Die besten Aktien findet man nicht im DAX - Beate Sander - E-Book

Die besten Aktien findet man nicht im DAX E-Book

Beate Sander

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Beschreibung

Viel zu oft konzentrieren sich Anleger auf die Unternehmen im deutschen Leitindex. Nicht erst seit dem Wirecard-Skandal bestätigt sich: Das kann ein fataler Fehler sein. Denn die Nebenwerte-Indizes MDAX, SDAX oder TecDAX sowie die internationalen Börsenplätze schlagen den DAX um Längen, wenn es um die Wertentwicklung geht. Wichtig ist aber nicht nur die richtige Wahl der Aktien, sondern auch der richtige Zeitpunkt des Kaufs und (Teil-)Verkaufs. In diesem Buch werden systematisch alle Grundsätze der Hoch-Tief-Mut-Strategie gut verständlich erklärt und mit Einblicken in das Erfolgsdepot von Beate und Uwe Sander kombiniert. Die Autoren zeigen, über welch enormes Potenzial Nebenwerte verfügen. Dabei geht es nicht nur um die Nebenwerte-Börsenbarometer. Chancenreich sind auch ausländische Aktien, Aktienfonds und die beliebten Aktienkörbe-ETFs. In Kurslisten und Auswahldepots finden Börsenneulinge und fortgeschrittene Anleger wichtige Informationen zu zukunftsfähigen Titeln. Vorsichtige ebenso wie erfolgsorientierte und risikofreudige Anleger erhalten Vorschläge für den Aufbau eines zukunftsfähigen Depots ab 5 000 Euro.

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BEATE SANDER

UWE SANDER

DIE BESTENAKTIENFINDET MAN NICHTIM DAX

BEATE SANDER

UWE SANDER

DIE BESTENAKTIENFINDET MAN NICHTIM DAX

Mit der Hoch-Tief-Mut-Strategie zum Erfolg

Mit großem Corona-Rück- und Ausblick

FBV

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

Originalausgabe, 3. Auflage 2022

© 2021 by FinanzBuch Verlag,

ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

D-80799 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Die im Buch veröffentlichten Ratschläge wurden von Verfasser und Verlag sorgfältig erarbeitet und geprüft. Eine Garantie kann jedoch nicht übernommen werden. Ebenso ist die Haftung des Verfassers beziehungsweise des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ausgeschlossen.

Redaktion: Anne Büntig

Korrektorat: Anja Hilgarth

Umschlaggestaltung: Sonja Vallant, München

Umschlagabbildung: Shutterstock.com/Vector; Shutterstock.com/bioraven

Satz: Satzwerk Huber, Germering

Druck: Florjancic Tisk d.o.o., Slowenien

Printed in the EU

ISBN Print 978-3-95972-426-5

ISBN E-Book (PDF) 978-3-96092-801-0

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96092-802-7

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.finanzbuchverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

