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Ein kraftvoller und hochspannender historischer Roman im Taschenbuchformat von Liliana Le Hingrat über den Kampf gegen die Osmanen im 15. Jahrhundert und ein unbekanntes Kapitel europäischer Geschichte: der »balkanische Rosenkrieg«, und gleichzeitig ein Stück der Familiengeschichte von Dracula Aus der osmanischen Geiselhaft entlassen, führt Vlad Dracula den Kampf seines Vaters um den walachischen Thron fort. Doch nicht nur die alten Feinde seiner Familie machen ihm die Krone streitig, auch der eigene Bruder wendet sich gegen ihn und kann dabei auf den Beistand der Osmanen zählen. Obwohl Vlad in der Gunst von Papst Pius II. steht, muss er zusehen, wie sowohl Ungarn und Polen als auch das Osmanische Reich die Hand nach der Walachei ausstrecken. Mehr und mehr wird Vlads Heimat, wird sein Erbe zum Faustpfand im Kampf zwischen Christentum und Islam … Die faszinierende Fortsetzung des preisgekrönten DAS DUNKLE HERZ DER WELT.
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Seitenzahl: 838
Veröffentlichungsjahr: 2018
Liliana Le Hingrat
Roman
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Aus der osmanischen Geiselhaft entlassen, führt Vlad Draculea den Kampf seines Vaters um den walachischen Thron weiter. Doch nicht nur die alten Feinde seiner Familie machen ihm die Krone streitig, auch der eigene Bruder wendet sich gegen ihn - und kann dabei auf die Hilfe der Osmanen zählen. Obwohl Vlad in der Gunst des Papstes steht, muss er mit ansehen, wie sowohl Polen und Ungarn als auch das Osmanische Reich die Hand nach der Walachei ausstrecken. Mehr und mehr wird Vlads Heimat, sein Erbe, zum Faustpfand im Kampf zwischen Christentum und Islam …
»Ein grandioses Debüt, so abgründig und dramatisch, dass es an die TV-Serie ›Game of Thrones‹ erinnert.« Für Sie über den Debütroman der Autorin, Das dunkle Herz der Welt, der mit dem Goldenen Homer 2016 ausgezeichnet wurde.
Karte 1
Karte 2
Prolog
Wien, 6. Februar 1448
Teil I: 1448–1456
1. Kapitel
Edirne, Osmanisches Reich, 19. Mai 1448
2. Kapitel
Buda, Königreich Ungarn, 29. Mai 1448
3. Kapitel
Targoviste, 19. Juni 1448
Moldau, 23. Juni 1448
4. Kapitel
Bulgarien, 26. Juli 1448
Ostkarpaten, 31. Juli 1448
Kovin, Königreich Ungarn, 17. September 1448
5. Kapitel
Targoviste, 2. Oktober 1448
Amselfeld, 16. Oktober 1448
6. Kapitel
Amselfeld, 19. Oktober 1448
Targoviste, 23. Oktober 1448
Kladovo, in Serbien, 24. Oktober 1448
7. Kapitel
Buda, 1. November 1448
Edirne, 8. November 1448
8. Kapitel
Wiener Neustadt, 21. Februar 1449
Moldau, 19. April 1449
9. Kapitel
Targoviste, 21. Mai 1449
Moldau, Ostkarpaten, 8. August 1449
Südkarpaten in Transsilvanien, 30. November 1449
10. Kapitel
Burg der Hunyaden in Eisenmarkt, 27. August 1450
Edirne, Ende Oktober 1450
11. Kapitel
Sutschawa, 18. November 1450
Wiener Neustadt, 22. November 1450
12. Kapitel
Edirne, 18. Februar 1451
13. Kapitel
Moldau, 18. Oktober 1451
Ostkarpaten, 20. Oktober 1451
14. Kapitel
Südkarpaten, 23. Oktober 1451
In der Nähe von Kronstadt, 25. Oktober 1451
15. Kapitel
Buda, 21. November 1451
Zisterzienserabtei Kerz in Transsilvanien, 2. Dezember 1451
Targoviste, 4. Dezember 1451
16. Kapitel
Buda, 2. März 1452
Wiener Neustadt, 24. August 1452
Wiener Neustadt, 31. August 1452
Wiener Neustadt, 4. September 1452
17. Kapitel
Wien, 10. September 1452
18. Kapitel
Buda, 2. März 1453
Buda, 4. März 1453
Edirne, 16. März 1453
19. Kapitel
Pest, 29. Mai 1453
Targoviste, 1. Juni 1453
20. Kapitel
Korneuburg, 24. September 1453
Wien, 27. September 1453
Kronstadt, 26. November 1453
21. Kapitel
Krakau, 10. Februar 1454
Buda, 13. Februar 1454
Burg Hamlesch, 18. Februar 1454
22. Kapitel
Kronstadt, 26. Mai 1454
Hunyadenburg, 8. Juni 1454
Belgrad, 30. August 1454
23. Kapitel
Südkarpaten, 18. Oktober 1454
Wien, 12. August 1455
Hunyadenburg, 6. September 1455
Kronstadt, 20. Dezember 1455
24. Kapitel
Buda, 23. Mai 1456
Targoviste, 31. Mai 1456
Kronstadt, 12. Juni 1456
Belgrad, 3. Juli 1456
25. Kapitel
Belgrad, 21. Juli 1456
Targoviste, 25. Juli 1456
Zemun, 11. August 1456
Walachei, 20. August 1456
Teil II: 1456–1462
26. Kapitel
Edirne, 4. Oktober 1456
Targoviste, 20. Oktober 1456
Futak, 16. Oktober 1456
27. Kapitel
Kronstadt, 2. November 1456
Belgrad, 8. November 1456
Temeschwar, 23. November 1456
28. Kapitel
Kronstadt, 12. Januar 1457
Konstantinopel, 2. März 1457
Buda, 14. März 1457
29. Kapitel
Großwardein, 2. April 1457
Targoviste, 15. April 1457
Targoviste, Ostersonntag 1457
30. Kapitel
Rom, 16. Oktober 1457
Prag, 24. November 1457
Pest, 24. Januar 1458
31. Kapitel
Bistritz, 18. Juni 1458
Targoviste, 22. August 1458
32. Kapitel
Buda, 20. September 1458
Kronstadt, 5. Dezember 1458
33. Kapitel
Burg Hamlesch, 6. Januar 1460
Konstantinopel, 21. März 1460
34. Kapitel
Rucăr, 21. April 1460
Buda, 24. Mai 1460
35. Kapitel
Bukarest, 29. September 1460
36. Kapitel
Targoviste, 12. Juni 1461
Konstantinopel, 21. Oktober 1461
37. Kapitel
Targoviste, 25. Mai 1462
Buda, 4. März 1462
38. Kapitel
Walachei, 15. Juni 1462
Im Süden von Targoviste, 17. Juni 1462
Targoviste, 19. Juni 1462
Burg Poenari, 22. Juni 1462
39. Kapitel
Buda, 2. August 1462
Bukarest, 12. September 1462
40. Kapitel
Kronstadt, 30. Oktober 1462
Südkarpaten, 5. November 1462
Südkarpaten, 20. November 1462
Teil III: 1475–1476
41. Kapitel
Buda, 2. Januar 1475
42. Kapitel
Moldau, 7. Januar 1475
Vaslui im Fürstentum Moldau, 9. Januar 1475
43. Kapitel
Buda, 14. Juli 1475
Südtranssilvanien, 20. August 1475
44. Kapitel
Südkarpaten, 2. September 1475
45. Kapitel
Buda, 28. Juni 1476
46. Kapitel
Medwesch, in Transsilvanien, 8. Juli 1476
47. Kapitel
Kronstadt, 2. Oktober 1476
48. Kapitel
Bukarest, 28. November 1476
Buda, 12. Dezember 1476
49. Kapitel
Südtranssilvanien, 21. Dezember 1476
50. Kapitel
Bukarest, 28. Dezember 1476
Buda, 28. Dezember 1476
Bukarest, 28. Dezember 1476
Epilog
Südtranssilvanien, 30. Dezember 1476
Nachwort
Dramatis Personae
Das Fürstentum Walachei
Die Basarab-Dynastie
Haus der Draculer – benannt nach
Hof und Gefolge
Haus der Danen
Das Königreich Ungarn und das Herzogtum Österreich
Hof und Gefolge
Haus der Hunyaden
Hof und Gefolge
Das Königreich Polen
Das Osmanische Reich
Hof und Gefolge
Glossar
Hohe Herren von Wien, achtet auf Feuer und Licht, die Nacht ist kalt und ohne Schneeschauer …«
Der Fremde presste sich in die Tornische und wartete, bis die Nachtwächter an ihm vorbeigegangen waren. Es waren sechs, in lange Mäntel gehüllt und mit Speeren ausgerüstet. Jeder Zweite trug eine Laterne. Angespannt beobachtete er, wie sie einen Rundgang um die Ruprechtskirche machten, und betete in Gedanken darum, dass sie nicht hineingingen, um sich bei der klirrenden Kälte dort womöglich ein wenig aufzuwärmen. Aber sie bogen nach rechts ab, in die Gasse Richtung Kirche des heiligen Stephan. Ihre Schatten wurden immer länger, und ihre Rufe verklangen mit jedem Schritt in der eisigen Nacht.
