Die drei !!!, 79, Vier Pfoten in Gefahr (drei Ausrufezeichen) - Mira Sol - E-Book

Die drei !!!, 79, Vier Pfoten in Gefahr (drei Ausrufezeichen) E-Book

Mira Sol

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Beschreibung

Kim, Franzi und Marie sind "Die drei !!!". Mutig und clever ermitteln die drei Freundinnen und sind jedem Fall gewachsen. Tierischer Einsatz für die drei !!!: Bei ihrem Wien-Urlaub kommen Kim, Franzi und Marie einer Hundezüchterin auf die Spur, die Welpen viel zu jung verkauft. Jetzt ist schnelles Handeln gefragt!

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Seitenzahl: 148

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Vier Pfoten in Gefahr

Mira Sol

KOSMOS

Umschlagillustration von Ina Biber, Gilching

Umschlaggestaltung von Sabine Reddig

Unser gesamtes lieferbares Programm und

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und Aktivitäten findest du unter kosmos.de

© 2021, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG,

Pfizerstraße 5-7, 70184 Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

ISBN 978-3-440-50371-3

eBook-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Überraschung

»Der Tatort sah schrecklich aus«, raunte Blake. »Das Parkett war von Wasser durchtränkt und mit unzähligen Glasscherben bedeckt. Sie glitzerten im fahlen Mondlicht wie Dolche aus Eis. Das Fenster stand offen. Die schweren Vorhänge wurden vom Sturm hin und her gepeitscht. Ihre Schatten an der Wand glichen großen schwarzen Fledermäusen, die einen Totentanz vollführten.« Blake sah die drei !!! aus schmalen Augen an. »Und dann«, fuhr er mit rauer Stimme fort, »als das Dienstmädchen zum Fenster eilte, um es zu schließen, entdeckte es das Unfassbare: Auf dem Boden vor der Kommode lagen Sissi und Franzl. Beide waren tot!« Blake trommelte kurz mit den Fingern auf der Tischplatte. »Was war geschehen?«

Für einen Moment herrschte Schweigen. Nur das satte Motorengeräusch des auf der Autobahn dahingleitenden Wohn­mobils war zu hören.

»Sehr schön«, hauchte Franzi schließlich. »Echt gruselig!« Sie lehnte sich zurück und gab ihrem Freund einen Kuss auf die Wange.

»Und wie«, bestätigte Kim. »Ich habe eine richtige Gänsehaut bekommen.«

Blake grinste. »Prima. Dann rätselt mal los.« Er schnappte sich einen der roten Äpfel aus dem Korb, den Marie vorhin auf den Tisch gestellt hatte, und biss genüsslich hinein. »Ihr kennt die Spielregeln«, nuschelte er. »Ihr dürft nur Fragen stellen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können. Und Connie macht nicht mit, sie kennt die Story schon!«

Blakes Schwester, die das Wohnmobil steuerte, zwinkerte Franzi im Rückspiegel zu. »Ich bin gespannt, ob ihr draufkommt.«

Die drei !!! wechselten einen heimlichen Blick.

Franzi zupfte an einem ihre kurzen roten Zöpfe. »Da muss ich einen Moment überlegen.« Sekunden später sagte sie: »Ich glaube, ich weiß, was passiert ist.«

»Ich auch!«, riefen Kim und Marie wie aus einem Mund.

»Echt jetzt?« Blake knabberte ein weiteres Stück von seinem Apfel ab, kaute und schluckte schnell. »Ihr habt ja noch keine einzige Frage gestellt!«

»Brauchen wir auch nicht«, platzte Kim heraus. »Also: Sissi und Franzl waren die Spitznamen von der österreichischen Kaiserin Elisabeth und ihrem Mann Kaiser Franz Joseph.« Kim machte eine Kunstpause und fuhr dann triumphierend fort: »Doch um die geht es gar nicht. Sissi und Franzl sind in der Geschichte nämlich keine Menschen, sondern Fische!«

»Und zwar tote Goldfische«, ergänzte Marie. »Sie sind auf dem Parkett gelandet und dort erstickt, weil ihr Aquarium von der Kommode heruntergefallen und in tausend Scherben zerbrochen ist.«

»Das Fenster war vom Sturm aufgestoßen worden und hat das Aquarium umgeschmissen«, fügte Franzi hinzu.

