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Sie wollen ein Held sein? Suchen richtig wilde Abenteuer? Aber Sie haben alles schon erlebt - haben mit dem Yeti Tee getrunken und Dieter Bohlen geduzt? Verzagen Sie nicht, wir haben das wirklich wilde Abenteuer für Sie. Das Abenteuer Familie. Jeremias Blaumilch hat sich bei den Blechschmitts eingenistet und schreibt über sie. Er ist ein echter Held!
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Seitenzahl: 90
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Die Blechschmitts – Abenteuer Familie
von
Jeremias Blaumilch
Impressum
Cover: Karsten Sturm, Chichili Agency
© 110th / Chichili Agency 2014
EPUB ISBN 978-3-95865-165-4
MOBI ISBN 978-3-95865-166-1
Die Printversion dieses Buches
ist im Testudoverlag, Schutterwald,
erschienen.
Urheberrechtshinweis:
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors oder der beteiligten Agentur „Chichili Agency” reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Inhalt
Sie wollen ein Held sein? Suchen richtig wilde Abenteuer? Aber Sie haben alles schon erlebt – haben mit dem Yeti Tee getrunken und Dieter Bohlen geduzt? Verzagen Sie nicht, wie haben das wirklich wilde Abenteuer für Sie. Das Abenteuer Familie. Jeremias Blaumilch hat sich bei den Blechschmitts eingenistet und schreibt über sie. Er ist ein echter Held!
Wer sind die Blechschmitts? Ich? Du? Müllers Kuh? Wohl von allen ein wenig. Genießen Sie es also mit den Blechschmitts, plötzlich nicht mehr zu zweit, sondern zu dritt und gar zu viert zu sein. Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Abenteuer Familie, wie es die Blechschmitts erleben – mit seinen liebenswerten Pannen und den kleinen Freuden.
Ein Rezensent bei Amazon schrieb über Die Blechschmitts, sie schreckten Leute eher davon ab, eine eigene Familie zu gründen. Bloß nicht! Lassen Sie sich das letzte Abenteuer dieser Welt, die Familie, nicht entgehen. Und dieses Buch auch nicht!
Blechschmitt liebt Bücher. Sie machen ihn glücklich. Kaum konnte er als Kind lesen, da zog er sich mit den dicksten Schmökern zurück. Nur die böse Welt draußen lassen. Und in der Welt der Fantasie versinken ...
Daran hat sich lange nichts geändert. Und so sammelten sich ein paar tausend Bücher an. Blechschmitts Frau brachte ähnlich viele mit in die Ehe. Nun leben sie, umgeben von Büchern, in ihrer kleinen Wohnung. Und sie könnten so glücklich sein. Doch sie sind es nicht.
Denn Blechschmitts Liebe zu den Büchern hat gelitten. Er wird sie zum Trödel bringen. Den ersten Schlag versetzte ihm sein Weib. Träumte er früher von besinnlichen Abenden mit einer Gattin, ist es damit vorbei, seit er eine hat. Sie schenkte ihm gleich nach der Hochzeit das Buch: „Gift für den Gatten.“ Eine wenig appetitliche Geschichte über einen Mord. Geschrieben von einer Feministin. Sie können sich denken, worum es in dem Buch geht: Zu zeigen, dass die arme Frau gar nicht anders konnte, als ihren bösen Mann heimtückisch zu vergiften. Einfach, weil er ein Mann war.
Auf diesem Niveau ist Blechschmitts Ehe bis heute geblieben. Manchmal wundert sich Blechschmitt, dass er noch lebt – bei den giftigen Blicken, die ihm sein holdes Weib hin und wieder gönnt. Und mit ihrer Meinung über Blechschmitt hält sie auch nicht hinterm Berg. Ein Mann eben …, was will frau da schon erwarten?
Das kann einem die Liebe zu Büchern vermiesen, wenn einem die Gattin solche Bücher schenkt.
Den zweiten Schlag versetzten Blechschmitts Bücherliebe seine bisherigen Umzüge. Im ersten ziehen sein Weib und er zusammen, im zweiten ziehen sie gemeinsam einem Job hinterher. Beim ersten Umzug ist sein Weib schwanger, beim zweiten beginnt sich ihr Sohn Fritzmann gerade aufzurichten und steht, fröhlich krähend, in all dem Chaos an den geöffneten Umzugskisten herum. Bei beiden Umzügen transportieren sein Weib und Blechschmitt jeweils etwa 4000 Bücher – haben Sie schon mal 8000 Bücher ausgeräumt, während Ihr sieben Monate alter Sohn an den geöffneten Umzugskisten herumschwankt und fröhlich kräht?
