Die Erben Daikims - Dorylis Romahn - E-Book

Die Erben Daikims E-Book

Dorylis Romahn

0,0
6,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Das Leben geht seinen Gang in den drei Ländern, seit sie wieder vereint sind unter Daikims Sternen. Die Schrecken des Krieges sind vergessen, und auch die Erinnerung an die große Erschütterung verblasst. Aus ehemaligen Feinden sind Freunde geworden, auch die Bedrohung des Herrschers hinter der Mauer um die Welt existiert nicht mehr. Neue Verbindungen werden geschlossen, neue Horizonte erkundet, und für einige von ihnen hält das Schicksal besondere Wege bereit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 753

Veröffentlichungsjahr: 2022

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Dorylis Romahn

Die Erben Daikims

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Die Erben Daikims

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Länder und Provinzen

Personen

Impressum neobooks

Die Erben Daikims

Dorylis Romahn

Die Erben Daikims

Kapitel 1

Karion lächelt, als er aus dem Fenster des Schlafzimmers blickt, das er mit Miteno teilt, und Sunjen über den Hof kommen sieht. Er ist erst vier, und er ist so stolz darauf, dass er gekleidet ist wie ein Soldat, in eine Uniform, wie es jetzt genannt wird. Die Überwürfe in den Landesfarben über schweren gesteppten Lederwamsen haben ausgedient, sie werden nur noch bei den Waffenübungen getragen. Mar’thain Mereno war der Erste, der damit begonnen hat, seine Garde in dunkles Grau zu kleiden, mit blauen Litzen entlang der äußeren Hosennähte, die Jacken geschlossen mit den neumodischen Knöpfen und darüber Lederriemen mit bronzenen Schließen, an denen die Schwertgehenke baumeln, und eine Schärpe in den Landesfarben, blau und weiß, kunstvoll geschlungen über den Gürteln. Sie tragen ihre Broschen nicht mehr auf den Schultern, sie zieren jetzt die stehenden Kragen, links das Siegel der Maran und rechts das Zeichen ihrer Einheit. Und nach und nach sind alle Soldaten in Beth’narn und Beth’lai so gekleidet worden, mit Schriftrollen für die Kuriere, gekreuzten Lanzen für die Garden, Draq’ir’lai für die Hundertschaften der Draq’ona, Steigbügeln für die Reitereinheiten, gekreuzten Dolchen für die Schwertkämpfer. Dann hat auch Thain Tenaro es übernommen, zuerst nur für seine Garde und später für alle in seiner Armee, ihre Uniformen sind dunkelblau mit roten Litzen an den Hosenbeinen, und die Schärpen über ihren Gürteln gelb und rot wie früher ihre Überwürfe. Nur Mar’thain Kasrim hat sich lange nicht trennen mögen von den Überwürfen, er unterhält ein Reiterheer, seine Ilan’ki haben selten die langen gesteppten Wamse getragen. Aber auch sie werden bald gekleidet sein in Uniformen, Karion trägt eine davon, noch ohne das Abzeichen einer Einheit, er wird erst am Tag nach seinem achtzehnten Geburtsfest eintreten in das Reiterheer des Mar’thain, und sie steht ihm wirklich gut.

Sunjens Schärpe zeigt neben blau und weiß auch einen schmalen roten Rand, er ist der jüngste Sohn des Barar von Beth’lai, der den blutroten Streifen an der freien Seite des Banners zeigt und als sein Siegel das Messer im Schild. Es gehört ein winziges Schwert an seinen Gürtel, es ist kaum länger als ein großer Dolch und seine Schneiden sind stumpf, er kann nicht einmal ein Pirsi teilen damit. Er ist so stolz darauf, aber er trägt es nicht, wenn er mit den anderen Kindern im Garten spielt. Sein großer Bruder Tenjen hat ihn einmal mitgenommen in Beth’lai zu dem Totenhaus, das auf einer Lichtung in einem Kreis aus Bäumen steht am Fuß des westlichen Gebirges, und er hat ihm erzählt von dem kleinen Prinzen Kasiro, der sein Leben hat hingeben müssen, weil ein anderer Prinz damit geprahlt hat, er könne umgehen mit dem Schwert seines Vaters. Sunjen stellt genug Unfug an, aber mit seinem Schwert protzen wird er nicht. Es war nicht der Kasiro, den er kennt, Thain Tenaros jüngster Sohn, der lebt ja noch, er ist benannt nach Mar’thain Kasrims erstem Sohn, der gestorben ist schon vor langer Zeit, und er war es nach dem, der seit mehr als vierhundert Jahren liegt in seinem steinernen Sarg. Kurz bevor sie abgereist sind nach Beth’anu am Beginn des letzten Drittteils des neunten Mondes, Thain Tenaros vierzigstes Geburtsfest steht bevor, und er wird einen besonderen Gast begrüßen in diesem Jahr. Der Shat'a'drak von Tien’sa kommt zu Besuch.

Er war erst fünf, als die große Schlacht geschlagen worden ist auf den Ebenen und er seine Eltern verloren hat dabei. Er hat sie kaum gekannt, der Geist seines Vaters ist gewesen wie der eines vierjährigen Kindes. Er hat nichts anfangen können mit einem Sohn, und dem bösen Treiben seiner Schwester, die auch seine Frau war, keinen Einhalt gebieten können. Eine liebevolle Mutter hat er nicht gekannt, und heimlich geweint in seinem Bett, als sie ihm an seinem fünften Geburtsfest auch noch die Frau genommen hat, die sie ersetzt hat, seit er denken kann. Er war ein hilfloses Kind, er kann seine Beine nicht gebrauchen, sie sind nicht stark genug, ihn zu tragen. Er war angewiesen auf die Gnade oder Ungnade der Menschen, die für ihn sorgen, und wie gut sie das getan haben, ist bestimmt worden von den Launen seiner Mutter. Und er hat sich so entsetzlich gefürchtet, als die Männer gekommen sind und ihm gesagt haben, dass er jetzt der Shat'a'drak ist, der neunundfünfzigste Sohn des Dra’ken, seit das Haus regiert in Tien’sa. Sie haben ihn gekleidet in kostbare steife Gewänder, in eine Sänfte gesetzt und mitgenommen zum großen Tor. Die Nachricht ist ihnen vorausgeeilt, die Krieger mit den leuchtenden Schwertern sind zurückgekehrt, die Schlacht, in die seine Mutter die Ebenen der Pferdeherren gezwungen hat, ist verloren. Und jetzt sind sie auf dem Weg zum Tor, und diesmal werden sie vielleicht nicht Halt machen davor, sich nicht begnügen damit, sie zu halten hinter dem Zaun aus Baumstämmen. Die Männer, die ihn gebracht haben, haben sich vor ihnen in den Staub geworfen, aber die gekommen sind, waren nicht böse, nur grimmig. Einem der beiden Männer, die an der Spitze geritten sind, ist der eiserne Reif über ein Auge gerutscht, als sie abgestiegen sind von ihren Pferden, und der andere hat gelacht. Es hat den jungen Shat'a'drak erschreckt, er hat es einmal erlebt bei einer der Frauen, die seine Mutter begleiten, auch sie hat gelacht, als sie auf den Saum ihres Kleides getreten ist, sie ist danach nie wieder gesehen worden im Palast. Aber der Mann hat nur mit den Schultern gezuckt, etwas gesagt zu dem anderen, er hat es nicht verstanden, und den Reif wieder geradegerückt. Der dunkelhaarige Mann, der auf einem roten Pferd neben einem der Männer saß, in deren Händen die Schwerter leuchten, hat ihm zugezwinkert, und er hat sich seltsam getröstet gefühlt in dem hellen Strahlen der Steine. Und sich nichts sehnlicher gewünscht als auch einmal auf einem Pferd zu sitzen.

Es ist sein Einfall gewesen, Geschenke zu schicken an den Thain von Beth’anu und den Mar’thain von Beth’nindra, als die sie ihm vorgestellt worden sind, er kennt es von den Kindern, die manchmal gebracht werden, um mit ihm zu spielen, sie mögen ihn dann mehr. Meist haben sie nur steif wie Stöcke vor ihm gestanden, ihn kaum beachtet, erst als er ihnen gesagt hat, sie dürfen behalten, womit sie spielen, sind sie ein wenig fröhlicher geworden. Aber fast immer haben sie Spiele gespielt, bei denen man herumlaufen muss, und er kann es doch nicht. Nur ein Mädchen, Lien’ta, die zweite Tochter eines Ministers, der ein wenig in Ungnade gefallen war bei seiner Mutter, hat wirklich mit ihm gespielt. Ein Fadenspiel, bei dem man nur seine Hände braucht, ein Spiel, das mit bunten Steinen gespielt wird auf einem Chekta-Brett, und das mit den buntbemalten Stäbchen, das er so liebt. Manchmal hat ihre Schwester sie begleitet, Lien’si, die erste Tochter, sie ist schon viel älter als er, dann haben sie lustige Ratespiele gespielt, sie ist sehr gelehrt, sie bewacht den Bücherturm des Shat'a'drak. Er ist traurig gewesen, als sie fortgegangen ist mit dem jungen Mann, den der Thain und der Mar’thain geschickt haben, er hat ihn sehr gemocht, weil er immer freundlich war zu ihm. Und vor vier Jahren ist wieder ein junger Mann gekommen, seine Exzellenz Prinz Marino, Botschafter des Thain von Beth’anu, und mit seiner Ankunft hat sich der sehnlichste Wunsch des jungen Shat'a'drak erfüllt.

