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Um für den König von England einen seltenen Diamanten zu finden, muss sich der Abenteurer Jim Halton mit seinen Kollegen im Jahre 1801 auf ein gefährliches Abenteuer begeben, das ihn oft an seine Grenzen bringt und in dem er unzählige Male furchtbaren Gefahren ausgesetzt ist. Wird er den Auftrag erfolgreich ausführen können?
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Seitenzahl: 256
Veröffentlichungsjahr: 2016
L. A. Welsch
A journey around the world
© 2016 Lukas Welsch
Lektorat, Korrektorat: Martin Perzlmeier, Barbara
Hölzlwimmer
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7345-5457-5
Hardcover:
978-3-7345-5458-2
e-Book:
978-3-7345-5459-9
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Unser Abenteuer, welches wahrscheinlich unser größtes Abenteuer werden sollte, obgleich wir schon unzählige andere Erlebnisse gehabt hatten, die ich hier jedoch nicht aufschreiben werde, begann an einem furchtbar stürmischen Tag. Es war, als würde der Himmel über uns zusammenbrechen, so viel Schnee fiel aus den Wolken hoch an der Himmelsdecke.
Wir saßen im Pub zu Brighton und genossen das starke Bier, für welches dieses Gasthaus schon seit undenklichen Zeiten, schon seit es das beliebte Gebräu gab, bekannt war. An unseren Tisch grenzten noch ein paar andere Tische, an denen ebenfalls reger Betrieb herrschte.
Bevor ich nun mit den Ausführungen des Abenteuers fortfahre, sollte ich zunächst noch klären, wer wir waren, damit ich später ohne Unterbrechungen unsere Erlebnisse schildern kann.
Wir waren fünf an der Zahl. An erster Stelle stand der gute Lord Taylor, unser Anführer, der uns immer gut geführt hatte und uns finanziell sowie taktisch durch viele Gefahren gebracht hatte. Dann war da noch der alte Captain Jack Sonnt, eine zwielichtige Gestalt. Angeblich soll er in seinen jungen Jahren mit einem englischen Schiff ein halbes Dutzend Piratenschiffe auf einen Schlag besiegt haben, ob es wahr ist, weiß leider niemand. Der dritte war Silth May, woher er kam und warum er bei uns war, wusste ebenfalls keine einzige Seele, aber eins wusste jeder, nämlich, dass er ein furchtbarer Säufer und Trinker war. Die nächste war Clarisse MacTontald, die aus einer angesehenen schottischen Familie stammte und Mitstreiterin war, weil ihr Vater wollte, dass sie, bevor sie mit dem Arbeiten beginnt, die Welt kennenlernt. Der letzte der fünf bin ich. Über mich gibt es nicht besonders viel zu erzählen, außer, dass ich aus London kam und nie einen ehrlichen Handwerksberuf gelernt hatte. Das einzige, was ich wirklich konnte, war das Abenteurern. Wir waren bis zu diesem Zeitpunkt schon fünf jahrelang unterwegs, ständig der Gefahr ausgesetzt und sie suchend.
Aber nun werde ich mit meinen Ausführungen fortfahren. Wie bereits gesagt, befanden wir uns in einem Pub, aber als wir gerade unser zweites oder drittes (ich weiß es nicht mehr genau) Bier zu uns nahmen, öffnete sich plötzlich die hölzerne Doppeltür und herein kamen vier oder fünf (auch dies ist mir entgangen) Soldaten, die auf uns zuhielten. Nachdem sie die nassen Mäntel ausgezogen hatten, setzten sie sich an unseren Tisch und bestellen sich ein Bier. Wir, die wir an solche Zwischenfälle durch und durch gewöhnt waren, dachten uns nichts dabei.
Jedoch stutzen wir heftigst, als einer der Soldaten sprach: „Ihr seid also die berühmten Abenteurer, von deren heldenhaften Taten und deren Ruhm, jede Mutter ihren Kindern erzählt?“ Hier wäre es noch angebracht zu erwähnen, dass wir, obgleich unsere vorherigen Abenteuer mit diesem Abenteuer verglichen, welches ich nun hier aufschreibe, nichts waren, trotzdem schon sehr berühmt waren und uns Heldenmut und Tapferkeit nachgesagt wurde. Da keiner von uns Anstalten machte, auf die Frage einzugehen, wurden die Soldaten schnell wütend und auch das Bier, das sie bereits getrunken hatten, schmälerte ihren Zorn nicht im Geringsten. Sie schlugen auf den Tisch und verlangten eine Antwort, die sie dann auch bekamen, als Lord Taylor sprach: „Ganz recht! Wir sind die Abenteurer, aber wenn ich mich recht entsinne, weiß ich nicht wer Ihr seid und was Ihr von uns wollt. Sprecht!“ „Wir wollen, dass Ihr mit uns kommt! Seine Majestät, König George, verlangt nach Euch. Er braucht Euch für ein Abenteuer, das bestanden werden muss und zwar von Euch“, entgegnete der Soldat, sichtlich gereizt. Bei dem Wort Abenteuer schlug mir das Herz höher. Ich wollte sofort aufbrechen und mir die Aufgabe anhören, aber die anderen unserer Kompanie waren da nicht so begeistert.
