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Die 200 besten Tricks von Eltern für Eltern Wie wäre es, wenn Sie bei Ihrem wild entschlossenen Zahnputzverweigerer mal die verrückte Zahnbürste ausprobieren? Oder gemeinsam mit Ihrer notorischen Gemüseverächterin Paprikastücke knabbernd in Haifische verwandeln? Stress beim Essen, Gequengel beim Einkaufen, Chaos im Kinderzimmer: Eltern müssen im Alltag mit ihren Kindern von 0 bis 10 Jahren täglich zahllose Hürden nehmen - unterwegs oder als Familie zu Hause. Die Eltern-Trickkiste verrät ganz praktische Tipps und Ideen von erfahrenen Müttern und Vätern, die Eltern helfen, alle typischen Alltagssituationen entspannter, gelassener und fröhlicher zu meistern. Dieser GU-Ratgeber ist nach "Problemzonen" eingeteilt: Im Bad, Beim Essen, Schlafen, Unterwegs ... So findet jeder schnell die Idee, die gerade weiterhilft. Ein Eltern-Extra bietet in jedem Kapitel praktische Ideen, die die Eltern und ihre Beziehung stärken. Das Buch ist fundiert, aber leicht zugänglich. So macht es Freude, auch einfach darin zu blättern, sich inspirieren zu lassen, Beschäftigungsmöglichkeiten zu entdecken und sich den einen oder anderen Trick zum Ausprobieren auszusuchen.
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Seitenzahl: 240
Veröffentlichungsjahr: 2011
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Projektleitung:Barbara Fellenberg
Lektorat: Sylvie Hinderberger
E-Book-Umsetzung: le-tex publishing services GmbH
E-Book-Redaktion: Anke Meierhenrich
E-Book-Herstellung: Simone Sauerbeck
Fotos: Corbis; Getty; M. Hoffmann; Masterfile; Picturepress; Plainpicture
Illustrationen: Michael Wirth
ISBN 978-3-8338-2541-5
5. Auflage 2018
Syndication: www.seasons.agency
Das vorliegende E-Book basiert auf der 13. Auflage der Printausgabe.
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Den Alltag »verfröhlichen«
»VERSPRICH MIR EINS«, forderte meine Freundin Inge, »du musst ein Buch über all deine Erziehungstipps und -tricks schreiben!« Und hier ist es: mein »Ideenwerk«, das Krisengebiete des Familienalltags entschärfen und das Zusammenleben von Groß und Klein entspannter und glücklicher machen kann. Diese oft ganz kleinen »Rezepte« wurden früher, als es noch mehr Kinder gab und Familien enger zusammenlebten, von Generation zu Generation einfach abgeguckt. Doch heute befinden sich junge Eltern häufig in einer ihnen völlig unbekannten Lebenssituation, allein auf sich gestellt, unsicher, bisweilen überfordert. Zumal der Nachwuchs von manchen als Tyrannen oder »Generation Doof« abgestempelt wird, den nur Super-Nannys bändigen können. Dabei sind Kinder ein Geschenk, eine bereichernde Herausforderung, ein Lebenselixier und eins der wirklich wunderbaren Abenteuer dieser Welt.
Das Großziehen kostet natürlich schon mal Nerven. Wie wird Zähneputzen interessant? Womit lässt sich der weinende Sprössling an der Kindergartentür beruhigen? Eltern müssen Lösungen für all diese Situationen selbst erfinden. Das fand ich ärgerlich – und begann Ideen zu sammeln, die den Familienalltag »verfröhlichen«. Etliche stammen aus meiner Kindheit, andere habe ich selbst erdacht oder von kundigen Müttern aus meinem Freundeskreis übernommen. So fußt die »Eltern-Trickkiste« auf Erfahrungen statt akademischen Erkenntnissen – wenngleich sich vieles wissenschaftlich untermauern lässt. Es geht jedoch um Praxis, nicht um Theorie.
Dieses Buch enthält viele Anregungen für ein entspanntes Miteinander, aber keine Patentrezepte. Denn so etwas gibt es nicht. Jeder Mensch ist ein Individuum, jedes Kind reagiert anders. Deshalb müssen Sie ausprobieren, welcher Tipp oder Trick zur Situation und zu Ihrem Kind passt – und zu Ihnen selbst. Aus diesem Buch sollten Sie nur das auswählen, was Ihnen zusagt. Natürlich nutzt sich jede Idee irgendwann ab. Auf das Jonglieren mit verschiedenen Komponenten kommt es also an – und auf das Ersinnen von neuen. Viel Spaß dabei!
