Der Wandler - Thomas Peters - E-Book

Der Wandler E-Book

Thomas Peters

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Beschreibung

Eigentlich lebt der junge, noch namenlose Elf glücklich in seiner versteckten Waldstadt im Einklang mit der Natur und den anderen Elfen. Aber plötzlich spricht sein alter Mentor von der Suche nach seinem Wahren Namen, seiner eigentlichen Identität und schickt ihn alleine auf eine Reise ins Ungewisse. Zuerst widerwillig bricht der junge Elf auf, ausgerüstet mit seinen Jagdwaffen und seinen wachsenden magischen Kräften. Er verlässt bald seine kleine vertraute Welt im Titanenwald und entdeckt mehr und mehr von der Welt, die die Urkräfte Chaos und Kosmos erschufen, um ihre Kräfte zu messen. Schließlich wird ihm völlig unerwartet seine eigene Beteiligung in diesem Machtkampf klar. Sie prägt so unausweichlich sein Leben, wie sie schon seine vergangenen Leben geprägt hat. Diese recht klassische Fantasy-Geschichte bedient sich zeitweise einer etwas poetischen Sprache, um der tiefen Naturverbundenheit eines jungen, melancholischen Waldelfen gerecht zu werden. Kaum ein Detail der lebendigen Natur entgeht ihm in Wigreda, einer Welt der Nature Fantasy!

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Seitenzahl: 253

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1: Abschied

Kapitel 2: Entscheidung

Kapitel 3: Durch die Nacht

Kapitel 4: Feste Mauern

Kapitel 5: Zusammen

Kapitel 6: Hinweise

Kapitel 7: Neue Lehren

Kapitel 8: Aufbruch

Kapitel 9: Der alte Wachturm

Kapitel 10: Allein

Kapitel 11: Erinnerungen der Seele

Kapitel 12: Im Zentrum

Kapitel 13: Das Ende

Kapitel 14: Wanderer

Vorwort:

Die zweite, überarbeitete Version des "Wandlers" bleibt im Genre "Nature Fantasy". Damit meine ich klassische Fantasy, ergänzt durch ein stärkeres Augenmerk auf die Details der Natur in den Beschreibungen. Dies entspricht dem Protagonisten, einem jungen Waldelfen, und soll seine große Naturverbundenheit vermitteln.

Die Eigennamen in der Geschichte sind mit Akzenten versehen, die die betonten Silben markieren.

Ich bedanke mich herzlich bei den zahlreichen Testleserinnen und Testlesern, die mir wertvolle Hinweise gegeben haben.

Für Fragen und konstruktive Kritik bin ich offen:

[email protected]

Kapitel 1

Abschied

Die Sonne versinkt warm zwischen den Wipfeln. Die letzten ihrer Blicke färben die Blätter rot und golden. Sanfter Wind fährt durch die Kronen der Bäume und entkommt ihren streichelnden Ästen. Er trägt den süßen, milden Duft des alten Sommers mit sich. Leiser, wehmütiger Gesang mischt sich in den Wind und begleitet ihn ein Stück weit. Er stammt von entspannten Wesen, die sich in ihren leichten, fließenden Gewändern kaum vom weichen Waldboden abheben.

Ihre Glieder sind schlank und sehr ebenmäßig. Die großen, eleganten Ohren laufen spitz zu. Ihre Augenfarben spiegeln die umgebende Natur wider. Sie strahlen endlose Gelassenheit aus und sind unergründlich. Ihr leiser Gesang schwingt melancholisch im Rhythmus des Windes mit und verliert sich in ihm.

Die Waldelfen von Silváhedon. Sie leben fast unberührt im Fluss der Zeit. Alles um sie herum verändert sich, wächst und gedeiht, oder verliert sich bereits wieder im Niedergang. Besonders die Menschen, die ihnen an Gestalt noch am ähnlichsten erscheinen, sind mit ihrer Kultur in ständigem Wandel. Diese Elfen jedoch leben ihre uralte Lebensweise abseits aller anderen Völker. Ich erkenne kaum Veränderungen bei ihnen. Sie sind ein fast zeitloser Bestandteil der sie umgebenden Natur. Mein Blick ruht gerne auf ihnen.

Gerade noch in Hörweite steht ein alter, knorriger Baum. Schon seit vielen Äonen scheint sein zerfurchter Stamm die mächtigen Arme stolz der Sonne entgegenzurecken. Knöcherne, grünbraune Rindenschuppen schützen ihn wie einen Drachen. Der Baum ist gerade so gewachsen, dass er einen guten Unterschlupf bietet. Unregelmäßigkeiten im Stamm dienen als Stiegen, und das dichte Blätterdach schützt vor Regen. Die zuerst beinahe waagerecht verlaufenden, rauen Äste ermöglichen einen sicheren Stand. In seiner prächtigen Krone sitzen sich ein junger und ein alter Elf gegenüber:

„Mórak. Gehe zuerst nach Mórak.“ Die müden Augen des alten Elfen ruhen ganz auf dem Gesicht des jungen Elfen. Seine leisen Worte klingen erschöpft.