Clarisse MacTontald meldete sich, wie folgt zu Wort: „Schon wieder eine Aufgabe? Wie stellen Sie sich das vor? Wir kommen von der neuen Welt zurück und schon wieder verlangen Sie etwas von uns? Nein, das geht zu weit!“ Auch die anderen wirkten nicht begeistert, obgleich der von Miss MacTontald erwähnte Auftrag keineswegs etwas Großartiges und Schwieriges gewesen wäre.
Ich begann nun also die anderen davon zu überzeugen mit den Soldaten nach London zu gehen und sich die Aufgabe erst einmal anzuhören. Noch oft habe ich diese Tat bereut, denn während dem Abenteuer gerieten wir häufig in Lebensgefahr und mir wurde das auch noch mehrmals vorgeworfen.
Aber ich ließ nicht locker und eine halbe Stunde später gingen wir nach der Tür und hinaus in die Kälte und den Sturm. Nachdem die Pferde dann gesattelt worden waren, begann bereits die Reise nach London, auf der sich nichts ereignete und ich sie deshalb in meinen Ausführungen überspringen werde.
Ich werde nun meine Erzählungen wieder aufnehmen und dem Leser unsere Begegnung mit seiner Majestät König George III. schildern, die ich bis heute noch sehr gut in Erinnerung habe.
Nachdem wir also nach dem langen Ritt am Buckingham Palace angekommen waren und sowohl Captain Sonnt, als auch Lord Taylor tüchtig ins Schimpfen gekommen waren, stiegen wir von den Pferden und machten uns auf den Weg nach dem König. Die Pferde nahmen einige Diener entgegen und brachten sie zu den Ställen des Palastes, wo man die Tiere versorgte bis wir unseren Auftrag erhielten. Wir dagegen wurden von den Gardesoldaten in Empfang genommen, worüber sich alle Teilnehmer äußerst freuten, und in den Wohnsitz von König George geführt.
Im Palast, den wir bis jetzt übrigens noch nie von innen gesehen hatten, kamen wir aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, denn eine solche Pracht hatten wir bis dahin niemals zu Gesicht bekommen und auch die Paläste anderer Herrscher, die wir später noch sehen sollten, konnten mit dieser Herrlichkeit nicht mithalten.
Wir wurden durch etliche Gänge und Zimmer geführt, bis wir schließlich vor dem König standen, der uns offensichtlich schon erwartete und nicht unbedingt freundlich schaute.
Wir machten alle eine tiefe Verbeugung (ausgenommen Lord Taylor) und warteten darauf, dass der König etwas sagte.
Als wir aber merkten, dass George III. nicht vorhatte, etwas zu sagen, schauten wir uns ein wenig verwundert an und Miss MacTontald wirkte sogar etwas ärgerlich.
Schließlich grüßte Lord Taylor: „Es ist mir eine Freude Euch zu begegnen, Euer Majestät. Ich möchte Euch auch im Namen meiner Mannschaft begrüßen. Links von mir steht der alte Captain Jack Sonnt, neben ihm Mr. Jim Halton, ein wirklich ausgezeichneter Abenteurer. An seiner Seite steht Silth May und die Dame daneben ist Clarisse MacTontald.“
Nun hörte ich den König zum ersten Mal sprechen, denn er antwortete etwas spöttisch: „Es ist mir eine Freude endlich einmal die berühmten Abenteurer zu begrüßen. Ich habe schon viele Geschichten von Euch gehört und hoffe, dass ihr mir gute Dienste leisten werdet.“ Wieder sprach Taylor: „Ich bin überzeugt davon, dass jeder von uns Eurer Majestät absolut ergeben ist und dass Ihr uns in jeder Weise vertrauen könnt. Was also sollen wir für Eure Majestät tun? Ihr könnt Euch sicher sein, dass wir alles tun werden, um was es sich auch handle!“
Der König nickte zufrieden und meinte: „Nun, das ist wirklich sehr, sehr gut, denn der Auftrag, den ich euch erteile, wird äußerst schwierig werden und ich bin mir sicher, dass ihr an eure Grenzen gehen müsst. Ihr müsst über den Landweg nach Japan gehen und dort den Diamanten Praeclarus am Berg Fuji stehlen. Sicher wollt ihr wissen, warum ihr den Landweg nehmen sollt, wo es doch über das Meer um einiges schneller geht. Aber die Frage ist ganz einfach zu beantworten, denn ein Schiff erregt viel mehr Aufsehen als eine Gruppe harmloser Reisender nach Japan. Nun frage ich euch, nehmt Ihr den Auftrag an?“
Schon als der König zu besprechen begonnen hatte, taten sich mir Zweifel auf. Wieso sollten wir einen so weit entfernten Diamanten stehlen?
