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Ein ganz normales Paar von nebenan, geht auf eine Reise durch erotische Welten wo sich die meisten vor Fürchten. Aber manchmal siegt dann doch die Neugierde und schon ist man in einer anderen Welt. Genauso erging es auch uns, wenn deine Neugierde auch größer ist als deine Angst, bekommst Du hier einen kleinen Einblick. 100% Reale Story mit viel Augenzwinkern geschrieben
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Seitenzahl: 243
Veröffentlichungsjahr: 2021
Die Blickfang Story
Die Blickfang Story
Paarungszeit
TOM WILSON
© 2021 Tom Wilson
Buchsatz von tredition, erstellt mit dem tredition Designer
ISBN Softcover: 978-3-347-46793-4
ISBN Hardcover: 978-3-347-46795-8
ISBN E-Book: 978-3-347-46802-3
ISBN Großdruck: 978-3-347-46806-1
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Germany
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.
Dein Buchtitel
Die Blickfang Story
Unsere Realität war schmutziger als deine Gedanken …
Dieses Buch beruht auf wahren Begebenheiten und ist auch so passiert. Kleine Änderungen wurden nur im Bereich von Namen und Orten vorgenommen, um beteiligte Personen zu schützen oder keine Werbung für Clubs und Partys hier zu machen.
Denn es gibt zwei Regeln in der Swingerwelt. Die erste lautet: Alles kann, nichts muss. Und die zweite: Man outet sich nicht gegenseitig. Beide Dinge haben wir stets berücksichtigt.
Diese Geschichte, unsere Geschichte, ist bewusst aus der Ich-Perspektive des Mannes geschrieben, um auch eins zu eins Gedanken und Gefühle so wiedergeben zu können, wie sie wirklich aufgetreten sind. Dieses Buch wurde mit einem Augenzwinkern geschrieben und beschreibt den realen Werdegang eines nicht ganz alltäglichen Paares.
Wie alles begann. Mallorca, 1997
Eigentlich würde ich uns als das ganz normale Paar von nebenan bezeichnen, nach außen hin wirken wir für den einen oder anderen sicher recht konservativ. Wenn man es auf die Spitze treiben möchte, vielleicht sogar etwas spießig, haben wir doch alles, was man in einer netten Kleinstadt so braucht, um nicht als „Asi“ zu gelten. Wir leben in einer gepflegten Straße, in einem schönen Haus mit Garten, haben gute Jobs, ein gut erzogenes Kind und noch viele weitere Dinge, die uns als ein normales, langweiliges Paar kennzeichnen würden. Hinter jeder Tür bei uns in der Straße gibt es aber sicher noch eine andere Seite, die man nicht so gerne offen zeigt. Hinter unserer Tür wurde es aber bisweilen wirklich schmutzig.
Es fing aber alles ganz harmlos an. Kennengelernt haben wir uns am Strand von El-Arenal im Jahr 1997. Wir waren noch halbe Teenager. Ich war zarte siebzehn, als ich mit meinem Schulfreund abends am Strand saß und das Sixpack Bier, das wir uns im Supermarkt geholt hatten, gerade Dose für Dose trank und dabei den Sonnenuntergang beobachtete. Wir waren natürlich ohne Eltern auf Mallorca und hatten die Reise geschenkt bekommen, weil wir einen guten Realschulabschluss hingelegt hatten. Dies war der Deal, den jeder von uns mit seinen Eltern geschlossen hatte. Beim Einlösen und Buchen der Reise für uns blickten wir zwar in Sorgenfalten und hörten mahnende Worte der Eltern, es nicht zu bunt zu treiben, aber versprochen war nun mal versprochen. Und da mein Zeugnis nichts zu wünschen übrigließ, konnte ich auch meine Eltern etwas fordern. Also ging es jetzt darum, eine Reise auszusuchen.