Ute Glaser
Abschied vom »nicht«
VIELE ELTERN FORMULIEREN NICHT DAS, was das Kind tun soll, sondern das, was es nicht tun soll. Statt »Schau die frische Farbe nur mit den Augen an« sagen sie »Fass ja die frische Farbe nicht an!«.
Das ist tückisch. Denn das Gehirn empfängt die Worte, kreiert ein Bild dazu und verarbeitet erst im nächsten Schritt, was es mit der Information machen soll – in diesem Fall »die Farbe nicht anfassen«. Ein Kind ist in diesem komplizierten Prozess ungeübt und überhört das »nicht«. Es hört gewissermaßen nur: »Fass die frische Farbe an« – und tut dann vermutlich genau das. (Denken Sie mal nicht an einen Affen in Unterhose! Und? Was sehen Sie?) Die Folge: Das Kind bekommt Schimpfe für die bunten Hände (»Ich habe doch gesagt, fass die Farbe nicht an!«) und wird verunsichert.
Wer also möchte, dass der Sprössling etwas tut oder lässt, sollte den Wunsch positiv formulieren und Verneinungen meiden: »Nur gucken« statt »Nicht anfassen«, »Geh langsam« statt »Renne nicht« oder »Am Zaun ist Ende« statt »Du darfst nicht auf die Straße«. Am effektivsten sind klare Ansagen.
Konkret benennen, was das Kind tun soll
KLARE WORTE SIND FÜRS KIND eine Hilfe, damit es weiß, was es tun oder lassen soll. »Stell deine Füße ruhig auf den Boden« ist für den Sprössling eine verständlichere Handlungsanweisung als das globale »Sitz still« – denn vielleicht meint der kleine Zappelphilipp, das täte er längst. Auch ein »Reiche dem Lars die Hand und entschuldige dich« ist hilfreicher als ein »Vertragt euch wieder« – denn das Kind hat womöglich keine Ahnung, wie es das anstellen soll. Warum es wichtig ist, Klartext zu reden, statt Botschaften zu verklausulieren? Weil sonst dem Kind manchmal sogar etwas Falsches eingeredet wird. Besonders deutlich wird das an dem bei Eltern gängigen Satz: »Pass auf, du fällst!« Genau genommen ist er kompletter Unsinn, denn er wird nie zu einem fallenden Kind gesagt, sondern immer zu einem, das stolz wie Oskar in rasantem Tempo daherflitzt. Was Mama oder Papa eigentlich sagen will: »Du läufst so schnell, dass ich Angst habe, du könntest fallen, deshalb pass auf, dass das nicht passiert.« Das wird verkürzt zu »Pass auf, du fällst!«.
Und was löst der Satz beim Kind aus? Entweder fällt es nun tatsächlich hin, weil es als braves Kind dem (vermeintlichen) Befehl »Du fällst!« genauso gehorcht wie »Du lässt das liegen!«. Oder es läuft weiter und merkt: »Ich bin gar nicht hingefallen, meine Eltern hatten Unrecht.« Das kann bei Wiederholungen fatale Folgen haben: Wie mag das Kind reagieren, wenn seine Eltern später sagen »Drogen machen abhängig«?
Was hätte die ängstliche Mama ihrem kleinen Flitzer also zurufen können? Das, was er konkret tun soll: »Lauf langsamer!« oder »Schau, wo du hinläufst!« oder »Stopp! Bleib sofort stehen!«.
Beim Essen forderte ich von meiner Tochter: »Mach bitte erst den Mund leer, bevor du sprichst!« Sofort spuckte sie das Angekaute aus und plapperte weiter. Ich musste über diese wortgetreue Wunscherfüllung lachen. Künftig hieß es: »Erst kauen und runterschlucken, dann sprechen.«
Alles, was gesagt wird, wirkt auf die Seele
SCHON DIE LATEINER SAGTEN »Nomen est omen«, und der Volksmund warnt »Beschrei es nicht!«. Dahinter steckt die Erfahrung: Jedes Wort wirkt. Stärken Sie also Ihr Kind mit schönen Äußerungen, statt es mit negativen zu schwächen. Wohlgemerkt: Schöne Worte sind keineswegs Schmeicheleien! Wenn jemand zu Ihnen sagt »Sie sehen heute aber gut aus«, strahlen Sie wahrscheinlich automatisch, wogegen ein »Sie wirken irgendwie krank« aufs angeknackste Befinden noch ein Negativschüppchen draufhäuft. Auch manche scherzhaft gemeinte Formulierung wie »Na, kannst du das auch nicht? – War nur ein Witz!« empfindet das Gegenüber gar nicht lustig. Denn jede Botschaft kommt an – im Gehirn und in der Seele. Dort wirkt sie unmittelbar und lässt sich im Nachhinein schlecht relativieren.
