläufer machten es möglich. Den perversen Zielen eines verbrecherischen Regimes hatten sich alle unterzuordnen, das Individuum zählte nichts. Was wir aber nie vergessen dürfen: hinter jedem einzelnen Opfer stand ein persönliches Schicksal, ein zerstörter Lebenstraum. Was noch schlimmer ist: Ein moralfreies Regime und ein sinnloser Krieg zwang junge Menschen im verständlichen Überlebensdrang dazu, eine Seite in sich hervorzukehren, die sie in Friedenszeiten vermutlich nie kennengelernt hätten. Wir, die wir nie einen Krieg erlebt haben und hoffentlich auch nie erleben werden, sollten uns nicht anmaßen, ein Urteil über ihr Handeln zu fällen. Nicht nur an der Front spielten sich Dramen ab, auch in der Heimat warf der Krieg einen großen Schatten auf das Leben der Menschen. Schlaglichtartig wirft Robert Stoeck einen Blick auf das Leben von Willi Wagner und dessen Familie während der Kriegsjahre. Ereignisse an der Kriegsfront, aber vor allem im idyllischen Eckarts, einem kleinen Dorf in der Rhön, abseits der großen Zentren, bilden den Rahmen. Es wäre möglich gewesen, die Protagonisten deutlicher auszuleuchten und die Geschehnisse, die sich so oder in ähnlicher Form tatsächlich hätten zutragen können, in epischer Breite zu schildern. Dieser Versuchung widersteht der Autor: pointiert skizziert er einzelne Schicksale und schicksalhafte Begegnungen, zeigt auf, wie schnell der hoffnungsfrohe Traum von einem erfüllten Leben durch das banale Böse zerstört werden kann und so manche Episode nimmt eine unerwartete Wendung. So wird die Novelle zu dem, was sie sein soll: die kleine Schwester des Dramas. Mit »Der Wagner Willi« gelingt Robert ein erstaunliches Erstlingswerk. Ich wünsche allen Lesern ein kurzweiliges Lesevergnügen und dem Werk die Anerkennung, die es verdient. Dr. Norbert Stoeck
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Seitenzahl: 60
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Meiner Mutter Hanni Stoeck,
geborene Wagner,
meiner Tante
Elsa Schaab, geborene Wagner
sowie meinem Onkel
Willi Wagner,
dem Namensgeber der Geschichte,
und seinem Bruder
Albin Wagner, (Titelbild),
die beide in soldatischer Pflichterfüllung ge
treu ihrem Fahneneid im Kampf für Führer, Volk
und Vaterland gefallen sind, und die ich deshalb
nie kennenlernen durfte.
Robert Stoeck
Millionenfaches Leid hat der zweite Weltkrieg über die Menschheit gebracht. Anzuklagen ist aber nicht nur eine krude Führung mit einer wahnwitzigen Agenda, erst willfährige Unterstützer, Verblendete und korrumpierte Mitläufer machten es möglich. Den perversen Zielen eines verbrecherischen Regimes hatten sich alle unterzuordnen, das Individuum zählte nichts. Was wir aber nie vergessen dürfen: hinter jedem einzelnen Opfer stand ein persönliches Schicksal, ein zerstörter Lebenstraum. Was noch schlimmer ist: ein moralfreies Regime und ein sinnloser Krieg zwang junge Menschen im verständlichen Überlebensdrang dazu, eine Seite in sich hervorzukehren, die sie in Friedenszeiten vermutlich nie kennengelernt hätten. Wir, die wir nie einen Krieg erlebt haben und hoffentlich auch nie erleben werden, sollten uns nicht anmaßen, ein Urteil über ihr Handeln zu fällen.
Nicht nur an der Front spielten sich Dramen ab, auch in der Heimat warf der Krieg einen großen Schatten auf das Leben der Menschen. Schlaglichtartig wirft Robert Stoeck einen Blick auf das Leben von Willi Wagner und dessen Familie während der Kriegsjahre. Ereignisse an der Kriegsfront, aber vor allem im idyllischen Eckarts, einem kleinen Dorf in der Rhön abseits der großen Zentren, bilden den Rahmen. Es wäre möglich gewesen, die Protagonisten deutlicher auszuleuchten und die Geschehnisse, die sich so oder in ähnlicher Form tatsächlich hätten zutragen können, in epischer Breite zu schildern. Dieser Versuchung widersteht der Autor: pointiert skizziert er einzelne Schicksale und schicksalhafte Begegnungen, zeigt auf, wie schnell der hoffnungsfrohe Traum von einem erfüllten Leben durch das banale Böse zerstört werden kann und so manche Episode nimmt eine unerwartete Wendung.
So wird die Novelle zu dem, was sie sein soll: die kleine Schwester des Dramas. Mit »Der Wagner Willi« gelingt Robert ein erstaunliches Erstlingswerk. Ich wünsche allen Lesern ein kurzweiliges Lesevergnügen und dem Werk die Anerkennung, die es verdient.
Dr. Norbert Stoeck
Obwohl mit reichlich Kreativität und Fantasie ausgestattet, ist mir das „Schriftstellern“ nicht in die Wiege gelegt. So schnell ich die der Novelle zugrunde liegende „Story“ entwickelt hatte, so lange dauerte es, bis das Werk schließlich zur Druckreife gelangte. Über Monate hinweg hat die Dualität von Beruf und dem Schreiben der Novelle mein Privatleben geprägt. Ohne massive Unterstützung in meinem privaten Umfeld wäre dies nicht möglich gewesen.
