Hurrikan im Anmarsch! - Denise Remisberger - E-Book

Hurrikan im Anmarsch! E-Book

Denise Remisberger

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Beschreibung

Eigentlich war Pfarrer Jacques auf eine karibische Insel geflogen, um sich mal so richtig zu entspannen, die Wärme zu geniessen, friedlich aufs Meer zu schauen. Doch daraus wurde nichts. Kaum dass er angekommen war, begegnete ihm in seinem Ferienhotel ein verbrecherischer Schweizer Polizist, den er noch von früher her kannte. Als Nächstes wurden er und seine Reisegruppe auf einem Ausflug von einem tobenden Hurrikan überrascht, der sie dazu nötigte, in die Berge zu flüchten. Und wie wenn das nicht schon genug wäre, wurde er noch einer weiteren Strapaze ausgesetzt, als einheimische Überfalltäter im Regenwald auftauchten.

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Seitenzahl: 90

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Denise Remisberger

Hurrikan im Anmarsch!

Ein Pfarrer Jacques Krimi

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

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Impressum neobooks

1

Als ihn jemand auf Englisch ansprach, hörte er die ältere männliche Stimme nicht so deutlich, denn Pfarrer Jacques stand am Fusse eines laut dröhnenden Wasserfalls, der zwar zu ihm heruntersprudelte und weiss auf den dunklen Steinen schäumte, trotzdem aber keine rechte Kühle verursachte. Es war unerträglich heiss, obwohl er nur eine dünne Leinenhose und ein Viskosehemd trug, an den Füssen Riemchensandalen und auf dem Kopf einen riesigen Sonnenhut. Wieso war er bloss in die Karibik gefahren?

„Bist du auch in den Ferien hier?“, wiederholte der Mann seine Frage etwas volltöniger und stiess endlich auf Gehör.

Jacques drehte sich um und antwortete, ebenfalls auf Englisch: „Ja, ich mache Ferien. Eigentlich wollte ich mich mal entspannen.“

„Und? Bist du entspannt?“

„Nicht wirklich, nein. Mir ist eindeutig zu heiss auf dieser Insel.“

„Was hast du denn erwartet? Einen Schneesturm? Da hättest du zu mir nachhause reisen sollen. Dort liegt um diese Jahreszeit noch Schnee. Ich komme aus Ogden.“

„Woher?“

„Aus Ogden. Das ist in Utah, Vereinigte Staaten von Amerika“, grinste das knorrige Männlein unter dem kleinen Strohhut und streckte dem Fremden die Hand hin: „Terence. Das ist mein Name. Quäker Terence.“

„Jacques. Reformierter Pfarrer“, schüttelte der Schweizer die Hand des anderen. „Aus Zürich. Das ist in der Schweiz.“

„Weiss ich. Ich war mal dort.“

„Und?“

„Hat mir gefallen. Zu heiss war es nicht.“

„Nein, dort wäre es jetzt schön kühl.“

„Wollen wir zurücklaufen? Ich habe dich am Hotelstrand gesehen. In La Rose.“

„Ja, wandern wir zurück. Am Strand entlang.“

„Klar. Darum sind wir doch hier, nicht wahr? Strand, Sonne, Meer.“

„Warst du schon mal auf Sainte Flamme?“

„Nein, noch nie. Hab mich bisher nur bis nach Florida getraut.“

„Und? War’s schön?“

„Ja, ja. Hab einen Hurrikan erlebt.“

„Schlimm?“

„Ganz im Gegenteil! Grossartig. Ein richtiges Erlebnis. Der Geist hat zu mir gesprochen. Oh, es war einfach wunderbar.“

2

Kaum dass er aus dem Flugzeug gestiegen war, wurde er festgenommen. Adi Eich hatte keinen blassen Schimmer, wieso. In der Zelle, in die er gesteckt oder, besser gesagt, geworfen worden war, lümmelte sich bereits ein anderer und der begann sogleich, ihn voll zu labern. Adi Eich verstand kein Wort. Das musste er nachhause melden. Wie hiess das noch gleich? Sprachbarriere. Ja, diese Sprachbarriere würde ein Problem sein. Nächstentags zerrte ihn jemand aus dem stinkenden Käfig und schleppte ihn in ein grosses Büro, wo er auf einen Stuhl an einen Tisch gedrückt wurde.

„Guten Morgen, Herr Eich“, sprach der Mann ihm gegenüber auf Deutsch. Der schicke Strohhut lag neben ihm auf dem Tisch.