Er hat in seiner Sänfte auf dem Balkon gesessen, als der Tross im Hof des Palastes angekommen ist, und gelächelt, als er Lien’ta hat aus der Kutsche steigen sehen. Mit einem gegabelten Stock in der Hand, wofür braucht sie ihn, hat sie sich verletzt auf der Reise? Er hat es gesehen, als der junge Mann abgestiegen ist von seinem schwarzen Pferd, er braucht ihn um zu gehen. Und doch ist er geritten in seinen Hof, der Shat'a'drak hat geseufzt, und als er gekommen ist, um sich vorzustellen bei ihm, hat er ihn einfach gefragt, Marino gelächelt und es ihm erzählt. Von dem schrecklichen Tag der Erschütterung, als ihn der Pfahl des Banners in den Rücken getroffen hat, von den drei Tagen in der Kutsche, an die er sich kaum erinnert, als er gemeint hat zu sterben, weil die Schmerzen kaum zu ertragen waren, von den endlosen Drittteilen und Monden, die er nur hat liegen können in seinem Bett. Aber die Ärzte des Thain haben nicht nachgelassen in ihren Bemühungen, die weiße Schwester, die in Beth’anu die Kranken und die Menschen, die sich nicht allein helfen können, pflegen, hat Übungen mit ihm gemacht, um seinen Rücken zu stärken, und irgendwann hat er wieder sitzen können. Zuerst nur in seinem Bett gegen ein Polster gelehnt, dann auf einem Liegestuhl auf dem Balkon, und er hat es gehasst, weil er unter sich im Garten die Kinder der Thaini hat spielen sehen und nicht mittun kann dabei, und später hat er einen Stuhl auf Rädern gehabt, er ist nicht in einer Sänfte getragen worden wie der junge Shat'a'drak. Und in seinem dreizehnten Jahr, drei Tage nach der längsten Nacht, an den Tag wird er sich erinnern sein Leben lang, ist Thain Tenaro gekommen und hat ihn eingeladen, auszureiten mit ihm. Auf Anida, der hübschen schwarzen Stute, die er immer noch reitet, in einem Sattel, der gemacht war nur für ihn, mit Stützen, an denen seine Beine festgeschnallt waren, und er hat es gekonnt. Es ist Kassios Einfall gewesen, der Sho’gul schickt Grüße an seinen jungen Verwandten, er wird bald wieder einmal kommen mit Lien’si und ihren Söhnen, die an einem Tag geboren sind, er hat gemeint, wenn Marino hat reiten können ohne Beine, vielleicht wird es der junge Shat'a'drak auch können, wenn der Sattelmacher einen passenden für ihn näht. Und Thain Tenaro schickt es als Geschenk für ihn, den Sattelmacher, damit er ihn macht, den Mann, der es dem Pferd beibringen wird, und das Pferd gleich mit, eine junge Stute aus Prinz Karsirs Zucht, eines der goldenen Pferde aus Beth’nindra. Der Arzt, der verantwortlich ist für die Gesundheit des Shat'a'drak, hat Bedenken gehabt, Marino kann wieder laufen, weil das Empfinden zurückgekehrt ist in seine Beine, der Shat'a'drak wird es nie können, weil die Knochen in seinen zu schwach sind, sein Gewicht zu tragen. Aber Marino hat nicht nachgegeben, und an seinem sechzehnten Geburtsfest ist der sehnlichste Wunsch seiner Erhabenheit, des neunundfünfzigsten Shat'a'drak von Tien’sa, in Erfüllung gegangen. Er sitzt auf einem Pferd. Und jetzt gibt es noch einen Sho’gul mehr in Tien’sa, und diesem wird eine besondere Ehrung zuteil. Er hat nicht nur das Recht, eine viereckige Kappe zu tragen mit einem Quast darauf, er wird nicht nur bevorzugt bei der Vergabe von Ämtern, und er darf nicht nur den Palast des Shat'a'drak jederzeit betreten, er darf auch zu jeder Zeit eintreten in seine Gemächer. Und oft genug ist ihr Lachen zu hören, wenn sie zusammen das Spiel mit den buntbemalten Stäbchen spielen, so wie Marino es früher getan hat mit Danuro, dem jüngsten Prinzen von Beth’anu.

Der eingetroffen ist in der Feste des Thain vor einem Drittteil, und er hat von allen, die erwartet werden zu Tenaros vierzigstem Geburtsfest, den weitesten Weg gehabt. Der zweite Gesandte aus Sa’Tien’Saer, der angekommen ist in dem Jahr, in dem der Thain den zehnten Jahrestag seiner Krönung gefeiert hat, hat auch die Bitte des Tokai’ren überbracht, er möge einen Gesandten schicken an seinen Hof, damit er sieht, dass in seinem Reich gerecht regiert wird und der schlechte Eindruck, den der erste Gesandte hinterlassen hat, vielleicht ein wenig gemildert wird dadurch. Thain Tenaro hat es für einen guten Einfall gehalten, nur wen soll er entsenden als seinen Botschafter? Danuro hat gelacht, er hat schon lange wieder einmal ein Elfant sehen wollen, vielleicht auch einmal reiten darauf, wie man fertig wird mit dem Untier, wenn es irre wird, hat Kasian ihm ja gezeigt. Und über Lanzen laufen kann er auch, er ist schließlich oft genug zu Besuch gewesen bei seinen Blutbrüdern in Beth’nindra. Er ist erst einundzwanzig, noch viel zu jung, um in der Armee des Thain etwas anderes zu sein als ein einfacher Truppführer, Marschall kann er immer noch werden, wenn er zurückkehrt von seinem Abenteuer. Er ist aufgebrochen noch im gleichen Jahr, mit einer Hundertschaft aus der Armee des Thain und der Gesandte aus Sa’Tien’Saer hat ihm auch die Hälfte seiner eigenen Reiter mit auf den Weg gegeben, er braucht sie nicht als Schutz in Beth’anu. Und er hat Vögel mit sich genommen, die aus dem Ei gekommen sind in der Feste des Thain, der Weg nach Sa’Tien’Saer ist doppelt so weit wie der nach Tien’sa, aber vielleicht werden auch sie den Weg zurückfinden in das Haus, in dem sie aus dem Ei gekommen sind.

Und vor zehn Tagen ist er eingetroffen in der Feste seines Bruders, und er ist nicht allein gekommen, er hat im Palast des Tokai’ren den Krug gefunden, der an seinem Brunnen bricht. Es ist ihm gut ergangen, als er endlich angekommen ist nach seiner fast vier Monde dauernden Reise, sie haben eine Rast eingelegt in dem Tal vor dem Aufstieg zum Pass über die Betain’it’Dromar. Es hat sich wieder erholt von dem Grauen, das in ihm geschehen ist, der Boden ist bedeckt von weichem Gras, die Bäume an seinen Hängen tragen wieder grüne Blätter und Nadeln, und es wachsen Sträucher zwischen ihnen mit hübschen Blüten. Es ist jemand gekommen aus Sa’Tien’Saer und hat einen behauenen Stein aufgestellt zum Gedenken derer, die hier ihr Leben verloren haben, der General, der die Einheit aus Tien’sa befehligt, die immer noch darüber wacht, erzählt es Danuro, als er ankommt mit seinen Reitern. Aus dem Feldlager ist schon fast ein kleines Dorf geworden, Bauern haben sich angesiedelt, die sie versorgen mit Getreide und Gemüse, die reisenden Händler machen Rast bei ihnen, sie können für sich selbst sorgen. Sie haben oft Besuch von den Ilan’ki, die in dem Fort an der Grenze zu Beth’nindra liegen, es ist nur zehn Tagesritte entfernt, und sie werden auch von dort versorgt mit allem, was sie brauchen zum Leben. Viel zu tun gibt es nicht für sie außer Min’anu jagen in den Bergen, den Gesandten aus Sa’Tien’Saer, der gekommen ist am Beginn des Jahres, haben sie aufgehalten, bis der Marschall von Beth’nindra ihn abgeholt hat, viele von ihnen haben ihre Frauen und Kinder nachkommen lassen. Und der General zeigt es Danuro stolz, die beiden Statuen, die herausgerissen worden sind vor dem Eingang zu der Höhle, aus der das Gold gekommen ist, stehen wieder in ihrer Nische im Fels. Sie sind kaum beschädigt worden bei ihrem Fall, es gibt Männer mit geschickten Händen unter ihnen, sie haben sie wieder hineingestellt und die Schäden ausgebessert, die sie genommen haben. Und Danuro wundert sich, die Statue des Mannes sieht aus wie die, die er kennt aus Melaks Halle, aber die Frau. Sie hat wieder ihre Augen aus grünem Stein, und ihr Gesicht gleicht Mirinis. Sogar mit einer Narbe auf der Wange, wo ein Meißel abgerutscht ist, er wird es Tenaro einmal berichten. Ginjen hat sie damals begrüßt als eine Göttin, als er das erste Mal gekommen ist nach Beth’anu, vielleicht hat er sie erkannt in ihr.