Fritzmann steht bald darauf an den mühsam eingeräumten Bücherregalen, zieht die Bände einzeln heraus und zerreißt die Seiten genüsslich der Länge nach. Frau Blechschmitt und ihr Gatte versuchen erst, ihren Sohn zu erziehen, dann befreien sie flugs die unteren zwei Bücherregale von den Büchern. Jetzt drängen sich die Schwarten in den obersten drei Regalen – doppelreihig.
Fritzmann wächst heran. Er ist wirklich ein Goldstück – nur den Büchern, denen setzt er zu. Mittlerweile ist er 13 Monate alt, kommt schon an das nächste, das dritte Bücherregal von unten heran und räumt wieder die Bände einzeln heraus. Blechschmitt und sein Weib überlegen, ob sie nicht eine Konstruktion erfinden sollen, die in einem Zwischenboden unter der Wohnzimmerdecke alle 8000 Bücher aufnimmt. Aber wenn Blechschmitt die Größe von Fritzmanns Händen und Füßen richtig einschätzt, würde er ihnen so schnell über den Kopf wachsen, dass er mit zwölf Jahren die Decke erreicht – naja, vielleicht haben sie Glück und Fritzmann zerreißt dann die Buchseiten nicht mehr. Außerdem sind sie bis dahin ja sowieso auf dem Trödel. Blechschmitt nimmt sich vor, einen Farbfernseher zu kaufen – obwohl er fernsehen hasst.
Bücher sind eine Folter. Und die schlimmste Folter sind Fritzmanns Bücher. Er hat mit seinen 13 Monaten instinktiv erkannt, dass sein Vater ein Büchernarr ist – also schleppt er sein Lieblingsbuch an und will, dass der Papa ihm daraus vorliest. Fritzmanns Lieblingsbuch ist ein sehr altes; eine Freundin von Blechschmitts Frau hatte es bereits in den Papierkorb geworfen, ehe sie auf die Idee kam, ihnen das Buch zu schenken. Blechschmitt weiß jetzt, warum es schon im Papierkorb lag; und er sollte mit seinem Weib ein ernstes Wort über ihre Freundin wechseln.
Das Buch ist interaktiv, wie es heute so schön heißt: Es zeigt ein Bild, und der Papa muss was tun. Das Buch zeigt etwa einen Hund und fragt scheinheilig: „Wie macht der Hund?“ Natürlich könnte Blechschmitt sich jetzt dumm stellen und antworten: „Einen Haufen“. Aber erstens lautet die Frage „wie“, nicht „was“. Und zweitens wartet Blechschmitts Weib nur darauf, dass er schon wieder bestätige, wie hirnweich alle Männer sind. Das darf er nicht zulassen. Er hat die Ehre der Männer zu verteidigen. Also sagt er treu und brav: „Das ist ein Hund. Der macht wauwauwau.“ Das finden Sie jetzt bestimmt sehr nett von Blechschmitt, wie er seinen Sohn so auf alle wirklich wichtigen Dinge des Lebens vorbereitet.
Wie unermesslich toll sein Einsatz ist, können Sie allerdings erst dann würdigen, wenn Sie zwei Dinge bedenken: Fritzmann schleppt das Buch meist früh am Morgen an; der Papa hat sich eben, beim ersten Hahnenschrei (oder war es der Sohn?) aus dem Bett gequält und Fritzmanns Müsli bereitet und ihn gefüttert. Und zum Nachtisch gibt es das Buch. Zweitens geht das Buch noch weiter: Als treu sorgender Vater muss Blechschmitt ein Schwein, eine Katze, ein Küken, ein Huhn, ein Lamm, eine Ente, einen Vogel, ein Pferd (iiiiiiiiiiiiiiiihhhhhhh) und eine Kuh nachmachen. Nur einen Fisch gibt es nicht - man gönnt ihm keine Pause.
Blechschmitt nimmt seine Aufgabe ernst: Das Muuuuuuuuuuuh der Kuh kommt ganz von unten aus der Kehle, um sich dann langsam zum „h“ hin in luftige Höhen zu schrauben. Das Lamm blökt artgerecht, das Schwein grunzt politisch korrekt. Fritzmann blättert, um Blechschmitts Morgenglück abzurunden, vor Begeisterung wild in seinem tollen Buch hin und her; und Blechschmitt folgt dem Blättern atemlos: er blökt, tschilpt, kräht, bellt, miaut und grunzt, dass es eine Pracht ist. Und das Ganze noch mal rückwärts.