Da es in meiner Natur lag, es schwer zu finden nichts zu sagen, in den Situationen wo man still sein soll, platzte es plötzlich aus mir heraus: „Aber wieso, wieso sollen wir einen Diamanten stehlen, der so weit weg ist und wieso wollt Ihr den Diamanten?“ Ich hatte erst danach gemerkt, dass es ganz still geworden ist, als ich meine Stimme erhoben hatte. Jeder starrte mich entsetzt an, weil die Art, mit der ich den König angesprochen hatte, durchaus nicht angemessen war.
George III. war am Anfang auch nicht begeistert, aber anscheinend war ihm meine vorlaute Art doch gleich gewesen, denn er entgegnete: „Der Diamant ist das Herz der Welt und ich möchte es haben und Ihr werdet ihn mir bringen.“
Unsere Lage war jetzt sehr verzwickt, denn keiner (selbst ich nicht) war von dem Auftrag begeistert, aber andrerseits konnten wir nichts mehr tun, denn wir hatten die Aufgabe schon mehr oder weniger angenommen. Die anderen schauten mich nun wütend an, denn natürlich erinnerten sie sich daran, dass ich sie dazu überredet hatte, dass wir uns die Aufgabe anhörten und nach London reisten.
Schließlich sagte Lord Taylor, der für uns alle sprach: „Wir werden die Aufgabe mit Freude annehmen, Majestät!“
Und so war es entschieden, obgleich die anderen mich, nachdem wir das Zimmer verlassen hatten, beinahe ermordet hätten.
Silth May schimpfte sogar: „Junge, das werde ich dir niemals vergessen und wenn wir nicht heil zurückkehren, dann drehe ich dir den Hals um, hast du mich verstanden?!“ So war die Stimmung im Allgemeinen schlecht und die Atmosphäre angespannt, als wir den Palast endlich verließen und uns für die gewaltige Reise vorbereiten. Vielleicht sollte ich hier noch erwähnen, dass wir nirgendwo sesshaft waren und deshalb unsere Abenteuer immer ohne Probleme ausführen konnten, ohne dass man sich um ein Haus hätte sorgen müssen und die nötige Kleidung immer dabei hatten.
Wir blieben noch einen Tag in London, um uns auf die bevorstehende Reise vorzubereiten und uns von unserer Heimat zu verabschieden. Unsere Gesellschaft erhielt den Auftrag, dass wir uns am nächsten Morgen in den Docklands einfinden sollten und von dort sollten wir mit einem Schiff nach Frankreich überfahren.
Am Abend saßen wir noch in einem Pub, tranken Bier und sangen die alten Seemannslieder, welche uns Captain Sonnt gelehrt hatte. Die Lieder und das Bier verbesserten die Stimmung ungemein, was mir gefiel, denn so hatte sich der Zorn der anderen auf mich langsam aufgelöst. Und so grölten wir alle zusammen:
Johoho, und ´ne Buddel, Buddel Rum!
Johoho, und ´ne Buddel, Buddel Rum!
Schon bald sangen wir auch nicht mehr alleine, denn die anderen Gäste machten plötzlich mit und schrien, dass sich selbst der Teufel gefürchtet hätte.
Aber wie auch alles andere blieb die Freude im Gasthaus nicht von Dauer.
Als es auf Mitternacht zuging, meinte Lord Taylor mit einem Mal: „Jungens, ich glaube es ist besser, wenn wir uns nun für den morgigen Tag ausruhen, damit wir dann gestärkt in dieses gottverdammte Abenteuer gehen können, das uns Mr. Halton eingebrockt hat.“
Seine Stimme war für mich wie Feuer und plötzlich kochte auch in mir Zorn auf. Aber schließlich gingen wir alle nach unseren Zimmern im Gasthof und wünschten einander „Gute Nacht“.
