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Nachdem die Autorin endlich ihren Traummann erobert hatte, folgte sie ihm in das wunderschöne Italien, wo sie neue Traditionen, eine fremde Sprache und andere Bräuche kennenlernte, verließ also ihre Heimat, ihre Familie und Freunde, um sich mit ganzem Herzen in ein neues Leben zu stürzen. Als ihr Leben durch eine heimtückische Krebskrankheit zutiefst erschüttert wird, siegt sie mit ihrer deutschen und italienischen Familie im extremen Kampf gegen die Erkrankung und entkommt dem bösen Kreis der Chemo- und Radiotherapie, mit sehr viel Glauben, Liebe und Hoffnung. Heute hat sie wieder ein neues Leben angefangen und lebt glücklich an der Seite ihres Traummannes und ihrer Familie in ihrer neuen Heimat Italien. Sie wünscht sich, mit diesem Buch Hoffnung weitergeben zu können.
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Seitenzahl: 296
Veröffentlichungsjahr: 2014
www.tredition.de
Für meinen Mann und meine Kinder
Über die Autorin
An der Seite ihres Traummannes lebt die Autorin seit vielen Jahren glücklich in dem wunderschönen Land Italien. Sie musste aber hart für ihre Liebe kämpfen, weil diese, wie so häufig, nicht immer von beiden Menschen gleich erkannt wird. Aber es hat sich gelohnt. Sie hat den Mann ihrer Träume erobert. Für diese große Liebe hat sie ihre Heimat, die Familie und Freunde verlassen, um in einem anderen Land ein neues Leben zu beginnen. Sie hat die Sprache gelernt, Traditionen akzeptiert und ihr ganzes Leben umgestellt. Was sie nicht wusste – wie turbulent es sein würde! Aber sie hat alle Veränderungen sehr gerne und mit ganzem Herzen angenommen.
Dann wird ihr Leben durch eine heimtückische Krebserkrankung zutiefst erschüttert. Die Diagnose Krebs verändert das Leben in allen Bereichen für die Betroffenen ganz extrem. Häufig müssen sich sowohl die erkrankten Menschen als auch ihre Angehörigen mit dem schwierigen Thema Tod intensiv auseinandersetzen. Und gleichzeitig ist es lebenswichtig, niemals die Hoffnung zu verlieren!
Die Autorin hat es tatsächlich geschafft, dem hässlichen Kreis der Chemotherapie wieder zu entkommen - durch einen unermüdlichen Kampf gegen den Krebs an der Seite ihres Mannes und mit der Unterstützung von hervorragenden Ärzten. Sie möchte mit diesem Buch anderen Betroffenen Mut machen und erlaubt einen sehr intimen Einblick in ihre Geschichte und ihr ganz persönliches Erleben der Krankheit. Sie hat die schwere Krebserkrankung mit Liebe, Glaube und Hoffnung überwunden! Dieser steinige Weg hat sie nicht zurück nach Deutschland geführt – Italien ist und bleibt ihre Heimat, an der Seite ihres Traummannes und im Kreise einer starken Familiengemeinschaft hat sie das Leben wieder neu begonnen.
Danksagung
Ich möchte mich auch bei allen bedanken, die mir immer beigestanden haben:
Meine ganze Familie sowie die meines Mannes, denen nichts zu viel war, um mir zu helfen, diese schwere Zeit hinter mich zu bringen.
Bei seinem Cousin Michele und seiner Frau Pia, für deren riesengroße Gastfreundschaft.
Ganz besonderer Dank gilt meinem Schwager Adelmo und seiner Frau Cinzia, die mir meine Onkologen vorgestellt haben, die ich mit sehr großer Dankbarkeit erwähne:
- Herr Doktor Michele De Tursi
- Frau Doktor Consiglia Carella
- Ein ausgezeichneter Professor aus Mailand
Auch möchte ich mich bei Corinna Podlech, meiner Lektorin, bedanken, die mir so freundlich geholfen hat, dieses Buch zu gestalten. Sie war für alle Änderungen und Verbesserungen immer sofort für mich da.
Birgit Lüttgens
DESTINO BIZZARRO
Mein Traummann und ich
www.tredition.de
© 2014 Birgit Lüttgens
Umschlaggestaltung: Birgit Lüttgens, Corinna Podlech
Lektorat: Corinna Podlech, Hamburg
Bildrechte: © hultimus – Fotolia.com
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN 978-3-8495-8733-8 (Paperback)
ISBN 978-3-8495-8734-5 (Hardcover)
ISBN 978-3-8495-8735-2 (e-Book)
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Vorwort
Liebe Leseratten !
Ich habe mich entschlossen, ein Buch zu schreiben. Ja sicher, denken Sie jetzt, als wenn das so einfach wäre!
Na ja, ich denke nicht, dass es so einfach ist, aber ich werde es mal versuchen …
Ich bin jetzt seit drei (mittlerweile sind es vier) Jahren arbeitslos. Es ist nicht so, dass ich nichts tun will oder nichts finden will, oder etwa keine Lust habe – im Gegenteil, ich habe den Eindruck, dass mir zu Hause die Decke auf den Kopf fällt.