Zwar ziert keine Falte das Gesicht des alten Elfen, doch seine weiche Stimme und seine langsamen Augen zeugen von den vielen Hundert Wintern, die seit seinem ersten Erwachen vergangen sind. Lange, silbern glänzende Haare umschmeicheln noch immer dicht das schlanke Haupt.

Die unruhigen Augen des jungen Elfen suchen noch den Sinn der Worte. „Zur Zwergenfestung Mórak, Seher?“ Verblüfft richtet er den schlanken Oberkörper auf. Ohne den Blick abzuwenden, streicht er sich eine weißblonde Strähne aus dem Gesicht. „Wir haben schon so lange nichts mehr von den Zwergen gehört oder sie besucht. Ich kenne sie nur aus alten Erzählungen. Vielleicht gibt es sie gar nicht mehr“, setzt er leise aber erregt fort.

Die Züge des alten Elfen verhärten sich. Er beugt sich leicht vor und fixiert die Augen seines Gegenübers. Sein Gesicht taucht in einen breiten, hellen Lichtstrahl ein, der durch das Blätterdach bricht. Er lässt die klatschmohnroten Augen des alten Elfen aufleuchten.

„Dein Weg führt über Mórak!“ Große Kraft schwingt in seinen Worten mit. Sein ganzes Wesen liegt in ihnen. Sie dulden keinen Widerspruch.

„Du weißt, dass du deinen Wahren Namen und seine Bedeutung nicht hier in Silváhedon finden kannst“, setzt er sanft aber auch bestimmt fort. „Du musst gehen und alleine herausfinden, wer du in Wahrheit bist.“

Schließlich bricht er den Blick ab und gibt seinen alten Augen Ruhe. „Das Ziel ist noch so fern. Und es ist sehr wichtig für uns alle, dass du es erreichst. Brich morgen früh auf. Es ist alles vorbereitet.“ Die Stimme erstirbt. Sein Haupt sinkt langsam auf die Brust. Seine Anspannung löst sich in langsamen, schweren Atemzügen. Sein Geist schweift ab.

Er gleitet in Erinnerungen, die so alt sind, dass sie ihm wie ein früheres Leben erscheinen. Auch nach so vielen Wintern treiben sie ihn unerbittlich auf sein unsichtbares Ziel zu. Doch bald schon wird sein langes, übervolles Leben ihn zur Ruhe zwingen.

Der junge Elf betrachtet den alten Seher noch eine Weile stumm. Dieser lebt schon so lange bei den Elfen der versteckten Waldstadt Silváhedon, ohne dass erkennbar geworden wäre, auf was der Seher wartet oder was er vorbereitet. Tatsächlich erinnert sich niemand unter den Elfen mehr an den Tag seiner Ankunft in Silváhedon. Oder ist er doch einst hier geboren? Er war schon immer für alle der Seher am Rande ihrer Siedlung, eine Quelle der Ruhe und der Weisheit.

Hin und wieder hat er den einen oder anderen Rat gegeben, sich aber sonst sehr zurückgehalten. Erst kurz vor seiner Geburt soll der Seher in ungewohnte Aufregung geraten sein. Er soll seine Mutter mehrmals am Tag besucht haben. Erst nach seiner Geburt soll er sich beruhigt und seinen gewohnten Gleichmut wiedergefunden haben. Fortan fragte der Seher regelmäßig nach ihm und nahm ihn manchmal für einige Monde lang mit sich in einen abgelegenen Teil des Waldes. Diese Zeiten waren so angefüllt mit tiefen Gedanken und altem Wissen, dass er nach seiner Rückkehr immer etwas Zeit brauchte, um über all das nachzudenken, was ihm der alte Seher erzählt hatte.

Er erfuhr von der Urkraft des Kosmos, der Ordnung der Dinge. Ihr Symbol ist die leuchtende Sonne, die vollkommen ebenmäßig und unveränderlich ist, und jeden Tag in immer gleicher Weise bestimmt. Er erfuhr auch von der Urkraft des Chaos, dem Fehlen jeder Ordnung. Ihr Symbol ist der bleiche Mond, der im ständigen Wandel ist und jede Nacht auf eine andere Weise beeinflusst. Sein Einfluss ist umso größer, je mehr von ihm zu sehen ist.

Hin und wieder spottet der Mond auch seiner eigenen, vermeintlichen Ordnung, indem sich in einzelnen Nächten sein Licht eintrübt und in verschiedene Gelbtöne färbt. Dieser Mond wird Fiebermond genannt, denn dann ist seine Macht viel stärker und unberechenbarer.

Erzählt wird auch von den unheilvollen Nächten mit einem roten Blutmond. Dieser ist zwar viel seltener als der Fiebermond, aber auch fast unbegrenzt in seiner Macht auf ganz Wígreda.

