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Verkorkste Kindheit, mieser Stiefvater, noch miesere Ehe … mit knapp 19 Jahren habe ich so viel Mist gesehen, dass ich nur noch eines will: abhauen und neu anfangen. In einem Roadhouse mitten im Nirgendwo habe ich den perfekten Ort dafür gefunden. Das denke ich zumindest, bis ich Bekanntschaft mit den Desert Ghosts mache, einem Haufen skrupelloser Outlaw-Biker, die dort die Rückkehr ihres Anführers feiern. Frisch aus dem Gefängnis entlassen, voll mit Tattoos und unzähligen Lastern, ist Ace die Sorte Mann, um die ich eigentlich einen großen Bogen machen wollte. Dumm nur, dass ausgerechnet er mich für sein Willkommensgeschenk hält … *** Dark MC Romance. Düster. Leidenschaftlich. Kompromisslos. Jeder Teil ist abgeschlossen und mit Happy-End-Garantie.***
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Originalausgabe 7/2025
Copyright © 2025 by Laura Paroli
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Alle in diesem Buch beschriebenen Personen sind fiktiv. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen ist nicht beabsichtigt und rein zufällig.
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Ich bin noch nicht einmal zwei Wochen hier in Desertville, und ich habe schon alles gesehen. Den riesigen Parkplatz, die verlassenen Trailer, die überall rumstehen, die Tankstelle, die Werkstatt und wahrscheinlich jeden einzelnen Stein. Viel gibt es hier ohnehin nicht. Abgesehen von Arlenes Roadhouse natürlich – das Herzstück dieses gottverdammten Ortes.
Es ist dreckig hier. Überall liegt Staub und Sand, den der Wüstenwind täglich von Neuem heranträgt. Egal, wie oft man die Treppen bis zum Eingangstor fegt, sie sehen eine Stunde später wieder genauso aus wie zuvor. Eigentlich könnte man sich den Aufwand sparen. Aber Arlene sieht das anders, deshalb schickt sie mich heute schon zum dritten Mal nach draußen, um die Stufen zu kehren.
Es dämmert inzwischen, bald wird man den Dreck ohnehin nicht mehr sehen. Aber ich bemühe mich trotzdem und mache meinen Job so gut, wie ich kann. Meine Arbeit hier ist schwer zu beschreiben, eigentlich bin ich das Mädchen für alles. Tagsüber putze ich, fege Staub und kümmere mich um die paar Zimmer, die im Obergeschoss für betrunkene Gäste bereitstehen. Abends stehe ich hinter der Bar, schenke Bier und Spirituosen an müde Truckfahrer aus und an gestrandete Biker. Ab und zu trage ich eine Ladung Hamburger, Spareribs oder Fritten nach draußen oder helfe in der Küche aus, wenn es gerade ansteht. Das ist mir vor allem später am Abend wesentlich lieber, als mich zwischen die besoffenen Fahrer zu schieben, die mir dümmlich grinsend ihre anzüglichen Sprüche an den Kopf werfen oder versuchen, mir im Vorbeigehen den Hintern zu tätscheln.
Ihr werdet jetzt vielleicht denken, mein Leben ist scheiße. Aber eigentlich, bin ich froh, dass ich hier bin. Der Laden ist weit genug weg von allem, deshalb sucht mich hier niemand. Meine Chefin Arlene ist ein wenig schrullig, aber sie ist nett. Und sie hat nicht nur dieselben roten Haare wie ich, sondern eine mindestens genauso abgefuckte Geschichte. Sie war früher mal Showgirl, drüben in Vegas. Hat auf der Bühne gestanden, eine Zeit lang war sie sogar der Star jeder Show. Erzählt sie zumindest. Bis sie den Fehler gemacht hat, sich auf den falschen Kerl einzulassen. Einen, der ihr die Welt zu Füßen legen wollte und versprach, sie auf Händen zu tragen. Bis sie schwanger wurde. Er war verheiratet, wollte kein weiteres Kind. Deshalb hat er sie so heftig verprügelt, bis sie nicht mehr schwanger war. Und tanzen konnte sie dann auch nicht mehr. Das war irgendwann in den 1990er Jahren. Aber Arlene ist eine starke Frau, sie hat sich nicht unterkriegen lassen. Inzwischen besitzt sie eine eigene Bar, in der sich die Kerle nach ihr richten müssen. Dafür bewundere ich sie.