Ich habe sehr viele Krankheiten „ausprobiert“ und bin einfach nicht mehr fit genug, einen Beruf als verantwortliche Kraft auszuüben. Ich könnte nie einen Tag arbeiten gehen, um dann eine Woche zu Hause bleiben zu müssen, weil es mir nicht gut geht. Es würde mich schon nervös machen, vor allem, dass die Kollegen nie auf mich zählen könnten. Das wäre dann auch ein nervlicher Stress. So etwas wäre auch nicht gut für meine Gesundheit.
Ich möchte dieses Buch aber vor allem deshalb schreiben, weil ich glaube, Hoffnung weitergeben zu können. Es ist manchmal, nein falsch, es ist immer lebenswichtig, diese nicht zu verlieren. Gerade in meinem Leben ist so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann, passiert – also wundern Sie sich nicht.
Ich bin aber auch eine der ganz wenigen glücklichen Menschen, die die ganz große, wahre Liebe gefunden hat.
Kennen Sie das Sprichwort:
Die Liebe ist wie ein Gespenst. Viele reden davon, nur wenige haben eines gesehen. (Amore e come un Fantasma, molti ne parlano, ma solo pochi l’hanno incontrato.)
Das ist ein Sprichwort, das ich neulich gehört habe und sofort dachte, dass kein besseres als dieses auf mich selber zutrifft.
Ich musste aber hart für meine Liebe kämpfen, weil diese, wie es so oft passiert, nicht immer sofort von beiden Personen gleich erkannt wird. Aber es hat sich gelohnt.
Ich habe den Mann meiner Träume erobert.
Für diese Liebe habe ich meine Heimat, meine Familie und Freunde verlassen, um in einem anderen Land ein neues Leben zu beginnen.
Ich musste als allererstes eine neue Sprache lernen, Gewohnheiten akzeptieren, und überhaupt lernen, mein ganzes Leben umzustellen. Was ich nicht wusste – wie turbulent es sein würde. Ich habe aber alle Veränderungen sehr gerne und mit ganzem Herzen angenommen und umgesetzt
Also, wenn Sie Lust haben ein Buch zu lesen, in dem es mal lustig, mal traurig und eben auch mal unmöglich zugeht, dann sind Sie hier in dem richtigen Buch. Ich bin sicher, es wird Ihnen oft ein Schmunzeln, ein Lachen, ein Stirnrunzeln und auch Angst entlocken.
Und um ehrlich zu sein, freue ich mich, dass Sie es lesen. Es ist einfach ganz wichtig für mich, weil auch ich gerne lese. Ich liebe Bücher und ihre Protagonisten. Ich habe durch sie viel gelacht und manchmal auch geweint, aber vor allem während ich krank war, sind meine Bücher und ich richtig gute Freunde geworden, ohne deren Hilfe vieles schwerer gewesen wäre, als es ohnehin schon war.
Ich habe die Gabe, mich so in sie zu vertiefen, dass ich oft meine eigenen Probleme für einen Moment vergessen konnte. In Bücher hineinzutauchen und alles rund um mich herum zu vergessen, ja, das ist wie ein Traum, und in meinem Fall waren es auch diese Träume, von den Protagonisten der Bücher, die mir Hoffnung gaben.
Ich denke, das reicht jetzt! Ein Vorwort ohne Ende finde ich auch immer sehr nervig.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen. Und wenn es Ihnen gefällt, würde ich mich freuen, Ihre Meinung über meine schlichte, einfache Schreiberei zu hören.
Ich weiß nicht, ob ich mich dafür entschuldigen muss oder nicht, aber ich habe einfach geschrieben, wie es mir in den Sinn kam.
Diese ist wirklich meine wahre Geschichte.
VIEL SPASS!
KAPITEL 1
Das ist er!
Der Mann meiner Träume.
Ich glaubte es nicht. Ich wusste selber nicht, wie mir geschah.
Wir wohnten in einem Dreifamilienhaus. Wir hatten im Erdgeschoß ein kleines Gasthaus und unsere Wohnung war direkt darüber. Im oberen Stockwerk lebten zwei italienische Familien. Wir waren gut mit ihnen befreundet, es war immer lustig und gemütlich zusammen.
Ich war an diesem Tag mit meiner besten Freundin draußen im Garten. Wir unterhielten uns gerade über das, was in der Schule passiert war, als ein hellbrauner VW-Bus auf unseren Parkplatz fuhr. Ich achtete im ersten Moment nicht weiter darauf, denn bedingt durch das Gasthaus fuhren dauernd Autos auf das Gelände.
Und doch sollte dies der Tag in meinem Leben sein, an dem sich alles ändern würde.
Schicksal!
Als der Fahrer ausstieg war es, als ob ich einen Faustschlag in den Magen bekam. Mir zitterten die Knie, mein Bauch war voller Schmetterlinge, mein Kopf funktionierte nicht mehr. Ich war auf einmal wie in einer anderen Welt. Ich schaute den Mann an und wurde rot, als er mich auch ansah. Er war mittelgroß, schwarzhaarig, schlank und super sexy. Knallenge Jeans, ein hellblauer Pulli, lässig. Einfach cool.
Er und ein zweiter Mann gingen an uns vorbei, sagten: „Ciao“, und weg waren sie.
Ich lief ihnen nach, um zu sehen, ob sie ins Gasthaus gingen oder hoch zu den Italienern. Es waren, wie es schien, Freunde von oben.
Meine Freundin, die mir nachgekommen war, sah mich an und wollte wissen, was denn los sei.