»Wow!«, rief Connie. »Ihr seid unglaublich.«

Blake zog eine Augenbraue hoch. »Alles richtig. Aber auch wenn ihr Meisterdetektivinnen seid – das ging jetzt etwas zu schnell.« Er strubbelte sich durch seine kurzen rotbraunen Haare. »Kim Jülich, Marie Grevenbroich und Franziska Winkler – gesteht es: Ihr kanntet die Geschichte schon!«

Franzi hob die Arme und grinste. »Erwischt. Es stimmt.« Sie zog den Sicherheitsgurt ein Stück zur Seite und kuschelte sich an ihren Freund. »Ich glaube, wir kennen so ziemlich alle Was ist passiert?-Storys. Wir haben mit ihnen früher unsere Detektivfähigkeiten trainiert.«

»Na dann.« Blake legte einen Arm um Franzi und drückte sie an sich. »Mit euch hat man es echt nicht leicht.« Er seufzte. »Bestimmt deckt ihr in Wien gleich wieder ein Verbrechen auf.«

»Ja, es wäre mal wieder Zeit«, murmelte Franzi. »Der letzte Fall ist schon über zwei Monate her.« Sie nahm einen Apfel und polierte ihn mit dem Ärmel ihres Pullis. Das Bändchen mit dem halbierten Freundschaftsring an ihrem Handgelenk klirrte leise.

Blake hielt seinen Arm daneben, an dem er ein ähnliches Band trug, in das die andere Ringhälfte geknotet war. »Eure Ermittlungen waren ziemlich gefährlich!«

»Quatsch!«, rief Franzi sofort. »Ich hab bloß einen winzigen Bienenstich abbekommen.« Energisch biss sie in ihren Apfel.

»Wobei dein Finger so angeschwollen ist, dass man deinen Ring aufschneiden musste!«

Franzi winkte ab. »Alles halb so schlimm«, sagte sie, obwohl ihr die Erinnerung an den spannenden Fall mit den verschwundenen Bienenstöcken gerade einen Schauer über den Rücken jagte. Die Ermittlungen in Dettingen hatten den drei !!! alles abverlangt.

»Dein Chairskating ist aber auch nicht ohne«, merkte Kim an. Sie pustete sich eine Strähne ihrer kurzen Haare aus der Stirn. »Mit dem Rollstuhl über Rampen zu brettern und sich zu überschlagen ist ja wohl ziemlich gefährlich.«

Blakes Augen begannen zu leuchten. »Kein Stück – wenn man weiß, was man tut. Außerdem: Nenn es nicht Chairskating! Es heißt WCMX.«

»Alles klar«, sagte Kim und grinste. »Wheelchair Motocross. Das klingt viel rasanter.«

Blake grinste zurück. »Ganz genau.« Er ließ den Apfelstrunk in der Abfalltüte unter dem Sitz verschwinden und zog einen Stoffbeutel hervor. »In Wien haben sie zwei Riesenrampen aufgebaut. Mein Kumpel Simon sagt, dass die optimal sind, um Backflips mit dem Rolli zu trainieren. Er hat schon meh­rere Workshops auf ähnlichen Rampen gemacht.« Blake holte ­einen zerknitterten Flyer aus dem Beutel. »Seht euch das an!«

Franzi legte ihren Apfel zur Seite und beugte sich über das bunt bedruckte Papier. Auf der Vorderseite war unter dem knall­roten Schriftzug Come ’n’ Roll eine Skaterbahn abgebildet. Mädchen und Jungen in Sportklamotten tummelten sich dort auf Rollerskates, Skateboards, Rollstühlen und BMX-Rädern. Im Hintergrund erhoben sich zwei große Rampen, die je­weils mehr als dreißig Meter lang waren und fast im 90-­­Grad-­Winkel zum Boden führten. Obwohl Franzi genauso ­sport­begeistert war wie ihr Freund, wurde ihr beim Anblick ­schwindelig.