Der Mann blickte noch einmal um die Ecke und vergewisserte sich, dass er jetzt allein war. Verkleidet als Händler erregte er auf den ersten Blick keine Aufmerksamkeit. Dennoch: Erwischten sie ihn, wie sollte er den Wächtern erklären, was er so kurz nach Mitternacht vor dem Salzamt zu suchen hatte, das längst geschlossen war? Noch dazu in dieser Verkleidung? Denn sein Name lautete Ibrahim: Ibrahim ibn Umar al-Sabi, Zögling des großen Gelehrten Ahmet Kurani am Sultanshof in Edirne – dessen Späher er im Abendland war.
Von seinem Platz aus betrachtete er den eckigen Turm der Ruprechtskirche, der an der Westseite emporragte. Der wolkenlose Himmel und der Vollmond ermöglichten es ihm, auch die Umgebung rund um das Gotteshaus in Augenschein zu nehmen. Niemand war zu sehen. Sicher war er jedoch nicht. Schon in Konstantinopel hatte er seinen Verfolger das erste Mal bemerkt. Kurz nach dem Treffen mit seinem byzantinischen Kontaktmann. Seitdem spürte er seinen Atem im Nacken und bangte um sein Leben; vor allem um die Erfüllung seiner Aufgabe, denn ein Versagen würde ihn nicht nur sein irdisches Dasein kosten, sondern auch das seiner Familie. Diesmal diente er nicht nur den Muslimen, sondern gleichzeitig auch den Christen, was seinen Auftrag noch gefährlicher machte.
Noch nie war die politische Lage in Europa so angespannt gewesen wie in den letzten Monaten. Johannes Palaiologos, der byzantinische Kaiser, fühlte sich wie ein verletzter Löwe von den osmanischen Jägern umringt, die zum tödlichen Lanzenstoß auf ihn ansetzten. Auf den Hilferuf des oströmischen Herrschers hin hatte der Papst keine Hilfstruppen aus Rom gesandt, sondern klerikale Diplomaten, die die Unterwerfung der Orthodoxen vor dem Heiligen Stuhl durchsetzen sollten. Währenddessen belagerte Sultan Murad Konstantinopel und plante die Eroberung weiterer Gebiete in Europa.
Und er, Ibrahim ibn Umar al-Sabi, war mittendrin als Spion und, je nach Verlauf der politischen Beziehungen zwischen den Christen und Muslimen, als Diplomat. Für beide Seiten. Nur so konnte er seine Familie am Leben erhalten. Denn sowohl die Christen als auch die Muslime drohten ihm, seine Frau und Kinder zu töten, wenn er nicht mitspielte.
Er verharrte noch einige Augenblicke. Zwischendurch rieb er sich die Hände, um sie zu wärmen. Als er sie anhauchte, spürte er, wie der warme Atemdunst auf seinem Schnurrbart gefror. Lange konnte er nicht mehr warten.
Behutsam überquerte Ibrahim den Platz Richtung Ruprechtskirche. Hin und wieder rutschte er auf den glatten Pflastersteinen aus, dann betrat er endlich das Gotteshaus.
Es dauerte eine Weile, bis er sich an die Dunkelheit im Kircheninneren gewöhnte. Auch hier war es eiskalt. Das spärliche Licht einer Unschlittlampe am Hochaltar warf Schatten über den gekreuzigten Körper Jesu. Dort, vor dem Altar, erblickte er eine dunkle, am Boden zusammengekauerte Gestalt.
»Hans!«, rief er leise.
Doch niemand antwortete.
»Hans!«, rief er diesmal lauter.
Der Mann bewegte sich nicht.
»Hans!«, rief der Osmane erneut, während er zu seinem Kontaktmann eilte. Nach einigen Schritten bemerkte er die Blutlache auf dem Boden, in der der Körper des Deutschritters lag. Vorsichtig drehte er ihn auf den Rücken. Ein Schnitt klaffte an seiner Kehle.
»Allah, Allmächtiger«, flüsterte Ibrahim, schaute sich um und erforschte das Kircheninnere. Nichts verriet die Anwesenheit einer anderen Person. Keine Spur von dem Mörder.
Eifrig begann er, den Toten zu untersuchen. Seine zittrigen Finger suchten in jeder Kleiderfalte. Sogar die Stiefel zog er ihm schließlich aus. Nichts. Ihm fiel auf, dass Hans’ Dolchscheide leer, die Waffe aber nirgendwo zu sehen war. Kurzerhand nahm er die Talglampe vom Altar und leuchtete damit den Boden um den Toten herum ab. Mit jedem Schritt vergrößerte er den Umkreis, bis er die Ostmauer der Apsis erreichte. Für einen Augenblick vergaß er seinen Auftrag und betrachtete die Glasmalereien des Apsisfensters. Es war zweigeteilt: Oben war die Kreuzigung Jesu zu sehen und unten eine Frau, die, auf einem Thron sitzend, einen Knaben in den Armen hielt. Das Mondlicht, das durch die Vitralien leuchtete, hauchte den Figuren Leben ein.
Wer könnte hier, in einem Gotteshaus, einen Mord begehen?, fragte er sich. Kein Christ, überhaupt kein Gläubiger würde zu so einem Frevel imstande sein. Die Angst ergriff ihn. Der Mörder kannte keine Gnade, und wie es aussah, auch keine Pietät, nachdem er auf geweihtem Boden Blut vergoss.
Ibrahim drehte sich um und schaute in die Richtung, wo der tote Deutschritter lag. Für ihn konnte er nichts mehr tun. Je schneller er diesen Ort verließe, desto besser wäre es für ihn. Als er die Öllampe zurück zum Altar brachte, fiel sein Blick auf das lange Altartuch. Ohne zu zögern, hob er es an. Es dauerte eine Weile, bis er das schwache Schimmern eines Gegenstands wahrnahm. Es war Hans’ Dolch.
Fieberhaft untersuchten seine Finger die Waffe. Einer der Edelsteine am Griff ließ sich drehen und gab damit das Versteck frei. Aus dem Griff zog Ibrahim ein Papierröllchen. Es war unversiegelt. Kurzerhand entrollte er es und las.
»So viele Namen?«, flüsterte er. »Und alle sollen sterben?«
Ein Knarzen drang vom Turm her an sein Ohr. Rasch löschte Ibrahim die Lampe und steckte das Schriftstück unter seinen breiten Gürtel. Vorsichtshalber duckte er sich und verharrte am Boden. Doch er hörte kein Geräusch mehr. Langsam schlich er sich durch den Chor, bis er die Tür erreichte. Jetzt vernahm er hinter sich deutlich, wie jemand unten, in der Gruft, versuchte, mit einem Schlüssel die kleine Tür zu öffnen.
Ohne zu zögern, verließ Ibrahim die Kirche und rannte die Gasse hinunter in Richtung Donau, wo am Hafenkai ein Schiff auf ihn wartete.
»Bleib stehen!«, rief jemand hinter ihm her.
Doch Ibrahim rannte weiter. Der klare Himmel und der helle Vollmond ermöglichten es ihm, sich in den schmalen Straßen zu orientieren. Doch plötzlich rutschten seine Füße auf den vereisten Pflastersteinen. Mit den Armen rudernd, versuchte er, sein Gleichgewicht wiederzuerlangen. Dennoch fiel er. Wie gerne wäre er dort auf dem Boden liegen geblieben und hätte die Augen geschlossen, um nur einige Atemzüge lang ausruhen zu können. Aber sein Verfolger war ihm auf den Fersen. Er konnte sogar seine Schritte hören.
Mit einem Ruck stand Ibrahim auf. Indem er sich an den Hauswänden abstützte, kam er schneller voran, dennoch rutschte er wieder und wieder auf den eisglatten Pflastersteinen. Jemand fluchte leise. Aber er sah niemanden, als er über die Schulter blickte. Schnell bog er nach links, presste sich an eine Hauswand und huschte achtsam um die Ecke. Jetzt bemerkte er einen Schatten, der in seine Richtung eilte. Sein Jäger hatte Witterung aufgenommen.
In Panik verließ Ibrahim das Versteck und rannte durch die Gassen, Richtung Donau. Er hörte ein Zischen in der Luft, gefolgt von einem dumpfen Aufschlag an der Hauswand neben ihm. Der Armbrustbolzen hatte ihn nur um eine Handbreit verfehlt. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit bis zum rettenden Schiff. Er griff nach dem geheimen Schriftstück und suchte verzweifelt nach einem Versteck. Sein Blick fiel auf einen Brunnen. Kurzerhand warf er es in den Schacht. In dem Moment traf ihn das zweite Geschoss in der rechten Schulter. Die Wucht warf ihn zu Boden.
»Endlich habe ich dich«, hörte Ibrahim seinen Verfolger sagen, während er versuchte aufzustehen.
Der Fremde näherte sich langsam dem am Boden liegenden Verletzten.
»Wer bist du, und warum verfolgst du mich?« Stöhnend stützte sich Ibrahim auf den Händen ab und lehnte sich an die Brunneneinfassung. Er wollte wissen, wer sein Häscher war, und blickte nach oben. Da der volle Mond jedoch hinter dem Fremden leuchtete, lag dessen Gesicht im Schatten. Dieser streckte nun die Hand aus.
»Du hast etwas, das mich interessiert. Gib es mir, und du wirst nicht qualvoll sterben.«
»Das soll mich trösten und mich zu einem Verräter machen? Ich sterbe sowieso.«
»Wie du willst.«
Der Fremde beugte sich über ihn und fing an, ihn behutsam abzutasten, so, als wollte er verhindern, ihm wehzutun. Auf der Suche nach dem Schriftstück streiften seine Finger auch die Wunde. Ibrahim stöhnte.