Die Kalender der großen Reiche der Vergangenheit waren alle auf den Zyklus des Mondes ausgerichtet. Jeder Mond endet nach 28 Tagen mit der Mondblüte, wenn der Mond ganz rund ist. Die Stationen seines immer wiederkehrenden Lebens werden so genannt, wie sie am Himmel zu sehen sind. Nach der Mondblüte kommt die Zeit des Alternden Mondes, danach die Zeit des Sterbenden Mondes. Die Nacht, in der er gar nicht zu sehen ist, heißt Mondwiedergeburt. Danach folgen Wachsender Mond und Reifender Mond. Am Ende ist wieder die Nacht der Mondblüte. Nach 13 Monden endet das Jahr dann mit der Langen Nacht, der Nacht vor Frühlingsanfang. Sie ist tatsächlich länger als jede andere Nacht und wird von der Mondblüte des letzten Mondes beherrscht. In dieser Nacht sterben mehr Alte, Kranke oder Verletzte, als zu jeder anderen Zeit.

Sie ist eine Prüfung für jedes lebende Wesen. Deshalb gibt es bei den meisten Völkern keinen bedeutenderen Festtag als Frühlingsanfang, den ersten Tag nach der Langen Nacht.

Die Urkräfte haben unsere Welt Wígreda für ihre Zwecke erschaffen und beherrschen sie noch immer. In jedem Wesen wirken sie anders und bisher bleibt Wígreda im tobenden Machtkampf der Urkräfte stabil. So ist es schon seit langer Zeit und damit es so bleibt, ist Návayot von den Páladinen vor sehr vielen Wintern zu den Waldelfen von Silváhedon gegangen. Als Seher hat er den wiedergeborenen Dritten Geist, Taladán, auf seine große Aufgabe vorbereitet. Ich wünschte, ich könnte seinen Weg vollständig sehen, aber vor dem Willen anderer Gottheiten endet mein Blick. Allerdings werden wir uns bald begegnen. Das sehe ich ganz klar.

Schließlich richtet sich der junge Elf ganz auf und steigt langsam mit sicherem Tritt den Baum hinunter. Sein Blick geht ins Leere. Doch auch dort ist kein Sinn zu finden. Mórak. Nach Mórak geht doch kein Elf, wenn er nicht muss. Erst recht geht er nicht alleine.

Die Sonne ist nicht mehr zu sehen. Sie zieht ihren hellen Schleier mit sich, und im Osten blitzen die ersten Sterne darunter hervor. Der Wind trägt gerade wieder einmal den traurigen Gesang der Elfen zu ihm herüber. Er schüttelt traurig den Kopf. „Sie haben so recht! Warum verlasse ich mein schönes Silváhedon, um alleine zu einer trostlosen Zwergenfestung zu wandern?“.

Das Lied der Elfen erreicht seinen Höhepunkt, als in ihm die Hitze der Rebellion aufsteigt. Einzelne Tränen, die seine Wangen herabrinnen, können sie nicht abkühlen. Er lässt sein schweres Haupt in die Hände sinken. „Aber hier bleiben kann ich auch nicht“, schließt er resignierend.

Langsam geht er zu seinem Baum und legt sich in seinen starken Armen zur Ruhe. Sein Baum sieht dem Baum, auf dem der Seher schläft, sehr ähnlich. Er ist jedoch viel jünger und weniger knorrig. Stumm lauscht der junge Elf in die Nacht hinein. Kein ungewöhnlicher Laut ist zu hören. Doch noch erlöst der Schlaf ihn nicht aus seinem Zwiespalt.

Erst als der Alternde Mond aufgeht und der Uhu seine Jagd eröffnet, erlangt sein Geist endlich die ersehnte Gleichgültigkeit. Er verlässt die beengende Welt der Probleme und Zwänge. Der Schlaf lässt ihn frei durch die Sphären wandeln.

Erst die wiederkehrende Sonne ruft ihn zurück. Ein starkes Gefühl der drängenden Verantwortung und eines notwendigen Vorhabens hat ihn beim ersten Sonnenstrahl geweckt.

Der Morgen begrüßt ihn kühl aber freundlich. Der unwillkommene Aufbruch zwingt den jungen Elfen von seinem lieben Baum herab zur Quelle im Zentrum Silváhedons. Niemand ist zu sehen. Die anderen haben offenbar seinem eigenen Verlangen nachgegeben und warten noch den Vormittag ab, um aufzustehen. Das Wasser kühlt angenehm seine schlaftrunkenen Augen und vertreibt die letzte Müdigkeit. Das Wasser von Silváhedon wird er sicher vermissen. Seinen Wasserschlauch für die Reise hat er schon mitgebracht. Die Sonne scheint ihm ins Gesicht und seine waldteichgrünen Augen schicken das Licht zurück, als er zu seinem Baum zurückkehrt, um seine restliche Ausrüstung zu holen. Noch immer ist niemand zu sehen.

