Die Entfesselung - Linus Baumann - E-Book

Die Entfesselung E-Book

Linus Baumann

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Beschreibung

Der Roman spielt in naher Zukunft und erzählt die letzten sieben dramatischen Tage der uns vertrauten Realität auf der Erde. Der Hauptprotagonist, Arnim O'Healy, ist Mitglied einer 11-köpfigen Eliteeinheit, die aus dem Untergrund New Yorks den Kampf gegen die finstere Finanzmacht-Geheimbund-Elite, angeführt von Duster P. Marwinger, aufnimmt. In Kooperation mit der Galaktischen Föderation, spirituellen Meistern und positivem Militär zerstören sie deren Machtbasen. Sie ermöglichen damit den von langer Hand vorbereiteten Plan, die 2.000 mächtigsten Männer zu inhaftieren, die mit kaltherzigen Aliens zusammen die Menschheit unterdrücken. Mit diesen Ereignissen erwacht die Menschheit aus der Matrix, begibt sich kollektiv auf die Straße, um der Politik ihre Forderungen zu stellen. Neben dem Motiv, eine spannende, kurzweilige Geschichte zu erzählen, möchte ich die Leser anregen zu hinterfragen, welche positiven und negativen Mächte hinter den Kulissen in Wirklichkeit die Geschicke der Menschheit lenken und welche Ziele sie verfolgen. Neben eindeutig fiktiven Elementen greift der Roman aktuelle Themen auf, die gerne als Verschwörungstheorien betitelt werden: Der elitäre, totalitäre Plan der NeuenWeltOrdnung, geheime militärische Programme und Technologien der Manipulation – HAARP, NSA, Mindcontrol, Lügenpresse u.v.m. Insofern ist es ein Enthüllungsroman mit politischer Brisanz. Mir ist es wichtig, eine positive, globale Vision zu vermitteln und daran zu erinnern, dass es an jedem Einzelnen liegt, wie sich unsere Zukunft gestaltet.

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Seitenzahl: 479

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Linus Baumann

Die Entfesselung

Die letzten Tage dieser alten Welt

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Die Entfesselung

Klappentext

Prolog

Sonntag

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Samstag

Sonntag

Epilog

Impressum neobooks

Die Entfesselung

Die letzten Tage dieser alten Welt

Klappentext

Der US-amerikanische Soldat Arnim O`Healy kehrt vollkommen desillusioniert aus Afghanistan und Irak zurück. In dem Bestreben, seine Mitbürger wachzurütteln, schließt er sich einer Eliteeinheit an, deren Auftrag Teil eines Plans von kosmischem Ausmaß ist: Die Verhaftung der finsteren Geheimbund-Machtelite, alte Familiendynastien, die hinter den Kulissen das Finanzsystem und somit die Welt beherrschen. Ihr Ziel ist die totalitäre Eine-Welt-Regierung. Doch selbst sie sind Handlanger noch mächtigerer Wesen: den Archonten, meist körperlose, reptilienhafte Aliens, Dämonen gleich, die sich von den negativen Emotionen der Menschen ernähren.

Damit der Plan gelingen kann, müssen Arnim und sein Team deren Machtbasen innerhalb einer Woche zerstören: HAARP, die NSA-Zentrale, extraterrestrische Hochtechnologie und vor allem die ultimative Planetenvernichtungswaffe, die Plasma-Bombe. Das dunkle Imperium um Duster P. Marwinger scheint unbesiegbar. Aber die Eliteeinheit hat starke Verbündete, allen voran die Galaktische Föderation und einen tibetischen Meister mit übermenschlichen Fähigkeiten.

Im Zuge der Ereignisse, spätestens als ein riesiges Raumschiff den Himmel über New York verdunkelt, erwacht die Menschheit allmählich aus der Matrix...

Die Verwendung des Begriffs Verschwörungstheorie ist nur eine weitere psychologische Raffinesse derjenigen, die die Verschwörungspraxis betreiben. Das zu erkennen ist einfach, die Fakten liegen auf dem Tisch. Du musst nur eventuell – dein Weltbild revidieren.

Es ist Zeit, die Matrix zu durchbrechen!

Prolog

John F. Kennedy: „Allein das Wort Geheimhaltung ist in einer freien und offenen Gesellschaft unannehmbar; und als Volk sind wir von Natur aus und historisch Gegner von Geheimgesellschaften, geheimen Eiden und geheimen Beratungen...

Denn wir stehen rund um die Welt einer monolithischen und ruchlosen Verschwörung gegenüber, die sich vor allem auf verdeckte Mittel stützt, um ihre Einflusssphäre auszudehnen – auf Infiltration anstatt Invasion; auf Unterwanderung anstatt Wahlen; auf Einschüchterung anstatt freier Wahl; auf nächtliche Guerillaangriffe anstatt auf Armeen bei Tag.

Es ist ein System, das mit gewaltigen menschlichen und materiellen Ressourcen eine eng verbundene, komplexe und effiziente Maschinerie aufgebaut hat, die militärische, diplomatische, geheimdienstliche, wirtschaftliche, wissen-schaftliche und politische Operationen kombiniert. Ihre Pläne werden nicht veröffentlicht, sondern verborgen, ihre Fehlschläge werden begraben, nicht publiziert, Andersdenkende werden nicht gelobt, sondern zum Schweigen gebracht, keine Ausgabe wird infrage gestellt, kein Gerücht wird gedruckt, kein Geheimnis wird enthüllt.“

Auszüge aus einer Rede, die John F. Kennedy am 27. April 1961 in New York vor den wichtigsten Zeitungsverlegern des Landes hielt. Sie kostete ihm das Leben.

Sonntag

1. 6:05 Uhr, Beach Haven, New Jersey, USA

Es ist ein Kurzurlaub auf Geheiß. Doch Arnim O`Healy käme niemals auf die Idee, das als Bevormundung aufzufassen. Für ihn ist es das Selbstverständlichste auf der Welt: das Befolgen des Plans. Eines Plans, dessen Dimensionen ihm nur ansatzweise bekannt sind. Für den sich Intelligenzen zusammengeschlossen haben, die weit jenseits seiner Erfahrungswelt, ja selbst Vorstellungswelt liegen. Zwei dieser Intelligenzen durfte er kennen lernen. Sie beeindruckten ihn mehr als alles, was er bisher erlebt hatte. Aus den Begegnungen mit diesen Giganten des Bewusstseins folgte für ihn: vollständiges, unverrückbares Vertrauen; in den Plan. Mehr noch: totale Hingabe, bis zum Tod, wenn es denn sein soll.

Die letzten Wochen schenkten ihm die Antworten auf all die Fragen, die ihn die seltsamen, mitunter schockierenden Begebenheiten seines bisherigen Lebens haben stellen lassen.

Kurz vor Sonnenaufgang ist der Strand am südlichen Ende von Beach Haven menschenleer. Der Himmel über dem Atlantik schillert von violett bis dunkelgelb in Erwartung der glühenden Kugel. Ihren Arm um seine Taille geschlungen, den Kopf an seine muskulöse Schulter gelehnt, genießt O`Healys Partnerin Inua Sillicen den perfekten Frieden dieses Spätsommermorgens. Barfüßig spazieren sie im seichten Wasser des Ozeans, der diesen Morgen - einem Bergsee gleich - friedlich ruht. Nur die Weite des gekrümmten Horizonts verrät seine schlummernden Kräfte. Auch Arnim O`Healy lächelt in sich hinein, im Gewahrsein, dass sein Leben seine Bestimmung gefunden hat. Ganz von selbst erfüllt sich die Anweisung, die ihm gestern gegeben wurde: Lade deinen Körper und Geist auf, mach dich frisch und leer für das, was kommt. Nimm dir zwei Tage, gehe in die Natur.

„Was denkst du?“, flüstert ihm Inua ins Ohr, nachdem sie gut eine halbe Stunde gelaufen sind, wortlos dem Schauspiel der Natur lauschend.

Arnim strahlt sie an. Von den Entwicklungen der letzten Wochen mitgerissen, fühlt er sich einerseits vitalisiert, geradezu euphorisiert, andererseits ein wenig überrumpelt. Wie in einem schnellen Strom schwimmend, der manchmal seine Kontrolle zu verlieren scheint. So kommt es ihm jedenfalls vor. Es fordert ihn, der er in seinem bisherigen Leben gerne die Zügel des Geschehens in der Hand hielt, heraus, die Beherrschung zu verlieren und sich vertrauensvoll dem hinzugeben, was gerade passiert. Sich einer Dynamik und einer Vehemenz hinzugeben, die sich seinem Einfluss entzieht.

„Ich muss mal wieder über die Weisheit meines Mentors schmunzeln. Als er uns gestern in den Urlaub schickte, war ich elektrisiert. Ich habe mich nie aufgeladener gefühlt“.

„Ich kann dir versichern, dass das nicht unbemerkt an mir vorüber ging. Ich dachte: Ups, Arnim mein ADHS-Hampelmännchen.“

Beide müssen lachen.

Arnim: „Jedenfalls habe ich nicht verstanden, was der Break bringen soll. Wie? dachte ich. Noch mehr aufladen? Wie soll das gehen?“

Sein Handy klingelt.

„Nichts im Leben hätte mich mehr in Leistungsbereitschaft versetzen können als die Nachricht, dass es

LOS GEHT!!!“

Arnim hebt das Telefon an sein Ohr.

„Was geht los?“ Sein Mentor hat die letzten Worte aufgeschnappt.

„Hallo! Na, das SDF!“

„Sei bitte vorsichtig. Schalte das Handy aus und nimmt die Karte raus.“

„Okay, mach ich.“

„Das war alles. Schöne Zeit!“

Bevor Arnim sich verabschieden kann, ist die Verbindung unterbrochen. Er schaltet das Handy aus und nimmt die Karte raus. Einen kurzen Moment ist er leicht verunsichert. Muss ich wirklich so vorsichtig sein?