»Klasse, dass Simon uns eingeladen hat, während des Sportfestivals bei ihm zu wohnen«, sagte Blake, ohne den Blick von dem Bild zu nehmen. »Wir hatten beim letzten Workshop in Hamburg schon jede Menge Spaß. Aber die Woche in Wien wird absolute Extraklasse!«

»Ich finde es super, dass wir auch dabei sein können«, meinte Kim.

»Das ist ja wohl klar!«, rief Blake sofort. »Je mehr Leute bei den Events mitmachen, desto besser. Es ist wirklich für jede Rollsportart was dabei. Und Simon wohnt mit seiner Familie auf einem Kutscherhof an der Donau. Dort gibt es genügend Platz zum Übernachten für uns alle. Echt schade, dass Holger und David schon im Urlaub sind und nicht mitkommen konnten.«

Marie machte ein bedauerndes Gesicht. »Allerdings.« Sie zog ihr Handy aus der Hosentasche. »Ich muss Holger gleich mal schreiben. Bestimmt sitzt er am Strand und lässt sich von ­seinen kleinen Geschwistern mit Sand bewerfen.«

Kim lächelte verträumt. »David ist mit seinem Papa beim ­Zelten. Trotzdem hat er mir das neue Kapitel für unseren ­Fantasykrimi geschickt. Ich bin total gespannt. Heute Abend lese ich es und dann telefonieren wir. Ich freu mich schon!«

Blake hatte in der Zwischenzeit den Flyer durchgeblättert und einen Veranstaltungsplan entdeckt. »Das erste Training an der Riesenrampe findet schon morgen Vormittag statt. Ich kann’s kaum erwarten. Bis Kalifornien muss ich unbedingt den Backflip beherrschen, wenn ich ins Team für die Meister­schaften kommen will.«

Franzi biss sich auf die Lippe und versuchte, ruhig weiterzu­atmen.

Marie sah verdattert von ihrem Handy auf. »Entschuldigung. Habe ich eben richtig gehört? Kalifornien?«

Blakes Wangen färbten sich rot. »Franzi, sorry. Jetzt hab ich mich verplappert.«

»Macht nichts«, brachte Franzi mühsam hervor. »Nächste Woche hätten wir es Kim und Marie sowieso gesagt.«

Blake nickte. »Ich habe einen Platz an einer Highschool bekommen. Am 15. August geht es los.«

»Das, äh, ist aber …«, stotterte Marie, »eine Überraschung.« Sie sah Franzi aus großen Augen an.

»Das ist großartig«, sagte Franzi mit fester Stimme. »Es ist eine riesige Chance für Blake. Das Jahr wird hoffentlich schnell vorbeigehen.«

»So lang!« Kim schlug sich die Hand vor den Mund.

»Ja«, stimmte Blake kleinlaut zu. »Das ist eine lange Zeit. Aber Franzi und ich schaffen das.«

Franzi schluckte. Die Gedanken überschlugen sich in ihrem Kopf. Blake hatte ihr vor ein paar Wochen erzählt, dass er sich bei einer Agentur für ein Schuljahr in den USA beworben ­hatte. Allerdings hatte er nicht damit gerechnet, dass es so schnell klappen würde. Vor vier Tagen war die Zusage einer Highschool in Fontana gekommen. Er war sofort zu Franzi ­gefahren und hatte ihr davon erzählt. Blake war sich unsicher. Er war sogar drauf und dran gewesen, den USA-Aufenthalt ­abzusagen, weil er nicht so lange von Franzi getrennt sein wollte. Aber seine Augen hatten so begeistert geleuchtet, als er von dem großen Glücksfall gesprochen hatte, dass eine Schule in Fontana ihn nehmen wollte. Ausgerechnet Fontana, wo jährlich die WCMX & Adaptive-Weltmeisterschaften ausgetragen wurden! Die Highschool dort bot fantastische Möglichkeiten für Rolli-Sportler. Franzi war mit einem Schlag klar geworden, dass Blake diese Chance unbedingt annehmen musste. Genau das hatte sie ihm dann gesagt.

