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Kurz vor Beginn des letzten Schuljahres verliebt sich Resli in seinen Nachbarn Ernst Nef, wo er seine letzten Schulferien als Landdienstler verbringt. In der hügeligen Landschaft fernab von Grossstädten entdecken sie eine gemeinsame Sehnsucht und eine Anziehung zueinander, deren Intensität beide überwältigt. Doch bald nachdem das letzte Schuljahr für Resli begonnen hat, droht das geheime Verhältnis zwischen dem jungen Bauern und seinem Landdienstler zum Skandal zu werden. Aber ihre Liebe ist stärker als alle Widerstände und sie finden zum gemeinsamen Glück. Ueli Wittwer erzählt die Geschichte packend und berührend. Der Leser taucht in eine Bauernwelt der harten Arbeit, aber der weichen Gefühle.
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Seitenzahl: 129
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Res war noch jung, als er merkte, dass in seinem Körper eine Veränderung vor sich ging. Dieser wurde kräftiger, und seine Stimme machte ab und zu unkontrollierte Töne. Bereits mit dreizehn war er seinen zwei älteren Brüdern in seiner Entwicklung weit voraus – mit fünfzehn war er ein junger Mann. Auch seinem Nachbarn fielen diese Veränderungen auf: dem 25jährigen Bauern Ernst Nef.
Resli fühlte sich von diesem männlichen und sehr gut aussehenden jungen Bauern angezogen, und so brachte er kaum ein Wort hervor, als dieser ihn eines Tages ansprach. Res war gerade auf dem Heimweg von der Schule, und Ernst hatte vor dem Stall auf ihn gewartet. „Hallo, Resli, wir haben heute Morgen ein wunderschönes Kälbchen bekommen, möchtest du es sehen?“ Überglücklich, aber sprachlos nickte der Bub und folgte dem Bauern in den Stall. Der Junge ging direkt auf das Kälblein zu, nahm sein Köpfchen in seine Arme und liebkoste es. Plötzlich spürte er, wie die grosse Melkerhand des Bauern zart über seine blonden Locken strich, eine Berührung, die ihn heiss durchströmte. In diesem Augenblick war es im Stall totenstill. Nur das Schnauben der Kühe unterbrach ab und zu die Stille.
Diese Stille hätte Ernst jetzt gerne festgehalten: im Stall auf einem Heuballen sitzend, nur die Anwesenheit des Jungen wahrnehmend. Die daraus geschöpfte Kraft würde ihm helfen, um die Zeit bis zur ersten zärtlichen Berührung des Jungen besser ertragen zu können. Ernst wusste, dass er diesen wunderbaren Jüngling liebte, wusste aber auch, dass es noch zu früh war, seiner Sehnsucht nachzugeben.
„Möchtest du auch gerne einmal Bauer werden?“, unterbrach Ernst nun die Stille.
„Ja“, antwortete der Junge leise. „Aber ich habe ja noch zwei Brüder, die immer dem Vater im Stall helfen dürfen, ich aber muss immer in der Küche meiner Mutter helfen.“
Wieder drückende Stille. Nach einer Weile des Schweigens sagte der Bauer: „Du, ich habe da eine Idee. Hättest du Lust, in den nächsten Sommerferien mir auf meinem Hof zu helfen? Ich könnte so einen kräftigen Jungen wie dich gut gebrauchen. Da könntest du mir helfen bei all den Stall- und Hofarbeiten.“
Die nachdenkliche Miene des Jungen hellte sich sofort auf, und mit freudigen Augen antwortete er: „Ja natürlich, das wäre ja mega. Aber ich weiss natürlich nicht, ob meine Eltern das erlauben.“
„Das lass nur meine Sorge sein. Ich werde mal mit deinem Vater darüber reden.“
Und es verging tatsächlich keine Woche, bis eines Abends der Vater, Walter Rentsch, seinen Sohn Res während des Nachtessens ansprach: „Du, der Nef war heute Vormittag bei mir und hat mich gefragt, ob ich dich während den Sommerferien für vier Wochen entbehren könnte. Er bietet dir Kost und Logis sowie zwanzig Franken Lohn pro Woche. Ich war einverstanden, sagte ihm aber, dass ich auch noch mit dir darüber reden werde. Wenn du nicht willst, zwingen tun wir dich sicher nicht dazu.“
Bevor Res antworten konnte, ergriff seine Mutter mit hoher gereizter Stimme das Wort.
