Die Eishockey Pinguine - Elke Pfesdorf - E-Book

Die Eishockey Pinguine E-Book

Elke Pfesdorf

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Beschreibung

Nach der Sommerpause läuft bei den Steinheimer Pinguinen nichts mehr zusammen. Die Saison beginnt mit einer Niederlage. Anstatt wie ein richtiges Team zusammenzuhalten, gibt es Streit. Beim ersten Auswärtsturnier passiert eine Katastrophe: Als sich alle während der Fahrt über die Stille im Bus wundern, wird auf einmal klar: Max fehlt! Wo ist er nur geblieben? Am Morgen war er noch dabei! Zum Umkehren ist es zu spät, aber ohne Max spielen? Als alles verloren scheint, liefern die Pinguine das Spiel ihres Lebens ab...

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Ein Dankeschön an alle Pinguine, die Ideen, Sprüche und Taten lieferten!

Die Personen sind natürlich ausgedacht, aber einigen Paten danke ich besonders, nämlich Britta, Celina, Jessica, Achim, Phillipp, Tarek und Wieland.

Inhaltsverzeichnis

Das erste Heimspiel

Wie ein Haufen wilder Affen

Das Geschenk

Party in der Nacht

Geburtstag auf dem Eis

Ein kleiner Pinguin legt los

Scharfe Kufen

Schokolade im Gepäck

Wer wird Oberpinguin?

Max in Gefahr

Einer fehlt

Panter gegen Pinguine

Die Abrechnung

Achtung Kringeldreher!

Immer schön winken

Der Countdown läuft

Gefahr in der Dusche

In letzter Sekunde

Eishockeylexikon

Das erste Heimspiel

„Verkehrt! Ganz falsch! Die Gegner haben schon fünf Tore! Das sechste darf ihnen nicht gelingen! Wir verlieren!“

Daniel, der Stürmer der Steinheimer Pinguine, konzentrierte sich auf die blaue Gummischeibe und sprintete auf seinen Schlittschuhen1 über die glatte Fläche.

„Ich krieg ihn, ich krieg ihn!“, murmelte er vor sich hin. „Ich werde das Tor verhindern!“

Doch er war nicht schnell genug. Gleich würde der Puck an ihm vorbeizischen, unerreichbar. Er renkte sich fast den Arm aus, als er den Schläger nach vorne schob. Er kam ins Straucheln, klammerte sich an den Schläger aber verlor den Puck nicht aus dem Auge. Ein Schritt nach vorne, Daniel erwischte die Scheibe gerade noch. Mit einem hellen „Plock“ traf sie auf die Schlägerkelle. Doch der Puck sprang über die Kelle und flog hoch in Luft, weiter in Richtung Pinguin-Tor. Daniel wurde heiß. „Nein! Bloß kein Eigentor!“, dachte er.

Eine tiefe Kerbe im Eis ließ ihm keine Chance - er fiel hin. Auf dem Bauch rutschte er über die Eisfläche. Schnell drehte er den Kopf zur Seite, um zu sehen, wohin der Puck flog. Die Torhüterin seiner Mannschaft stand im richtigen Winkel. „Bitte Kristin, schnapp dir den Puck!“, flehte Daniel im Stillen. Und Daniels Bitte wurde erhört. Der große Fanghandschuh klappte sich auf und pflückte die Scheibe aus der Luft. Daniel atmete auf und rappelte sich hoch.

„Gut gemacht, Schwesterherz!“, lobte er die Torhüterin und klopfte ihr erleichtert mit seinen dicken schwarzen Handschuhen auf den Helm. „Das war aber eine ganz miese Aktion von dir!“, schimpfte Kristin unter ihrem vergitterten Helm hervor.

Da kam von der anderen Seite schon Max angerauscht und schrie: „Nicht rumstehen jetzt. Wir brauchen noch Punkte! Gebt Gas!“ Kristin ließ die Scheibe aus der Fanghand in die Finger des Schiedsrichters fallen.

Am Anspielpunkt im Bullykreis stellte sich Daniel auf. Er ging leicht in die Knie und drückte den Schläger auf das Eis.

Ein Spieler der gegnerischen Mannschaft, der Riedweiler Eisbären, glitt heran und baute sich gegenüber Daniel auf. Er hatte ein grimmiges Lächeln auf den Lippen und zischte Daniel entgegen: „Heute machen wir euch fertig!“

Der Schiedsrichter warf den Puck zwischen die Schlägerkellen. Daniel erwischte die Scheibe zuerst und schoss sie Richtung Bande. Eigentlich sollte Max dort lauern.

