Deutschland 2045 - Louis Burke - E-Book

Deutschland 2045 E-Book

Louis Burke

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Beschreibung

1945. Deutschland ist zerstört, der Feind rückt immer näher. Adolf Hitler und seine engsten Vertrauten sitzen im Führerbunker und hoffen, dass es die deutsche Armee noch schafft, den Feind aufzuhalten. Doch vergebens, die russische Armee rückt mit jeder Stunde die vergeht immer weiter vor. Alle Anwesenden im Bunker fürchten die Rache der Russen oder sogar eine Gefangenschaft, der letzte Ausweg ist Selbstmord. Doch was niemand wusste, außer Eva Braun, Adolf Hitler und eine vertraute Krankenschwester, dass der Name Hitler nicht ausgestorben war.

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Seitenzahl: 360

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Deutschland 2045

Nach einer Idee von „Deutschland schafft sich ab“ und „Vaterland“.

Dies ist eine rein erfundene Geschichte. Alle Namen sind reine Fiktion und stehen in keinem Zusammenhang mit lebenden Personen.

Autor:          Louis Burke

© 2019 Louis Burke

Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7482-2534-8

Hardcover:

978-3-7482-2535-5

e-Book:

978-3-7482-2536-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich ge- schützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbrei- tung und öffentliche Zugänglichmachung.

Vorwort:

1945. Deutschland ist zerstört, der Feind rückt immer näher. Adolf Hitler und seine engsten Vertrauten sitzen im Führerbunker und hoffen, dass es die deutsche Armee noch schafft, den Feind aufzuhalten. Doch vergebens, die russische Armee rückt mit jeder Stunde die vergeht immer weiter vor. Alle Anwesenden im Bunker fürchten die Rache der Russen oder sogar eine Gefangenschaft, der letzte Ausweg ist Selbstmord. Doch was niemand wusste, außer Eva Braun, Adolf Hitler und eine vertraute Krankenschwester, dass der Name Hitler nicht ausgestorben war.

Kapitel 1

Fremde Hilfe

Die Russen haben den Führerbunker erreicht. Als sie den deutschen Führer tot auffanden, waren sie schockiert und enttäuscht zugleich. Sie wollten den Führer gefangen nehmen und Stalin vorführen. Das Deutsche Reich begann zu brechen, Soldaten wurden festgenommen und hingerichtet. Die, die Glück hatten, wenn man es Glück nennen konnte, kamen in russische Gefangenschaft. Menschen flüchteten vor den näherkommenden Russen in den Westen. Generäle und Admiräle kapitulierten vor lauter Angst. Die übriggebliebenen Großmächte zerbrachen das Deutsche Reich wie ein Stück Brot. Die Russen bekamen den Osten, die Briten den Norden, die Franzosen den Westen und die Amerikaner machten sich im Süden breit. Alle waren sich sicher, dass es kein weiteres Reich mehr geben sollte. Denn alle vier Großmächte glaubten, dass die Gene des Führers mit ihm gestorben sind. Auch Traudl Wolf, die vertraute Krankenschwester des Führers und beste Freundin von Eva Braun, bemerkte den Einmarsch der Russen. Ziemlich zügig wollte sie die Gegend um Obersalzberg verlassen. Gerade als sie den Sitz von Hitler verlassen wollte, hörte sie das Babygeschrei. Sie wusste, dass die zukünftige Zeit im deutschen Reich alles andere als rosig werden würde. Ein Baby konnte sie wahrlich nicht gebrauchen. Es würde sie aufhalten, man würde durch das Geschrei auf sie aufmerksam werden, und genug Geld und Lebensmittel hatte sie auch nicht. Während sie versuchte das Geschrei auszublenden, dachte sie an ihre beste Freundin Eva zurück und was sie ihr versprochen hatte. Seit dem Tag seiner Geburt passte sie immer auf Friedrich Wilhelm auf. Jedes Mal, wenn Besuch kam, versteckte sie sich zusammen mit dem Baby auf dem Dachboden. Dies geschah alles auf Wunsch des Führers, denn er wollte erst sehen, wie sich sein Nachkomme entwickelt, bevor er ihn der Welt preisgeben würde. Er hatte Angst, dass das Kind eine Schmach für ihn werden könnte. Am Tag seiner Geburt hatte Traudl Eva versprochen, dass sie immer für Friedrich Wilhelm da sein werde. Und genau das machte sie jetzt auch. Sie ging nach oben und holte das Baby und die Geburtsurkunde. Diese nahm sie allerdings nur mit, um alles, was auf seine Herkunft deutete, zu verbergen. Doch vernichten konnte sie das Dokument nicht. Sie zog ihren Schuh aus und versteckte dieses, für sie wertvolle Papier, in dem Schuh. Mit der Urkunde und Friedrich rannte sie so schnell wie möglich aus dem Haus. Ihr Ziel war es, so unauffällig wie es nur ging, zu flüchten. Sie wollte sich irgendwo in dem Norden absetzten, vielleicht nach Dänemark oder Schweden. Der Grund hierfür war die Angst vor den Verrätern aus Italien. Allerdings waren die immer noch besser als die Russen. Bevorzugt lief sie über die Felder und durch Wälder, nur wenn es nicht zu vermeiden war, nahm sie die Straße, die sie sonst versuchte zu meiden. Nicht etwa, weil sie die Straße nicht mochte, sondern weil sie Angst vor fremden Menschen hatte. Auf ihrem Weg war sie über jedes wildwachsende Obst dankbar. Sie zerkaute es und spuckte es auf ihre Hand, damit versuchte sie Friedrich wenigstens ein wenig zu sättigen. Auch wenn ein Tag gut lief und sie das Baby sättigen konnte und nicht geschnappt wurde, wusste sie, dass der nächste Winter irgendwann kommen würde. Am liebsten hätte sie den Kleinen im Wald liegen lassen und wäre davongelaufen, doch jedes Mal, wenn er sie anlächelte war alles wieder vergessen und ihre Welt war nur noch halb so schlimm. Kontakte mit Menschen konnte sie allerdings nicht ganz vermeiden, gerade in den kleineren Dörfern tobte sich die russische Armee aus. Männer, die zu kurze Haare hatten, wurden geschlagen, Frauen wurden gedemütigt und vergewaltigt. Häuser wurden durchsucht, nicht eins ließen sie aus. Wenn sie etwas aus dem deutschen Reich fanden, eine Fahne oder nur ein kleiner Anstecker mit dem Hackenkreuzsymbol, wurde das Haus niedergebrannt und die Menschen erschossen. Es hatte ganz den Anschein als wäre es den Russen egal gewesen ob da kleine Kinder dabei waren. Jeder im Dorf missbilligte diese Haltung, weil die Kinder nichts für die Vergehen der Eltern konnten. Traudl versuchte so wenig wie möglich dort hinzusehen, doch ganz wegschauen konnte sie nicht. Zulange wollte sie sich auch nicht in den Dörfern aufhalten, sie hatte Angst, dass der Russe auch sie vergewaltigen könnte. Je weiter sie in den Osten ihres Landes ging, umso mehr Menschen kamen ihr entgegen. Es war ein absolutes Chaos. Die Menschen, die einen Wagen hatten, zogen ihr weniges Hab und Gut davon. Andere, die nicht so viel besaßen, liefen hinterher. Das Wort Nächstenliebe gab es unter ihrem eigenen Volk nicht mehr. Die Starken rannten weg und die Schwachen mussten leiden. Wahrscheinlich war es das Recht des Siegers mit dem Besiegten das zu machen, was er wollte. Kurz vor einem kleinen Wäldchen wurde auch sie von einem Russen angesprochen. Aus Angst davor, dass er sie erschießen könnte, blieb sie stehen. Zuerst war er sehr freundlich und lächelte Traudl an, doch mit der Zeit wurde er immer aufdringlicher. Er musterte sie von oben bis unten und fasste ihr an den Arsch. Nachdem er merkte, dass sie sein eindeutiges Angebot ablehnte, schlug er ihr ins Gesicht und versuchte sie zu küssen. Aus Angst davor was geschehen könnte trat sie ihm in seine Hoden und schubste ihn zurück. Als sie den Russen am Boden sah, wurde ihr klar, was sie gemacht hatte: sie hatte damit ihr eigenes Todesurteil besiegelt. Ihr war klar, wenn der Russe sie jetzt kriegen würde, dann würde sie ihre Strafe bekommen und anschließend hingerichtet werden. Dasselbe galt auch für den quengelnden Friedrich Wilhelm. Panisch drehte sie sich um und rannte in den Wald. Der Russe schrie und zwei weitere Männer kamen dazu. Jetzt wurde Traudl von drei Soldaten der russischen Armee gejagt. Das Waldstück in das sie lief, war schneller wieder zu Ende, als es ihr lieb war. Auf den Feldern holten die Russen sie sehr schnell ein. Als der erste Russe ihr zu nahekam fiel ein Schuss und Traudls Gesicht färbte sich rot. Bevor jemand verstehen konnte was gerade geschehen war, lag auch schon der zweite Soldat im Feld. Der letzte der Männer wusste nicht, woher die Schüsse kamen. Er drehte sich um und wollte selbst im Wald Schutz suchen. Doch bevor er den diesen erreichen konnte, fiel auch er durch einen Schuss in den Rücken zu Boden. Traudl wusste gar nicht wie ihr geschah. Sie blickte sich um, um zu sehen, wer ihr geholfen hatte. Von einem Baum kletterte ein junger Mann mit einem alten Jagdgewehr herunter. Er näherte sich Traudl mit einem zuversichtlichen Lächeln.