Der Ort, wo es hingehen sollte, stand natürlich fest. Es musste unbedingt der Ballermann sein. Damals waren Eimersaufen und Poppen am Strand noch ohne Probleme möglich und für zwei Siebzehnjährige sehr reizvoll. Es wurde somit ein Malle für 999 DM-Angebot, was in großen Lettern an der Fensterscheibe des Reisebüros angeschlagen war. Genauer gesagt handelte es sich um zwei Wochen im 2-Sterne-Hotel mitten in El-Arenal, mit Halbpension. Die Zimmer waren 1985 das letzte Mal renoviert worden, und die Putze machte auch nicht jeden Tag an unserer Tür Halt. Aber wen kümmerte das? Wir hatten einen super Blick auf den Innenhof des Hotels, wo sich die Mülltonnen stapelten. Aber mal ehrlich – mehr hatten wir nicht erwartet, und mehr brauchten zwei junge Männer auch nicht. Es ging nur um ein Bett, um den Rausch wieder auszuschlafen und zumindest zwei geregelte Mahlzeiten, sodass man für die abendliche Discotour eine Grundlage hatte. Da wir beide schon neben der Schulzeit arbeiten gingen, hatten wir jeder 1000 DM Taschengeld dabei, um vor Ort einen auf dicke Hose zu machen. Was wollte man als Siebzehnjähriger mehr?!
Wir zwei saßen also am Meer und schauten mit einer Bierdose in der Hand der Sonne zu, wie diese langsam im Meer verschwand, als Sabine mit ihren drei Freundinnen keine drei Meter vor uns am Strand vorbei spazierte. In einem Anflug von Größenwahn und mit dem Gedanken Ey, uns kennt hier ja eh keiner rief ich den vier Hübschen zu: „Hi, Mädels! Kommt rüber, wir haben Bier hier.“
Das war im Nachhinein die wohl schlechteste Anmache, die ich je gestartet habe. Natürlich ließen uns die vier Mädels mit einem verachtenden Blick stehen und gingen weiter den Strand hinauf. Es dauerte allerdings keine fünf Minuten, bis die vier wieder zurück zu uns kamen und fragten, ob das Angebot mit dem Bier noch stehen würde. Wir nickten grinsend, und die Mädels setzten sich zu uns in den Sand. Wir verteilten daraufhin eine Runde Bier und begannen einen lustigen Smalltalk.
Wie sich herausstellte, feierte Sabine mit ihren Freundinnen ihren 21. Geburtstag. Da die vier Mädels augenscheinlich ganz okay waren und praktischerweise auch noch im selben Hotel wohnten, zogen wir den kompletten Urlaub über zusammen los. Sabine und ich merkten nach anfänglicher Skepsis dem anderen gegenüber, dass wir wohl doch nicht so doof waren, wie jeder vom anderen zuerst gedacht hatte. Sie war eigentlich für mich die hochnäsige und etwas eingebildete Hamburger Göre, die oftmals nur ein müdes Lächeln für meine kleinen Witzchen hatte. Sie empfand mich ihrerseits als eine Art Ruhrpott-Proll, was mich schon sehr traf. Jetzt muss man sagen, dass der Hamburger an sich etwas unaufgeklärt ist, wo jetzt der Ruhrpott endet und das Rheinland anfängt. Ich fühlte mich aber durch ihre Aussage in meiner Ehre beleidigt. Schließlich wohnte ich in einer Kleinstadt, von der man die Domspitzen aus ohne Probleme sehen konnte. Wer da von Ruhrpott sprach, konnte in Erdkunde immer nur weg gewesen sein zum Kreide holen. Diese Anfangs-Zänkereien haben wir aber recht schnell hinter uns gelassen Wieder Zuhause angekommen, blieben wir in einem lockeren Kontakt. Da es 1997 mit den Handys noch nicht so weit her und telefonieren auch vom Festnetz aus noch teuer war, schrieben wir uns regelmäßig Faxe auf Thermopapier, die man nicht aufbewahren musste, weil dieses Papier eh nach kurzer Zeit wieder verblasste. Wir verstanden uns aber auch nonverbal weiterhin recht gut, sodass wir uns zu meinem 18. Geburtstag im November für ein langes Wochenende wiedertrafen. Sie besuchte mich zuhause, und ich holte sie mit meinem gerade erworbenen Führerschein und dem dazu neuen Auto in Düsseldorf vom Bahnhof ab. Wir verbrachten ein tolles, langes Wochenende in Köln und Umgebung, und ich versuchte ihr alles so gut zu zeigen, wie es nur ging.