Inhalt

Vorwort von Beate Sander

Vorwort von Uwe Sander

1 Nebenwerte-Indizes – oft besser als der DAX

1.1 Die deutsche Indexfamilie DAX, MDAX, TecDAX und SDAX

1.2 Die Sieger und Verlierer der DAX-Familie im mehrjährigen Vergleich

1.3 Veränderungen im DAX 40 und MDAX 50

1.4 Interessant, aber kaum bekannt: GEX, DAXplus Family 30 und SCALE

1.5 Neue Börsengänge 2020/2021

1.6 Dividenden in Nebenwerten – das lohnende Zusatzgeschäft

1.7 Die wichtigsten Finanzkennzahlen im Überblick

1.8 Beim Kennzahlenvergleich überzeugen die Nebenwerte

1.9 Mittelständler – das Rückgrat der deutschen Wirtschaft?

2 Wichtige internationale Aktien-Indizes

2.1 NASDAQ 100

2.2 S&P 500

2.3 DAXglobal Asia Index und Hang Seng Index

2.4 Internationale Index-Übersicht

3 Auf der Suche nach erfolgreichen Nebenwerten in den wichtigsten Branchen und Zukunftsmärkten

3.1 Welchen Unternehmen aus den Nebenwerten kann ich vertrauen?

3.2 Branchenauswahl statt Index-Wiedergabe

3.3 Rohstoffe der Zukunft

3.4 Erneuerbare Energien

3.5 Die Automobilindustrie im Umbruch

3.6 Neue Trends im Versicherungs- und Bankenwesen

3.7 Künstliche Intelligenz

3.8 Die Bauwirtschaft und Immobilien vor neuen Herausforderungen

3.9 Die Industrie 4.0 und der Wachstumstreiber Onlinehandel

3.10 Megatrends: Medizin- und Biotechnologie

4 Die Hoch-Tief-Mut-Strategie bei Nebenwerten

4.1 Die zehn Grundsätze

4.2 Hinweise zur Hoch-Tief-Mut-Strategie

4.3 So optimieren Sie Ihre Strategie

4.4 Der richtige Umgang mit Gewinnen und Verlusten

4.5 Die Charttechnik

4.6 Wann kaufen und wann verkaufen?

4.7 Mit Teilverkauf und Koppelgeschäft zum Erfolg

4.8 Wie viel Value? Wie viel Growth?

4.9 Kapitalerhöhungen

4.10 Auf Schnäppchenjagd: Kaufsignale für Aktien

4.11 Stoppkurse

4.12 Chancen durch Industrie 4.0, Digitalisierung und Vernetzung

5 Aktien-Indexfonds (ETFs)

5.1 Was macht ETFs so interessant?

5.2 ETF-Auswahl nach Branchen

5.3 ETF-Auswahl – sicherheitsbewusst oder risikofreudig

5.4 Interview zum Thema ETF

6 Nebenwerte-Aktienfonds

6.1 Meist besser als Standard-Fonds mit DAX & Co.

6.2 Eine Auswahl von Nebenwerte-Aktienfonds: Deutschland, Europa, USA, Asien, weltweit

6.3 Nachhaltige, ökologische Geldanlage

6.4 Mischfonds: Beliebt, aber renditeschwach

6.5 Aktien, Aktienfonds und ETFs im Vergleich

7 Aktienauswahlen mit dem Fokus auf Nebenwerten

7.1 Grundlegendes

7.2 Aktienauswahl »Sicherheitsorientierung« – mehr Value als Growth, viel MDAX und TecDAX

7.3 Aktienauswahl »Erfolgsorientierung« – MDAX und SDAX

7.4 Aktienauswahl »Risikofreude« – deutsche Growth-Titel

7.5 Aktienauswahl »Familienfirmen« – Nebenwerte vom DAXplus Family und GEX

7.6 Aktienauswahl »Nachhaltigkeit«

7.7 Aktienauswahl »Nasdaq 100« – US-Technologiebörse I

7.8 Aktienauswahl Südostasien – China, Japan und Südkorea

8 Die Corona-Krise

8.1 Impfstoff-Aktien nach der Pandemie

8.2 Die Börse bevorzugt die Karte Zukunft – Interview während der Corona-Krise

8.3 Allzeithoch trotz Corona-Crash – Wie geht das?

8.4 Folgen der Corona-Krise

9 Weitere Interviews mit Beate Sander

9.1 Nachhaltige Geldanlage und Greenwashing

9.2 Nachhaltigkeitsaktien

9.3 Elektromobilität

9.4 Anlagetipps

9.5 Lebensrückblick und Ausblick

Wissenstest zum Thema Aktien

Rechtlicher Hinweis

Lösung zum Wissentest

Kleines, aktuelles Börsenlexikon

Anmerkungen

Vorwort von Beate Sander

Liebe Leserinnen und Leser, im Jahr 2020 begannen viele Menschen – bedingt durch die Corona-Krise –, sich mehr Gedanken über ihre Geldanlage zu machen.

Als Folge der Nullzins- und Strafzinspolitik lauten die Nachrichten auch in Zeiten der Corona-Krise mit gewaltigen wirtschaftlichen Einbrüchen nach wie vor: »Aktien bleiben als langfristige Anlage ohne Alternative.« Das ist sicherlich richtig. Das Wort »Nebenwerte« kommt jedoch nicht vor.

Wie üblich, geht es oft nur um den DAX, beziehungsweise den DAX-40, obgleich dieser in 30 Jahren weder im Kurz- noch im Langzeitvergleich mit den deutschen Nebenwerteindizes TecDAX, MDAX, SDAX und DAXplus Family 30 bezüglich Kursentwicklung mithalten kann.

Die grünen Markierungen zeigen die beste, die roten Markierungen die schlechteste Kursentwicklung beim Vergleich aller deutschen Börsenbarometer an.

Den Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklungen und den Einfluss auf die Depots sehe ich mir genau an. Dann entscheide ich anhand der von mir entwickelten und fortlaufend erprobten und verfeinerten Hoch-Tief-Mut-Strategie, ob der Zeitpunkt günstig ist, um in Aktien neu einzusteigen und/oder ob Teilverkäufe sinnvoll sind.

Dieses Buch thematisiert die einzelnen Schritte dieser Strategie mit ihren Auswirkungen, unterlegt mit praktischen Fallbeispielen und Kurslisten.

Inzwischen kann ich mein Wissen auf den Zeitraum mehrerer Jahrzehnte stützen. Als Langzeitanlegerin filtere ich dabei auch die besten Aktien heraus. Erneut bestätigt sich: Die deutschen Nebenwerte-Indizes MDAX, TecDAX, SDAX verdienen es, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Auch ein Blick auf andere Börsenplätze ist dabei unabdinglich.

Insbesondere gilt dies für Wachstumsaktien aus der US-Technologiebörse Nasdaq mit Fokus auf das Internet der Dinge, die vernetzte und digitalisierte Welt sowie Künstliche Intelligenz mit Robotik. Die Corona-Pandemie verbunden mit der Suche nach wirksamen Arzneimitteln und Impfstoffen führt zu einem deutlichen Aufschwung im Gesundheitswesen mit Biotech, Medtech, Pharma. Nach den Corona-Wellen werden in Zukunft weitere medizinische Herausforderungen auf uns zukommen.

Es zeigt sich, dass mit niedrig bewerteten, substanzstarken, defensiven Value-Aktien nicht einmal im Crash mehr Stabilität herrscht als bei den hoch bewerteten offensiven Wachstumsaktien aus dem TecDAX und Nasdaq 100. Auf der Suche nach Jahres- und Allzeithochs, um mit drei- und vierstelligen Kursgewinnen günstige Neukäufe zu finanzieren, finde ich vor allem Growth-Titel, die dem Corona-Crash trotzen und mit neuen Rekordständen begeistern.

Geht es dagegen um üppige Dividenden, finden wir die Dividenden-Stars im In- und Ausland vor allem bei den Value-Aktien. Hier spielt neben den Nebenwerten auch der DAX trotz Dividenden-Streichungen während der Corona-Krise eine große Rolle. Ohne die Ausschüttungen hätte der deutsche Leitindex in drei Jahrzehnten kaum zugelegt. Dabei gilt es, den Sparer-Pauschalbetrag bestmöglich zu nutzen, so können bis zu 16.000 Euro pro Jahrzehnt steuerfrei erwirtschaftet werden. Dieses Buch zeigt deshalb auch von den wichtigen Nebenwerte-Indizes die Dividendenstars und Sieger mit der besten Kursentwicklung. Viele stammen aus dem Nasdaq 100, dem TecDAX, MDAX und dem SDAX. Durch praxisnahe Einblicke in meine Strategien und in meine Erfolgsdepots möchte ich Ihnen zu mehr Erfolg an der Börse verhelfen.

