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Während Bundesrat Rillo Maus an seinem selbst kreierten Fudi-Lumpen klebt und die gesamte Schweizer Bevölkerung dazu zwingen will, sich ein Zäpfli in den Allerwertesten zu schieben, sucht Pfarrer Jacques mit einigen weiteren Renitenten nach einem alternativen Heilmittel, um die grassierende Furz-Pest zu kurieren. Ebenfalls in der Schieflage hängen ein paar Grausige von der Polizei, für die so etwas wie Menschenrechte nicht existent sind.
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Seitenzahl: 91
Veröffentlichungsjahr: 2023
Denise Remisberger
Die eidgenössische Furz-Pest
Ein Pfarrer Jacques Krimi
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Inhaltsverzeichnis
Titel
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Impressum neobooks
Als ein kleiner grüngepunkteter Pilz in einem Luzerner Salat landete, dachte sich der essende Gast nichts dabei. Nicht mal, als er zwei Wochen später von einem lästigen Grummeln im Bauch heimgesucht wurde, das sich laut dröhnend und enorm stinkend als Windabgang Bahn brach. Doch das war nicht alles. Während der Entlüftung sprach er genau das aus, was ihm gerade durch den Kopf sauste. Seine schlimmsten Gedanken purzelten aus ihm heraus, zusammen mit der Megawolke. Seine Verwandten und Bekannten rieten ihm, sich mal ärztlich untersuchen zu lassen, was er dann auch tat, doch es wurde nichts gefunden. Ein Phänomen, hiess es. Er hatte also ein Phänomen. Ein stinkendes ehrliches Phänomen.
Nachdem sein Hund, seine Frau und sein Arbeitskollege ebenfalls vom Phänomen gepiesackt wurden, wurde es ihm langsam, aber sicher mulmig. War es ansteckend? Das Phänomen? Sollte er es melden? Der Hund knurrte, wenn er fröhlich mit dem Schwanz wedeln sollte, seine Frau nannte ihn täglich einen Affen und sein Arbeitskollege wollte anscheinend seinen Posten, der etwas besser honoriert wurde. Alle waren dagegen, sogar der Hund.
„Wir kämen in Quarantäne. Wir dürften das Haus nie mehr verlassen“, schimpfte seine Frau.
Der Hund knurrte und bellte wie ein Verrückter.
„Ich würde meine Arbeit verlieren. Und du auch“, sagte der Kollege.
Also liess er es bleiben.
„Hans-Peter!“, rief Pfarrer Jacques, als sein bester Freund aus Sankt Gallen in den privaten Aufenthaltsraum des Kirchgemeindehauses Kreis Fünf in Zürich stolperte. „Du bist ja ganz ausser Atem.“
„Der süsse Pudding, den ich vor einer guten Stunde zuhause im Kloster genossen habe, war wohl etwas zu reichhaltig gewesen. Doch darum geht es nicht. Ich muss dringend mit dir sprechen.“
Der reformierte Pfarrer, gross, schlank und durchtrieben, der katholische Prior, klein, rund und mindestens genauso durchtrieben, spazierten nach dieser Äusserung zur Limmat, überquerten dazu den Lettensteg und setzten sich auf den langen Holzsteg, wo bereits drei Leute lagen, die sich sonnten, ab und zu ins Wasser sprangen, von der Strömung zum Ausstieg geleitet wurden, dort aus dem Fluss krabbelten und sich wieder in die Sonne legten.
„Ich bekam einen Anruf. Aus Luzern.“
„Du kennst Leute in Luzern?“
„Na, hör mal! Ich kenne überall auf der Welt Leute. Du bist nicht der Einzige, der rumkommt.“
„Ja, ja. Erzähl schon. Wer hat angerufen?“
„Ein Ordensbruder.“
„Ich dachte, euren Orden gäbe es nur in dem winzigen Kloster in Sankt Gallen. Habt ihr in Luzern eine Filiale gegründet?“, grinste Jacques, schloss die Augen und hielt sein Gesicht in die warmen Strahlen.