Ich für meinen Teil habe in meinem Leben noch nie irgendetwas auf die Reihe gekriegt. Keinen Schulabschluss. Keine Ausbildung. Nur Abhauen, das konnte ich immer schon gut. Zuerst bin ich vor meiner Mom weggerannt, weil sie immer so wütend war, egal wie sehr ich mich bemühte, alles richtig zu machen. Und vor ihrem Lover, der sich ein bisschen zu sehr für mich interessierte. Später musste ich vor meinem Ehemann Charly flüchten. Ich bin sicher, dass er in meiner Heimat North Las Vegas nach mir sucht, eventuell auch in Phoenix oder Tucson, weil ich Verwandte dort habe. Aber auf Desertville kommt er bestimmt nicht so schnell. Ein guter Grund, noch eine Weile hierzubleiben, selbst wenn ich mehr Staub schlucke als irgendwo sonst.
Ich bin gerade mit der Treppe fertig, als ich die Motorräder höre. Sie kommen jeden Abend hierher, die Geräusche sind mir bestens vertraut. Meistens sind es sechs oder sieben Biker, die unsere Kneipe aufsuchen. Sich volllaufen lassen, Billard spielen und über die gute alte Zeit philosophieren. Manchmal sind es auch acht oder neun. Sie tragen Kutten, aber es sind keine Patches daran, die auf irgendeinen Club schließen lassen. Arlene hat mir gesteckt, dass sie Aussteiger sind. Frühere Mitglieder des berüchtigten Desert Ghost MC, die die Nase voll hatten und jetzt ihr eigenes Ding drehen. Ich will lieber nicht wissen, was genau sie damit meint. Von kriminellen Typen habe ich für die nächsten drei Leben genug, ich habe nicht vor, mich in irgendetwas Neues verwickeln zu lassen. Besser also, Abstand zu solchen Kerlen zu halten. Tagsüber sind die Biker jedenfalls allesamt schwer beschäftigt. Nur am Abend finden sie sich immer wieder hier bei uns ein.
Ich beeile mich, nach drinnen zu kommen, als das Knattern der Maschinen lauter wird und die erste Harley um die Ecke biegt. Nicht, dass mir die Typen schon mal etwas getan hätten, aber mir reicht, was ich hinter der Bar mitbekomme. Da sind vor drei Tagen schon einmal Flaschen geflogen. Und einer hat sich mit einem Truckfahrer geprügelt, der sein Bike umgestoßen hatte. Dabei gingen ein Tisch und zwei der Sessel zu Bruch. Wahrscheinlich hätte noch mehr Einrichtung dran glauben müssen, als sich die anderen Trucker und Rocker einmischten, aber das konnte Arlene mit ihrer Schrotflinte gerade noch verhindern. »Die liegt immer hinter der Bar, falls ich ein paar Wichser rauswerfen muss«, hat sie erklärt, und es gleich vorgeführt. Eine starke Frau, wie gesagt.
Ich wische gerade den Tresen, als die Tür aufgeht und eine ganze Horde Biker hereinströmt. Ein paar davon habe ich schon gesehen, aber es sind auch unbekannte Gesichter dabei. Dafür scheinen zwei der Stammgäste zu fehlen: Der langhaarige Grizzly mit dem bauschigen Bart und der Kerl mit den vollständig tätowierten Armen sind heute zum ersten Mal nicht dabei, und auch nicht der große Blonde, der Tag und Nacht seine Sonnenbrille aufhat. Vielleicht kommen sie später. Insgesamt siebzehn Kerle zähle ich für den Moment, als ich hinter der Zapfsäule stehe, das sind mehr als an allen anderen Tagen. Außerdem sind sie allesamt gut gelaunt, haben anscheinend etwas zu feiern. Sie sind lauter als sonst, ein paar haben vermutlich schon irgendwo anders kräftig getankt.
