Die Entführung der Persephone - Annika Dick - E-Book

Die Entführung der Persephone E-Book

Annika Dick

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Beschreibung

Corrie wird von wiederkehrenden Träumen geplagt, in denen sie verloren in dichtem Nebel umherwandelt. Auch im richtigen Leben hat Corrie ihr Gedächtnis verloren – aufgrund eines Unfalls, wie sie glaubt. Als sie auf einer Party den geheimnisvollen Aides kennenlernt, fühlt sie sich sofort auf unerklärliche Weise zu ihm hingezogen. Sie weiß nicht, dass sie in Wahrheit Hades gegenübersteht, auf der Suche nach seiner entführten Liebe Persephone.

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Table of Contents

Titelseite

Impressum

Die Entführung der Persephone

Nachwort

Die Autorin

Leseprobe Das Geheimnis von Fynan Hall

Nachwort des Verlages

 

 

 

 

Die Entführung der Persephone

 

Annika Dick

 

Kurzroman

 

 

 

 

 

 

Ashera Verlag

Die Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig.

 

 

 

 

 

 

Copyright © 2022 dieser Ausgabe by Ashera Verlag

Ashera Verlag GbR

Hauptstr. 9

55592 Desloch

[email protected]

www.ashera-verlag.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder andere Verwertungen – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung des Verlags.

Covergrafik: Pixabay

Szenentrenner: Pixabay

Redaktion: Alisha Bionda

Lektorat & Satz: TTT

Vermittelt über die Agentur Ashera

(www.agentur-ashera.net)

 

»Komm mit mir, und du wirst nie wieder Rechenschaft für deine Wünsche ablegen müssen.«

Sie sah auf die Hand, die er ihr erwartungsvoll entgegenhielt. Als sie den Blick zu seinen steingrauen Augen hob, erkannte sie einen Hauch von Zweifel, den seine Stimme erfolgreich versteckt hatte.

Konnte sie das wirklich tun? Mit ihm gehen und ihr bisheriges Leben einfach so hinter sich lassen? Ihre Mutter würde ihr nie wieder auch nur das kleinste bisschen Freiheit gönnen. Sie würde … nicht in der Lage sein, sie zur Verantwortung zu ziehen, schoss es ihr durch den Kopf. Sie würde frei sein, wirklich frei. War es nicht das, was er ihr versprach? Dass sie tun und lassen können würde, was sie wollte, ohne jemanden um Erlaubnis zu bitten wie ein kleines Kind?

Jegliches Zögern wich aus ihrer Haltung, und sie ergriff seine Hand mit einer Entschlossenheit, die sie selbst überraschte.

»Nimm mich mit.«

 

Corrie öffnete benommen die Augen. Da war er schon wieder. Dieser Traum, aus dem sie nicht schlau wurde. Während sie träumte, war sie sicher, jedes Detail ihres Gegenübers wahrzunehmen, doch sobald sie erwachte, war sein Gesicht verschwunden, verloren im Land der Träume. Nur seine Augen blieben ihr. Seine Augen und sein Versprechen.

Mit einem Stöhnen rollte Corrie sich auf die Seite und strich sich das lange, dunkle Haar aus dem Gesicht. Sie brauchte keinen Mann, um frei zu sein, schalt sie sich und starrte in die Dunkelheit ihres Zimmers. Sie könnte ihre Mutter und deren Überfürsorglichkeit jederzeit verlassen. Warum tat sie es aber nicht? Die Frage hatte sie sich oft gestellt.

Wie lange schon? Das konnte sie nicht mit Sicherheit sagen. Nur die letzten Monate waren ihr noch im Bewusstsein geblieben. Alles was davor war, bevor sie von einem Auto angefahren und wochenlang im Krankenhaus gelegen hatte, war verschwommen und die Erinnerungen daran schwer zu greifen.

Vielleicht war es gerade dieser Umstand, der sie davon abhielt, den Schritt in Richtung Selbstständigkeit zu tun.

