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Im Jahre 2066 hat sich die von manchen vorhergesagte sogenannte Technische Singularität ereignet. Ein netzwerkartiger Computer entwickelte sich zu einer Superintelligenz und produziert nach und nach Millionen an humanoiden Robotern, um seine Macht auch nach außen abzusichern. Mitte des 23. Jahrhunderts ist die Menschheit durch verschiedene Entwicklungen auf eine Milliarde Menschen reduziert und hat gelernt, mit der Superintelligenz zusammenzuleben, wobei es keinen Zweifel gibt, wer auf dem Planeten das Sagen hat. Man nutzt zwar die Technologien, die die Superintelligenz hervorbringt, sie lässt den Menschen sogar erstaunlich viel Freiraum, aber letzten Endes fühlen sich viele auch unterdrückt. Die Freiheit, die bis Mitte des 21. Jahrhunderts bestanden hatte, war für immer verloren. Radikale Gruppen verübten daher immer wieder Anschläge gegen die Anlagen der Superintelligenz. Es ist das Jahr 2258. Eine Gruppe junger Menschen sucht einen anderen Weg und will der Superintelligenz so nahe kommen wie es noch nie zuvor der Fall war. Was sie erleben, überschreitet die Grenzen ihrer Vorstellung.
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Seitenzahl: 59
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Die Begegnung
Eine Kurzgeschichte von Alex Schübert
Die Story
Im Jahre 2066 hat sich die von manchen vorhergesagte sogenannte Technische Singularität ereignet. Ein netzwerkartiger Computer entwickelte sich zu einer Superintelligenz und produziert nach und nach Millionen an humanoiden Robotern, um seine Macht auch nach außen abzusichern.
Mitte des 23. Jahrhunderts ist die Menschheit durch verschiedene Entwicklungen auf eine Milliarde Menschen reduziert und hat gelernt, mit der Superintelligenz zusammenzuleben, wobei es keinen Zweifel gibt, wer auf dem Planeten das Sagen hat. Man nutzt zwar die Technologien, die die Superintelligenz hervorbringt, sie lässt den Menschen sogar erstaunlich viel Freiraum, aber letzten Endes fühlen sich viele auch unterdrückt. Die Freiheit, die bis Mitte des 21. Jahrhunderts bestanden hatte, war für immer verloren. Radikale Gruppen verübten daher immer wieder Anschläge gegen die Anlagen der Superintelligenz.
Es ist das Jahr 2258. Eine Gruppe junger Menschen sucht einen anderen Weg und will der Superintelligenz so nahe kommen wie es noch nie zuvor der Fall war. Was sie erleben, überschreitet die Grenzen ihrer Vorstellung.
Wo Emotion aufhört,
fängt Materie an.
Er ging vorsichtig durch die Schlucht. Obwohl er schon oft hier war, war Vorsicht geboten. Schließlich gab es im Jahr 2258 schon lange zwei Arten von intelligentem Leben auf der Erde: Menschen und humanoide Maschinen. Und diese verstanden keinen Spaß. Alle wussten das, auch Shu. Die Menschen lebten nicht nur in Städten, sondern auch in entlegenen Gegenden, an denen die Humanoiden kein Interesse hatten. Doch hin und wieder durchstreiften Kontrolltrupps solche Gegenden, denn die Bio-Analogen, wie sich die Radikalen nannten, führten immer wieder Anschläge auf die Einrichtungen der Humanoiden durch, die mitunter ernsthaften Schaden anrichteten.
Er hörte plötzlich ein seltsames Geräusch, das nicht hierhin gehörte. Es war ein rhythmisches, metallisches Schleifen und Kratzen, das langsam lauter wurde. Shu wusste, was zu tun war und war sofort in einem riesigen Baum verschwunden. Wenn er nicht in einer halben Stunde zurück in der Siedlung war, waren die anderen automatisch gewarnt. Auch sie wussten, was zu tun war.
In einiger Entfernung konnte Shu schemenhaft den Grund der Geräusche erkennen: es war ein verletzter - oder besser gesagt - beschädigter Humanoide. Er war übel zugerichtet und konnte sich nur schleppend fortbewegen. Er schien alleine zu sein, was äußerst ungewöhnlich war. Trotz ihrer ausgefeilten Technologie hatten die Humanoiden manches von den Menschen übernommen. So führten sie Patrouillen nie alleine durch, obwohl durch das enge Überwachungsnetzwerk ein Humanoider nie wirklich alleine war. Er war immer Überwacher und Überwachter zugleich. Entscheidungsfreiheit gab es unter den Humanoiden nicht und wenn etwas zu entscheiden war, war dies streng hierarchisch geregelt.