Sorgfältig verstaut er Kurzbogen und Köcher auf seinem Rücken. Die schlanke, glänzende Klinge seines Rapiers gleitet sanft daneben in sein Futteral. Ein routinierter Griff an den Gürtel findet das Jagdmesser an seinem Platz. Fehlt noch etwas? Sein Blick fällt auf ein ledernes Bündel in einem Winkel, das ihm zuerst nicht aufgefallen war. Nach kurzem Zögern ergreift er es, löst den Lederriemen, der es zusammenhält, und breitet vorsichtig aus, was sich darin verbirgt.

Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Jemand hat an ihn gedacht und etwas Proviant eingepackt: Ein kleiner Beutel mit frischen Himbeeren, Brombeeren, Blaubeeren und Walderdbeeren befindet sich darin. Ein anderer Beutel enthält ein paar Stücke feuergetrocknetes, gewürztes Wildbret zusammen mit einigen frischen Kräutern. Der aufsteigende Duft dieser Köstlichkeiten erinnert ihn an das noch nicht eingenommene Frühstück. Ein dritter, kleinerer Beutel ist auch noch da und enthält einen kopfgroßen ringförmigen Gegenstand. Vorsichtig faltet er das weiche Ledertuch auseinander und erstarrt ungläubig in der Bewegung.

Das Ledertuch enthüllt einen schlanken, goldenen Stirnring mit einem eingefassten runden, grünen Edelstein an der Stirnseite. Ist das ein Smaragd? In dieses kunstvolle Schmuckstück gelegt, erstrahlt ein Juwel der Natur: eine Elfenblüte!

Der junge Elf nimmt die große, vierblättrige Blüte vorsichtig in seine Hand. Die Blütenblätter sind strahlend weiß, färben sich aber zum Blütenkelch hin zunehmend in ein sattes Gelb. Diese wunderbare Blüte soll ihn sicher auf seiner Reise vor Krankheit und Schwäche schützen, denn diesen Blütenblättern wird eine große Heilkraft zugesprochen. Schon ihr Duft ist belebend. Er ist so betörend und erfrischend wie die Luft des jungen Frühlings.

Der junge Elf riecht sanft an der Blüte und schließt für einen kurzen Augenblick die Augen. Den Namen Elfenblüte gaben die Menschen ihr, denn es sind fast immer Elfen, die diese seltenen Blüten im dichten Wald finden.

Behutsam legt er die zarte Blüte zurück und will den Stirnring schon sachte mit den Fingerspitzen nehmen, als er plötzlich zurückzuckt. Der Stirnring fühlt sich ganz anders an als erwartet. Er kann nicht einfach nur ein simples Schmuckstück sein. Etwas Unwirkliches haftet ihm an.

Der junge Elf beugt sich leicht vor und betrachtet ihn genauer. Was hatte ihm der Seher über magische Gegenstände erzählt? Gold steht für das Element Feuer, ein Smaragd enthält die Elemente Erde und Wasser. Aber Gewissheit bringt nur eine magische Vision.

Als Elf hat er das Talent, die magischen Kräfte zu lenken, geerbt und allen Elfen von Silváhedon wird schon in der Kindheit beigebracht, sie für sich und andere zu nutzen. Er ruft sich die Lektionen seiner Kindheit wieder ins Gedächtnis.

Sein Blick wird intensiver und verklärt sich schließlich. Die Augen leicht verengt, sucht er die wahre Natur dieses Stirnringes. Zuerst der Stirnring selbst. Es ist eine ebenmäßige Form mit einem kunstvollen Blätterornament. Doch schon zerfließen die Umrisse. Aus dem Ring aus Gold schlagen kleine Flämmchen. Sie werden größer. Er hört leise prasselndes Feuer. Wärme strahlt es aus und auch Licht. Dem jungen Elfen laufen Schweißtropfen die Schläfen herab. Nun weiter zu dem eingefassten Edelstein. Auch dieser ist nicht so leblos, wie es zuerst schien. Leben pulsiert in ihm. Blätter und Triebe sprießen aus dem Stein. Nach allen Seiten hin treiben sie aus, Wasser rinnt an den Zweigen entlang. Es fließt zusammen und bildet ein kleines Rinnsal. Die mentale Anstrengung bringt den jungen Elfen außer Atem.

Genug! Er schließt die Augen und atmet einmal tief ein und aus. Als er die Augen wieder öffnet, ist alles wie zuvor. Auf dem Ledertuch glänzt der Stirnring in der Morgensonne.

Erschöpft schüttelt der junge Elf den Kopf und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Die magische Kraftquelle Geist, die ihm diese Vision erlaubte, fordert ihren Tribut, aber das war es ihm wert.

Glücklich nimmt er den Stirnring in beide Hände und schiebt ihn sich sachte über die seidigen Haare. Er genießt das seltsame Gefühl in den Fingerspitzen nun. Der Stirnring sitzt perfekt. Der alte Seher hat ein kleines Wunder geschaffen. Woher hatte er nur das Gold und den Smaragd? Er spürt den starken Willen und die Fürsorge des Sehers in diesem Stirnring. Die in ihm gebundenen magischen Kräfte werden ihm sicher nie ihre Hilfe verweigern, da ist er sich sicher. Aber welche Gefahren liegen wohl vor ihm, wenn ihm der alte Seher ein so mächtiges Geschenk macht? Wird er es auf seiner Reise dringend brauchen?