Sie tastete nach Blakes Hand, die sofort ihre umschloss. Die Berührung fühlte sich weich, warm und vertraut an.

Kim räusperte sich. »Wir werden immer für dich da sein!«

»Absolut«, sagte Marie mit rauer Stimme. »Du bist nicht ­allein.«

Franzi nickte mechanisch. »Danke. Können wir jetzt bitte das Thema wechseln? Noch ist Blake nicht weg. Ich will einfach eine schöne Zeit mit ihm und euch in Wien verbringen. Ich will jetzt nicht daran denken, was kommt. Deshalb wollte ich es euch auch erst nächste Woche sagen.«

Marie seufzte. »Verstehe.«

Connie warf Franzi einen besorgten Blick im Rückspiegel zu. Bevor sie etwas sagen konnte, kam Franzi ihr zuvor: »Willst du noch einen Apfel? Ganz frische Frühernte aus dem Garten von Maries Oma in Dettingen!«

»Äh, ja, gerne.«

Marie, die direkt hinter dem Fahrersitz saß, reichte Connie ­einen Apfel.

»Danke!« Connie biss krachend hinein. »Wirklich lecker!«

»Waren deine Großeltern wieder da, um sich ein Haus anzusehen?«, fragte Kim.

»Ja.« Marie zwirbelte eine Strähne ihrer langen blonden ­Haare zwischen den Fingern. »Aber es lag direkt an der vierspurigen Umgehungsstraße. Das stand natürlich nicht in der Anzeige. Ich hoffe, die beiden finden bald etwas Geeignetes und können endlich von Dettingen zu uns in die Stadt um­ziehen.«

»Das klappt schon«, sagte Kim. »Ich finde es toll, dass deine Oma und dein Opa in eurer Nähe wohnen wollen, damit sie sich um Finn kümmern können.«

Marie ließ die Haarsträhne los. Sie löste sich in eine fließende Welle auf, die sich perfekt an ihre linke Wange schmiegte. »Es wird auch höchste Zeit. Langsam wird mir das mit dem Babysitting zu viel.«

»Kann ich verstehen.« Franzi lächelte. Sie wusste, dass Marie ihren kleinen dreijährigen Bruder über alles liebte und gerne auf ihn aufpasste, wenn ihre Eltern beruflich unterwegs waren. Aber sie hatte zunehmend Schwierigkeiten, alles unter einen Hut zu bringen: Schule, Detektivclub, Ballett, Gesangs- und Schauspielunterricht, und dann natürlich die Treffen mit ­ihrem Freund Holger – das alles kostete viel Zeit. Marie war durch die zusätzlichen Stunden, die sie für ihren Bruder aufbrachte, oft ziemlich unter Stress geraten.

Ein Ruck ging durch das Wohnmobil und riss Franzi aus den Gedanken.

Connie hatte den Camper leicht abgebremst. Sie setzte den Blinker und rief: »In einer guten Viertelstunde müssten wir da sein.« Schwungvoll nahm sie die Ausfahrt.

Franzi blickte neugierig aus dem Fenster. In der Ferne erhob sich das berühmte Riesenrad des Praters. Unweit davon waren die großen Rampen für das Rollerevent zu sehen.

Blake packte den Flyer zurück in den Stoffbeutel und setzte sich kerzengerade auf. »Wien, wir rollen an!«, rief er und drückte Franzis Hand ganz fest.

Zwanzig Minuten später verkündete das Navi: »Sie haben Ihr Ziel erreicht. Es liegt auf der linken Seite.« Connie steuerte den Camper durch einen efeuumrankten Torbogen in einer roten Backsteinmauer.

»Wir sollen uns nach der Einfahrt rechts halten und zwischen Stall und Wohnhaus parken«, sagte Blake. »Dort gibt es einen überdachten Stellplatz.«

»Alles klar«, murmelte Connie und reckte den Hals. »Ich glaube, da vorne ist es.«

Sie rollten im Schritttempo an einem kleinen Fachwerkhaus mit blauen Fensterläden und bunt bepflanzten Blumenkästen vorbei. In dem Moment trat eine blonde, ungefähr vierzig­jährige Frau in Jeans, Hemdbluse und Sneakern vor die Tür. Sie winkte ihnen lächelnd zu.