„Also, mir ist die Sache nicht geheuer. Der Nef ist ja gar nicht einer von uns und erst seit drei Jahren hier in unserem Dorf. So ein Zugezogener aus der Ostschweiz. Aussehen tut er wie ein Südländer mit seiner dunklen Hautfarbe. Man weiss eigentlich gar nichts von ihm, nur, dass er stinkreich sein muss. Und erst seine Frau, die Verena, das eingebildete Huhn, macht doch jedem Bauern hier in der Umgebung schöne Augen, wenn sie dienstags, donnerstags und samstags im Gasthof Rössli serviert.“
„Ach papperlapapp. Weibergestürm! Mir soll es recht sein, diesen Fresssack für vier Wochen nicht am Tisch zu haben.“ Dabei zwinkerte der Vater dem Buben mit dem rechten Auge schelmisch zu. „Also, willst du, oder willst du nicht?“
Resli musste sich unheimlich beherrschen, um seine grosse Freude zu verbergen, als er dem Vater zunickte und mit Ja antwortete.
„Also gut, du kannst es dem Nef gleich selber mitteilen, wenn du morgen in die Schule gehst.“ Somit war die Debatte beendigt.
Jetzt begann eine richtig harte Geduldsprobe für den Jungen. Die Tage wollten und wollten nicht vorübergehen. Resli hatte angefangen, von seinem Taschenkalender jeden Tag eine Seite herauszureissen. Und zusehends wurde der Kalender schlanker und schlanker.
Auch Ernst sehnte sich nach der Ankunft von Resli auf seinem Hof. Diesen Jungen hatte er in sein Herz geschlossen. Er spürte die Sehnsucht, die der Junge in seinem Herzen hatte, wenn er in seine Nähe kam. Aber Ernst wusste auch, dass Resli erst fünfzehn Jahre alt war. Und er wusste auch, dass er diesem Jungen nie etwas antun würde. In den Ferien würde er seinen sechzehnten Geburtstag feiern, das wusste er auch. Was er noch nicht wusste: Genau an diesem sechzehnten Geburtstag würde dieser Junge mit einer Richtigstellung und der Wahrheit all die guten Vorsätze von Ernst durcheinanderbringen.
Ernst nahm sein Toggenburger Tabakpfeifchen, eine Prise feinen Amsterdamer und setzte sich auf die Holzbank vor dem Stall. Er liebte diese Momente der Ruhe, wenn er alleine zu Hause war und seine Haushälterin Verena in der „Rössli“-Wirtschaft Dienst tat. Beim Stopfen des Pfeifchens glitt sein Blick in Richtung von Reslis Elternhaus. Er verspürte plötzlich eine unheimliche Sehnsucht, diesen fast sechzehnjährigen jungen Mann in seinen Armen zu halten, ihn zu liebkosen, um sich mit ihm zu vereinen. Er wusste aber auch, dass er sich nie an einem minderjährigen Buben vergehen würde. Er war so erregt, dass er aufstand und in den Stall ging, um sich dieser unheimlichen Lust hinzugeben. Und schon bald drang ein zufriedener Seufzer der Erlösung durch den Stall.
Es war genau am Samstag, den 29. Juni um 11.30 Uhr, als die schrille Pausenglocke des Schulhauses abrupt die Stille beendete. Lehrer Stettler befahl, die Hefte wegzulegen und aufzustehen, und wünschte den Schülern schöne und erholsame Ferien. Die Schüler sprangen auf und posaunten im Chor ein lautes „Hipp-hipp-hurra!“, und dann verabschiedeten sie sich von Herrn Stettler mit einem Händedruck.