Doch die Nummer 4 war nicht zu sehen. Also raste Daniel selbst zur Seite und holte sich den Abpraller. Wo war Saskia, seine Partnerin im Sturm? Er wollte ihr einen Pass zuspielen, doch Saskia wurde von einem Gegenspieler gedeckt. Und Daniel selbst hatte auch schon einen Riedweiler Eisbären auf den Fersen. Tapfer dribbelte er den Puck alleine weiter Richtung gegnerisches Tor. Der Eisbär kam näher, versuchte Daniel zur Seite zu drängen. Aber der wollte seine schlechte Vorstellung von eben wieder gut machen. Er beschleunigte weiter und wehrte den Gegner ab so gut es ging. Sein Kopf ging nach oben, so wie sie das im Training tausend Mal geübt hatten, und er visierte das Tor an.

„Jetzt treffe ich!“, machte sich Daniel Mut.

Der Torhüter der Eisbären kam ein Stück aus seinem Gehäuse heraus. Eine furchterregend große Gestalt mit einem brüllenden Bären auf dem Helm.

„Schieß!“, brüllte Max.

Daniel blinzelte nur kurz. Er legte sich den Puck vor und holte mit dem Schläger aus. Er schlenzte die Scheibe mit Schwung aus dem Handgelenk auf das Tor. „Kloing!“, hörte er. Der Puck war oben an der Metallstange des Tores abgeprallt und sprang zurück auf die Eisfläche.

“Nein!“, flüsterte Daniel und blieb stocksteif stehen, anstatt dem Puck nachzusetzen. Der Eisbär, der ihn eben verfolgt hatte, brachte den Puck aus der Gefahrenzone.

In diesem Spiel gelang den Pinguinen nicht mehr viel. Kristin verhinderte einige Tore der Spieler aus Riedweiler, aber weder Daniel noch Sophie oder Saskia gelang ein weiterer Treffer für die Pinguine. Als die Sirene zum Ende des Spiels aufheulte, warfen die Eisbären vor Freude die Schläger auf das Eis und die Handschuhe in die Luft. Daniel hätte am liebsten sofort die Eisfläche verlassen, doch er brachte die Verabschiedung noch hinter sich. In einer langen Reihe fuhren Eisbären und Pinguine aneinander vorbei. Ihre Hände klatschten sich ab. Die Eisbären konnten sich ein triumphierendes Grinsen und ein paar hämische Kommentare nicht verkneifen. Daniel fuhr mit hängenden Schultern vom Eis. Die Trainerin Julia öffnete die Tür in der Bande und ließ die Mannschaft heraus.

„Setzt euch bitte noch einmal hier auf die Bank.“

Ein Pinguin nach dem anderen suchte sich einen Platz und ließ sich kraftlos fallen.

„Menno, ich hab‘ keinen Bock mehr“, maulte Max.

Der ruhige Tim schniefte ein wenig. Felix, der ziemlich pummelig war, keuchte vor sich hin wie eine Lokomotive am Berg. Die Mädchen Sophie, Saskia und Kristin saßen nebeneinander und warfen nervöse Blicke auf ihre Trainerin.

„Wir hätten eine Standpauke verdient!“, dachte Kristin. „Heute lief überhaupt nichts zusammen.“

Julia schwang sich auf die Bande. Sie strich sich eine Strähne ihres roten Haares hinter das Ohr.

„He, Leute, das war unser allererstes Spiel in dieser Saison. Wir hatten vorher gerade zwei Mal Training. Die Eisbären trainieren schon seit Wochen wieder, weil es in ihrer Eishalle früher möglich war. Den Luxus haben wir in Steinheim nicht. Im Sommer gibt es eben vier Monate kein Eis.“

Max stand auf. „Dann ist ja alles klar!“, brüllte er und wollte in die Kabine.

Julia hielt ihn zurück: „Moment. Ich bin noch nicht fertig. Einige Dinge in eurem Spiel haben mir gut gefallen. Daniel, du hast oft für Gefahr vor dem Tor der Eisbären gesorgt und zwar meistens im Zusammenspiel mit Saskia. Prima, so soll es sein. Tim, du hast gekämpft und dich durchgesetzt, das war super. Und deine Glanztaten, Kristin, haben Schlimmeres verhindert. Sechs zu zwei, ärgerlich, aber Schwamm drüber. Das nächste Spiel wird wieder besser. Da bin ich mir ganz sicher. Und jetzt möchte ich unseren Torspruch hören.“

Unaufgefordert holte Max tief Luft. Er war einfach der lauteste und schrie mit fast überschnappender Stimme: „Pinguine!“

Seine Mannschaftskollegen antworteten: „Spielen!“ Es klang noch etwas gedämpft.