In Sa’Tien’Saer ist Danuro empfangen worden mit allen Ehren, er wohnt in einem Palast, und er hat nicht nur ein Elfant, er hat gleich drei davon zu seiner eigenen Verfügung. Und gelernt darauf zu reiten, sie werden benutzt für die Jagd auf die gelben gestreiften Katzen, weil sie groß sind und von ihnen kaum angegriffen werden. Das macht es noch seltsamer, dass sie eine tot gefunden haben im Norden in der Wüste in Beth’draket, damals als Kan’to gezeigt hat, dass er seine Klingen schneller zieht als eine Schlange zuschlagen kann, und Thain Deramo gerettet damit. Und er weiß jetzt, was das Elfant irre gemacht hat, sie sind nicht gern allein. Das Tier des Erhabenen ist damals gebracht worden in den Marstall der Feste, der Stallmeister hat es füttern lassen mit Heu und alten Brotlaiben, sie haben seinen Stall gesäubert, aber es ist nie jemand gekommen von den Männern aus Sa’Tien’Saer und hat gesehen nach ihm. Der Stallmeister und die Pferdeknechte haben ihr Bestes getan, aber woher haben sie wissen sollen, dass ein Elfant gern badet im Fluss und dabei herumplanscht wie ein kleines Kind? Es war das Erste, das je gesehen worden ist in Beth’anu, woher sein Abbild stammt im Becken im Hof der Feste, weiß niemand mehr. Das Elfant hat es umgestoßen bei seiner wilden Flucht aus dem Marstall, seine lange Nase ist abgebrochen, der Steinmetz hat es ersetzt durch eines geschlagen aus dem harten weißen Stein aus Beth’nindra, aber das Wasser fließt nicht mehr aus seinem Rücken, es sprudelt jetzt aus einem Loch zwischen seinen Füßen. Aber dafür hat es Spieße an seinem Maul wie das, das Kasian getötet hat auf dem Feld vor Melaks Halle, mit goldenen Spitzen, und Thaini Mirini bindet die gelbroten Schleifen für die Bänderjagden an den Geburtsfesten der Kinder darum.

Danuro ist oft geladen worden an die Tafel des Tokai’ren, und hier hat er den Krug gefunden, der an seinem Brunnen bricht. Ihr Name ist Mie‘lin, sie war erst achtzehn, als er ihr das erste Mal begegnet ist, eine liebreizende junge Frau. Eine Verwandte des Tokai’ren, aber diesmal hat er es nicht als Frevel angesehen, wenn seine Augen auf ihr gelegen haben. Oder ihre Hände sich berührt bei ihren Spaziergängen im Garten seines Palastes, und als Danuro gekommen ist und gebeten hat, sie ihm zur Frau zu geben, hat er nur schmunzelnd genickt. Danuro ist der Sohn und Bruder eines Thain, ein Prinz aus einem Thainan, sie verbindet sich nicht unter ihrem Stand. Er hat ihre Vermählung ausgerichtet, ein wenig anders, als er es gewohnt war aus Beth’anu, aber ihre erste Nacht ist nichtsdestotrotz eine wundervolle gewesen. Und ein Jahr nach ihrer Vermählung hat sie ihm eine Tochter geboren. Sie haben sie Tiéla genannt, und sie ist Danuros ganzer Stolz.

Sie ist es auch, die das Lächeln bringt in Karions Gesicht, als sie an Sunjens Hand über den Hof trippelt. Sie ist zwei Jahre und fast drei Monde alt, ein niedliches kleines Mädchen, und er hat sich auf den ersten Blick verliebt in sie. Sie werden auf dem Weg in die Halle sein, die Köche der Feste halten dort immer kleine Leckerbissen bereit für die Kinder und Tee in Bechern, die ihre Namen tragen. Tiéla hat noch keinen, aber sie wird trinken dürfen aus Sunjens. Oder aus einem hübschen roten aus Glas, sie werden dutzendweise gebracht aus Beth’kalar, seit die Menschen dort gelernt haben, Gefäße zu machen aus gefärbtem Glas. Es ist ein warmer neunter Mond in diesem Jahr, und es geht wieder lustig zu im Garten der Thaini. Dabei sind noch nicht einmal alle versammelt, Mar’thain Mereno wird erst morgen erwartet mit seiner Familie, und auch die Kinder der Maran aus Beth’nindra fehlen noch. Dann wird Tiéla nicht mehr die Kleinste sein, Mereni hat Kasian im letzten zehnten Mond eine Tochter in den Arm gelegt, als Mar’thaini Safira die Hoffnung auf ein weiteres Ahnkind schon fast aufgegeben hatte. Metiro war schon neun, sie haben sich Zeit lassen wollen nach ihm, aber doch nicht so lange. Und an Mitenos vierzehntem Geburtsfest im letzten Jahr haben sie alle überrascht damit.

Nur Karion ist schon eingetroffen, er hat ein wenig Zeit verbringen wollen mit Miteno. Sie sind Freunde schon fast so lange er lebt bei Karsir und Katina, er ist sechzehn geworden im fünften Mond, aber in Beth’nindra gibt es keinen Pflichtdienst. In den Miteno eintreten wird im nächsten vierten Mond, für drei Jahre als Kurier des Thain, dann werden sie sich nicht oft sehen. Karion wird ein Ilan’ki werden wie sein Vater, eintreten mit achtzehn für fünf Jahre, und danach wird er entscheiden, ob er dabei bleibt oder den Hof übernimmt im Süden und goldene Pferde züchtet wie sein Vater, Prinz Karsir ist sehr stolz auf sie. Das hübscheste von ihnen, Draca, reitet Melari, und sie tut es wie ein Ilan’ki. Virú, der Schöne, Karsirs roter Hengst, hat es gezeugt mit einer Stute, die abstammt von dem hübschen hellen Hengst, der ein Geschenk war an Thain Tenaro von seiner Ahnmutter bei seiner Verbindung mit Mirini. Ein Pferd wie gemalt, es hat nur einen Makel gehabt, es war strohdumm. Was sich Melak sei Dank verloren hat in der zweiten Generation, und aus ihr sind mit den roten Pferden, die Karsirs Ahnvater gezogen hat, die goldenen Pferde geworden, die begehrt sind in allen drei Ländern. Besonders bei den Frauen, ein Ilan’ki schaut auf anderes als die Farbe bei seinem Pferd. Und er würde nicht reiten auf einem, das schon aus Meilen Entfernung auszumachen ist, sie leuchten in der Sonne wie die Rei’nin, die weißen Pferde, die Thain Tenaro als Geschenk erhalten hat aus Sa’Tien’Saer. Aber sie verkaufen sich gut, der Marschall von Beth’nindra ist reich geworden mit ihnen, und manchmal verschenkt er sie auch. An die Frauen seiner Freunde, Thaini Mirini hat eins bekommen, Mar’thaini Marina, und Lien’si und Mereni. Auch wenn er nur der Brudersohn ist von Mar’thaini Safira, er sieht sie an als seine Brudergattinnen, weil die maranische Familie von Beth’nindra mehr seine Familie ist als seine eigene. So wie es auch Karion ergeht.