Leider musste ich mir eingestehen, dass ich viele Strecken noch nie allein mit dem Auto gefahren war, sondern immer nur als Beifahrer bei den Eltern. Und so kam es vor, dass wir uns doch das eine oder andere Mal in Köln verfuhren. Natürlich habe ich mir das nicht anmerken lassen und bin solange gekurvt, bis ich wieder eine Straße kannte, die uns ans Ziel führte. Da Sabine sich ja noch weniger auskannte als ich, musste ich nur immer so tun, als ob ich Herr der Lage wäre, dann würde es schon nicht auffallen. Heute fährt man ja fast keinen Meter mehr ohne Navi, aber zu der Zeit fand man diese nur in 100.000 DM teuren Autos aus der Oberklasse, und so einen Wagen besaß ich natürlich nicht. Ab diesem Wochenende wurde es dann sexuell auch langsam interessant, denn bisher war der ganze Kontakt eher platonisch und freundschaftlich geblieben. Man mag es nicht glauben, aber im Urlaub war außer ein wenig Flirten nichts gelaufen zwischen uns. Normalerweise kannte ich das gar nicht von mir, so zurückhaltend zu sein.
Mir muss wohl echt etwas an Sabine gelegen haben, sonst hätte ich das gar nicht platonisch so lange durchgezogen. Der erste Sex ging zwar eher in die Hose, da nachts um drei Uhr plötzlich meine Mutter in der Tür zu meinem Zimmer stand und gucken wollte, was das für Geräusche im Haus waren. Aber wir ließen uns davon nur kurz beirren und nutzten dieses Wochenende noch vermehrt, um uns in allen Belangen besser kennenzulernen. Dabei wurde es dann auch von Mal zu Mal besser, und meine Mutter hatte auch nicht mehr den Drang, jedem Geräusch im Haus nachgehen zu müssen.
Zwei Monate später, im Januar 1998, trat ich meine vierjährige Dienstzeit bei der Bundeswehr an, zu der ich mich verpflichtet hatte. Da sich das mit Sabine in den nächsten Wochen und Monaten weiter verdichtete und ich eh von da an kaum noch zuhause war, weil die Kaserne auch in Norddeutschland lag, nutzte ich die Gelegenheit und fuhr gar nicht erst Richtung Rheinland, sondern verbrachte mit Sabine oftmals die Wochenenden in Hamburg. Da es für uns beide die große Liebe war und nicht nur wir von unseren Eltern oftmals genervt waren, sondern auch unsere Eltern von zwei von rosa Brille und Hormonüberschuss geplagten Kindern die Nase voll hatten, zog ich wenige Monate später ganz zuhause aus, Richtung Hansestadt, wo ich mit Sabine meine erste eigene Wohnung in Hamburg Bahrenfeld bewohnte.
Gemeinsames Leben und auf zu neuen Ufern
Die Wohnung war weder besonders schön, noch war sie modern oder gar renoviert, aber es waren 52 qm Freiheit pur in einem hässlichen, gelben Klinkergebäude mit acht Parteien. Wir wohnten ganz oben rechts. Das Waschbecken im Bad hatte zwei Wasserhähne, einen auf der linken Seite und einen auf der rechten Seite des Waschbeckens. Links kam kaltes Wasser heraus und rechts heißes. Wenn man sich also die Hände mit lauwarmem Wasser waschen wollte, musste man schon echt kreativ sein und die Wasserstrahlen mit den Händen zusammenfächern. So lustig wie das jetzt klingt, war es dann auch. Wir haben uns selbst darüber totgelacht, da es ja auch nur eine Kuriosität der Wohnung war. Hier gingen weder alle Türen richtig auf und zu, noch konnte man über das Parkett laufen, ohne große Geräusche zu machen. Uns störte das alles aber gar nicht. Wir waren jung und recht anspruchslos, und es war halt die erste eigene Wohnung. Alles andere war egal. Wir unterschrieben den Mietvertrag für unseren 580 DM-Palast. Eingezogen waren wir auch recht schnell, da man ja nur die paar Dinge aus den ehemaligen Kinderzimmern mitnahm und das eine oder andere neue aus dem Möbelhaus erwarb. Zunächst hausten wir also sehr spartanisch.