Connie hielt den Camper an und ließ das Fenster herunter. »Hallo!«

»Grüß euch!«, rief die Frau zurück. »Herzlich willkommen auf unserem Hof! Ich bin Erika Thaler, die Mama vom Simon. Er richtet gerade das Picknick, ich sag ihm Bescheid. Am besten, ihr stellt den Camper hier an der Hausseite ab. Ich muss kurz ins Büro, bin aber gleich wieder da!«

»Super. Vielen Dank!«, rief Connie zurück und ließ den ­Motor wieder an. Während Frau Thaler ins Büro ging, parkte Blakes Schwester das Wohnmobil geschickt unter dem überdachten Carport.

Franzi löste ihren Sicherheitsgurt und sprang auf.

Blake rutschte an ihr vorbei und hangelte sich an den von der Decke hängenden Handschlaufen bis zu seinem Rollstuhl, der vor der kleinen Küchenzeile geparkt war. Schwungvoll warf er sich in das Sportmodell mit den knallroten Rädern und be­tätigte einen Knopf neben der Tür. Sie glitt auf, wobei gleichzeitig eine schmale Ladebühne nach außen gefahren wurde. Noch bevor die Rampe den Boden berührt hatte, schoss Blake nach draußen. Am Ende der Rampe wurden Rollstuhl und Junge ein Stück in die Höhe katapultiert, verharrten einen ­Sekundenbruchteil in der Luft und setzten schließlich mit ­lautem Knirschen auf dem Boden auf. Wenige Zentimeter vor einem Blumenkübel bremste Blake sein Gefährt ab. Er wedelte den aufsteigenden Staub mit beiden Händen von sich weg.

Kim, Franzi und Marie stiegen kopfschüttelnd aus.

»Du kriegst ihn noch kaputt, bevor ihr hier eine einzige ­Skaterbahn gesehen habt«, bemerkte Connie. Sie schlug die Fahrertür zu.

»Niemals«, sagte Blake. »Ich hab den Rahmen verstärken ­lassen.«

Im selben Augenblick ertönte ein lautes Johlen. »Oida! Endlich!« Ein ungefähr fünfzehnjähriger Junge kam in einem Sportrolli mit türkisfarbenen Reifen angebrettert. Seine dunkelblonden Haare und das weite Karohemd flatterten im Fahrtwind.

»Hey, Simon!«, rief Blake. Die Jungs begrüßten sich mit Handschlag. Anschließend stellte Blake Kim, Franzi, Marie und seine Schwester vor.

»Freut mich!«, sagte Simon. Seine grünen Augen strahlten unternehmungslustig. »Super, dass ihr mitgekommen seid.«

»Klar doch«, meinte Franzi. »Und danke, dass wir bei euch wohnen können.«

»Wollt ihr eure Sachen in die Ferienwohnung bringen oder erst etwas essen und trinken?«, fragte Simon. »Es gibt ein Picknick neben der Pferdekoppel. Unser Nachbar Gregor hat schon alles gebracht und den Grill vorbereitet. Er führt die ­beste Würstelbude in ganz Wien.«

Kim war begeistert. »Das klingt fantastisch!«

»Dann kommt.« Simon rollte los.

Im nächsten Moment nahm Franzi eine Bewegung schräg hinter sich wahr. Sie wirbelte herum und sah ein ungefähr zehnjähriges Mädchen mit langen rotblonden Haaren, das völlig aufgelöst im Eingang des Häuschens stand. »Simon«, rief es mit erstickter Stimme. »Hilfe!«

Simon bremste abrupt ab und drehte sich besorgt um. »Was ist los?«

Wo ist Greta?