Er denkt nicht gern zurück an die ersten neun Jahre seines Lebens, der Mann, den er für seinen Vater gehalten hat, hat an ihm vergolten, was der Fehler seiner Mutter war. Es war schließlich sie, die sich zwei Drittteile vor ihrer Verbindungsfeier in das Bett des jungen Kommandierenden einer Einheit gelegt hat, das Kind, das sie dabei empfangen hat, ihrem verbundenen Mann als seines in den Arm gelegt, und gelogen, als Karsir gekommen ist und sie gefragt hat, ob es sein Kind ist. Und vielleicht hat Melak seine göttliche Hand im Spiel gehabt, als er ihn auf dem Pferdemarkt vor den Toren der Feste ausgerechnet in ihn hat hineinlaufen lassen, Karsir ist, was man bei einem Hengst einen starken Vererber nennt, seine Kinder sind Ebenbilder seiner selbst. Niemand, der sie nebeneinander gesehen hat, hat auch nur den geringsten Zweifel gehabt, dass Karion Karsirs Sohn ist, seine Mutter hat zugegeben, dass sie bei ihm gelegen hat, auch wenn sie behauptet, es wäre mit Gewalt geschehen, der oberste Richter des Mar’thain hat sie eines Besseren belehrt. Karsir Da’lar, Kommandierender der Einheit Zwei im Reiterheer des Mar’thain von Beth’nindra, er hat ihr nicht vorenthalten, wer er ist, sie hätte jederzeit gehen und ihn anklagen können. Ilan’ki werden hart bestraft, wenn sie etwas nehmen, das ihnen nicht freiwillig gegeben wird, er hätte kein anderes Urteil zu erwarten gehabt hat jeder von ihnen, auch wenn er der Brudersohn der Mar’thaini ist. Aber erst als Karion davongelaufen ist vor der harten Hand des Mannes, den er für seinen Vater hält, hinein in die Gasse, die die Feste mit dem Pferdemarkt verbindet, hinein in den Marschall von Beth’nindra, ist es ans Licht gekommen, und er ist damit auch hineingelaufen in ein besseres Leben.

Katina ist ihm eine liebevollere Mutter gewesen als seine eigene ihm je war, sie hat an ihm nicht vergolten, was seinem Vater nicht einmal als Fehler zugerechnet werden kann. Er hat es nicht besser gewusst, ihm ist gesagt worden als Fünfzehnjährigem, dass er vielleicht nicht mehr vermag, ein Kind zu zeugen nach seiner langen Krankheit, und er hat Karion gesehen als drei Monde alten Säugling, viel Ähnlichkeit war da noch nicht zu erkennen. Nicht einmal an den Augen, Karion hat wie Karsir und Melari sehr dunkle, damals sind sie noch blau gewesen, so wie viele Säuglinge sie haben, erst als er älter geworden ist, nach und nach, ist er zu seinem Ebenbild geworden. Seine Mutter hat es erschreckt, sein vermeintlicher Vater hat es ihm übelgenommen, und Kastir, der damals noch der Mar’thain war, hat es Karsir vorgeworfen als sein einziges Versagen, dass er nicht noch einmal geritten ist und geschaut hat nach dem Kind, wenn er der jungen Frau schon damals nicht geglaubt hat. Aber die Einheit Zwei untersteht dem Mar’thain, sie nimmt nicht teil am Felddienst der anderen Einheiten, nur die sechs Monde dauernde Wache in einem Grenzfort bleibt ihnen nicht erspart, es hat sich einfach keine Gelegenheit ergeben für ihn. Erst zwei Jahre später, bei einem Besuch auf dem Hof, den er geerbt hat von seinem Ahnvater, ist er noch einmal geritten zu ihrem Haus, aber er hat die Familie nicht mehr angetroffen. Die Menschen, die jetzt dort leben, haben ihm nur sagen können, dass sie fortgegangen sind, das Auskommen aufgegeben haben, aber sie haben ihm nicht sagen können wohin.

Karion erinnert sich noch, wie er das erste Mal auf seinen wahren Vater getroffen ist. Er war schmutzig und todmüde, weil er die Nacht unter ihrem Karren in der Gasse verbracht hat mit dem Mann, den er für seinen Vater gehalten hat, weil er zu knauserig war, einen der Stände zu mieten, die man mit hölzernen Klappen verschließen kann für die Nacht. Es schläft sich nicht gut auf hartem Pflaster, und hungrig war er auch, weil er kein Morgenmahl gehabt hat. Wieder einmal nicht, er hat bleiben und den Karren bewachen müssen, als der Mann in das Gasthaus gegangen ist, in dem seine Mutter mit seinen Geschwistern schläft, und es dort eingenommen hat mit ihnen. Es war eine Rangelei mit einem seiner Brüder um ein Stück Brot für sein Mittagsmahl, die ihn gegen den Karren hat stolpern lassen, drei der großen gelben Früchte sind herabgerollt, nur eine ist aufgeplatzt, und sie hätte sich immer noch verkaufen lassen für weniger Plättchen, um Mus daraus zu kochen. Aber der Mann ist sehr böse geworden, er hat ihn angebrüllt und geschlagen mit seiner harten Hand, und Karion ist einfach davongelaufen. Gerannt und gerannt, er hat Haken geschlagen wie ein Hase, um nicht noch etwas umzuwerfen, und als er heraus gerannt ist aus der schmalen Gasse, ist ihm der hochgewachsene Mann mit dem kleinen Mädchen auf dem Arm in den Weg geraten. Er ist abgeprallt von ihm, und dann hat er vor ihm gesessen im Staub und in Augen geschaut, die ihm seltsam vertraut erschienen sind. Und jetzt hat sich Karion erst recht gefürchtet, er ist nicht allein, ein anderer Mann steht neben ihm und zwei Frauen, und Ilan’ki und Krieger in blauweißen Überwürfen. Sie haben einen Ring um sie gebildet, als sein Vater wütend angerannt gekommen ist, der große Mann ist vor ihm in die Hocke gegangen und hat nach ihm gegriffen. Aber er hat nur nach seinem Namen gefragt, als er ihm ausgewichen ist, und in Karion ist ein Fünkchen Hoffnung aufgegangen. Der Mann vor ihm muss einen hohen Stand haben, wenn er beschützt wird von Ilan’ki, vielleicht kann er ihm helfen. Vielleicht darf er für ihn arbeiten in seinem Pferdehaus und muss nicht mehr zurückkehren in sein elendes Leben. Er hat es schon einmal versucht vor einem Jahr, ist einfach fortgelaufen bis in das Feldlager, das nicht weit entfernt gelegen hat von ihrem Hof, und hat die Ilan’ki dort gefragt, ob er arbeiten darf für sie, den Dung ihrer Pferde schaufeln aus den Ställen, er würde es tun nur für Essen. Aber der Kommandierende hat nur gelacht, er ist noch viel zu jung, er soll wiederkommen in zehn Jahren, und dann hat er ihn zurückbringen lassen in sein ungeliebtes Zuhause. Es hat drei Tage gedauert, bis Karion sich wieder erholt hatte von den Prügeln, mit denen er empfangen worden ist.

Diesmal ist es anders gewesen, der Mann vor ihm hat kein Wort gesprochen, es war der andere, der das Heft in die Hand genommen hat. Sie fortgebracht hat aus der Gasse, zuerst in ein Zelt, dort sind sie wieder auf die Frauen getroffen und zwei junge Männer, einer von ihnen hat einen kleinen Brotlaib gefüllt mit Fleisch und Gemüse in der Hand gehabt. Karion hat ihren Duft schon den ganzen Morgen in der Nase, er hat gierig danach gegriffen, als er ihm hingehalten worden ist. Er hat schrecklichen Hunger, und Angst gehabt, dass wieder jemand kommt und ihm den Leckerbissen wegnimmt, so wie es oft passiert in seinem Zuhause. Diesmal nicht, und jetzt hat auch der große Mann gesprochen, er hat sich verteidigt gegen das, was seine Mutter ihm vorwirft. Er hat sie nicht mit Gewalt genommen, sie hat ihn aus eigenem Willen in ihr Bett gezogen, und sie hat ihm gesagt, Karion ist nicht sein Kind, warum hat sie gelogen, wenn er es so offensichtlich doch ist? Sie hat ihnen keine Antwort darauf sagen können, und er hat Karion beansprucht als seinen Sohn, er wird ihn aufnehmen, er wird jetzt leben bei ihm. Und seine Mutter und der Mann, den er für seinen Vater gehalten hat, sind einfach fortgegangen.