Schon in der ersten Nacht in unserer neuen Wohnung schafften wir es, uns bei unseren Nachbarn, die unter uns wohnten, unbeliebt zu machen. Wir hatten zwar den ganzen Tag Kisten und Möbel geschleppt, hatten aber natürlich den Ansporn, auch wenn wir eigentlich todmüde waren, das neue Zuhause auch sexuell einzuweihen. Da die Möbel grob so standen, wie gewünscht, konnten wir also auch sexuell loslegen. Wir taten es im Wohnzimmer, wir taten es in der Küche und wir taten es im Flur. Als wir die Abschlussrunde final im Bett zelebrieren wollten, merkten wir mitten beim Sex, dass der Lattenrost wohl nicht richtig im Rahmen lag und bei jedem Stoß schön gegen das Bettgestell knallte und somit den Nachbarn unter uns tierisch auf den Nerv ging. Diese wiederum äußerten ihren Unmut ihrerseits auch lautstark, indem sie mit dem Besenstiel unter die Decke klopften. Wir ließen uns aber nicht beirren und machten das zu Ende, was zu Ende gemacht werden musste. Man musste ja auch nicht alle Nachbarn mögen oder gar von ihnen gemocht werden.
Es dauerte ein paar Tage, bis ich dann so wirklich begriff, was es bedeutete, in einer Großstadt zu wohnen, die einem ja wirklich sehr viel bieten kann. Wir nutzten die zahllosen Aktivitäten und erkundeten unsere neue Welt.
Natürlich besuchten wir auch ausgiebig die Reeperbahn mit allen schmuddeligen Sex-Shops, die man da so fand. Zuerst noch etwas schüchtern und auch von den Inhabern kritisch beäugt, fanden wir aber schnell Sicherheit und gingen nach kurzer Zeit in solchen Shops ein und aus, als wenn man zum Discounter wollte. Bei vielen Dingen, die man da so erblickte, stand man erst mal ungläubig vor der Verpackung und wusste gar nicht so recht, wohin damit. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wir waren eh noch recht unbedarft und ganz anders drauf als viele junge Paare, die wir heute in der Szene rumlaufen sehen und bei denen wir uns manchmal fragen: Wo wollen die in 20 Jahren noch hin, und welchen Kick braucht man dann?!
Wir gehörten auf jeden Fall zur Fraktion Blümchensex. Wir taten es zwar regelmäßig und probierten auch immer mal fleißig was aus, aber es blieb immer alles ganz harmlos. Wir wussten zwar nicht so recht, was wir da taten, aber wir taten es oft und mit wachsender Begeisterung.
So brauchte es auch nicht lange, bis die ersten Handschellen und ein Vibrator den Weg zu uns fanden. Damals kam gerade eine neue Marke für Vibratoren auf den Markt, die sich von der Phallusform, die die Dinger ja über lange Zeit hatten, komplett gelöst hatte und stattdessen den Vibratoren einen tierischen Look gab. Da Sabine sich von diesen Toys angesprochen fühlte, hatten wir daher eine Raupe Nimmersatt zu Hause, die auch regelmäßig genutzt wurde.
Die Handschellen dagegen blieben lange eher unbeachtet. Irgendwie passten die und diese Art, Sex zu haben, da noch nicht so richtig zu uns und unseren Blümchensex-Vorlieben. Hätte man uns damals gefragt, wer die Hosen im Bett anhat, hätten wir beide in völliger Übereinstimmung gesagt: Niemand. Es war ein Geben und ein Nehmen, jeder war mal oben. Aber zu dieser Zeit waren Internet Pornokanäle und Erotik-Bände à la 50 Shades of Grey, die sich mit BDSM beschäftigten, auch noch nicht vorhanden und somit auch nicht im Trend.
Ende der Neunziger war ich als junger Mann froh, wenn ich in der Fa Duschwerbung mal eine nackte Brust sah. Warum ist die eigentlich heute nicht mehr zu sehen? Verkehrte Welt!
Was es aber Ende der Neunziger gab und von uns auch liebend gern konsumiert wurde, waren Sendungen wie Liebe Sünde, Wa(h)re Liebe oder Peep, die abends um 23 Uhr liefen und in denen es um Sexpraktiken oder Swingerclubs ging. Sie wurden von Lilo Wanders und Co präsentiert.
Lilo Wanders ist dem Thema Sex übrigens auch heute nach ihrem Ende im TV treu geblieben. Man kann bei ihr die Reeperbahn-Tour buchen, und sie führt dann Besuchergruppen und Touristen zu jenen Orten, wo der Otto Normalbürger eher selten zu finden ist, aber in die er insgeheim natürlich auch gerne mal einen Blick riskieren würde.