Mir ist es deshalb ein sehr wichtiges Anliegen, mich bei allen zu bedanken, die mich in dieser Zeit und bei der Erstellung des vorliegenden Werks unterstützt haben. Zuvorderst danke ich meinem Bruder Norbert, der das Lektorat und Korrektorat übernommen und meine Arbeit an dem Werk mit vielen Hinweisen und Anregungen begleitet hat.
Mein besonderer Dank gilt meiner Frau Carola. Sie hat mir nicht nur den Rücken freigehalten und mich immer wieder ermutigt, sondern auch großes Verständnis gezeigt, wenn mir im häufigen Auf und Ab die notwendige Gelassenheit abhanden gekommen war. Schließlich danke ich meinen beiden Söhnen Sven und Dennis, die die Entstehung des Werks mit Interesse und Neugierde begleitet haben; dies war ein großer Ansporn für mich!
Über ein Feedback, ob positiv oder negativ, würde ich mich sehr freuen
Robert Stoeck
Die Erzählung basiert auf einer fast wahren Begebenheit. Große Teile entspringen jedoch der reinen Fantasie des Autors. Namen wurden willkürlich gewählt, jedoch auf die jeweiligen Personen abgestimmt. Ortsnamen sind authentisch und dienen der räumlichen Orientierung. Ähnlichkeiten mit lebenden bzw. gelebten Personen sind nicht beabsichtigt, und rein zufälliger Natur.
„Der Wagner Willi“ hallt es über das Feld. Eben gerade hat er es erfahren, als er im Laden stand, um Tabak für den Großvater zu holen.
Ganz bleich im Gesicht wäre sie gewesen und hinsetzen hat sie sich müssen, als der Postbote ihr das Telegramm in die Hand gedrückt habe, weiß Karl zu berichten, der gerade 12 Jahre alt geworden und in diesem Jahr in die Hitler-Jugend eingetreten ist. Seit dem Eintritt in die Jugendorganisation der Partei ist er nur noch in seiner schicken Uniform zu sehen, was seine Großeltern besonders stolz macht, denn auch ihr Sohn, Karls Vater, ist im Kampf für die große Sache in den Krieg gezogen. Er war gerade in dem kleinen Dorfladen, um Tabak zu holen und ihn seinem Großvater auf den Kartoffelacker zu bringen. Der Großvater ist damit beschäftigt, das Kartoffelkraut zu verbrennen, was für die Kinder im Dorf immer eine willkommene Abwechslung zum tristen Dorfleben darstellt. Beim Krautauflesen findet man noch die eine oder andere Kartoffel, die bei der Kartoffellese übersehen wurde. Diese werden anschließend im Kartoffelfeuer geröstet. Nachdem man einen Teil der verbrannten Kruste entfernt, kommt das Innere der Kartoffel, das immer so herrlich duftet und köstlich schmeckt, dass nicht einmal seine Mutter, die beste Köchin der ganzen Rhön, sie besser hätte zubereiten können, zum Vorschein.
Über die Ladentheke hinweg konnte Karl sehen, wie Willis Mutter, die eigentlich seine Stiefmutter war, denn der Vater hatte nach dem Tod seiner ersten Frau noch einmal geheiratet und später haben Albin, Elsa und Willi, die Kinder aus der ersten Ehe, noch eine Schwester bekommen, die kleine Hanni, das Nesthäkchen, wie sie sie immer liebevoll nennen, mit zitternden Händen das Telegramm öffnete. Geahnt hatte sie es, die ganze Woche schon hatte sie ein komisches Gefühl im Bauch, genau wie damals bei Albin, als der erste Sohn im Oktober 1941 fiel. Vier Kinder hat sie aufgezogen, zwei Jungs und zwei Mädels. Die Jungs hat er ihr genommen, der gottverdammte Krieg.
E in eisiger Wind zieht über das Schlachtfeld, seit fast zwei Wochen schon sitzen sie hier fest. Hier, das ist in Kotelnikowo, 48 Kilometer südlich von Stalingrad im Oktober 1942 und viel früher als erwartet hat der Winter eingesetzt. Schnee und Eis behindern den Vormarsch und die unerwartet starke Gegenwehr der sowjetischen 2. Gardearmee und des sowjetischen VII. Panzerkorps lässt die Deutschen mehr und mehr verzweifeln in ihren mühselig in den gefrorenen Boden gehauenen Schützengräben. Neben der Angst, jeden Moment von einer Kugel tödlich getroffen oder von den Splittern einer Granate zerfetzt zu werden, ist es die eisige Kälte die ihnen wegen mangelnder Winterkleidung zu schaffen macht. Noch schlimmer aber ist der unaufhörliche Hunger und bei vielen der noch blutjungen Soldaten das Heimweh, das sie zunehmend verzweifeln lässt.
Es ist schon über eine Woche her, als es das letzte Mal etwas Warmes zu essen gab, eine lauwarme Suppe, die vom Geschmack und der Konsistenz her eher an aufgewärmtes Regenwasser erinnerte, weil es an Nachschub hinten und vorne mangelt. Zuhause hätte er diese nicht einmal einem Hund vorgesetzt. Seitdem gibt es für jeden täglich nur zwei Scheiben Brot und eine von den Rüben, die sie in einer nahe gelegenen Feldscheune gefunden hatten, bevor diese vom Feindbeschuss in Flammen aufging. Das schlägt sich auch auf die Verdauung der Kameraden nieder. Während bei dem einen das Brot für Verstopfung sorgt, leiden viele andere an ständigem Durchfall, was bei diesen Bedingungen zu katastrophalen hygienischen Bedingungen führt. Die Ruhr, eine schmerzhafte Magen-Darm-Erkrankung, greift mehr und mehr um sich und viele Kameraden leiden unter Ekzemen mit starkem Juckreiz, weil sie es, wie so