"Guten Tag, ich hoffe sie sind in Ordnung, gnädiges Fräulein?"

Traudl brachte kein Wort heraus, mehr als ein stumpfes Nicken hatte sie nicht übrig. Der junge Herr lief weiter zum Waldstück. Er wollte sich vergewissern, dass die Russen wirklich tot waren. Denn eines war klar, wenn sie überlebt hätten, dann würden alle sterben müssen. Der Russe der in den Rücken getroffen wurde lebte noch. Da es normalerweise nicht seine Art war, jemanden in den Rücken zu schießen, drehte er ihn vorher um. Er hielt ihm sein Jagdgewehr wenige Zentimeter vor die Brust und schoss erneut. Jetzt, wo er sich sicher war, dass alle tot waren, ging er zurück zu Traudl. Nochmal wollte er sich vergewissern, dass alles in Ordnung mit ihr sei. "Guten Tag, ich bin der Lutz, seid ihr in Ordnung?"

Weil Traudl kein Wort sagte, ergriff Lutz die Initiative. Er betrachtete sie von oben bis unten genauer. Nachdem er feststellte, dass alles in Ordnung war, lächelte er sie erneut an.

"Ihr habt mehr als Glück gehabt, dass ihr diesen Weg genommen habt, normalerweise erschieße ich Wild, Rehe und Wölfe. Menschen stehen normalerweise nicht auf meiner Liste. Ihr seht ziemlich erschöpft aus, wenn ihr wollt, dann könnt ihr euch ein wenig auf meinem Hof ausruhen. Allerdings muss ich euch warnen, mein Vater ist ein alter, närrischer Mann."

Dies war Traudl zu diesem Zeitpunkt egal, sie wusste wie viel Glück sie hatte und dafür war sie Lutz sehr dankbar. Sie begleitete Lutz zu seinem Hof und wich ihm keine Sekunde mehr von der Seite. Auf dem Hof angekommen sah sie einen alten, skeptischen Mann auf einem Schaukelstuhl sitzen, der seine Pfeife rauchte. "Wurde ja Zeit, dass du wieder zurückkommst, mein Junge. In der Suppe fehlt noch das Fleisch. Was konntest du heute erlegen?"

Erwartungsvoll blickte er seinen Sohn an, Traudl nahm er hingegen noch gar nicht wahr.

"Ich habe noch kein Tier erlegt, ich musste diese junge Dame vor drei Russen retten."

Friedhelm schaute sich jetzt Traudl genauer an.

"Ach, ich habe es dir doch schon immer gesagt, mein Junge. Hüte dich vor Frauen und den Russen. Besonders vor denen, die schon Gepäck mitbringen." Ziemlich gelangweilt hörte sich Lutz die Ausschweifungen seines Vaters an, dabei lächelte er zuversichtlich Traudl an. Nachdem Friedhelm fertig war, flüsterte Lutz Traudl zu:

"Hab keine Angst, der meint es nicht so, normalerweise ist er harmlos und kann keiner Fliege etwas zu Leide tun. Wenn du möchtest, dann kannst du gerne hier auf mich warten."

Traudl war sichtlich erleichtert, doch etwas skeptisch blieb sie dennoch. Zwar fühlte sie sich in Lutz Gegenwart sicher, doch Friedhelm war ihr noch nicht ganz geheuer.

"Vater, du musst mich für einen Moment entschuldigen, ich werde mich jetzt um die drei Russen kümmern." Sofort sprang Friedhelm auf und suchte sein altes Jagdgewehr.