Mit dem Wissen von heute wäre uns die Tour mit Lilo Wanders sicher zu „läppisch“, wie der Rheinländer sagt. Sie ist doch eher auf den Manfred und die Helga von nebenan gemünzt und nicht auf Leute, die in der Szene aktiv sind. Aber unterhaltsam ist sie sicher allemal, da es ja auch nicht darum geht, dass Lilo Wanders einen in die Szene einführen möchte, sondern eher einen Schwank über die gute alte Zeit auf der Reeperbahn erzählt.
Als wir zum ersten Mal in einem dieser TV-Formate einen Bericht über Swingerclubs sahen, konnten wir das für uns noch gar nicht so recht einordnen. Man zeigte Filmaufnahmen von Menschen in schlechtsitzender Unterwäsche, bei den Herren durfte es gerne das weiße Unterhemd mit weißer Feinrippunterhose sein und bei den Damen halt das, was der Otto Katalog so unter „sexy“ hergab. Szene- oder Clubkleidung, wie sie heute üblich ist, schien da noch in den Kinderschuhen zu stecken.
Was mir auch bis heute schleierhaft ist: Eigentlich wollten diese Formate ja Werbung machen für sexuelle Aufklärung und den Leuten zeigen, dass es noch etwas anderes gab als Blümchensex mit der eigenen Ehefrau. Warum wurden immer die dicken und hässlichen Menschen vor die Kamera gezerrt, die dann auch noch vor lauter Scham eine Maske trugen, wie auf einem schlechten Karnevalsball? Na ja, uns kann es nicht so sehr abgeschreckt haben damals, sonst wären wir gut zehn Jahre später nicht so aktiv in diese Welt eingestiegen.
Aber erst mal sahen wir nur mit einem Schmunzeln auf den Lippen diese Berichte und hielten für uns fest, dass wir diese Räumlichkeiten ja schon gerne mal testen würden, die Leute aber mal gar nicht gingen. Dieses Thema verfolgte uns immer mal wieder, ob direkt nach dem Sex, wenn wir noch Arm in Arm zusammen kuschelten oder auch bei irgendwelchen Reportagen, die das Thema Sex streiften.
Bei einem unserer nächsten Reeperbahnbummel entdeckten wir in einem Sex-Shop neben den ganzen Dingen, mit denen wir noch nichts anfangen konnten, einen Stapel mit Zeitschriften. Oben auf diesen Zeitschriften lag ein eingebundenes Magazin mit der Überschrift „Swingerclub Führer. Alle Clubs in Deutschland.“ Heute, in den Zeiten von Internet und Co., findet man das geradezu lächerlich, dass es damals noch einen richtigen Führer gab, aber das war ja auch noch die Zeit der Autoatlanten, daher war auch ein Swingerclub-Führer in Hardkopie nichts Ungewöhnliches. Wir schrieben ja mittlerweile das Jahr 1999, daher wandelte sich gerade erst alles von analog zu digital.
Nachdem wir kurz hin und her überlegt hatten, ob wir die zwölf DM für dieses literarische Meisterwerk wirklich ausgeben sollten, standen wir fünf Minuten später mit dem Heft an der Kasse. Zuhause angekommen, warfen wir dann erst mal voller Spannung einen Blick in dieses Heft. Es war ein wenig aufgebaut wie die Gelben Seiten, alles nach Postleitzahl sortiert. Es gab die großen, fetten Einträge und dann die Standardeinträge in diesem Club-Führer. Wir verschafften uns einen Überblick darüber, wie viele Clubs es überhaupt in Hamburg gab. Bisher war uns noch in keiner Stadt ein Club vor die Füße gesprungen, daher waren wir sehr gespannt.
Die Freude war groß, dass der erste Club, der uns ins Auge fiel, nur vier, fünf Straßen von unserer Wohnung entfernt war. Neugierig lasen wir die Beschreibung, die im Heft dazu zu finden war. Es war ein Club in einem ausgedienten Industriegebäude zwischen Hamburg Bahrenfeld und Altona. Im Heft waren noch sechs, sieben weitere zu finden, aber wir hatten uns auf den ums Eck versteift und wollten dazu mehr wissen. Da es mit dem Internet noch nicht so weit her war, blieb uns nichts anderes übrig, als da mal anzurufen. Dies taten wir an einem Samstagvormittag. Heute würden wir darüber lachen, und das zeigt auch nur, dass wir mal so komplett keine Ahnung hatten, was so wirklich im Clubleben abgeht. Sehr wahrscheinlich hatte der Club erst zwei, drei Stunden vor unserem Anruf die letzten Gäste vor die Tür gekehrt, und die Besitzer waren dann auch erst mal wohlverdient schlafen gegangen. Auf jeden Fall ging keiner ans Telefon, und somit waren wir so schlau wie vorher.