Ich konzentriere mich auf Nebenwerte, bevorzuge bei neuen Investitionen Nachhaltigkeitsaktien und picke mir die besten Titel wie ein Perlenfischer heraus. Der Lohn für all die Mühe? Ich entdecke immer wieder einige »Rennpferde«, die ich übergewichte und bei denen ich nur Teilverkäufe mit hohem Kursgewinn im Allgemeinen von über 100 % mache. So bleiben die besten Rennpferde im Stall. Und ich kann Ihnen diese chancenreichen, meist noch jungen, oft familiengeführten Mittelständler auch bei meinen Anlagevorschlägen, Musterdepots und Kurslisten vorstellen.

Im besonderen Maße profitieren Sie davon, wenn Sie meine Aktienvorschläge für vorsichtige beziehungsweise sicherheitsbewusste, erfolgsorientierte und risikofreudige Anlegertypen mit schmalem Geldbeutel ab 5.000 Euro und gut ausgestatteter Vermögensdecke bis zu 100.000 Euro studieren.

Dabei geht es nicht nur um Einzelaktien aus dem Nebenwertesektor, sondern ebenso um passiv gemangte ETF-Aktienkörbe und aktiv gemangte Aktienfonds mit Augenmerk auch auf Nachhaltigkeitsprodukte. Lese ich dagegen die Tages- und Wirtschaftspresse, sehe mich im Internet um oder höre Radio-Nachrichten, so dreht sich alles um den DAX. 2020 gab es nach der Wirecard-Pleite allerdings auch schlechte Nachrichten aus dem DAX.

Die Wandlung zum DAX 40 wird ihn sicherlich agiler werden lassen, aber nach wie vor ist ein erweiterter Blick auf die anderen Indizes für erfolgreiche Anleger unverzichtbar. Jede Tageszeitung bildet im Wirtschaftsteil den DAX ab, öfter auch den Dow Jones, den Euro Stoxx 50 und den MDAX. So wissen viele nicht, dass es attraktive Nebenwerte-Indizes gibt, und zwar nicht nur in Europa, sondern ebenso in Nordamerika und Asien.

Im Fußball wird verständlicherweise auch am meisten über die 1. Bundesliga und die Champions League berichtet. Dennoch haben die 2. und 3. Liga ihren Platz in Presse und Fernsehen.

Der DAX ist mit der 1. Bundesliga vergleichbar. Der MDAX und der TecDAX mit 30 Hightech-, Biotech-, Software-, Windkraft- und Solartiteln spiegeln die 2. Bundesliga wider. Der SDAX mit 70 kleineren Mittelständlern, als Small Caps bezeichnet, entspricht in seiner Struktur der 3. Liga. Es ist wichtig, neben dem neuen DAX 40 auch die im Herbst 2018 erfolgte Neuausrichtung vom MDAX und SDAX zu verfolgen. Beide Indizes sind nicht mehr nur klassisch strukturiert, sondern bringen den TecDAX mit wichtigen Zukunftsaktien ein, die größeren beim MDAX, die kleineren beim SDAX. Auch für Sie sollte gelten: Weg vom schleichenden Kapitalvernichter Sparbuch, hin zu Aktien!

Ihre Autorin Beate Sander

Vorwort von Uwe Sander

Im Sommer 2020 war die Welt für Beate noch in Ordnung. Sie begann, intensiv an diesem Buch zu arbeiten. Im Spätsommer traf dann überraschend der ärztliche Befund ein. Es ging nicht mehr um Heilung, sondern nur noch um Schmerztherapie. Beate arbeitete dann rund um die Uhr, und sie führte mich intensiv in ihre Depotführung und die zugrunde liegende Hoch-Tief-Mut-Strategie ein, um auch dieses Buch in gewohnter Qualität vollenden zu können.

Dieses Buch wird als zweites gemeinsames Buch von Beate und mir ein besonderes Gesicht bekommen. Zentral sind dabei die Fragen zu unserer eigenen Depotführung mit den vielen Rennpferden. Für den künftigen Anlage-Erfolg von großer Bedeutung ist dabei die Einschätzung der neuen Rahmenbedingungen, hervorgerufen durch COVID-19 und die US-Wahl und die richtigen Reaktionen darauf, sowie der globalen Veränderungen, die sich in sogenannten Megatrends zeigen. Sie können wichtige Hintergrundinformationen für eine langfristige Anlagestrategie bieten.

Bis zuletzt und über den Tod hinaus möchte Beate alle Anleger ermutigen, zuversichtlich die Chancen im Aktienmarkt zu nutzen und auch bei Rücksetzern nicht zu verzagen. Mehr denn je gilt: Weg vom Sparbuch – hin zu Aktien!

Als Sohn der Börsenautorin Beate Sander setze ich ihre Ratschläge in meinen eigenen Depots seit 20 Jahren um. Bereits im Jahr 2001 finanzierte ich meiner jetzigen Ehefrau und mir von den ersten Aktien-Gewinnen einen Teneriffa-Urlaub. Als Wirtschaftskundelehrer konnte ich meinen Schülerinnen und Schülern jahrzehntelang mit Börsenspielen den Zugang zur Finanzwelt schmackhaft machen, bevor ich als Dozent an die Pädagogische Hochschule ging. In Crash-Zeiten wusste ich, dass ich nichts verloren hatte, solange ich nicht vorschnell verkaufte und schon gar nicht auf automatisierte Verkäufe (mit Stop-Loss-Limits) setzte.