Er schüttelt den Gedanken ab: „Mein Gott, ich krieg immer noch Gänsehaut. ----

Aber jetzt weiß ich: Ich glich einem Stromnetz, dessen Leitungen zu dünn sind für die Menge an Energie, die da durchfließen soll. Ich brauche das hier wirklich, das merke ich jetzt. Die letzten Wochen waren, obwohl ich es gestern nicht gespürt habe, extrem intensiv und anstrengend.“

Inua küsst ihn sanft auf die Wange. Er bleibt stehen, sie umschlingen sich, leidenschaftlich küssend. Es ist noch so frisch für ihn, erfüllt ihn mit einem Entzücken, das nur einer langen Entbehrung folgen kann. Sein jahrelang brachliegendes Depot der Zärtlichkeit ist noch nicht ansatzweise aufgefüllt.

Keine zwei Wochen ist es her, dass sich die beiden das erste Mal begegnet sind. In der New Yorker U-Bahn. Als sie in sein Abteil stieg und sich ihm schräg gegenüber auf die Bank setzte, folgte er ihren Bewegungen. Kurz trafen sich ihre Blicke. Sein Herz pochte augenblicklich. Er versuchte, sich wieder in seine Lektüre zu vertiefen. Doch seine Konzentration war dahin.

Er konnte nicht anders, als sie immer wieder zu betrachten, vorsichtig, respektvoll. Dann plötzlich blieben sie aneinander hängen. Entspannt und aufmerksam erwiderte sie seinen Blick. Seine Augen tauchten in die Tiefen ihrer grünblauen, glänzenden Iris ein. In seinem Magen verschob sich etwas. Aus dem Nichts heraus strickte sich ein intimes Band durch die Anonymität des U-Bahn-Waggons. Arnims Herz hämmerte in seinem Kopf. Er wunderte sich, dass er die Erkenntnis, dass seine Wangen erröteten, recht neutral entgegen nahm - wie von außen betrachtet. Nach einer kleinen Ewigkeit schaffte es die Stimme aus dem Lautsprecher, in einen Winkel seines Bewusstseins vorzudringen. Hier muss ich aussteigen. Er stand auf, ohne seinen Blick von ihr zu lösen. Das Erlebnis war so intensiv, dass es ganz natürlich für ihn schien, dass sie ebenfalls aufstand und mit ihm die U-Bahn verließ. Auf dem Bahnsteig sprach er die ersten Worte: „Laufen wir ein wenig gemeinsam in den Park?“

„Gerne“, erwiderte sie.

Danach schwiegen beide erstmal wieder eine ganze Weile, dem heftigen, rhythmischen Schlagen in ihren Körpern lauschend.

Zwei Tage später hatte Arnim Zeit, sie wieder zu sehen. Sie trafen sich in einem chinesischen Restaurant. Gegen Mitternacht landeten sie in ihrem Apartment, im 36. Stock eines Hochhauses mitten in Manhattan. Am nächsten Morgen war beiden klar – ohne dafür Worte zu benötigen -, dass ihre Wege sich nicht nur gekreuzt hatten, sondern von nun an auch vereinigt sind. 15 lange Jahre war bei Arnim nichts mit dem anderen Geschlecht gelaufen. Um so glücklicher fühlte er sich an diesem Morgen. Wie neu geboren.

Gleichzeitig bemerken beide ein Leuchten im Augenwinkel. Sie lösen sich voneinander und erblicken den ersten Streifen der aufgehenden, tieforangenen Sonne. Sie setzen sich in den Sand und verfolgen das Naturschauspiel.

„Ich erinnere mich gerade daran,“ sagt Arnim, als die Sonne einen Halbkreis auf den Meeresspiegel bildet, „dass mir vor Jahren mal ein alter Mann sagte, wie man mit der Sonne kommunizieren kann. Der Mann war der Häuptling eines Indianerstamms mitten im peruanischen Urwald. Er gab sein Alter mit 115 Jahren an. So sah er auch aus, runzlig und zahnlos. Jedenfalls sagte er, dass es ganz einfach sei, mit der Sonne zu sprechen. Voraussetzung sei, in der Sonne – wie in allem im Universum – ein intelligentes, lebendiges Wesen zu erkennen. Die Sonne, sagte er, ist ein Gott! Schau sie an, wenn sie direkt über dem Horizont steht, und stell einfach Fragen. Geh davon aus, dass es das Natürlichste überhaupt ist, dass du Antworten erhältst.“

„Hast du es mal probiert?“

„Nein.“

„Und jetzt? Sollen wir es versuchen?“

Arnim zögert.

„Im Augenblick habe ich keine Fragen.“

Dann: „Du weißt, wie heilsam es ist, in das Gestirn zu schauen, wenn es morgens über dem Horizont erscheint und abends wieder dahinter verschwindet?“

„Ja.“

Gerade, als sich die Sonne vollständig aus dem Meer erhoben hat, erreicht ein Motorengeräusch sein Bewusstsein und zwingt ihn, sich von dem Anblick zu lösen. Richtung Norden schauend erfasst er einen Jeep, der in hoher Geschwindigkeit den Strand hinunter auf sie zufährt, vielleicht noch 400 Meter entfernt.

„Meinst du, das Auto hat was mit uns zu tun?“, fragt Inua mit leicht beunruhigter Stimme.

„Pssst, bitte sei kurz still“, erwidert Arnim.

Inua weiß, warum. Wenige Sekunden später sind zwei Männer in dem Jeep zu erkennen. Der Beifahrer hält ein Gewehr in der Hand.

„Bleib entspannt, wir sind geschützt“, sagt Arnim betont ruhig, denn ihm ist klar, dass diese Situation für seine Partnerin ziemlich gewöhnungsbedürftig sein muss. Ihn versetzt es, das wird ihm in diesem Moment schlagartig bewusst, in eine schon fast routinemäßige, aber vollkonzentrierte Aufmerksamkeit. Mehr nicht. Keine Angst. Wahrscheinlich ein Erbe meiner Kriegserfahrungen.

Der Jeep ist auf 50 Meter ran, der Beifahrer hebt sein Gewehr. Plötzlich geht alles ganz schnell. Ein gleißend weißer, gebündelter Lichtstrahl trifft für einen kurzen Moment senkrecht von oben auf die Mitte der Motorhaube. Er hinterlässt ein ca. 50 cm großes Loch darin. Die zwei Gestalten springen Sekundenbruchteile später bei voller Fahrt aus dem offenen Jeep, der unmittelbar darauf in einer Feuerwolke explodiert. Während die Männer wie Stuntpuppen über den Sand purzeln, rollt das brennende Gefährt in wenigen Metern Abstand an Arnim und Inua vorbei.

Er umgreift Inuas Handgelenke und löst ihre verkrampften Hände von seinen Oberarmen.

„Hey, entspann dich. Wir sind sicher. Hast du das gesehen? ---- Die Männer haben keine weiteren Waffen.“

Ruhigen Schrittes ermächtigt er sich des Gewehrs, das nicht weit vor ihnen im Sand liegt.

„Bist du sicher?“, wispert Inua, noch ziemlich perplex.

„Ja, absolut, die Information kam klar rüber.“

Beide Männer liegen reglos im Sand. Kein Wunder, denkt O`Healy. Er schätzt die Geschwindigkeit des Jeeps bei der Explosion auf gute 60 km/h. Und er bewundert die Geistesgegenwart seiner Angreifer. Wären sie im Auto geblieben, wären sie mit hoher Wahrscheinlichkeit jetzt tot.

„Ich untersuche sie, bleib bitte kurz hier.“

Die beiden Fremden sind bewusstlos, aber sie atmen gleichmäßig. O`Healy dreht sie in eine bequeme Seitenlage. Danach greift er in seine Hosentasche, zückt sein Handy, macht die Karte wieder rein und wählt eine Notrufnummer.

„Hallo. Ca. 3 km südlich von Beach Haven City liegen zwei Männer am Strand. Sie brauchen ärztliche Hilfe, sie sind bewusstlos.“ Ohne die Reaktion am anderen Ende der Leitung abzuwarten, legt er auf.

„Lass uns gehen“, ruft er ihr rüber. „Komm, schnell, weg vom Strand und zurück in unser Apartment.“

2. 8:30 Uhr

„Na, das nenne ich mal einen aufregenden Erholungsurlaub“, sinniert Inua auf einem weißen Ledersofa liegend, von dem aus sie den uneingeschränkten Blick auf den Atlantik genießt. Das Apartment steht in erster Reihe an dem fast schnurgeraden, endlosen Strand. Die Angst, die ihr eben noch in den Knochen hing, hat sie nahezu abgeschüttelt. Die Zuversicht und Souveränität ihres Geliebten hat viel dazu beigetragen. Stattdessen kommen Fragen:

„Erzähl mir, wie das funktioniert mit dem inneren Hören? Wen hast du gehört? Und vor allem: Was war das mit dem Laserstrahl, oder was auch immer das war?“

„Okay, okay, das sind drei Fragen auf einmal“, antwortet Arnim, der sich mit einem Tablett mit zwei dampfenden Cappuccinos und Gebäck zu ihr gesellt. „Ich gebe zu, ich habe dir bisher sehr wenig erzählt. Tatsächlich habe ich erst gestern das Okay erhalten, dich uneingeschränkt in den Plan und alles, was damit zusammenhängt, einzuweihen. Nimm`s ruhig persönlich: Das bedeutet, dass sie dir uneingeschränkt vertrauen. Und das heißt auch, dass du nun den gleichen Schutz genießt wie ich und alle, die in den Plan involviert sind. Mein Mentor meinte, das psychische Gleichgewicht aller Akteure spiele eine nicht zu unterschätzende Rolle bei den großen Aufgaben, die anstehen. Sich mit dem Partner offen über die Dinge austauschen zu können, gehöre zu dieser Seelenpflege. ---- Ich bin ihm sehr dankbar dafür, denn es hat mich tatsächlich ganz schön angestrengt, dir so vieles vorzuenthalten.“

Er setzt seinen Kaffee ab und küsst sie sanft. Vor einigen Minuten waren Sirenen zu hören. Arnim ist sich gewiss, dass die Insassen des Jeeps bereits professionell versorgt werden.