Klinische Studien haben anhand von Kernspintests gezeigt, dass bei einer Beleidigung dieselben Areale im Gehirn reagieren wie bei einem tätlichen Angriff. Das heißt, das Gehirn unterscheidet nicht zwischen seelischer und körperlicher Verletzung. Folglich empfindet das Opfer auch dasselbe. Nicht umsonst wird eine fiese verbale Attacke als Schlag unter die Gürtellinie bezeichnet. Wer als Kind mit Wort-Hieben wie »Du kannst ja nichts«, »Du bist strohdumm« oder »Du Quälgeist« traktiert wird, leidet darunter oft lebenslang. Selbst ein einziger Satz kann verheerende Folgen haben, wenn er das Kind bloßstellt oder beschämt. Dabei sind motivierende Formulierungen so einfach: »Hat nicht geklappt, probier’s noch mal« oder »Los, zweiter Versuch, ich weiß, du schaffst es«. Streicheln Sie doch mal die Seele Ihres Kindes mit schönen Worten wie »Du hast eine gute Stimme«, »Du Schlaufuchs!« oder »Toll, wie du das gemacht hast!« – und stärken Sie es so.
Kleine Sätze, große Wirkung
WER WEISS, DASS WORTE wie Waffen wirken können (siehe oben), setzt sie am besten gezielt als Motivationshelfer ein, wenn das Kind zu etwas angespornt werden soll: »Wer so schnelle Beine hat, kann zum Nachbarn flitzen und die Zeitung holen!«, könnte es heißen. Oder: »Oma hat erzählt, du kannst ganz allein das Besteck einsortieren, jetzt bin ich aber gespannt!«
»Mach etwas mehr mit, und du bekommst eine Zwei«, sagte mein Geschichtslehrer. Der Lohn reizte mich, »etwas« klang machbar. Mit dem Tun kam der Spaß. Später studierte ich Geschichte!
Weniger ist mehr, wenn’s nutzen soll
MANCHES KLEINKIND, das die Welt entdecken will und von überbesorgten Eltern in enge Schranken gewiesen wird, hört andauernd ein »Nein«. Dabei sollten Erwachsene genau überlegen, welchen Versuch und welche Handlung des Kindes sie mit diesem Wort abwürgen. Denn sie verhindern damit, dass das Kind Erfahrungen macht, und bremsen seine Entdeckerfreude. Wie oft deckeln Eltern ihr Kleinkind mit »Nein!«, wenn es auf einen Baumstumpf zu klettern versucht, sich bei wackeligen Gehversuchen an der Stehlampe abstützt oder die Hand nach dem Blatt einer Topfpflanze ausstreckt. Was ist schlimm daran, ein Blättchen zu befühlen oder gar abzurupfen?
Natürlich möchte niemand, dass die Pflanze alle Blätter auf diese Weise verliert. Aber wer Kinder beobachtet, merkt schnell, dass ihnen oft ein Teil – in diesem Fall ein Blatt – genügt. Dann wissen sie, wie es sich anfühlt, sie haben es buchstäblich be-griffen. Anschließend gehen sie zum nächsten Erkundungsobjekt über. Vielleicht zur Blumenerde.
Natürlich können Sie nicht alles tolerieren. Aber es gibt meist Besseres als ein plattes »Nein!«. Um beim Blumenbeispiel zu bleiben: Sie könnten gleich zu Anfang erklären: »Nur fühlen!« Oder wenn Sie merken, das Blatt soll abgerissen werden, könnten Sie sagen: »Nur ein Blatt!« Besser wäre es sogar noch, sich erst beim zweiten Ausstrecken der Hand einzumischen: »Hände weg! Du hast ein Blatt, das ist genug. Die Pflanze will ja weiterleben.« Geht der nächste Griff zur Blumenerde, könnte es – statt »Nein« – im Warnton heißen: »Nur gucken!« (Falls Ihr Kind nicht lockerlässt: Lenken Sie sein Interesse auf eine interessante Alternative – siehe Universalrezepte (>)und (>).)