Am nächsten Morgen trafen wir uns um sieben Uhr im Esszimmer. Wir nahmen noch ein Frühstück, welches aus Speck, Toast und Eiern bestand, zu uns.
Danach brachen wir gestärkt und munter nach den Docklands und nach unserem Schiff auf. Die Docklands lagen nicht weit weg von London, deshalb gingen wir zu Fuß. Der Himmel war, wie schon an den letzten Tagen, vollkommen verdunkelt gewesen und die Themse wirkte an diesem Tag besonders mächtig und wild.
Auf den Straßen tat sich bereits zur frühen Stunde schon einiges, denn Händler, welche umso mehr wurden, je näher man dem Hafen kam, trugen ihre Waren auf Karren und auch einige Stadtbürger schlenderten bereits durch die Straßen.
Mir wurde plötzlich schmerzhaft bewusst, dass ich diese Stadt und auch alle anderen englischen Städte lange nicht mehr sehen würde. In den Gesichtern meiner Gefährten konnte ich ähnliche, traurige Gedanken ablesen, auch sie waren traurig, als sie über diese Dinge nachdachten.
Nur Captain Sonnt war begeistert, als er die Schiffe sah, die im Wasser lagen und die wir nun schon in der Ferne sahen. Er stieß einen Freudenschrei aus und konnte es kaum noch erwarten an Bord zu gehen, obgleich er nicht einmal wusste, mit welchem Schiff wir fahren mussten. Das wusste nur Lord Taylor und der hatte es uns noch nicht verraten.
Eine halbe Stunde später aber, wir gingen noch immer am Fluss entlang, sprach er: „Das da vorne ist unserer Schiff. Es heißt Great Power und ist ein Dreimaster. Ich bin mir sicher, dass Captain Sonnt begeistert sein wird, stimmt’s Captain?“ Sonnt nickte nur. Er war in der Tat schwer begeistert von dem Schiff.
Wir gingen also an Bord und Taylor suchte sofort den Captain auf, dessen Namen ich allerdings vergessen habe und ich auch nicht für so wichtig halte.
Nachdem unser Anführer also alle Einzelheiten besprochen hatte, staken wir in See. Wir hatten guten Wind und außerdem war das Schiff nicht voll beladen, deshalb kamen wir gut voran und schon nach kurzer Zeit verließen wir die Themse und fuhren auf den englischen Kanal.
Unsere Heimat, Großbritannien, verschwand im Nu und schon bald konnten wir die Insel nicht mehr erblicken. Wir hatten auf dem Schiff keine Aufgabe und deshalb gingen wir (ich zumindest) über das Deck. Ab und zu sprach ich mit einem Matrosen, aber auch nicht besonders oft. Eigentlich sollte diese Überfahrt nach dem Festland eine ruhige Sache werden, da auf unserer Route keine Hindernisse liegen, aber ich kann dem Leser sagen, dass die Fahrt keineswegs ruhig war. Kurz nachdem Großbritannien außer Sichtweite war, kam ein so heftiger Sturm auf, dass ich schon bei den Gedanken über den Tod war. Die Wellen waren meterhoch und das Schiff bäumte sich immer auf, als wir hinauffuhren und dann plötzlich wieder nach unten fielen.
Schon bald befand sich viel Wasser an Deck und hier machte ich mich auch zunutze, indem ich einen Eimer nahm und versuchte so viel Wasser wie möglich aus dem Schiff zu schöpfen. Auch die anderen Mitglieder unserer Kompanie beteiligten sich bei diesem Vorhaben mit Hingabe, denn wir bangten sehr um unser Leben.
Während wir also die erwähnte Tätigkeit durchführten, liefen die Matrosen und Offiziere wie wild über das Deck und arbeiteten. Mir wurde klar, dass auch sie Angst hatten, was mich keinesfalls beruhigte.
Eine Stunde später hatte sich der Sturm noch nicht gelegt und uns war klar, dass wir auch nicht mehr lange durchhalten konnten. Wir waren pitschnass, da wir am Boden im Wasser knieten und hinausschöpften. Meine Arme schmerzten so sehr, dass ich es kaum noch schaffte, den Eimer hoch zu heben.
Der Sturm wurde auch nicht leichter, bis auf einmal ein Matrose schrie: „Da vorne ist Land!“ Wir sprangen alle auf und tatsächlich, keine vier Meilen vor uns lag die französische Küste und es dauerte auch nicht mehr lange, da hatte sich das Wetter wieder etwas beruhigt. Wir jubelten und freuten uns mit den Matrosen und den Offizieren. Der Captain wirkte auch glücklich, dass sie die Ladung unbeschadet transportieren konnten, denn man hatte die Kisten mit der Fracht nicht auf das Deck gelegt, sondern man hatte sie auf irgendwelche anderen Gegenstände gestellt und so wurden sie auch nicht nass. Andere Kisten hatte man unter Deck gebracht und dort dasselbe System angewendet.