„Endlich einer, der hier eine vernünftige Sprache spricht, die ein Mensch auch verstehen kann.“

„Ich bin der deutsche Botschafter. Klausen mein Name. Wissen Sie, warum Sie hier sind?“

„Nee, echt keine Ahnung, was diese Fremdländer hier von mir wollen.“

„Fremdländer? Ich befürchte, die Fremden hier sind wir. Aber zurück zu Ihrer Nacht in Gewahrsam. Sie wurden wegen Ihrer Kleidung verhaftet.“

„Wegen meiner Klamotten? Wieso denn das?“

„Wegen der Farben.“

„Wieso? Schön bunt. Grün, rot und so.“

„Eben. So zusammengewürfelt, sind das Tarnfarben.“

„Und?“

„Darf hier nur das Militär anziehen. Keine Privatpersonen.“

„Na ja. So privat bin ich gar nicht hier.“

„Nicht?“

„Nein. Ich habe einen Auftrag zu erledigen.“

„Und der wäre?“

„Darf ich nicht sagen. Der ist geheim“, tat Adi Eich wichtig. „Ich sage nur so viel: Er kommt von ganz oben.“

„Von Gott?“

„Gott? Äh, nein, so weit oben nun auch wieder nicht. Von der Chefin. Die Chefin ist ein Mensch. Eine Deutsche.“

„War klar.“

„Kann ich jetzt gehen?“

„Zuerst müssen Sie sich umziehen. Ihre Kleider werden einbehalten.“

„Ich hab nichts anderes dabei.“

„Ich habe Ihnen etwas gekauft. Hose und T-Shirt. Hier.“ Und Botschafter Klausen zog eine rosarote Hose und ein gelbes T-Shirt aus seiner Tüte.

„Das soll ich anziehen?“

„Ja.“

„Sind Sie irre?“

„Wieso? Sie mögen es doch bunt.“

„So bunt nun auch wieder nicht.“

„Sonst müssen Sie in Ihrer Zelle bleiben.“

„Muss nicht sein.“

„Dann müssen Sie sich umziehen.“

„Na gut“, gab sich Adi geschlagen. Was sollte es. Hier kannte ihn sowieso niemand.

Nachdem er sich umgezogen hatte, begleitete ihn der Botschafter in die gebuchte Jugendherberge am Rande von La Rose. Alleine gelassen, setzte er sich in seiner rosa Hose in den Sand direkt ans Meer und trank ein Bier. Langsam beruhigte er sich. Die Hitze tat ihm gut. Sie entspannte ihn. Sie lullte ihn ein. Seine negative Lebenseinstellung waberte davon. Doch, zurück in Deutschland, würde sie wiederkommen.

3

Er hatte wieder geträumt. Von damals. Die kalte Metallfläche unter ihm, die nasse Windel an ihm. Er hatte wieder die Hilflosigkeit gespürt. Sein Vater, Polizist bei der Spezialabteilung Vier im Kanton Zürich, hatte ihn angeschleppt. Damals. Vor über zwanzig Jahren. Zur Folterarbeit angeschleppt. Um sich an einer völlig unbescholtenen Frau, die es gewagt hatte, den Chef seines Vaters wegen Folter anzuzeigen, zu rächen. Sie hatten ihr Kindesentführung anhängen wollen. Dafür hatte ihn sein Vater in der nassen Windel auf der Taschenablage im Gang vor der Pestalozzi-Bibliothek abgelegt und dort alleine liegen gelassen. Er hatte geschrien wie am Spiess. Das stand in der Polizeiakte. Die Frau sei aus der Bibliothek gekommen, um zu gehen, und habe das schreiende Kind vorgefunden, das dort auf der kalten metallenen Ablagefläche lag und jederzeit auf den tödlichen Steinboden hätte fallen können, es allerdings nicht gestohlen, sondern die Bibliotheksangestellte herbeigerufen. In dem Moment war sein widerlicher Vater aus der Bücherei gekommen und hatte klar gemacht, dass dies sein Kind sei. Aufgenommen hatte er ihn aber erst, als die Frau gegangen war. Und seither hatte er Angst. Angst vor metallenen Gegenständen. Sie lösten ein übles Frieren in ihm aus. Und diese grässlichen Träume. Er war nicht das einzige Kind von den Angestellten dieser Abteilung gewesen, das angeschleppt worden war. Noch zwei weitere Babys hatten dran glauben müssen. Eines war von der Mutter im Kinderwagen, samt rotem Mützchen, genau in die Schusslinie im Gang eines Trams gestellt worden. Ein anderes war im Zähringer auf die Holzbank neben die unbescholtene Frau gelegt worden. Alleine. Der Vater des Kleinen und drei weitere Polizisten zwei Tische entfernt. Fünf Buben im Kindergartenalter waren auf die Unbescholtene gehetzt worden, zwei Schwarze, drei Weisse. Denen wurde weisgemacht, dass die Frau Schneewittchens Stiefmutter sei. Die Buben, vor allem zwei der Weissen, hatten die konsternierte Frau böse angeschaut. Sie waren alle in die Polizeifolter mit einbezogen worden. Das achtjährige blonde Mädchen war von der Mutter an die Folterarbeit gezerrt worden, hatte sich aber gewehrt. Die Rabenmutter hatte sie an zwei mit Ultraschall gequälten superaggressiven Polizeihunden vorbeischieben wollen. Das Mädchen hatte die Fersen in den Boden gestemmt und sich geweigert, weiterzugehen. Eine Hundephobie hatte sie seither trotzdem. Auch sie wurde von schlimmen Träumen gepeinigt. Darum hat sie die Akten aus dem PC ihrer Mutter kopiert. Heimlich. Und sie an die misshandelten Kinder verteilt. Auch an ihn. Gabriel. Er hat daraufhin das Weite gesucht. Die Schweiz verlassen. Nun war er hier. In der Karibik. Auf Sainte Flamme. Er hatte sich ein kleines Haus mit dem Geldgeschenk seiner Grossmutter mütterlicherseits im Dorf Le Soupir gekauft, direkt am Meer, rundherum Berge. Doch die Träume gingen nicht weg. Er musste was tun. Ja. Er musste was tun. Also lud er seinen grässlichen Vater ein, ihn auf Sainte Flamme zu besuchen. Ja. Und dann würde er es ihm heimzahlen. Er würde ihn töten. So, dass es wie ein Unfall aussehen würde. Vielleicht hörten die Träume dann auf. Er wünschte es sich. Er wünschte es sich mit der ganzen Kraft, die ihm noch geblieben war.

