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Kurzweiliges Lesen, wie mein Leben verlaufen ist in verschiedenen Epochen unserer Zeit, vom Ende des Hitler-Regimes über die sozialistische DDR mit der Ausreise und den damit verbundenen Strapazen in ein Land, wo wir unser Glück zu finden hofften.
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Seitenzahl: 146
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Die eigene Geschichte und drei Mal Kampf gegen den Krebs
Mein Leben, wie es verlaufen ist, in verschiedenen Epochen, vom Ende der Zeit des Hitler-Regimes über die sozialistische DDR, mit der Ausreise aus dieser und den damit verbundenen Strapazen in ein Land, wo wir unser Glück finden wollten. Dabei habe ich erfolgreich den Krebs besiegt.
Für meine Kinder, Enkel und Urenkel eine Geschichte über die Zeit, die sich sehr verändert hat. Und für alle Menschen die stolz sein können, an einer Entwicklung teil zu haben, in langer Zeit in Frieden leben zu können.
1939 Ich bin da
1945 Russische Soldaten
1947 Ein Klavier
1951 Karbidlampe
1953 Flüchtlingsfrau
1955 Erzgebirge Robert
1957 Hochzeit und 1. Tochter
1960 Urlaub auf Usedom
1961 Umzug nach Dresden
1962 2. Tochter
1965 Probleme mit Robert
1968 Arbeit zu Hause
1969 Gitta/meine Scheidung
1970 Kinderferienlager
1973 Universität Dresden
1974 Paul und Hanna
1977 Neue Firma/Phillip
1978 Wohnungstausch
1981 Straßenbahn/Niklas
1983 Fahrgast
1984 Verhaftung/Ausreise
1985 Meine Ausreise
1986 Hamburg
1987 Umzug/Maria
1988 Zurück nach Hamburg
1989 Ausreise der Kinder
1993 Hochzeit Ulrike+Julius
1997 Scheidung von Niklas
1998 Urlaub Ischia
1999 Rente, wieder Paul
2003 Martin
2008 Seniorenwohnung
Nachwort
Ich bin Erika und wurde als zweites Kind meiner Eltern im Mai 1939 geboren. Meine Schwester war noch kein Jahr alt. Erst eine Woche später war ihr erster Geburtstag. Als wir größer waren, habe ich mich immer gefreut, dass meine Schwester eine Woche lang mit mir gleich alt war.
Das war eine anstrengende Situation für eine Mutti so kurz hintereinander ein zweites Kind zu haben. Aber da gab es noch eine Oma, die mithelfen konnte, die beiden Kleinen zu versorgen. Meine Schwester heißt Sylvia. Von unserem Vater hatten wir beide nicht viel, er musste ein halbes Jahr später in den Krieg ziehen, der im September begonnen hatte.
In unserer Gegend sagte man zur Mutter in den Familien Mutti. Die Mutti unseres Vaters war Oma Schönborn, weil sie in Schönborn lebte. Sie wohnte im Haus eines ihrer Söhne Artur und der Schwiegertochter Hedwig. Diese wiederum hatten zwei Kinder.
Einmal fuhren wir in den Ferien mit dem Fahrrad ein paar Tage zu Oma Schönborn. Das waren schöne Ferien. Oma Schönborn wohnte in einem sehr kleinen Bauerndorf. Dort gab es keine Tiere, dafür gab eine Glashütte. Die Menschen, die in dem Dorf lebten, arbeiteten in der Glashütte und hatten bis zum Krieg im September 1939 und noch einige Jahre ein gutes Ein- und Auskommen. Manche waren im Büro beschäftigt und andere arbeiteten in der Glasbläserei oder Glasschleiferei. Heute erinnern mich noch ein paar vereinzelte Stücke in meiner Vitrine aus der Manufaktur/Glasbläserei an diese Zeit.