"Mein Sohn, du musst sie hinhalten, ich komme gleich nach. Die sollen bloß ihre dreckigen Hände von meinem Führerbild lassen."

Lutz blickte Traudl an und zuckte mit seinem Schultern. "Vater, die Russen sind schon tot, die werden dein Führerbild nicht anfassen. Ich werde jetzt rausgehen und sie begraben, du kannst solange hier auf mich warten." Friedhelm setzte sich wieder in seinen Schaukelstuhl und starrte auf sein Bild.

"Siehst du Adolf, keine Gefahr, hier bist du sicher, niemand wird dich mir wegnehmen. Wusstest du, dass ich im ersten Weltkrieg für deinen Vorgänger gekämpft habe? Damals war es schon schlimm, doch mit der heutigen Jugend hätte auch er nicht gewinnen können. Mein Sohn zum Beispiel, ein guter Schütze, groß, kräftig und nett, dafür ist er aber auch dumm wie zehn Schweine zusammen. Ich gehe jede Wette ein, er vergräbt die Russen samt Speck und Zigaretten. Ich kann dir sagen, diese Jugend taugt nichts mehr."

Traudl hörte diesem eigenartigen Gespräch zu. Dann nahm ihren ganzen Mut zusammen und näherte sich Friedhelm.

"Sie scheinen den Führer ja wirklich zu mögen."

So richtig konnte er die Aussage nicht verstehen, schließlich mochten doch alle Deutschen den Führer.

"Klar, mag ich ihn, zugegeben, in meiner Jugend war ich schöner, doch er gab dem Deutschen Reich das Gefühl, dass wir unbesiegbar wären. Wir waren das Licht der Welt, zwar nicht lange, aber wir waren es. Jetzt sagen sie mir nicht, dass sie ihn nicht mochten."

Traudl hatte ihn in der Tat nicht sonderlich gemocht, doch Eva vergötterte sie. Sie zog ihren Schuh aus und holte die Geburtsurkunde heraus. Anschließend legte sie diese in Friedhelms Hände.

"So sehr mochte ich unseren Führer."

Friedhelm nahm sich sein Monokel und las sich in Ruhe die Urkunde durch. Als er damit fertig war, lehnte er sich zurück und atmete tief durch.

"Soll das heißen, dass dieses Kind, das Kind des Führers ist? Wir müssen dieses Dokument verstecken, die Frage ist nur wo? Wenn diese Unterlagen in die falschen Hände geraten, dann bedeutet das den Tod für diesen Jungen. Ich habe da eine Idee, folge mir."

Friedhelm holte seine alten Lederhandschuhe heraus und rollte das Dokument zusammen. Er steckte es in den einen Handschuh und stülpte den anderen darüber. In der Küche löste er eine Fußbodendiele und versteckte das Dokument samt Handschuhen darunter.

"Hier sollte es sicher sein, ich wusste es schon immer, irgendwann werde ich diese alten Handschuhe noch einmal gebrauchen. Ich werde dafür sorgen, dass dir niemand etwas anhaben wird."

Zufrieden streichelte er die Wangen des Kindes und wurde selbst noch einmal jung.

"Wenn ihr möchtet, dann dürft ihr gerne hierbleiben, mein Sohn und ich haben so viele Zimmer hier, dass wir sie gar nicht alle bewohnen können."

Da Traudl gerade nicht wusste wo sie hinsollte, nahm sie dieses gutgemeinte Angebot gerne an. Außerdem fand sie den jungen Lutz sehr nett und sympathisch. Beide saßen jetzt im Wohnzimmer und redeten, sie konnten sogar miteinander lachen. Als Lutz wieder hineinkam, wollte er seinen Ohren nicht trauen. Er hörte seinen Vater lachen. Sofort musste er nachsehen was dort los war.

"Ich bin wieder zurück, Vater, alle Russen sind beseitigt." Friedhelm blickte zuerst zur Tür und dann auf die Uhr. "Das wurde ja Zeit, als ich in deinem Alter war hatten wir nicht so viel Zeit. Hast du an den Speck gedacht, du dummer Hund?"

Mit sich zufrieden hielt er die Zigaretten und den Speck in die Luft.

"Die Zigaretten nehme ich, den Speck kannst du in die Suppe machen, aber schneide ihn vorher."

Etwas genervt lief Lutz in die Küche und sofort folgte Traudl ihm. Sie nahm den Speck und fing an, ihn in kleine Würfel zuschneiden. Lutz dagegen machte ein Feuer im Ofen und stellte die Suppe darauf, anschließend warfen sie die Würfel hinein. Traudl rührte noch einmal in der Suppe herum und lächelte dabei Lutz an.

"Ein paar Minuten wird die Suppe noch benötigen, würdest du mir in der Zeit dein Zuhause zeigen?"

Mit einem breiten Lächeln lief er ins Wohnzimmer, um den kleinen Friedrich zu holen. Auf dem halben Weg wurde er von Traudl zurückgeholt.

"Euer Wohnzimmer kenne ich schon", blickte sie ihn erwartungsvoll an.

"Das möchte ich dir auch nicht zeigen, ich möchte nur das Kind mitnehmen. Ich glaube nicht, dass das mein Vater noch schaffen wird."

Traudl fand diese Fürsorge rührend, allerdings wusste sie etwas, dass Lutz nicht wissen konnte. Sie machte sich um die beiden Männer keine Sorgen.

"Ich finde, dass es dein Vater richtig gut macht, wir sollten sie alleine lassen, dann werden wir ja sehen, ob er zurecht kommt."