Wenn der Griff zum Blumenblatt genauso »Nein« ist wie der zur heißen Herdplatte, merkt ein pfiffiges Kind schnell, dass das Blatt harmlos ist – und denkt das von der Herdplatte vielleicht auch. Noch fataler ist es, wenn Eltern häufig mit Nein etwas verbieten, es aber nicht durchsetzen. Dann nimmt das Kind von diesem Wort kaum noch Notiz. Und so verpufft ein wichtiges Nein – etwa beim Griff zur brennenden Kerze – womöglich »ungehört«.
»Tabu« – ein Wort wie eine rote Ampel
EIN KLEINKIND HÖRT naturgemäß öfters »Nein«, selbst wenn Eltern den vorangegangenen Tipp beherzigen. Und natürlich gibt es verschiedene Neins: solche für unwichtigere Dinge wie »Nein, du bekommst keinen Lutscher, der bleibt im Regal« und solche für wichtige wie »Nein, du bleibst hier, wir gehen erst bei Grün über die Straße«. Das Kind merkt schnell, dass manche Neins nicht absolut gelten, sondern durchaus verhandelbar sind. So kann ein »Nein, wir gehen jetzt nicht zum Teich« durch Hartnäckigkeit oder gute Argumentation womöglich in »Okay, aber wir bleiben nur ein halbes Stündchen« abgewandelt werden.
Es ist deshalb gut, wenn es ein Wort gibt, das sehr, sehr selten gebraucht wird und das uneingeschränkt bedeutet: Sofort lassen! Bei uns war dies das Wort »tabu«. Es wurde höchstens einmal im Monat gebraucht. »Das ist tabu!« galt für unsere Tochter für die Stereoanlage, meinen Fotoapparat, das Überschreiten der Bordsteinkante und höchstens drei bis vier weitere Dinge.
UNIVERSALREZEPT 1
DER NAME MACHT’S
Ungeliebtes anders verkaufen
Manchmal ist etwas beim Kind negativ besetzt oder einfach out. Dann lohnt es sich, nach gewisser Zeit auszuprobieren, ob die Sache oder der Vorgang unter einer anderen Bezeichnung eine neue Chance erhält. Wenn Ihr Kleinkind zum Beispiel partout keinen Fisch mag und ihn deshalb auch nicht mehr probieren will, könnten Sie ihn als »Seefleisch« verkaufen. Die bei meiner Tochter ungeliebten Zucchini habe ich püriert und als »grüne Suppe« präsentiert – die hat sie dann gerne gegessen.
Verbindung beim Sprechen herstellen
IM GRUNDE LIEGT ES AUF DER HAND: Wer spricht, sollte seinem Gegenüber in die Augen sehen (außer natürlich beim Autofahren). Das stellt eine Verbindung her. Nicht umsonst heißt es Augenkontakt. Wer mit Kindern redet und ihn vergisst, muss sich nicht wundern, wenn das Gesagte verpufft. Kinder hören anders als Erwachsene und lassen sich leicht ablenken. Ohne Augenkontakt fühlen sie sich oft gar nicht angesprochen (»Wer weiß, mit wem die Mama da redet?«). Im Zweifelsfall können Sie – gerade bei unangenehmen Gesprächen oder Botschaften – Blickkontakt einfordern: »Sieh mich an!«
Notlügen wirklich nur im Notfall
Es ist oft erstaunlich, welches Gespür Kinder für Situationen haben. Wenn eine Mutter sich heimlich etwas Schokolade gönnt, damit der gesund aufwachsende Sprössling es nicht merkt, kommt er meist im Moment des Papierraschelns um die Ecke. Oder Papa behauptet, er habe den Aufsatz der Tochter schon gelesen, doch diese spürt, dass das nicht stimmt. Selbstbewusste Kinder, die sich geborgen wissen, tragen ihr Herz auf der Zunge: »Aber es gibt doch nachmittags gar nichts Süßes!«, heißt es dann, oder: »Du hast den Aufsatz gar nicht gelesen!« Eltern fühlen sich ertappt, das Kind fühlt sich verunsichert: Wieso lügt meine Mutter, mein Vater? Dabei wäre mit Ehrlichkeit alles ganz einfach: »Ich hatte so Heißhunger auf Schokolade, da habe ich ausnahmsweise ein Stück genascht. Willst du auch etwas davon?«, oder: »Ich weiß, ich hatte versprochen, deinen Aufsatz durchzulesen, aber ich habe es ganz vergessen. Ich mache es jetzt sofort.«
Solche Ehrlichkeit ist für Eltern nicht immer bequem, zumal sie zu Diskussionen führen kann. Die Mutter im Schokoladenbeispiel wird ihr Kind bald um eine neue Schoko-Ausnahme betteln hören. Lehnt sie ab, wird es heißen: »Wieso darfst du das und ich nicht?« Wenn sie ihm erklärt, dass es noch wächst und sie auf seine Ernährung mehr achten muss als auf ihre eigene, wird es das zwar immer noch doof finden, aber zugleich spüren, dass Mama nichts willkürlich verbietet – das hilft beim Akzeptieren (siehe >).