Oma Schönborn bewohnte ein größeres Zimmer. Es war gleichzeitig Küche, Wohnzimmer und ihr Schlafzimmer, mit ziemlich vielen Möbeln. Hinter einem Schrank war ein zusätzliches Bett, in dem ganz viele Sachen aufbewahrt wurden. Die Sachen gehörten unserer Tante, die Tochter von Oma Schönborn und deren Familie. Sie sind nach Kriegsende 1945 in dem Westen des geteilten Deutschland geflohen. Da der Onkel in der damaligen SS organisiert war, wurde er nach Kriegsende inhaftiert. Er wurde als Kriegsverbrecher angeklagt. Zu seinem Glück und mit etwas Geschick konnte er aus dem Gefängnis fliehen. Seine Flucht ist recht spektakulär. Es stand vor dem Gefängnisfenster ein großer Weidenbaum. An den langen geschmeidigen Ruten des Baumes, die er zu fassen bekam, konnte er sich über die Mauer schwingen. Den Fluchtplan musste er aber einem Familienmitglied mitteilen, damit alles reibungslos verlaufen konnte. Als seine Schwiegermutti ihn im Gefängnis besuchte, hatte er den Termin seiner Flucht in einen Löffel eingeritzt. Diesen Löffel hat er ihr unauffällig mitgegeben. Die Familie wusste also Bescheid und war auf die Flucht und den Erfolg bedacht. So klopfte es eines Nachts an unserem Schlafzimmerfenster, er stand lächelnd an unserem Fenster und bat unsere Mutti, den Termin seiner Zugreise seiner Frau zu übermitteln, damit sie zeitgleich mit ihren drei Kindern nach Hannover fahren konnten. Es hat auch alles reibungslos geklappt. Sie lebten seit dieser Zeit in Hannover.
Wenn wir in den Ferien bei unserer Oma Schönborn waren, haben wir im Bett der Tante geschlafen. Oma musste dann immer die Sachen zur Seite räumen. Aber nur so lange, bis sie alles abgeholt haben. Vor dem Bau der Mauer, die Ostdeutschland - die DDR, von Westdeutschland trennte, konnten die Verwandten ihre Angehörigen ohne große Probleme einfach besuchen. Wenn die Tante ihre Mutter besuchte, hat sie also ihre Sachen mit in die neue Heimat tragen können. Unsere Oma ging oft mit uns in den Wald. Es waren nur ein paar Schritte, an der Rückseite des Hofes war eine Mauer mit einem ganz kleinen Türchen. Hinter dieser Mauer waren die Bahnschienen und der Wald. Wir haben dort Holz gesammelt und konnten im Wald herumtoben. Wir haben verstecken gespielt und die Oma ab und zu erschreckt. Einmal hatte sie schon so viel Reisig und Holzknüppel gesammelt und kam zu dem Platz wo wir alles aufgetürmt hatten. Ich versteckte mich hinter einem Baum und erschreckte sie. Da ließ sie vor Schreck das ganze Holz fallen und riss die Hände in die Höhe. „Kind,“ schrie sie, „willst du, dass ich einen Herzstillstand erleide?“ Ganz verschreckt stand ich da und erwartete eine Ohrfeige. Es kam aber keine.
Wir haben bei unserer Oma in Schönborn ganz andere Sachen zu essen bekommen als zu Hause bei unserer Oma und Mutti. Denn Oma Schönborn war etwas ärmer als wir. Das hat uns aber nichts ausgemacht, denn es war neu und es schmeckte immer wunderbar. Manchmal kamen unsere Cousins vorbei und wir spielten „Mensch ärgere dich nicht“, oder andere schöne Spiele wie Fangen und Gummitwist. Diese Ferienerlebnisse waren unsere schönsten, bis ich zwölf Jahre alt war, denn dann starb unsere Oma Schönborn.
Unser Laden, wie ich ihn kannte, war vor meiner Geburt eine Fleischerei. Der Großvater war Fleischer. Er verunglückte mit seinem Motorrad sehr früh, er wurde nur fünfundfünfzig Jahre alt. So gab es in unserem Haushalt keine männliche Person, weil unser Vater im Krieg war. Alle schweren körperlichen Arbeiten mussten die beiden Frauen allein erledigen und für die Tiere, die auf unserem Hof und Stall lebten, verschiedene Futter und Streumittel beim benachbarten Bauern erarbeiten. Fast den ganzen Sommer war unsere Mutti beim Nachbarn beschäftigt Heu zu wenden, Getreide zu ernten und beim Dreschen des Getreides zu helfen. Unser Nachbar hatte einen großen Bauernhof mit Pferden, Kühen, Schweinen, Gänsen, Hühnern und noch mehr.
