Die Deponie - Otto Habla - E-Book

Die Deponie E-Book

Otto Habla

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Beschreibung

Die CHEMOG, ein Chemieunternehmen in Deutschland sitzt auf einer alten Giftmülldeponie zweifelhaften Ursprungs. Aktivitäten von Umweltschutzorganisationen zwingen sie, die Deponie zu entsorgen, - möglichst kostengünstig. Sie beauftragen ein Entsorgungsunternehmen, das den giftigen Müll durch ein griechisches Schifffahrtsunternehmen nach Afrika verschiffen lässt, - möglichst kostengünstig. Robert Makinsen, ein Journalist aus Hamburg führt eine Recherche über die Praktiken der modernen Frachtschifffahrt durch. Um einen möglichst realistischen Eindruck zu bekommen, heuert er mit gefälschten Papieren auf einem Schiff an. Robert ahnt nicht, welche Gefahren auf ihn lauern …

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Seitenzahl: 919

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Otto Habla

Die Deponie

©Otto Habla

Impressum:

© Otto Habla

1. Auflage 2014

Autor: Otto Habla

ISBN Printversion: 978-3-85028-656-5

ISBN E-book Version: 978-3-85028-657-2

Printed in Austria

Umschlaggestaltung: Harald Kästner / MAIL BOXES ETC. beim Bahnhof Heiligenstadt

Druck: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., 3580 Horn, Wiener Straße 80

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des öffentlichen Vortrags, des Nachdruckes, der Entnahme von Abbildungen, der Funksendungen, der Wiedergabe auf fotomechanischem oder ähnlichem Wege, der Wiedergabe im Internet und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwendung, vorbehalten.

Informationen zum Verlagsprogramm erhalten Sie unter: www.verlag-berger.at

I. Die Entsorgung

001

„Meine Herren, die Situation ist verdammt kritisch.“

Die ungewohnte Heftigkeit in Turbans Stimme verriet seine innere Aufregung. Die Situation musste wirklich schlimm sein, dachte Kurt von Dahle, Aufsichtsratsvorsitzender der CHEMOG AG. In den vergangenen Jahren hatte er Peter Turban, den Generaldirektor der CHEMOG nie so aufgeregt gesehen. Dahle kannte Peter sehr gut. Sie waren eng miteinander befreundet und teilten sich die Führung des Unternehmens so kooperativ, dass sie in den Wirtschaftszeitungen nur als „das doppelte Lottchen“ zitiert wurden. Auch wenn es über manche geschäftliche Dinge harte Auseinandersetzungen gab, sie hatten immer einen Konsens gefunden, von dem beide überzeugt waren. Und der Erfolg der Firma gab ihnen Recht.

Die CHEMOG war eine Chemiefabrik, die sich auf die Herstellung hochwertiger Kunststoffe für den technischen Bereich, insbesondere die Luftfahrt-, Raum- und Rüstungsindustrie spezialisiert hatte. Im Vergleich mit den großen Chemiekonzernen fiel die CHEMOG zwar nicht ins Gewicht, ihre Produkte hatten jedoch einen guten Ruf. Von den Geschäftsmethoden der beiden Freunde Turban und Dahle wurde das weniger behauptet. Aber der Ertrag stimmte.

Dem war nicht immer so gewesen.

Die CHEMOG, gegründet von Dahles Urgroßvater gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts, war vor und während des Zweiten Weltkrieges ein renommiertes und wohl fundiertes Familienunternehmen. Die Aktien befanden sich fast ausschließlich im Familienbesitz, das Unternehmen wurde vom jeweiligen Familienoberhaupt autokratisch geführt. Aufgrund seiner geringen Größe geriet das Unternehmen nicht in die Prozesse nach dem Zweiten Weltkrieg, obwohl die CHEMOG in der Kriegsmaschinerie der Nationalsozialisten durchaus ihre Rolle gespielt und auch entsprechend verdient hatte.

Die Krise kam in den Siebzigerjahren, als Dahles Vater versuchte im Zuge des Plastikbooms auf Massenproduktion umzusteigen und damit in direkte Konkurrenz zu den Giganten wie Dow Chemical, Bayer oder BASF geriet. Gegen diese Giganten hatte die CHEMOG von Anfang an keine Chance.

Durch den guten Ruf des Unternehmens spiegelten die Aktienkurse lange Zeit ein besseres Bild über die CHEMOG als es der Wirklichkeit entsprach. Als Kurts Vater starb, steckte das Unternehmen bereits tief in der Krise, obwohl die Aktien noch einen guten Kurs an der Börse hatten. Und diejenigen, die hätten wissen müssen, wie es um das Unternehmen wirklich stand, hüteten sich, den Zustand aufzuzeigen.

Kurt von Dahle war zu diesem Zeitpunkt 25 Jahre alt und führte das Leben eines verwöhnten Playboys. Sehr zum Missfallen seines Vaters interessierte ihn weniger die Fabrik, mehr schnelle Autos, hübsche Mädchen und der Strand von Ibiza. In der Firma war er nominell zunächst Assistent der Geschäftsleitung, also der seines Vaters. Nachdem sein Vater alle Entscheidungen allein traf, wirkte seine geistige und oft auch körperliche Abwesenheit nicht besonders störend. Aufforderungen, sich doch endlich um das Geschäft, die Firma zu kümmern überging er mit fast schon bewundernswerter Ignoranz. Lautstarke Auseinandersetzungen trübten seinen Seelenfrieden kaum. Er führte sein Luxusleben und war mehr in den Gesellschaftsspalten, denn im Wirtschaftsteil der Presse zu finden.