»Ihr Anführer kommt heute aus dem Gefängnis«, steckt mir Arlene, als sie sich mit einem Tablett voller Shots auf den Weg macht. Sie lacht, als die Kerle sie auffordern, selbst eines der kleinen Gläser zu leeren, und kippt es sich runter. In den ersten Jahren nach Eröffnung der Bar hat sie immer viel mit den Gästen getrunken, hat sie mir gestern erzählt, aber das hat sie fertig gemacht. Deshalb stellt sie inzwischen immer ein Glas mit Wasser oder Apfelsaft mit aufs Tablett, wenn sie damit rechnet, dass sie selbst trinken soll, je nachdem was die Farbe der anderen Shots ist. »Der Trick ist nur, sich zu merken, welches es ist.«
Ich beobachte sie am Tisch, studiere die Neuen. Nicht nur, weil ich ständig in der Angst lebe, einen von Charlys Männern in unserer Bar zu erblicken, sondern auch, weil ich neugierig bin. Vielleicht hoffe ich tief in mir drinnen, ein interessantes Gesicht zu sehen. Einen Kerl, der mir gefällt, der mich fesselt. Nicht, dass ich jemals etwas mit einem von denen anfangen würde. Ich habe meine Lektion gelernt, was Männer angeht, am besten hält man sich fern. Und einen kriminellen Biker kann ich am allerwenigsten brauchen.
Aber ich muss schon zugeben, dass ich irgendwo tief in mir drinnen etwas vermisse. Aufregung, Abenteuer, Leidenschaft und Lust. Blicke, die meine Knie weich werden lassen und mein Höschen ganz feucht. Anfangs dachte ich noch, ich hätte bei Charly genau das gefunden, aber da wusste ich einen Scheißdreck. Er hat sich nicht um mich gekümmert, so wie ich es gebraucht hätte, weder im Bett noch im richtigen Leben. Er hat mich benutzt, so wie er jeden und alles um sich herum nur benutzt hat. Er hat mich zwar in Las Vegas geheiratet, aber deshalb war ich noch lange nicht seine Frau. Er hat mich nie seiner Familie vorgestellt oder den Freunden. Für ihn war ich bloß eine von vielen. Die Nutten waren überall, nicht nur in seinem Casinoclub, auch in der Wohnung darüber. In seinem Bett. Aber das war noch der Teil, der mich am wenigsten störte. Er nahm mich auf Reisen mit, was mich am Anfang unglaublich faszinierte. Bis ich nach zwei Jahren dahinter stieg, aus welchem niederträchtigen Grund er das tat. Aber nicht nur das Zusammenleben, auch der Sex mit ihm wurde von Woche zu Woche schlechter, es interessierte ihn nicht, ob ich auf meine Kosten kam oder nicht. Nach der Hochzeitsnacht hatte ich keinen einzigen Orgasmus … außer vielleicht alleine mit der Hand. Aber das war ein gefährliches Spiel, denn ich wusste, wie er reagierte, wenn er mich bei einer Solo-Nummer erwischte.
Mein Blick schweift erneut durch die Runde und ich frage mich, ob irgendeiner der anwesenden Kerle das hat, was ich vermisse. Aber die Antwort ist nein. Sicher, ein paar von den Rockern sehen ganz gut aus, trotz der Westen und der wilden Tattoos. Aber keiner davon schafft es, irgendetwas in mir zum Zittern zu bringen. Außer vielleicht meine Finger, wenn ich daran denke, gleich wieder ein Tablett voller Bierflaschen an den Stammtisch zu tragen. Abgesehen davon sind diese Typen gefährlich. Brutal. Viel Einfühlungsvermögen ist da kaum zu erwarten. Nein, nach allem, was ich hier bislang gesehen habe, bin ich alleine besser dran. Ganz sicher.
»Rain? Bitte sei so gut, und bring von hinten noch ein paar Laken nach oben in die Zimmer acht und neun. So wie es aussieht, brauchen wir heute Nacht sämtliche Räume.«
Arlenes rauchige Stimme reißt mich aus den Gedanken und ich bin ziemlich dankbar darüber. Vermutlich liegt es nur daran, dass ich schon viel zu lange keinen Höhepunkt hatte, dass mir überhaupt solche absurden Ideen durch den Kopf schwirren. Wahrscheinlich brauche ich einfach nur … ein wenig Me-Time.
Als ich oben das Zimmer aufsperre, habe ich noch immer absurde Fantasiebilder in meinem Kopf. Bilder von einem Unbekannten, der mich festhält, vielleicht ein wenig gegen die Wand drückt. Einen Kerl, der seine Hände besitzergreifend in meine rote Mähne schiebt und unter den Rock. Einen, dessen Berührung mich augenblicklich heiß und nass werden lässt. Ich kann nicht aufhören, mir vorzustellen, wie es wohl wäre, starke Hände zwischen meinen Schenkeln zu spüren. Weiche Lippen auf meiner Haut. Mein ganzer Körper kribbelt bei dem Gedanken, meine Stirn fühlt sich heiß an und meine Pussy meldet sich mit einem sehnsüchtigen Ziehen. Wie lange ist es eigentlich her, dass ich mich selbst angefasst habe?