»Oh, ich habe dich nur ein Mal getroffen.« Seine Stimme klang bedauernd. »Wo ist die Depesche?«
»Ich habe sie nicht mehr.«
»Du zwingst mich, die Wahrheit aus dir herauszupressen«, sagte der Unbekannte, während er den Finger in die Schulterwunde bohrte.
Ibrahims Schrei erstickte er, indem er ihm mit der anderen Hand den Mund zuhielt.
»Ich frage dich nur noch ein einziges Mal: Wo ist der Brief?«
»Ich habe ihn nicht mehr«, wiederholte der Osmane keuchend. »Ich habe ihn weggeworfen. Das ist die Wahrheit.«
»Das wird sich zeigen.« In aller Ruhe führte der Fremde die Spitze eines Messers vor Ibrahims Gesicht. »Zuerst verlierst du das linke Auge, danach das rechte.«
Die Waffe funkelte nur kurz im Mondlicht, aber lange genug für Ibrahim, um die Parierstange des Dolchs zu erkennen: Zwei Schlangen, die in Wolfsköpfen endeten. Nur eine Person besaß ein solches Zeremonienmesser.
»Ich weiß, wer du bist«, flüsterte er.
»Dann weißt du auch, dass ich alles von dir erfahren werde, was ich wissen will.« Inzwischen setzte sein Peiniger die Messerspitze an die Wange in Höhe des Kiefers und mittig zum Auge an. »Sprich!«
»Du kannst mich foltern bis zu meinem letzten Atemzug, aber du wirst die Liste nicht bekommen. Siehst du den Brunnen? Dort unten findest du sie.«
»Eine Liste sagst du? Dann hast du den Brief also gelesen. Was stand darin geschrieben?« Er drückte Ibrahim die Schneide des Dolches ins Fleisch und führte die Spitze über das Kinn nach oben bis kurz unter den Augapfel.
Ibrahim spürte, wie ihm Blut über die Wange und den Hals floss. Ihm wurde klar, dass der Mann ihn langsam und grausam foltern würde, bis er alle Namen von ihm erfahren hätte.
»Wenn ich nur einen einzigen Name verrate, werden die Osmanen meine Frau und alle meine Kinder töten.«
»Ich bedauere, aber wir sterben alle irgendwann. Sprich!«
»Du kannst mich töten, aber du kannst den Lauf des Schicksals nicht verändern. Alle auf der Liste werden sterben …«
»Mich interessieren nur zwei Namen. Sag mir, ob die walachischen Prinzen Vlad und Radu Basarab auf der Liste standen. Alles andere will ich nicht wissen.«
»Das kann ich nicht.«
Mit einem Ruck warf sich Ibrahim nach vorne gegen die spitze Waffe. Der Dolch raubte ihm nicht nur das Augenlicht und das Leben, sondern ließ ihn auch sein Geheimnis mit in den Tod nehmen.
Vlad sprang nach rechts und schaffte es gerade noch, seine Stellung so zu ändern, dass die Sonne jetzt seinem Gegner Hassan ins Gesicht strahlte.
Dieser lächelte nur und ließ sich nicht von Vlads Gefechtsmanövern beirren, sondern griff ihn erneut an. Diesmal sogar noch schwungvoller.
Nur mit Mühe parierte Vlad die Attacken des Janitscharen. Sein Toledo-Schwert erreichte den Angreifer nicht. Dieser führte das Krummschwert wendiger und schneller als er. Doch endlich gelang es ihm, die Angriffswelle des Osmanen zu brechen und selbst in die Offensive zu gehen. Sein Triumph war aber nur von kurzer Dauer, denn sein Kontrahent bedrängte ihn erneut.
Dieser kämpfte nicht, sondern tanzte, nein, er wirbelte um ihn herum. Bis es wieder geschah: Vlads Schwert flog durch die Luft und fiel einige Schritte weit von ihm entfernt zu Boden. Seine Hand schmerzte von der Wucht des Schlags.
»Hassan, ich verstehe das nicht. Warum gelingt es dir und mir nicht?«
»Es liegt an den Waffen und an uns selbst«, antwortete der Osmane ruhig. »Wir sind und denken unterschiedlich, mein Freund.«
»Was meinst du damit?« Vlad hob sein Schwert vom sandigen Boden auf. »Die Schmiede aus Toledo erschaffen die besten Klingen unter den Schwertmachern.«
»Das mag stimmen, aber das ist nicht ausschlaggebend.« Der Janitschar führte den Zeigefinger entlang der Waffe und sprach weiter. »Deine Schwertklinge, mein Freund, ist gerade, was bedeutet, dass du damit stechen oder hauen kannst. Anders gesagt, deine Bewegungen sind für mich vorhersehbar. Jetzt schaue dir meinen Kilidsch an. Er ist krumm, deswegen gelingt es mir, mit runden Bewegungen deine Waffe wie in einer Schlinge festzuhalten und sie dahin zu führen, wo ich es will. Sieh dir nun diese schwere und besonders breite Spitze an! Sie verlegt mehr Gewicht nach vorne, was der Waffe beim Ausholen mehr Schwung verleiht. So kann ich dem Feind mühelos, mit nur einem Schlag, den Kopf abschlagen. Glaube mir, du wärest längst tot, wenn ich es wollte.«
»Da bin ich dir doch dankbar, dass du mich verschonst. Aber das war die Erklärung bezüglich Schwert und Säbel. Und worin besteht der Unterschied in unserer Kampftechnik? Wir sind doch von ein und demselben Waffenmeister ausgebildet worden.«
»Du bist vom Hass geblendet und kämpfst nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen. Denke nicht mehr an den Tod deines Vaters oder deines Bruders. Vergiss ihren Mörder.«
»Wenn du mir sagst, wie ich das schaffe! Ich habe Träume, in denen ich meinen Vater und meinen Bruder nach Vergeltung für ihren Tod schreien höre. Ich sehe sie in ihrer Welt, von Blut verschmiert, wie sie nach mir und nach Rache rufen. Und ich wache allein auf. Hier, von Feinden umzingelt. Es ist leicht, Ratschläge zu geben, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie es ist, seine Familie zu verlieren.«
»Doch, das weiß ich. Sogar besser als du. Nur deswegen habe ich bis heute überlebt. Vertraue mir, und du wirst weiterleben. Verstanden?«
Lange schaute der walachische Prinz seinen Freund an, bevor er antwortete.
»Ich habe verstanden. Jetzt wollen wir mal sehen, ob deine Ratschläge bei mir gut eingeschlagen haben.«
Vlad stellte sich in Angriffsposition. Diesmal wartete er nicht, bis Hassan auf ihn losstürmte, sondern führte selbst den ersten Stoß aus. Er wechselte zwischen direktem Stechen und vorgetäuschten Rückzügen, sodass es ihm stets gelang, dem Krummsäbel zu entkommen. Er merkte es Hassans verzweifelten Blicken an. Und auch daran, dass diesmal dem Freund der Schweiß über Stirn und Wangen tropfte. Jetzt war der richtige Augenblick! Einen Schritt nach dem anderen drängte er ihn immer mehr zum Rückzug. Sein Schwert zischte durch die Luft und blitzte in den Sonnenstrahlen. Dennoch, der Janitschar hielt Stand, bis … bis ihn Vlad mit einer rotierenden Bewegung aus dem Handgelenk heraus endlich entwaffnete. Der Krummsäbel flog durch die Luft.
»Du lernst aber schnell, Walache.« Hassan lachte, während er Vlad auf die Schulter klopfte. »Das sollte mir eine Lehre sein. Wenn ich meinen Kopf nicht im Sand rollen sehen möchte, sollte ich dir lieber keinen Ratschlag mehr geben. Auch wenn du mein Freund bist.«
»Frage mich nicht, wie viel Kraft mich das gekostet hat.« Vlad ließ sich auf den Boden fallen und atmete gierig die frische Frühlingsluft ein und aus. Sein Herz pochte so stark, dass er sein Blut in den Ohren rauschen hörte.