„Wir? In Luzern? Nicht im Traum, nein. Der Ordensbruder ist der Ordensbruder von einem anderen Orden. Ich kenn ihn einfach. Er hat da einen Mönch in seinem unmittelbaren Umfeld, der irgendwie von einer Krankheit befallen zu sein scheint.“
„Etwas Schlimmes?“
„Da sind sie sich nicht sicher. Er flatuliert. Und er sagt dabei die Wahrheit.“
Pfarrer Jacques wurde von einem unangebrachten Lachkrampf geschüttelt und Prior Hans-Peter schüttelte den Kopf.
„Der Arme stinkt und stinkt.“
„Da sind wohl eher die Nasen rundherum arm. Was hat er denn deinem Ordensbruder an Wahrem an den Kopf geworfen?“
„Nicht ihm.“
„Sondern?“
„Einer Frau.“
„Etwas Unzölibatäres?“
„Oh ja.“
Drogenfahnderin Dröseline Mitlauf tigerte gerade dem Vormund eines im Ausland Inhaftierten hinterher, als sich ein kleiner runder Kerl in einem komischen Kostüm genau vor sie hinpflanzte, sodass sie in ihrem Lauf innehalten musste, sein seltsames Rockdings lüpfte, ihr seinen grosszügig gebauten nackten Hintern unter die Nase hielt und ein paar unsäglich laute und stinkende Fürze herausdrückte. Dabei lispelte er: „Du bist eine ganz Süsse.“ Dann trollte er sich wieder. Dröseline Mitlauf griff nach ihrem von den Steuern finanzierten superteuren Polizeihandy und gab die gespeicherte Nummer ihres Vorgesetzten in Zürich ein.
„Was ist?!“, giftete der Leiter der Spezialabteilung Vier der Kantonspolizei Zürich, Fauli Tröttel, ins Telefon, da er gerade anderweitig beschäftigt war.
„Da hat sich jemand verdächtig gemacht.“
„Auf was wartest du dann noch?“
„Ich soll ihn also verfolgen?“
„Klar.“
„O.K., Chef.“
Die Drogenfahnderin sah den verdächtigen Vogel die Reuss entlang springen und sprintete diesmal ihm hinterher. Dann ging es etwas hügelaufwärts, bis der Mann in einem Haus verschwand. Dröseline Mitlauf fotografierte das Haus und den Lancia inklusive Nummernschild, der in der Einfahrt stand. Dann ging sie.
Derweil hockten in dem Haus drinnen Prior Hans-Peter, Pfarrer Jacques und der Ordensbruder, der Hans-Peters Bekannter war.
„Ich glaube, Ordensbruder Theodor ist nachhause gekommen“, stand Paul, der auf einem geschnitzten Stuhl hinter einem grossen Tisch sass, auf und schaute in den Hausgang. „Theodor, kommst du mal zu mir?“
„Moment“, rief der Mönch vom WC aus.
Kurz darauf sassen sie alle vier im Empfangsraum und versuchten, eine Lösung für das aktuelle Problem zu finden.
„Ich bin übrigens Jacques.“
„Reformiert?“
„Ja.“
„Das tut jetzt nichts zur Sache, Theodor“, mischte sich Paul ein. „Hans-Peter hat immer gute Ideen, wenn es um knifflige Angelegenheiten geht, und sein guter Freund, Pfarrer Jacques aus Zürich, anscheinend auch. Theodor! Hattest du heute wieder einen Anfall?“
„Ja, tut mir Leid“, schaute der Angesprochene mit Tränen in den Augen in Pauls Gesicht. „Der Drang ist wieder über mich gekommen. Ich konnte nichts dagegen tun. Ich musste Luft ablassen und ein Kompliment machen.“
„Wie hat sie denn reagiert, diejenige, welche?“, wollte der reformierte Pfarrer wissen.