Hier in Desertville teile ich mir ein Zimmer mit der anderen Kellnerin, Kimmy, da hatte ich natürlich noch keine Gelegenheit dazu. Die Pausen sind kurz, die Waschräume hellhörig. Entspannung gibt es nicht und alleine bin ich eigentlich auch nie … außer vielleicht jetzt.
Etwas unentschlossen bleibe ich vor dem breiten Doppelbett des Zimmers 09 stehen, das ich eigentlich nur rasch aufziehen wollte, und sehe die einmalige Gelegenheit vor mir. Die Gäste sind allesamt unten und feiern. Hella ist in der Küche, Arlene und Kimmy sind an der Bar ausgelastet. So schnell wird keiner hochkommen. Und ob ich ein paar Minuten länger brauche als sonst, wird mit Sicherheit niemandem auffallen …
Nein, verdammt!
Reiß dich zusammen!
Aber das Bett sieht so verlockend aus, dass ich mich einfach drauf fallen lasse. Nur um es einmal zu testen, versteht sich. Es ist breit und bequem – anders als das Stockbett, das ich mit Kimmy teile. Und es tut unverschämt gut, nach dem anstrengenden Tag, kurz die Füße hochzulegen. Ich nehme mir vor, nichts weiter zu machen als das. Kurz entspannen. Etwas ausruhen … bis meine Gedanken wieder zurück zu meiner Fantasie wandern, zurück zu dem attraktiven Unbekannten, der mich mit heißen Küssen und geschickten Händen verwöhnt. Wie von selbst rutscht meine Hand unter den Rock und ich kann es nicht stoppen, auch wenn ich weiß, dass es falsch ist.
Aber die Berührung fühlt sich einfach zu gut an.
Die Sonne ist das Erste, das ich wahrnehme, als ich durch das Gefängnistor nach draußen trete. Brennende, sengende, blendend heiße Wüstensonne, die sich am schmutzigen Asphalt spiegelt, und ihn so aufheizt, dass man froh sein kann, Stiefel zu tragen. Die Luft ringsherum ist trocken, stickig und heiß. Der Wüstenwind trägt Sand und Staub zu mir rüber, aber das hält mich nicht davon ab die Augen zu schließen, tief einzuatmen und die frisch wiedergewonnene Freiheit tief in meine Lunge zu saugen. Verdammt fühlt sich das gut an. Ich habe seit vier Jahren nichts Besseres gerochen!
Ein schepperndes Geräusch ist zu hören, als das Tor hinter mir zufährt. Metall auf Metall, ein hässliches Kratzen, aber heute klingt das Geräusch wie Musik in meinen Ohren. Das Tor zur Hölle ist zu. Und ich stehe endlich wieder auf der richtigen Seite.
»Auf Nimmerwiedersehen ihr Bastarde!«, rufe ich lachend und reiße die Arme nach oben, um den Wachen meine erhobenen Mittelfinger zu zeigen. Die kriegen mich nicht nochmals zu Gesicht, eher lasse ich mich erschießen, als noch einmal in dieses verfluchte Drecksloch zu wandern. Es waren vier Jahre zu viel, die ich hier verbracht habe, dabei hätte mich der Staatsanwalt gerne noch viel länger hinter Gittern gesehen. Da kann ich noch von Glück sagen, dass sie mir keine Mordabsicht nachweisen konnten. Die Hölle war es trotzdem.
Ich bin noch keine zehn Schritte von den Eisentoren entfernt, als ich es höre. Ein Knattern. Ein Röhren. Den geilsten Sound der Welt, den ich unter tausend anderen sofort wiederkennen würde. Mein Mädchen! Normalerweise würde ich vor lauter Zorn meine Faust ballen, wenn ein anderer Kerl die Dreistigkeit besitzt, meine Harley zu reiten. Sie ist mein ganzer Stolz, meine erste große Liebe, wenn man so will. Heute allerdings bin ich verdammt froh, dass jemand sie für mich herbringt.