»Mir geht es nicht anders.« Der Janitschar legte sich ebenfalls nieder. »Wie konntest du so schnell deine Kampftechnik ändern?«
»Ich habe noch mehr gehasst, und … und ich habe den Mörder meines Vaters und meines Bruders vor mir gesehen.«
»Das ist nicht klug.«
»Aber ich habe dich besiegt.«
»Du solltest dich über diese Gefühlsregungen stellen und eine Art Harnisch um dich aufbauen. Glaube mir! Ich weiß, wovon ich rede. Nur so konnte ich verkraften, ja, sogar vergessen, dass ich den Osmanen im Kindesalter von meinen Eltern als Bluttribut übergeben wurde.«
»Das kann ich nicht. Ich werde es niemals vergessen können, weil ich es nicht will. Verstehst du? Ich bin Vlad Basarab Draculea, der Sohn des Drachenritters Vladislav Draco, und Thronanwärter des Walachischen Fürstentums.«
»Reicht es dir nicht, dass der Sultan dich zum Anführer einer der Spahi-Reitereien ernannt hat? Nicht jede Geisel wird ein Alaybegi. Schon gar kein Giaur. Seit dem Tod deines Vaters seid ihr, du und dein Bruder, die Schützlinge des Padischahs geworden.«
»Dass ich nicht lache! Seit sechs Monaten warte ich darauf, dass Murad sein Versprechen einlöst: dass er mich endlich als Herrscher in die Walachei schickt, damit ich den Tod meines Vaters rächen kann.«
»Hab Geduld, Vlad.«
»Wie lange noch? Alle meine Gebete bestehen nur aus drei Namen: Rodislav … Laiota … János Hunyadi. Jede Nacht zähle ich sie auf, bis ich nicht mehr kann und endlich einschlafe.« Seine Stimme bebte. »Ich werde mit dieser Litanei erst dann aufhören, wenn ich sie alle bis zum letzten Mann getötet habe. Auch wenn ich dafür meine Seele dem Teufel verkaufen muss.«
»Und wie denkt dein Bruder darüber?«
»Radu spricht kaum mit mir.«
»Besser gesagt, du nicht mit ihm. Ich habe einiges über euren Streit gehört …«
»Misch dich da nicht ein, Hassan. Das geht nur mich und meinen Bruder etwas an.«
»Wie du willst. Komm, steh auf! Wir gehen ins Hamam und lassen uns dort die Muskeln für einen neuen Kampf locker kneten. Außerdem wird das Schwitzbad unseren Geist von trüben Gedanken reinigen.«
»Ja, da hast du recht. Ich kann meinen Geruch ja selbst schon nicht mehr ertragen.«
Vlad streckte die Hand nach dem Schwertgriff aus. In diesem Augenblick stellte ein Mann den Fuß auf die Klinge und warf seinen Schatten auf ihn. Vlad schirmte seine Augen mit der Hand ab und blickte gegen die Sonne.
»Radu! Du stehst auf meinem Schwert.«
»Oh, das tut mir aber leid. Warum musste ich nur gerade denken, dass es das Schwert unseres Vaters ist und nicht deins?«
»Hör auf mit dem Unsinn und lass mich in Ruhe.«
»Sehr gerne würde ich auf deine Anwesenheit verzichten, aber der Sultan verlangt nach uns. Nach uns beiden!«
»Was hast du schon wieder angestellt?«
»Warum denkst du immer so schlecht über mich?«
»Hört endlich auf!«, meldete sich Hassan. »Ihr seid doch Brüder. Warum könnt ihr nicht vernünftig miteinander reden?«
Vlad stand auf und lächelte traurig. »Das wirst du nie erfahren, mein Freund. Es ist eine sehr lange Familiengeschichte.«
Gestützt auf den Schwertknauf, betrachtete er seinen jüngeren Bruder. Wie immer trug dieser kostbare Kleider. Die silbernen und goldenen Stickereien des bodenlangen Kaftans funkelten im Licht der Sonne ebenso wie die Edelsteine, die seinen Turban schmückten. Radu war sechs Jahre jünger als er, und dennoch sah er älter aus als ein Zwölfjähriger. Vlad merkte, dass sein Bruder fast so groß war wie er selbst, nur viel schlanker. Von ihnen beiden war Radu der Beliebtere am osmanischen Hof und genoss besonders die Gunst des Sultansohns Mehmet. Das verwunderte ihn nicht. Mit seinen goldenen Löckchen, den blauen Augen sowie dem ständigen Lächeln eroberte sein Bruder sogar das Herz der schwarzen Eunuchen, der Wächter im Harem der Frauen. Während er, der Ältere von ihnen, nur als die ungezähmte Geisel galt.
»Was will der Sultan von uns?«, fragte Vlad.
»Woher soll ich das wissen?«
»Dir entgeht doch sonst nichts von dem, was im Saray getuschelt wird.«
»Komm, beeile dich. Der Padischah wartet nicht gern.«
»Ich will mich zuerst waschen und angemessen anziehen.« Vlad blickte neidisch auf den Kaftan seines Bruders aus grünem Brokat. Die orangefarbene Seidenschärpe um seine Mitte war mit goldenen und silbernen Fäden bestickt, passend zu den Spitzschuhen. Sogar die Pumphose war aus feiner Seide. Er dagegen hatte geschwitzt, und seine Kleidung war mit Staub bedeckt. Während der Kampfübungen hatte er nur das lange Hemd aus Leinen anbehalten, das jetzt lose über die schwarze Hose aus einfachem Tuch hing.
»Hier, nimm das, mein Freund!« Hassan warf ihm sein reich besticktes Übergewand zu. »Es sieht besser aus als dein Hemd. Und zum Glück habe ich es vor dem Kampf ausgezogen.«
»Jetzt werde ich wie ein Pfau aussehen.« Vlad lachte gezwungen, während er das Kleidungsstück überstreifte. Dieses war nicht so kostbar wie der Kaftan seines Bruders, aber immerhin war es aus blauem Samt und mit Pelz verbrämt. Nachdem Vlad den breiten Gürtel um die Mitte festgezogen hatte, steckte er noch das wertvolle Toledo-Schwert ein.
»Ich bin nun fertig, gehen wir.«
Unterwegs blieb Vlad stehen und sah seinen Bruder forsch an. »Radu, sag es mir lieber jetzt: Was hast du schon wieder getan?«
»Das wollte ich dich fragen. Diese Einladung überrascht mich ebenso wie dich. Hast du in einem deiner Wutanfälle irgendwelche Osmanen verletzt? Wegen dir meidet mich jeder am Hof.«
»Nein, du wirst nicht wegen mir gemieden, sondern weil dein Freund Mehmet wegen dir von seinem Vater aus dem Palast verbannt wurde. Musstest du dich unbedingt mit dem Sohn des Sultans einlassen?«
»Du bist nur neidisch … wenn nicht sogar eifersüchtig. Niemand liebt dich.«
»Du verstehst immer noch nicht, dass es falsch ist, was zwischen dir und Mehmet ist. Zum Glück muss unser Vater das nicht mehr miterleben.«
»Hör auf damit! Ich habe es satt. Ständig muss ich mir das anhören. Sag mir lieber: Wo war unser Vater denn in den sechs Jahren, in denen wir hier als Geiseln um unser Leben bangen? Er hat uns hiergelassen und ist zu seinem Thron zurückgekehrt.«
»Halt den Mund! Du weißt ganz genau, wie er gestorben ist. Und außerdem: Du bist nicht allein.«
»Das ist mir gerade entfallen: Wann warst du für mich da, als ich dich gebraucht habe?«
Die Frage verletzte Vlad. Wie hätte er seinem kleinen Bruder jemals sagen sollen, was er vor fünf Jahren auf der Burg in Egrigöz für ihn erlitten hatte? Auch diesmal schwieg er.
»Keine Antwort, Bruder?«, provozierte ihn Radu.
»Komm! Wir müssen gehen. Der Padischah wartet auf uns«, entgegnete Vlad.
Sie fanden den Sultan im Palastgarten unter einem Pavillon, flankiert von seiner Leibgarde, den Solaks. Er saß auf hohen Kissen und unterhielt sich mit seinem Großwesir, Khalil Pascha Djandarli. Beide sprachen leise und studierten dabei eine von mehreren Schriften, die auf einem niedrigen Tisch lagen.
Solange sie warteten, beobachtete Vlad den Sultan. Murad war Mitte vierzig, dennoch war sein Haar an den Schläfen wie auch sein Bart bereits ergraut. Der müde Blick sowie die Falten um die Augen ließen ihn zusätzlich älter aussehen.
Zwischendurch schnappte Vlad einige Worte auf. Nachdem der Name Ibrahim von Karaman ein paarmal fiel, würde es ihn nicht überraschen, sollte er nun von Murad in einen Feldzug gegen diesen anatolischen Bey geschickt werden. Warum sonst hätte er ihn zum Kommandanten einer der Spahi-Reitereieinheiten ernannt? Er erinnerte sich, wie der Großwesir ihn vor zwei Monaten in seine Kanzlei gerufen hatte. Wie hoffnungsvoll war er dorthin geeilt. Unterwegs hatte er sich schon als Anführer eines osmanischen Heeres gesehen, mit dem er in die Walachei gestürmt wäre und den Thron seiner Ahnen erobert hätte. Doch anstatt den Firman mit seiner Ernennung zum Fürsten zu bekommen, wurde er zum Alaybegi, zum Kommandanten einer Spahi-Einheit bestimmt. Seitdem gab es tagein, tagaus nur Kampfübungen und nachts nur seine stillen Gebete voller Hass, in denen er immer wieder die drei Namen seiner Feinde rief: Rodislav Basarab und dessen Bruder Laiota aus dem Haus der Danen, seine beiden Onkel väterlicherseits, und nicht zuletzt János Hunyadi, der …
»Vlad!« Radu stieß ihn in die Rippen. »Der Sultan wartet auf unsere Ehrerbietung.«
Erst jetzt merkte Vlad, dass der Großwesir bereits einen Schritt abseits stand und wartete, während Murad auf sie herabschaute.
»Allerdurchlauchtigster Kaiser aller Kaiser!«, sagten Vlad und Radu gleichzeitig, als sie vor dem Sultan knieten, um einer nach dem anderen den Saum seines Kaftans zu küssen. Anschließend warteten sie in dieser Haltung, bis der Padischah zu sprechen begann.