Die ersten Tage im Haus des Marschalls sind Karion fast unwirklich erschienen, wie ein Traum, er hat nicht glauben können, dass es jetzt immer so sein soll. Ein eigenes weiches Bett, satt zu essen, saubere Kleidung, und freundliche Worte statt Knuffen und Schlägen. Sie haben ihn in einen Badetrog gesteckt, kaum dass sie dort angekommen sind, er war schmutzig und hat gestunken nach dem Unrat der Gasse, auf deren Pflaster er geschlafen hat. Einer der jungen Männer, sein Name war Tenjen, hat ihm Kleidung gebracht, und laut herausgeprustet, er ist drei Jahre älter und einen Kopf größer als Karion, sie hängt um seinen mageren Körper. Aber sie ist nicht schmutzig und geflickt wie seine, die schon nicht mehr neu war, als seine Mutter sie ihm gegeben hat. Sie hat sie eingetauscht gegen drei große gelbe Früchte bei ihrer Nachbarin, ihrem Sohn ist sie zu klein geworden, er hat nicht mehr hineingepasst, für Karion war sie noch gut genug. Ein Mann ist gekommen, er hat von sich gesagt, er ist ein Arzt, Karion hat in seinem ganzen Leben noch keinen gesehen, und er hat den Kopf geschüttelt, als er die dunklen Flecken und die Striemen, die offensichtlich von einem ledernen Gürtel stammen, erblickt hat auf seinem mageren Leib. Nur als sie seinen Kopf geschoren haben, hat ihm das nicht behagt, sie haben sein Haar dreimal gewaschen mit Seife, sie hat wundervoll gerochen, aber es hat sich nicht mehr entwirren lassen. Seine Mutter hat es einfach abgeraspelt mit einem Messer, und er hat selten Zeit und Muße gehabt zu baden in ihrem kleinen Dorfteich, sein Vater hat immer etwas zu tun gehabt für ihn. Selbst die Schule hat ihn nicht oft gesehen, auch in Beth’nindra gibt es Schulpflicht, der Dorfälteste hat mehr als einmal ein harsches Wort gesprochen mit seinen Eltern, wenn er wieder nicht dort gewesen ist, weil er seinem Vater hat helfen müssen auf dem Feld.

Er ist sehr auf der Hut gewesen in der ersten Zeit, er hat seinem Glück nicht getraut, befürchtet, dass er zurückgeschickt wird, wenn er etwas Dummes oder Falsches tut, aber Katina, Prinz Karsirs Frau, ist immer freundlich gewesen zu ihm. Sie hat nicht mit ihm geschimpft, als die Dienstmagd, die die Räume säubert, die Nahrung gefunden hat unter seinem Bett, kleine Brote und Früchte. Sie waren schon halb verdorben, er hat sie dort versteckt, weil er nicht hat daran glauben können, dass ihm immer gegeben wird, was er erhält bei jeder Mahlzeit. Sie hat ihn nur liebevoll in ihre Arme gezogen und ihm gesagt, er muss das nicht tun, er wird immer satt zu essen haben. Und wenn es einmal nicht reicht, wenn er Hunger verspürt zwischen den drei Mahlzeiten, die gereicht werden an jedem Tag, so wie es auch Tenjen und Miruno oft ergeht, der Koch verdreht die Augen über ihre Gefräßigkeit, wenn sie in der Küche betteln um Früchte oder süße Kuchen, sie sind schlimmer als die bunten Würmchen im Garten, die einen Strauch im Handumdrehen ratzekahl nagen, dann soll er einfach fragen danach. Auch sie hat gelächelt, als sie ihn zuerst gesehen hat in Tenjens Kleidern nach seinem ersten Bad nach langer Zeit. Die Hose gehalten auf seinen mageren Hüften nur durch den Gürtel, die Beine dreimal aufgeschlagen, und das Hemd aus einfacher ungefärbter Strauchwolle hat fast bis zur Mitte seiner oberen Beine gereicht, es hat nur gehangen um Karions knochige Schultern. Tenjen ist groß und schlank trotz seiner Gefräßigkeit, und Miruno noch ein paar Fingerbreit höher, seine Kleidung passt erst recht nicht, aber schon am nächsten Tag hat Katina ihm Hose und Hemd gegeben, die nur für ihn gemacht waren. Karsir hat ihn kaum von seiner Seite gelassen in der ersten Zeit, und unter seiner und Katinas liebevoller und fürsorglicher Anleitung hat er gelernt, sich zu benehmen wie es dem Sohn eines Prinzen zukommt. Und das kleine Mädchen, das auf seinem Arm gesessen hat, als er hineingelaufen ist in ihn, ist seine kleine Schwester, sie hat einfach seine Hand genommen und aufgeschaut zu ihm mit Augen, die sind wie seine, und bald ist es gewesen, als ob er schon immer ihr großer Bruder ist. Als sie ihm und ihrer Kinderfrau entwischt ist und wiedergefunden worden im Marstall vor Virús Stall, ist er nicht bestraft worden dafür, dass er nicht auf sie geachtet hat, so wie in seinem alten Zuhause.

Sein Haar ist längst nachgewachsen, es fällt lang, glatt und dunkel auf seine Schultern wie bei seinem Vater, seine Kleidung ist ordentlich und er geht achtsam um damit, und er hat aufgeholt, was er in der Schule verpasst hat. Ihre Väter sind unerbittlich, sie entkommen ihr nicht selbst wenn sie auf Reisen sind, in den Festen des Thain von Beth’anu und des Mar’thain von Beth’nindra, in den Residenzen des Mar’thain von Beth’narn und des Barar von Beth’lai, ja selbst im Haus des Barar von Beth’kalar wartet ein Lehrer auf sie. Aber Karion liebt es zu lernen, er nimmt Wissen auf wie Wasser aufgesogen wird von einem weichen Tuch oder einem der Schwämme, die der Botschafter aus Sa’Tien’Saer mitgebracht hat, sie stammen von einem Tier, das in einem riesigen salzigen See lebt. Er wird einmal ein gebildeter Mann sein, und noch mehr liebt er es, den Erklärungen der Gelehrten aus Tien’sa zu lauschen, die immer noch leben in der Baran Beth’lai und die glitzernden Höhlen erforschen, die Da’lar-Höhlen, sie sind benannt nach seinem Vater. Der erwartet wird in ein paar Tagen, sie schreiben schon den achtzehnten Tag des neunten Mondes, er ist mit Prinz Kassio in das Fort an der Grenze zu den Ebenen geritten, um den Shat'a'drak von Tien’sa zu begrüßen und ihm das Geleit zu geben durch Beth’nindra. Und der Botschafter von Tien‘sa wird sich morgen aufmachen in das Dorf an der Grenze und sie dort erwarten, Sa’Rimar Miteno wird ihn begleiten als Vertreter des Thain und Karion an seiner Seite reiten als sein Freund. Wer hätte das gedacht vor sieben Jahren, als er heraus gerannt ist aus einer Gasse, um den Schlägen seines Vaters zu entgehen, und hinein gestolpert in ein Leben, das ihm manchmal immer noch erscheint wie ein wundervoller Traum.

Aus dem Garten der Thaini unter ihm sind plötzlich laute Stimmen zu hören, Dorimi streitet wieder einmal. Es ist Prinzessin Milinas Stimme, die ihr antwortet, sie nimmt Waniri in Schutz, Sunjens große Schwester. Die auch allein fertig wird mit ihr, sie ist aufgewachsen mit Tenjen und Miruno, dabei wird man kein zimperliches Mädchen. Aber Dorimi ist wieder einmal unerträglich, sie ist selten ein nettes Kind gewesen, und es ist schlimmer geworden mit ihr, seit der Sohn des Botschafters von Tien’sa zurückgekehrt ist in seine Heimat im letzten Jahr. Er wird dort leben bei seinen Ahneltern, seine Bildung zu Ende bringen und in ein paar Jahren zurückkehren, um das Amt seines Vaters als Botschafter zu übernehmen. Er und Dorimi haben sich sehr gemocht und viel Zeit miteinander verbracht, als die baranische Familie noch gewohnt hat in der Feste des Thain, und auch später, wenn sie zu Besuch gekommen sind, und sie hat tagelang geheult in ihrem Schlafzimmer, als er abgereist ist. Es sich mit Tenjen verdorben wegen ihm, er hat sie vergöttert, als sie noch ein kleines Mädchen war, aber je älter sie geworden sind, umso heftiger haben sie gestritten miteinander. Karion ist einmal zwischen ihre Schlachtlinien geraten, als er noch nicht lange gelebt hat bei seinem Vater Prinz Karsir, auf der Verbindungsfeier für Barar Damiro und Werina, er hat vermitteln wollen zwischen ihnen, da sind sie gemeinsam auf ihn los, er hat es sich sehr zu Herzen genommen und sich danach herausgehalten aus ihren Streitigkeiten. Und oft genug und immer wieder ist es dabei auch um den Sohn des Botschafters gegangen. Dorimi hat Tenjen vorgeworfen, dass er netter zu ihr ist, sich mehr bemüht um sie, Tenjen hat zurückgeworfen, er hat es auch einfacher als er, er wohnt nicht Tagesreisen von ihr entfernt. Miruno hat sie ein eingebildetes Huhn genannt, das nur auf sich schaut, und schon sind sie gemeinsam auf ihn losgegangen. Und sie haben getan, was Kasrim und Karsir prustend vorausgesagt haben, als die Wogen wieder geglättet waren, sie haben sich geschworen, dem Weibervolk zu entsagen, sie stiften nur Unfrieden, sie sind wie Brüder, das ist besser als das Gezanke, und sie ist die Verstimmung zwischen ihnen nicht wert. Und auch sie haben ihren Schwur nicht gehalten, die Tochter des Stallmeisters der Residenz in Beth’lai ist ein niedliches Ding, und der Kommandierende der Reitereinheit, bei der sie ihren Pflichtdienst ableisten in Beth’narn, hat gleich zwei hübsche Töchter, die an einem Tag geboren sind. Nur leider überhaupt kein Verständnis für die Liebesnöte seiner jungen Rekruten, und ihm ist es vollkommen gleichgültig, dass sie die Söhne des Barar von Beth’lai sind. Es lässt sich trefflich nachdenken, wenn man das Lederzeug einer Hundertschaft Reiterei abreibt mit grünem Öl, und es riecht nicht besonders gut. Sie haben den Gestank tagelang nicht aus der Nase bekommen, und die jungen Frauen sich angewidert abgewandt von ihnen.