Max sprang in die Luft und rief wieder „Pinguine!“ Er bekam die Antwort „Kämpfen!“, schon ein wenig lauter.

Zum dritten Mal erklang „Pinguine!“, und mit dem lärmenden Ruf „Siegen!“ war Max zufrieden.

„Nach dem nächsten Training wählen wir offiziell den Mannschaftskapitän!“, bestimmte Julia, bevor sie die Kinder entließ.

1 Die schräg gedruckten Wörter sind Eishockeybegriffe, die am Ende des Buches erklärt werden. Schau auf Seite 124 nach.

Wie ein Haufen wilder Affen

Der Trainer der siegreichen Panter fing Julia ab und verwickelte sie in ein Gespräch. Die Pinguine stiefelten zur Umkleidekabine. Max schälte sich aus seiner Eishockeyrüstung. Die Lederhandschuhe flogen in die Tasche, die fast so groß war, wie Max selbst. Unter dem Helm kamen kurze, nasse, blonde Haare zum Vorschein. Überall in der Kabine hörte man, wie Klettband knisternd auseinandergezogen wurde.

Kehlkopfschutz, Schienbeinschoner, Brustpanzer, Ellbogenschoner und Schlittschuhe verschwanden in den Taschen oder unter den Holzbänken. Besonders Daniel schaffte es selten, alle 14 Teile komplett nach Hause zu bringen. Tim kam, in ein Handtuch gewickelt, aus dem angrenzenden Waschraum zurück. Sein Mund war zu einem Strich verzogen. Er hatte die Niederlage noch nicht verdaut. Zornig kickte Tim seine Badeschlappen von den Füßen. Einer landete in Max‘ Tasche.

„Ey, pass auf!“, schimpfte der und warf den Schuh quer durch die Kabine. Er traf Daniels Kopf. Der pfefferte den Badeschlappen erbost weiter. Diesmal wurde Felix schwabbeliger Bauch getroffen. Felix schrie auf. Die Sohle hinterließ einen roten Abdruck. Max kicherte boshaft. „Den Dickmops kann man kaum verfehlen“, und dann sang er laut vor sich hin: „Schwabbel-Schwabbel-Pups!“

Jetzt war nicht nur der Bauch von Felix rot, die Farbe breitete sich auch in seinem Gesicht aus. Der ganze Felix glühte. Er drehte sich mit dem Kopf zur Wand und zog hastig sein großes T-Shirt über. Kristin hörte ihn leise vor sich hin murmeln.

Daniel wühlte in der Tasche. „Wo ist denn bloß mein Shampoo?“, fragte er.

Max gab keine Ruhe. „Ey, Felix, du musst duschen gehen. Du hast geschwitzt! Und wie dein Speck geschwitzt hat! Ekelhaft!“, brüllte Max angriffslustig durch die Kabine.

Tim sammelte seinen Badeschlappen ein. Er sah Max nicht an, sondern blickte beschämt auf den Boden. Warum konnte Max den friedlichen Felix nicht in Ruhe lassen?

„Und du, Saskia, los, ab unter das Wasser!“, kommandierte Max. Saskia giftete Max an: „Mund halten. Du hast überhaupt nichts zu melden!“

Daniel merkte, wie Max sauer wurde. Das ging bei Max schnell wie bei der Feuerwehr. Seine Wangen pumpten sich auf, die Stirn legte sich in ärgerliche Falten und er beugte seinen Oberkörper drohend nach vorne. Er sah aus wie ein aufgeblasener Gartenzwerg. Daniel musste sich das Grinsen verbeißen. Allerdings war mit Max in dieser Stimmung nicht zu spaßen. Zielsicher konnte er dorthin treten, wo es weh tat, und seine Schläge hatten es in sich. Er nahm keine Rücksicht auf Freund oder Feind. In seinem Zorn drosch Max auf alles ein, was ihm im Weg stand. Daniel überlegte, wie er ihn stoppen könnte, falls er loslegen sollte. Ihm fiel nichts ein. Dafür merkte er, dass er seine Trinkflasche auf dem Eis an der Bande vergessen hatte. Jetzt hatte er wenigstens einen Grund, die Kabine mit der dicken Luft zu verlassen. In seiner Unterwäsche flitzte er in die Eishalle. Klirrend kalte Luft schlug ihm entgegen. Er bekam eine Gänsehaut.