So erreichten wir unversehrt das Festland und die erste große Gefahr hatten wir bereits hinter uns gebracht.
Ich muss zugeben, dass unsere Ankunft in Frankreich überaus angenehm und interessant war, denn die Stadt, in der wir zuerst den Boden betraten, war Calais. Calais war von Anfang an unser Zielhafen gewesen und ich war überaus glücklich, wieder auf fester Erde zu stehen, anstatt hilflos auf dem Meer herumzutreiben.
Die Stadt machte auf uns einen recht ordentlichen Eindruck und wir fühlten uns sofort wohl.
Nachdem wir das Schiff verlassen hatten, verabschiedeten wir uns von dem Captain des Gefährts, wenn auch etwas zornig. Alle Abenteurer waren froh, bis auf Captain Sonnt, der es liebte Gefahren auf dem Meer zu erleben.
Er sprach: „Ach, wie schön war’s auf dem Meere wieder!“ Und dann sang er wieder das alte Seefahrerlied:
Johoho, und ´ne Buddel, Buddel Rum!
Johoho, und ´ne Buddel, Buddel Rum!
Wir beschlossen uns nicht lange in Calais aufzuhalten, denn Lord Taylor wollte den Auftrag so schnell wie möglich ausführen und keine Zeit verlieren. Also machte sich unsere Gesellschaft auf den Weg. Wir zogen durch folgende Städte, in denen wir immer ausgezeichnetes Essen genießen konnten und überall fröhlich empfangen wurden: Saint Omer; Béthune, Lens, Douai, Arras, Amiens, Beauvais. Auch in vielen anderen Orten, die ich jetzt nicht alle namentlich erwähnen kann, machten wir Halt. An den Abenden gingen wir in gute Gasthäuser und aßen so viel wir nur konnten, denn wir alle pflegten zu sagen (besonders Silth May): „Es zahlt ja der König!“
Unsere Reise durch das Franzosenland führte uns auch eines schönen Tages durch die Stadt der Städte, Paris. Ich hatte zuvor diese Stadt noch nie nicht betreten und ich muss zugeben, dass sie mich sehr faszinierte, obgleich sie auch wie jede andere Stadt war.
Eines interessierte mich aber sehr, denn als wir einmal beisammen saßen und aßen, sprach Taylor: „Ich bin mal gespannt, ob wir Napoleon zu Gesicht bekommen. Der soll ja angeblich zur Zeit in Paris sein.“ Napoleon, der Feldherr aller Feldherren, hier in Paris.
Ich war wirklich ausgesprochen aufgeregt, denn Napoleon faszinierte mich schon immer. Seine politischen Interessen und sein Sinn für Gerechtigkeit fand ich ausgesprochen gut. Nun ja, da kann man sehen wie sehr man sich in den Menschen täuschen kann, denn selbstverständlich habe ich von der späteren Krönung von ihm mit Abscheu gehört.
Aber zu dieser Zeit wusste ich noch nichts davon, deshalb war ich erpicht ihn einmal zu sehen und fragte die anderen: „Könnten wir nicht versuchen Audienz bei ihm zu erhalten?“
Die anderen schnaubten verächtlich und Miss MacTontald sprach sarkastisch: „Und dann sollen wir ihm unseren Geheimen Auftrag von König George mitteilen, ja das ist wirklich eine sehr gute Idee, Halton.“ Ich war in dieser Situation ein wenig beleidigt und hielt mich aus den nachfolgenden Gesprächen heraus, auch wenn über die Planung unseres Abenteuers gesprochen wurde.
Als es schon spät in der Nacht war, gingen wir alle in unsere Zimmer, die wir uns gemietet hatten, und trafen uns erst am nächsten Tag in der Früh wieder. Anscheinend hatte Lord Taylor nicht gut geschlafen, denn er wirkte müde und wütend.
Meine Meinung bestätigte sich auch bald, denn Taylor wollte sofort und ohne Frühstück aufbrechen, was natürlich auch uns anderen wütend machte.