»Der abtrünnige Ibrahim Bey hebt erneut ein Heer in Karaman aus«, sprach Murad mit belegter Stimme. »Nun, diesmal will er den Hafen Korykos erobern und damit seine Macht im Süden von Anatolien befestigen. Aber der zyprische König wird ihm die Hafenfestung nicht kampflos überlassen. Deswegen werden Wir ihn mit Truppen und einer Flotte unterstützen.« Der Sultan ballte die Hände zu Fäusten. »Und das ist noch nicht alles«, fuhr er wütend fort. »Der neue Papst Nikolaus V. ruft alle Christen des Abendlands zu einem weiteren Kreuzzug auf. Wie oft habe ich ihnen schon den Frieden angeboten? Und was haben sie damit gemacht? Sie haben den letzten Friedensvertrag gebrochen und ihn mit Füßen getreten. Dafür hat Allah sie in Warna blutig bestraft.«
Vlad sagte nichts, dachte nur darüber nach, was das mit ihm und Radu zu tun haben könnte.
»Ihr seid die Söhne meines einstigen Vasallen, des Fürsten der Walachei. Jetzt ist die Zeit gekommen, Eure Treue zu beweisen, denn Euer Onkel Rodislav Basarab schart Truppen um sich und will unter der ungarischen Flagge dem Ruf des Papstes folgen.«
Der Sultan streckte die Hand in Richtung seines Großwesirs aus. Dieser übergab ihm wortlos eine Schriftrolle.
»Das ist der Firman, in dem Eure Ernennung zum Fürsten der Walachei besiegelt ist«, sagte Murad zu Vlad. »Khalil Pascha wird dem Beylerbey von Rumelien schreiben, sodass Ihr mit dessen großem Heer den Thron Eures Vaters zurückerobern könnt. Tötet Rodislav und seine verräterische Sippe!«
»Mein Sultan«, schwor Vlad, »ich werde nicht eher ruhen, bis ich Euch seinen Kopf zu Füßen legen kann.«
»Das ist nicht alles, was Wir von Euch erwarten. Es muss endlich Frieden im Norden der Donau einkehren. Wir wollen nicht mehr von den Ungarn bedroht werden. Vor allem von deren Anführer, János Hunyadi. Er soll vernichtet werden. Aber er soll nicht als Held sterben, denn er kann Uns selbst als Märtyrer noch schaden.«
»Ich werde Euch treu dienen, Großer Padischah. Von meinem Schwert wird das Blut der Feinde des Halbmonds tropfen, und mein Körper wird das Schild des Osmanischen Reiches sein. Das schwöre ich Euch, Kaiser aller Kaiser.« Vlad kniete erneut, küsste den Saum des Kaftans und führte ihn anschließend zur Stirn.
»Erhebt Euch, Vlad Draculea, Fürst der Walachei.«
Der junge Prinz übernahm mit zittriger Hand die Ernennungsurkunde. Endlich! Ihm war es gleichgültig, ob Gott oder Allah seinen Durst nach Rache stillen würde. Er, Draculea, Sohn des Drachenritters Vladislav II. Draco, aus dem Haus der Basaraben, würde sein Lebtag nicht ruhen, solange er den Mördern seines Vaters nicht eigenhändig den Kopf abgeschlagen hätte.
Als er zu seinem Bruder blickte, bemerkte er, dass dieser ihn verwirrt ansah.
»Und ich?«, flüsterte Radu ihm zu.
Vlad antwortete nur mit einem leichten Schulterzucken. Was ein Fehler war.
Unerwartet warf sich Radu dem Sultan zu Füßen. »Und ich, Großer Padischah? Wie kann ich Euch dienen? In meinen Adern fließt das gleiche Fürstenblut wie in denen meines Bruders.«
Die zwei Solaks zielten augenblicklich mit Pfeil und Bogen auf den Bittenden. Murad hob die Hand und hielt sie auf. Er presste die Lippen zusammen, ein Zeichen, dass er sich um Beherrschung bemühte, denn es war unerhört, den Sultan ohne Erlaubnis anzusprechen.
Es vergingen einige Augenblicke, bis Murad antwortete. Zeit, in der Vlad um das Leben seines Bruders bangte.
»Wir haben nicht vergessen«, sprach Murad beherrscht, »dass Euer Vater, trotz seines Schwures, den Treueeid gebrochen hat. Deswegen werdet Ihr weiterhin als Unser Gast hierbleiben.«
Vlad war nicht entgangen, dass der Sultan ihn, nicht Radu ansah, während er dessen Schicksal als Geisel besiegelte. Er hatte die Botschaft verstanden. Ehrerbietig verneigte er sich.
»Ich bitte Euch, mein Sultan, das Verhalten meines Bruders zu vergeben. Er ist noch jung und unbedacht.«
»Wir kennen ihn nur zu gut. Besser, Ihr geht jetzt.«
»Was hast du dir nur dabei gedacht?«, fragte Vlad seinen Bruder, als sie in dem als Labyrinth angelegten Garten wieder alleine waren. »Um Haaresbreite wärst du von den Solaks des Sultans getötet worden.«
»Als würde dir mein Tod etwas ausmachen. Dir geht es doch nur um dich und deine Herrschaft.«
»Sag so etwas nicht! Nach der Eroberung des Thrones unseres Vaters werde ich alles tun, um dich nach Hause zu holen.«
»Genau davor habe ich Angst. Dass du alles tun wirst. Ich kenne deinen Hass auf die Osmanen, auf Murad …«
Vlad presste die Hand auf Radus Mund und schaute sich um. »Sag das nie wieder! Nicht hier. Nicht einmal in deinen Gedanken oder Träumen. Hast du mich verstanden?«
Radu schob wütend die Hand seines Bruders weg und wich einen Schritt zurück. »Warum bleibst du nicht an meiner Stelle hier in Edirne, und ich bekomme die Krone? Mir steht sie genauso zu wie dir. Ich kenne die walachische Gesetzgebung bezüglich der Thronfolge. Es muss nicht immer der älteste Sohn sein, der über das Fürstentum herrschen darf. Glaube mir, ich kann genug Anhänger unter den reichen Bojaren in unserer Heimat kaufen, die mich als Machthaber wählen würden.«
»Du weißt nicht, wovon du redest, Radu. Diese Bojaren, die du so hoch schätzt, haben unseren Vater verraten. Sie haben gejubelt, als unser Bruder Mircea gefoltert wurde. Sie wollten ihn sogar lebendig begraben sehen. Das wäre auch geschehen, hätte Roxolan ihn zuvor nicht mit seinem Dolch erlöst. Und diesen Menschen willst du dein Schicksal überlassen? Hast du deinen Verstand verloren?« Vlad packte seinen Bruder an den Schultern und zwang ihn, ihm in die Augen zu schauen. »Vertraue mir, Radu! Ich werde dich zu mir holen und dich beschützen.«
»Nein, das wirst du nicht. So wie auch unser Vater es nicht getan hat. Obwohl er es uns versprochen hatte, nicht wahr? Oder hast du das vergessen? Als Murad ihn aus der Gefangenschaft entlassen hatte und er nach Hause zurückgekehrt ist, hat er uns hier zurückgelassen. Seit wie vielen Jahren leiden wir hier? Seit vier … nein, seit fünf Jahren. Verlange also nicht von mir, dir zu vertrauen.« Radu kämpfte mit den Tränen. »Bitte nimm mich mit!«
»Das kann ich nicht. Wenn du mitkommen würdest – und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie das zu bewerkstelligen wäre –, würden wir beide sterben. Es gibt keinen Ort auf dieser Erde, wo wir vor der Rache des Sultans in Sicherheit wären. Und was für ein Leben wäre das, immer auf der Flucht zu sein? Nein, Radu. Du musst hier in Edirne bleiben.«
»Es geht nicht um dein oder mein Dasein. Du willst nur eins: herrschen! Du opferst mich, weil du Angst hast. Du hast Angst, dass, falls ich aus Edirne entfliehe, der Sultan befehlen wird, dich zu töten.«
»Du bist noch zu jung, um es zu verstehen, aber eines Tages …«
»Verflucht sollst du sein!«, unterbrach ihn Radu. »Wenn du mich hierlässt, werde ich niemals ruhen, bis ich …«
»Bis du was? Willst du mir drohen? Sieh dich doch nur an! Du bist wie ein Pfau gekleidet, passt besser in den Harem des Sultans als auf den Kampfplatz. Was kannst du denn schon, außer singen und dichten? Du willst tatsächlich gegen mich kämpfen?« Vlad schubste ihn. »Dann komm! Greif mich an! Weißt du überhaupt, wie sich ein Schwert in der Hand anfühlt? Zeig mir deine Narben, die von den Kampfübungen herrühren. Du hast doch nur das Bett von Mehmet gewärmt, bis er deiner überdrüssig war.« Vlad blickte seinen Bruder von oben herab an. »Und du willst mir drohen?«
»Du unterschätzt mich«, zischte Radu.
Als von links Schritte zu hören waren, schwiegen sie augenblicklich. Kurz danach erschien eine Gruppe von sechs Bogenträgern der Palastgarde, die in ihrer Mitte einen Mann eskortierte.
»Obacht! Şehzade Mehmet! Verbeugt Euch!«, schrie einer von ihnen. Die Brüder senkten das Haupt und legten die Hände auf die Brust, während sie sich verneigten.
Vlad war erleichtert, dass der Sohn des Sultans ihm nicht direkt in die Augen sehen konnte. Denn dort hätte er gesehen, wie sehr seine Ankunft ihn überraschte. Von Mehmets Rückkehr aus der Verbannung in Manisa hatte er nichts gehört. Sogar Radu wusste nichts davon.
»Dieser Garten ist ein Ort der Besinnung«, sagte Mehmet. »Für euer lautes Gerede sollte ich euch enthaupten lassen. Aber irgendwie habe ich eure Zankerei vermisst.« Er lachte. »Worum geht es diesmal, Radu?«
Vlad sah seinen Bruder mahnend an.