Leicht verunsichert, wie wir mit diesem Mangel an Information jetzt umgehen sollten, kam in uns der tollkühne Plan auf: Ach, komm. Wir fahren da einfach gleich mal dran vorbei. Ist ja nicht weit, und wenn es uns nicht gefällt, sind wir schnell wieder zu Hause.
Wir packten ein paar Sachen in eine Sporttasche, von denen wir davon ausgingen, diese im besagten Club gebrauchen zu können. Dinge wie die Raupe Nimmersatt, frische Unterwäsche, Badelatschen und Handtücher. Eigentlich hätten wir mit dieser Tasche auch ins Freibad fahren können.
Ich bin mir heute nicht mal mehr sicher, ob wir genug Geld dabeihatten, um den nötigen Eintritt zu bezahlen, der ja in solchen Clubs üblich ist. Aber auch diese Tatsache zeigte, dass wir zwar zig schlechte Reportagen über Swingerclubs gesehen hatten, aber in Wirklichkeit so überhaupt keine Ahnung davon hatten, was uns dort erwarten würde.
Gesagt, getan. Wir stiegen also ins Auto und fuhren die fünf Minuten zum Club in meinen 5er-BMW, den wir auf einem Industrieparkplatz in einem Innenhof voller alter Lagerhallen unweit der Eingangstür parkten. Wir stiegen aber nicht aus, sondern blieben erst mal mucksmäuschenstill im Auto sitzen. Natürlich hatten wir den Eingangsbereich dabei fest im Blick, denn für zwei, die von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten, war jede noch so kleine Info wichtig. Nachher ging da in einem unbeobachteten Moment die Tür auf, und wir zwei Unwissenden bekämen das nicht mit.
Auch nach fünf Minuten machte immer noch keiner von uns beiden auch nur einen Mucks oder gar den Anschein, gleich aus dem Auto aussteigen zu wollen. Also beobachteten wir die Lage in Ruhe weiter. Es vergingen zehn Minuten, es vergingen 20 Minuten. Keine Ahnung, was wir uns dabei gedacht hatten. Dass es da wohl zuginge wie im Taubenschlag und alle drei Minuten ein Paar völlig durchgevögelt rauskäme? Niemand kam in der ganzen Zeit, während wir auf dem Parkplatz warteten, raus, und niemand ging rein. Sehr wahrscheinlich war noch nicht mal jemand vor Ort, weil es einfach viel zu früh war und die meisten Partys in Clubs erst spätabends stiegen, wie wir viel später dann ja auch lernten.
Ich kann es heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, aber wir waren wohl auch einfach von unserer eigenen Courage überfordert, dass wir es echt gewagt hatten, zu einem Club zu fahren und diese neue Welt für uns entdecken wollten. Allerdings verließ uns nun wirklich der Mut, es auch durchzuziehen. Wir trauten uns ja nicht einmal, auch nur an der Eingangstür zu klopfen. Nein, wir blieben die ganze Zeit im Auto sitzen und hatten einfach die Buxe voll. Nach einer guten halben Stunde drehte ich den Zündschlüssel wieder um, und der Motor startete. Ohne ein Wort zu sagen, fuhren wir die paar Straßen wieder nach Hause. Jeder dachte auf der Fahrt wohl für sich: „Oh Mann, was für ein Reinfall!“ Wir machten es aber nicht zum Thema.
Es vergingen auch zuhause ein paar Minuten, bis wir wieder das Gespräch suchten. Wir taten dann mit ein paar Worten die letzte halbe Stunde so ab, dass wir wohl Pech gehabt hatten und es einfach nicht hatte sein sollen. Das war auf jeden Fall in dem Moment die bequemste Entschuldigung. Wie sich herausstellen sollte, war das dann auch erst mal für lange Zeit unser letzter „Besuch“ eines Swingerclubs.