Als sein Vater starb übernahm Kurt den Vorsitz im Aufsichtsrat. Dies änderte nichts an seinem Lebensstil, der wurde eher exzessiver, nachdem der doch bremsende Einfluss des Vaters weggefallen war. Kurt verließ sich ganz auf den nunmehrigen Geschäftsführer, einen altgedienten Buchhalter aus der Ära des alten Herrn und die Aktienkurse schienen ihm recht zu geben, dass ein direktes Eingreifen in das Geschäft nicht notwendig war.

Doch das Geschäft lief nicht so gut. Irgendwann ließen die Banken die ersten Wechsel platzen. Die Aktienkurse fielen ins Bodenlose. Kurt von Dahle musste feststellen, dass er pleite war.

Kurt war eben dreißig Jahre alt geworden und er wäre kein von Dahle gewesen, wenn er in dieser Situation resigniert hätte.

Er nahm seine fast wertlose Aktienmehrheit und zog nunmehr körperlich und geistig in die Fabrik ein. Er feuerte einen Großteil der bisherigen Führungskräfte, darunter auch etliche Männer, die bereits langjährig unter seinem Vater gedient hatten. Dass er sie mittels unfairer juristischer Tricks um die ihnen zustehende Rechte betrog, half ihm nicht nur finanziell, sondern brachte ihm auch einen guten Ruf als hartem Geschäftsmann ein.

Eines Tages fiel ihm ein junger blasser Mann auf, gleichaltrig wie er, der altehrwürdigen Mitarbeitern Methoden der Produktionskalkulation erläuterte. Der junge Mann hieß Peter Turban, und einem spontanen Einfall folgend ernannte ihn Kurt mit sofortiger Wirkung zum Geschäftsführer.

Mit dieser Entscheidung hatte er das große Los gezogen.

Peter Turban, nachdem er sich vom Schock des plötzlichen Karrieresprungs erholt hatte, krempelte die Ärmel hoch und die Firma um. Gemeinsam gelang es von Dahle und Turban den drohenden Konkurs abzuwenden.

Konkursspezialisten hatten sich bereits versammelt um aus dem Unternehmen die wertvollsten Stücke mit hohem Gewinn heraus zu filetieren. Sie mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen, noch ehe sie ihre segensreiche Tätigkeit begonnen hatten.

Das Duo erwies sich als außerordentlich schlagkräftig. Die CHEMOG begann sich zu erholen und mancher Anlageberater durfte sich interessante Kommentare seiner Klienten anhören.

Die frühzeitige Bearbeitung von Randmärkten brachten ausreichende finanzielle Erfolge. So wurde in den Achtzigerjahren der Irak mit Ausrüstungen für Chemiefabriken beliefert. Dabei gelang es den beiden immer wieder außerhalb des politischen Interesses zu bleiben. Selbst dem israelischen Geheimdienst schienen die Aktivitäten der CHEMOG nicht bedeutend genug, um nachhaltige Aktionen zu rechtfertigen. Interventionen wurden durch finanzielle Zuwendung für israelische Projekte zum Schweigen gebracht.

Das zunehmende Interesse der Öffentlichkeit für Umweltschutzfragen brachte der CHEMOG einige Probleme. Turban und von Dahle analysierten die Thematik und sannen auf eine möglichst kostengünstige Lösung. Sie gedachten, keinen müden Heller in den Umweltschutz zu investieren, es musste einen anderen Ausweg geben. Die beiden fanden eine sparsame Lösung.

Sie setzten einige medienwirksame Aktionen, führten Investitionen durch, die zwar nicht sehr teuer und daher auch nicht sehr wirksam waren, aber durch intensive Pressearbeit nach außen gute Wirksamkeit zeigten. Beamte, die Details hinterfragen wollten, wurden gekauft.

„Einem Beamten den Lebensstandard zu verbessern, ist immer billiger, als seine Entscheidungen zu befolgen“, sagte Dahle zu Turban. Die Aussage blieb immer unwidersprochen.

Die CHEMOG galt bald als ein Vorreiter in Sachen Umweltschutz.

002

Die alte Frau hatte ein kleines Häuschen in der Nähe der CHEMOG. Die Straße, an der das Häuschen lag, führte an einem Lagerplatz vorbei, auf dem die CHEMOG lange Jahre Abfälle der Produktion gelagert hatte. Der Platz wurde kaum mehr benutzt, nur manchmal kamen noch LKWs, die blau gestrichene Fässer ablieferten. Eine hohe grüne Hecke grenzte das Terrain ein und da keine Geruchs- oder Lärmbelästigung zu bemerken war, wurde der Platz von niemandem als störend empfunden. Eine Anfrage von der Umweltschutzorganisation Greenworld konnte von der CHEMOG zufriedenstellend beantwortet werden.

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