„Weiß ich auch nicht so genau“, murmelte ich. „Hast du den da nicht gesehen, sah er nicht irre gut aus? So einen wie den will ich haben!“
Ihr Gesicht sprach Bände: „Was, du hast den Kerl da angeschaut, noch dazu im Vorbeigehen, und denkst jetzt, dass er dir gefällt? Das kann doch echt nicht sein. Ich glaube, du spinnst ein bisschen“.
„Nein. Ich wünschte, du könntest mein Herz klopfen hören, und meine weichen Knie spüren. Mir ist das ja auch noch nie passiert. Ich weiß selber nicht was es ist, aber ich bin mir sicher, und dass klingt jetzt auch ganz blöd, aber ich sag dir: den oder keinen!“
Sie schüttelte den Kopf und ging.
Ich war fest entschlossen zu warten, bis er wieder nach unten kam.
Nur leider rief in diesem Moment meine Mutter nach mir und ich musste ins Haus kommen, um ihr zu helfen.
Als ich dann wieder aus dem Fenster sah, war der VW weg. Schade, ich hätte ihn so gerne noch mal gesehen.
Ich dachte nach, wie ich jetzt herausfinden sollte, wer er war, und ob er überhaupt noch mal wiederkommen würde. Ich war sehr unruhig. Meine Mutter wollte wissen, ob was nicht in Ordnung sei. Ich konnte ihr aber doch jetzt nicht sagen, was passiert war. Sie würde mich für verrückt erklären lassen. Also schwindelte ich, dass ich Kopfschmerzen habe und ging dann schlafen.
Aber von Schlafen war natürlich keine Rede. Ich musste einen Plan aushecken. Ich konnte meinen Freundinnen nicht davon erzählen. Sie waren dafür noch zu „klein“.
Ich hätte es selbst auch nicht verstanden, wenn es einer Freundin von mir vorher passiert wäre.
Wissen Sie, ich war erst vor kurzem dreizehn geworden.
Am nächsten Morgen ging es in die Schule. Ich hatte natürlich keinen Kopf für etwas anderes. Meine Freundin Monika wollte wissen, was los war. Ich konnte es ihr nicht sagen, weil ich Angst hatte, ausgelacht zu werden. Es ist scheußlich, sich so gut zu fühlen und niemandem etwas davon erzählen zu können.
Ich überlegte es mir anders und erzählte es ihr.
Sie lachte mich aus.
„Du bist ja echt bescheuert.“
„Nein, das bin ich nicht, ich weiß nicht warum, aber ich spüre einfach, dass etwas ganz Besonderes geschehen ist“.
Ich war total entmutigt. Was sollte ich nur machen? Ach, man hatte es schon schwer …
Klar, meine Freundinnen schwärmten für die Jungs in unserer Klasse. Ich hingegen für einen Mann – und was für einen.
Als ich wieder heimkam, ging ich planmäßig, und mit klopfenden Herzen, zu unseren Italienern hoch.
Lina machte auf: „Ja, grüß dich, was treibt dich denn her?“
Ich wurde sofort knallrot: „Nichts, bin nur mal so vorbei gekommen.“
„Na komm rein, ich mach uns einen schönen Espresso.“
Wir unterhielten uns ein bisschen über alles und nichts.
Ich wusste einfach nicht, wie ich das Thema auf die gestrigen Besucher bringen sollte. Es war wie verhext. Ich musste all meinen Mut zusammennehmen, dann fragte ich sie.
Sie lächelte: „Das waren gute Freunde aus unserem Dorf in Italien, die jetzt in München wohnen. Sie sind gekommen, um zu schauen, wie es hier in unserer Stadt ist. Weißt du, München ist ein teures Pflaster. Sie haben uns gefragt, wie es bei uns klappt. Wir haben ihnen erzählt, wie es uns geht, und dass man hier ganz gut leben kann. Es ist hier gemütlich, und es lauern nicht an jeder Ecke irgendwelche Gefahren, wie es nun mal in der Großstadt ist. Also kurz und gut, es hat ihnen gefallen. Sie wollen mal schauen, ob sie auch hier eine Arbeit finden können. Und wir suchen ihnen jetzt eine Wohnung hier in der Nähe, und wir können uns öfters sehen.“
Ja, ja, ja, hurra, jubelte es in mir, besser konnte es ja wirklich nicht kommen.
Zu Lina sagte ich ganz scheinheilig. „Ja, ich denke das ist auch viel besser für die beiden, so haben sie ihre Freunde in der Nähe.“
„Stimmt genau, das haben wir auch zu ihnen gesagt, und wir hoffen ehrlich, dass sie eine Arbeit ganz in unserer Nähe finden.“
Ich dachte: „Wenn du wüsstest, wie auch ich mir das wünsche“.
Ich ging wieder. Jetzt hieß es abwarten.
Die Tage waren lang.
Jedes Mal, wenn ich das Geräusch von einem VW hörte, rannte ich zum Fenster um zu schauen, ob er es war. Das war wirklich zum Verrücktwerden.
Ich ging in die Schule, half meinen Eltern im Gasthof. Nichts geschah. Wahrscheinlich hatten sie kein Glück gehabt und keine Arbeit gefunden.
Ich war traurig. Meinen Eltern bemerkten natürlich, dass etwas nicht in Ordnung war. Leider konnte ich ihnen nicht sagen, was mit mir los war. So erfand ich immer etwas anderes, warum ich so komisch war.