Radu kniete vor Mehmet nieder. »Mein Şehzade, mein Augenlicht, zu unwürdig bin ich, um Euch mit belanglosen Streitereien zu belästigen. Meine Lippen können in diesem Moment nur die Freude über unser Wiedersehen aussprechen.«
»Steh auf! Du brauchst dich vor mir nicht zu verneigen, denn im Gegensatz zu deinem Bruder bist und bleibst du mein Favorit.«
Vlad spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss. Dennoch blieben seine Gesichtszüge ausdruckslos. Er wusste, dass Mehmet ihn nur provozierte, damit er ein einziges Mal die Beherrschung verlor und ihm dadurch Anlass gab, ihn auf der Stelle hinzurichten. Deswegen kniete er auch vor ihm, mochte es ihm noch so schwerfallen.
»Ich habe gehört, dass mein Vater, der Große Padischah, ausgerechnet dich zum Herrscher über das Walachische Fürstentum ernannt hat.«
»Es ist mir eine Ehre, dem Osmanischen Reich treu zu dienen, mein Prinz«, entgegnete Vlad Draculea ehrerbietig.
»Vergiss dieses Versprechen auch dann nicht, wenn ich einst Sultan sein werde.« Er lachte. »Bis dahin denke daran, dass mein Vater dich nur beschützen kann, solange er lebt. Verstehst du, was ich damit sagen will?«
»Ja, mein Şehzade. Meine Treue gehört für immer nur dem Gesandten des Propheten auf Erden.«
Es verging einige Zeit, bis Mehmet erneut sprach. »Das werden wir sehen, Walache.« Er klatschte in die Hände. »Radu! Du kommst mit. Ab jetzt gehörst du zu meinem eigenen Hofstaat.«
»Das erfreut mich sehr, Şehzade! Dürfte ich mich nun ein letztes Mal von meinem Bruder verabschieden?«
»Tue es! Warum nicht? Wir Osmanen verabschieden uns das letzte Mal nur von den Toten.« Lachend entfernte er sich, flankiert von seiner Leibgarde.
Vlad stellte sich breitbeinig vor Radu auf. »Verräter! Warum läufst du denn nicht sofort hinter deinem Herrchen her?«
»Bist du deswegen so verärgert, großer Bruder?«
»Ich habe gehofft, du würdest mir vertrauen und zu mir halten. Wieder einmal hast du mich enttäuscht.«
Vlad lockerte den Kragen seiner Tunika und nahm seine Halskette ab. Er drückte sie seinem Bruder in die Hand. »Diese Goldkette mit dem orthodoxen Kreuz hat mir unsere Mutter gegeben, als wir vor fünf Jahren auf Befehl des Sultans mit unserem Vater nach Edirne gereist sind. Sie gehört jetzt dir.«
»Was soll ich damit? Sie kann dich oder unsere Familie nicht ersetzen. Oder ist dies etwa ein neuer Versuch, dir meine Treue zu erkaufen?«
»Eines Tages wirst du verstehen, was dieses Kreuz bedeutet. Falls du irgendwann zu uns nach Hause zurückkommen willst. Wenn du mich irgendwann brauchst oder in Gefahr bist, sende mir diese Kette.«
»Wie rührend. Glaube mir, Bruder, dieser Tag kann nur der sein, an dem ich an deiner Stelle auf dem Thron sitzen und dir diese Kette ins Grab werfen werde.« Radu lächelte und steckte das Schmuckstück unter die Seidenschärpe um seine Mitte. »Mach es gut!«
Vlad blickte lange hinter seinem Bruder her. »Wir werden sehen, wer von uns beiden zuerst sterben wird.«
Ohne Gefolge schritt János Hunyadi durch die Flure der Königsburg zu seinem Arbeitszimmer. Es war früh am Morgen, die Sonne ging gerade auf, sodass sie nur schwach durch die Fenster an der Ostseite schien. Er liebte diesen Augenblick. Keine heuchlerischen Blicke waren auf ihn gerichtet, kein einziges verstelltes Lächeln oder erzwungen gebeugte Rücken. Er genoss den Widerhall seiner Schritte. Der Gang in der frühen Morgenstunde war für ihn der tägliche Siegesmarsch. Sein Triumph über den ungarischen Adel!
»Eure Durchlaucht!«, begrüßte ihn die Palastgarde, als er an den Wachposten am Ende des Ganges vorbeiging. Er nickte nur und kostete die Ehrerbietung aus.
Vor siebzehn Jahren hatte er zum ersten Mal diese Burg betreten. Damals war er ein einfacher Ritter im Dienste des ungarischen Königs und römisch-deutschen Kaisers Sigismund von Luxemburg gewesen und hatte die Beleidigungen des damaligen Palatins Miklós Garai erdulden müssen. Für diesen war er nur ein nach Schweinestall stinkender Ritter gewesen. Und heute? János lächelte ob seiner Erinnerungen. Heute war er der reichste Mann im Königreich und herrschte seit fast zwei Jahren als Reichsverweser in der Burg der ungarischen Könige und damit als Stellvertreter des minderjährigen Monarchen Ladislaus Postumus. Dennoch verging kein Tag, an dem er nicht um seine Macht und seinen Rang kämpfen musste. Der ungarische Hochadel sah in ihm weiterhin nur einen plebejischen Emporkömmling, den Sohn eines konvertierten walachischen Ritters niederer Herkunft. Keiner von ihnen wusste, dass er in Wirklichkeit der illegitime Sohn eines Königs, ja sogar eines Kaisers war: Sigismund von Luxemburg war sein Vater. Doch nicht einmal seine Söhne László und Matthias wussten davon. Nur seine Frau Erzsébet hatte er vor einem Jahr in sein Geheimnis eingeweiht.
Vor seinem Arbeitszimmer verbeugten sich zwei Pagen, bevor sie ihm die Türen öffneten.
»Eure Durchlaucht«, verkündete einer von ihnen. »Seine Exzellenz, der Bischof von Großwardein, wartet auf Euch.«
»Mein lieber Johann«, begrüßte János seinen Gast und umarmte ihn, kaum dass sie allein waren. »Ich dachte, ich wäre der Einzige, der so früh arbeitet. Wann bist du aus Aragon zurückgekehrt?«
»Gestern Abend, ganz spät.«
»Komm, setz dich!«, lud ihn János ein, während er selbst an seinem Arbeitstisch Platz nahm. Dabei bemerkte er die müden, roten Augen seines Vertrauten, dessen Gesicht länger geworden zu sein schien. Ein Eindruck, der durch die schlaffe Gesichtshaut und die dunklen Augenringe noch verstärkt wurde. Der zweiundvierzigjährige Bischof von Großwardein war nicht nur sein treuer Freund, sondern als Kanzler auch seine rechte Hand bei allen politischen Entscheidungen. Die Bande zwischen ihnen waren sogar noch enger, da Johann Vitéz von Zredna ein Verwandter seiner Frau Erzsébet war. Wenn auch ein entfernter Verwandter.
»Welche Antwort bringst du mir aus Aragon? Hast du das Geld?«
»König Alfons hat wohl sein Versprechen bezüglich der hunderttausend Gulden vergessen. Mir scheint, dass er sein Vermögen lieber für Kunst ausgibt. Er ist augenscheinlich eher ein Mäzen als ein Kriegsführer.«
»Und womit soll ich dann die mir von ihm ebenfalls versprochenen sechzehntausend Söldner bezahlen?«
»Er weigert sich, diese Armee für den Kreuzzug aufzustellen. Stattdessen sendet er dir höfliche Grüße und schenkt dir drei Kampfpferde.«
»Was schenkt er mir? Pferde?« János sprang von seinem Stuhl auf.
»Die drei kostbarsten Rösser aus den königlichen Stallungen, wie er betont hat.«
»Als würde es mir daran mangeln.« János kaute nervös an seinem Schnurrbart. »Wie soll ich die Türken besiegen, wenn mich die Christen alleinlassen? Wer soll die drei Pferde reiten, sie in den Kampf führen? Der Heilige Geist?«
»Sei kein Frevler, János! Alfons ist ein Schwächling, das ist wahr. Wir hätten uns von Anfang an nicht auf ihn verlassen dürfen. Aber wir haben noch weitere Verbündete. Was ist mit den Burgundern?«
»Sie und ihre Flottille werden sich der Seeflotte der Genueser im Kampf stellen, aber sie stehen nicht unter meiner direkten Befehlsgewalt. Der Herzog von Burgund folgt nur seinen eigenen Interessen. Schon beim ersten Anzeichen einer Niederlage der Christen wird Philipp seine Schiffe sofort zurückziehen. Das Osmanische Reich liegt einfach zu weit entfernt von seinen Grenzen. Warum sollte er seine Streitkraft da unnötig opfern?«
»Dann bleibt uns nur noch die Unterstützung der Römischen Kurie.«
»Ich sehe, mein lieber Johann, du hast die letzten Neuigkeiten aus Rom noch nicht erfahren. Papst Nikolaus will von dem Geld und den viertausend Soldaten, die er mir versprochen hat, nichts mehr wissen. Stattdessen rät er mir, den Kreuzzug hinauszuzögern. Für ihn gibt es dieses Jahr keine Siegesaussicht. Sultan Murad soll zu stark sein.«
János suchte zwischen den Dokumenten auf seinem Schreibtisch nach einem bestimmten Schriftstück, das er schließlich hervorzog. »Hier, lies das!«
»Es trägt das Siegel des Pontifex Maximus«, stellte Johann aus Gewohnheit fest und begann dann sofort zu lesen.