Die Erntehelfer aßen zu Mittag alle gemeinsam an einem langen Tisch. Einmal stand auf dem Speiseplan das Essen Pellkartoffeln und Quark. Unsere Mutti kam herein und sagte: „ Mhm mein Lieblingsessen“. Einer der Knechte schimpfte: „Nee, kannste gleich ins Gesicht haben“. Klatsch, hatte sie einen Löffel Quark im Gesicht. So hatten sie alle ihren Spaß. Für die Arbeiten auf dem Bauernhof bekamen wir als Lohn etwas Weizen und für unsere Tiere Stroh. Wir hatten eine ganze Menge Tiere. Ein Schwein, ca. 6 -7 Gänse, ein paar Kaninchen und etliche Hühner. Auch wir Kinder halfen sehr früh, die Tiere zu versorgen, auf dem Feld Kartoffeln hacken, den Stall ausmisten und Gras für die Kaninchen holen. Kam mir dann doch mal die Idee, wie bei Max und Moritz, den Hühnern etwas Brot mit Likör getränkt zu fressen zu geben. Ich präparierte also ein paar Krümel und legte mich mit meiner Schwester auf die Lauer. Diese dummen Hühner, sie fressen wirklich alles was man ihnen vor die Füße wirft. Wir lagen also auf dem Bauch im Gras und beobachteten die gackernden Hühner. Plötzlich fingen sie immer lauter an zu gackern und torkelten von einem Bein auf das andere. Dann viel das erste um, dann das zweite und so weiter. Natürlich haben wir dafür alle beide den Hintern ganz schön voll bekommen. Trotzdem lagen wir abends in unseren Betten und lachten noch über die ulkige Situation. Am nächsten Morgen gingen die Hühner wieder ganz normal über den Hof. Auf dem Boden hatten wir in einer abgeteilten Kammer mit unseren Spielsachen schönen Platz zum Spielen. Meine Schwester hatte ihre eigene Sprache. Manchmal rief sie mich, ich solle mit auf den Boden kommen, weil wir dort filzen (Puppensachen nähen) wollten. Einmal haben wir uns wegen irgendeiner Sache gestritten und ich gab meiner Schwester eine Ohrfeige. Wir liefen jeder in ein anderes Zimmer und waren richtig traurig. Jeder für sich wollten wir unseren Kummer vergessen. Dabei habe ich auf einem Kinderstuhl eine Puppe aus Kleidern, einem Ball als Kopf mit einem Kopftuch, gebastelt. Nach einiger Zeit kam meine Schwester zur Tür herein, um mit mir zu sprechen. Ich hatte mich unter dem Tisch versteckt. Da sie annahm, ich würde auf dem Stuhl sitzen, stieß sie die Puppe an und der Kopf viel herunter. Zuerst war sie erschrocken. Aber dann haben wir beide gelacht.
Jeden Morgen um sechs Uhr kam das Milchauto aus der nahegelegenen Stadt von einer Molkerei, um von den Bauern aus den umliegenden Dörfern ihre Milchkannen mit der frisch gemolkenen Kuhmilch abzuholen. Es war genau festgelegt, wie viel sie abzugeben hatten. Die Milch wurde in der Molkerei aufbereitet, teils entfettet, damit Magermilch entstand, es wurde Butter hergestellt und dann an die Geschäfte verteilt. Es gab also bei uns Magermilch oder Vollmilch zu kaufen. Die Käufer kamen mit ihren Milchkannen, und mit einem Maßbecher wurde die Milch eingefüllt. Außerdem gab es in unserem Laden auch Mehl, Butter, Zucker, Waschpulver, Zigaretten, Knöpfe, jede Menge Bonbons und andere Artikel des täglichen Lebens. Immer wenn ich durch den Laden ging, nahm ich ein paar Bonbons aus dem Schraubglas zum Naschen mit. Damit wir auch Fleisch essen konnten, hat unsere Oma ab und zu eins der Tiere geschlachtet. Wenn meine Oma geschlachtet hat, musste ich zuschauen, um zu lernen, wie man das Fell von den Kaninchen abzog, wie es dann ausgeweidet wurde. Am schlimmsten fand ich die Art der Gänse Schlachtung da habe ich mich immer ganz schnell aus dem Staub gemacht. Nun wurde eines Tages unser Schwein geschlachtet. Das Schwein hat schon gespürt, dass es jetzt um Kopf und Schnauze ging. Es hat gequiekt und geschrien. Ich habe mich auf unserem Dachboden versteckt und die Ohren zugehalten, weil ich die ganze Prozedur sehr grausam fand.