Auf dem Weg zurück zum Apartment noch hat O'Healy das Handy zerlegt und in einen Strandmüllkorb geworfen. Zu gerne hätte er seinen Mentor anrufen, um seine Einschätzung zu hören. Aber das Handy ist definitiv ein zu großes Risiko geworden. Sind weitere aus seinem Team angegriffen worden? Die Tatsache, dass sie ihm auf die Spur gekommen sind, beunruhigt O'Healy. War ich nicht stets auf der Hut?

In Gedanken geht er die letzten Tage zurück, um den Moment zu finden, wo sie sich eine Blöße gegeben haben könnten. Aber er findet nichts. Haben sie mich vielleicht schon länger auf dem Kieker? Die Strandattacke hinterlässt bei O'Healy ein mulmiges Gefühl: Welche Waffen haben die? Welche Informationswaffen vor allem?

Inua holt ihn zurück: „Jetzt verstehe ich, wieso du bisher so wortkarg warst. Tatsächlich ist mir das gar nicht so richtig aufgefallen, dass bisher eigentlich nur ich was von meinem Leben erzählt habe. Wie hast du das gemacht?“

Keine Antwort.

„Arnim? --- Wo bist du?“

Arnim räuspert sich: „Du bist ja auch die viel spannendere Person. Deine Tätigkeit als Lektorin zum Beispiel interessiert mich sehr. Du musst dir ein enormes Wissen angeeignet haben...“

„Arnim!“

Inua versucht es mit einer oberlehrerhaften Betonung. Das scheint zu funktionieren:

„Zu Frage eins: Der größte Brocken, den es wegzuräumen gibt, wenn es darum geht, Telepathie zu erlernen, ist die kollektive Gedankenmatrix: Telepathie, das geht nicht und das können wir nicht! Wenn man das Konstrukt erst mal durchbrochen hat, geht es dann auf einmal ziemlich leicht. Ich habe dafür zwei Hypnose-Sitzungen gehabt, in denen diese Einstellung in mir revidiert wurde. Und jetzt rate mal, von wem ich behandelt wurde?“

„Hm, dein Mentor vielleicht?“

„Nein. Mein Hypnotiseur war ca. 1,30 m klein und hatte ziemlich große Augen. --- Na, erraten?“

„Ein ET?“

„Jip. Ein Außerirdischer. Frag mich nicht, woher er kommt.“

„Moment, ihr arbeitet mit Außerirdischen zusammen?“

In Inuas Stimme klingen arge Zweifel mit. Arnim wundert das nicht, denn, so normal der Umgang mit Außerirdischen für ihn seit ein paar Wochen ist, genau so ungläubig reagierte er auf die erste Begegnung, die er bei seiner ersten Hypnosesitzung – ohne entsprechende Vorwarnung – mit dem ET hatte.

Er spricht weiter: „Was denkst denn du? Sonst hätten wir keine Chance, nicht die geringste! Denk an eben. Und damit hast du auch die Antwort auf Frage drei: Es war der Laser eines kleinen Zwei-Personen-Ufos. Ich hab nach oben geschaut. Es war jedoch in einer Frequenz, die es für uns unsichtbar macht. So schien es, als käme der Laser aus dem Nichts. Die Fähigkeit der ETs, sich und ihre technischen Geräte für unsere Augen unsichtbar zu machen, ist eine enorm wichtige Waffe in dem Plan.“

Er nimmt einen Schluck des heißen Kaffeegetränks und lässt dabei eine schokoladenüberzogene Marone auf seiner Zunge zergehen.

„Erzähl weiter“, drängt Inua ungeduldig.

„Die meisten Raumbrüder, die mit uns zusammen arbeiten, sollen humanoider Natur sein, also genauso aussehen wie wir. Die lichtvollen Außerirdischen sind jedenfalls die Meister in Sachen Telepathie. Es hat nur eine Woche Training von täglich 45 Minuten benötigt, um mich diesbezüglich einsatzfähig zu machen. ---- Wenn die ganze Aktion rum ist, freue ich mich schon sehr darauf, das mit dir zu üben. Ich wette, so gut, wie wir uns verstehen, geht das sehr schnell.“

„Und Frage zwei?“

„Wer mich informiert hat bei dem versuchten Attentat? --- Nun, ich kenne nur seinen Namen. Er heißt Taamo Lumen. Ich hoffe sehr, ihn einmal kennen zu lernen. Er ist ein Meister. Ich meine, ein wahrer Meister. Ein Mensch mit einem gigantischen Bewusstsein. Er kann Dinge, von denen wir Normalsterblichen höchstens träumen.“

3. 14:30 Uhr, Ottawa, Kanada

Im 18. Stock eines Hotels im Zentrum der kanadischen Hauptstadt sitzen in einem Konferenzraum 13 illustre Männer und eine Frau um einen ungewöhnlich großen, runden Eichentisch. Der ehemalige Außenminister Kanadas, Niclas Brouden, begrüßt die Anwesenden. Die freudige Erregung, die ihn durchströmt, ergießt sich mit seinen Worten in den Raum. Eine lange Zeit innerer Disziplin beginnt nun, ihre Früchte zu zeigen.

„Meine Dame, meine Herren, ich kann ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich mich über unsere Zusammenkunft freue. Über drei Jahrzehnte habe ich auf diesen Moment hingearbeitet und gewartet.“

Mit diesen einleitenden Worten hat Brouden die volle Aufmerksamkeit aller, ihm überwiegend sehr vertrauten Persönlichkeiten im Raum. Spannung, Erleichterung und eine starke Willenskraft spiegeln sich in den Augen der anwesenden Personen, überwiegend Träger höchster militärischer Ämter. Zwei aus den USA, jeweils einer aus Großbritannien, Kanada, Australien, Israel, Saudi-Arabien, Deutschland, Italien, Japan und Frankreich.

Zwei der Anwesenden sind keine Militärs.

„Darf ich ihnen Miss Hilena Matanoe vorstellen, sie ist Abgesandte der Galaktischen Föderation des Lichts.“

Ein leises Raunen erfüllt den Raum. Im Sitzen überragt die Mitte Dreißig wirkende Frau die anwesenden Männer um gut einen Kopf. Die meisten Männer würden sie – abgesehen von ihrer Größe - eine klassische Schönheit nennen, mit nahezu schwarzen, schulterlang glatten Haaren und einem perfekt harmonischen, ebenmäßigen Gesicht. Die Frau belässt es bei einem freundlichen Nicken.

Brouden: „Ich freue mich, dass ich niemandem hier Aufbau, Ziele und Geschichte der Galaktischen Föderation erklären muss. Bevor ich den Herrn an ihrer rechten Seite vorstelle, muss ich mich noch mal vergewissern: Niemand hat ein elektronisches Gerät auf dem Weg hierher mitgenommen?“

Nach einhelligem Kopfschütteln kommt Brouden zur Sache: „Dies ist Taamo Lumen, den ihr - außer Hilena Matanoe und mir - noch nicht persönlich kennen lernen durftet: Taamo Lumen ist der irdische Leiter für unser langjähriges Projekt Entmachtung der Dunklen und auch Chefkoordinator für den Plan, den wir ihnen heute vorstellen dürfen. Ein paar Worte zu Taamo Lumen: Er lebt in seiner jetzigen Inkarnation seit gut 800 Jahren auf unserem Planet. Ich, wie viele andere auch, nennen ihn einen aufgestiegenen Meister. Er ist damit Mitglied der Bruderschaft des Lichts, oder auch geistige Hierarchie der Erde genannt, wie Buddha und Christus auch.“

„Das stimmt so nicht ganz, tut aber nichts zur Sache hier“, unterbricht mit tiefer und sanfter Stimme Taamo Lumen.

Brouden fährt fort, nachdem er sich vergewissert hat, dass der Meister keine weiteren Worte folgen lässt:

„Mit einem Vertreter der Galaktischen Föderation des Lichts sowie der Geistigen Hierarchie der Erde sind wir von oberster Instanz befugt, das, was heute erarbeitet wird, durchzuführen. Taamo Lumen hat, wie er mir schilderte, gestern Morgen gegen 6:15 Uhr New Yorker Zeit die Botschaft von der höchsten göttlichen Instanz unserer Galaxie erhalten, dass es jetzt die richtige Zeit ist, unser Projekt zu Ende zu führen. Ich übergebe das Wort.“

Taamo Lumen lässt den Anwesenden ein paar Sekunden Zeit, die Informationen zu verdauen.

„Die Botschaft lautet, dass es angeraten ist, von heute ab innerhalb der nächsten sieben Tage die Dunklen aus den zentralen Machtpositionen zu hieven. Deswegen hat der Plan den schlichten Namen: Das SevenDaysFinal. Wir benutzen die Abkürzung SDF.“

Absolute Stille liegt im Raum. Das ist dem gewaltigen Charisma dieses Mannes geschuldet, aber auch dem Inhalt seiner Worte.