Ehrlichkeit ist ein Grundpfeiler des Miteinanders, weil sie Vertrauen schafft. Sie vorzuleben ist wichtig, denn Kinder bekommen mehr mit, als wir denken (siehe >). Notlügen im Kleinen können das Vertrauen im Großen aushöhlen. Wäre doch schade!
Etwas anderes ist es, wenn die »Notlüge« eher ein Argument ist und sich in die Welt des Kindes einfügt. Solche Notlügen können sogar sinnvoll sein. Nämlich dann, wenn der innere Seismograf des Kindes ein Problem aufspürt, das Eltern den kleinen Schultern nicht aufladen wollen. So sollte ein »Hast du geweint?« auf jeden Fall ehrlich mit »Ja« beantwortet werden, doch das »Warum?« kann unter Umständen eine kindlich vertretbare (durchaus falsche) Antwort erhalten: »Weil ich etwas sehr Trauriges gelesen habe« (statt »Papa hat mich gekränkt«).
UNIVERSALREZEPT 2
THEMENWECHSEL
Lenkt ab und verhindert Machtkämpfe
Egal wo Sie sind und worum es gerade geht: Wenn sich die Situation zuspitzt, wechseln Sie einfach das Thema. Ohne Überleitung, völlig überraschend. Will Ihr Kleiner unbedingt etwas und Sie weigern sich, droht ein Machtkampf. In solchen Momenten sagen Sie unvermittelt etwas wie »Lauf mal zu Max rüber, vielleicht mag er zum Spielen kommen« oder »Ruf bitte Papa an, ob er Brötchen mitbringt«. Natürlich muss das neue Thema fürs Kind attraktiv sein, um es ablenken zu können. Gelingt das, liegt das alte Streitthema meist vergessen hinter ihm. Denn ein Kind lebt im Hier und Jetzt.
Immer passend zur Botschaft
WAHRSCHEINLICH HABEN SIE AUCH schon Folgendes erlebt: Sie fragen jemand, wie es ihm geht, und hören »Gut«, obwohl Blick und Ton Sie anderes vermuten lassen. Das mag bei Erwachsenen okay sein, die nicht vor jedem ihr Seelenleben ausbreiten möchten. Doch in der Kommunikation mit Kindern und ganz speziell, wenn man bei ihnen etwas erreichen will, sollte der Redeinhalt mit Mimik und Stimme übereinstimmen.
Forscher haben nämlich herausgefunden, dass Stimme und Körpersprache eine Botschaft prägen und die Worte eine untergeordnete Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund ist ein Kind irritiert, wenn es etwas Verbotenes anfasst und zum »Lass das!« einen uninteressierten Nebenbei-Blick erhält. Auch wer in freundlichem Ton lächelnd »Ich mag das nicht« sagt, erweist sich einen Bärendienst – das Kind wird weitermachen. Bis Stimme und Mimik die Worte widerspiegeln und das Kind definitiv weiß, woran es ist. Wer schimpft, sollte das mit starker Stimme und passendem Augenausdruck tun. Wer lobt oder sich freut, sollte die Augen funkeln lassen und der Stimme einen frohen Klang geben. Dann kommt die Botschaft an. Und Kinder können sicher sein, dass die Erwachsenen meinen, was sie sagen.
Einmal beobachtete ich ein Kleinkind, das auf dem Schoß seiner Mutter saß und sie am Haar zog. »Lässt du das wohl?« Die Reaktion der Frau war eher eine Frage als eine Forderung. Dabei nahm sie die Hand ihres Kindes lächelnd aus dem Haar und machte noch ein Späßchen. Postwendend zog die Kleine wieder an einer Strähne. Die Frau reagierte ähnlich, und nun schien die Sache vom Kind als lustiges Spiel eingestuft worden zu sein, denn plötzlich waren beide Hände im Haar. Die Mutter wurde sauer und setzte das Mädchen genervt auf den Boden. Postwendend begann es zu heulen, denn es konnte überhaupt nicht verstehen, warum das »Spiel« auf einmal so böse endete.