Auf dem Dachboden gab es Kisten, Truhen, Schränke und viele Behältnisse. Ich habe in den alten Schränken viele alte Sachen unsere Oma aus der Zeit der früheren Schützenfeste gefunden. Alte lange Röcke und Oberteile waren da zu finden. Meine Schwester und ich, wir haben uns dort manchmal verkleidet und Dame und Herr gespielt. Das Verkleiden und Kramen in den Kisten war meine Ablenkung von den blutigen Dramen im Schlachthaus. Trotzdem fand ich es interessant, in die Tiere hineinzuschauen wenn sie geschlachtet wurden. Dabei hat uns unsere Oma wie eine Anatomie Lehrerin alles erklärt. Sie hat uns alle inneren Organe gezeigt, wo Herz, Leber, Nieren, Magen und Därme im Körper des Tieres lagen. Auf unserem Dachboden fand ich einmal ein dickes Buch über die Körperlehre und über Krankheiten. Das war sehr spannend. Es waren viele Abbildungen anzuschauen. Und ich konnte feststellen, dass vieles beim Menschen wie bei den Tieren vorhanden ist.
Oma war überhaupt eine sehr vielseitige Frau. Sie hat in ihrer Kindheit alles gelernt, oder sie hat sich vieles durch ihre Beschäftigungen im Haus, als Mutter, als Geschäftsfrau usw. angeeignet.
Aber sie war auch eine sehr strenge Erzieherin. Als Kinder bekamen wir sehr oft und bei jeder Kleinigkeit Prügel. Manchmal mit der Hand, aber sehr oft mit dem Teppichklopfer. Einmal bekam ich auch einen richtigen Holzstock, der zum Anbinden von Beerensträuchern gedacht war, zu spüren. Ich hatte dann ziemlich viele blaue Flecken. Da wir kein Badezimmer im Haus hatten wurde ab und zu in dem ehemaligen Schlachthaus der große Kessel angeheizt. In einer großen Zinkwanne konnten wir dann baden. Als ich nun mit dem blaugeschlagenen Rücken in der Wanne saß, kam gerade eine Nachbarin auf unseren Hof. Unsere Oma holte sie in das Waschhaus und zeigte ihr meinen geschundenen Rücken. Zucht und Ordnung gehörte früher dazu. Das heißt, die Nachbarin sollte sehen, dass bei ihr alles gut lief. Ich hatte mich jedoch geschämt. Wir haben ihr aber sehr viel zu verdanken: Lebensweisheiten und viele Dinge, die in Haus und Hof zu machen sind. Da sie in unserer Dorfschule Handarbeiten unterrichtete, ging ich schon als kleines Mädchen mit. Dadurch lernte ich sehr früh Stricken, Häkeln, Sticken und Nähen. Zuerst wurden Topflappen gestrickt. Zum Geburtstag sollte unsere Oma nun zwei gestrickte Topflappen bekommen. Der erste Topflappen war schnell fertig. Doch der zweite dauerte und dauerte – es ging einfach nicht vorwärts. Bald war nun der Tag gekommen, an welchem Oma Geburtstag hatte. Meine Schwester und ich zogen an dem zur Hälfte fertigen Topflappen so dass er endlich in die Länge gedehnt war. Er war nun genau so groß wie der erste. Wir waren sehr stolz. Die Freude schlug in Staunen um, der Topflappen ist in der Länge wieder zusammengeschrumpft, als er gewaschen wurde. Aber wir hatten doch als Erstlingswerk unserer Oma ein schönes Geschenk gemacht. Es wurde fast alles selbst gemacht. So hatte unsere Mutti an Weihnachten jedem eine Puppe selbst geschneidert und jedes Jahr gab es an Weihnachten wieder ein paar neue Anziehsachen für die Puppen. Die Schwester meiner Mutti, unsere Tante Erika, hatte das Schneidern in ihrer Ausbildung als Haushalthilfe erlernt. Sie ist dafür sehr weit von zu Hause weggegangen. Ihre Ausbildung machte sie in Nürnberg bei einer Familie mit Kindern, die sie als Hausmädchen mit betreute. So schneiderte sie auch für uns immer Kleider. Wir waren dann gekleidet wie Zwillinge.
Eines Tages waren wir mit Oma unterwegs um Gras für die Kaninchen an Wegen und Straßen vor unserem Haus und den anderen Häusern mit einer Sichel abzuschneiden und in einem großen Korb zu sammeln. Oma hat die größeren Flächen mit einer Sense bearbeitet. Sie war gerade dabei das Gras beim Nachbarn gegenüber abzuschneiden, meine Schwester und ich sammelten es ein.