„Ich möchte betonen, dass wir heute hier sind, weil eine genügend großen Anzahl von Menschen die Bewusstseins-manipulationen der Dunkelseite mehr oder weniger durchschaut und sich von ihnen befreit haben. Dies war notwendige Bedingung für das himmlische Dekret, welches ich gestern bekommen habe. Die große Mehrheit der Menschheit ist für die Ereignisse der kommenden Tage bereit und erwartet sie – wenn auch überwiegend unbewusst - sehnsüchtig. Möge das allen die nötige Kraft geben, die kommenden Herausforderungen zu meistern.

Vielleicht fragen Sie sich, warum nicht mehr Personen in diesem Raum sind. Ich sage Ihnen: Es ist genau richtig so. Unsere Aufgabe ist ausschließlich, die oberste und zweitoberste Hierarchieebene des dunklen Machtkomplexes zu verhaften. Das sind nach unserem Plan genau 2000 Menschen. Außerirdische sind nicht darunter; die werden von selber verschwinden. 1910 der Zielpersonen verweilen überwiegend in den Ländern, die hier vertreten sind. Wie wir mit den 90 Zielpersonen in den anderen Ländern verfahren, - sollten sie sich gerade nicht in einem hier vertretenen Land aufhalten - erläutere ich ihnen später.

Was nach dem 7. Tag zu tun ist, das wissen Sie, das war ihre Arbeit der letzten Jahre. Ihre Vorarbeit war fabelhaft. Und: Alles, wirklich alles ist dafür in Verträgen und Gesetzen fixiert. Starten Sie mit den konkreten Vorbereitungen für die Zeit nach dem nächsten Sonntag noch heute.“

Taamo Lumen lässt wieder einige Sekunden der Stille verstreichen.

„Das Wichtigste, sehr geehrte Hilena Matanoe, meine Herren, ist: Für die nächsten Tage gibt es die göttliche Genehmigung für einen wesentlich höheren Interventionslevel der Galaktischen Föderation des Lichts. Das universale Gesetz des Freien Willens wird, angesichts der Unverbesserlichkeit der Dunklen, für einige Tage – sagen wir mal – ein wenig laxer ausgelegt. Wir nehmen die Verunsicherung einiger Bürger durch möglicherweise überraschende Ereignisse in Kauf zugunsten der höheren Durchschlagskraft. Was das genau heißt, sage ich gleich.

Die Erfolgsaussichten liegen daher nicht so schlecht. Jedenfalls so gut, dass der Plan von der Zentralsonne aus initiiert und ratifiziert wurde.

Die Inhaftierung der 2000 Menschen soll an einem Tag stattfinden, am 7. Tag, nächsten Sonntag. In den USA, wie ihr wisst die Kommandozentrale der Dunklen, sind wir uns mittlerweile über zwei Drittel des Militärs, auch in den höheren und höchsten Rängen, auf unserer Seite bewusst.“

Die beiden US-amerikanischen Generäle bestätigen dies mit einem Kopfnicken.

„Alles, was wir tun, ist in oberster Instanz juristisch abgesichert. Unser Vorgehen entspricht allgemeingültigem Recht. Zu allen 2000 Personen gibt es dicke Akten, die Beweislage hinsichtlich ihrer Verbrechen ist erdrückend. Nationale und internationale Gesetze und Verträge – in den USA ist es vor allem NESARA – stützen die Rückkehr zu den ursprünglichen Zielen nationaler Verfassungen.

Es wird in den nächsten sechs Tagen hinführende Aktionen zu den Massenverhaftungen geben. Erstens, um das Risiko größerer High-Tech-Katastrophen auszuschalten. Zweitens, um die Menschheit auf das Kommende vorzubereiten. Diese Aktionen sind Sache einer Spezialeinheit. Wer das ist und was ihr Job ist, möchte ich nur kurz erläutern, damit wir rasch zu dem kommen können, warum wir hier sind: Der Besprechung des 7. Tages ... „

4. 18:50 Uhr, Lungmar, Tibet

Taamo Lumen's äußere Erscheinung ist die eines sportlichen Mannes in den 40ern. Er ist 1,86 Meter groß, athletisch muskulös, trägt dunkelblondes, kurzes Haar und ist stets glatt rasiert. Sein Profil erinnert an Marlon Brando. Seine blauen Augen jedoch sind unvergleichlich, wer sich in ihren Tiefen verliert, ist von Güte, Klarheit, Weisheit und Liebe angerührt. Und eine Kraft strahlt aus ihnen, die Ehrfurcht auslöst. Er trägt meistens Jeans und eng anliegende Baumwoll-Pullover.

Die Tatsache, dass er sich nur eine Stunde nach Ende der Sitzung in Ottawa in Tibet aufhält, ist seiner Fähigkeit zur Teleportation zu verdanken. Für solche Anlässe sucht er sich einen ruhigen, unbeobachteten Ort, um dann mittels seiner Imaginationskraft zu dematerialisieren und quasi simultan am gewünschten Zielort zu erscheinen. Auch Materie besteht nur aus elektromagnetischen Schwingungen. Es bedarf nur eines willentlich eingeleiteten Frequenzwechsels, schon verflüchtigt sich feste Materie.

Das Bewusstsein und die Fähigkeiten dieses Mannes überschreiten die Vorstellungskraft eines Normalsterblichen um Längen. Er hat die Evolution, die jeder Erdenbürger mithilfe von unzähligen Inkarnationen über Jahrtausende erfährt, früh begonnen und recht schnell bis zu dem Punkt gebracht, an dem man als sogenannter Meister aufsteigt. Prüfsteine dieser Entwicklung sind die Meisterung des Physischen, des Emotionalen und des Mentalen. Durch das Tor des großen Loslassens, des Sterbens, gelangt man schließlich in die höheren Bewusstseinsreiche und lässt das Muster von Sterben und Wiedergeburt hinter sich.

Taamo Lumen weiß zwar um seine Individualität, sein Bewusstsein ist jedoch das einer Gruppe, jenseits der Beschränkungen von Zeit und Raum. Er kann, wenn er will, die Gedanken eines jeden Menschen auf der Erde wahrnehmen. Sein Körper braucht weder Nahrung noch Schlaf. Er ist sich permanent des unendlichen, schöpferischen Potenzialfelds der Stille gewahr, nichts kann ihn – wie wir sagen würden – aus der Fassung bringen. In dem raumzeitlosen Himmelbett der bedingungslosen Liebe, des Friedens und der Harmonie versinken die Eindrücke der belebten 3D-Welt mit ihren Freuden und Leiden wie Daunenfedern.

Ob mit offenen oder geschlossenen Augen, er sieht neben der materiellen 3D-Welt immer auch die feinstofflichen und geistigen Dimensionen mit ihrer Vielfalt an Wesen, Energien und Erscheinungsformen.

Zusammen mit elf weiteren aufgestiegenen Meistern sitzt er im Meditationsraum eines abgelegenen Berg-Klosters, das in über 4500 Metern in eine fast senkrechte Felswand gehauen wurde. Sie sitzen im Kreis auf einer alten, runden Holzbank, außer der sich nichts weiter in dem Raum befindet, der mit seinen weiß angemalten Natursteinmauern Ruhe und Klarheit unterstützt. Lediglich unzählige flüssige Kerzen, die mit Yak-Fett wieder aufgefüllt werden und somit schon seit Jahren brennen, erleuchten und erwärmen den kargen und fensterlosen Raum.

Die Ottawa-Sitzung lief gut, sie hat ihn in eine gehobene Stimmung versetzt. Alle Militärs waren zutiefst motiviert und professionell. Alle haben sich, das weiß er, mit Haut und Haaren dem Erfolg des Plans verschrieben.

Auch die anderen anwesenden Meister sind ausgesprochen guter Laune. Alle freuen sich sehr über das Dekret, das gestern vom Galaxie-Zentrum eintraf. Es wird herzlich gelacht. Dass sie in den letzten Jahren anlässlich der anhaltenden Macht der Dunklen ungeduldig geworden wären, trifft es nicht wirklich. Aber das anhaltende, unnötige Leid so vieler Menschen lastet schwer auf ihnen. So sind sie doch sehr froh, dass nun hoffentlich lichtvollere Zeiten auf Erden anbrechen. Ihre Aufgabenfelder werden sich dadurch teilweise gravierend verändern. Viele werden erstmals in der Öffentlichkeit tätig werden und der Menschheit beratend zur Seite stehen.

Grund ihrer Zusammenkunft ist, eben genau diese Freude und Zuversicht, die in dem Klosterraum herrscht, zu potenzieren und sodann über die Erdkugel zu verströmen. Der Leiter der Gruppe bittet um Ruhe und gibt Anweisungen für die Energiearbeit. Taamo Lumen versenkt sich mit seinen Brüdern und Schwestern in tiefe Kontemplation. Die Energie, die direkt vom Zentrum der Galaxie über die Sonne auf die Erde einstrahlt, wird von den Meistern in irdische Schwingungsmuster herunter transformiert, damit sie von den Menschen genutzt werden können. Mit dem Verströmen der Energien über die Erde ist das Werk vollbracht. Nach genau einer Stunde bricht der Leiter die Stille: „Es gibt frischen Kräutertee und heiße Momos. Zur Feier des Tages!“

Heiteres Gelächter erfüllt den Raum.

Montag

5. 9:20 Uhr, Beach Haven, New Jersey, USA

Inua erwacht als erste aus einem tiefen, erholsamen Schlaf. Sich an ihren Geliebten kuschelnd, antwortet dieser mit einem friedlichen, unverständlichen Murmeln.

Der gestrige Tag verlief nach dem frühmorgendlichen Vorfall ruhig. Sie verbrachten den ganzen Tag am Strand, liegend, schwimmend, lesend, spielend. Abends gönnten sie sich Pizza und Rotwein bei einem nahe gelegenen Italiener. Bereits gegen 22:00 Uhr ergaben sich beide ihrer Müdigkeit.