„Gar nicht. Sie hat mich ziemlich schockiert angestarrt.“
„Haben diesen Drang eigentlich noch andere?“, fragte der katholische Prior, der ab und zu als Ordenspfarrer seines kleinen Klosters fungierte, dann, wenn Abt Cornelius es ihm als eine Art Schabernack auftrug, obwohl Hans-Peter wahrlich nicht der seelsorgerische Typ war.
„Bisher hab ich nur einen angetroffen.“
„Und wen?“
„Keine Ahnung. Einen Mann, der etwas in den Klingelbeutel, den ich ihm hingehalten habe, getan hat.“
„Und dann hat er gefurzt?“, erkundigte sich Paul.
„Ja, und wie.“
„Hat er auch was gesagt?“
„Ja.“
„Und was?“
„Er sagte: ‚Mein Arbeitskollege ist ein Schwein.‘ Und dann ging er.“
„Hattest du diese Furz-Pest eigentlich schon, bevor du diesen Mann angetroffen hast?“, kam Jacques ein schrecklicher Gedanke.
„Nein, erst danach.“
„Dann hat er dich angesteckt.“
„Es ist ansteckend?“, rief Paul entsetzt.
„Das denke ich mir, ja.“
Am Rande der ansonsten schönen Stadt Zürich waberte eine schwärzliche Energie aus dem neuen Gebäude, das auch die Spezialabteilung Vier beherbergte. In einem der zahlreichen nutzlosen Räume lümmelten sich Dröseline Mitlauf, Fauli Tröttel und noch eine ganze Reihe weiterer Lölis um einen Plastiktisch herum und hechelten ihre dümmlich-dreisten Folteraktionen durch.
„Ich habe den Vormund, Schnauze Voll, fast in die Reuss geschubst, noch bevor ihr Dröseline gefolgt ist“, quiekte Jungfahnder Göro Aff sabbernd in die Runde.
„Ist ihr etwas passiert?“, fragte Reto Klarer scharf, der Einzige in dieser Abteilung, der nicht vollkommen pervertiert war.
„Ihr nicht“, quiekte Göro weiter. „Aber mir!“
„Was denn?“, wollte Fauli wissen.
„Ich bekam einen Ständer“, schluckaufte der Rüpel.
„Das tut hier nichts zur Sache“, bemerkte Dröseline. „Mich interessiert eher der Lancia mit dem Sankt Galler Kennzeichen. Wir sollten da mal nachhaken.“
„Du willst nach Sankt Gallen?“, erkundigte sich Reto.
„Ja, wieso nicht? Ich kenn dort einen bei der Kantonspolizei. Einen mit dem nötigen Dienstgrad. Der gibt uns sicher Amtshilfe, sprich, wir dürfen dort unbehelligt tun, was wir wollen. Brunzi Feigi heisst er.“
„O.K.“, bestimmte Fauli Tröttel. „Dann gehst du, Dröseline, nach Sankt Gallen und Göro und Reto machen dieser Schnauze die Hölle heiss. Schliesslich hat sie die Vormundschaft für einen inhaftierten Haschischschmuggler übernommen. Da ist garantiert was faul.“
„Vielleicht ist sie aber einfach nur ein netter Mensch mit sozialem Pflichtgefühl und vor allem Mitgefühl!“, brüllte Reto schon fast.
„Solche Leute gibt es nicht“, winkte Fauli ab und lächelte süffisant.
Dann wurde die grausige Versammlung aufgelöst.
Noch am selben Tag begab sich Dröseline Mitlauf in ihrem orangen Subaru aus der Polizeigarage in die Ostschweiz und traf sich mit Brunzi Feigi in dessen Büro. Der hatte unterdessen, nach einem Telefonat mit seiner Ex Dröseline, nachgeforscht, wem der Lancia gehörte, und war lustigerweise auf das Kloster gleich um die Ecke gestossen.