Lutz war sich darüber nicht so sicher, dennoch hörte er auf Traudl und ging mit ihr nach draußen. Er zeigte ihr die Felder, den Hof und machte sie mit den Tieren bekannt. Doch das Größte für sie war die Vorratskammer. Dort war so viel Fleisch, dass man es alleine gar nicht essen konnte. Am meisten gefiel ihr allerdings Lutz Nähe. Er war wirklich ein gutaussehender Mann. Obwohl sie mit dem Rundgang noch nicht ganz fertig waren, mussten sie dennoch wieder rein, einfach nur aus Angst, sie könnten die Suppe verkochen lassen. Friedhelm war immer noch hellauf begeistert von diesem kleinen Mann, so gut gelaunt hatte man ihn schon lange nicht mehr erlebt, sehr zur Freude von Lutz und Traudl. Diese hatten nach dem Essen mehr Zeit, um sich alles weiter anzusehen. Ein kleiner Verdauungsspaziergang konnte nicht schaden. Zusammen mit Lutz lief sie über die Felder und genoss den Sonnenuntergang. Ein paar Mal versuchte sie seine Hand zu ergreifen, doch Lutz zog sie jedes Mal weg. Das lag nicht daran, dass er Traudl nicht hübsch fand, sondern eher, weil er die Schüchternheit in Person war. Als die Sonne fast verschwunden war, kehrten beide zurück zum Haus. Dort zeigte er ihr ihr Zimmer und wo sie alles fand, was sie benötigen könnte. Zwar freute sie sich, dass sie bleiben durfte, dennoch war sie ein wenig enttäuscht. Sie hatte sich erhofft, dass sie neben Lutz einschlafen könnte. Traudl holte Friedrich und machte ihn fertig fürs Bett, und als er soweit war, lächelte sie ihn an und küsste ihn auf die Stirn.

"Wir haben heute eine Menge Glück gehabt, schlaf jetzt schön, mein kleiner Prinz."

Kurz darauf schliefen beide ein. Mitten in der Nacht wurde Traudl von einem lauten Geräusch wach. Sie lief zum Fenster um nachzusehen, woher der Lärm kam. Da sie aus einer Stadt kam konnte sie das Geräusch nicht zuordnen, darum lief sie in Lutz Zimmer. Als sie ihn dort nicht fand, rannte sie so schnell sie konnte die Treppe hinunter und raus aus dem Haus. Am Stall erblickte sie Lutz. Er stand vor einer auf dem Boden liegenden Kuh und richtete sein altes Jagdgewehr auf sie. Traudl lief dorthin um nachzusehen was los war. Noch bevor Lutz schießen konnte, stellte sie sich schützend vor die Kuh. Dieser wiederum blickte Traudl etwas verwundert an. "Was soll das? Was machst du hier? Du solltest lieber wieder hinein gehen."

Entsetzt über diese Worte blickte sie zuerst ihn und dann die Kuh an. Dann erhob sie sich ganz langsam. Jetzt, wo sie endlich aus dem Weg war, konnte er die Kuh erschießen. Als der Schuss fiel, zuckte Traudl zusammen und blickte ihn schockiert an.

"Wieso verdammt noch einmal hast du das gemacht?" Lutz nahm sein Gewehr und zeigte mit dem Lauf in eine Ecke.

"Deswegen."

Selbstverständlich wollte sie wissen was dort war. Zögerlich näherte sie sich der Ecke, und da es dunkel war, musste sie genauer hinsehen. Als sie sah, was sich dort verbarg, sprang sie zurück und versteckte sich hinter Lutz. Lutz hatte noch nicht einmal die Zeit es Traudl zu erklären, denn nur kurz danach kam Friedhelm aus dem Haus gelaufen.

"Was ist denn hier für ein gottverdammter Lärm? Jetzt sagt mir nicht, dass diese verdammten Russen uns die Eier klauen wollen."

So schnell wie Friedhelm noch laufen konnte, lief er zu seinem Sohn.

"Ganz ruhig, Vater, es sind keine Russen in der Nähe, ein Wolf hat eine unserer Kühe gerissen."

Friedhelm musste sich davon selbst überzeugen. Als er den Wolf sah, schoss er erneut auf ihn.

"Ich würde mal sagen, morgen steht Wolf auf dem Speiseplan. Ich sage es dir, mein Sohn, ich sage es dir immer wieder, hüte dich vor den Russen und den Wölfen. Ich verwette mein Haus und Hof, dass das ein russischer Wolf war."

Mittlerweile war Lutz von seinem Vater genervt. Er schulterte sein Gewehr und kehrte ihm den Rücken zu. Er nahm den Wolf und legte ihn im Schuppen auf einen Holztisch. Dann verschwand er wieder direkt auf sein Zimmer. Traudl machte dasselbe. Viel zu müde war sie um sich noch mit Friedhelm zu unterhalten, außerdem musste sie nachsehen wie es ihrem Schützling ging. Als sie auf ihr Zimmer kam, schlief Friedrich noch tief und fest. Eine Zeit lang schaute sie ihm beim Schlafen zu. Sie fand es bemerkenswert wie ruhig und zufrieden Kinder doch schlafen konnten. Gleichermaßen war sie froh, dass der kleine Sprössling noch nicht viel von dieser Welt mitbekam. Als sie selbst wieder zur Ruhe kam und im Bett lag, ließ sie das Geschehene Revue passieren. Über einen Satz dachte sie lange und angestrengt nach: “Hüte dich vor Russen und Wölfen.” Sie wusste, dass Friedhelm Wölfe hasste, da wird ihm ihr Nachname bestimmt nicht passen. Sie musste ihren Nachnamen Wolf ablegen, nur wie sollte sie jetzt heißen? Nachdem sie nicht weiterwusste, dachte sie an ihre glückliche Kindheit und an ihre beste Freundin zurück. Während sie sich erinnerte, kam ihr die erlösende Idee. Braun. Ab heute sollte sie Traudl Braun heißen. Sie blickte, liegen im Bett, nochmal aus dem Fenster und wünschte ihrer besten Freundin eine gute Nacht, bevor sie selbst einschlief. Am nächsten Morgen wurde sie zwar sehr früh von dem Geschrei des Babys geweckt, dennoch war sie die Letzte die aufstand. Als sie in die Küche ging, war der Tisch noch reichlich gedeckt. Brot, Butter, Käse und Schinken, so viel Auswahl hatte sie schon lange nicht mehr. Nachdem Frühstück lief sie hinaus, um zusehen wo der Rest war. Friedhelm sammelte mit einem alten Korb die Eier auf, und Lutz hackte Holz, mit freiem Oberkörper. Sie wollte ihnen helfen, nur wusste sie nicht wie. Da sie aus der Stadt kam, konnte sie weder Hufe auskratzen noch Kühe melken. Davon ließ sie sich allerdings nicht entmutigen, sie wollte unbedingt einen neuen Korb für Friedhelm flechten, als kleines Dankeschön, dass sie so freundlich aufgenommen wurde. Als sie fertig war, zeigte sie stolz das gute Stück ihrem Gastgeber. Mürrisch wie er war nahm er den Korb entgegen und bog ihn in alle Himmelsrichtungen. Danach blickte er Traudl ziemlich zufrieden an.