»Aber das ist doch großartig, János!«, äußerte sich der Kanzler begeistert. »Der Heilige Vater hat dir den Fürstentitel verliehen.«
»Was bringt mir dieser Titel, der im ungarischen Königreich nichts zählt? Ich brauche Geld und Waffen für den Kreuzzug gegen die Heiden und nicht nur ein Stück Pergament.«
»Dennoch, diese Urkunde verleiht dir mehr Macht und Autorität über den ungarischen Hochadel.«
»Die Grafen und Hochkleriker tun sich jetzt schon damit schwer, mich als Reichsverweser zu respektieren, obwohl sie mich gewählt haben. Ich bleibe für sie nur ein gemeiner Aufsteiger. Wenn ich mich nun auch noch als Fürst vor sie hinstelle, würde das zu noch mehr Spott führen, wenn nicht sogar zu einem offenen Aufstand gegen mich und meine Familie.« János ging im Raum auf und ab. »Ich werde den Titel nicht annehmen. Bitte verfasse einen Brief an den Heiligen Vater, in dem ich mich für den Fürstentitel bedanke, in dem ich aber auch erkläre, dass ich dieser Ehre nicht würdig bin. Ich werde ihn erst tragen, nachdem ich die Muslime besiegt habe.«
»Ist es klug von uns, den Papst zu kränken?«
»Nur so wird er vielleicht verstehen, dass der Feldzug gegen die Türken wichtiger ist als die Ehrung auf einem Dokument. Die osmanische Bedrohung zwingt uns zum Krieg. Murad hat die Belagerung von Konstantinopel aufgegeben und will jetzt Georg Kastriota angreifen. Wer wird nach der Niederwerfung des albanischen Fürsten noch in der Lage sein, den Sultan von seinen Feldzügen in Europa abzuhalten? Niemand. Die Wege in Richtung Ungarn werden für ihn frei sein. Wir haben keine Zeit für diplomatisches Gerede.«
»Wie willst du denn allein den Sultan bezwingen? Wie du weißt, verweigert dir der ungarische Hochadel den Heerdienst. Auch die Kriegssteuer wollen sie nicht zahlen.«
»Ich muss andere Verbündete finden. So schnell wie möglich.«
»Wohin soll ich die Gesandten schicken? Nach Krakau, zu König Kasimir?«
»Der Jagiellone hasst mich. Hast du vergessen, wie er mich beschuldigt hat, für den Tod seines Bruders Wladyslaw verantwortlich zu sein?«
»Nein, ich habe es nicht vergessen. Er ist jedoch ein Katholik und muss das Kreuz annehmen, wenn Gott ihn zum Heiligen Krieg ruft.«
»Ich bin nicht Gott, Johann. Und auch nicht der Papst. Kasimir wird weder mir noch dem Heiligen Vater folgen, und das aus einem einfachen Grund: Er ist zu jung und will noch nicht sterben, so wie sein Bruder in Warna. Wer sollte ihm denn auch auf dem Thron nachfolgen, falls er auf dem Schlachtfeld stirbt? Es gibt keine Jagiellonen mehr. Sein Berater, der Bischof von Krakau, Zbigniew Oleśnicki, tut alles, um den jungen König zu beschützen.«
»Wer bleibt uns noch als Verbündeter? Venedig? Der König von Frankreich?«
»Das bezweifle ich.« János setzte sich zurück an den Tisch und rieb sich die Schläfen. »Es ist noch nicht alles verloren«, fuhr er fort. »Ich warte auf weitere Nachrichten aus dem Südosten Europas. Die Fürstentümer der Walachei, von Albanien, Serbien oder Moldau sind direkt von den Osmanen bedroht. Sie werden zu uns kommen, und sie werden uns um unsere militärische Unterstützung anflehen. Aber bis dahin haben wir hier in Ungarn noch viel zu tun. Wie läuft es mit der Eintreibung der Steuer?«
»Abgesehen von der Weigerung des hohen Adels, die Kriegssteuer zu zahlen, besser als erwartet. So hat es mir der Schatzmeister berichtet. Und das haben wir allein den Städten zu verdanken. Deine Politik, die Rechte der Stadträte zu erweitern und zu stärken, trägt jetzt Früchte.«
»Gut. Dann sollten wir freie Ritter und Kriegsknechte aus Italien und Tschechien in Sold nehmen … und auch aus dem Heiligen Römischen Reich«, fügte er schnell hinzu. »Sie sind die besten Söldner.«
»Aber auch die teuersten.«
»Glaubst du, dass ich Murads Armee nur mit Bauern und Handwerkern besiegen kann?« János lächelte bitter. »Ich brauche mehr, viel mehr als nur bezahlte Krieger, um die Osmanen aus Europa zu verjagen. Wie viele Kriegswagen sind bislang fertig?«
»Vor meiner Abreise waren es um die tausend Stück.«
»Viel zu wenig, Johann. Schreibe an die Zünfte der Wagner und Büchsenmacher in Hermannstadt und Kronstadt; sie sollen schneller und mehr arbeiten.« János schlug mit der Faust auf den Tisch. »Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Veranlasse, dass die Reiter mit dem Blutschwert durch die Lande ziehen und meinen Ruf zum Krieg bekunden.«
»Gewiss.«
»Ich habe noch einen Auftrag für dich.«
»Was kann ich tun?«
»Ich brauche eine Gesandtschaft nach Targoviste in der Walachei. Jemand soll Fürst Rodislav daran erinnern, wem er seine Krone zu verdanken hat. Dass er mir Bewaffnete und Proviant für den Kreuzzug schuldet, und dass er die Donaugrenze gegen die Osmanen halten soll, bis ich das christliche Heer aufgestellt habe.«
»Soll ich das übernehmen?«
»Nichts lieber als das, denn ich möchte, dass mein Sohn László dich begleitet. Er ist jetzt alt und reif genug, um in die Lehren der Diplomatie eingeweiht zu werden.«
»Wie viel darf er über die Geschichte von Vladislav Dracos Tod erfahren?«
»Sag ihm die Wahrheit. Aber sorge dafür, dass er nichts über Clara von Thegzes erfährt. Oder darüber, wie sie gestorben ist.«
»Und was machen wir mit der Fürstenwitwe? Hast du Nachrichten von Vasilissa bekommen?«
»Sie antwortet nicht auf meine Briefe. Es scheint, als hätte sie ihren Frieden im Kloster gefunden.«
»Seelenfrieden ist gut, aber ist sie dort auch in Sicherheit? Du hast doch geschworen, sie und ihre Kinder vor den Danen zu beschützen.«
»Das weiß ich. Deshalb werde ich Vasilissa noch einmal schreiben. Vielleicht wird sie mir diesmal antworten.«
»Falls sie nicht schon tot ist.«
»Um diese Angelegenheit werde ich mich kümmern, Johann. Du schreibst den Brief an Papst Nikolaus und bereitest die Gesandtschaft in die Walachei vor.«
»Wenn das alles ist, ziehe ich mich jetzt in die Kanzlei zurück. Unterwegs werde ich nach László suchen und ihn über seine diplomatische Aufgabe in Kenntnis setzen.«
»In Ordnung.«
Als er wieder allein in seinem Arbeitszimmer war, lehnte sich János zurück und starrte auf den Stapel Schriftstücke auf dem Tisch. Widerwillig nahm er eins davon zur Hand und begann es zu lesen. Nach kurzer Zeit warf er es zurück zu den anderen Dokumenten. Das kurze Gespräch über den Tod des walachischen Fürsten, seines einstigen Freundes, hatte alte Wunden aufgerissen. Vor seinem inneren Auge erschienen Bilder, die er vergessen wollte. Vlas, der sein Waffenbruder gewesen war, bis sie beide die gleiche Frau begehrt hatten: Clara von Thegzes. Beide, sowohl sein Freund als auch die Frau, die sie beide geliebt hatten, waren in seinen Armen gestorben. Und er war schuld daran.
János kramte in dem Lederbeutel an seinem Gürtel und holte ein Schmuckstück heraus. Es war die goldene Brosche, die Clara am Tag ihrer ersten Begegnung bei dem Turnier in Nürnberg Vladislav, dem Sieger, zugeworfen hatte. János hatte es nicht übers Herz gebracht, das Schmuckstück Vlas mit ins Grab zu legen; stattdessen behielt er es für sich. Es sollte ihn von seiner Gewissensqual erlösen. Nur selten gab es Nächte ohne Albträume, in denen Clara ihm aus der Welt der Toten erschien. Ihr blasses Gesicht, ihr gefolterter Körper, die Lippen, die sich bewegten, ohne einen Laut von sich zu geben. János betrachtete die Brosche in seiner Hand, die leicht zitterte. Was habe ich nur getan?
Entschlossen steckte er den Schmuck zurück in das Ledersäckchen und stand auf. Er konnte Vladislav und Clara nicht mehr ins Leben zurückholen, aber dafür würde er deren Tod rächen und ihren letzten Willen erfüllen. Er würde ihre Familien vor ihrem Mörder beschützen … vor Rodislav Basarab, dem Fürsten der Walachei.