Meine Brüder haben sich gut um mein Mädchen gekümmert, solange ich weg war. Sie haben sie gepflegt, als wäre sie der heiligste Besitz in der ganzen verdammten Welt. Ich kann es sehen, wie sie da steht, meine Harley Davidson Softail – die tiefschwarze Lackierung auf Hochglanz poliert, der verchromte Lenker, der an die Flügel eines Raubvogels erinnert, funkelnd in der Sonne. Die vergrößerte Verkleidung wirkt genauso imposant, wie ich sie in Erinnerung habe, dazu das maßgeschneiderte Leder mit den Fransen an den Seiten. Nur das auffällige Clublogo des Desert Ghost MC, das vormals prominent auf Tank und Heckfender prangte, ist inzwischen verschwunden. Einer der Brüder muss es rückstandslos abgemacht haben.
»Schön dich zu sehen, Ace!«
Jax Hand gleitet mit dem nötigen Respekt vom Lenker meiner Softail und er wirft mir im nächsten Moment die Schlüssel entgegen. Gemeinsam mit meiner Jacke, die jetzt ebenfalls ein paar Patches vermisst.
»Und, was machst du als Erstes?«
»Nur das Übliche«, murmle ich, während ich mich anziehe und den vertrauten Geruch von Wüstenstaub, Benzin und Leder inhaliere. »Rippchen essen, Whiskey kippen und ein paar Pussys aufreißen.«
»Toll zu sehen, dass die Prioritäten noch stimmen«, grinst Jax, mein ehemaliger Sergeant-at-Arms. »Dann wird dir die kleine Willkommensfeier, die wir für heute geplant haben, mit Sicherheit gefallen.«
»Jax …« Ich atme tief durch. Ich hatte den Jungs mehrmals gesagt, dass ich keine Welcome-home-Party brauche. Schon gar nicht angesichts der Situation mit dem Club. Aber Jax winkt ab. »Das ist das Mindeste, Bro.«
»Er hat recht, Alter«, brummt die tiefe, unverkennbare Stimme von Damon, unserem früheren Enforcer, der seine Indian Chief gleich neben meine Harley gestellt hat. Es ist derselbe Cruiser, den er lenkt, so lang ich ihn kenne. Und das ist wirklich eine verdammt lange Zeit. Aber die Jahre haben dem robusten Biest nicht das Geringste anhaben können. Sicher, die Lederabdeckungen sind abgenutzt und die Golddetails am Lenker zerkratzt. Aber genau das macht den einmaligen, abenteuerlustigen Charme des Bikes nun mal aus.
»Wir sind alle froh, dass du endlich zurück bist, Ace.«, brummt Damon. »Und jetzt schwingt euch endlich in den Sattel! Sehen wir zu, dass wir abhauen!«
Jax nickt und setzt sich hinter Damon, während ich meine First Lady besteige. Fast hätte ich vergessen, wie verflucht geil sich das anfühlt, wenn der Motor unter mir schnurrt. Der Klang der Freiheit, die sich durch die große weite Straße bahnt. Es ist, als wäre ich nie weg gewesen. Die Jahre im Käfig waren nur ein schlechter Traum, der endlich ausgeträumt ist.
»Jetzt zeig mir, was du kannst, Baby«, sage ich zu meiner Harley und drehe am Gas.
Rein optisch hat sich die Stadt genauso wenig verändert, wie die Straßen, die aus ihr rausführen. Wüste, Sand, Schlaglöcher, die noch immer genau dort sind, wo ich sie in Erinnerung habe. Nur der Weg ist heute ein anderer. Statt zum großen Clubhouse des Desert Ghost Motorcycleclubs zu fahren, den mein Vater vor siebenundzwanzig Jahren aufgebaut hat, als er aus der Army entlassen wurde, fahren wir an der National Preserve vorbei und weiter raus in die Wüste. Ich weiß von meinen Kumpels, dass sie dort ein neues Quartier bezogen haben. Mitten im Nirgendwo, wo sie ihre Ruhe haben und wo keinen interessiert, was sie tun. Sie haben es mir bei einem ihrer Besuche erzählt. Ich hatte nicht erwartet, dass sie aussteigen würden, nachdem mein ehemaliger Vize, Hank, mich als Präsident der Ghosts abgelöst hatte. Ich habe ihnen sogar zugeredet, zu bleiben. Aber das ging nur so lange gut, bis er alles umschmiss, wofür unser Club irgendwann einmal stand. Er hat Geld hinterzogen, auf widerliche Art und Weise Geschäfte gemacht, und sich mit anderen Clubs angelegt. Das hat ein paar gute Leute Kopf und Kragen gekostet. Jax, Damon, Slade und Diesel rissen sich ihre Club-Patches von den Westen, als Hanks Machtgier die ersten Tribute einforderte. Sie kamen nicht damit klar, wie leichtfertig er alles in den Dreck zog, wofür die Ghosts einmal standen.