Die nächsten Wochen und Monate gingen ins Land, und der Gedanke an einen Clubbesuch war noch bei beiden präsent, wurde aber nicht mehr laut geäußert. Man hätte sich sonst wohl mit der eigenen Courage auseinandersetzen müssen und damit, dass man ja im entscheidenden Moment gekniffen hatte. Wir kompensierten das mit heimischem Sex, den wir leidenschaftlich und gern in allen Zimmern laut und ausgiebig hatten. Wir hatten aber nicht nur zuhause Sex, sondern wir erweiterten unseren Spielplatz um diverse Orte, wie zum Beispiel in einem großen Kölner Freizeitbad mitten im Whirlpool oder später auch noch mal in der Umkleide, wo ich Sabine dann beim Kommen wohl etwas zu lautstark aufforderte, sie solle „ihn“ in den Mund nehmen und schlucken, was da so kommen möge.
Dies tat sie zwar auch beflissen, was aber die Nachbarn in den anderen Kabinen dazu animierte, ihren Unmut über das Gehörte zu äußern. Mit den Aussagen, dass hier auch Kinder wären und wir uns benehmen sollten, sonst würden sie den Bademeister rufen. Recht hatten sie ja, aber wir waren jung und wollten alles mal testen. Deshalb mussten in dieser Zeit so ziemlich alle Motorhauben und Rücksitzbänke von diversen Autos, die uns in die Finger kamen, dran glauben. Auch auf Geburtstagspartys von Freunden und Bekannten verschwanden wir mal spontan auf dem Klo und ließen den Trieben freien Lauf. Wir waren da echt schmerzfrei.
Diese sexuellen Aktivitäten, die wir auch gern mit langen Wochenendausflügen verbanden, blieben bei einem Ausflug an die Ostsee, wo wir den Geburtstag der besten Freundin von Sabine ausgiebig feierten, nicht ohne Folgen, sodass wir Ende Januar 2001 zur Apotheke gehen und einen Schwangerschaftstest kaufen mussten.
Ab jetzt ticken die Uhren anders
Es kam, wie es kommen musste. Der Test zeigte zwei Balken an, was für uns bedeutete: „Wir sind schwanger.“ Ab diesem Zeitpunkt tickten unsere Uhren anders. Am Anfang waren wir noch etwas geschockt von dem Ergebnis und fragten uns, ob wir für ein Kind denn schon bereit wären und ob wir das finanziell gestemmt bekämen. Zum Glück hat man mit Anfang 20 ja noch so viel jugendlichen Leichtsinn, dass man sagt: „Na klar, das wird schon.“ Ohne natürlich das ganze Ausmaß der Folgen zu kennen, die einen da so erwarten. Mit der Erfahrung von heute sagen wir aber beide, es war das Beste, was uns passieren konnte, so früh Eltern zu werden.
Die nächsten Monate vergingen wie im Flug, und alles war auf Baby eingestellt. Na ja, fast alles. Natürlich hatten wir immer noch reichlich Sex, ich würde sogar sagen, es wurde immer mehr. So um den fünften Monat herum wurde Sabine zu einer richtigen Nymphomanin, die es immer und immer wieder am Tag haben wollte. Es kommt ja selten vor, dass ich Nein sage, aber mit dieser enormen weiblichen Dauerlust kam ich dann doch an meine Grenzen. Und so kam es zum ersten Mal in meinem Leben dazu, dass ich Sex ablehnte. Nur, dass wir uns richtig verstehen: Wir hatten trotzdem immer noch ein- bis zweimal am Tag Sex, aber eben nicht drei- bis viermal, so wie gewünscht. Das Schöne war: Sabine hatte eine recht sportliche Figur und war daher auch nur mit einem 75B-Körbchen gesegnet. Jetzt aber wuchsen die Brüste, und ich als Mann hatte mehr zum Spielen. Noch heute sagt Sabine, dass sie nie wieder so geile Titten hatte wie in der Schwangerschaft. Wir beide fanden das Ganze natürlich auch nicht nur optisch sehr toll, sondern erkannten auch völlig neue Spielmöglichkeiten, die kleine Brüste einfach nicht bieten.