Dann endlich! Ich kam gerade von meiner Freundin zurück, da stand er – der VW-Bus, als hätte er immer dort gestanden und wäre nie weg gewesen.
Mein Herz schlug so schnell, dass ich Angst bekam. Was sollte ich jetzt tun?
Egal, was auch immer sie denken würden, ich ging, natürlich rein zufällig, zu Lina hoch.
Als sie mir öffnete, zog sie erstaunt die Augenbraunen hoch.
„Was machst du denn schon wieder hier?“
Sie sah mich an, wie man Kinder ansah, die lästig wurden.
„Komm rein, wir trinken gerade einen Kaffee. Magst du auch einen? Setz dich. Das sind übrigens unsere Freunde von denen ich dir erzählt habe. Darf ich sie dir vorstellen, dass sind Tino und sein Bruder Antonio.“
Ich wurde wieder knallrot. Verflixt, dass war ja richtig peinlich.
Ich wagte es nicht aufzuschauen. Er, mein Traummann, hieß also Tino. Was für ein Name, typisch italienisch. Auf einmal merkte ich, dass Lina mich eindringlich ansah und die anderen lächelten.
Ich hatte den Rest der Vorstellung verpasst.
Die beiden reichten mir freundlich die Hand. Aber als ich die von Tino berührte, ging ein Stromschlag durch mich. Ich glaubte, dass auch Tino ihn gespürt haben müsse.
Lina erklärte den beiden wer ich war. Wir tranken Kaffee. Tino erzählte, sie hätten jetzt endlich hier in der Nähe Arbeit gefunden. Er sprach ein sehr gebrochenes Deutsch.
Ich sah ihn verstohlen an. Wie schön er doch war. Saß lässig auf dem Sessel, rauchte seine Zigarette, seine Stimme war ein wenig rau, richtig sexy. Ich wünschte ihn ganz nah an mich heran. Ich wollte ihn anfassen, seine Haut riechen, ich wollte ihn küssen. Ich war total verwirrt. So etwas hatte ich mir noch nie gewünscht. Überhaupt, ich wusste nicht mal wie es war, wenn man sich küsst.
Ich fühlte mich auf einmal beobachtet und als ich aufsah, lag sein Blick auf mir.
„Einen Penny für deine Gedanken. Wo warst du denn gerade? Dein Blick war so sehnsüchtig“.
Ich lächelte, und versuchte mir sein Gesicht vorzustellen, wenn ich, eine Dreizehnjährige, ihm sagen würde, dass ich ihn klasse fand und mit ihm alles Mögliche anstellen würde. O je, das wär mal was.
Nein, ich brauchte ganz schnell eine Notlüge.
„Ich war mit meinen Gedanken in Italien – Urlaub, Ferien. Ich frage mich, wie es dort wohl jetzt ist. Wisst ihr, ich liebe Italien. Sonne, Pizza, Sand und Meer. Schon immer wollte ich da mal hin“.
„Ach“, Lina schaute mich misstrauisch an, „davon weiß ich ja gar nichts“.
Ich streckte ihr die Zunge heraus: „Darüber haben wir auch nie geredet. Wie solltest du es da auch wissen?“
„Ich kann dir viel erzählen. Italien ist ein tolles Land. Wir vermissen es sehr.“
Tino hatte einen traurigen Ausdruck in seinen Augen.
„Weißt du, dort wo wir her sind, gibt es fast keine Arbeit. Es gibt viel Landwirtschaft, aber davon alleine kann man wohlweislich nicht leben. Unser Vater ist auch krank und schwach, so müssen wir eben helfen. Er war lange in Gefangenschaft, auch noch nach dem Krieg, und fühlt sich nicht gut. Aber wir sind auch hier, weil wir uns da unten ein Haus bauen möchten. Unsere Heimat fehlt uns aber schon sehr.“
Lina hatte für ihre Freunde das Abendessen vorbereitet und lud auch mich ein, doch zu bleiben. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Es gab Spaghetti.
Da ich Eltern habe, denen Nudeln nicht unbedingt schmecken, hatte ich keine Ahnung, wie man diese um die Gabel gewickelt bekam. Ich nahm kurzerhand ein Messer, um sie klein zu schneiden.
Tino sah mich entsetzt an: „Das kann jetzt nicht dein Ernst sein. Du willst die Spaghetti klein schneiden? Ja, weißt du denn nicht, wer Spaghetti klein schneidet, zerschneidet das Herz der Köchin.“
Klasse! Ich wurde knallrot, kam mir wie eine Vollidiotin vor.
„Du kannst sie nicht um die Gabel wickeln, oder?“
Tino kam zu mir rüber. Er nahm mir die Gabel aus der Hand und zeigte mir, wie man geschickt Spaghetti isst. Er wickelte sie in Zeitlupentempo um meine Gabel, was für mich schon wieder etwas Erotisches war, und wollte sie mir in den Mund stecken, als die Spaghetti sich selbstständig machten und auf meinem Rock landeten.
Sofort versuchte er, den Rock sauber zu machen. Dabei lachte er von ganzem Herzen.
Mir aber wurde ganz heiß. Ich spürte seine starken Hände, die über meine Beine strichen. Ein wunderbares Gefühl. Mir wurde ganz komisch. Ich wusste nicht, wie mir geschah. So etwas hatte ich noch nie erlebt, was auch normal war, da ich noch zu „klein“ für so etwas war, oder?
Er aber plapperte weiter lustig drauflos, so als habe er nicht bemerkt, dass ich ganz rot und still war.