Ihr Pflichtdienst endet erst im elften Mond an Tenjens neunzehntem Geburtsfest, Miruno ist seinerzeit mit ihm gemeinsam eingetreten, obwohl er vier Monde älter ist. Mar’thain Mereno hat sie ohne Dienst stellen lassen, als Thain Tenaro gebeten hat, dass Ginjen schon zu Beginn des neunten Mondes anreist und mit ihm Vorbereitungen trifft für den Besuch des Shat'a'drak. Er ist der Barar von Beth’lai, die Baran gehört zur Maran Beth’narn, aber Ginjen ist auch ein Rutar von Beth’anu, der Thain hat ihn dazu gemacht, als er Mar’thaini Selima befreit hat aus den Fängen einer wilden Horde, die über das westliche Gebirge gekommen ist und die Residenz des Mar’thain angegriffen hat. Er hat seitdem eine Narbe auf dem linken Wangenknochen, sie stammt nicht von der Schlacht mit den Männern des Pferdehändlers. Selimas Haushofmeister hat sie ihm beigebracht, als er ihn angegriffen hat mit einem Dolch, um das Leben der Mar’thaini und ihrer Kinder zu schützen, weil er ihn nicht gleich erkannt hat. Sie lachen heute noch gemeinsam darüber, und Prinz Karsir nennt seinen Freund den einzigen Mann, der gezeichnet ist von der scharfen Zunge eines Haushofmeisters.

Sie sind mit dem Rest der baranischen Familie in der Feste des Thain eingetroffen am letzten Tag des ersten Drittteils, und Tenjen und Miruno haben sich lächelnd angesehen, als Sunjen sich gleich am ersten Tag unsterblich verguckt hat in die kleine Tiéla. Sie sind unzertrennlich, er behütet sie, und als seine Mutter Danima ihm seine kleine Uniform gegeben hat, ist er gleich noch ein Stückchen gewachsen vor Stolz. Er ist ein Draq’ona ehrenhalber wie sein Vater, eine kleine Draq’ir’lai ziert seinen Kragen, die Männer der zweiten Hundertschaft, die gegründet worden ist, um die glitzernden Höhlen zu bewachen, haben ihn dazu gemacht. Weil auch er ein niedliches Kerlchen ist, es gibt noch Krieger in der Garnison, die sich erinnern, wie Tenjen gewesen ist in seinem Alter. Herumgehüpft wie eine Springbohne, kaum zu bändigen, und seine leuchtend blauen Augen haben gefunkelt vor Lebensfreude. Sunjen hat sie auch, Ginjen hat sie vererbt an seine Söhne, Waniri hat die sanften braunen Augen ihrer Mutter. Und wie er kann er sich entzücken über einen bunten Wurm im Gras, einen glitzernden Stein am Wegrand, und die Kunst aller kleinen Kinder, sich plötzlich in Luft aufzulösen, beherrscht er fast noch besser als sein großer Bruder. In der Feste braucht er keinen eigenen Bewacher, der Thain lässt Hof und Garten bewachen von seiner Garde, und die Pforten in der Mauer sind sicher verschlossen, der Kommandierende sieht jeden Morgen beim Wachwechsel selbst darauf. Die Wachen am Tor achten darauf, dass sie nicht entwischen, und im Marstall hält sich immer jemand auf, sie können auch über die Koppel nicht entkommen. Aber das wollen sie auch gar nicht, sie spielen lieber gemeinsam im Garten. Mit dem kleinen Wagen mit den Püppchen, mit Sunjens Sammlung hölzerner Tiere, sie werden geschnitzt in der Baran seines Vaters, er hat eine ganze Truhe voll davon, er stößt sie an auf der Seilschaukel, ganz sachte nur, damit sie nicht herunterfällt, sie ist noch klein, und wenn sie Durst hat, darf sie trinken aus dem Becher mit seinem Namen. Und morgen, wenn Mar’thain Mereno ankommt mit seiner Familie, wird sie einen eigenen haben.

Auch Danima lächelt, als sie Sunjen durch das Portal kommen sieht mit Tiéla an der Hand, er hat so viel von Tenjen. Und von seinem Vater, aber sie achtet jetzt sehr genau darauf, dass sie die drei Kerne jeden Morgen nimmt, die verhindern, dass sie ein Kind empfängt von Ginjen. Sie hat gesehen, was es ihm angetan hat, als sie sieben lange Monde gemeinsam gewartet haben auf ihren Jüngsten, und sie weiß, was er hat tun wollen, wenn sie die Geburt nicht überlebt, Katina hat es ihr einmal erzählt. Es hätte Tenjen, Miruno und Waniri nicht nur die Mutter genommen. Er hat drei Leben gerettet an dem Tag, als er ihr geholfen hat, Sunjen auf die Welt zu bringen.

In den drei Ländern haben Männer nichts verloren an den Betten der Frauen, wenn sie niederkommen, aber Ginjen hat sich nicht von ihr zu trennen vermocht. Er hat neben ihr gesessen, als sie sich in ihr Kindbett gelegt hat, die Sonne war gerade untergegangen hinter ihrem westlichen Gebirge, und er hat ausgeharrt bei ihr. Ihre Hand gehalten, die Spuren ihrer Nägel sind noch tagelang zu sehen gewesen auf seinem Handrücken. Aber es ist schneller gegangen dieses Mal, leichter gewesen, aber als das Wasser gekommen ist, hat sie wieder nicht vermocht, das Kind herauszubringen aus ihrem Leib. Der Arzt und die Hebamme haben vieles versucht, sie waren schon zum Äußersten entschlossen, als Ginjen etwas Seltsames getan hat. Er hat Danima aus ihrem Bett gehoben, der Arzt hat es ihm verwehren wollen, aber die blauen Augen können nicht nur sanft leuchten und vor Freude glitzern, sie können auch kalt blicken wie Eis. Er hat sie bis zur Wand getragen, sich daran gelehnt, und sie mit dem Rücken sanft an sich gezogen. Mit einem Arm um ihren Leib, die andere Hand hat auf ihrer Stirn gelegen mit ihrem Kopf an seiner Schulter. Dann ist er daran herabgeglitten, bis sie mit gespreizten Beinen gesessen hat auf seinen geöffneten Schenkeln, und sie hat seine Stimme sanft flüstern hören „Versuch es noch einmal, mein Liebes, bitte versuch es noch einmal.“ Und dieses leise Wispern hat ihr wieder Kraft gegeben, sie hat gespürt, dass das Kind heraus will aus ihr, und es versucht. Zaghaft zuerst, dann ein wenig kräftiger, die Hebamme hat geholfen, und dann ist er herausgekommen, ihr kleiner Sohn. Sein Körper war bleich, er hat kraftlos mit seinen Ärmchen gerudert, aber ein Klaps auf sein kleines Hinterteil hat geholfen. Da hat er seine Empörung laut heraus gebrüllt, er ist rot angelaufen vor Wut über das, was ihm Schreckliches angetan worden ist, er ist gehört worden bis in die Halle, in der Karsir gesessen hat und gewartet auf seinen Freund.

Danima hat Ginjens Lächeln hinter sich gespürt, sie hat seine leise Stimme gehört. „Hör doch, Liebes, unser kleiner Sohn.“ Aber er hat sie weiter so gehalten, erst als auch das Glitschige gekommen war, hat er sie zurückgetragen und sanft auf ihr Bett gelegt. Und diesmal hat sie nicht stundenlang geblutet, es ist schnell versiegt, das Gesicht der Hebamme hat gestrahlt vor Freude. Melak sei Dank, sie wird es überleben. Der Arzt hat sich verbeugt vor Ginjen und ihn gefragt, woher er es gewusst hat. Der hat nur mit den Schultern gezuckt, so haben es die alten Frauen gemacht in ihrem Lager an dem kleinen Fluss am Fuß der Betain’it’Dromar, dort ist jedes Kind so auf die Welt gekommen. Es ist leichter für die Frauen, weil es sich seinen Weg selbst bahnt mit seinem Gewicht. Auch Tenjen hat so das Licht der Welt erblickt, ihn hat es verwundert, dass sie Danima gelassen haben in ihrem Bett. Ginjen hat drei Leben gerettet, weil er sich daran erinnert hat, Mutter und Kind geht es gut, und er muss nicht reiten zu den glitzernden Höhlen, um seinem Leben selbst ein Ende zu setzen. Und es hat auch Karsir erlöst aus der Qual seines Schwurs, seinen Freund nicht zu hindern daran.