Auf Reizworte springen Kinder an
OHNE ES ZU WOLLEN, provozieren Erwachsene manche Auseinandersetzung höchstselbst: indem sie unbedacht ein Reizwort fallen lassen, auf das ihr Kind so prompt anspringt, als hätte man einen Knopf gedrückt.
Wer beispielsweise zur Mittagszeit laut sinniert »Und jetzt ein Eis, das wär’s!«, wird gleich ein penetrantes Echo hören. Vielfach verstärkt kommt das »Eis« zurück, denn das Wort weckt Erwartungen. Kinder können nicht verstehen, dass man sich in Gedanken etwas ausmalt, das in Wirklichkeit nicht machbar, zu teuer oder unklug ist. Für sie ist alles real – und so fordern sie geweckte Erwartungen sofort ein. (Natürlich nur für sie interessante.) Wer das Eis-Signal liefert, muss also mit den (Bettel-)Folgen leben. Es ist klug, sich Reizworte zu verkneifen. Jedenfalls soweit man sich kontrollieren kann und will. Jeder Aussetzer erfordert Nervenstärke. Müssen Sie ein Reizwort gebrauchen, etwa um Ihrem Partner kundzutun, dass Sie für ein Eis als Dessert plädieren, dann buchstabieren Sie »E – I – Es«, denn das ist für Ihr Kind bis ins Schulalter unverständlich.
UNIVERSALREZEPT 3
LOSEN
Hilft bei vielem aus der Klemme
Ein tolles Mittel, das bei Kontroversen aller Art aus der Klemme hilft, ist Losen. Sie haben zwei Becher mit verschiedenem Muster, und beide Kinder wollen denselben? Losen Sie! Der Zauber des Losens ist, dass es unbestechlich ist und jeder dieselbe Chance hat. Wichtig: Jeder muss sein Los eigenhändig ziehen. So hat man sein Glück (oder Pech) buchstäblich selbst in der Hand. Der ultimative Trost für Verlierer: Nächstes Mal hast vielleicht du Glück!
Aufträge ohne Fragezeichen formulieren
WER ETWAS VON SEINEM KINDmöchte, sollte Wunsch oder Auftrag klipp und klar formulieren: »Häng deine Jacke bitte sofort auf« oder »Bring das zum Papa«. Ist ja logisch, denken Sie? Weit gefehlt. Eltern wollen meist nicht wie Befehlshaber wirken und verpacken ihre Wünsche gern in rhetorische Fragen, also solche, die gar keine sind. Denn wer mit vollen Händen »Hältst du mir die Tür auf?« fragt, meint natürlich »Halte mir mal die Tür auf«. Über ein »Nein« wäre jeder höchst verblüfft. Wir Großen wissen, dass es sich um eine höflich maskierte Bitte handelt, und greifen bereitwillig zum Türgriff. Kinder können jedoch zwischen rhetorischen Floskelfragen und echten Fragen nicht unterscheiden. Sie nehmen jede Frage für bare Münze.
So kann dem, der zu Großmutters Geburtstag starten will und betulich fragt »Wollen wir jetzt zur Oma fahren?«, ein deutliches »Nein« entgegenschallen. Jetzt muss der Frager entweder um die Gunst des Kindes buhlen, um es umzustimmen. Oder er entscheidet »Doch, wir fahren jetzt«, was nach der vermeintlichen Frage-Freiheit wie eine Machtdemonstration wirkt und ein Machtkämpfchen auslösen kann. Beide Varianten sind unglücklich. Besser wäre es, in solch einem undiskutierbaren Fall von vornherein anzuordnen: »Wir zwei fahren in zehn Minuten zur Oma.«
Es erleichtert die Kommunikation, wenn Sie mit dem Kind Klartext reden: »Ich möchte«, »Übernimm dies«, »Erledige das«. Wenn Sie Fragen stellen, dann echte, zu denen die Freiheit der Antwort gehört. Solche Eindeutigkeit kann übrigens auch das Miteinander von Erwachsenen vereinfachen.
»Stella, kannst du mir einen Kaffee machen?«, fragte ich, faul im Sonntagsbett liegend, woraufhin meine Tochter loszog. Ich hörte die Kaffeemaschine, dann tat sich nichts mehr. »Stella, was ist mit meinem Kaffee?«, hakte ich nach. »Habe ich doch gemacht!«, kam ihre verwunderte Antwort – und ich begriff. Ich hatte »Bringe mir bitte einen Kaffee« gemeint, aber ganz anders gefragt.
UNIVERSALREZEPT 4
KANN MEIN KIND DAS?