„Los, probier es noch mal, und schau dass du sie in den Mund bekommst.“
Dieses Mal klappte es. Ich war ganz stolz.
Es wurde ein lustiger Abend. Sie erzählten von Traditionen und Bräuchen, die in ihrem Land herrschen. Von den großen, kinderreichen Familien, in denen es lustig zugeht, trotz aller Armut.
Als wir uns dann voneinander verabschiedeten, gab er mir seine Hand. Ich glaube, ich hielt sie etwas zu lange fest, denn er grinste frech und sagte: „Bekomme ich sie wieder, oder willst du sie nicht mehr loslassen?“
Verflixt, ich lief wieder rot an. Nein, ich wollte sie nicht mehr loslassen, sie war so stark, so warm. Ich zögerte noch den Bruchteil einer Sekunde, und ließ sie los.
Sie riefen uns fröhlich „Ciao, a presto“ zu, und weg waren sie.
Ich fragte Lina, während wir schnell den Abwasch machten, wann sie denn anfangen würden, hier zu arbeiten. Sie meinte, es würde noch einen Monat dauern, da auch die Wohnung nicht so schnell verfügbar war. Auf die Frage, wo denn die Wohnung sei, lächelte sie und sagte, das sei auch noch nicht sicher.
Also musste ich mich wieder in Geduld fassen.
Am Mittwoch hatten wir Ruhetag, das Gasthaus war geschlossen und wir fuhren meistens fort.
Ich habe auch noch zwei kleine Schwestern. Mit der ganzen Familie fuhren wir an den freien Tagen weg. Wir machten Tagesausflüge mit unseren Eltern, an besondere Orte.
Schlösser, Seen und so ziemlich alles, was in Bayern und Umgehung sehenswert war, haben wir besucht. Auch Österreich und die Schweiz waren oft unsere Ziele, da sie nicht weit entfernt und mit einer Tagestour erreichbar waren. Urlaub machten wir nie, da meine Eltern ihr Gasthaus nicht schließen wollten.
Als wir von einem unserer Ausflüge wiederkamen, fand bei uns gegenüber ein großes Treiben statt, es sah nach einem Umzug aus.
Ich ging zu den Nachbarn, wo meine beste Freundin wohnte, um zu sehen, wer denn die Neuankömmlinge waren.
Ich glaubte, meinen Augen nicht zu trauen, konnte mein Glück nicht fassen. Es war Tino, mit seinem Bruder.
Als sich unsere Blicke trafen, wurde mir sofort schwindlig. Was war nur mit mir los? Wenn ich seinen Bruder ansah, geschah nichts, bei ihm spielte mein Körper verrückt.
Oh mein Gooooooooott! Und wie verrückt!
Er kam auf mich zu.
Ich überlegte, was ich ihm sagen wollte. Mir fiel nichts ein. Er gab mir seine Hand. Zack, da war er wieder, der Stromschlag. Ich weiß gar nicht, wie ich all diese Stromschläge überleben konnte.
„Ciao, mia bella Signorina, wie geht es dir, hast auch schön brav geübt, wie man Spaghetti isst?“
„Natürlich habe ich das, ich will mich doch nicht noch mal blamieren. Ihr habt ja gar nicht gesagt gehabt, dass ihr hier eine Wohnung gefunden habt!“
„Überraschung! Ist sie gelungen?“ Er sah mich fragend an. „Ich hatte den Eindruck, dass es dich freut, uns in deiner Nähe zu haben.“
„So, hast du den gehabt?“ Ich lächelte.
Er hatte also doch bemerkt, dass er mir nicht egal war. Ich war glücklich. Bis jetzt hatte ich dieses Gefühl noch nicht gekannt. Klar ich war froh, wenn ich eine gute Note bekam, was zurzeit auch schon an ein Wunder grenzte, da ich sowieso nur noch an Tino dachte. Ich bekam ihn nicht mehr aus dem Kopf. Er war immer in meinen Gedanken.
So zogen sie also ein. Ich war glücklich. Ich war froh. Dieses unerklärbare Gefühl. Ich fühlte mich wie im siebten Himmel. Puh, es war einfach schön.
Natürlich musste ich nun herausbekommen, was er für einen Tagesablauf hatte, wann er arbeiten ging, wann er wieder heimkam usw.
Das festzustellen war leichter, als ich gedacht hatte. Er ging nämlich aus dem Haus, wenn auch ich in der Früh in die Schule ging. Da ich den ganzen Tag über Schule hatte, kamen wir nachmittags auch gleichzeitig zurück.
Abends war er bei seinen bzw. unseren Freunden oben. Oft kam er auch in unser Gasthaus. Wenn er oben bei unseren Italienern war, ging ich auch meistens ganz „zufällig“ hinauf. Wenn er im Gasthaus war, hatte ich natürlich immer Dienst. Wahrscheinlich kam er sich verfolgt vor.
Ich hatte aber auch ein Glück, mein Fenster war genau gegenüber von seiner Haustür. Er hatte keine Chance, meiner Kontrolle zu entkommen, denn ich hing meistens in der Nähe vom Fenster herum. Ich war eine richtige Detektivin geworden.
Er ging jeden Tag arbeiten. Aber eines Tages kam er nicht zur gewohnten Zeit heraus. Ich wartete, weil er mir jeden Morgen, wenn er aus dem Haus kam, ein fröhliches „Ciao“ zurief, und das war zu der Zeit „lebenswichtig“, für mich geworden.