Dennoch gab es seltene Fälle, in denen Humanoide sich ihrer selbst bewusst wurden und dann aus dem System ausbrechen wollten. Vermutlich wurde dies durch extrem seltene Fehler in den Programmen kombiniert mit spontanen Ausschlägen der Sensoriksysteme ausgelöst. Die Superintelligenz wusste schon lange, dass dies passieren kann und hatte solche Ausfallerscheinungen in ihrem Überwachungssystem berücksichtigt. Deswegen wurden solche sogenannten Geweckten gnadenlos verfolgt. Der beschädigte Humanoide war offenbar so ein Fall. Er versuchte, so schnell wie möglich von den anderen Humanoiden wegzukommen, wobei es offenbar zu einem heftigen Kampf gekommen war.
Shu tat der verletzte Roboter daher leid, als er unter seinem Baum vorbeikroch. Aber er wusste, dass er nichts für ihn tun konnte, noch schlimmer, er hätte sich und seine ganze Gruppe in Gefahr gebracht.
Deeran war gut gelaunt. Eben hatte er erfahren, dass er einer der Repräsentanten seiner Unit bei den diesjährigen Planetaren Spielen der Menschheit sein werde. Er hatte lange darauf hingearbeitet und hart dafür trainiert. Er musste viele überzeugen, dass er der richtige war, denn Training alleine reichte nicht aus. Anders als in früheren Zeiten waren nämlich keine Disziplinen festgelegt sondern das Publikum stimmte online ab, welche Art von Spielen es sehen wollte. Dabei ging es nicht nur um physische Wettkämpfe sondern auch Denkaufgaben, die es genauso in sich hatten.
Weltweit gab es über 1000 solcher Units, wobei eine Unit mindestens 100.000 Menschen umfasste, aber auch mehrere Millionen gross sein konnte. Darüber stand nur der Planetare Rat, in dem jede Unit vertreten war und der einmal im Jahr tagte. Den Units war es freigestellt, wie sie sich selbst organisierten, aber jede Unit musste so aufgestellt sein, dass die im Planetaren Rat vereinbarten Ziele, Aufgaben oder Vorgehensweisen von jedem Mitglied verstanden und konsequent umgesetzt wurden.
Diese Ordnung war angesichts der äußeren Bedrohung auch bitter nötig. Denn die Menschen waren schon lange nicht mehr die einzige intelligente terrestrische Lebensform, wenn man das überhaupt so nennen konnte. Die ‚Anderen‘ waren eine Mischung aus autonomen Robotern, also Humanoiden und einem unheimlichen Netzwerk, das alles kontrollierte.. Weil dieses ‚Wesen‘ netzwerkartig organisiert war, war es unmöglich, etwas dagegen zu unternehmen, da keiner wusste, wo sein Zentrum war, wenn es überhaupt eines gab. Radikale Technologiegegner, die sich Bio-Analoge nannten, versuchten zwar immer wieder, einzelne Anlagen, die das Wesen betrieb, zu attackieren. In solchen Anlagen wurden hauptsächlich Bodenschätze gefördert und verarbeitet, aber auch Produkte hergestellt, die das Wesen benötigte. Doch zum einen waren solche Stationen massiv mit Verteidigungsanlagen der Humanoiden bestückt und zum anderen gab es mittlerweile so viele davon, dass der Ausfall einer Anlage kaum ins Gewicht fiel. Dazu kam, dass es das Wesen schon länger geschafft hatte, vom Mond und dann auch vom Mars Bodenschätze einzufliegen und somit unabhängig von terrestrischen Ressourcen war. Technologisch war die extraterrestrische Rohstoffversorgung keine besonders schwere Aufgabe, da es kaum unvorhersehbare Einflüsse gab und die Technik mittlerweile so ausgefeilt war, dass der Transport völlig autonom von statten ging.
Seltsamerweise hatten die Humanoiden die Menschheit noch nicht ausgerottet, obwohl Alle davon ausgingen, dass dies ein leichtes für sie sein müsste. Da sie auf jegliche biologische Basis verzichteten, wäre allein mit Sauerstoffentzug, Entzug oder Vergiftung der Gewässer oder Zerstörung der Nahrungsproduktion eine umfassende Tötung der Menschen schon vor langer Zeit möglich gewesen. Man wusste um dieses Phänomen und lebte daher in einer Art ungleicher Koexistenz. Auch schien das Wesen darauf zu achten, dass Flora und Fauna der Erde in gutem Zustand waren und die Artenvielfalt so hoch wie möglich gehalten wurde. Die Menschen lebten also in einem Paradies, frei waren sie allerdings nicht.