So hockten wir in dem Straßengraben und sahen, dass von weitem eine ältere Frau auf dem Fahrrad daherkam. Es war die „Krügern“. Ich sagte zu meiner Schwester: „Wetten, dass ich mich von der Krügern überfahren lasse?“ Sie wettete natürlich dagegen. Doch Schwupps, warf ich mich bäuchlings auf den Weg, und Frau Krüger fuhr, hopp, über mich drüber. Natürlich konnte sie das Fahrrad nicht mehr halten und landete im Straßengraben. Wir rannten wie der Wind davon, hockten uns ins Gras und haben uns vor Lachen den Bauch gehalten. Das war das einzige Mal, dass unsere Oma mich nicht geschlagen hat, obwohl ich doch etwas angestellt hatte. Vielleicht war die Situation für sie auch ein wenig lustig, da nichts passiert war. Ich glaube sogar, dass die Frau Krüger ein wenig lachen musste, weil wir so kess waren.
Zur Fleischerei gehörten damals außer dem Schlachthaus eine Räucherkammer und ein Eiskeller. Der Eiskeller war in der Scheune genau in der Mitte eingebaut. Es waren vier oder fünf gemauerte Abteile auf der rechten Seite eingerichtet, wo an Stangen das Fleisch angehängt wurde. Gekühlt wurde folgendermaßen: Im Garten hinter der Scheune war der Teich etwa fünfzehn Meter lang und zehn Meter breit. Dort wurde im Winter das Eis vom Teich in den Eiskeller im hinteren Raum gebracht, es kühlte und taute mit der Zeit. In der Außenwand des Eiskellers war ein Abfluss eingerichtet, durch welchen das Tauwasser in einen Graben abfließen konnte. Das Wasser kehrte wieder in die Natur, den Teich, zurück. Damit war der Kreislauf geschlossen. Lange nachdem der Eiskeller nicht mehr genutzt wurde war die Temperatur im Innenraum immer noch sehr niedrig. Wenn wir Verstecken spielten und uns in eine der schmalen Kühlkammern hockten, bekamen wir ganz kalte Füße. Das ehemalige Schlachthaus wurde später als Waschküche benutzt. In dem großen Kessel wurde die Weißwäsche gekocht, in einer Zinkwanne auf einem Waschbrett geschrubbt, damit alles schön sauber wurde. Wir nutzten dazu meistens Regenwasser. Es stand daher eine große Wanne unter dem Regenabfluss. Wenn die Wanne vollgelaufen war, haben wir sie mit Eimern ausgeschöpft und in der Waschküche in weitere Zinkwannen gelagert. Natürlich haben wir uns dabei mit großer Freude gegenseitig nass gespritzt. Wenn Waschtag war, wurden über den ganzen Hof Wäscheleinen angebracht. Damit die Wäsche nicht auf die Erde reichte und wieder schmutzig wurde, gab es Wäschestützen. Sie wurden mit der Gabelung am oberen Ende unter die Wäscheleine geschoben. Diese Stangen waren aus dünnen Bäumchen von Oma selbst hergestellt worden und kamen nach Ende des Waschtages in eine Ecke in die Scheune. Natürlich hatten wir auch mit den Wäschestützen unseren Spaß. Wir rannten über den Hof und spielten Ritter bei einem Kampf. Ein Glück, dass nie etwas passiert ist mit den langen Stangen. Wäsche bügeln war eine recht schweißtreibende Arbeit. Wir hatten zuerst noch ein altes Bügeleisen, in denen ein Bolzen aus Eisen in der Glut im Küchenofen zum Erhitzen gelegt wurde. Dann wurde er mit einer Zange in das Bügeleisens getan. Man musste sehr flott über die Wäsche bügeln, weil sonst ganz leicht Verbrennungen des Stoffes die Folge war. Die Wäsche wurde mit Wasser eingesprengt, damit sie sich leichter bügeln ließ. Der Küchenofen wurde das ganze Jahr mit Holz und Brikett beheizt, weil Kochen, Braten und Backen dort erledigt wurden. An der Seite war ein gusseisernes großes Gefäß eingelassen, worin gleichzeitig das Wasser erhitzt wurde. So hatte man ständig warmes Wasser. Man konnte die einzelnen Ringe über dem Feuer herausnehmen, um direkt auf dem Feuer ein eisernes Waffeleisen zu stellen. Die Waffeln waren bei uns sehr beliebt.