"Das ist ein guter Korb, du hast wahrlich ein Händchen dafür. Seit dem Tod meiner Frau gibt es keine Körbe mehr. Mein Sohn und ich haben es schon mehrfach versucht, doch wir brechen uns eher die Finger, bevor wir einen Korb geflochten haben. Jetzt wo du da bist, merke ich erst wieder, was uns fehlt. Es gibt auf einem Bauernhof auch reichlich Arbeit für eine Frau. Wäre mein Lutz nicht etwas für dich? Ich weiß, er ist nicht sehr gebildet, allerdings ist er ein von Grund auf guter Junge." Traudl hörte Friedhelm zu, dabei warf sie immer wieder einen Blick auf Lutz. Der Anblick, wie er mit freiem Oberkörper Holz hackte, gefiel ihr schon sehr. Alleine wegen dieses jungen Mannes würde sie bleiben.

"Sag mal, dein Sohn, hat der vielleicht eine Freundin?" Friedhelm hustete und zündete sich eine Zigarette an. Genüsslich nahm er den ersten Zug und blickte dabei Traudl an.

"Die einzigen Brüste die mein Sohn je gesehen hat, waren die von seiner eigenen Mutter, und diese hingen auch schon herunter. Er ist einfach zu schüchtern. In der nächsten Ortschaft gibt es ein Geschäft, dort arbeitet eine Frau, die mag meinen Sohn sehr."

Das war nicht unbedingt das was Traudl hören wollte. Sie mochte Lutz, und mit Konkurrenz konnte sie noch nie besonders gut umgehen.

"Mag er sie denn auch?",

wollte Traudl von Friedhelm wissen. Dieser blickte sie an und fing an zu Husten.

"Ich weiß nicht, ob er sie mag. Ich hoffe aber nicht. Die ist so dumm, dass sie beim Kartoffeln schälen die Schale in den Topf und die Kartoffel wegwirft. Ich wünsche meinem Sohn nur Gutes, doch diese Frau wäre ein Grund ihn zu enterben."

Über diese Aussage von Friedhelm war Traudl erleichtert. Sie wusste, wenn er etwas gegen diese Liebe hatte, dann würde sie auch nicht zustande kommen. Nur um ihm zu zeigen, dass sie eine bessere Köchin war, schlug sie Friedhelm vor, dass sie das Mittagessen zubereiten könnte. Dieser wiederum hatte nichts dagegen. Es war schon zulange her, dass eine Frau ihn bekocht hatte. Traudl beschloss sich bei diesem Essen besonders viel Mühe zugeben, denn bekanntlich ging Liebe durch den Magen. Allerdings war die Zubereitung des Essens für sie auch eine Herausforderung, sie hatte noch nie einen Wolf zubereitet. Mit einem Messer schnitt sie ihm das Fell vom Leib und schnitt ihn auf. Der Wolf musste noch ausbluten und die Organe mussten auch noch entfernt werden. Während das Blut den Tisch herunter lief, nahm sie ein Beil und schlug ihm den Kopf ab. Obwohl das Essen wahrlich schwer zu zubereiten war, hatte sie immer noch die Zeit sich um Friedrich zu kümmern. Doch das Schönste war allerdings, immer mal wieder, einen kleinen Blick aus dem Fenster zu werfen und Lutz beim Holzhacken zuzusehen. Zwar dauerte die Zubereitung des Essens länger als geplant, doch dafür schmeckte es umso besser. Voller Stolz präsentierte sie den Herren ihr fertiges Essen. Die füllten ihre Teller und aßen ohne ein Wort zu sagen. Traudl nahm nur ein paar Kartoffeln und etwas Soße. Sie traute sich nicht von dem Tier zu probieren. Eine ganze Zeit lang sah Friedhelm sich das an, bis er schließlich doch etwas dazu sagen musste.

"Du hast dieses Essen so gut für uns zubereitet, du solltest auch etwas von dem Wolf essen. Greif ruhig zu, der beißt dich nicht mehr. Besseres Fleisch wirst du kaum noch essen können, das schmeckt man auch bei jedem Bissen."

Um den Herrn des Hauses nicht zu beleidigen versuchte sie ein ganz kleines Stück, und in der Tat, er hatte Recht. Es war wirklich sehr schmackhaft. Nach dem guten Essen wollte sich Traudl in der Küche nützlich machen und die beiden Männer gingen wieder hinaus. Kaum waren sie wieder vor dem Haus, zog Friedhelm seinen Sohn in den Schuppen.

"Mein Sohn, ich denke es wird Zeit, dass wir uns mal unterhalten. Bis jetzt habe ich immer versucht dich von dem Bösen fernzuhalten, und dazu gehören auch die Frauen. Doch glaube mir, du wirst nicht jünger und auf keinen Fall schöner. Die Traudl ist ein gutes Mädchen, sie ist hübsch, gebildet und eine verdammt gute Köchin. Außerdem glaube ich, sie mag dich sehr, wahrscheinlich mehr als du denkst, und wenn du diese Frau gehen lässt, dann bist du dümmer als ich dachte."

So Kannte Lutz seinen Vater nicht. Er musste überlegen woher dieser Sinneswandel kam. Bis jetzt kamen sie doch auch ganz gut ohne Frau aus. Lutz ging aus dem Schuppen und warf unauffällig einen Blick durch das Fenster. Sein Vater hatte in der Tat ein gutes Auge, sie war wirklich sehr schön. Je länger er sie ansah, umso mehr gefiel sie ihm. Sein unauffälliges Beobachten wurde durch einen Schlag auf den Hinterkopf unterbrochen.

"Von dumm herumstehen und doof in die Welt schauen wirst du sie nicht bekommen. Geh hinein und lade sie auf einen Spaziergang ein. Spaziert in der Nähe meiner Lieblingswiese und pflücke ihr ein paar Blumen. So habe ich es bei deiner Mutter, diesem alten Pferd, auch gemacht."

Er klopfte seinem Sohn auf die Schulter, wünschte ihm viel Glück, und ging hinein in die Küche zu Friedrich. "Guten Morgen, mein kleiner Racker, wollen wir eine Runde Bomberpilot spielen?"

Er nahm Friedrich auf den Arm und hob ihn in die Luft. Der kleine Mann schenkte ihm als Antwort auf das Fliegen ein breites Lächeln.

"So ist es richtig, mein Kleiner. Das macht dir richtig Spaß. Wenn du in Adolfs Luftwaffe gewesen wärst, dann hätten diese verdammten Engländer von alleine kapituliert."