„Du bist feige!“, hämmerte sein Gewissen bei jedem Schritt. „Auf dich hört Max manchmal. Du hättest etwas sagen sollen. Der arme Felix kann sich nicht wehren. Max wird ausrasten und du bist nicht unschuldig daran!“

Daniel lief auf Socken weiter über den frostigen Boden und angelte sich seine Trinkflasche. Als er die Kabinentür wieder öffnete, brüllte Max, dass die Bänke wackelten. Jemand schluchzte. Daniel erkannte die Stimme seiner Schwester, die sich laut zu Wort meldete. „Jetzt ist sofort Schluss mit dem Theater!“, rief Kristin.

Tatsächlich verstummte Max. Die Schluchzer wurden leiser.

Kristin sagte: „Wir sind überhaupt keine Mannschaft. Jeder denkt nur an sich. Auf dem Eis klappt nichts. In der Kabine wird nur gestänkert. Wir sind echt keine Mannschaft“, wiederholte sie. „Wir sind ein Haufen wilder Affen!“

Alle schwiegen. Kristins Worte hatten gesessen. Sophie hatte ihren Arm um Felix‘ Schultern gelegt. Tim strich Saskia unbeholfen über die Hand. Daniels schlechtes Gewissen meldete sich zurück. „Wenn ich rechtzeitig etwas zu Max gesagt hätte, wäre es gar nicht zu diesem Wutausbruch gekommen.“

Daniel bemerkte, dass sich Saskia das Schienbein massierte. Felix putzte sich geräuschvoll die Nase. Max schlich zu Felix. Er stupste ihn mit dem dicken Zeh an. „Entschuldigung. Tut mir leid.“

Felix nickte. Zu Saskia sagte Max: „Ich mache es nicht wieder, versprochen. Ich trete nicht mehr mit meiner eisenharten Ferse an dein Bein.“

Saskia beachtete ihn nicht. Max zog ab. Schweigend griff er nach seinem Handtuch und trollte sich in den angrenzenden Duschraum.

„Wo hast du gesteckt?“, kofferte Kristin ihren jüngeren Bruder an. Daniel hielt seine Flasche hoch und wurde ein bisschen rot. Kristin schaute ihn mit zusammengekniffenen Augen an. Daniel las in ihrem Gesicht die Anschuldigungen: „Auf dich kann man sich nicht verlassen. Du bist ein Feigling!“

Daniels Mund wurde trocken. Er hasste es, wenn Kristin ihn so ansah. Sie brauchte nichts sagen. Er wusste genau, was sie meinte. Und sie hatte recht. Das war das Schlimmste an der Sache. Er ließ sie ständig im Stich, wenn Max ausrastete oder es zu Streitereien kam. Kristin konnte vermitteln, Daniel gelang das nicht besonders gut. Aber deshalb musste sie ihn nicht jedes Mal zur Schnecke machen, ärgerte sich Daniel. Er nahm einen kräftigen Zug aus der Flasche und verschluckte sich. Er hustete immer noch, als sie durch die Eishalle gingen.

„Noch keiner da, der uns abholt!“, meldete Max. „Warum hatten wir heute nur so wenig Zuschauer?“, fragte er.

Seine nassen Haare standen wild in alle Richtungen ab. Daniel zuckte ratlos mit den Schultern. „Das erste Saisonspiel ist meistens noch nicht besonders toll anzusehen. Mein Vater hat gesagt, dass er lieber beim nächsten Turnier dabei ist!“

Max, Kristin und Daniel stellten sich an die Bande. Die Eiskunstläufer hatten das Eis übernommen. Vier Mädchen glitten elegant über die spiegelglatte Fläche, kritisch beobachtet von der Trainerin Frau Klemens.

Die wurde von den Pinguinen nur verächtlich Klementine genannt. Ein Kind in einem hellblauen kurzen Rock sprang in die Luft. Sein blonder Zopf wippte mit. Seine dicken Wangen waren vor Aufregung gerötet. Es kam ins Straucheln. Kristin hielt unwillkürlich den Atem an. „Wenn sie jetzt stürzt? Auf das harte Eis? Das tut richtig weh!“

Die Kunstläufer hatten keinerlei Schützer und keinen Helm. Das Mädchen fand ihr Gleichgewicht nicht wieder. Es fiel hin. Genau auf das Knie. Die Kunstläuferin rutschte ein Stück weiter. Max kommentierte herzlos: „Dumm gelaufen!“

Kristin bemerkte, wie das kleine Mädchen die Lippen zusammenbiss und wieder aufstand. Vorsichtig fuhr es weiter.