Aber wir konnten nichts tun, denn Taylor war unser Anführer. So schritten wir also durch die Straßen von Paris. Nichts schien verdächtig zu sein. Jeder von uns hatte eine Tasche dabei, in denen wir unser Essen, unsere Kleidung, aber auch unsere Waffen mit uns trugen. Ich ging ganz vorne. Hinter mir gingen Silth May und Clarisse MacTontald und am Ende gingen Lord Taylor und Captain Sonnt, die sich über die Planung unterhielten.
Aber irgendetwas lag in der Luft, wir wussten nicht was es war, da war es jedoch. Ich schaute mich um, aber ich sah nichts. Unsere Schritte wurden nun immer langsam und ich bemerkte, dass sich immer mehr Menschen um uns drängten, die alle in eine Richtung liefen.
Wir wurden mit den Menschen, die alle das gleiche Ziel hatten, förmlich mitgerissen und schon bald erkannte ich auch dieses Ziel. Wir bewegten uns auf einen riesigen Markplatz zu, auf dem Massen von Menschen waren und dort war auch …
Napoleon. Er hatte eine kleine Armee dabei und hielt anscheinend eine Rede vor dem Volk. Ich war begeistert, als ich seine Worte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hörte und ob der Leser es glaubt oder nicht, wir wurden zu ihm hingedrängt. Immer näher kamen ich und meine Gefährten ihm, was mich ausgesprochen freute, die anderen aber in Angst versetzte. Aber wir kamen durch dies in große Gefahr, denn bald schon standen wir direkt vor dem großen Feldherrn und wir fielen ihm anscheinend ins Auge.
Er hörte nämlich plötzlich zu reden auf und starrte uns tatsächlich an.
Schließlich erhob er wieder seine Stimme: „Wer seid ihr, die ihr nicht scheint als wärt ihr Franzosen oder einfach irgendwelche ausländischen Händler?“
Taylor, dessen Französisch von uns allen am besten war und der sowieso zu sprechen hatte, antwortete mit leichtem Zögern: „Wir kommen aus England, Mylord. Wir sind keine Händler, sondern Abenteurer im Dienste seiner Majestät, dem König George III! Lang lebe der König von England!“
„Nun das klingt wirklich sehr interessant, aber was für ein Abenteuer habt ihr zu bestehen?“ Schweigen. Keiner entgegnete etwas und auch die versammelten Menschen waren jetzt ganz leise. Ich stand da und wartete auf die Reaktion Napoleons. Da ich Napoleon für einen gerechten Mann und gutmütigen Menschen hielt, vermutete ich, dass er uns gehen ließe. Aber…
„Wenn ihr keine Auskunft über euch selbst geben könnt, obgleich ich es euch befohlen habe, dann werdet ihr mich von einer anderen Seite kennenlernen! Wachen, bringt sie ins Gefängnis und holt sie erst wieder heraus, wenn sie mit mir sprechen wollen!“ Wir wollten protestieren, aber da wurden wir schon gepackt und weggeführt. Die Menschenmenge schaute uns wütend hinterher.
Ich war wirklich ausgesprochen traurig und wütend, als wir im Gefängnis saßen und nichts tun konnten, außer zwischen den Gittertüren hindurchzuschauen, aber nicht weil wir hinter Gitter saßen, sondern weil ich mich in Napoleon getäuscht hatte. Ich hatte es wirklich nie für möglich gehalten, dass Bonaparte einfach unschuldige Leute einsperrt.
Auch meinen Gefährten gingen trübe Gedanken durch den Kopf. Wir waren sehr niedergeschlagen, dass unser Abenteuer bereits hier enden würde, hier in Frankreich, nicht weit entfernt von unserem Heimatland, unserem geliebten England. Wir hatten tatsächlich keinen blassen Schimmer, wie wir hier herauskommen sollten.
Silth May meinte auf einmal: „Wieso habt Ihr Napoleon nicht unsere Absichten mitgeteilt?“
Taylor antwortete: „Wenn wir ihm von dem Stein erzählt hätten, dann hätte er bestimmt seine eigenen Leute nach Japan geschickt und wir hätten Landesverrat begangen, da wir Frankreich dadurch geholfen hätten.“
Da es in der Natur des Menschen liegt, dass er sich immer irgendeinen Schuldigen sucht, suchten auch die Abenteurer einen Schuldigen. Und sehr zu meinem Bedauern war dieser Schuldige ich. Sie warfen mir vor, dass sie allein wegen mir dieses Abenteuer machen müssten und dass ich sie zu Napoleon geführt hätte.
Sie begannen also in unserer Zelle auf mich zu schimpfen und mich von allem auszuschließen. Leider konnte ich mich auch nicht dagegen wehren, denn eigentlich hatten sie ja Recht.