Doch jetzt ist keine Zeit für Sorgen. Rasch holt er sein fast vergessenes Frühstück nach und verstaut dann die Lederbeutel mit dem guten Proviant und der Elfenblüte an seinem Gürtel. Den Wasserschlauch hängt er sich um die Schulter. Der lange, lederne Überwurfmantel muss auch mit.

Sein Fellfutter ist noch viel zu warm für die nächsten Tage, aber gegen den eisigen Atem des unvermeidlich nahenden Winters wird er deutlich mehr Kälteschutz brauchen als seine einfache Wildlederkleidung.

So ungewohnt beschwert, steigt er vorsichtig seinen vertrauten Baum herab. Er legt zum Abschied die Hand an den Stamm und schließt die Augen für einen kurzen Moment. Dieser Baum wurde zum Anlass seiner Geburt gepflanzt und ist wie ein Verwandter für ihn.

Mittlerweile sollten die anderen eigentlich wach sein. Doch noch immer tut sich nichts. Nur die Vögel singen weiterhin ungerührt in den beginnenden Vormittag hinein. Es ist besser so. Erspare ich ihnen und mir den Schmerz. So geht es ihm durch den Kopf, als er zögernd losgeht. Einen Augenblick später fühlt er, wie zuwider ihm der Gedanke ist, die anderen Waldelfen von Silváhedon ohne jeden Abschied zu verlassen. Und trotzdem zwingt er sich weiterzugehen.

Vielleicht bin ich schon bald wieder zurück. Der Winter könnte mich dazu zwingen. Doch jeder Einzelne der vertrauten Bäume, an dem er vorübergeht, verstärkt den Schmerz, der in ihm wächst und jeden weiteren Schritt erschwert. Die Sonne in seinem Rücken lässt ihn einen bizarren Schatten werfen.

Der Weg führt den kleinen Stadthügel herab. Regelmäßig bewachsen mit Bäumen unterschiedlichster Art, die alle einen individuellen Wuchs haben, bildet er das Herzstück des Waldelfengebietes. Er liegt tief in dem Wald, der nach der Größe vieler seiner Bäume bei den meisten der großen Völker Titanenwald genannt wird.

Bald werden die hohen Bäume dem jungen Elfen jeden Blick zurück verwehren. Jetzt einfach nur weitergehen. Die Baumriesen kommen nun näher und versprechen dem schon jetzt müden Wanderer kühlenden Schatten. Die ehrgeizige, spätsommerliche Sonne löst einen Strom von Schweiß im Rücken des Elfen aus und bestraft so spöttisch seine weise Wintervorsorge.

Doch bald werden die freundlichen Baumriesen ihn unter ihre schützenden Arme nehmen und vor dem heißen, himmlischen Hohn abschirmen. Er kann sie schon riechen. Höher noch als die Eingänge der steinernen Kathedralen der Menschen, Zwerge und Trolle sind die lebenden Portale, mit denen der Titanenwald die Elfen von Silváhedon empfängt. So haben es ihm weitgereiste Elfen in seiner Kindheit erzählt. Und so muss es wohl sein, denn welcher Baumeister könnte höher bauen, als diese Giganten ihre Äste erheben? Früher ist ihm das nie aufgefallen. Doch früher ist er diesen Weg auch nicht alleine gegangen. Seine Schritte werden langsamer.

Während sein trauriger Blick in den Kronen umherschweift, bleibt er plötzlich stehen und blickt rasch unwillkürlich auf das zurückgelassene Silváhedon. Es bietet ein herrliches Bild im taufrischen Licht, doch das sieht der junge Elf nicht.

Er sieht die Elfen von Silváhedon. Jeder Einzelne scheint jetzt am Rande des Stadthügels zu stehen. Tausend Augenpaare sind es, die ihm nachsehen, stumm und unbewegt. Das Bild kommt ins Wanken. Heiße Tränen füllen seine Augen. Niemand hat ihn vergessen. Sie wollen ihn nicht halten. Sie sind nur da, um ihn zu verabschieden.

Er kann den Blick nicht halten, muss sich abwenden. Augenblicke vergehen langsam wie Jahre. Dann stürzt er in den dunklen Wald hinein. Es gibt noch kein Zurück. Ein Augenpaar nach dem anderen wendet sich schließlich ab. Nur ein alter Elf sieht ihm noch lange traurig und mit großen Zweifeln nach. Dann kehrt auch der Seher auf seinen Baum zurück.