Traudl sah den beiden gerne beim Spielen zu, doch noch mehr freute sie sich als Lutz die Küche betrat. Wieder einmal strahlte sie ihn über beide Ohren an. Als er mit ihr spazieren gehen wollte, hüpfte ihr Herz auf und ab. Allerdings war sie ein wenig enttäuscht als er beim Spazieren nicht versuchte ihre Hand zu halten. Als sie schon umkehren wollte, zeigte Lutz auf eine Wiese. Er rannte dort hin und pflückte ein paar Blumen. Als er den Strauß Traudl überreichte, freute sie sich riesig. Man konnte zwar sehen, dass er von der Zusammenstellung von Blumen keine Ahnung hatte, dennoch freute sie sich über diese schöne Geste. Immer noch etwas schüchtern blickte er auf den Boden und kratzte mit seinen Schuhen ein wenig an der Erde.

"Ich mag dich, und ich würde mich freuen, wenn du für den Rest deines Lebens bei mir auf dem Bauernhof bleiben würdest."

Von der Stadt aufs Land, das war ein Schritt, den sich Traudl wahrlich gut überlegen musste. Sie mochte Lutz und die Arbeit auf dem Hof machte ihr auch Spaß, doch irgendwie fehlten ihr die Menschen und das ganze Drumherum. Anderseits war der Bauernhof noch eine kleine, heile Welt. Traudl wusste nicht, wie weit die Russen gekommen waren und was sie aus ihren Großstädten gemacht haben. Sie war hin und her gerissen, doch am Ende siegte ihr Herz über den Verstand und sie willigte ein, sehr zur Freude von Lutz. Als er das hörte blickte er sie an und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Er nahm er seinen Kopf wieder zurück und blickte sie erwartungsvoll an.

"Habe ich gerade einen Fehler gemacht?"

Traudl konnte darüber nur lächeln. Sie mochte seine Art. Sie näherte sich ihm und hielt seine Hände fest, dabei küsste sie ihn ganz vorsichtig auf den Mund. Dies machte sie nur, weil sie Angst hatte, dass er ihr auf die Lippe beißen könnte. Mit dem Blumenstrauß in der einen Hand und Lutz in der anderen Hand ging sie zurück zum Bauernhof. Sie stellte die Blumen in ein Glas und setzte sich zu Lutz auf die Bank, die vor dem Haus stand. Traudl schaute in die Ferne und kuschelte sich an seinen Oberkörper.

"Es ist wunderschön hier, ich wünsche mir, dass es für immer so bleibt."

Kapitel 2

Geteiltes Vaterland

Nicht nur Traudl, auch Lutz wollte, dass die Zeit stehen bleibt. Mit jedem Tag der verging wurde Traudl immer sicherer auf dem Hof und Friedrich immer älter. Seine ersten Zähne, seine ersten Krabbelversuche, sein erster Schritt – alles wurde mit Freude beobachtet. Mittlerweile hatte dieser kleine Zwerg mehr Zähne im Mund als sein Opa Friedhelm. Die Zeiten auf diesem kleinen, sicheren Bauernhof hätten kaum schöner sein können, wenn da nicht die Russen gewesen wären. Schlägereien und Vergewaltigungen schienen immer noch an der Tagesordnung zu sein. Deutschland war durch die Feinde und den vielen Bombenangriffen zerstört, die meisten Männer ließen ihr Leben im Krieg oder sind gefangen genommen wurden. Hilfe von fremden Soldaten gab es auch nicht. Nichts desto trotz mussten die zerstörten Gebäude wieder aufgebaut werden, damit es für den Rest eine Unterkunft gab. Das war die Zeit in der sich ein paar Frauen zusammen taten und anfingen das Land wieder aufzubauen. Mit jedem Tag der verging wurden es immer mehr. Auch Traudl interessierte sich sehr dafür, nur konnte sie den Hof nicht verlassen. Sie wusste dass die beiden Herren mit Friedrich überfordert gewesen wären. Als die Verbrechen der Russen immer mehr zunahmen, verschwanden auch immer mehr Menschen aus dem Osten, viele gingen in den Westen und Einige zog es in den Süden zu den Amerikanern. Die Meisten jedoch blieben zu Hause und hofften, dass sie verschont blieben. Diese Nächstenliebe, die es unter den Deutschen gab, wurde von Tag zu Tag immer weniger. Auf dem Hof bekam man von all dem nicht immer alles sofort mit. Mit der Zeit entwickelte sich Friedrich prächtig, Traudl versuchte ihm alles bei zubringen, was sie wusste. Doch als er zwölf war, wollte er immer mehr wissen, nur konnte Traudl ihm nichts mehr beibringen. Alles was sie wusste, hatte sie ihm schon gelehrt. Zudem kam noch, dass sie sich seit seiner Geburt nicht mehr weitergebildet hatte. Allen auf dem Hof war klar, dass sie Friedrich nicht mehr gerecht werden würden. Friedrich musste in die Schule, um seinen Horizont zu erweitern. Zugegeben, er war recht alt für seine Einschulung, doch aufgrund seiner Vorkenntnisse wurde er dennoch aufgenommen. Die nächste Schule war gut und gern sechs Kilometer entfernt, doch das störte niemanden. Jeden Tag brachte ihn ein Anderer dorthin, mal mit der Kutsche, mal mit dem Pferd und manchmal zu Fuß. Aus Angst vor russischen Übergriffen, durfte er den Weg niemals alleine gehen. Am meisten freute sich Friedrich, wenn er von seinem Opa weggebracht wurde. Zwar nervte es ihn, dass er ihn vor der Schule noch einen rechten Scheitel verpasste, doch Opa hatte immer ein Stück Schokolade für ihn. Obwohl sie schon weiß gefärbt war, war es dennoch immer etwas ganz Besonderes für ihn. Durch die Schule war es jetzt Traudl die etwas von ihrenm Sohn lernen konnte. Diese ruhigen Zeiten sollten allerdings nicht immer so für die Familie bleiben. Eines Abends saßen sie beim Abendbrot zusammen und Friedrich wollte sich mit seiner Mutter auf Russisch unterhalten. Sofort ließ Friedhelm alles stehen und liegen und sprang auf.

"Was hast du gerade gesagt?"

Traudl und Lutz stellten sich sofort schützend vor ihren Sohn. Dies störte Friedhelm überhaupt nicht. Er schob seinen Teller zur Seite und blickte die Drei sehr böse an. "Dieses Haus hier, dieser Tisch an dem ihr esst, das alles gehört immer noch mir und ich dulde in meinem Haus keine fremde Sprache. Dieses Haus ist Deutsch und wird es auch immer bleiben, solange ich lebe."