Meine eigenen Gewinne aus nachhaltigen Aktienwerten sind beträchtlich. So zeigte sich für mich bereits zu Beates Lebzeiten, wie groß ihr Vermächtnis war. An diesem geistigen Erbe möchten wir beide Sie gerne teilhaben lassen. Dazu geben wir Ihnen in diesem Buch Einblicke in unsere Depots.

Ihr Autor Uwe Sander

1 Nebenwerte-Indizes – oft besser als der DAX

1.1 Die deutsche Indexfamilie DAX, MDAX, TecDAX und SDAX

Den deutschen Leitindex DAX gibt es seit dem 1. Juli 1988, er startete bei 1.163 Punkten. 1996 kam der MDAX mit größeren Nebenwerten (Mid Caps) und 70 Titeln hinzu, ergänzt 1999 durch den SDAX für 50 kleinere Werte (Small Caps). 2003 gründete die Deutsche Börse AG den TecDAX mit 30 Titeln als Nachfolger vom unrühmlich endenden Neuen Markt. 2018 wurden MDAX und SDAX durch die Aufnahme von TecDAX-Titeln reformiert.

Abbildung 1: Deutsche Indizes

DAX 30/DAX 40

Große, heimische Unternehmen, die oft mit Wertbeständigkeit, geringerem Risiko und Dividenden locken, finden sich im DAX. Die Schwergewichte werden auch als »Large Caps« beziehungsweise »Blue Chips« bezeichnet.

Es wird hier aber nur ein sehr kleiner Teil des globalen Börsengeschehens repräsentiert. Zudem sind die im DAX enthaltenen (künftig 40) Unternehmen nicht unbedingt diejenigen mit der höchsten Innovationskraft – allein schon aufgrund ihrer Größe.

Gute Unternehmenszahlen sind meist schon im Kurs eingepreist. Dennoch ist die oft befürchtete Blasenbildung gerade im internationalen Vergleich wohl eher als Panikmache beziehungsweise als Versuch, Kunden zu anderen kostspieligen oder hochriskanten Anlageformen zu locken, einzustufen.

Die besten Aktien findet man nicht im DAX. Das heißt aber nicht, dass nicht auch ein paar DAX-Titel ins Depot gehören. Vor allem in der Aufbauphase eines neuen Depots eignen sich einige wertbeständige DAX-Titel für ein breit aufgestelltes Depot. Außerdem muss man einigen DAX-Titeln zugutehalten, dass sie außerhalb der Corona-Krise immer brav Dividenden ausgeschüttet haben – und mit einem akzeptablen Buchwert gerade bei ängstlichen Anlegern1 für Beruhigung sorgen können.

Zu den dividenden- und buchwertstarken Titeln zählen Allianz, BASF, BMW, Daimler, die Deutsche Telekom, E.ON und die Munich Re.

DAX-WERTE – Ein Blick in unser Depot

Gerade im Depot mit den Altbeständen finden sich einige DAX-Werte mit ordentlicher Performance. Hier ein kleiner Auszug mit fünf Beispielen.

Alle Beispiele sind repräsentativ ausgewählt, d. h. es sind Aktien dabei, die sich gut entwickelt haben, und solche, bei denen es im Jahr 2020 Verluste gab. Dies ist aber in der Gesamtbetrachtung keinesfalls schmerzhaft, sondern gehört zum Börsenalltag auch in einem zukunftsorientierten Depot mit vielen Rennpferden selbstverständlich dazu.

Abbildung 2: Collage der DAX-Werte Ende 2020

TecDAX

Der TecDAX besteht aus den 30 größten deutschen Technologiewerten. Zum 24. September 2018 wurde die Trennung in klassische und Technologie-Werte aufgehoben. Daher finden sich die TecDAX-Werte inzwischen auch im DAX, im MDAX und im SDAX wieder. Der TecDAX hat 2020 gegenüber dem Vorjahr zwar nicht mehr so stark zulegen können, den DAX hat er dennoch klar abgehängt.

Abbildung 3: Collage der 30 TecDAX-Werte Ende 2020

Folgende TecDAX-Werte finden sich auch im MDAX: AIXTRON SE (Halbleiterindustrie), Bechtle AG (IT), Cancom SE (IT), Carl Zeiss Meditec AG (MedTech), Evotec SE (BioTech), freenet AG (Telekommunikation), MorphoSys AG (Biotechnologie), Nemetschek SE (Software), QIAGEN N.V. (Biotechnologie), Siemens Healthineers AG (Medizintechnik), Siltronic AG (Halbleiterindustrie), Varta AG (Elektrotechnik).

Aus dem SDAX kommen beispielsweise 1&1 Drillisch (Telekommunikation), Drägerwerk (Medizintechnik), Eckert & Ziegler (MedTech), Jenoptik (Photonik), LPKF Laser & Electronics AG (Maschinenbau).

Aus dem DAX kennt man Telekom, SAP und Infineon.

MDAX

Das »M« steht für die »Mid Caps«, also die mittelständischen Unternehmen. Die Werte sind breiter diversifiziert als im DAX. Der MDAX bildet also ein Potpourri aus Unternehmen ab, die teilweise mit Innovationskraft überzeugen können und mitunter auch schon sehr große Kurssprünge errungen haben, und solchen, die ihre besten Zeiten hinter sich zu haben scheinen.

Insgesamt ist die Performance des MDAX, gerade auf lange Zeiträume bezogen, hervorragend.