Resli packte seine Schulmappe und rannte los. Die eineinhalb Kilometer zum Hof von Ernst legte er in Rekordzeit zurück. Ganz ausser Atem lief er auf den Bauern zu, der vor dem Stall stand, und umarmte ihn einfach. Plötzlich realisierte er, was er da gerade getan hatte und lief ganz rot an im Gesicht. „Entschuldigung, Ernst“ stotterte er ganz verlegen. „Ich habe einfach Freude, dass ich morgen zu euch kommen kann.“
„Ich freue mich doch auch. Vreni und ich erwarten dich morgen Abend sieben Uhr bei uns. Und dass du mir auch pünktlich bist!“ Dabei strich er dem Jungen wieder über seine blonden Locken.
Resli verabschiedete sich vom Bauern und trottete gemächlich nach Hause. Jetzt hatte er es plötzlich nicht mehr so eilig.
Zu Hause angekommen, ging er zuerst einmal in die Bubenkammer, um die Kleider zu wechseln. Er streifte sich ein paar alte Überhosen und ein zerlöchertes Werktagshemd über. Plötzlich stand Franz, sein ältester Bruder, hinter ihm. Und wie schon so oft konnte er es auch dieses Mal nicht lassen, den Jüngeren zu hänseln.
„Ja, genau, jetzt siehst du wirklich aus wie ein lumpiges Knechtlein. Ich möchte ja sehen, wie du dem Nef den Stall machst und probierst, eine Kuh zu melken.“ Resli drehte sich ganz langsam um, sah dem Älteren in die Augen und sagte: „Du magst ja recht haben, Franz. Aber etwas hast du vergessen, nämlich, dass ich als jüngster von uns dreien der erste bin, der einen eigenen Lohn verdienen wird.“
Das sass. Franz stand da, als hätte er gerade eine schallende Ohrfeige kassiert. Denn er wusste ja selber, dass er seit einem Jahr vergebens eine Lehrstelle auf einem Bauernhof suchte. In gut einem Monat, am vierten August, würde er endlich bei einem Bekannten des Vaters das erste Lehrjahr beginnen.
Und Fritz, der Zweitälteste, würde am gleichen Tag im Berner Oberland eine Lehre als Schreiner anfangen. Der hatte heute den allerletzten Schultag und war wohl noch am Feiern mit seinen Schulkollegen.
Resli zwängte seine Füsse in die Gummistiefel an und stieg die Treppe hinab zum Vater. „Kann ich dir etwas helfen, Vater?“
„Nein, solange die zwei anderen noch daheim sind, machst du noch Küchendienst. Hast du dir eigentlich auch schon mal Gedanken darüber gemacht, was du einmal lernen willst?“
„Natürlich habe ich das, Vater! Ich will Bauer werden.“
„Was? Du, Bauer? Das tu dir gefälligst wieder aus dem Kopf, mein Lieber. Ich habe nur einen Hof, und den übernimmt mal der Franz. Das solltest du eigentlich wissen.“
„Natürlich weiss ich das. Aber ich sehe nicht ein, wo das Problem liegt. Der Fritz lernt ja auch Schreiner, und eine Schreinerei hast du ja bekanntlich auch nicht, oder?“ Darauf konnte ihm sein Vater keine schlaue Antwort mehr geben. „Geh jetzt in die Küche zu deiner Mutter. Ende der Diskussion.“
Enttäuscht und zornig trottete der Junge Richtung Küche.
„Mutter! Kann ich dir noch etwas helfen? Wenn nicht, gehe ich mal nach oben und packe meine Siebensachen für morgen.“
„Ja, mach das und pack genügend Sachen ein, auch Regenkleider, denn es scheint nicht immer nur die Sonne.“
„Ja, ja, ja, ich bin doch kein Kind mehr.“ Resli ging hinauf in die Kammer, liess sich auf sein Bett fallen und war plötzlich mit den Gedanken wieder bei Ernst. Und wie immer, wenn er in letzter Zeit an Ernst dachte, bekam er einen Ständer und musste sich befriedigen. Manchmal zwei, drei Mal hintereinander. Er hatte dann nur noch einen Wunsch: einmal in seinem Leben in den Armen von Ernst aufzuwachen.
Und endlich kam der Sonntagabend. Resli hängte sich den schweren Rucksack um und verabschiedete sich von seinen Eltern.
„Und wenn du Heimweh hast, kommst du zurück“, rief ihm die Mutter noch hinterher. Heimweh – dabei waren es doch nur fünfzehn Minuten bis zum Nef!