Inua: „Wann müssen wir eigentlich abreisen?“

Arnim räkelt sich nur ungern aus dem angenehmen Urraum seines Halbbewusstseins. Seine Stimme sucht sich noch:

„Gegen 14 Uhr. Um 17 Uhr treffen wir uns in der Einsatzzentrale.“

„Na, das reicht für ein ausgiebiges Frühstück und einen letzten Strandspaziergang, würde ich sagen.“

„So sehe ich das auch“, stimmt Arnim freudig zu. Er schlägt die Augen auf und betrachtet das Antlitz seiner Geliebten, die sich neben ihm aufgesetzt hat. Sie schaut zu ihm hinunter.

„Weißt du eigentlich, was dich heute und in den nächsten Tagen erwartet?“

„Nein. Aus zwei Gründen: Zum einen aus Sicherheitsgründen. Je weniger Leute von dem Plan wissen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand davon erfährt. Und du weißt ja, was unsere nationale Sicherheitsagentur NSA für Möglichkeiten hat. Das andere Argument ist, dass wir den Kopf frei haben sollen für das, was jeweils im Jetzt tun ist. Wenn wir wüssten, was da auf uns zukommt, würden wir uns automatisch damit beschäftigen, emotional und mental. Das will unser Mentor nicht.“

Schon ist Arnim hellwach. Mit der linken Hand streicht er unter ihrem Nachthemd über ihren Rücken.

„Wieso haben sie dich eigentlich genommen für den Plan, wie du es nennst? Wozu brauchen sie einen investigativen Journalisten für Kampfeinsätze? Oder wird es etwa kein Kampfeinsatz? War die Szene gestern am Strand die große Ausnahme?“

„Ich weiß es nicht. Ich kann nur mutmaßen, warum sie mich wollten. Meine langjährige Erfahrung an der Front...“.

Inua fällt ihm ins Wort: „Moment, du warst Soldat?“

„Entschuldige, mein Schatz. Ich vergesse immer wieder, wie kurz wir uns erst kennen. Du weißt ja praktisch gar nichts von meiner Vergangenheit.“

Und während sie sich ankleiden, zur Strandpromenade runter gehen und ein Frühstückslokal aufsuchen, erzählt Arnim von sich. Mit 20 ging er zur Army – trotz gutem Highschool-Abschluss – geprägt vom 11. September, um der amerikanischen Idee zu dienen. Seine Abenteuerlust entschied sicher mit, die er von seinem Vater geerbt zu haben glaubt. Offizier Gregor O`Healy wurde ein hochdekorierter Kriegsheld in der Operation Wüstensturm in Kuwait. Seine militärische Karriere ging nur deshalb nicht weiter steil nach oben, weil ihm ein privater Unfall ein Monat nach dem Einsatz in Kuwait das Augenlicht nahm. Aus seinen Erfahrungen heraus begrüßte er den Entschluss seines Sohnes, den amerikanischen Streitkräften zu dienen.

So verbrachte Arnim O`Healy mehrere Jahre in Afghanistan und im Irak. Auch er zeichnete sich durch besonderen Mut und Geschicklichkeit aus und wurde dafür geehrt und befördert. 2010 quittierte er seinen Dienst und verließ, ohne Angabe von Gründen, das Militär. Sehr zum Unverständnis seiner Vorgesetzten, denn ihm winkte bereits die Berufung zum General. Auch seinen Eltern gegenüber öffnete er sich nicht. Zu schwer und zu tief lasteten die Kriegserfahrungen auf ihm. Er wollte und konnte mit niemandem darüber reden. Stattdessen verschwand er für zwei Jahre nach Nepal und zog sich dort in einem buddhistischen Kloster zurück.

Als er dann Mitte 2012 wieder bei seinen Eltern in New York anklopfte, erkannten sie ihn kaum wieder. Jetzt war er in der Lage, von sich zu sprechen, und ganz ähnlich spricht er auch jetzt zu Inua: „Weißt du, es ist eine Sache, wenn man meint, aus einem triftigen Grund in den Krieg zu ziehen. Als ich aber die wahren Gründe für die Kriege im Irak und in Afghanistan erkannte, zerbrach in mir eine Welt.“

Arnim ist innerlich distanziert. Tatsächlich erkennt er den Arnim, von dem er gerade erzählt, kaum mehr wieder.

„Weißt du, was an 9/11 wirklich geschah?“

Ein kurzes Nicken.

„Ich halte es für einen Inside-Job.“

Arnim erwidert bestätigend mit einem Nicken.

„In den Kriegen ging es nur um nationale Interessen unseres Landes, in Irak vor allem um Öl, in Afghanistan um Drogen. Und als wäre das nicht genug, brechen auch noch alle moralischen Kriegsstandards weg. Ich will dir nicht erzählen, was für Greueltaten an Zivilisten ich mit ansehen musste. Mindestens 30 Menschenleben habe ich auf dem Gewissen, vollkommen sinnlos. Das hat mich umgeworfen.“

Inzwischen sind Kaffee und Croissants serviert. Inua macht eine Geste der Umarmung. Doch Arnim fährt fort, ihren Arm sanft umleitend: „Ich habe das verarbeitet, in Nepal. Ich hatte das Glück, einen wahrlich weisen Lehrer zu finden. Er lehrte mich die Kunst der Selbsterkenntnis. Mit seiner Hilfe konnte ich die Erfahrungen der Kriege loslassen, mir sozusagen selber vergeben und ein neues Leben beginnen. Er lehrte mich auch die Kunst der Meditation, der Beherrschung des Geistes. Ich wäre gerne noch länger bei ihm geblieben. Er schlug mir ein weiteres Jahr vor, um es zu einer gewissen Meisterschaft zu bringen. Aber es zog mich zurück. Ich wollte mich dafür einsetzen, dass Amerika das Grab, das es sich und der Welt schaufelt, wieder zukippt und sich um Wiedergutmachung bemüht. Wissen zu verbreiten hielt ich für entscheidend wichtig, denn die Welt strotzt vor Falschinformationen und Lügen. Deshalb habe ich mich entschlossen, journalistisch tätig zu werden. Ich wollte unseren Bürgern die Lügen um den 11. September und all die militärischen Sauereien satt auftischen.“

Arnim wählt zwar deutliche Worte, doch er ist dabei ruhig und ausgeglichen.

„Du bist sehr mutig! Bist du zufrieden mit dieser Arbeit gewesen?“

„Nein, nicht im Geringsten. Ich musste schnell erkennen, dass die Medien uneinnehmbaren Trutzburgen gleichen. Alle. Alle Großen jedenfalls. Sie sind die Lakaien der Mächtigen und ermöglichen ihnen ihr böses Spiel. Ich war sehr naiv, ich dachte, mit gutem Zureden lässt sich da was ändern. Ich biss überall auf Granit. Nur in kleinen Nischen konnte ich arbeiten und dort auch was bewirken. Ein Glück gibt es das Internet, sonst hätte ich damals, glaub ich, schwarz gesehen für die Zukunft. Aber insgesamt befriedigte mich das, was ich da über das Internet ausrichten konnte, nicht. Ich wollte mehr, mein innerer Brand – genährt durch die Kriegserlebnisse – loderte weiterhin lichterloh.“

Nachdenklich beißt er in sein Cappuccino-getränktes Croissant. Dann erhellt sich seine Mimik.

„Deswegen war es für mich ein großer Glücksfall, dass sie mich vor sechs Wochen angesprochen haben, ob ich für den Plan arbeiten wolle.“

„Sechs Wochen ist das erst her? Erzähl, wie ist das passiert?“

Inua rutscht unruhig in ihrem Rattansessel hin und her.

„Ein sehr freundlich aussehender Mann in etwa meinem Alter sprach mich im Fahrstuhl meines Hauses an. Mit wenigen Worten brachte er mich dazu, ihn in mein Apartment einzuladen. Nach einer Stunde verließen wir die Wohnung. Seit dem habe ich sie nicht mehr betreten.“

„Wie das?“, hakt Inua überrascht nach. Das Cafe füllt sich zusehends, mit seinen orientalisch anmutenden Sofa-Sitzecken, diversen, teils deckenhohen Topfpflanzen sowie ausschließlich Kerzenbeleuchtung erzeugt die Lokalität ein gemütliches, angenehmes Klima. In dem lauter werdenden Gesprächsteppich fühlen sich Inua und Arnim sicher aufgehoben.

„Seitdem“, Arnim beugt sich dennoch zu ihr rüber und flüstert ihr ins Ohr: „operiere ich im Untergrund.“

Er zieht dabei eine Augenbraue hoch und macht ein selten dämliches Gesicht. Inua versucht, ihren Geliebten zu durchschauen.

„Im Ernst?“

„Im Ernst! Aber darüber erzähle ich dir – zumindest erst mal – nichts.“

Inua mustert ihn, sein klares, jetzt wieder ernstes Gesicht, um schließlich dieses Tabu zu akzeptieren. So knüpft sie an einer anderen Stelle an.

„Wie haben deine Eltern auf deine Wandlung reagiert? Konnten sie dich verstehen, dir folgen?“

„Nein, leider nicht. Das hat sehr weh getan. Ich musste erkennen, dass mein Vater, egal was ich an ihn ran trug, nicht belehrbar war. Er musste den Wert seiner Karriere verteidigen, das Bild aufrecht erhalten, dass Amerika für die richtige Sache kämpft.“

„Du sprichst in der Vergangenheit von ihm. Ist er gestorben?“

„Ja, vor knapp einem Jahr. Meine Mutter äußerte die Vermutung, dass er den Bruch mit mir nie wirklich überwunden hat und dass ihn das schnell altern ließ. Er starb an Blutkrebs, im Augenblick des Todes war ich bei ihm. In dem Moment hat er mir verziehen, worüber ich sehr glücklich bin. Weniger für mich, sondern für ihn.“

„Und deine Mutter?“

„Sie starb vor sechs Wochen, genau an dem Tag, an dem mich der Mann im Fahrstuhl angesprochen hat. Ich hab mich mehrfach gefragt, ob es da einen Zusammenhang gibt, bin aber zu keinem schlüssigen Ergebnis gekommen.“

Ein Moment der Stille entsteht inmitten des Gemurmels um sie herum. Dann nimmt Inua einen neuen Anlauf.