Zusammengesunken, in Tränen getaucht, schüttelt Návayot widerwillig das Haupt. „Wie soll das gelingen? Taladán ist noch so jung und muss doch ganz alleine seinen unsicheren Weg beginnen.“

Heftig pulsieren Schuldgefühle und Ängste in ihm hoch. Er windet sich im Kampf der Gefühle gegen den Geist. Sein Herz akzeptiert nicht die Notwendigkeiten des vorgegebenen Weges.

Schließlich überwältigen wieder Erinnerungen an ein einschneidendes Erlebnis das Bewusstsein des alten Elfen. Schon so lange lastet es auf seiner Seele und doch ist die Erinnerung daran so eindringlich klar wie am ersten Tag. Besonders das Erscheinen des Götterkönigs und sein Kampf mit Adánada sind unauslöschlich. Und wie anders sich Adánada plötzlich verhielt, als sein Richter vor ihm erschien. Doch das geschah alles vor einer Ewigkeit und er selbst wird bald in einem neuen Leben erwachen, denn seine Aufgabe hier ist erfüllt.

Lang sind die folgenden Tage der Reise. Der Herbst zieht ein und entthront die stolze Sonne zugunsten der vielen Winde, die jetzt unter dem oft grauen Himmel wehen.

Zahllose unreife Gedanken durchstreifen das Haupt des jungen Elfen, ähnlich den jungen, impulsiven Winde, die immer wieder aufbrechen, das vielfarbige Gold der Bäume zu stehlen, um es dann doch nur achtlos fallen zu lassen. Auch an einer langen Elfenmähne scheinen sie Gefallen zu finden.

Der ganze Wald wappnet sich für die kargen Tage des kommenden Winters. Zumindest der Teil des Waldes, der nicht nur für den Sommer lebt. Ein Wesen zumindest ist vorbereitet und zieht rasch mit fliegenden Haaren und flatterndem Mantel vorwärts. Wieder versinkt die Sonne etwas früher im Baummeer. Auch die Winde sind müde und geben die Jagd auf.

Auf einem hohen Pass steht der einsame Wanderer und blickt im letzten Licht vor sich in das ihm unbekannte Tal. Der leise Ruf eines Käuzchens hinter ihm unterbricht kurz die Stille des Abends. Ohne sich umzudrehen, hebt der junge Elf kurz die Hand zum Gruß. Der Ruf galt ihm. Hier endet das Gebiet der Waldelfen. Es war einer der wachsamen, versteckten Späher, der ihm dieses letzte Lebewohl auf die Reise mitgab.

Kapitel 2

Entscheidung

Es ist Zeit, einen geeigneten Schlafplatz zu suchen. Der junge Elf geht den jetzt absteigenden Pfad herab und findet bald eine windgeschützte Stelle in einer Baumgruppe am Steilhang. Die Bäume sind in dieser Höhe nicht so groß, wie er es gewohnt ist. Er betrachtet sie interessiert im Näherkommen. Sie werden selbst am besten wissen, welche Größe hier gut für sie ist.

Der Boden unter ihren bescheidenen Kronen ist angenehm weich und trocken. Schnell befreit sich der Elf von seinem schweren Mantel, dem Gepäck und seinen weichen Lederstiefeln. Erleichtert lässt er sich nieder und streckt die müden Glieder aus. Nur einen Schluck Wasser noch. Der Wasserschlauch ist fast leer. Morgen wird sich sicher eine Quelle finden lassen. Mit geschlossenen Augen stöbert er in dem Lederbeutel mit dem Trockenfleisch. Er ist in den letzten Tagen deutlich leichter geworden. Nur ein paar kleine Brocken sind übrig. Einer davon verschwindet noch rasch in seinem Mund, dann zieht er sich den Mantel über den Leib und schläft erschöpft ein.

Noch vor Morgengrauen weckt ein kalter Hauch den jungen Elfen. Der Winter gibt einen Vorgeschmack auf das Kommende. Jetzt hilft kein Jammern mehr. Mit zusammengebissenen Zähnen streckt er sich und knurrt der Kälte seinen Unmut entgegen. Energisch rafft er nun seine Ausrüstung zusammen und befestigt jedes Teil an seinem Platz.

Ein prüfender Blick schweift über das von Nebelschleiern verhüllte, schlafende Land. Kaum zeichnet sich ein Pfad die Anhöhe herab ab. Trotzdem geht der einsame Wanderer los, langsam genug, um stets sicheren Halt zu finden. So geht es in unregelmäßigen Serpentinen hinab in das ihm unbekannte Tal.

Im Osten kündigt sich schon die Sonne an, als der junge Elf plötzlich innehält und lauscht. In der Nähe plätschert leise Wasser. Mit einem Lächeln wendet er sich dem willkommenen Geräusch zu und findet den Ursprung auch schnell. Versteckt zwischen schroffen Felsen fließt klares Wasser. Im Laufe unzähliger Winter hat es den rauen Felsen geglättet. Versöhnt mit der Welt, nimmt der junge Elf das Geschenk des Hügels an. Erfrischt und mit vollem Wasserschlauch sitzt er nun auf einem Stein an der Quelle und sieht gelassen zu, wie die Sonne aufgeht. Das Tal erwacht unter ihren milden Augen zum Leben. Fremd sind seine Konturen. Die Flüsse nehmen hier ganz andere Wege und die Bäume sehen ungewohnt aus. Aber es sind noch immer Flüsse und Bäume. Sie werden für Elfen und Tiere genauso ein Zuhause bieten, wie sie es im Titanenwald tun.