Dass der MDAX so attraktiv ist, hat mehrere Gründe: Seit der Index-Neuordnung im Herbst 2018 gibt es hier nicht mehr so viele defensiv ausgerichtete Value-Titel, sondern auch TecDAX-Wachstumswerte aus dem Technologie-, Software-, Medtech- und Biotech-Sektor. Darüber hinaus wirkt sich auch die Blutauffrischung neu aufgenommener Titel positiv aus. So sorgten die Neuzugänge von 2018 HelloFresh und Shop Apotheke für rasantes Wachstum.

Dass der MDAX so »bullenstark« ist, hat aber auch damit zu tun, dass Mittelständler viel beweglicher sind als die DAX-Großkonzerne. Der geplante Wechsel der zehn größten MDAX-Werte in den DAX 40 zum Herbst 2021 wird dem MDAX in seiner Dynamik sicherlich auch nicht schaden – gewinnt doch der dann etwas kleinere Index mit 50 Titeln an Übersichtlichkeit.

Abbildung 4: Collage einiger MDAX-Werte Ende 2020

MDAX-WERTE – Ein Blick in unser Depot

Mit Bechtle, Nemetschek, Rational und Sartorius sind hier einige richtige Spitzen-Aktien dabei, die ihren Aufstieg über Jahre fortgesetzt haben und immer weiter gestiegen sind, obwohl viele sie schon für überbewertet hielten.

Die Gewinner von gestern müssen natürlich nicht automatisch die Gewinner von morgen sein. Aber wenn das wirtschaftliche Umfeld und die Ausrichtung des Unternehmens exzellent ist, dann braucht man sich von solchen Werten auch nicht zu trennen – es sei denn, man benötigt in Crash-Zeiten Kapital für Zukäufe und stößt dann einen (kleinen) Teil der Aktien-Raketen ab, um sie dann eventuell später bei einem Rücksetzer nachzukaufen.

Die Diversität der Aktien des MDAX bietet ein enormes Potenzial, um auch in Zukunft wieder auf »Perlen« zu stoßen, so wie dies in den letzten Jahren z. B. bei Nemetschek, Sartorius und Siltronic der Fall war beziehungsweise ist.

Bechtle profitiert von der gestiegenen Nachfrage nach einer guten IT-Infrastruktur von Industriekunden. In Zeiten von zunehmender Digitalisierung wird dieser Markt sicherlich noch an Bedeutung gewinnen.

Nemetschek als Anbieter von Software für Architekten und Ingenieure hat es in diesem Nischenmarkt geschafft, 6 Millionen Nutzer zu erreichen. Die Aktien haben schon 2005 zum Kurs von wenigen Euro pro Aktie den Weg in unser Depot gefunden. Zukäufe in den Folgejahren haben die Gewinne mit diesem Aktientitel rasant ansteigen lassen. Selbst die Nachkäufe von 2015 brachten noch mal ein Plus von über 500 %. Dieser »Trend« war tatsächlich ein sehr guter »friend«.

Sartorius, der Pharma- und Laborzulieferer mit seinen Handelsvertretungen in mehr als 100 Ländern, ist nicht nur global gut aufgestellt, sondern profitiert aktuell von der gestiegenen Nachfrage nach Laborgeräten – auch verursacht durch die Corona-Pandemie. Wir haben Aktien davon schon sehr früh ins Depot geholt, und die Erwartungen an Kursanstieg und Dividenden wurden mehr als erfüllt. Im Rückblick zählen diese Aktien neben denen von Nemetschek zu unseren besten Aktien überhaupt.

Siltronic wird Anfang 2021 mit Globalwafers fusionieren. Das Übernahmeangebot an die Aktionäre hat der Kurs bereits überholt. Auch wir haben uns dagegen entschieden und trauen dem Unternehmen gerade durch die Fusion künftig noch einiges zu.

SDAX

Wie schon in den Vorjahren hat sich der »kleine deutsche Index« in seiner Wertentwicklung auch 2020 wieder ganz groß gezeigt. Den DAX hängte er wie schon so oft zuvor mit großem Abstand ab.

Der SDAX (als »dritte Liga«) ist noch heterogener zusammengesetzt als der MDAX. Die 70 kleineren Unternehmen (»Small Caps«), die denen auf den MDAX folgen, sind nicht wirklich klein – und zum Teil haben sie sehr viel Potenzial, das eben noch nicht immer voll im Kurs eingepreist ist.

Neben klassischen Mittelständlern, darunter Familienfirmen mit vorbildlicher Unternehmenskultur, in der man sich kennt und sich gegenseitig vertraut, sind hier auch erfolgreiche Nischenanbieter vertreten, von denen sicherlich die meisten in der Lage sein werden, die immensen Herausforderungen der Pandemie zu meistern. SDAX-Firmen sind wie wendige Schnellboote, die gefährliche Klippen und Eisberge gut umschiffen können.

Da die Unternehmen in den Medien nicht so viel Beachtung finden wie die aus dem DAX und dem MDAX, bedarf es allerdings einer genaueren Analyse, um die passenden Werte fürs eigene Depot zu finden.

Abbildung 5: Collage einiger SDAX-Werte Ende 2020

SDAX-WERTE – Ein Blick in unser Depot

Die Encavis AG, die Solarparks und Windenergie-Anlagen betreibt, hat 2020 – ebenso wie NORDEX – mit einer besonders guten Entwicklung überrascht. Bei der Windenergie ist das Potenzial auch in Deutschland noch längst nicht ausgeschöpft. Windenergie ist rentabel. Bislang wurden viele Bauprojekte aus lokalpolitischen Gründen verhindert, doch der Druck nach einem weiteren Ausbau wird zunehmen.