„Willst du wirklich die Mönche beschatten?“, tat sich Brunzi etwas schwer, denn er war katholisch erzogen worden.
„Sind das die mit den komischen Kostümen?“
„Die tragen Soutanen.“
„Was für ein Ding?“
„Du kannst auch Kutte sagen, wenn dir das geläufiger ist.“
„Kutte? Nicht wirklich, aber ich kann mir das Wort besser merken. Dann war der Luzerner Verdächtige, von dem ich dir erzählt habe, ebenfalls so ein Kuttenträger.“
„Und der hat dich angebaggert?“, fragte Brunzi ungläubig.
„Ja, und wie!“
„Aber die leben alle im Zölibat!“
„Was für ein Ding?“
„Enthaltsam.“
„Der war kugelrund. Der isst bestimmt für zwei.“
„Essen dürfen sie. Aber keinen Sex haben.“
„Sex hatten wir nicht!“, empörte sich Dröseline.
„Das beinhaltet bestimmt auch, dass er weder Frauen noch Männer anmachen darf.“
„Und was ist mit der Furzerei?“
„Furzen dürfen sie, soviel ich weiss.“
„Übrigens, ich muss mal aufs Häuschen. Mein Darm rumpelt schon seit heute Morgen.“
„Dann übernehme ich also wieder die Frauensinggruppe, gut“, nickte Pfarrer Jacques im Büro der Kirchgemeinde Kreis Fünf.
„Wunderbar!“, freute sich Pfarrer Selri, der weiterhin fürs Büro zuständig war und, wie gehabt, die meisten Predigten abhalten würde.
„Und ich werde mich neu mit unserer älteren Generation befassen“, war Pfarrerin Rosamunde ebenfalls einverstanden.
Pfarrer Kinden würde bei seiner auswärtigen Kinderkrippe bleiben und Pfarrer Sebastienne, der vorher die Frauensinggruppe geleitet hatte, würde sich mit der von Rosamunde übergebenen Drögeligruppe auseinandersetzen müssen.
„Hoffentlich werde ich den Armen ein guter Pfarrer sein“, fragte er sich laut.
„Bei allem Mitgefühl, Sebastienne“, sagte Rosamunde aus Erfahrung, „pass auf dein Portemonnaie auf. Drogen kosten viel Geld. Und wenn jemand süchtig ist und unbedingt eine neue Ration braucht, heben sich die Grenzen der Mitmenschen manchmal auf.“
„Ich habe mein rosa Handtäschchen entweder quer übergehängt oder im Büro von Selri. So supernaiv, wie ihr immer alle tut, bin ich nun auch wieder nicht.“
„Na ja“, grinste Jacques. „Du siehst die Welt schon in einem Licht, das der Farbe deines Handtäschchens ähnelt. Die Menschen sind nicht alle genauso mitfühlend wie du.“
„Ich pass auf, versprochen.“
Nach der Umverteilung der Aufgaben spazierte Jacques durch Gang, Aufenthaltsraum und Kirche bis nach vorne aufs Podest und zum Klavier, die Notenblätter für einen alten Gospel, von Sebastienne geschrieben, in der Hand.
„Geht es Sebastienne gut? Ist er krank?“, sorgte sich Merle, eine der sechs Frauen, die bereits auf dem Podest herumstanden und auf den Beginn des Singens warteten.
„Nein, überhaupt nicht. Wieso sollte er denn krank sein?“
„Ich hab da so was läuten gehört. Ausserdem hat eine Online-Zeitung darüber berichtet.“
„Jacqui, spielst du heute auf dem Klavier?“, fragte Sabine Pfau, schick gestylt wie immer.
„Nicht nur heute. Wir haben unsere Zuständigkeiten umverteilt.“
„Dann haben wir ja wieder jemanden zum Schäkern“, lachte Sabine.