Aber er kam und kam nicht. Auch am nächsten Morgen – nichts. Ich wurde unruhig. War ihm etwa was passiert?
Ich ging Lina fragen.
„Er ist im Krankenhaus. Er muss an der Schilddrüse operiert werden.“
Ich blieb einen Augenblick sprachlos.
Sie sah mich prüfend an und sagte: „Hör mal, ich glaube, wir beide müssen mal ein ernstes Wort miteinander reden.“
Ich wurde ganz verlegen.
„Setz dich bitte. Ich denke, ich habe verstanden, was in dir vorgeht. Du hast dich in Tino verliebt. Das habe ich gleich von Anfang an bemerkt. Ich dachte aber auch, dass es nur eine Teenager-Liebe ist, ein verknallt sein. Jetzt aber denke ich das nicht mehr. Ich merke, dass du ihn wirklich magst. Und ich muss dir sagen, das ist nicht gut. Er ist zu alt für dich. Mensch Kleine, du bist erst dreizehn. Du musst dir jemanden suchen, der in deinem Alter ist. Außerdem, meine Liebe, der Tino ist verlobt.“
Ich hatte bis jetzt teilnahmslos zugehört, denn all das, was sie mir gesagt hatte, habe ich auch schon hundert Mal gedacht, aber dass er verlobt war, ja das saß. Es schlug wie eine Bombe ein. Mir wurde schlecht. Ich muss käseweiß geworden sein, denn Lina sprang auf und holte mir ein Glas Wasser. Sie sah mich besorgt an.
„Hey, jetzt komm schon, es gibt so viele Männer, oder in deinem Fall Jungs, auf der Welt. Tausende von hübschen Jungs. Warum muss es ausgerechnet Tino sein?“
Ich sah sie an: „Du hast es gerade selber gesagt, weil ich ihn liebe. Ich kann nicht mehr klar denken, seit ich ihn getroffen habe. Mein Herz klopft wie wild, wenn ich ihn sehe. Meine Knie werden weich. In meinem Magen flattern tausende von Schmetterlingen. So etwas ist mir noch mit keinem Jungen passiert. Nein, das ist die ganz große Liebe, einzigartig.“
Sie sah mich nur stumm an.
„Ich kann ihn mir nicht aus dem Kopf schlagen. Wie denn auch?“
Ich wurde traurig. Was sollte ich denn nun machen. Er war verlobt. Wie Lina mir erzählte, war seine Verlobte eine hübsche junge Frau. Wie Italienerinnen eben sind. Schön, braungebrannt, langbeinig, schlank und voller Temperament.
Ich hingegen war blond, dick, mit einer Brille auf der Nase, so weiß wie weiße Schokolade und zehn Jahre zu jung. Klasse, nicht? Ich hatte auch nicht die kleinste Chance, von ihm beachtet zu werden. Und schon gar nicht auf die Weise, wie ich ihn sah.
Ich ging heim und heulte den ganzen Tag.
Mutti wollte wissen, was denn los sei. Ich gab keine Antwort. Meine armen Eltern, sie tun mir noch jetzt leid, wenn ich nur dran denke. Sie konnten beim besten Willen nicht ahnen, was mit mir los war.
Ich überlegte, was ich bloß machen könnte. Ich wollte nicht aufgeben. Ich wusste – und ich hatte Recht gehabt, wie sich dann später herausstellte –, er ist der Richtige. Ihn und nur ihn, wollte ich haben.
Ich musste um ihn kämpfen. Wenn ich doch nur ein paar Jahre älter wäre. Das würde alles viel einfacher machen. Aber nun war es halt so, er war verlobt. Das musste ich einfach vergessen. Außerdem, wie heißt es doch so schön: In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt.
Mir fiel auf, dass ich eigentlich am längeren Hebel saß, denn die Verlobte war ja weit weg. Ich bin wirklich ein böses Mädchen. Dieser armen Ragazza einfach den Freund ausspannen wollen, nein, so etwas tut man doch nicht. Ich lächelte schon wieder, hätte nie gedacht, zu so etwas fähig zu sein. Und noch dazu keine Gewissensbisse zu haben.
Okay, ich entschied mich, ihn im Krankenhaus zu besuchen. Ich wusste zwar nicht, was ich ihm sagen würde, aber darüber würde ich mir den Kopf zerbrechen, wenn es soweit war. Der Bus kam, ich stieg ein und fuhr ins Krankenhaus.
Haben Sie schon mal versucht, jemanden im Krankenhaus zu finden, ohne dass sie seinen Nachnamen kannten? Genau, Sie haben richtig gehört. Ich wusste nicht mal, wie er richtig hieß.
Ich hatte vergessen, Lina zu fragen. Wie blöd von mir.
An der Information erkundigte ich mich, auf welcher Station man liegt, wenn man sich an der Schilddrüse operieren ließ. Dann fuhr ich hoch.
Der Stationsarzt wollte wissen, wen ich suchte. Ich erklärte ihm, dass es ein Freund war, dessen Nachnamen ich nicht wüsste. Er wollte dann den Vornamen wissen. Aber auch dieser war nicht bekannt, da es sich um eine Abkürzung zu handeln schien. Schließlich erlaubte mir der Doktor, einfach so durch die Station zu gehen, um zu sehen, ob ich ihn ausfindig machen konnte.