Die Trainerin Frau Klemens strafte die Ungeschickte mit bösen Blicken. Sie dachte nicht daran, ihre Schülerin zu trösten. Die Übungen gingen weiter. Kristin bemerkte, dass das Kind im hellblauen Rock humpelte. Schließlich verließ es das Eis und setzte sich weinend auf die Bank. Kristin ging zu dem Mädchen hinüber. „Ist die immer so gemein?“, fragte Kristin und wies mit ihrem Kopf auf die Trainerin. Das Mädchen schluchzte und nickte zögernd. Es wischte sich mit dem Ärmel die Tränen ab und rieb mit der Hand über das Knie. „Frau Klemens meckert mich immer an. Nur weil ich nicht so gut bin wie die anderen. Im letzten Wettkampf war ich Vorletzte.“

Das Mädchen seufzte laut. „Frau Klemens war richtig sauer und hat mich angeschrien. Und Laura, die hat einen Pokal bekommen und hat mich gemein angegrinst.“

Eine dicke Träne kullerte ihre Wange herunter. Kristin schaute ärgerlich über das Eis. Ungerechte Leute konnte sie nicht ausstehen. Daniel schob sich näher heran. „Wir haben heute auch verloren!“, wollte er trösten.

Max brüllte böse: „Seit wann reden wir mit den Kringeldrehern?“, pöbelte er laut.

Kristin bekam diesen merkwürdigen Blick. Ihre Augen hinter der Brille glitzerten gefährlich, eine steile Falte grub sich über ihrer Nase ein. Kristins Mund verzog sich wie ein zackiger Blitz und warnte vor dem Donner, der gleich aus ihr herausbrechen würde. Max verstummte sofort. „Sie hat sich weh getan!“, pflaumte Kristin den Jungen an.

Bevor Max ein verächtliches „Pfff!“, hören lassen konnte, schaltete sich Daniel ein. „Kristin hat ein Helfersyndrom!“

„Hilfe, ist das Helfer-Dingsbums ansteckend?“, schrie Max und rückte erschrocken einen halben Meter von Kristin ab.

„Das bedeutet, dass Kristin unbedingt immer die unterstützen muss, die in Not sind!“, erklärte Daniel.

Die Miene von Max war ein großes Fragezeichen. Die Kunstläuferin lächelte ein bisschen. Das verging ihr sofort, denn Frau Klemens keifte: „Alina, los, du bist zum Trainieren hier. Ausgerechnet du hast es nötig. Also mach deine Pausen zu Hause und komm auf das Eis.“

Alina stand mühsam auf. Sie drehte ihre Füße in den weißen Schlittschuhen hin und her. Ihre Nase lief. Eine andere Kunstläufern zickelte: „Du hast es gehört. Du muss wirklich an deinem Dreier-Sprung arbeiten.“

„Wetten, diese fiese Göre ist Laura!“, vermutete Daniel. „Und ich bin Daniel Mac Sherlock und löse jeden hoffnungslosen Fall!“

„Dann ist es deiner Aufmerksamkeit sicher nicht entgangen, dass dort an der Tür unsere Mutter steht!“, antwortete Kristin ihm hoheitsvoll. Max brüllte weniger elegant: „Abgeholt! Endlich hat die Kunstlauf-Kacke ein Ende. Die haben alle eine Macke!“, dichtete er und tippte sich vielsagend an die Stirn.

Das Geschenk

Am nächsten Tag atmete Daniel auf, als die Schulglocke den Unterricht beendete. Daniel warf seine Stifte einzeln in den Schulranzen und stopfte das Mathebuch dazu. Bevor sein Klassenlehrer noch etwas zu Daniels Träumereien sagen konnte, war der Junge durch die Tür nach draußen geschlüpft.

„Als ob ich heute Zeit für Zahlen hätte. Ich muss mir ein Geburtstagsgeschenk für Kristin überlegen! Es ist allerhöchste Eisenbahn“, murmelte Daniel vor sich hin.

Die wenigen Münzen seines restlichen Taschengeldes klimperten in der Hosentasche und vergrößerten das Problem. Mit den paar Kröten war nicht viel zu reißen. Hin und her waren seine Gedanken bereits geeilt. Von einem Quartettspiel bis zu einem Füller war ihm alles zu doof oder zu teuer erschienen. Daniel riss seine Jacke vom Haken und stürmte aus dem Schulgebäude. Max, der mit ihm in einer Klasse war, musste noch eine Stunde Förderunterricht über sich ergehen lassen. Daniel hatte die sehnsüchtigen Blicke seines Freundes gespürt, die er ihm nachgeworfen hatte.