Als Lutz das Wort ergreifen wollte, schlug sein Vater mit der Hand auf dem Tisch.

"Jetzt ist hier aber Schluss mit dieser herum Juderei, ich dulde keine wiederworte. Entweder macht ihr was ich gesagt habe oder ihr könnt euch ein neues Zuhause suchen."

Friedhelm warf seinen Teller gegen die Wand und ging ins Wohnzimmer. Er setzte sich hin und blickte das Bild des Führers an.

"Hast du das gerade mitbekommen, mein Führer? Dein Sohn, den ich liebe wie meinen eigenen Sohn, wird von den Russen verdorben. Ach Adolf, wo soll das nur hinführen, jetzt lehren die in der Schule eine Sprache, die wir gehasst haben, so etwas hätten wir noch nicht einmal unseren Hunden beigebracht."

Nach dem Essen ging Traudl zusammen mit Friedrich nach draußen. Sie konnte ihm ansehen, dass der Kleine etwas verwirrt war. Da er nichts Böses gemacht hatte, war er sich keinerlei Schuld bewusst. Traudl musste es ihm erklären, was es mit dem Russen auf sich hatte. Sie erzählte ihm vom Ausgang des Krieges und wie sehr Opa die Russen und Wölfe hasste. Nach dem Gespräch musste Friedrich seiner Mutter versprechen, dass er in der Schule kein Wort darüber verlieren würde. Wenn diese Abneigung, dem Russen gegenüber bekannt werden würde, dann wären sie alle zum Tod verurteilt. In der Zwischenzeit versuchte Lutz seinen Vater ein wenig zu beruhigen, doch das alles brachte nichts. Opa hatte eine Mauer um sich herumgezogen. Er war zu sehr von der Schule und seiner eigenen Familie enttäuscht. Auch am nächsten Morgen war er noch ziemlich sauer,. Deswegen musste Traudl seine Aufgabe übernehmen. Sie wollte Friedrich in die Schule bringen und nachdem Unterricht gleich wieder abholen. Dies ärgerte den Jungen schon ziemlich, er wusste, dass es heute kein Stück Schokolade geben würde. Weil er seinen Opa so mochte, beschloss er nie wieder zu Hause ein Wort russisch zusprechen. Direkt nach dem Unterricht wollte er sich bei ihm entschuldigen. Am russischen Unterricht nahm er zwar noch teil, aber wirklich verfolgt hatte er ihn nicht mehr. Durch das neu gewonnene Wissen durch seine Mutter, hatte er sogar eine Abneigung dagegen entwickelt. Zwar wollte er etwas lernen, doch an diesem Tag konnte er es kaum erwarten, dass ihn seine Mutter abholte. Nach einer gefühlten Ewigkeit war es dann endlich soweit: Der Unterricht war vorbei und vor der Schule wartete schon seine Mutter. Strahlend vor Freude rannte er auf sie zu und nahm sie in seine Arme. Er drückte seine Mutter ganz fest, so fest wie er nur konnte. Traudl freute sich darüber, sie streichelte seinen Kopf und hoffte, dass dieser Moment etwas länger andauern würde. Anschließend liefen sie nach Hause. Es war jeden Tag aufs Neue ein weiter Weg, doch für den Kleinen machten sie es alle gerne. Kurz vor ihrem Zuhause suchte Friedrich die Hand seiner Mutter, und als er sie hatte, hielt er sie ganz fest. Er drückte sie so sehr, dass es Traudl schmerzte. Sie kannte ihren Sohn so nicht. Dieses Verhalten war ihr mehr als fremd. Sie blickte zuerst in alle Richtungen, bis sie schließlich merkte, dass sie von zwei Männern verfolgt wurden. Wenn sie mit ihrem Sohn schneller lief, dann taten sie es auch. Sie wusste, dass dies nichts Gutes zu bedeuten hatte. Um ihr Kind zu schützen, wollte sie die Abkürzung durch den Wald nehmen. Bevor sie ihn erreichten flüsterte sie ihrem Sohn zu.:

"Lauf, lauf so schnell du kannst und hol den Papa. Er soll alles stehen und liegen lassen und in den Wald kommen. Du musst dich aber beeilen."

Friedrich wusste gar nicht was los war, er merkte nur dass seine Mutter Panik und Angst hatte. So schnell wie er konnte, rannte er zum Hof. Er nahm den direkten Weg und drehte sich nicht einmal um. Als er den Hof sah, schrie er schon von Weitem.:

"Papa, Papa du musst sofort mitkommen, beeil dich, zwei fremde Männer wollen Mama wehtun."

Lutz, der gerade beim Holzhacken war, ließ sofort alles stehen und liegen und rannte mit seinem Beil seinem Sohn hinterher. Aus einer sicheren Entfernung zeigte Friedrich seinem Vater dem Weg.

"Das hast du gut gemacht, mein Junge. Von jetzt an übernehme ich. Lauf du zurück zum Opa und warte dort auf mich. Wenn ich in einer Stunde nicht zurück bin, dann musst du mit Opa den Hof verlassen."

Friedrich hatte jetzt noch mehr Angst als vorher,. Er blieb stehen bis er seinen Vater nicht mehr sah, als er aus dem Blickfeld war, rannte er nach Hause zu seinem Opa. Lutz lief immer tiefer in den Wald. Solange bis er die Hilferufe hören konnte. Zuerst versteckte er sich hinter einem Baum, um sich ein eigenes Bild zu machen. Er hörte zwar die Schreie, doch sehen konnte er nur zwei Männer in einer russischen Uniform, mit heruntergelassenen Hosen. Als einer der Beiden im hohen Gras verschwand, rannte Lutz los. Der noch stehende Russe konnte gar nicht so schnell reagieren. Lutz wusste, dass es seine Chance war. Er warf sein Beil direkt in den Brustkorb des herumstehenden. Während er weiter rannte, hob er ein dickes Stück Holz auf und schlug damit den Anderen, der auf Traudl lag, auf den Hinterkopf. Anschließend half er seiner Geliebten auf. Über den Anblick seiner Traudl war er mehr als schockiert. Sie hatte Kratzer, blaue Flecken, eine blutige Lippe, ihr Oberkörper war entblößt und ihre Hose zerrissen. Am ganzen Körper zitterte sie, sie hatte Angst und schämte sich. Lutz war über diesen Anblick nicht nur schockiert, sondern auch ziemlich sauer. Er hob das dicke Holzstück auf und beugte sich über den am bodenliegenden Russen.