Außerdem war es das erste Mal, dass ich seit meiner Zeit als Baby mal wieder mit dem Thema Muttermilch in Berührung kam. Schon während der Schwangerschaft war Sabines Körper fleißig dabei, zu produzieren. Nicht, dass ich jetzt hier einen Fetisch für mich entdeckt hätte, aber gestört hat es mich auch nicht. Ich hatte einfach ein neues Experimentierfeld gefunden, was es zu erkunden galt. Dieser erhöhte Sexualtrieb von Sabine hielt sich noch bis kurz vor der Geburt unseres Sohnes. Natürlich wurden mit der Zeit die Stellungen beim Sex immer eingeschränkter. Was am Anfang noch wilde Ritte durch die Bettenlandschaft waren, waren zum Schluss dann noch Elefanten-Deck-Akte, da Sabine sich aufgrund des dicken Bauches nur noch hinkniete und sich ficken ließ. Für mich war das absolut okay und sie kam dabei auch noch auf ihre Kosten. Was will Mann da eigentlich mehr?! Hier greift dann einfach die Regel für Männer: Happy wife, happy life. Welcher Mann will in dieser für die Beziehung absolut wichtigen Phase schon Theater mit seiner Frau haben?
Es war Ende Oktober und wir nutzten die Zweisamkeit noch einmal richtig aus, in dem Wissen, dass in den nächsten Wochen, wenn das Kind da war, erst mal Schluss sein würde mit Sex. Also begannen wir den Freitagabend noch mal mit ausgiebigem Vögeln. Sabine war wieder ganz besonders willig und reizte mich mit ihren großen Brüsten. Diese Einladung nahm ich auch dankend an, und für beide wurde es noch ein heißer Abend.
Nach dem Sex schliefen wir Arm in Arm gegen Mitternacht ein und freuten uns auf den nächsten Tag, den wir ganz relaxed beginnen wollten. Daraus wurde allerdings nichts. Nachts um fünf stieß mich Sabine an und sagte: „Ich glaube, es geht los!“ Da wir vom Geburtsvorbereitungskurs wussten, dass die ersten Wehen und der Zeitpunkt, bis man mal ins Krankenhaus fahren sollte, noch weit auseinander liegen konnten, blieben wir noch im Bett liegen und harrten der Dinge, die da so kamen. Gegen sieben Uhr, nachdem wir ja schon zwei Stunden echt geduldig geblieben waren, fühlten wir uns aber langsam etwas unsicher. Nicht, dass wir hier noch eine unerwartete Hausgeburt hinlegten. Die Wehen wurden nämlich immer stärker, und die Hilflosigkeit von uns beiden im selben Verhältnis größer. Hätten wir da schon geahnt, wie stark sie noch werden würden, dann hätte Sabine sicher gesagt, das lassen wir mal besser heute ausfallen. Aber Kneifen galt nicht, daher mussten wir da jetzt durch.
So saßen wir gegen acht Uhr im Auto, mit der bereits im Vorfeld gepackten Tasche. Ich war so nervös, dass ich die Wegfahrsperre vom Auto zuerst nicht deaktiviert bekam und ich mir einen kritischen Blick von Sabine gefallen lassen musste, die ja jetzt zu einhundert Prozent auf mich zählte. Zum Glück klappte es beim nächsten Versuch und der Wagen sprang an. Das Krankenhaus in Hamburg Altona war kaum einen Kilometer Luftlinie entfernt. Wir fuhren in Bahrenfeld auf die A7 und einen Kilometer weiter, kurz vor dem Elbtunnel, schon wieder ab.
Das Krankenhaus befand sich gut hundert Meter neben der Autobahn, was auch einer der Gründe dafür war, warum wir uns für dieses Krankenhaus entschieden hatten. Die Ärzte im Krankenhaus schickten uns zwar mit einem Lächeln im Gesicht nach der ersten Untersuchung noch mal nach Hause, weil der Muttermund bisher nur minimal geöffnet war, aber das hielt uns nicht davon ab, zwei Stunden später wieder bei denen auf der Matte zu stehen. Jetzt hatten die Ärzte und Schwestern ein Einsehen mit uns und ließen uns in den Kreißsaal, wo wir die nächsten Stunden verbrachten. Die Zeit verging überhaupt nicht, und von Stunde zu Stunde war Sabine auch immer fertiger mit dieser Welt. Als Mann kann man ja in dieser Zeit auch nur gucken, dass man die werdende Mutter nicht noch mehr mit seinem Handeln aufregt. Daher mein Tipp: Männer, verhaltet euch einfach ruhig und defensiv. Macht nichts, ohne dass die Chefin im Ring es abgesegnet hat.