Angst war ein mächtiger Gegner, das wusste Corrie. Als sie das erste Mal im Krankenhaus erwacht war, hatte sie sich an nichts mehr erinnern können. Nicht einmal an ihren Namen. Erst langsam kamen einige Erinnerungen zurück. Daran, wie sie hieß, wer ihre Mutter war, wie alt sie war. Einfache Dinge, banale Kleinigkeiten, aber für Corrie waren sie unendlich wertvoll geworden. Noch erinnerte sie sich nicht an alles, aber der Arzt war zuversichtlich, dass ihre Erinnerungen alle zurückkehren würden, und Corrie glaubte ihm. Wenn es soweit war, war es auch an der Zeit, ihrer Mutter begreiflich zu machen, dass sie alleine zurecht kam. Vielleicht würde diese das dann aber auch selbst erkennen.

Ihr Nacken schmerzte, und Corrie griff nach dem Anhänger, den sie an einer Kette um den Hals trug. Eine runde, goldene Scheibe, so groß wie ihre Handfläche, mit Schnörkeln und Steinen verziert. Es war ein Geschenk ihrer Mutter gewesen, zur Genesung, als Glücksbringer. Corrie hatte sie auf Wunsch ihrer Mutter nicht mehr abgenommen, seit sie das Krankenhaus verlassen hatten. Wenn sie glaubte, dass die Kette ihre Tochter beschützen würde, wollte Corrie ihr den Gefallen tun.

Nach ein paar Minuten, als ihre Augen drohten, wieder zuzufallen, drehte Corrie sich auf den Rücken und starrte in die Schwärze über ihr, als könne sie ihre Zimmerdecke sehen. Sie wollte nicht wieder einschlafen und träumen. Der Traum mit dem mysteriösen Mann, der ihr Freiheit versprach, ließ sie ungeduldig werden. Er erinnerte sie an Wünsche, die sie hegte, ihrer Mutter aber nicht nannte, aus Furcht, ihre Überfürsorglichkeit noch zu verschlimmern.

Doch es gab noch einen anderen Traum, und dieser machte Corrie einfach nur Angst. Darin wandelte sie in einem dichten Nebel, ähnlich dem, der ihre Erinnerungen zu beherbergen schien. In diesem Traum wusste sie nichts mehr: Sie kannte sich selbst nicht mehr, wusste nicht, wo sie herkam oder hinging. Nichts hatte mehr einen Namen, für nichts gab es ein Wort, um es zu benennen. In den letzten Wochen war der Traum häufiger gekommen. Manchmal glaubte Corrie, sie würde nicht mehr aus ihm erwachen und der Traum würde ihre Wirklichkeit übernehmen.

In den hellen Stunden des Tages versuchte sie, sich begreiflich zu machen, wie unbegründet ihre Angst war, doch selbst dann gelang ihr das nicht wirklich. Die Angst saß tief in ihr. Es war, als wäre dieser Nebel ein eigenständiges Wesen, das langsam von ihr Besitz ergriff. Um dem Nebel diese Nacht keine Chance zu geben, suchte Corrie mit der rechten Hand nach ihrer Nachttischlampe und knipste sie an. Wenn es hell war, würde sie sicher besser wach bleiben. Ein Blick auf ihre Armbanduhr verriet ihr, dass es kurz nach vier war. In zwei Stunden könnte sie aufstehen, ohne ihre Mutter zu beunruhigen. Solange würde sie einfach in ihrem Bett sitzen und auf den nächsten Tag warten.

 

 

»Ich bin die Warterei endgültig leid!« Hades ignorierte Ares, der in seinen Weg schritt, als er den Olymp betrat. Er ließ den Kriegsgott stehen und ging geradewegs auf Zeus zu.

»Wo ist sie?«

Zeus holte tief Luft und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. Doch ehe er etwas sagen konnte, schüttelte Hades den Kopf.