Im SDAX gibt es auch aus vielen anderen Branchen Aktien mit Wachstumspotenzial. Jungheinrich produziert Fahrzeuge und Systeme zur Flurförderung, übernimmt aber auch den Aufbau und die Wartung der Lagerlogistik. Dabei ist es global sehr gut aufgestellt.

Stabilus produziert Gasdruckfedern. Der Automobilzulieferer hat seinen Kurswert nach einem Einbruch im März 2020 kontinuierlich gesteigert. Doch die größten Jahressieger aus dem SDAX sind zugleich Corona-Gewinner. Westwing und Home24 starteten als Onlinehändler für Möbel und Wohnaccessoires voll durch, während die in Luxemburg ansässige Global Fashion Group auf dem Onlinehandel mit Bekleidung setzt.

1.2 Die Sieger und Verlierer der DAX-Familie im mehrjährigen Vergleich

Alles dreht sich um den DAX. Aber die Nebenwerte schneiden besser ab. Warum?

Die 30 beziehungsweise 40 großen deutschen DAX-Konzerne erinnern an Dickschiffe, die zwar ziemlich sicher, dafür aber auch schwerfälliger und weniger manövrierfähig sind. Dies gilt für das Geschäftsmodell, die Handelsbeziehungen, die Schwerpunkte und Neuausrichtungen. Macht und Größe sind eben nicht alles. Die Nebenwerte aus dem klassisch ausgerichteten MDAX und SDAX mit in- und ausländischen Titeln und dem TecDAX mit 30 Hightech-, Biotech- und Software-Aktien sind vergleichbar mit manövrierfähigen Schnellbooten, die schnell auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren. Zudem sorgen neue Börsengänge und Übernahmen für Blutauffrischung.

Die Corona-Pandemie und der Börsencrash im März 2020 haben viel verändert. Manche Branchen leiden bittere Not, andere Sektoren stürmen von einem zum nächsten Hoch. Das gilt für Zukunftswerte im Gesundheitswesen und in der digitalisierten Welt.

Höhere Kursauf- und -abschläge beim MDAX gegenüber dem DAX

Der DAX ändert sich in seiner Zusammensetzung nur alle paar Jahre und macht nun durch die Wandlung zum DAX 40 von sich reden. In den letzten Perioden stiegen die beiden Immobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen sowie MTU Aero Engines ein. Den DAX verlassen mussten die Commerzbank, ThyssenKrupp und Lufthansa. Der unrühmliche Rauswurf der Wirecard kam noch dazu.

Beim MDAX ist mehr im Fluss – durch Börsengänge, die zeitweise größere Anzahl von 60 statt 50 Titeln durch die Hereinnahme von rund einem Dutzend TecDAX-Aktien, die Aufnahme auch ausländischer Titel, sofern sie in Frankfurt notiert sind, und die flexibleren Auf- und Abstiegsregeln. Dies führt dazu, dass die Kursauf- und -abschläge im Allgemeinen heftiger ausfallen als beim deutschen Leitindex DAX. Bei den Siegern erleben wir häufiger Kurszuwächse über 50 % selbst in schlechten Börsenjahren.

Im MDAX spielt die Zukunftsmusik mit IT-Software, Künstlicher Intelligenz, Biotechnologie, Medizintechnik, Digitalisierung und pandemiebedingt auch Online-Lieferdiensten.

Getoppt wurde die positive Entwicklung des MDAX langfristig gesehen vom TecDAX mit seinem Wertzuwachs von sagenhaften 278 % in 10 Jahren.

Der neue DAX 40 macht den MDAX zwar etwas kleiner, aber deshalb nicht weniger attraktiv, da er dann noch stärker als bisher wachstumsorientierte Unternehmen repräsentiert. Die Änderung soll ab September 2021 gelten.

Ab März 2021 müssen alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes (DAX, MDAX, SDAX und TecDAX) testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen. Denn falsche Bilanzen und fehlerhafte Berichte, wie sie von Wirecard vor dem Absturz veröffentlicht worden sind, dürfen sich nicht wiederholen.

Dreistellige Kursgewinne sind im Zukunftsmarkt TecDAX möglich

Jahrelang litt der TecDAX-Index unter dem schlechten Image seines Vorgängers. Er wurde 2013 von der Deutschen Börse AG als Nachfolger vom Neuen Markt gegründet, nachdem dieser mit einem Kurseinbruch von über 98 % »beerdigt« worden war.

Seit einigen Jahren stürmt der Technologieindex jedoch allen anderen Börsenbarometern davon. Er beeindruckt mit dreistelligen Kursgewinnen, von denen der Leitindex nur träumen kann. Während der DAX in 30 Jahren nur durch Dividenden zulegte, begeistern im TecDAX mehrere Unternehmen mit exzellenten Buchgewinnen, beispielsweise der Jahressieger LPKF Laser & Electronics AG (WKN: 645000). Das Unternehmen produziert Lasersysteme, die große Trägermaterialien in Solarmodulen strukturieren. Es ersetzte im August 2020 die insolvente Wirecard im TecDAX. Die NORDEX AG (WKN: A0D655), ein Hersteller von Windkraftanlagen, startete ebenfalls gut durch, auch wenn ihre Aktie noch weit von ihrem Allzeithoch aus dem Jahre 2001 entfernt ist.

Auffällige Kurssprünge nach oben und unten beim SDAX

Immer noch wird der SDAX mit 70 mittelständischen in- und ausländischen Titeln, Small Caps genannt, in der Tages- und Wirtschaftspresse kaum wahrgenommen. Auch in diesem Index ist der TecDAX mit ungefähr zehn Wachstumswerten vertreten.