Und ich fand ihn.
Da lag er nun, meiner armer Schatz. Fix und fertig war er. Er schlief. Ich fuhr ihm leicht über die Wange. Er wachte auf, sah mich überrascht an.
Leise flüsterte er: „Was machst du denn hier?“
„Dich besuchen.“
Er sah mich einfach nur an.
Dann sagte er: „Das ist nicht gut“.
„Ich weiß“, sagte ich, „aber ich konnte nicht anders.“
Er schloss die Augen und mir schien, als ob ein kleines Lächeln in seinem Gesicht zu sehen war. Für mich eine kleine Hoffnung.
Die Krankenschwester kam und meinte, es wäre besser, ihn ruhen zu lassen. Ich ließ ihn alleine.
Jeden Tag fuhr ich zu ihm ins Krankenhaus. Wir redeten nicht viel. Ich half ihm beim Essen und bei Kleinigkeiten, die er selber nicht tun konnte.
Dann wurde er entlassen.
Für ein paar Tage sah ich ihn nicht, da er nicht aus seiner Wohnung kam und ich mich nicht traute, zu ihm zu gehen, weil er nicht alleine dort wohnte. Endlich aber fing er an, spazieren zu gehen, und ich begleitete ihn.
Es waren lange, ruhige Spaziergänge.
Eines Tages sah er sehr ernst aus. „Was denken eigentlich deine Eltern darüber, dass du immer mit mir unterwegs bist?“
„Sie wissen es nicht“, sagte ich.
„Wie alt bist du eigentlich?“
„Was denkst du denn, wie alt könnte ich sein?“
Er sah mich an und sagte: „Du bist auf jeden Fall noch zu klein für mich. Denk doch mal nach, ich bin fünfundzwanzig. Wir kommen in Teufelsküche. Du bist minderjährig. Weißt du, was alleine das für mich bedeutet?“
Ja, ich wusste, was das bedeuten konnte. Aber ich war fest entschlossen, nicht vernünftig zu sein.
Also dachte ich mir etwas Neues aus. Ich fragte ihn, ob er nicht lernen wolle, besser deutsch zu sprechen. Auf jeden Fall, lautete seine Antwort. Da auch ich italienisch lernen wollte, trafen wir uns jeden Nachmittag bei uns im Biergarten zum Lernen.
Es war richtig gut. Wir hatten jede Menge Spaß. Wir lernten, blödelten aber auch herum und kamen uns näher.
So verging der Sommer.
Der Winter war ein richtiges Problem.
Wo sollten wir uns denn jetzt treffen? Bei ihm ging es nicht. Ich hatte Angst, dass sein Vermieter mich bei meinen Eltern verpetzte. Bei mir ging es schon gar nicht, weil meine Eltern nicht wollten, dass ich mit so großen Jungs herumhing.
So trafen wir uns nur noch, wenn er von der Arbeit kam, oder ich aus der Schule.
In der Schule konnte ich mich auf nichts mehr konzentrieren. Meine Freundinnen wunderten sich darüber, dass ich nur noch vor mich hin träumte. Kein Wunder also, dass ich sitzen blieb. Eine Schande, großer Gott, ich hatte nicht mal realisiert, wie schlecht meine Noten waren. Jetzt hatte ich den Salat. Ich würde ein Jahr länger in die Schule gehen müssen.
Scheiße! Entschuldigung.
Was würde jetzt Tino von mir denken? Wahrscheinlich, dass ich dumm bin. Damit hätte er auch recht.
Ja, mein Traummann, der nicht mal wusste, dass er mein Traummann war – sicher hatte er bemerkt, dass ich hinter ihm her war, blöd war er schließlich nicht, aber wie ernst es mir war, wusste er ganz bestimmt nicht.
Später hat er mir mal gesagt, dass er schon gedacht hatte, dass ich ein bisschen verknallt in ihn war. Er hatte sich sogar etwas darauf eingebildet, aber er hätte sich mich nie als seine ideale Lebensgefährtin vorstellen können.
Na ja, zu dem Zeitpunkt war ich erstens jung und zweitens keine Schönheit, also nicht so, wie sich ein junger Mann seine Zukünftige vorstellt. Und außerdem war er schon vergeben.
Auch der Winter ging vorüber.
Ich war ein Jahr älter geworden. Er auch!
Ich war immer noch verliebt bis über beide Ohren. Es ging einfach nicht weg, dieses ewige Gefühl, total neben der Spur zu sein.
Wir gingen wieder spazieren und spielten Federball. Ich war gut, er auch. Wir spielten oft ganze Nachmittage durch. Speziell an den Wochenenden. Außer wenn er Fußball spielen ging, dann waren wir alle auf dem Fußballplatz. Mittlerweile hatten sich alle seine Freunde daran gewöhnt, dass ich überall mit dabei war.
„Was willst du eigentlich machen, wenn du groß bist?“
GROSS!!?? Verflixt, ich kam mir richtig blöd vor. Wollte er denn nicht sehen, oder konnte er es nicht sehen, dass ich kein Baby mehr war?
„Eigentlich dachte ich, nicht mehr klein zu sein. Ich fühle mich schon erwachsen.“ (Klar mit vierzehn ist man ja auch schon soooo erwachsen!).
Sicher dachte er das auch, hatte aber nicht den Mut, mir das zu sagen.
Ich wurde wieder mal zur Abwechslung knallrot.