»Ich will keine Ausreden hören. Mich interessiert nur die Wahrheit. Wo ist meine Frau?« Das Schweigen, das ihn getroffen hatte, hatte ihn fast zum Aufschreien gebracht. Seit fünf Monaten kam er täglich auf den Olymp und verlangte von seinem Bruder zu wissen, wo Persephone war. Die Antwort, die er erhielt, war stets die gleiche: Demeter und Persephone waren seit dem Tag, an dem die junge Göttin in die Unterwelt hätte zurückkehren sollen, verschwunden. Keiner wusste, wo sie sich aufhielten.

Als Zeus ihm dies zum ersten Mal gesagt hatte, hatte Hades nicht gewusst, was mit ihm geschah. Ein nie gekanntes Gefühl hatte von ihm Besitz ergriffen und sein Herz kraftvoll zugeschnürt. Nur langsam war ihm klar geworden, dass es Angst war, die er spürte. Angst um Persephones Wohlergehen.

Er wusste um das Geflüster der anderen Götter, dass Persephone geflohen sei, um nicht zu ihm zurückzukehren. Er kannte die Gedanken seiner Familie, doch er wusste auch, dass sie sich irrten. Sollten sie glauben, was sie wollten. Er wusste, dass Perspehone ihn nicht freiwillig verlassen hatte.

»Hol sie endlich zurück!«, verlangte er nun zum wiederholten Male von Zeus, doch dieser schüttelte nur den Kopf.

»Du weißt, dass ich das nicht kann. Mein Versprechen an Demeter bindet mich, genauso wie das deine dich bindet.«

»Demeter.« Hades schaffte es nicht einmal mehr, ihren Namen ohne ein Grollen über die Lippen zu bringen. Einst hatte er gehofft, sie würde akzeptieren, dass Persephone nicht länger ein Teil ihrer Welt war, doch er hatte sich geirrt. Er hätte es besser wissen und nicht versprechen sollen, seine Frau nicht noch einmal zu entführen. Doch er hatte auch nie geglaubt, dass dies nötig sein würde. Zeus’ Wort band Persephone, ein halbes Jahr bei ihrer Mutter zu verbringen, ehe sie zu ihm zurückkehren konnte. Keiner von ihnen hatte je geglaubt, dass Demeter sich über diese Entscheidung hinwegsetzen würde. Hades schalt sich selbst einen Narren. Doch daran ließ sich nun nichts mehr ändern. Woran sich jedoch sehr wohl etwas ändern ließ, war die Tatsache, dass seine Frau nicht dort war, wo sie sein sollte: an seiner Seite. Wenn sein jüngerer Bruder, der selbst ernannte Göttervater, nicht dazu in der Lage war, sie zu finden, musste er es eben selbst tun.

»Demeter hält sich nicht an die Abmachung, wieso tust du es dann?«

»Es tut mir leid, Bruder, aber meine Hände sind gebunden.«

»Du bist jämmerlich!«, warf Hades ihm vor, ehe er sich umdrehte und ohne ein weiteres Wort des Abschieds den Olymp verließ.

 

 

Hades zog sich auf dem kürzesten Weg in die Unterwelt zurück. Auch wenn sein Reich in Persephones Abwesenheit noch einsamer auf ihn wirkte, so war seine Vertrautheit doch angenehmer als der Olymp oder die Welt der Menschen. Zumindest konnte er hier seiner schlechten Laune freien Lauf lassen.

»Verzeiht, wenn ich störe …«

Hades drehte sich mit einem Knurren um und sah sich Hypnos, dem Gott des Schlafes gegenüber. Stirnrunzelnd sah er ihn an.

»Was gibt es?«

»Es ist mir zu Ohren gekommen, dass die Herrin der Unterwelt nicht dort ist, wo sie sich derzeit aufhalten sollte. Daher wollte ich Euch meine Hilfe anbieten.«

Hilfe. Kein Wort, das Götter leichtfertig in den Mund nahmen. Hades’ Augen verengten sich zu kleinen Schlitzen, und er sah, wie der Gott des Schlafes dagegen ankämpfte, einen ängstlichen Schritt zurückzutreten.