Der SDAX dient als Auffangbecken für MDAX-Absteiger, er ist zudem die Plattform für den Aufstieg in die 2. Börsenliga und der richtige Index für erfolgreiche Börsenneulinge.

Die besten Aktien mit dreistelligen Buchgewinnen können es mit dem Kursplus beim MDAX aufnehmen. Und mehr noch: Die vergleichsweise kleine Westwing Group AG (WKN: A2N4H0) überraschte mit einem Kursplus von rund 800 %. Die Corona-Krise war hier, wie auch bei der Home24 (WKN: A14KEB), sicherlich der Treiber beim Online-Möbelverkauf. Ein geringer Buchwert und ein negatives Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sollten allerdings bei beiden Werten zur Vorsicht mahnen.

Die Jahresverlierer 2020 im SDAX waren Eckert & Ziegler (-77,65 %) und Corestate Capital (-65 %).

1.3 Veränderungen im DAX 40 und MDAX 50

Die Pleite von Wirecard hat einige Schwächen im Regelwerk der Deutschen Börse offengelegt. Darauf wurde nun reagiert und gleichzeitig eine Erweiterung des Leitindex DAX zum DAX 40 beschlossen. Die meisten potenziellen Nachrücker werden wohl aus dem MDAX kommen.

Das Handelsblatt hat am 25.11.2020 die mutmaßlichen Aufsteiger vom MDAX in den DAX 40 vorgestellt (Start voraussichtlich September 2021).

Der DAX 40 wird durch diese Neulinge etwas diverser, etwas transparenter und dadurch hoffentlich auch etwas sicherer und vielleicht auch etwas innovativer, was allerdings davon abhängt, wer letztlich aufsteigt. Der Blick auf die Nebenwerte wird dennoch für alle Anleger und Anlegerinnen unverzichtbar bleiben, die erfolgsorientiert handeln wollen.

Durch die zehn Abgänge aus dem MDAX wird dieser wieder auf 50 Titel verkleinert, womit er wieder die gleiche Größe hat wie vor der letzten Umstrukturierung.

1.4 Interessant, aber kaum bekannt: GEX, DAXplus Family 30 und SCALE

GEX

Das Akronym GEX steht für German Entrepreneurial Index, was so viel bedeutet wie »Deutsche Firmengründer Zusammenstellung«. Da dieser Index fast nicht in der Wirtschaftspresse publiziert wird, kennt ihn kaum ein Privatanleger. Es gibt ihn seit Januar 2005. Die im DAX notierte Deutsche Börse AG in Frankfurt hat den GEX im Zusammenwirken mit der Technischen Universität München für die im Prime Standard gelisteten Familienfirmen entwickelt.

Der GEX ergänzt also die Indizes der DAX-Familie. Aufgenommen werden nur solche eigentümergeführten Unternehmen beliebiger Branchen, die dem Prime Standard angehören, dem Premiumsegment mit strengen Zugangskriterien. Aber selbst wenn diese Bedingung erfüllt wird, kann nicht jede AG, deren Vorstände oder Aufsichtsräte über 25 bis 75 % der Stimmrechte verfügen, GEX-Mitglied sein.

Auch bei erfolgreichen, nachhaltig wirtschaftenden Firmen darf der Börsengang nur bis zu 10 Jahre zurückliegen. Das bedeutet, dass renditestarke Mitglieder im besten Börsenalter nach Ablauf der Zehnjahresfrist Platz machen müssen für die jüngeren, angeblich noch innovativeren Unternehmen. Wer einmal zum GEX gehört, für den sollte es keine Jahrzehntgrenze mehr geben. Beim später installierten Index DAXplus Family 30 wurde dieser Makel beseitigt. Aber da auch dieser kaum publiziert wird, kennt diesen Index mit den 30 größten Familienfirmen ebenfalls fast niemand.

Der GEX mit der Wertpapier-Kennnummer A0AER1 präsentierte sich zum Jahresende 2020 ebenfalls freundlich und schlug den DAX im Jahresverlauf deutlich. Der Mehrjahres-Vergleich zeigt allerdings, dass er an den Index DAXplus Family 30 nicht heranreichen kann. Gerade bei einer Börsennotierung von 10 oder 20 Jahren erzielen viele Unternehmen die besten Ergebnisse, die den stabileren Betrieb mit innovativen Geschäftsmodellen weiter vorantreiben können. Sollten wir selbst eine Zusammenstellung strukturieren, wäre dies zu berücksichtigen.

DAXplus Family 30

Der DAXplus Family 30 bildet die Entwicklung von börsennotierten Familienunternehmen ab, bei denen die Gründerfamilie mindestens einen 25-prozentigen Stimmrechtsanteil besitzt oder in Vorstand oder Aufsichtsrat sitzt. Er umfasst deutsche und internationale Unternehmen der Frankfurter Wertpapierbörse.

Dieser erweiterte DAX erfreut mit einer überzeugenden Kursentwicklung. Da er aber weder im Wirtschaftsteil der Tagespresse noch im Fernsehen oder online erscheint, kennt ihn kaum ein Privatanleger. Am 12. August 2020, als der US-amerikanische Index S&P 500 um ein neues Allzeithoch mit 3.400 Punkten kämpfte, präsentierte sich in der Phase der Kurserholungen auch der DAXplus Family 30 bereits in guter Form mit über 4.800 Punkten. Die Kurstafel des DAXplus Family 30 mit der WKN A0YKTP zeigte zum Jahresende über 5.100 Punkte! (+17 %, in 5 Jahren +25 % und in einem Jahrzehnt +130 %).