Antwort vom kleinen Experten
Manche Situationen kann ein Kind eigenständig noch nicht meistern, speziell wenn versteckte Gefahren lauern: Als Vierjähriger allein mit dem Fahrrädchen über viel befahrene Straßen in den Ort rollen geht ganz klar gar nicht. Aber es gibt im Alltag etliche kritische Momente, in denen sich das Elternhirn mit der Frage »Kann mein Kind das (schon)?« martert und das Für und Wider lange abwägt. Die Antwort findet sich dagegen oft ganz schnell, wenn das Kind selbst befragt wird: »Traust du dir X zu? Kannst du Y hinbekommen? Findest du Z allein?« Kinder haben meist ein gutes Gespür dafür, was sie schaffen. Oft beflügelt das Mutmachen der Eltern beim letzten Zögern. Verkündet ein Dreikäsehoch, er könne allein Brot kaufen – lassen Sie ihn ziehen, denn er wird mit dem Gewünschten wiederkommen.
Ein heißes Eisen ist der Straßenverkehr. Hat das Kind die Regeln kennengelernt, muss man es wohl oder übel alleine losziehen lassen, damit es sich bewähren kann. Es kann Eltern beruhigen, wenn sie zuvor kurze Rollenwechsel im Straßenverkehr einbauen: Der Sprössling sagt seinem »Eltern-Kind« dann, wie es sich wo verhalten muss. Beim Radeln ist es genauso. Sobald die Fahrradprüfung in der Grundschule bestanden wurde, braucht das Kind Übung – auch allein. Das gilt für bekannte Strecken. Alleintouren auf unbekannten Pisten sind frühestens ab dem zwölften Lebensjahr empfehlenswert.
Behauptet ein Kind steif und fest, etwas nicht zu können, sollte es die Finger davon lassen (dürfen). Die Zeit ist dann nicht reif und das Scheitern fast vorprogrammiert. Will also Ihr Kind nicht allein zu Hause bleiben, nehmen Sie es mit oder ordern Sie einen Babysitter. Irgendwann kommt der Moment, da es ohne Murren allein auf Ihre Rückkehr wartet. Es sind noch alle groß geworden, freilich jeder Mensch in seinem eigenen Tempo. Fragen Sie einfach ab und zu nach.
Ihre Ohren sind größer, als man denkt
WIE DIE KLEINEN DAS MACHEN, weiß ich nicht. Aber es ist tatsächlich so, dass sie viel mehr hören, als man glaubt. Wenn sich Mütter unterhalten und ihre Kleinkinder ein paar Meter weiter scheinbar versunken spielen, ist es verführerisch zu denken, der Nachwuchs kriegt vom Frauengespräch nichts mit. Erstens weil er sich mit etwas anderem beschäftigt, und zweitens weil er noch sooooo klein ist. Pustekuchen. Kinderohren sind meistens, womöglich sogar immer, weit offen. Deshalb hören sie solch ein Frauengespräch vermutlich komplett mit. Viele kennen das Phänomen, dass plötzlich aus irgendeiner Zimmerecke punktgenau das Kinderstimmchen tönt: »Warum macht das Frau X?«
Gewiss hören bereits Säuglinge alles mit, denn sonst könnten sie nichts lernen. Erwachsene unterschätzen das gern, weil diese Menschlein noch nicht mitsprechen können. Es verleitet sie dazu, die Kleinen in Sachen Kommunikation wie ein Möbelstück zu betrachten. Das kann fatal sein, denn auf der kindlichen »Festplatte« werden nicht nur die schönen Worte der Eltern abgespeichert, sondern auch deren Sorgen und Ängste und auch das, was sie über ihren Sprössling äußern. Jeder sollte sich der kleinen Ohren bewusst sein. Was kann das eigene Kind verkraften? Welche Worte nützen oder schaden? Es liegt in der Verantwortung der Eltern, was sie in Hörweite von Kinderohren von sich geben.
Marius hat ein Lieblingskuscheltier: ein Schwein. Es muss überall mit hin, ohne es will er nicht einschlafen. Eines Abends – Marius sprach bereits erste Worte – war das Stoffgeschöpf verschwunden. Papa Thomas knurrte genervt beim Suchen halblaut vor sich hin: »Wo steckt die alte Sau?« Marius’ Ohren saugten das Gemurmel auf, und wer ihn fortan fragte »Wie heißt dein Schwein?«, bekam zur Antwort: »Alte Sau.«
Ihr Kind ist kein Möbelstück
SCHNELLER, GRÖSSER, BESSER: Erwachsene haben naturgemäß gegenüber Kindern die Nase vorn. Und sosehr sich Eltern auch bemühen, die Eigeninitiative ihres Sprösslings zu stärken (siehe >), so gibt es doch viele Situationen, in denen sie für ihn oder mit ihm gemeinsam handeln müssen: Wenn der Dreikäsehoch an seine Tasse noch nicht heranreicht, hebt Papa ihn hoch, damit er sie greifen kann. Wenn er beim Überqueren der Straße an Mamas Seite bleiben soll, nimmt sie ihn an die Hand. Wenn die Fingerchen die Jackenknöpfe noch nicht beherrschen, helfen Große beim An- und Ausziehen.