Es war der erste sonnige Tag nach einer ganzen Woche andauernden Regens. Die Erde schwitzte in der unbarmherzigen Hitze des Sommers und stieß warme Dünste aus. Kein Blatt bewegte sich in den Baumkronen, keine Welle kräuselte die Wasseroberfläche im Burggraben. Es sah so aus, als hätten sogar die Bienen ihren Flug in der drückenden Schwüle der Mittagszeit eingestellt.
Nur um den Fürstenpalast herum wimmelte es von Handwerkern. Maurer stellten Gerüste an die Palisaden, Steinmetze meißelten Steinblöcke in eine quadratische Form, und aus der Schmiedewerkstatt hörte man den Hammer ununterbrochen in einem monotonen Rhythmus auf den Amboss treffen. Ein Wagner schrie zwei Lehrlinge an, die es nicht schafften, das Rad an der Wagenachse zu befestigen. Vor den Stallungen striegelte ein Dutzend Burschen die Pferde.
Rodislav sah vom Wehrgang aus auf das rege Treiben hinab. Alle seine Anordnungen wurden seit seinem ersten Tag als neuer Herrscher ohne Widerstand befolgt. Es waren sechs Monate vergangen, seit der Bojarenrat ihn einstimmig als Fürsten der Walachei anerkannt hatte. In dieser Zeit hatte er von niemandem auch nur ein einziges Wort über die Ermordung seines Vetters Vladislav gehört. Niemand traute sich, ihn des Mordes zu beschuldigen. Dennoch waren ihm nicht alle Bojaren treu. Viele von ihnen, die dem Draculer auch nach seinem Tod treu geblieben waren, hatten sich auf ihre Güter zurückgezogen. Doch obwohl das Blut seines Vetters an seinen Händen klebte, empfand Rodislav keine Schuldgefühle. Der walachische Thron gehörte ihm, ebenso wie er schon seinem Großvater Dan und später dessen Sohn, Dan, dem Zweiten seines Namens, zugestanden hatte. Bis Mircea, der jüngere Bruder und Mitregent Dans I., diesen entmachtet hatte, um sich zum alleinigen Herrscher der Walachei zu erheben. Seitdem bekriegten sich ihre Kinder und Enkel um die Krone, obwohl sie alle der Dynastie der Basaraben entstammten. Nun war es ihm, Rodislav, endlich gelungen, Vladislav Draco zu töten und die Ehre der Danen wiederherzustellen sowie den Herrschertitel für sie zurückzugewinnen. Wie gerne hätte er diesen Sieg gefeiert, aber dafür blieb keine Zeit. Denn immer wieder überquerten osmanische Truppen die Donau und wüteten in den Südgebieten des Landes. Auch vom Norden her wurde der politische Druck immer stärker, sodass er die Oberherrschaft des Königreichs Ungarn akzeptieren musste.
Er hatte sich seine Regentschaft ganz anders vorgestellt. Jahrelang hatte er Vladislav um die Herrschaft beneidet und war seiner Krone nachgejagt. Jetzt sah er, dass der Fürst der Walachei nur eine Schachfigur auf dem Spielbrett der Mächtigen war. Dennoch würde er niemals aufhören, um sein Land und vor allem um seine Herrschaft zu kämpfen. Er war Anfang vierzig, und vor einer Woche hatte er erfahren, dass seine junge Gemahlin guter Hoffnung war. Diesem Kind würden weitere folgen, dafür würde er sorgen. Sie, die Nachkommen von Dan dem Ersten, sie, die wahren Basaraben, würden für immer über die Walachei herrschen. Um dies sicherzustellen, würde er auch nicht vor Mord oder Verrat zurückschrecken.
Rodislav lockerte die Schnur seines Leinenhemdes und atmete tief ein. Wegen der Hitze hatte er auf das kostbare, aber dicke Wams verzichtet. Nun genoss er den leichten sommerlichen Wind, der durch seine schulterlangen braunen Haare wehte.
»Hier bist du«, begrüßte ihn sein jüngerer Bruder Laiota, der mit schnellen Schritten über den Wehrgang auf ihn zugeeilt kam. Er war wie immer ganz in Schwarz gekleidet, was ihn älter aussehen ließ. Besonders, seit er sich einen Vollbart hatte wachsen lassen.
»Was ist los?«
»Ich habe eine Nachricht aus Edirne von Altîn Pascha bekommen. Der Sultan hat Vlad Draculea freigelassen und schickt ihn mit osmanischen Truppen hierher.«
»Damit habe ich schon gerechnet.« Rodislav stützte sich mit einer Hand auf die Brüstung des Wehrgangs und wies mit der anderen Richtung Burghof. »Siehst du diese Arbeiten? Warum glaubst du, dass ich die Handwerker Tag und Nacht antreibe? Seit Monaten bereite ich mich darauf vor, dem Sultan zu trotzen. Wegen dieses Jünglings mache ich mir keine Sorgen. Er kann sich nicht mit seinem Vater messen, der unter meinem Schwert heldenhaft gestorben ist. Draculea ist nur ein rotziger Balg, der in Murads Harem aufgewachsen ist. Er ist auch nicht so hart wie sein älterer Bruder. Mircea ist lieber unter der Folter krepiert, als seine Sippe zu verraten.«
»Sprich nicht so über sie. Vergiss nicht, dass es unsere Blutsverwandten waren, die durch unsere Klingen getötet wurden. Gott habe sie selig!«
»Sag bloß, du trauerst ihnen nach. Im Kampf um den Thron muss man Blut vergießen, Brüderchen. Denke daran, dass es genauso gut das unsere hätte sein können. Das ist nun einmal der Preis, den man für eine Krone zahlen muss.«
»Es muss nicht immer so sein.«
»Das stimmt. Ich hoffe, du kommst nie auf den Gedanken, mich zu töten, um deinen Hintern an meiner Stelle auf den Thron zu setzen.«
»Nicht alle denken so wie du.«
»Das werden wir sehen, Bruder. Jetzt aber zurück zu unserem Usurpator. Wann, sagt Altîn Pascha, wird Vlad Richtung Walachei aufbrechen?«
»Das ist ungewiss. Er hat erst vor Kurzem den Firman bekommen. Bis er die versprochene Armee aus Rumelien um sich geschart hat, werden einige Monate vergehen. In dieser Zeit kann viel passieren.«
»In der Tat.« Rodislav schaute eine Zeit lang nachdenklich vor sich hin. »Wir sollten diesen Bussard lieber in seinem Nest töten, bevor er Flügel kriegt und anfängt zu fliegen.«
»Das wird schwierig sein. Keiner von unseren Männern hat es bislang in seine Nähe geschafft. Entweder haben es die Wachposten des Sultans verhindert, oder dieser Roxolan, der wie der Teufel über Vladislavs Kinder wacht. Ich frage mich, ob er überhaupt jemals schläft.«
»Dieser Mensch macht mir mehr Sorgen als alle anderen. Aber er ist auch nur aus Fleisch und Blut. Irgendwann muss jeder von uns sterben. Unser Schlüssel ist und bleibt Vladislavs Witwe. Wenn wir sie nur endlich in die Hände bekommen würden …« Rodislav machte bei diesen Worten mit seiner rechten Hand eine Bewegung, als würde er sie um einen unsichtbaren Hals schließen.
»Du wirst doch wohl nicht die Frau töten, die früher Fürstin der Walachei war und noch dazu die Tochter des großen Alexandru von Moldau ist?«
»Eine Tote bringt mir nichts. Lebendig ist sie viel wertvoller für mich.« Rodislav lächelte. »Zum Beispiel als Köder. Wohin, glaubst du, wird Vlad Draculea zuerst laufen, wenn nicht zu den Röcken seiner Mutter? Und genau dort werden wir auf ihn warten.«
»Und wo ist Vasilissa?«, fragte Laiota schelmisch. »Bis jetzt hast du sie noch nicht aufgespürt.«
»Ich werde sie finden«, zischte Rodislav.
»Wenn ich dir einen Rat geben darf, großer Bruder, finde zuerst alle ihre Vertrauten. Das ist viel leichter. Befrage sie, foltere sie von mir aus, bis einer von ihnen dir verrät, wo ihre Herrin sich versteckt hält. Am besten beginnen wir mit Vasilissas Zofe, Smaranda. Sie hat doch Kinder. Für die wird sie den Mund aufmachen und uns alles erzählen, was sie weiß.«
»Du überraschst mich, Brüderchen. Ich dachte immer, du hättest ein weiches Herz.«
Trompetenklänge ertönten von den Türmen des Eingangstors. Drei Mal kurz hintereinander. Das Zeichen dafür, dass hoher Besuch eintraf.
»Erwartest du jemanden?«, fragte Laiota.
»Nein. Aber wir werden bald sehen, wer kommt.«
Kurze Zeit später beobachteten Rodislav und sein Bruder die Bannerträger, die als Erste durch das Haupttor in den Burghof traten.
»Die Flaggen des ungarischen Königreichs zusammen mit den Bannern mit den schwarzen Raben der Hunyaden«, wunderte sich Laiota. »Ich hoffe, sie sind nicht hierhergekommen, um deinen Kopf zu fordern.«
»Damit hätte János nicht so lange warten müssen, er hätte mich schon vor sechs Monaten töten können. Nein, er braucht mich jetzt mehr denn je. Das hat er schon damals erkannt, als er – trotz seines Schwures, Vladislavs Tod zu rächen – mich, den Mörder seines Freundes, als Fürsten eingesetzt hat. Wer sonst hätte seine Grenzen verteidigen können, wenn nicht ich? Los, gehen wir und hören uns an, was dieser Hund von Hunyadi von uns will.«