Weitere Mitglieder folgten, als seine Betrügereien und die Unterschlagung von Clubgeld ans Licht kamen, und noch mehr warfen das Handtuch, als er in einer Sitzung meinen Ausschluss offiziell machte. Zumindest haben sie es mir so erzählt.
Wie viele es wirklich sind, wird mir erst bewusst, als wir unsere Maschinen auf den staubigen Parkplatz hinter einer unscheinbaren Bar in einer verlassenen Geisterstadt mitten in der Wüste fahren. Fünfzehn bekannte Bikes zähle ich, und ein paar fremde. Dazu kommen sechs Trucks am anderen Ende des Platzes, die sich offensichtlich zur Übernachtung aufgereiht haben. Platz gibt es hier genug, das ist das Gute an einem verfickten Ort in der Wüste. Aber das ist auch schon das Einzige, das es hier gibt. Mir kann es egal sein, ich bin hier, um meine Brüder zu treffen. In alten Zeiten zu schwelgen, zu plaudern, zu feiern. Mich zu betrinken und irgendeine Frau flachzulegen. Nein, besser gleich zwei oder drei. Ich habe enormen Nachholbedarf. Spätestens in zwei oder drei Tagen bin ich hier weg, das habe ich mir geschworen. Ich habe genug von der Wüste, vom Dreck und von der ganzen, gottverdammten Scheiße, die mich umgibt.
Aber jetzt wird erst einmal ausgiebig gefeiert.
Nach dem achten Shot fühle ich mich so gut, wie schon lange nicht mehr. Der Schnaps hat die Knastscheiße aus meinen Knochen gewaschen und meinen Kopf frei gemacht. Scheiß auf die letzten vier Jahre, jetzt zählt nur noch das Hier und das Heute. Ich spüre den Boden unter meinen Füßen im Takt der Musik vibrieren, und die Freiheit in der alkoholgeschwängerten Luft. Das alles fühlt sich nach Leben an. Endlich.
»Gut, dich zurückzuhaben«, grinst Damon und schiebt mir den nächsten Shot rüber. »Die Nacht hat gerade erst begonnen, wir haben noch mehr Überraschungen auf Lager.«
Ich weiß, was er meint, Jax hat mir vorhin schon gesteckt, dass sie ein paar Nutten bestellt haben. Eine nette Geste, denn die Auswahl an attraktiven Weibern ist hier im Niemandsland ziemlich begrenzt. Die beiden Frauen am Tisch kenn ich zu lange, Arlene ist zu alt und ihre Mädchen tabu. Und die einzige weibliche Person am Truckfahrertisch hat breitere Schultern als ihre Kollegen. Da warte ich lieber auf die Überraschung.
»Ich bin gleich zurück«, sage ich, nachdem Damon mir den Schlüssel für eines der Zimmer gegeben hat, und hebe mein Glas.
»Auf die Freiheit, Alter!«, ruft einer. »Das hier ist dein Moment!«
Die Jungs grölen weiter, als die Tür hinter mir zu schwingt, ich höre sie bis in den ersten Stock, als ich nach meiner Zimmertür suche. Was hat er nochmals gesagt? Sechs? Oder neun? Die Nummer auf dem Schlüsselanhänger ist nicht eindeutig, also versuche ich es einfach bei neun. Doch gerade als ich ihn einstecken will, bemerke ich, dass die Tür gar nicht versperrt ist. Und das Zimmer nicht leer.
»Holy Shit.«
Ich erstarre in der Bewegung, als ich die Kleine in der Mitte des breiten Bettes erblicke. Im ersten Moment denke ich schon, ich halluziniere. Ist das eine Fata Morgana? Wenn man lang genug abstinent lebt, bekommt man dann Erscheinungen von masturbierenden Frauen, so wie Verdurstende überall Wasser in der Wüste herbei fantasieren? Aber dann kommt mir eine bessere Erklärung in den Sinn. Das hier muss die Überraschung sein, die die Jungs so kryptisch angekündigt haben. Verdammte Scheiße, das ist so viel besser, als ich gedacht habe!