Wichtig ist bei alldem eins: das Tun sprechend zu begleiten. »Warte, ich hebe dich hoch«, »Ich nehme dich jetzt an die Hand« oder »Ich mache dir jetzt die Jacke zu«. Das Kind ist kein Möbelstück, das ohne Ansage hin und her geschoben werden sollte. Jedes Kind hat zudem seine eigene körperliche Identität mit individuellen Grenzen. Wer diese unangekündigt übertritt, muss mit Erschrecken und Gezeter rechnen. Zumal das Kind nicht immer ahnen kann, was der Erwachsene im Schilde führt. Was denkt es wohl, wenn ihm in fremder Umgebung ohne Ankündigung kommentarlos die Hose ausgezogen wird – da es eine Arztpraxis ist? Erklärende Worte geben Sicherheit.
Heike beobachtet in ihrer physiotherapeutischen Praxis immer wieder, dass Eltern ihr Kind ohne ein einziges Wort »parat« machen. Hektisch wird, schwupps, die Mütze abgezogen, das Kind aus der Jacke geschält und, zack, der Pulli über den Kopf gezogen – stumm. »Mir wäre es lieb, wenn Sie ihm erklären, was Sie machen und warum«, bittet sie dann. Denn sie sieht, wie sich bei den mütterlichen Handgreiflichkeiten die Kinderaugen in der fremden Umgebung erschreckt weiten – meistens gefolgt von Gebrüll. Wissen dagegen macht sicher.
Das strahlt beruhigende Normalität aus
MIT SPRACHE BEKOMMEN WIR unsere Umwelt in den Griff. Wir geben uns und den Dingen Namen, damit wir wissen, wovon wir sprechen und woran wir sind. Dieses Faktum können Sie sich zunutze machen. Denn löst etwas Unsicherheit oder sogar Angst bei Ihrem Kind aus, kann eine konkrete Bezeichnung des Phänomens das ungute Gefühl mildern. Ein Name strahlt beruhigende Normalität aus und bannt das Diffuse: Das komische Gefühl vorm Tanzauftritt heißt Lampenfieber, die seltsam traurige Stimmung bei Tante Ilse ist Heimweh, der merkwürdige Laut in der Nacht stammt vom Käuzchen. Was einen Namen hat, über das lässt sich sprechen.
UNIVERSALREZEPT 5
GEHEIMNISSE SCHAFFEN
So wird Banales interessant
Geheimnisse sind spannend. Wohlgemerkt: schöne Geheimnisse. Wer es schafft, sie ab und zu in den Alltag einzupflanzen, macht selbst banale Situationen fürs Kind interessant. »Komm, wir fegen jetzt ganz heimlich die Garage und gucken mal, ob Mama es merkt«, könnte Papa sagen und hinzufügen: »Wenn sie es nicht sieht, kannst du ihr ja einen Tipp geben.«
Durch Geheimnisse können Kinder auch zu engagierten Partnern werden. Wenn Papa Leergut wegbringen wollte, es aber nicht geschafft hat, könnte Mama sagen: »Komm, wir zwei bringen jetzt alle leeren Flaschen weg, ohne Papa etwas zu verraten. Was glaubst du, was der für Augen machen wird!« Das klingt viel motivierender als ein simples »Zieh die Jacke an, ich will die Flaschen wegbringen«. Geheimnisse beflügeln.
Mit »weil« Einsicht und Lernen fördern
ZUGEGEBEN, ES MAG MANCHMAL lästig sein, da es Zeit und Geduld erfordert. Aber es zahlt sich aus, seinen Kindern mit »Weil«-Begründungen die Welt zu erklären und ihnen zu sagen, warum oder weshalb dies und jenes zu tun oder zu lassen ist. Denn Kinder, die Zusammenhänge verstehen, können später verantwortungsbewusster handeln. Erklärungen geben ihnen zudem das gute Gefühl, für voll genommen zu werden.