Der DAXplus Family 30 schnitt damit besser ab als der Leitindex DAX. Wie ist es möglich, dass trotz fehlender Kommentierung viele Aktien im DAXplus Family 30 so gut laufen?

Es liegt an der guten Mischung aus Growth und Value, d. h. wachstumsorientierte Firmen sind ebenso vertreten wie große Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung. Die Titel kommen demnach aus dem DAX, und sie entstammen Familienunternehmen aus dem MDAX, TecDAX und SDAX.

Im 1-Jahres-Vergleich dieser Liste siegt VERBIO Vereinigte Bioenergie. Dieses Unternehmen mit 725 Mitarbeitern aus Sachsen-Anhalt bietet Bio-Kraftstoffe, aber auch Desinfektionsmittel an. Das KGV liegt bei 9,26. Hier zeigt sich erneut, wie gut sich Nachhaltigkeit und Rendite kombinieren lassen.

Aber auch ElringKlinger konnte 2020 mit der Konzentration auf Elektroantriebe punkten.

Die Aktien von SMA-Solar und Hypoport erzielten ebenfalls im 1-Jahres-Vergleich satte Gewinne von über 50 %.

Verlängert man den Betrachtungszeitraum, stechen neben Hypoport auch die Aktien von Nemetschek, ISRA VISION, Patrizia und Bechtle heraus.

Die Aktien kommen teils aus dem SDAX, teils aus dem MDAX und teils aus dem TecDAX. Value und Growth sind auch in diesen Listen gut verteilt.

Scale

Nach dem gescheiterten »Neuen Markt« ist der Scale (deutsch: Rahmen) seit 2005 ein neuer Versuch der Börse Frankfurt, um ein Marktsegment für Wachstumswerte zu etablieren. Folgende »Scale-Titel« mit der WKN A0AER0 finden sich in unserem Depot:

2G Energy

(regenerative Energien),

Cliq Digital

(Mobilfunkdienste),

Datagroup

(IT-Dienstleister),

Mensch und Maschine

(Software),

Vectron Systems

(Kassensysteme).

Das neue Angebot soll kleine Start-ups und mittelgroße Unternehmen mit Investoren zusammenbringen und so die Finanzierung von Wachstum verbessern. Es soll Anreize für neue Börsengänge bieten, aber die Firmen auch zu einem Mindestmaß an Transparenz verpflichten, indem Sie beispielsweise ihre Finanzberichte veröffentlichen müssen.

Der SCALE ersetzt auch den »Entry Standard« (im Gegensatz zum »Prime Standard« mit höheren Transparenzanforderungen, die in der DAX-Familie gelten) und ist damit eine Fundgrube für Neuentdeckungen, verbunden mit einem höheren Risiko. Stock Picking ist nichts für schwache Nerven!

Der Jahressieger 2020 aus dem SCALE, die Naga Group (WKN: A161NR) zählt zur Branche der Finanztechnologie und stieg 2020 um 555 %. Trotz fehlendem Buchwert und negativem KGV (2019) empfehlen viele Analysten beim aktuellen Kurs von Anfang 2021, circa 3,70 Euro, den Kauf.

Ein weiteres Angebot für mittelständische Unternehmen kommt von der Börse München, der m:access. Er stellt weniger Anforderungen an das Unternehmen, fordert aber zum Schutze des Anlegers ein höheres Transparenzniveau als der allgemeine Freiverkehr ein. Hier findet man z. B. das Systemhaus »Mensch und Maschine« aus unserem Depot unter WKN 658080 mit einem 3-Jahres-Plus von 195 %.

Sieger und Verlierer bei DAXplus Family 30 und SCALE

1.5 Neue Börsengänge 2020/2021

Die Auto1 Group ist in Deutschland bekannt durch die Plattform »wirkaufendeinauto.de«. Dieses Start-up-Unternehmen aus Berlin gilt als das am höchsten bewertete Start-up Europas. Die Grundidee dieser Plattform unterscheidet sich völlig von dem, was man gemeinhin mit einem Gebrauchtwagenhändler in Verbindung bringt. Es ist eine professionelle Plattform, auf der meist Privatleute ihre Fahrzeuge in einer Art digitalen Sofort-Versteigerung einer breiten Händlerschicht zum Kauf anbieten. Die Fluktuation an Autos wird coronabedingt eher noch zunehmen. Die erste Neuemission in Deutschland begann vielversprechend. Die hohe Nachfrage führte zu einer Überzeichnung der Aktie. Am ersten Kurstag (04.02.2021) lag die Aktie schon am Morgen mit 55 € über 40 % über dem Ausgabepreis von 38€.

Otto, als Versandhändler einer der Corona-Profiteure, plant About You als Online-Modehändler, dessen Wert auf 3 Milliarden Euro geschätzt wird, an die Börse zu bringen. About You gilt als »hip« und wird wohl auch nach der Corona-Pandemie eine wichtige Größe bleiben.

Ob auch die ParshipMeet Group mit dem Dating Portal Parship 2021 einen Börsengang plant, ist noch nicht sicher. Es lohnt sich aber bestimmt, dies weiter zu verfolgen. Dass die Nachfrage nach Dating-Portalen in Zeiten von Ausgangssperren und fehlender Geselligkeit zunimmt, ist leicht nachvollziehbar. Wie sich das auf die Zukunft auswirkt, bleibt jedoch offen. Auch beim Vergleichsportal Check24 ist noch unklar, ob es dieses Jahr schon zum Börsengang kommen wird.

Lohnenswert ist bei den IPOs wie bei Aktien überhaupt ein internationaler Blick. Dieser führt zum britischen Lieferdienst Deliveroo