In dieser ausgesprochenen verzwickten Lage hatte ich wahrscheinlich nur eine Möglichkeit, um wieder das Wohlwollen der Gesellschaft zu erlangen: Ich musste uns hier rausbringen. Aus dieser Zelle und aus Frankreich. Mir wurde dies auch sehr schnell klar, also beschloss ich zu handeln.
Während sich die anderen in die hinterste Ecke der Zelle verzogen, setzte ich mich Tag und Nacht an die Gittertüre und beobachtete die Wachen, die ab und zu Karten spielten und ab und an Bier oder Wein tranken. Es waren meistens fünf an der Zahl und mir wurde schnell klar, dass wir durch Ausbruch keine große Chance hatten.
Also versuchte ich mir eine List zu ersinnen, was ich auch schon bald schaffte. Ich hatte eine Idee und während ich so auf dem kalten Boden saß, begann diese Idee zu einem ausgefeilten Plan zu werden, den ich auch so schnell wie möglich in die Tat umsetzen wollte.
Es war vermutlich der fünfte Tag, an dem wir uns in der Zelle aufhielten, da fing ich an. Ich ließ mich zu Boden fallen und jammerte. Ich stellte mich krank und sogleich kamen meine Kameraden angerannt, um mir zu helfen.
Sie beugten sich über mich und als sie sahen, dass sie nichts ausrichten konnten, brüllten sie: „Es muss sofort jemand kommen. Einer unserer Leute ist krank. So kommt doch jemand!“ Und tatsächlich kamen auch gleich die Wachen angerannt. Sie bemerkten, dass wirklich jemand anscheinend krank war, also sperrten sie die Türe auf und hoben mich hinaus. Darauf verbanden sie mir die Augen und brachten mich in ein Krankenhaus, wie ich es gehofft hatte.
Dort entfernten sie die Binde und kurz darauf kam auch schon ein Doktor, um mich zu untersuchen. Ich stellte mich furchtbar krank, um nicht den Anschein zu erwecken, dass ich fliehen könnte.
Nachdem der Doktor gegangen war und es schon Nacht wurde, verließ ich leise das Bett, ging nach der Tür und lugte vorsichtig hinaus. Mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich sah, dass keine Wache dort saß und auf mich aufpasste. Ich schlich vorsichtig durch das Hospital und suchte den Ausgang. Ich wurde schon bald fündig und verließ die Station so schnell wie möglich. Glücklicherweise sah ich einige Straßen weiter bereits das Gefängnis. Ich ging danach und dort suchte ich dann den Gang zu unserer Zelle. Ich brauchte auch dieses Mal nicht lange. Ich schaute vorsichtig um die Ecke und beobachtete die Wachen, die nach meiner Berechnung in kurzer Zeit Wachablösung haben sollten. Also stellte ich mich an die Wand und wartete.
Nach ungefähr zehn Minuten erhoben sie sich dann tatsächlich und schritten davon. Kaum waren sie hinter der nächsten Ecke verschwunden, lief ich auch schon zur Zelle hin, nahm die Schlüssel, die die Wachen wie immer vor der Zelle liegen gelassen hatten und sperrte stolz auf.
Die anderen kamen sogleich heraus und waren unglaublich erstaunt, aber ich sprach: „Keine Zeit für Fragen. Wenn ich mich nicht irre, kommen die nächsten Wachen in zwei Minuten. Also los, kommt!“ Leider hatte ich mich mit der Zeit ein wenig verschätzt, denn schon hörte ich Schritte, die sich uns näherten. Die Angst machte sich in mir breit und die Gedanken über ein erneutes Einsperren verstärkte dieses Gefühl nur. Wir hatten keine Zeit zu verlieren, also liefen wir ohne lange zu überlegen in die andere Richtung des Ganges. Wir rannte eine Treppe hinunter, nach rechts, nach links, nach oben, an Zellen vorbei … und dann waren wir draußen.
Taylor meinte: „Schnell, wir haben keine Zeit zu verlieren! Wir müssen Paris noch diese Nacht verlassen und dann so schnell wie möglich ins Heilige Römische Reich. Folgt mir!“ So eilten wir durch die Stadt. Vermutlich saßen uns die Verfolger bereits im Nacken.
Während wir so liefen, dachte ich nach, über die Welt, ihre schönen und über ihre dunklen Seiten. Ich dankte auch Gott, dass er uns aus dieser elendigen Lage geführt hatte und, dass er uns immer den richtigen Weg gewiesen hatte, egal ob wir darüber nachdachten oder nicht. Mir wurde auch klar, dass alles in seiner Hand lag. Wenn er uns nicht immer unterstützt hätte, wären wir nie so weit gekommen.