Danach ist Blechschmitt erledigt und schleppt sich nach einer Katzenwäsche ermattet ins Büro. Blechschmitt ist nur froh, dass er nicht mehr bei der Tageszeitung arbeitet; dort hatte er auch den Tierverein betreut. Bestimmt würde er nun, wenn ihm die nette Dame vom Tierheim wieder ihre „Tiere suchen ein Zuhause“-Kandidaten der Woche im Foto auf den Tisch legt, in ein fröhliches Bellen und Miauen ausbrechen. Ja, Bücher verändern die Welt, zumindest Blechschmitts. Und er hätte nicht gedacht, dass es ausgerechnet solche Bücher sein würden.
Früher war Blechschmitt ein rastloser Mensch. Noch im Studium gründete er einen Verlag. Später, als Redakteur, verbrachte er seine spärliche Freizeit mit dem Schreiben von Kurzgeschichten. Das Studium hat er abgebrochen, der Verlag brachte nichts ein, seine Geschichten widersetzen sich dem Erfolg. Doch nun weiß Blechschmitt: Er war zu rastlos, ihm fehlte die Kontemplation. Und mit der Hast von einem Schreibtisch zum anderen wollte er seine Leere überspielen, die in seinem Herzen wohnte.
Das hat sich geändert, seitdem Fritzmann auftauchte. Er ist 12 Monate alt, die beiden spielen zusammen bei schönem Wetter im Sandkasten, wann immer Blechschmitt Zeit dazu findet. Sie sitzen da und schaufeln den weißen Syltsand in den gelben Eimer, lassen den Sand mit dem Sandrad spielen, tauschen alle paar Sekunden die Schaufeln, weil Fritzmann es so will. Der Sand ist ganz fein, rieselt durch die Finger, schmeichelt kühl auf der Haut. Das gibt Ruhe, das gibt Kraft, egal, ob Fritzmann seinen widerspenstigen Tag hat und Blechschmitt Sand ins Gesicht wirft – egal, ob dessen Zähne auf feine Körnchen beißen. Diese Besinnlichkeit ohne Ziel, das Bauen mit Sand, der keine Form hält. Nichts bleibt außer einer inneren Ruhe. Dazu ein tiefblauer Himmel, das Rauschen der Birkenblätter im Sommerwind.
Blechschmitt liebt den Sandkasten, vernachlässigt sträflich seine Geschichten. Egal. Was soll‘s? Man liest sie ja sowieso nicht. Blechschmitt wird noch im Sandkasten sitzen und mit Fritzmann spielen, wenn der eines Tages aufsteht und sagt: ,,So, Papa, ich muss jetzt los.“
,,Wo willst du hin?“ fragt Blechschmitt.
,,Zu Lena.“
,,Wer ist Lena?“, will Blechschmitt wissen.
„Meine Frau“, antwortet der Sohn, und plötzlich erinnert sich Blechschmitt daran, dass er schon eine ganze Zeit im Sandkasten sitzt und spielt.
,,Ja, geh nur“, sagt er, ,,ich warte hier, bis du wieder kommst.“
Und dann wird er eben alleine den Sand durch seine Finger rinnen lassen. Vielleicht kommt auch bald der Sohn seines Sohnes vorbei – und spielt im Sand mit Blechschmitt. Er ist glücklich.
Alles beginnt an einem Freitag, dem 13., der zugleich ein Heiligabend ist. Das klingt verrückt, aber die Zeiten werden immer eigenartiger.
Für Fritzmann, Blechschmitts 19 Monate alten Sohn, ist aber der Heiligabend, der auf einen Freitag, den 13. fällt, nur einer von vielen anderen Tagen auch. Nichts Besonderes also. Er kräht um 7 Uhr morgens, Blechschmitt zögert das Aufstehen noch ein wenig hinaus und holt ihn ins Bett. Schließlich ist Fritzmann krank – er hat Windpocken.
Hat Blechschmitt gehofft, Fritzmann würde sich still und brav hinlegen und zwischen Mama und Papa weiterschlafen, dann hat er sich getäuscht. Fritzmann wälzt sich auf ihn, Fritzmann zieht ihn an den Haaren, Fritzmann will auf seinen Arm. Also sitzt Blechschmitt im Halbschlaf an die Wand gelehnt und hat Fritzmann auf seinem Bauch liegen. Mit dem Gesicht nach vorne. So hält er halbwegs Ruhe - wenn auch nur für eine gewisse Zeit.
Derweil schläft Blechschmitts Gattin selig neben ihm im Bett. Irgendetwas macht Blechschmitt falsch. Zu ihr geht Fritzmann nicht schmusen, nur zu ihm. An Heiligabend könnte er wirklich ein Mal eine Ausnahme machen. Blechschmitt geht spät zu Bett, er kommt erst gegen Mitternacht von der Arbeit nach Hause. Ein Mal ausschlafen – das wäre das Paradies.