„Du wirst lachen, aber ich habe mir immer eine Familie gewünscht. Ich will heiraten.“
Er lachte mich aus: „Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Du willst ein Hausmütterchen werden? Es gibt so viele schöne Berufe, mit denen man einen Haufen Geld verdienen kann. Du willst zu Hause rumsitzen?“
Ich sagte ihm, dass es für mich mehr war. Ich wollte zu Hause sein, wenn mein Mann von der Arbeit kam, es mir mit ihm gemütlich machen. Falls ich je Kinder haben sollte, wollte ich diese gut erziehen, für sie da sein. Mit ihnen spielen, lernen und glücklich sein. Das ist mein Traum. Ein schönes Zuhause.
„Du klingst ja fast wie eine Italienerin. Aber wie eine von früher. Die von heute wollen die Gleichberechtigung schon auch“.
Das war mir egal. Mein Traum war er, und eine Familie.
Die Tage flogen weiter vorüber.
Und dann war er auf einmal nicht mehr da.
Er fuhr nicht zur Arbeit. Auch bei ihm zu Hause war immer alles dunkel. Ich war todtraurig, total verunsichert und stinksauer. Warum hatte er mir nichts von seiner plötzlichen Abwesenheit gesagt. Konnte er sich denn nicht denken, dass ich mich sorgen würde? Ich meine, auch wenn wir nur Freunde waren, hätte er mir doch Bescheid sagen können, wir waren doch jeden Tag beieinander.
Meine Italiener waren auch nicht da. Sie waren nach Italien gefahren. Ich konnte nur hoffen, dass Tino nichts passiert war. Und warten.
Warten ist zu einer meiner großen Tugenden geworden. Auch heute noch warte ich immer auf irgendetwas.
Eines Tages sah ich ihren Vermieter vom Einkaufen kommen.
Ich fasste Mut und fragte nach seinen Untermietern, die man schon seit ein paar Tagen nicht mehr sah.
„Oder“, fragte ich scheinheilig, „sind die schon wieder ausgezogen?“
„Ach was“, meinte dieser lächelnd. „Die sind nach Hause gefahren. Mir fehlen sie direkt, denn wenn sie zu Hause sind, nehmen sie mich im Auto zum Einkaufen mit und ich muss mich nicht mit den Tüten rumplagen. Weißt du, eigentlich wollte nur der Kleine weg, (Tinos Bruder war zehn Zentimeter kleiner als mein Schatz), weil der Chef nicht beiden gleichzeitig Urlaub geben wollte, aber am Morgen der Abfahrt hat der wohl noch angerufen und auch dem anderen Urlaub gegeben, weil irgendeine Maschine kaputt gegangen war. Also sind beide gefahren. Ja, ins schöne Italien, die Glücklichen.“
„Na dann“, sagte ich, „auf bald.“
Ich war unglaublich froh, dass es ihm gut ging. Und da er es nicht vorher gewusst hatte, konnte er mir auch nicht Bescheid sagen. Alles war wieder in Butter.
Sie haben sicher den Stein gehört, der mir vom Herzen gefallen ist. Es ging ihm gut, und er hatte mir nichts von der Reise sagen können, weil er selber bis zum letzten Moment nicht wusste, dass auch er wegfahren würde.
HURRA, HURRA, HURRA.
Jetzt hieß es nur warten, warten, warten.
Wann würde er denn wiederkommen?
Ich musste noch zwei ganze Wochen warten.
Ich kam aus der Schultüre raus und da stand er. Das heißt, er saß in seinem Wagen und sobald er mich sah, stieg er aus und kam mir entgegen.
Mein Gott, wie schön er doch war. Leicht zerzaustes Haar, hautenge Hosen und einen hübschen Rolli. Braungebrannt, man hätte meinen können, es wäre schon Hochsommer. Meine Freundinnen standen mit offenen Mündern da. Sie hatten ihn noch nie gesehen und nicht gedacht, so sagten sie mir später, dass er so wahnsinnig gut aussah.
Er kam mir, wie gesagt, entgegen. Ich hatte wieder das Gefühl, dass mir der Atem fehlte.
„Ciao, mia bella“, sagte er und schmatzte mir zwei Küsse links und rechts auf die Wangen.
Da ich mich etwas zu langsam drehte, landete einer seiner Küsschen direkt auf meinen Mund. Ich dachte, ich würde ohnmächtig werden. Was für schöne weiche, warme Lippen er hatte! Er tat so, als sei nichts geschehen.
„Na, wie geht es dir denn so?“
Oh, ich war noch ganz außer mir: „Du hast mir ja so gefehlt. Es ist so schön, dich wieder zu sehen“.
Er sah mich prüfend an: „Du hast mir auch ein bisschen gefehlt“.
Dann lächelte er wieder, zeigte mit der einladenden Hand auf das Auto und meinte: „Taxi gefällig?“
„Ja“, ich hatte zwar Angst, dass man uns zusammen sah, aber das war mir heute gleich. Endlich war er wieder da.
„Sag mal, was ist denn los gewesen? Ich habe mich so sehr gesorgt. Du warst auf einmal weg und ich wusste nicht, ob dir was passiert war“.
Er sah mich betroffen an.
„Ich wollte dir keine Angst machen. Wenn ich gewusst hätte, dass du dich so sehr sorgen würdest, hätte ich einen Weg gefunden, dich zu informieren.“