„Wie gut kennst du eure Gegner?“

„Das ist eine gute Frage. Mein Mentor versicherte mir, dass fast nur noch irdische, humanoide Vertreter der Dunkelseite übrig sind.“

„Was soll das heißen?“

„Das soll heißen, dass es bis vor wenigen Jahren noch so gewimmelt haben soll von ungemütlichen ET-Rassen, physischer wie nicht-physischer Natur. Manche sollen wie Reptilien aussehen, manche uns ähnlicher, aber mit weniger Fingern und bläulicher Haut. Andere gräulich und zierlich. Drakonier, Greys, wie sie alle heißen. Mein Mentor sagte mal, es wisse von mindestens sieben unterschiedlichen Rassen, die von der Erde angezogen wurden. Sie sollen sich fast ausschließlich unter der Erdoberfläche, in natürlichen Höhlensystemen und künstlich erzeugten Grotten, militärischen Einrichtungen, sogar ganzen Städten, aufgehalten haben. Bestimmtes amerikanes Militär hat sich wohl mit diesen Geschöpfen verbündet, um von deren technologischen Fähigkeiten zu profitieren.“

Er schaut ihr tief in die Augen: „Es gibt anscheinend Wesen im Universum, die zwar gottabgewandt sind, aber dennoch sehr, sehr hoch entwickelt. Bewusstseinsmäßig wie technologisch. Das eine hängt sowieso vom anderen ab.“

Eine Weile hängt er diesen Gedankengängen nach, während sie ihn neugierig beobachtet. Dann sammelt er sich wieder.

„Ich wurde noch nicht wirklich darüber aufgeklärt, was unsere Gegner so drauf haben. Ich vertraue aber darauf, dass wir ihnen gewachsen sind. Schließlich, ob du es glaubst oder nicht: Der Initiationsimpuls gestern, dass es JETZT LOSGEHT, kam von ganz oben, von Gott sozusagen, der allem übergeordneten Intelligenz, der Quelle, die ursprünglich alles erschaffen hat. So habe ich das zumindest verstanden. Und ich glaube das auch. --- Und du?“

Inua lächelt ihn an: „Ich glaube dir. Da kannst du mal sicher sein. Und das hilft mir auch ein wenig, mir nicht zu viele Sorgen zu machen über das, was da … über die nächste Woche...“

Arnim lässt sie nicht weiter ausreden.

„Lass uns an Montag in einer Woche denken, an das Licht, das die Erde überflutet, die Leichtigkeit, die Explosion der Freude in den Gesichtern so vieler Menschen.“

„Wird es nicht ein Schock sein für die meisten?“

„Nun, viel hängt von den nächsten Tagen ab. Ich glaube, teils, teils.“

Innerlich ist selbst Arnim hin und her gerissen zwischen kindlicher Vorfreude und ungläubigem Staunen. Kann das wirklich wahr werden? Sitze ich nicht einer Illusion auf? Einer bitteren, naiv-idiotischen Verblendung?

6. 11:00 Uhr, Wilburton, Oklahoma, USA

Regelmäßig verbringt Duster P. Marwinger einige Spätsommerwochen in seinem Anwesen in den Ouachita Mountains. Von seiner abgelegenen Villa aus hat er einen herrlichen Blick über die bewaldete Hügellandschaft, in der nur ganz wenige Menschen ein Domizil errichtet haben. Am Ufer des nahegelegenen Sees liegt ein hochmodernes Segelboot, dessen sich Marwinger – wenn es denn geht – gerne täglich bedient.

In diesem Jahr ist er dazu jedoch noch gar nicht gekommen. Die Zeiten sind wirklich unruhig geworden für den Top-Logenmeister, auch wenn es gerade nicht danach aussieht. Mit einem gekühlten Cognac steht er auf der Terrasse des im alten englischen Adelsstil gehaltenen Landhauses und grübelt über den Lauf der Dinge. In seinem grauen Geschäftsanzug wirkt er eher untersetzt als korpulent, seine sonst gepflegt zur Seite gekämmten Haare kitzeln ihm jetzt seine habsburgerische Nase. Seine kleinen, grauen Augen verschwinden fast unter den mächtigen, schwarzen Augenbrauen alà Breschnew.

Zusammen mit zwei anderen Männern bildet er die Spitze nicht nur einer Loge, sondern gleich der fünf größten und mächtigsten Geheimbünde der Erde zusammen.

Trotz der jahrzehntelangen, vor allem mentalen Ausbildung in den Logen ist er in letzter Zeit, vor allem in diesem Jahr, mehr und mehr nervös und besorgt. Es ist schon ein paar Jahre her, als die Dinge noch richtig gut liefen. Nervös machen ihn nicht nur die Entwicklungen im Untergrund, sondern auch auf der Oberfläche: Einflussreiche Länder, Russland, China, Brasilien oder Indien entgleiten mehr und mehr ihrer Kontrolle. Die letzten Kriegsaktivitäten haben sich mehr oder weniger als Flops erwiesen; als Aktionen, die ihren Plänen fast mehr Schaden als Nutzen zugefügt haben. Für Marwinger stehen die Schuldigen fest: Die Galaktische Föderation des Lichts. Warum müssen die sich einmischen? So manches mal, wie auch jetzt, hat er die Wut über diese Unverbesserlichen nicht ganz im Griff.

Aber dann beruhigt er sich wieder. Insgesamt ist Marwinger nach wie vor überaus optimistisch. Aus seiner Sicht sind die Strukturen ihrer Macht überwiegend ungebrochen: Die GlobalPlayer-Konzerne, die Drogen-, Erdöl-, Waffen- und Pharmaindustrie, die Landwirtschaft, die Politik, die Medien, das Bildungssystem: alles hat sich ziemlich genau nach ihrem langfristigen Plan entwickelt. Nur ganz wenige Länder wagen den offenen Konflikt mit ihnen.

Die Basis von allem, das Finanzsystem, ist allerdings etwas ins Wanken geraten. Vor allem der Osten schickt sich an, ihr Monopol der zentralistischen Dachinstitutionen zu unterminieren. Hier muss gehandelt werden.

Marwinger glaubt an die geheimen technischen Möglichkeiten, die er und seine Mitstreiter zur Verfügung haben. Allen voran die fortgeschrittenen psychotronischen Methoden zur Mind-Kontrolle, mittels Fernsehen, Nahrung, Drogen, und nicht zu vergessen die gezielte Steuerung von Gedanken, Emotionen und Wahrnehmung mit niederfrequenten Wellen und Tachyonen-Energie: ELF-Wellen plus Teilchenfelder im Überlichtgeschwindigkeitsmodus. Wer soll dagegen was ausrichten?

Vor allem aber: Er ist von der Richtigkeit ihres langfristigen Plans, ihrer neuen Weltordnung, fest überzeugt. Die Ideale seiner Organisation geben ihm die Kraft und das Durchhaltevermögen, die es braucht, derart große Ziele zu verwirklichen. Über die Wälder blickend bestätigt er sich in seinem Sein.

Die Geschichte der letzten Jahrtausende hat gezeigt, dass die Menschheit, auf sich alleine gestellt, nicht zu einer globalen Ordnung finden kann. Vor allem religiöse Verblendungen und andere, archaische Glaubensvorstellungen verhindern den Sieg der Vernunft, um endlich zu stabilen Verhältnissen zu kommen: Die Überbevölkerung ist das größte Problem, 7,5 Milliarden sind einfach zu viel für diesen Planeten und seine natürlichen Ressourcen. Wenn wir erst mal das Zepter auf der Erde vollständig in die Hand genommen hat, wird Frieden, Harmonie und Ordnung einkehren. Dank vernünftiger politischer Führung. Zugegeben, die Maßnahmen, die zur Herstellung von globaler Harmonie ergriffen werden müssen, empfinden manche Menschen vielleicht als etwas drastisch. Aber... wie sonst? Es handelt sich, geschichtlich betrachtet, um ein Augenzwinkern in der Geschichte der Menschheit. Und man vergesse nicht, wie viel Blut bis heute im Namen der Religionen geflossen ist - vollkommen sinnlos. Dem bereiten wir ein Ende!

Bei diesen Gedanken kommt ihm in den Sinn, dass davon nicht alles für die Ohren seiner Herren bestimmt ist. Geduldig, geduldig, mein lieber Marwinger. Irgendwann kommt die Zeit, da komme ich auch ohne sie aus.

Ein Bediensteter in schwarzem Anzug und einer dunkelgrünen Krawatte betritt die Terrasse. Er wartet auf das Zeichen, dass er sprechen darf. Marwinger bewegt den Zeigefinger.

„Die Aktion in Beach Haven ist schief gegangen. Ebenso die südlich von San Francisco. Mit ET-Unterstützung haben sie unsere Agenten unschädlich gemacht.“

Marwinger hört sich an, was genau passierte. Emotionslos. Hochkonzentriert denkt er ein paar Minuten nach. Dann wendet er sich an seinen Untergebenen.