"Mein Vater hat vollkommen Recht, du und deines Gleichen, ihr seid nicht besser als Wölfe. Siehst du dieses Stück Holz hier, damit werde ich dir jetzt den Schädel einschlagen. Wieso rede ich überhaupt mit dir, dieser russische Abschaum versteht sowieso kein Wort Deutsch."

Nach diesem Satz trat er den Soldaten gegen den Kopf und schlug mit dem Stück Holz auf ihn ein. Er schlug solange auf ihn ein, bis man sein Gesicht nicht mehr erkennen konnte und er tot war. Dann wandte er sich wieder seiner Traudl zu und nahm sie in den Arm.

"Es ist vorbei, alles wird wieder gut, lass uns zum Haus zurückkehren."

Als sie dort ankamen und die Haustür langsam öffneten fiel ein Schuss. Sofort warf Lutz seine Traudl zu Boden und sprang ebenfalls in Sicherheit. Etwas verwundert blickte er sie an, bis er seinen Vater hörte.

“Kommt doch rein ihr verdammten Russen, meinen Führer werdet ihr nicht bekommen."

Lutz musste darüber etwas lächeln, denn eigentlich hätte er wissen müssen, dass sein Vater so reagieren würde. "Leg das Gewehr weg du alter Narr, ich bin es, dein Sohn, ich komme jetzt rein."

Noch etwas zögerlich betrat er das Haus, ganz vorsichtig setzte er einen Fuß vor den anderen. Als er drin war, sah er seinen Vater am Boden liegen und sein Gewehr zielte immer noch auf die Tür.

"Du kannst jetzt wieder aufstehen, die Russen sind erledigt, du brauchst deinen Führer nicht mehr zu beschützen."

Als er das hörte stand er erleichtert auf, er schulterte sein Gewehr und lächelte seinen Sohn an.

"Hast du gesehen mein Junge, das war kein schlechter Schuss von deinem Alten. Im ersten Krieg war ich Scharfschütze, da ist noch ein wenig hängen geblieben." Diese Geschichte hörte Lutz zu oft. Er war mehr als froh, dass sein Vater kein besonders guter Schütze mehr war. Jetzt wo alles wieder sicher war, ging Lutz hinaus und holte Traudl herein. Als Friedhelm sie sah, traute er seinen Augen nicht.

"Was ist geschehen mein Kind?"

Lutz merkte, dass es ihr schwerfiel. Aus diesem Grund schicke er sie nach oben. Erst als sie aus dem Blickfeld verschwunden war, erzählte er, was geschehen war.

"Du hattest Recht, diese Russen sind wie Tiere, dieses verdammte Pack wollte sich an Traudl vergehen. Wir müssen dagegen etwas unternehmen."

Friedhelm war erleichtert, endlich hatte sein Sohn es verstanden. Genau das predigte er schon seit Jahren. Nur war es dafür jetzt zu spät.

"Wie viele waren es denn dieses Mal?"

Lutz zog sich ein Hemd an und ergriff den herumstehenden Spaten.

"Es waren nur Zwei, doch wenn ich die nicht vergrabe, dann werden es mehr."

Obwohl es nur zwei waren, war er dennoch stolz auf seinen Sohn.

"Mein Junge, mach weiter so, für diese Tat hättest du damals einen Orden bekommen."

Seinem Sohn war zu diesem Zeitpunkt der Orden egal, normalerweise war er der friedlichste Mensch, den es gab, er wollte nur das beschützen was er liebte. Auf dem Weg zu den beiden Russen machte er sich seine eigenen Gedanken. Er wollte, dass so etwas nie wieder geschieht, doch ganz verhindern konnte er es auch nicht. Sollte er Traudl für immer wegsperren? Schließlich konnte er sie nicht immer beschützen. Egal wie sehr er darüber nachdachte, es wollte ihm nichts einfallen, aber bei einer Sache war er sich sicher: wenn es die Russen nicht geben würde, dann würden es wahrscheinlich seine Landsleute versuchen. Die Welt, so wie sie jetzt war, war einfach nur schlecht und eine Besserung war nicht in Sicht. Obwohl er nicht wollte durchsuchte er die Beiden, bevor er sie vergrub. Er sucht nach Wertsachen, Schmuck, Uhren, Zigaretten und Essen - darüber freute sich sein Vater immer ganz besonders. Nachdem er fertig war, blieb er noch eine Weile im Wald stehen und blicke sich um. Ihm war klar, dass er seine Geliebte nicht immer beschützen konnte, doch vielleicht könnte er die Gegend etwas sicherer machen. Mit diesem Gedanken lief er nach Hause und übergab seinem Vater alles was er gefunden hatte. Dieser freute sich besonders über die Zigaretten, welche er gleich an sich nahm und versteckte sie in einer Schublade in seinem alten Sekretär. Lächelnd lief er wieder zurück zu seinem Sohn.

"Eines muss man diesen verdammten Russen lassen, von Zigaretten verstehen die etwas. Was ist los mit dir, du schaust so nachdenklich?"

Lutz atmete noch einmal tief durch und erzählte seinem Vater von seiner Idee.

Vielleicht sollten wir im Wald ein paar Fallen aufbauen, damit so etwas wie heute nicht mehr passiert."

Grundsätzlich keine schlechte Idee von seinem Sohn, nur was ist, wenn ein Deutscher dort hineinläuft, oder noch schlimmer, was ist, wenn einer von der Familie nicht vorsichtig ist.

"Fallen im Wald, das würde ich nicht gutheißen. Ich denke es wäre das Beste, wenn deine Traudl den Jungen nicht mehr zur Schule bringt." Doch dies war für Lutz nicht mehr hinnehmbar. Er wollte nicht verstehen, wieso seine Geliebte sich wegen diesem Pack verstecken sollte. Schließlich war es ihr Land und in diesem Land sollte sie sich frei bewegen dürfen. Um Streitereien zu vermeiden stimmte er seinem Vater erst einmal zu, doch akzeptieren wollte er es nicht. Er lief nach oben und kam den ganzen Tag nicht mehr herunter. Friedhelm störte das weniger, er hatte seine Zigaretten und seinen Enkel, den er mit der neuen russischen Schokolade verwöhnte. Dabei erzählte er wieder von seinen Heldentaten im ersten Krieg. Friedrich hörte diese Geschichte mindestens einmal in der Woche, doch langweilig wurde sie nie, denn der Opa wurde von Mal zu Mal immer besser.

"Weißt du was, mein Junge, ich habe da gerade eine Idee, wie wäre es, wenn ich dich morgen mit der Kutsche in die Schule bringe?"