Ernst und Verena waren in der Küche, als er anklopfte. „Ja, schau mal, unser Knecht!“ Ernst ging auf den Jungen zu und begrüsste ihn mit einem Handschlag. Verena nickte ihm nur zu. „Komm, ich zeige dir dein Schlafgemach.“ Der Bauer führte ihn durch die Küche in das Zimmer, wo er nun wohnen sollte, nämlich im sogenannten Küchenstübchen, wo Ernst normalerweise seine Stallkleider deponierte. Dementsprechend roch es hier auch. Das machte aber dem Jungen nichts aus, im Gegenteil, der süssliche Geruch nach Kuhmist machte ihn nur noch geiler.
„Da, diese Türe rechts führt in mein Schlafzimmer, und diese da links hinaus direkt in das Heutenn und dann in den Stall. Im Heutenn befindet sich auch eine Nasskammer, wo stets die Melkmaschine und all die anderen Melkeimer gewaschen und aufgehängt werden. Auch ein WC und eine Dusche sind dort.
Ich schlage vor, dass du jetzt deine Sachen in den Kasten räumst und wenn du fertig bist, kommst du in die Küche, und dann besprechen wir den morgigen Arbeitstag.“ Resli nickte dem Bauern noch zu und dann stand er alleine im Stübchen.
Plötzlich spürte er wieder die unheimliche Lust und das grosse Verlangen, sich diesem Mann hinzugeben. Das Verlangen war so stark, dass es ihn zu verbrennen drohte. Wie er diese Erregung hätte verstecken wollen, wenn jetzt der Bauer in die Kammer getreten wäre, wusste er nicht. Er öffnete seine Hosen und konnte der Lust nicht widerstehen. Zwei, drei Mal schob er seine Vorhaut vor und zurück, und schon kam die göttliche Erlösung. Seine Sinne beruhigten sich wieder.
Schnell knöpfte er seine Hose wieder zu und verstaute seine Habseligkeiten im grossen Kasten. Damit war er schnell fertig. So viel hatte er ja auch nicht bei sich. Nun ging er, wie der Bauer es verlangt hatte, in die Küche, um den Arbeitsplan für den nächsten Tag mit ihm zu besprechen.
Ernst legte die Zeitung weg, als der Junge kam, und musterte ihn von oben bis unten. Der frische, weiss-schleimige Fleck auf Reslis Überhosen entging ihm nicht. Er musste heimlich lächeln und wusste genau, was da gerade passiert war. „Na, dann setz dich zu mir, mein Junge“, begann der Bauer das Gespräch. „Also, morgens um fünf Uhr gibt es Tagwache. Du brauchst keinen Wecker zu stellen. Ich werde dich aufwecken, da ich eh durch deine Kammer muss, um in den Stall zu gehen. Nach der Stallarbeit, die ich dir ja nicht erklären muss, machen wir dann die Heubühne sauber und Platz für das frische Heu, das wir hoffentlich am Dienstag mähen können. Wir sind nämlich circa zwei Wochen im Verzug mit dem Heuen. Das Wetter war ja schlecht, wie du weisst, aber das war es für alle Bauern. Am Nachmittag machen wir dann noch die Mähmaschinen flott. Und dann hast du schon den ersten Arbeitstag als mein Knecht gemeistert.“
Als sie sich beide glücklich zulachten, strich der Bauer ganz zufällig über den schleimigen Fleck auf Reslis Überhosen.
„So, und nun ins Bett, damit wir beide Morgen frisch und ausgeschlafen sind.“ Der Bauer erhob sich und verabschiedete sich mit einem „Behüte dich Gott und schlaf gut.“
Resli ging in seine Kammer, zog sich langsam aus und legte sich nackt auf das Bett. Lange lag er mit offenen Augen da und konnte nicht einschlafen. Erst gegen Mitternacht fiel er in einen unruhigen Schlaf. Immer wieder träumte er, dass er sich in einem dunklen Wald verirrt hätte. Und immer wollte er nach Hilfe schreien, aber brachte keinen Ton aus seiner Kehle heraus. Und dann spürte er plötzlich eine warme Hand, die zärtlich über seine Wange strich. „Resli, komm, wach auf, es ist fünf Uhr.“ Auf einen Schlag war er hellwach und realisierte, dass es des Bauern Hand war, die über seine Wange strich. Er bemerkte auch, dass er noch immer splitternackt auf seinem Bett lag und der Bauer ihn im Schein des erwachenden Tages, der durch das kleine Fenster ins Stübchen leuchtete, betrachtete.