Im Morgengrauen hatten wir Paris bereits weit hinter uns gelassen, da wir aber kein Geld und rein gar nichts bei uns hatten, konnten wir uns keine Pferde besorgen, um schnell voran zu kommen.
Wir reisten weiter durch die Provinzen des Französischen Landes, dabei nahmen wir fast immer den Weg durch die Wälder und über die Felder, da wir auf keinen Fall riskieren wollten, dass wir wieder gefangen genommen werden. Weil wir aber Nahrung und Wasser brauchten, kamen wir nicht darum herum, dass wir ab und zu auch in die kleinen Dörfer kamen, um uns das oben genannte zu besorgen.
Unsere Gesellschaft hatte kein Geld und auch sonst nichts, deshalb mussten wir die Nahrung stehlen. Bei diesen Gelegenheiten ließen wir auch manchmal andere Gegenstände, beispielsweise Waffen mitgehen, obgleich ich dabei wirklich kein gutes Gefühl hatte. Aber Silth May und auch Lord Taylor bestanden darauf, dass wir diese Waffen für unsere Verteidigung brauchten.
Mir jedoch war bei der Sache nicht wohl und das muss mir der Leser auch glauben, denn sonst hätte ich ja nicht aufgeschrieben, dass wir Waffen stahlen.
Unsere Reise durch Frankreich war von Angst vor den Soldaten des Napoleons und von Hunger geprägt. Jedoch währte dieser Teil unseres Abenteuers nicht für ewig, denn ein paar Tage später kamen wir nach der Grenze des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen. Um bei der Zollstation nicht entdeckt zu werden, versteckten wir uns in den Ausläufern eines Waldes, der an die Grenze Frankreichs und des Heiligen Römischen Reiches grenzte.
In dieser Situation bot sich uns allerdings ein neues, schwieriges Problem. Wie sollten wir über die Grenze gelangen? Ohne Geld und noch dazu gejagt von Napoleon?
Keiner von uns hatte eine Idee, weder Lord Taylor, noch Captain Sonnt, noch Silth May, noch Miss Mac-Tontald, noch ich. Aber wie es kommen musste, blieb es an mir, die anderen aus unserer elendigen Lage zu bringen. Die Rettung aus dem Gefängnis in Paris durch mich, hatten meine Gefährten bereits wieder vergessen und wieder flammte der Zorn derer auf.
Sie sagten: „Na Junge, hast du denn wieder einmal keine Idee, wie wir uns helfen können?“
Mir war klar, dass ich gegen die anderen vier keine Chance hatte, also entgegnete ich: „Lasst mir Zeit bis morgen früh und ich werde euch helfen können!“ Die anderen waren mit dieser Antwort zufrieden.
Ich setzte mich auf den Waldboden und dachte nach und dachte nach. Meistens über das Vorhaben über die Grenze zu kommen, manchmal aber auch über meine Heimat England. Ich spürte etwas, dass ich zuvor noch nie gespürt hatte. Heimweh!
Etwas später, es war so sieben Uhr abends, da fragten mich meine Kameraden erneut vorwurfsvoll: „Hast du jetzt endlich einen Plan oder nicht?“
Mir war tatsächlich etwas eingefallen, aber weil ich über die unverschämte Frage empört war, sprach ich: „Da ihr, die ihr es nicht für wert erachtet, eure Köpfe selbst anzustrengen, mich gezwungen habt für unsere Operation einen Plan zu finden, habe ich mich für euch angestrengt und einen Plan ausgearbeitet, der euch aus dieser Lage bringen wird!“ Danach fuhr ich im Flüsterton fort meinen Gefährten, die nun ziemlich aufgebracht waren, den Plan zu berichten.
Sie wirkten von dem Plan begeistert und als es Mitternacht wurde, ging ich im Gewand eines reichen Franzosen nach der Zollstation. Ich verhielt mich so, wie sich auch ein vornehmer Bürger benehmen würde. Der Zollbeamte schaute mürrisch drein, als ich an der Grenze stand und darauf wartete, dass er mich durchließ. Und wirklich ließ er mich ohne groß zu schauen durch.
Nun war ich im Heiligen Römischen Reich. Jetzt musste ich nur noch den Morgen abwarten und dann würden auch meine Freunde über die Grenze kommen können. Ich setzte mich etwas abseits des Grenzhauses hin und beobachtete es genau.
Zwei Stunden später machte ich eine interessante Beobachtung. Ein Reiter kam plötzlich angeritten und näherte sich dem Grenzbeamten.