»Welchen Preis, denkst du, würde ich für deine Hilfe zahlen?«

Hypnos sah den Gott des Totenreichs mit weit aufgerissenen Augen an und schüttelte den Kopf.

»Nichts, Hades, absolut gar nichts.«

Ein Rumoren erschütterte die Erde dort, wo die beiden Götter standen. Mit einem Seufzen ließ Hypnos seine Unschuldsmiene fallen.

»Die Schuld ist meine zu begleichen. Nicht Euch gegenüber, aber meinem Bruder. Er erwähnte, dass der Gott der Unterwelt in einer … recht unangenehmen Stimmung sei. Es erscheint mir vom Tod persönlich recht jämmerlich, dass er Angst vor Euren Stimmungsschwankungen hat, aber seine Geschwister und die Schuld, in der man bei ihnen steht, kann man sich nun einmal nicht aussuchen, nicht wahr?«

Hades schnaubte verächtlich, als er sich durch Hypnos’ Worte an seinen eigenen Bruder erinnert fühlte. Doch dies war nicht der Moment, um an Zeus zu denken. Nicht, wenn Hypnos ihm wirklich helfen konnte, Persephone zu finden.

»Wie kannst du mir helfen?«

Hypnos verbeugte sich und deutete mit seiner Rechten vorbei am Asphodeliengrund, den die Schatten bewohnten, vorbei an den Toren der Sonne und den weißen Felsen, selbst an Okeanos vorbei. Er deutete dorthin, wo in der Unterwelt das Land der Träume lag.

»Folgt mir in mein Reich, Hades, und ich kann Euch Eure Frau zeigen.«

Ein letztes Mal zögerte Hades, ehe er seine Bedenken zur Seite schob und Hypnos’ Aufforderung folgte. Um seine Persephone wieder bei sich zu wissen, war er bereit, jedes Risiko einzugehen.

Hypnos betrat das Land der Träume zuerst, doch als Hades ihm folgte, hielten die Oneiroi in ihrer ständigen Bewegung inne. Die Traumdämonen, die Hypnos seine Kinder nannte, blickten neugierig auf den Gott des Totenreiches, ehe Hypnos sie ermahnte und zurück zur Arbeit rief.

Er führte Hades vorbei an unzähligen Gängen, an deren Wänden, Böden und Decken sich die Träume der Menschen spiegelten. Im hintersten Teil seines Reiches, bewacht von drei der stärksten Oneiroi, lag der Gang der Götterträume.

»Akakios«, rief Hypnos den Namen eines seiner Kinder.

Hades beobachtete, wie einer der Traumdämonen zu ihnen kam. Er verbeugte sich vor den beiden Göttern und sah Hypnos erwartungsvoll an.

»Zeig Hades die Träume seiner Frau.«

Akakios zögerte und sah von einem Gott zum anderen.

»Nun, was ist, worauf wartest du?«

»Vater, vergebt mir, es hätte mir früher auffallen müssen. Es ist nur so: In dieser Zeit des Jahres bedürfen die Träume der Persephone keiner Überwachung.« Akakios’ Blick hastete für einen kurzen Augenblick zu Hades, ehe er fortfuhr. »Ich habe sie daher nicht kontrolliert. Erst heute ist mir aufgefallen, dass etwas nicht stimmt. Sie … sie schwindet.«

Hades konnte sich nicht zurückhalten. Seine Hand schloss sich um den Hals des Dämons.

»Was soll das heißen, sie schwindet?« Seine Stimme hallte von den Wänden des Ganges wieder, und Akakios wimmerte in seinem Griff. Doch mit Persephone war auch Hades’ Mitgefühl verschwunden.

»Ihre … ihre Göttlichkeit … sie wird schwächer. Ich weiß nicht, wieso. Ich kenne nichts, das einem Gott die Kraft rauben kann«, beeilte der Traumdämon zu erklären. Hades ließ ihn los, und Akakios fiel auf seine Knie.

»Titanen«, sprach Hypnos das aus, was Hades dachte.

---ENDE DER LESEPROBE---