Kapitel 2

In der Feste ist alles bereit für die Ankunft des Ehrengastes, die Böden der Flure und Zimmer blitzen vor Sauberkeit. Die Vorratskammern sind gefüllt, es ist ein gutes Jahr gewesen für Beth’anu, sie haben reich geerntet, und das Rauchfleisch ist diesmal besonders gut geraten. Es ist immer noch Karimas alte Köchin, die den hölzernen Löffel schwingt in der Küche, sie kocht nicht mehr selbst, aber sie treibt die Köche und Küchenmägde an schlimmer als jeder Kommandierende es vermag. Versuch macht klug, so hält sie es immer noch, und ihr Rauchfleisch ist besser geworden von Jahr zu Jahr. Sie reibt es ein mit dem Sud der Beeren eines Strauchs mit Nadeln, der in Beth’draket und an der Baumgrenze des Drat’kalar wächst, bevor es in die Rauchfänge gehängt wird, das macht es zart und würzig. Rauchfleisch aus der Küche der Feste ist eine Delikatesse, die teuer verkauft wird auf den Märkten in Beth’ab’Thain, wenn sie dann überhaupt einmal zu haben ist.

Thaini Mirini hat die Zimmerflucht des Sa’Rimar neu herrichten lassen, Danuro wohnt darin mit seiner Familie in der Zeit seines Besuchs, und unter dem breiten Bett im Schlafzimmer hat sich so manches wieder gefunden, das vermisst worden ist. Soldaten aus Zinn, geschnitzte Holztiere, ein weicher Stiefel fürs Haus, er passt schon lange nicht mehr. Ein Armreif aus Kernen und glitzernden Steinchen, wie sie gemacht werden von den Frauen in Beth’anu und verkauft auf den Märkten. Und einer aus den Früchten der Oasen, die in der Sonne getrocknet süß wie Honig werden, die hohen kahlen Stämme mit den großen Blättern wachsen jetzt entlang des breiten Stroms in Beth’narn, er war schon verdorben, und Mirini hat gelacht. Sie wird einmal ein ernstes Wort reden müssen mit dem Haushofmeister und schimpfen mit den Dienstmägden, die die Zimmer säubern, ein Besen reicht auch unter das Bett, und ein Sa’Rimar ist nicht besser als andere Jungen in seinem Alter. Und für wen mag der Armreif bestimmt gewesen sein, Miteno wird ihn auf dem Markt gekauft haben als Geschenk, aber es scheint, dass es nicht angenommen worden ist, warum sonst sollte er so herzlos unter das Bett verbannt worden sein. Er ist schon fünfzehn, in einem halben Jahr wird er seinen Pflichtdienst antreten, und wenn er zurückkehrt nach den drei Jahren als Kurier des Thain, wird er ein junger Mann sein. Und dann an der Seite seines Vaters lernen, selbst ein Thain zu werden.

Er ist ein hübscher junger Mann geworden, das Ebenbild seines Vaters, wagemutig und manchmal ein wenig tollkühn wie er, und er und Karsirs Sohn Karion sind gute Freunde, so wie es ihre Väter sind. Ihnen fehlt der dritte in ihrem Bund, es hätte Kasrims Sohn Kasiro sein sollen, er ist gestorben schon vor zwölf Jahren, da ist er gerade einmal zwei gewesen. Es hat sich noch ein Bund zusammengefunden, ihr jüngster Sohn ist benannt nach ihm, wenn er zusammen ist mit Kastir, Kasrims Sohn aus seiner zweiten Verbindung mit Marina, und Tamino, dem jüngsten Prinzen aus Beth’narn, stehen sie ihren Vätern in nichts nach. Wilde Ritte über die Feldwege in Beth’anu, klettern in den schroffen Abhängen des Drat’kalar in Beth’nindra, und die glitzernden Höhlen in Beth‘lai sind ihr zweites Zuhause, wenn sie dort aufeinander treffen. Eine verschworene Gemeinschaft, was der eine nicht weiß, fällt den anderen ein, sie stellen genug Unfug an, die Garden ihrer Väter haben alle Hände voll zu tun mit ihnen. Und auch Deramo, der Zweitgeborene des Thain, und Darian, der Erbprinz von Beth’narn, sind gute Freunde, sie sind einander sehr ähnlich. Sie werden jetzt die Gelehrten genannt, sie sind wie früher Mereno es war. Sie galoppieren nicht wild über die Felder, sie erkunden sie, sie sitzen gern zusammen im Pavillon oder im Schreibzimmer und blättern gemeinsam in einem Buch, sie sind die ruhigen Gegenparte zu ihren Brüdern. Oft ausgelacht von ihnen, sie nehmen es hin mit einem Lächeln. Denn auch in ihnen, wie in Mereno, schlummert die Härte, die einem Nachfahren Daikims zu eigen ist, sie wissen sich durchzusetzen, und sie stehen ein für diejenigen, die ungerecht behandelt werden. Nur um Dorimi machen sie einen weiten Bogen, sie hat die scharfe Zunge ihrer Mutter geerbt. Die sie jetzt wetzt an den Mädchen, die mit ihr sitzen im Pavillon im Garten der Thaini, und abgesehen hat sie es auf Waniri. Sie und Denira haben die Nacht gemeinsam bei Prinzessin Milina in ihrem breiten Bett mit den hübschen Vorhängen aus besticktem Strauchwollstoff verbracht, ihr Kichern und Flüstern ist die halbe Nacht zu hören gewesen, die Wachen auf den Fluren haben manches Mal gegrinst, wenn die Kicherlinsen ihrem Namen alle Ehren gemacht haben. Dorimi ist nicht gebeten worden, daran teilzuhaben, Milina mag sie nicht besonders, sie haben auch früher oft gestritten. Jetzt ist sie böse deswegen, und sie hat es ausgelassen an Waniri.

Die Nun’thainu von Beth’draket und Anu’betain sind vorgestern angereist mit ihren Familien, damit die Kleider der Mädchen angepasst werden können, die Thaini hat Denira und Darina zu Ehrenjungfern bestimmt für Prinzessin Milina, sie werden an ihrer Seite sein, wenn Thain Tenaro den jungen Shat'a'drak empfängt. Denira ist Sirimas Tochter, sie kann wie sie sehr majestätisch sein, aber Darina ist ein stilles Kind, fast scheu, sie hat so gar nichts von ihrer Mutter, der Prinzessin Derani, die als Kind eine ebensolche Springbohne gewesen ist wie ihr Bruder Danuro. Und sie fürchtet sich vor Dorimi, sie hält sich lieber an Prinzessin Milina und Waniri, und ihr hat sie scheu angeboten, auf dem Fest zu Ehren Thain Tenaros das Diadem zu tragen, dass sie zu ihrem zehnten Geburtsfest als Geschenk erhalten hat von dem jungen Mar’thain aus Beth’terla, er ist ein Freund ihres Vaters. Es ist gemacht aus Silber und besetzt mit den Perlen, die manchmal dort gefunden werden in den Muscheln der Flüsse. Dorimi hat es mit angehört, und sie ist gleich hergefallen über Waniri, sie ist nur die Tochter eines Barar, keine Prinzessin, es steht ihr nicht zu, eine Krone zu tragen. Milina ist für sie in die Bresche gesprungen, und doch darf sie, ihr Vater ist ein Rutar von Beth’anu, und ihre Mutter ist die Blutschwester des Thain wie sie, also gehört Waniri zur Familie. Und ein Diadem ist keine Krone, sie, Denira und Darina werden schmale Goldreifen tragen, Kirini und Deneri, Mar’thain Merenos Töchter, und Safira und Anada, die Brudertöchter des Barar von Beth’lai, silberne Haarreifen, Thain Tenaro hat auch Ginjens Bruder Tonwin und seine Frau Obida mit ihren Kindern geladen zu seinem Fest. Jedes der Mädchen wird einen Reif tragen auf seinem Haar, sogar Melari, Prinz Karsirs Tochter, die lieber Hosen tragen würde als Kleider und reitet wie ein Ilan’ki, warum also soll Waniri es nicht dürfen? Nur weil Dorimi es ihr missgönnt? Aber die hat es nur noch mehr aufgebracht, sie ist ein wenig schnippisch geworden, und dann hat sie die anderen einfach sitzen lassen im Pavillon.