»Gretl ist weg!« Das Mädchen wischte sich mit dem Handrücken Tränen aus den Augen. »Ich hab überall nach ihr gesucht. Aber sie ist einfach verschwunden!«

Simon steuerte seinen Rollstuhl zurück. »Ihr wart doch gerade noch in der Küche.«

»Da ist sie nicht mehr.« Das Mädchen fing an zu schluchzen. »Ich bin kurz zum Klo, und als ich zurückkam, war Gretl weg. Sie ist bestimmt entführt worden!«

»Das kann nicht sein«, beruhigte sie Simon. »Sie muss hier …«

»Wer ist Gretl?«, fragte Franzi dazwischen. »Deine Freundin?«

»Ja«, presste das Mädchen hervor.

Die drei !!! sahen sich alarmiert an.

»Greta ist der Hund meiner Schwester«, beeilte sich Simon zu sagen. »Ein Labrador-Welpe. Vanessa hat Gretl letzte Woche zum Geburtstag geschenkt bekommen.«

»Ein Hund«, wiederholte Franzi leise. Ihr Herzschlag be­ruhigte sich ein wenig. Dennoch begann ihr Gehirn sofort auf Hochtouren zu arbeiten. »Ich bin Franzi«, stellte sie sich ­Vanessa vor. »Und das sind Kim und Marie. Wir helfen dir, Greta zu finden!«

Blake rollte ein Stück näher. »Falls ihr noch ein viertes und fünftes Rad am Wagen brauchen könnt – ich wäre dabei!«

»Ich auch«, sagte Connie.

Simon nickte. »Ich natürlich auch!«

»Super. Am besten, wir teilen uns auf«, schlug Marie vor. »Blake, Connie und Simon suchen hier draußen. Wir im Haus.«

»Alles klar!«, sagte Blake.

Er und Simon rollten, gefolgt von Connie, los.

»Ich gebe Mama und Alex Bescheid«, rief Simon über die Schulter. »Vanessa, wir finden Gretl!«

Das Mädchen nickte schwach.

»Kommt«, sagte Kim und lief zum Hauseingang.

Die hellen Bodendielen knarrten leise, als sie den Flur betraten.

Rechts war eine geschlossene Tür zu sehen, links gab es zwei Türen. Die erste stand offen. Am Ende des Flurs führte eine steile Holztreppe ins obere Stockwerk.

»Kann Greta schon Treppen steigen?«, fragte Franzi.

Vanessa schüttelte den Kopf. »Nein, das schafft sie nicht.«

Franzi öffnete die Tür zur Rechten und drückte den Lichtschalter. Eine helle Neonröhre beleuchtete die Regale einer kleinen Vorratskammer.

»Türen kann sie bestimmt auch nicht aufmachen«, murmelte Kim und lief weiter. »Lasst uns zuerst in der Küche nach­sehen.«

»Nur zur Sicherheit«, meinte Franzi. »Vielleicht wurde sie versehentlich eingeschlossen.« Ein Blick in die Kammer genügte ihr jedoch, um zu sehen, dass der Hund nicht dort war.

»Das ist interessant!«, rief Marie.

Franzi lief zur ersten offen stehenden Tür und gelangte in eine gemütliche Wohnküche mit einer Sitzecke und einem großen Esstisch. Kim und Vanessa standen an der Wand bei einem ­Kachelofen und starrten auf den Boden. Marie kniete neben zwei Futternäpfen. Einer war mit Trockenfutter gefüllt, in dem anderen befanden sich einige Tropfen Wasser.

Marie deutete auf eine große Wasserpfütze vor dem leeren Napf. »Was ist da passiert?«

Vanessa strich sich hektisch ein paar rotblonde Haarsträhnen hinter das Ohr. »Keine Ahnung! Er war vorhin noch ganz voll.«

Kim ging in die Knie und besah die weißen Keramikfliesen auf dem Boden. »Hier sind Spuren.« Auf allen vieren kroch sie ein Stück weiter. Vorsichtig tippte Kim auf die Fliesen. »Eindeutig Wasser. Als unser Hund Pablo noch klein war, ist er mal in seinen Wassernapf gefallen und hat sich furchtbar erschreckt. Vielleicht ist Gretl etwas Ähnliches passiert. Sie muss in Panik irgendwo hinge­laufen sein.«

Kim kroch weiter. Franzi, Marie und Vanessa folgten ihr. Unter dem großen Esstisch am Fenster hielt Kim inne. »Hier endet die Spur.«