4

„Hast du schon gegessen?“, fragte Pfarrer Jacques seinen neuen Bekannten Quäker Terence.

Sie befanden sich am Hotelstrand, Terence in einen Stuhl gefläzt, die Augen aufs ruhige Meer gerichtet, Jacques stehend neben ihm.

„Nein, noch nicht.“

„Hast du Lust auf karibisch?“

„Ist das nicht ultrascharf?“

„Wir werden’s schon überleben.“

„Na gut, probieren wir es aus“, erhob sich der Quäker und beide setzten sich in Bewegung.

Die Sonne war zum Glück bereits untergegangen, die Wellen rollten leise auf den Strand zu und zogen sich wieder zurück. Der ewige Rhythmus des Wassers. In stetigem Wandel. So wie der Mond, der gross und rund aufgegangen war und in all seiner silbernen Pracht auf die beiden am Strand entlang Schlendernden niederschien.

„Das Restaurant sollte sich dort vorne befinden, eines dieser Lokale mit Teelichtern auf den Tischen, wo die Gäste draussen sitzen, essen und trinken können, um die schöne Aussicht zu geniessen. Anscheinend gleich neben der Jugendherberge“, zeigte Jacques in Richtung einiger Lichterketten.

Nach etwa fünf Gehminuten sahen sie das bunt leuchtende Schild des youth hostels und da waren sie schon. Im „Le Coq“ waren erst zwei Tische besetzt, je von einem einzelnen Gast. Ein recht junger Mann mit Bürstenhaarschnitt, dünn, gross und etwas unsicher im Gebaren, versuchte, auf Deutsch etwas zu bestellen, die Kellnerin beschrieb mit vielen Gesten ein Huhn, worauf der junge Deutsche erfreut nickte: „Hühnchen. Ja. Das nehm ich.“

Einen Tisch weiter sass ein blonder Mann um die dreissig, der irgendwie auffällig war. Er schien angespannt zu lauschen und sein Blick fiel immer wieder mal auf den Jüngling, blieb an ihm haften, nur für einen Augenblick, doch einen Augenblick zu lange.

„Der Blonde dort ist ein Polizist. Der beschattet den anderen“, flüsterte Jacques. „Setzen wir uns lieber ein gutes Stück weg von den beiden.“

„Magst du keine Polizisten?“, grinste Terence, nachdem sich die beiden Neuankömmlinge hingesetzt und bestellt hatten.

„Nein, tu ich nicht! Die meinen, sie beherrschten die Welt.“

„Vielleicht tun sie das ja.“

„Aber es ist nicht korrekt.“

„Nein, bestimmt nicht. Sind die beiden aus der Schweiz?“

„Nein, aus Deutschland.“

„Und was wollen die hier auf Sainte Flamme?“

„Wir werden es herausfinden.“

„Oje! Ich dachte, du wolltest dich entspannen.“

„Damit ist jetzt wohl Schluss. Bist du dabei?“

„Immer. Du weisst doch, wir haben schon im neunzehnten Jahrhundert schwarze versklavte Menschen aus den Südstaaten befreit. Sie vor allem in den Norden geschmuggelt. Mit der ‚Underground Railroad‘. So wurde die Befreiungsaktion damals genannt. Meine Vorfahren brachten die verzweifelten Leute weit in den Norden hinauf, zuerst durch die Sümpfe im Süden, dann weiter über unbewachte Grenzen, immer auf der Hut vor allen, die sie hätten verraten können.“

„Und heutzutage?“

„Heute engagieren wir uns für viele Dinge, zum Beispiel für Umweltschutz. Da kommt unser Essen.“

„Lass es dir schmecken. Du hast das mildeste der ganzen Speisekarte genommen.“

Nach den ersten paar Bissen nickte Terence: „Ist nicht zu scharf.“

„Meines ist ausgesprochen gut.“

„Meines auch, ja, ja.“