Schnell stand er auf, ging hinter dem Bauern in den Stall, wo sie sogleich mit ihrem Tagwerk begannen. Resli begann mit einer Mistgabel die dreckige Streu von der sauberen zu trennen, lud sie in die Mistkarre und schob sie hinaus auf den Miststock. Inzwischen machte der Bauer die Melkmaschine flott, und es dauerte nicht lange, bis die Melkmaschine mit einem immer gleichen monotonen Geräusch den Kühen die Milch aus den Eutern sog. Keiner sprach ein Wort, aber trotzdem arbeiteten sie Hand in Hand, als hätten sie das schon Jahre miteinander getan.
Nach dem Melken fuhr der Bauer die Milch mit dem Traktor in die Käserei. Resli streute in der Zwischenzeit wieder frisches Stroh auf das Lager, damit die Kühe, wenn sie fertig gefressen hätten, in ein sauberes Bett abliegen konnten.
Als der Bauer von der Käserei zurückkam, wurde ausgiebig gefrühstückt: Spiegeleier und Rösti sowie selbstgebackenes Brot mit Butter.
Nach dem Frühstück wurde der Stall fertiggemacht, dann ging es hinauf auf die Heubühne.
Trotz Atemschutzmaske und Staubbrille war es eine extrem staubige Arbeit. Das alte Heu wurde so verschoben, dass es im Winter als erstes verfüttert werden konnte. Dann wurden alle staubigen Spinnennetze mit einem langen Besen entfernt und die Balken sauber gewischt. Beide waren heilfroh, nach drei Stunden die Bühne zu verlassen und die Staubmaske vom Gesicht zu nehmen.
Still schauten sie einander an und waren trotz der beschwerlichen Arbeit glücklich.
Sie klopften einander den Staub aus den Kleidern und gingen dann in die Küche zum Mittagessen. Verena zauberte einen knusprigen Schweinebraten aus dem Ofen und servierte Kartoffelstock mit Blumenkohl dazu.
Um dreizehn Uhr ging die Arbeit weiter, diesmal im Maschinenpark von Ernst. Resli staunte nicht schlecht, als er das erste Mal im grossen John Deere-Traktor Platz nahm. Er kam sich vor wie ein Pilot im Flugzeugcockpit mit all den Hebeln und Knöpfen. Das war kein Vergleich zu dem alten Bucher-Traktor, den sie noch zu Hause hatten. „Mit dem kannst du morgen das Heu mähen, wenn du willst.“
„Ich? Wirklich?“, fragte der Junge und sah seinen Meister ganz gross an.
„Ja natürlich, das kannst du schon, ich zeige dir dann, wie’s geht.“
Nachdem an allen Maschinen der Service gemacht war, ging es wieder in den Stall. Die Arbeit bei Ernst war so interessant, dass Resli gar nicht merkte, wie schnell die Zeit verging. Nach einer ausgiebigen Dusche in der Nasskammer war Feierabend. Resli zog sich todmüde in sein Kämmerlein zurück und schlief sofort ein.
Der zweite Arbeitstag für den jungen Knecht war ein Dienstag: der 2. Juli 1994. Reslis Geburtstag.
Er hatte niemandem verraten, dass es sein Geburtstag war. Darum staunte er nicht schlecht, als er neben seinem Teller auf dem Frühstückstisch ein grosses Geschenk vorfand. Die zwei Meisterleute gratulierten ihm ganz herzlich zum Geburtstag und ermunterten ihn, das Geschenk doch auszupacken. Ein Paar neue Sappeur-Überhosen und eine neue Melkerbluse kamen zum Vorschein.
Der Junge stand auf und bedankte sich mit einem Handschlag bei Verena und Ernst, der Reslis Hand nicht mehr loslassen wollte, tief in seine himmelblauen Augen schaute, ihm zulächelte und sagte: „Damit du auch aussiehst wie ein richtiger Melker.“