Fasziniert starre ich auf das hübsche Ding, das da vor mir im Bett liegt. Noch hat sie mich nicht bemerkt und ich wage es nicht, mich auch nur einen Deut zu bewegen. Der Anblick ist einfach zu heiß. Die Kleine hat ein wunderschönes Gesicht, zart gerötete Wangen, halb geschlossene Augen. Und sie gibt die entzückendsten Geräusche von sich, während sich ihre Hand rhythmisch unter dem kurzen Rock bewegt. Wobei sie eigentlich viel mehr tut, als sich nur zu bewegen. Immer wieder drückt sich die Hand ein wenig nach oben, gegen den Stoff, und klatscht dann mit einem saftigen Geräusch nach unten. Und die Kleine genießt es sichtlich, sich selbst wieder und wieder hart auf die Pussy zu hauen. Ihr Brustkorb bewegt sich rauf und runter, die hübschen runden Titten wackeln bei jeder Bewegung. Bis die zweite Hand sich endlich erbarmt und so fest zukneift, dass ich mir vorstellen kann, wie die Nippel jetzt schmerzen. Scheiße, der Anblick macht mich unglaublich hart!
Die Kleine wirkt so natürlich. Das, was sie tut, verdammt echt. Beides bin ich nicht von den Nutten gewöhnt, die früher in Diesels Bar unterwegs waren. Ich bin spitz wie ein brunftiger Stier, aber ich bin auch ehrlich gerührt. Meine Brüder wissen nach all den Jahren noch immer genau, was ich will. Und sie haben sich wirklich Mühe gegeben, etwas Besonderes für mich zu finden. Eine Frau, die alles andere als künstlich aussieht. Und eine, die offensichtlich Spaß daran hat, etwas härter angefasst zu werden.
Als ich mich räuspere, zuckt die Kleine erschrocken zusammen. Sofort verschwindet ihre Hand unter dem Rock, streicht jetzt eine verklebte, feuerrote Haarsträhne aus dem Gesicht. Große grüne Augen starren mich entsetzt an, während ihre Wangen knallrot werden. Für eine Prostituierte wirkt sie reichlich verlegen.
»Ich ähm…«, stottert sie rum. »Es tut mir so leid, Sir. Ich wollte wirklich nicht …«
Ihre Stimme ist sanft, sexy. Ein wenig heiser. Und sie spricht viel zu schnell.
»Ohne mich anfangen?«, bringe ich den Satz für die Kleine zu Ende. »Kein Problem, Süße, jetzt bin ich ja da.«
Sie starrt mich noch immer an, als wäre ich ein Phantom, und allmählich frage ich mich, ob sie einen anderen erwartet hat als mich. Was zum Teufel haben die Jungs ihr erzählt? Früher bin ich verdammt gut angekommen bei Frauen, im Clubhaus standen sie reihenweise Schlange, um mich zu sehen. Ich hatte die freie Wahl, welche ich mit in mein Bett nehme, oftmals waren es gleich zwei oder drei. Aber vielleicht hat sich meine Wirkung auf die Ladys inzwischen verändert. Ich trage kein President-Patch mehr auf der Jacke und ich bin ein paar Jahre älter geworden. Aber Fuck, das kann doch einer Prostituierten egal sein!
»Was haben dir die Jungs erzählt?«, will ich wissen. »Haben sie dir nicht gesagt, wer ich bin?«
»Die Jungs?« Sie starrt mich verständnislos an. »Welche Jungs?«
Sie will aufstehen, aber ich bin schneller und drücke sie mit festem Griff zurück auf das Bett.
»Du bleibst schön liegen, Süße. Du bist genau da, wo ich dich haben will!«
Im ersten Moment lässt sie es sich gefallen, als ich ihre Handgelenke packe und links und rechts neben ihrem Kopf in die Matratze drücke, und starrt mich bloß an. Aber als ich mit meinem Knie ihre Schenkel auseinanderschiebe, stemmt sie sich plötzlich mit aller Kraft dagegen.
»Nein«, keucht sie, »hör auf. Du machst einen Fehler!«
»Glaub mir, Kleines, ich habe schon viele Fehler gemacht. Aber das hier werde ich bestimmt nicht bereuen.«