Tenjen und Miruno, die mit Miteno nicht weit davon entfernt bequem mit den Rücken an das Wasserbecken gelehnt im weichen Gras sitzen und auf Karion warten, sie wollen gemeinsam ausreiten, haben sich prustend angesehen, Mädchen und ihre Kümmernisse. Hat das Kleid auch die richtige Farbe, damit es zu meinen Augen passt, wer darf welchen Reif tragen im Haar, und warum ist ihre Zopffrisur hübscher geschlungen als meine? Und Miteno hat die Augen verdreht, da haben es die Männer in den Familien leichter. Sie werden einfach die Uniformen ihrer Länder tragen, er und seine Brüder mit kleinen silbernen Schriftrollen auf den Kragen, das Zeichen der Kuriere des Thain, die aus Beth’narn mit winzigen Steigbügeln oder Draq’ir’lai, Sunjen sieht einfach zu niedlich aus in seiner, und die aus Beth’nindra die grünen Jacken mit der weißen Stickerei um die Säume, die nur bis zur Mitte des Leibes reichen, geschlossen mit Knebeln, und den kurzen Umhang, der über einer Schulter getragen wird, die Mar’thain Kasrim jetzt bald einführen wird als Uniform für seine Ilan’ki, Karion ist schon darin bewundert worden von ihnen. Und auf dem Kopf tragen sie einfach nur ihr Haar, das ist ihnen Schmuck genug, nur Miteno wird um den Reif des Sa’Rimar nicht herumkommen, er sitzt noch recht locker auf seinem Kopf, noch drückt er ihn nicht. Und er soll auch noch ausgerechnet Dorimi zu Tisch führen, Karion hat Kirini und er will um nichts in der Welt mit ihm tauschen. Aber wenn sie morgen losreiten zur Grenze, bleibt ihm noch genug Zeit, ihn zu überreden, damit diese Schale an ihm vorüberzieht.

Und auch die alte Barari Indera seufzt, als sie Dorimi wütend durch die Halle stapfen sieht, was ist nur in ihre jüngste Tochter gefahren? Sie benimmt sich wieder einmal sehr ungehörig, man lässt die Prinzessin nicht einfach so sitzen. Und sie bringt auch Thaini Mirini damit gegen sich auf, es hat seinen Grund, warum Dorimi nicht auch zu einer Ehrenjungfer bestimmt worden ist. Zuhause in ihrem Haus am See streitet sie mit Daneto, ihrem Brudersohn, und Werina ist einmal fast gestürzt auf der Treppe, weil Dorimi ihre Schuhe darauf hat stehen lassen, die junge Barari ist fast blind, ihre Hoffrauen und die beiden Männer der Garde, die immer hinter ihr gehen, haben das Schlimmste verhindert. Selbst die alte Thaini Karima, die verbunden ist mit dem früheren Nun’thain von Drat’irrim und mit ihm glücklich und zufrieden lebt in dem hübschen Landhaus, das er für sie gebaut hat an der Grenze zu Beth’ab’Thain, hat die Geduld mit ihr verloren, sie lädt sie nicht mehr ein, seit Dorimi einmal gestritten hat mit Milina bei einem Besuch bei ihr. Vielleicht sollte sie wahrmachen, was sie ihr angedroht hat, sie schicken in die Residenz zu ihrer Schwester Danima, der Barari von Beth’lai, vielleicht lernt sie bei ihr, sich angemessen zu benehmen. Sie ist überglücklich gewesen, als bei Sunjens Geburt nicht eingetreten ist, was alle befürchtet haben, sie hat überlebt mit Ginjens Hilfe. Der Barar von Beth’lai ist ein ruhiger Mann, er regiert in seiner Baran mit leichter Hand, und an Danimas Bett hat er wieder einmal bewiesen, dass mehr in ihm steckt als zu sehen ist auf den ersten Blick.

Oder vielleicht noch besser nach Beth’nindra in die Feste zu ihrer Schwester Mereni, die Kinder der Maran wissen sich sehr gut zu benehmen. Liebevoll aufgezogen und gut behütet, ihnen ist das Schicksal Kasiros immer noch gegenwärtig, des ersten Sohns von Mar’thain Kasrim, der hat sterben müssen, weil seiner Mutter andere Dinge wichtiger gewesen sind als er. Kassios Söhne, die an einem Tag geboren sind, Katiro und Lin’jen, sie sind der Bund in der Feste mit Metiro, Kasians Sohn, und als Karion dazugekommen ist, hat Prinz Karsir ihm gesagt, er ist der Älteste, die Kleineren schauen auf ihn. So wie Kassio und Katiro, sein Bruder, nach dem er seinen älteren Sohn benannt hat, der mit ihm an einem Tag geboren war und gestorben ist in der Schlacht auf den Ebenen, und Kasian, der jüngste Prinz von Beth’nindra, auf ihn und Kasrim geschaut haben und manchmal den Unfug nachgemacht, den sie getrieben haben, es ist nicht immer gut ausgegangen. Er ist nicht verantwortlich für sie, nicht so, wie er es war für seine kleinen Geschwister, mit denen er aufgewachsen ist, er wird nicht bestraft, wenn sie weinen, aber sie werden nachtun, was er ihnen vormacht, im Guten wie im Bösen. Melari nicht, sie braucht keine Anleitung, sie kommt von ganz allein auf die seltsamsten Einfälle, aber er ist ihr großer Bruder, er soll ein wenig achten auf sie. Karion hat es sich zu Herzen genommen, er hat gehört auf das, was Karsir ihm gesagt hat, er hat gespielt mit ihnen, und er hat Melari kaum aus den Augen gelassen, trotzdem ist sie ihm zweimal entwischt. Einmal haben sie sie wiedergefunden im Marstall vor Virús Stall, als sie einträchtig eine Wurzel geteilt hat mit ihm, ein anderes Mal ist sie entkommen durch eine Pforte in der Mauer, die nicht verschlossen war, weil sie den langen grünbraun geringelten Wurm hat streicheln wollen, den sie unter einem Strauch gefunden hat, einer der Hunde hat sie schlafend gefunden im hohen Gras. Sie ist oft in den Waffenhof der Garnison gelaufen, sie hat nichts verloren dort, er ist wie in Beth’anu ein Ort für die Männer, aber sie ist als ganz kleines Mädchen, kaum dass sie laufen konnte, schon einmal hier gewesen, da hat sie die Strohpuppe, an der die Rekruten fechten üben, geschmückt mit roten Blüten aus dem Garten der Mar’thaini. Kasian gesteht ihr das Gastrecht zu, und er hat gelacht, als sie gesagt hat, sie will auch laufen über Lanzen. Er hat es sie tun lassen und sie hat es gekonnt, einfach ihr Kleidchen ein wenig hochgehoben und ist losgelaufen, kaum eine Handbreit über dem Boden, die Ilan’ki haben geschmunzelt über ihr freudestrahlendes Gesichtchen. Sie ist ein niedliches kleines Mädchen und die Tochter ihres Marschalls, keiner von ihnen würde zulassen, dass ihr ein Leid geschieht. Nur Prinz Karsir hat die Augen verdreht über sein Töchterchen, sie reitet wie ein Ilan’ki, seit sie drei ist, sie läuft über Lanzen wie über eine Treppe, und sie hat gelernt, mit einer Peitsche zu schlagen. Er hat sie gefunden dabei, wie sie es versucht hat im Garten ihrer Mutter, sie hat einfach seine genommen von ihrem Zapfen in der Halle, und er hat ihr seufzend eine eigene, viel kürzere machen lassen und gezeigt, wie man umgeht damit. Auf einer Wiese vor dem Tor der Feste, man kann sich selbst damit verletzen, wenn man sie nicht geschickt handhabt, und Katina wäre sehr traurig gewesen, wenn sie die Blüten abgeschlagen hätte von den Sträuchern, die sie so liebevoll pflegt. Sie hat auch im Garten gesessen und mit Püppchen gespielt, aber sie ist lange Zeit das einzige kleine Mädchen gewesen in der Feste, und sie hat oft nachgetan, was die kleinen Jungen ihr vorgemacht haben. Mar’thain Kastir hat meist herzhaft gelacht über sie, und Mar’thaini Safira geseufzt. Sie hat sich so sehr ein kleines Mädchen gewünscht als Ahnkind, aber es scheint, es ist doch wieder ein Ahnsohn geworden. Aber im letzten Jahr, als Tirina geboren worden ist, Merenis und Kasians kleine Tochter, da hat Melari das Mädchen in sich entdeckt. Sie hat stundenlang gesessen an ihrem Korb, sie in den Armen gewiegt, mit ihr gespielt und für sie gesungen. Sie in einem kleinen Wagen durch den Garten gezogen, buntbemalte Klötzchen für sie gestapelt, und die hübschen Püppchen, die sie geschenkt bekommen hat von Ginjen und Danima, sind zu neuen Ehren gekommen. Und Mar’thaini Safira hat gelächelt, vielleicht wird doch noch ein liebes kleines Mädchen aus ihr.