„Wir brauchen eine Generalversammlung in Area 51. Morgen 17 Uhr. Ich habe den Eindruck, dass sich was zusammenbraut. Lass ein Foto vom Präsidenten in den Leitmedien lancieren, auf dem er mit dem linken Zeigefinger nach unten weist. Untertitel: Der Präsident spricht morgen um 17 Uhr vor dem Senat über den Verteidigungshaushalt. --- Sag Jackson, dass ich in 30 Minuten startklar bin.“

Die Kommunikation über Bilder in den globalen Medien ist für das Netzwerk der Dunklen seit vielen Jahren das sicherste Mittel, um alle gewünschten Adressaten möglichst schnell, diskret und zuverlässig zu informieren. Je nach Einweihungsgrad sind bestimmte Gesten bekannt. Auf diese Art kann Marwinger bestimmen, ob 20, 200, 2000 oder 20.000 Brüder informiert werden.

Marwinger braucht die halbe Stunde nicht, um sich reisefertig zu machen. Seine Flugzeuge und Helikopter bieten jeglichen Komfort, um frisch und adrett auszusteigen. Aber er kann es sich nicht verkneifen, den Keller aufzusuchen. Dafür begibt er sich in den Fahrstuhl und drückt den Knopf für das 5. UG. Sicherheitshalber reagiert der Aufzug bei dieser Zieleingabe nur auf seinen Code und den der anderen zwei Logenführer. Denn jeder andere, der dort unabsichtlich oder aus Neugier aussteigen würde, riskiert den Tod.

Unten angekommen, öffnet die Fahrstuhltür den Blick auf einen schmalen, aber ungewöhnlich hohen Gang, der geradewegs zu einer glatten, amaturlosen Tür aus reinem Gold führt. Marwinger tritt vor die Tür und sammelt sich für einige Augenblicke. Dann tippt er 23 Zeichen in das Display an der rechten Wandseite. Lautlos öffnet sich die Tür nach innen und gibt den Weg frei in das zentrale Heiligtum seiner Organisation:

Die Bundeslade!

Unter diesem Namen ist sie jedenfalls allgemein bekannt. Die Eingeweihten nennen das Gerät, nicht ohne Humor, den Lucky Punch.

Der Lucky Punch ist außerirdische Hochtechnologie. Ursprünglich in der großen Pyramide in Gizeh gelegen, hat das Unikat eine verworrene Reise hinter sich. Diejenigen, die wissen, welch ungeheuerliche Möglichkeiten materieller Manipulation hierin stecken, den verwundert nicht, welch konfliktträchtige Begehrlichkeiten sich um die Bundeslade entfachten. Dem Versprechen der Macht konnten viele Menschen schon immer schlecht widerstehen. Doch seit knapp 900 Jahren ist der Lucky Punch in den Händen von Logenmeistern, deren Organisationen sich aufgrund kirchlicher oder hoheitlicher Anfeindungen zuweilen andere Namen zulegen oder ganz im Untergrund verschwinden mussten.

Die Bundeslade verleiht demjenigen, der sie zu handhaben weiß, die Macht, Materie mit Gedankenkraft zu erschaffen und vorhandene Materie zu transformieren. Die Technik nutzt hohe astrale, ätherische und elektrische Energie, derart, dass es sogar ein eigenständiges, intelligentes Wesen besitzt. Diese Schechina – nennen wir es einen Plasmawirbel – erscheint als strahlend helle, rotierende Lichtsäule. Sie kann sich unabhängig von ihrem physischen Körper, dem Stein in der Bundeslade, bewegen, Informationen überbringen, töten, Wasser beherrschen, sogar Landschaften verändern: der Lucky Punch ist seines Namens wirklich würdig.

Nur wer entsprechend geistig geschult und rein ist, kann sich unbeschadet dem Lucky Punch nähern. Sobald sich die goldene Tür öffnet, dringt glühendes weißes Licht durch den Ritz. Marwinger nutzt eine spezielle Brille, um die Helligkeit abzudämpfen. In der Mitte eines vollständig vergoldeten, runden Raumes von vielleicht 10 Metern Durchmesser steht die Lade. Ein rechteckiger, goldener Kasten mit Tragegriffen links und rechts. Auf seinem Deckel thronen zwei knieende Goldfiguren mit Flügeln. Der Plasma-Wirbel hat sich in dem geschlossenen Raum in eine gleichmäßige, schimmernde Lichtwolke ausgedehnt. Links und rechts der Lade sind zwei Steinquader platziert. Auf dem linken liegt ein Schaf mit durchtrennter Kehle, rechts ein Kalb mit aufgeschlitztem Bauch. Das Blut ist an allen Seiten des Quaders hinunter geflossen und mittlerweile getrocknet.

Wem die geistige Reinheit fehlt, um mit Lucky Punch unbeschadet in Verbindung treten zu können, der muss andere Methoden anwenden. Tier- oder Menschenopfer erzeugen hohe astrale und ätherische Energien, die Lucky Punch – sagen wir mal – besänftigen.

Marwinger weiß, dass es Zeit ist, frisches Blut nachzuliefern. Doch darum muss er sich nicht kümmern. Diesmal hat er keine weitere Absicht als die, sich mit vollendeter Energie aufzuladen und sein Ego mit der Aura des Allmächtigen zu tränken. Die regelmäßige Energiezufuhr der Lade lässt ihn bereits 148 Jahre leben. Wer ihm ohne Insiderwissen begegnet, schätzt ihn auf etwa 60 Jahre.

Marwinger verweilt aufrecht stehend vor der Lade, die Füße eine halbe Schrittlänge auseinander, die Arme seitlich ausgestreckt, die Hände nach vorne geöffnet. Kleine Lichtblitze zucken aus dem Plasma-Raum in alle Bereiche seines Körpers. Seine Physis scheint transparenter zu werden, bis nur noch ein leuchtendes Abbild seiner Konturen übrig ist. Regungslos verharrt er so einige Minuten.

Mit einer kleinen Bewegung des Kopfes beendet Marwinger dieses Ritual. Ohne Übergang ist er wieder in seinem grobstofflichen Körper. Er verlässt den Raum, die Tür schließt sich automatisch, er nimmt den Fahrstuhl ins EG, tritt auf den Vorplatz seines Anwesens, wo bereits der Helikopter mit rotierenden Blättern auf ihn wartet.

7. 11:00 Uhr, im Flugzeug über dem Atlantik

Die Stewardess in der 1. Klasse der Boing 747 bleibt vor ihm stehen.

„Sie sind Herr Brouden, stimmt's?“, spricht sie ihn vorsichtig an, als sie ihm einen Espresso auf den runden Tisch vor ihm serviert. Niclas Brouden ist gerade darin vertieft, das vor ihm liegende Gespräch durchzugehen. Dafür macht er sich Notizen in einem Notebook.

„Ja“, erwidert er daher kurz.

„Entschuldigen Sie, dass ich Sie störe. Ich … mein Vater war ein großer Verehrer von Ihnen. Er hat mir viel über Sie erzählt. In meiner Grundschulzeit haben wir ihre öffentlichen Auftritte und ihre Interviews gemeinsam im Fernsehen verfolgt. Nicht viele Politiker sind so ehrlich, mutig und aufrichtig wie Sie, Mr. Brouden.“

Niclas Brouden löst seinen Blick und schaut sie an. Er sieht sofort ein, dass sich diese Entscheidung gelohnt hat.

„Das ist ja nun schon eine Weile her, dass ich in der Politik tätig war. Aber, danke! Danke für die Komplimente. Mit den von Ihnen genannten Eigenschaften war es zuweilen nicht leicht, in der Öffentlichkeit zu stehen. Interpretieren Sie das nicht als arrogant. Ich kenne mich halt mit meinen 65 Jahren schon ganz gut. Das, was Sie in ein Kompliment verkleiden, habe ich dutzendfach als Warnung, Schmähung oder Beleidigung vernommen.“

Die Frau lächelt unsicher.

„Entschuldigen Sie, ich musste Sie einfach ansprechen. Ich sehe, Sie haben zu tun. Sind sie hinter den Kulissen immer noch politisch tätig?“

„Nicht wirklich, ich engagiere mich in einer NGO, die sich für den Erhalt der Artenvielfalt auf unserem Globus einsetzt. Oder besser gesagt, für die Verlangsamung der Artendezimierung.“

Brouden ist Profi durch und durch. Niemals würde er die wichtigsten Vorsichtsregeln vergessen. Auch wenn ihm das in diesem Fall etwas schwerer fällt, denn die Stewardess ist ausgesprochen attraktiv. Der enganliegende Dress der Airline betont ihre Rundungen, vor allem der offene Knopf ihrer weißen Bluse lässt sein Blut höher schlagen. Er konzentriert sich darauf, ihr in die Augen zu schauen. Aber auch das hilft ihm nicht, seine Körperreaktionen zu beruhigen. Was für eine russische Schönheit, schießt es ihm durch den Kopf. Volle, rote und ungeschminkte Lippen, hohe Wangenknochen, große, tiefbraune Augen mit etwas Rouge, fast schwarze, glatte Haare, die hinten zu einem Zopf gebunden sind.

„Wie heißen Sie?“ entfährt es ihm, ohne dass er diese Frage eigentlich stellen wollte.

„Marilyn Makariwa. Mein Vater ist Russe, meine Mutter Amerikanerin. Wenn ich nicht in der Gegend rumfliege, lebe ich in New York. Und Sie?“

„Mein Heim steht unweit von Ottawa.“

Sich der Wirkung ihres Äußeren bewusst, wird sie direkter: „Ich gebe Ihnen einfach mal meine Karte. Zu gerne würde ich mich mit Ihnen mal ausgiebiger unterhalten. Falls Sie dazu bereit wären und mal ein Fünkchen Zeit übrig haben, können Sie sich ja mal melden. New York und Ottawa sind ja ein Katzensprung auseinander.“

„Vielen Dank. Lassen wir uns überraschen“, erwidert Brouden, nimmt die Karte entgegen und versucht, sich wieder auf seine Notizen zu konzentrieren.