Nachdem die letzten Vorräte verzehrt sind, macht sich der junge Elf schließlich auf, um im Tal frische Nahrung zu finden oder zu erjagen. Es empfängt ihn freundlich. Die wehrhaften Brombeersträucher versperren ihm nicht den Weg, sondern bieten ihm sogar ihre reifen Früchte an. Heute wird er nicht mehr jagen müssen.

Die Sonne neigt sich schon wieder dem Horizont zu, als der Lederbeutel für Beeren bis zum Rand gefüllt ist. Der morgendliche Winterhauch hatte dem noch immer vorherrschenden Herbst Tribut gezollt und sich bald zurückgezogen. Die Winde haben ihr Spiel wieder aufgenommen. Der junge Elf sitzt auf einer kleinen Lichtung gegen einen einsamen Baum gelehnt und hält noch ein paar Beeren in der Hand, die nicht mehr in den Beutel passten. Er blickt hinauf zur Sonne. Heute lohnt sich ein Weitergehen nicht mehr. Er legt sich eine sehr reife Brombeere in den Mund. Sie schmilzt fast von selbst auf seiner Zunge. Entspannt schließt er die Augen. Die Sonne wärmt seine Wangen. Ruhe kehrt ein.

Ein Lächeln zieht über das Gesicht des jungen Elfen, als die Winde ihm sanft darüber streicheln. „Schon gut“, flüstert er herausfordernd und öffnet die Augen. Rasch verschwinden noch die restlichen Beeren in seinem Mund.

Dann springt er entschlossen auf die Füße. Die Winde brausen auf. Die weißblonde Mähne des Elfen flammt auf, doch sein Blick verfolgt unbeirrt den Weg der flinken Gesellen, die ihn zu diesem Wettkampf herausgefordert haben. Schon wirbeln sie um ihn herum und zwischen seinen Beinen hindurch. Er wankt, kann sich aber wieder fangen.

Jetzt kommt auch Leben in ihn, und er weicht den Windstößen aus, die ihn zu Fall bringen wollen. Sie pfeifen dicht an seinem Körper vorbei. Er kommt schon leicht außer Atem. Ein gewagter Sprung über sie hinweg und ein großer Schritt zur Seite lässt den jungen Elfen ihren schnellen Zugriffen ein weiteres Mal entkommen.

Nun aber kommt einer von vorne und will den Augenblick des unsicheren Stands ausnutzen, da blitzt in der rechten Handfläche des Elfen ein heller Schimmer auf. In einer schnellen Bewegung deutet er auf seinen unsichtbaren Gegner und zieht seine Hand fließend an sich vorbei. Der Windstoß, der ihn von den Beinen holen wollte, zischt knapp an ihm vorbei und der Elf steht wieder sicher.

Doch die Winde geben nicht auf und drängen weiter auf ihn ein. Ein paar Male noch kann er sich wieder mit einem Hauch Luftmagie retten, dann aber verliert er den Boden unter den Füßen und wird von den Winden mit vereinter Kraft triumphierend ein Stück weit in die Höhe gehoben und dort geschüttelt. „Ich gebe auf! Ihr habt gewonnen!“, ruft der junge Elf lachend.

Er sinkt zu Boden und bleibt erst einmal mit geschlossenen Augen liegen. Heftig geht sein Atem. Die Winde wirbeln im Siegestaumel die Blätter der Umgebung herum. Danach wird es ruhiger. Eine warme Brise trocknet den Schweiß auf dem Gesicht des Elfen. Ein zufriedener Seufzer beendet die Atemlosigkeit.

Eine Weile noch bleibt er so auf der Lichtung liegen und lässt seine Gedanken treiben. Die Sonne hat sich im Westen ein goldenes Portal geschaffen, durch das sie den Himmel bald verlassen wird. Mit einem tiefen Atemzug richtet sich der junge Elf wieder auf. Angelehnt an den einsamen Baum auf der Lichtung, blickt er nachdenklich zurück auf die Hochebene des Titanenwaldes. Was machen sie jetzt wohl? Er schließt die Augen. Seine Gedanken wandern zurück nach Silváhedon. Eine leise Melodie entsteigt seiner Kehle. Keine Worte, nur reine Musik. Eine traurige Harmonie ist es, voller Einsamkeit und Melancholie.