8. 13:30 Uhr, Moskau

Ein gewöhnliches russisches Taxi bringt Niclas Brouden in den Kreml. Er kommt immer wieder gerne hier her, er schätzt die majestätische Einrichtung des Gebäudes, genauso wie den klaren und hellen Verstand seines obersten Bewohners. Ein Staatsbeamter führt ihn durch die langen, prunkvollen Gänge in eines der Büros des russischen Präsidenten. Dieser empfängt ihn an der Tür. Herzlich schütteln sie die Hände. Nach ein paar Floskeln setzen sie sich neben einen Empfangstisch auf zwei rustikale Sessel aus der Zarenzeit. Tee und Knabbereien sind serviert.

Der Präsident, wie gewohnt ohne Umschweife: „Was führt dich zu mir?“

„Ich habe erfreuliche Nachrichten, sehr erfreuliche, die ich dir nur persönlich übermitteln kann. Ich bin überzeugt, du stimmst mit mir überein.“

Da der Präsident keine Anstalten macht, etwas zu sagen, fährt Brouden fort.

„Die höheren Intelligenzen der Erde und unserer Galaxie sind überein gekommen, dass es Zeit ist für einen erfolgversprechenden Versuch, das dunkle Netzwerk ein für alle mal aufzulösen...“

Brouden berichtet in allen Einzelheiten von den Ereignissen der letzten beiden Tage. Die Mimik des Präsidenten hellt sich zusehends auf. Schließlich drückt er einen Knopf. Nach wenigen Sekunden erscheint ein Bediensteter in der Tür.

„Bitte bringen Sie uns eine Flasche Sekt, den besten, den wir haben.“

Brouden überrascht die Reaktion des Präsidenten nicht. Dafür kennen sie sich bereits zu gut.

„dein Optimismus ehrt mich. Aber ich teile ihn.“

Der Präsident lehnt sich in seinem Sessel zurück und breitet die Arme aus: „Weißt du, auf diesen Moment habe ich fast mein ganzes Leben lang hin gearbeitet. Lass ihn uns einen Moment genießen.“

Nachdem die Gläser gefüllt sind, stehen die beiden Politiker auf, stoßen feierlich an und prosten sich zu.

Der Russe spricht: „Auf lichtvolle Zeiten. Auf ein Ende des Irrsinns. Auf eine Zukunft, in der die Träume eines jeden Menschen guten Willens auf dieser Erde wahr werden.“

Nach diesem feierlichen Moment werden sie wieder ernst und setzen sich. Der Präsident: „Was ist zu tun?“

„Versammle so schnell als möglich die wichtigsten 200 Staatsbeamten deines Landes. Mach es irgendwo, wo du ganz sicher bist, dass niemand mithören kann. Informiere deine Leute. Gib ihnen Anweisungen, was nächsten Montag, also in genau einer Woche, zu tun ist. Vorher passiert nichts, das musst du mir versprechen. Und alle Anwesenden müssen Stillschweigen wahren bis nächsten Montag.“

„Was für Anweisungen?“

„Warte, zwei Sachen noch: In Russland halten sich derzeit sieben Personen auf, die am Sonntag inhaftiert werden sollten. Hier ist die Liste. Ich denke, das ist kein Problem für dich. Ferner schlage ich vor, dass du für Donnerstag eine Zusammenkunft der BRICS-Allianz (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) organisierst. Offiziell kannst du als Grund den Antrag weiterer Länder zur Aufnahme in diese Allianz vorgeben. Lass erneut keine Sicherheitsvorkehrungen ungenutzt, um sicher zu gehen, dass niemand lauscht. Treff dich nur mit den Staatsoberhäuptern.“

„Wir werden alles Notwendige veranlassen, das neue Finanzsystem so schnell als möglich und reibungslos als möglich umzusetzen.“

„Gut, hier bist du der Experte. Dann übergebe bei dem Treffen die gleichen Anweisungen, die du auch deinen Staatsbeamten aufträgst. Auf diese Weise können wir gewährleisten, dass kein Chaos ausbricht. Die Anweisungen sind ...“

9. 13:45 Uhr, Manhattan, New York

„Wann sehen wir uns wieder?“

In Inuas Stimme klingt Wehmut und Besorgtheit mit. Es fällt beiden ziemlich schwer, sich nach den intimen Tagen, die sie miteinander verbracht haben, zu trennen.

„Ich kann es dir nicht sagen, das weißt du. Du weißt, dass ich keine Ahnung habe, was mich heute, morgen, die ganze nächste Woche erwartet. Aber ich hoffe auch, dass ich Pausen haben werde. Wann arbeitest du die nächsten Tage?“

„Ich werde vormittags überwiegend zu Hause arbeiten, ab ca. 14 Uhr bin ich dann im Büro zu erreichen.“

„Okay, Schatz, ich ruf dich an, sobald ich kann. Und bitte glaub mir: Du bist geschützt. Mach dir keine Sorgen. --- Ich muss gehen.“

Energisch löst sich Arnim aus der Umarmung, öffnet die Beifahrertür und verschwindet in der Menge, die sich in den U-Bahn-Eingang drängelt.

Unten auf dem Bahnsteig positioniert er sich am hinteren Ende der Plattform. Genau in dem Moment, als der hereinfahrende Zug zum stehen kommt, die Türen öffnet und sich die Menschentrauben auf den Bahnsteig ergießen, springt Arnim hinter dem Zug auf die Gleise. Flink huscht er in die Säulengalerie zwischen den stadtein- und -auswärts führenden Gleisen. Nach 300 Metern bleibt er vor einem gußeisernen, runden Kanaldeckel genau in der Mitte der beiden Säulenreihen stehen. Mit einem Blick nach hinten versichert er sich, dass er unbeobachtet ist. Er bückt sich und beginnt mit einem Stein, in der vereinbarten Sequenz über die Eisenplatte zu reiben.

Urplötzlich zerschneidet ein gleißendes Licht den Schutz der Dunkelheit. Adrenalin strömt in Arnims Adern, aber nach einer kurzen Schrecksekunde ist er wieder voll konzentriert. Er hebt den Arm vor seine Augen und kann einen Lichtkegel ausmachen, dessen Quelle vielleicht 20 Meter vor ihm liegt. Der Lichtkegel bewegt sich leicht, wahrscheinlich eine starke Taschenlampe in der Hand eines Menschen. Er lauscht nach innen. Aber da kommt nichts. Das beruhigt ihn. Er probiert es einfach mal.

„Hallo?“

Im nächsten Augenblick geschehen zwei Dinge gleichzeitig. Ein Schuss fällt und der Deckel vor ihm klappt in außergewöhnlicher Geschwindigkeit auf, so dass die Kugel, die ihn sonst durchbohrt hätte, gegen die Eisenplatte prallt und zurück geschleudert wird. Ohne zu überlegen gleitet Arnim in die Öffnung. Sofort schließt der Deckel über ihm. Brust an Brust in dem engen Schacht aneinander gequetscht, die Augen keine handbreit voneinander entfernt, erkennt Arnim seinen Mentor.

„Du zuerst“, entgegnet ihm dieser freundlich und, angesichts der Situation, provozierend lässig. Arnim ertastet die Stufen in den Wänden des Schachts und landet nach wenigen Tritten auf ebenem Boden. Sein Mentor folgt ihm.

„Es tut mir Leid, ich habe ihn nicht gesehen.“

Arnim ist ziemlich beunruhigt, dass sein Einstieg offensichtlich enttarnt wurde.

„Das macht gar nichts“, entgegnet ihm sein Mentor. Tiefliegende, hellblaue Augen strahlen ihn aus einem hageren Gesicht an. Mit seiner Glatze, den spitz zulaufenden Ohren und seinem grünen Overall geht er schon fast als Außerirdischer durch.

„Ich vergaß dir zu sagen, dass unsere Arbeitsräume alles andere als geheim sind.“

Dann nimmt er ihn fest in seine Arme.

„Freue mich sehr, dich zu sehen.“

„Ganz meinerseits. Was sagtest du da eben?“

„Komm erst mal rein.“

Sie laufen einen engen, schwach beleuchteten Kanalisationsgang entlang. Nach wenigen Metern knickt nach links ein weiterer Gang ab, der sehr bald vor einer Eisentür endet.

„Danke übrigens, dass du mir das Leben gerettet hast. Das war kein Zufall, oder?“

Arnim ist noch ganz bei den Ereignissen von eben.

„Was für eine Frage. Du enttäuscht mich ein wenig. Selbstverständlich nicht. Ich saß gerade beim Tee, als sich in meinem Geist das Bild – du über dem Kanaldeckel, ein Mann mit Taschenlampe und Pistole wenige Meter vor dir - in den Vordergrund drängte. Taamo Lumen rief mir noch hinterher: Beeil dich! Er wacht wirklich zuverlässig über uns. Und stell dir vor, nicht einmal Telepathie war dazu nötig.“

„Wie das?“

„Er sitzt in unserem Besprechungsraum, du wirst ihn gleich sehen.“

Diese Ankündigung hilft Arnim nicht, seinen Hormonspiegel zu normalisieren, aber es fühlt sich anders an. Viel weniger existenziell.

„Alle anderen aus dem Team sind übrigens schon da“, fährt der Mentor fort. Der Mentor will reingehen, aber Arnim hält ihm am Arm zurück.

„Und das ist nicht schlimm, dass da draußen jetzt jemand weiß, dass dieser Kanaldeckel ein aktiver Eingang ist?“

„Keineswegs. Unsere Gegner wissen genau, wo wir stecken. Aber sie wagen es nicht, uns anzugreifen.“

„Waaas?“

Arnim kann das nicht glauben.

„Gedulde dich ein kleines bisschen. Du erfährst heute noch die Geschichte dieses Ortes. Und ich verspreche dir: du wirst es kaum glauben.“