Nach einiger Zeit wird der Gesang lauter, kraftvoller und füllt sich mit Schmerz. Er gipfelt in einem Ruf, der sich gegen die Sterne richtet, die inzwischen aufgegangen sind. Er öffnet die Augen. Einzelne Tränen sind über Wangen und Schläfen gelaufen. Nun ist es klar. „Warum? Warum muss ich alleine einen Weg gehen, den ich nicht kenne?“, ruft er laut in den Sternenhimmel. Er steht auf, die Sterne fest im Blick. „Warum ist dieser Weg wichtiger als mein Frieden?“ Der junge Elf lässt den Kopf wieder sinken. Die Sterne glänzen stumm am blauschwarzen Himmel. Niedergeschlagen trottet er zu seinem Mantel. Er hebt ihn auf und hüllt sich in ihn. Die Nacht wird sicher wieder kühl.

Kein Traum zeigt ihm seinen Weg heute Nacht. Sein Geist wandert nur auf endlosen, grauen Ebenen. Dann graut der Morgen. Widerwillig steht der junge Elf auf. Es ist tatsächlich kälter geworden. Was hält ihn noch auf diesem Weg? Das Tal reicht weiter, als er von der Anhöhe aus erkennen konnte. Er späht in die Ferne. Bis zu diesem Grat wird er noch gehen. Zwischen Nebelschleiern zeigt sich das Ende des Tales. Dann ist er noch vor der Langen Nacht wieder zuhause.

Der Himmel ist bedeckt. Das Leben ist schwerer geworden. Raue Winde fegen durch die bald kahlen Bäume und prüfen deren Äste. Der junge Elf hat seinen Mantel um die Schultern geworfen und folgt den Spuren von Rehen in eine kleine Baumgruppe hinein. Ein Tier ist verletzt. Seine Schritte sind unregelmäßig. Heute soll sein Weg enden.

Die Spuren werden deutlicher. Die kleine Herde muss ganz nah sein. Lautlos schleicht der Elf weiter. Hinter dem nächsten Hügel könnten sie schon sein. Auf allen Vieren, wie eine Raubkatze, bewegt er sich den Hügel hinauf. Es riecht nach Blut. Wie kann das sein? Die Spitze ist fast erreicht. Langsam hebt er den Kopf über die Hügelkuppe.

Da weiten sich seine Augen vor Entsetzen. Mit einem Satz springt er auf und ist schon an der Stelle, wo von den Rehen nur noch grob zerstückelte Kadaver auf der Wiese übrig ist. Dem Schrecken ist Wut gewichen. Niemand darf Tieren so etwas antun! Seine tränenfeuchten Augen verengen sich. Der Blick des jungen Elfen überfliegt den Boden nach Spuren. Die Täter haben sich keine große Mühe gegeben, ihre Handschrift zu verwischen. Ein kruder, schwarzer Pfeil, der noch immer im Hinterlauf eines Rehs steckt, gibt den letzten Beweis: Orks!

Nie hätte er gedacht, dass er so früh auf sie stoßen würde. Sie haben nicht einmal alles Fleisch mitgenommen! Ohne zu wissen, was er tun wird, wenn er die Orks findet, folgt er der gut sichtbaren Spur, die vom Platz des Massakers wegführt. Er kann jetzt nicht einfach weitergehen.

Ihre Fährte führt ihn an abgeknickten Ästen und angeschlagenen Baumstämmen vorbei. Grimmig verhärten sich seine Züge. Jetzt versteht er, warum Elfen und Orks nicht in Frieden zusammenleben können.

Plötzlich kommt Wind auf. Er trägt einen widerlich ranzigen Gestank mit sich. Der junge Elf muss sich einen Augenblick abwenden. Noch bevor er daran denken kann, was diesen Gestank verbreiten könnte, wird es klar. In der Ferne formen laute, raue Stimmen unmelodische Worte, die er nicht kennt. Instinktiv duckt er sich hinter einen Baum. Heiß überläuft es ihn. Das müssen sie sein! Ein Stück weiter auf einer Lichtung sind mehrere klobige Gestalten zu erkennen, die eine Rast machen. Es riecht wieder nach Blut. Langsam schleicht er näher. Seine Muskeln sind angespannt.

Die Orks sind gerade dabei, ein Feuer zu entfachen, um ihre Beute zu braten. Einer von ihnen spießt große Fleischfetzen auf Stöcke. Der Wind frischt wieder auf. Gnädigerweise weht er diesmal nicht von den Orks herüber. Der junge Elf hebt die Nase in den Wind. Es riecht nach Sturm. Das Feuer wird sicher nicht lange halten. Ein grimmiges Lächeln zieht über sein Gesicht. Wären doch nur ein paar meiner Freunde hier! Wir würden die Orks aus dem Wald jagen!

Da zuckt er plötzlich zusammen. Einer der Orks hatte gegen ein Bündel Lumpen getreten. Zumindest hatte er es dafür gehalten. Aber das schmutzige Bündel hatte kurz aufgestöhnt! Ein Menschenmädchen richtet sich auf. Sicher ist es ein junges Mädchen, denn ein Menschenleib soll schneller alt werden als sein Geist. Doch in ihrer Jugend brauchen manche Menschen den Vergleich mit keinem anderen Volk zu scheuen.