Die Erwählte des Engels - Ljuba Kabzan - E-Book

Die Erwählte des Engels E-Book

Ljuba Kabzan

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Beschreibung

DIE ENGEL SIND UNTER UNS Spannende Urban-Romantasy mit Engeln, mutigen Helden und etwas Spice. Elaine ist eine junge Frau aus Berlin, die gerade ihr Studium beendet hat. Doch sie übersieht die Gefahr von ihren zahlreichen Disconächten. Denn in dem Nachtleben von Berlin tauchen Drogendealer auf, die Chaos verbreiten. Bei ihrem letzten Besuch in der Disco wird ihr von solchen dunklen Typen etwas ins Glas getan. Kaum zu glauben, sie wird mit Drogen lahmgelegt. Doch ein guter Engel ist an ihrer Seite. Es existiert eine himmlische Sphäre der Engel, die das Geschehen beobachten. Seit Elaines Geburt ist Adriel ihr Schutzengel. Gerade als sie in Gefahr ist, rettet er sie, hebt sie hoch und breitet seine großen Flügel aus. Er nimmt sie mit in sein großes Haus auf der irdischen Sphäre. Die Drogenbanden wurden manipuliert vom Geist der Dämonen. Engel kämpfen schon seit Jahrhunderten gegen die Dämonen und Luzifer. Die Drogenbanden müssen vom Geist der Dämonen befreit werden, aber wie?

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Seitenzahl: 340

Veröffentlichungsjahr: 2025

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WIDMUNG

Ich widme dieses Buch allen, die an einen Engel glauben.

Dieser Engel kann uns auf den richtigen Weg führen, wenn wir ihm Vertrauen schenken. An all diejenigen, die Schwierigkeiten im Leben kennen, bei denen ein guter Engel gerne hilft.

Die Engel sind unter uns

Inhaltsverzeichnis

KAPITEL 1

KAPITEL 2

KAPITEL 3

KAPITEL 4

KAPITEL 5

KAPITEL 6

KAPITEL 7

KAPITEL 8

KAPITEL 9

KAPITEL 10

KAPITEL 11

KAPITEL 12

KAPITEL 13

KAPITEL 14

KAPITEL 15

KAPITEL 16

KAPITEL 17

KAPITEL 18

KAPITEL 19

KAPITEL 20

KAPITEL 21

KAPITEL 22

KAPITEL 23

KAPITEL 24

KAPITEL 25

KAPITEL 1

Elaine war eine junge Frau im Alter von 22 Jahren. Sie wohnte in Deutschlands Hauptstadt Berlin. Sie kam aus einem behüteten Elternhaus. Als sie sich die staatliche Universität in Berlin angeschaut hatte, war sie nicht gerade begeistert. Daher hatte sie sich nach ihrem Abitur für eine private Wirtschaftsuniversität entschieden. Um sich die Studiengebühren finanzieren zu können, jobbte sie nebenbei als Kellnerin in ihrem Lieblingscafé.

Später, nach einigen Kursen an der Uni, vertrieb sie sich die Zeit in diesem Café mit einer Tasse Cappuccino und Kuchen. Dabei wiederholte sie den Stoff ihrer Vorlesungen, oder bereitete sich auf Klausuren vor. Abends dann, fing sie an zu kellnern, genau in diesem Café. Zu Hause angekommen, musste sie manchmal noch einige Hausarbeiten schreiben, bevor sie anschließend ins Fitnessstudio ging. Das Café hieß »Café Royale«. Die Besitzerin war eine Dame in ihren Vierzigern, die verwandt war mit dem englischen Königshaus. Diese Tatsache brachte Elaine immer zum Träumen, sobald sie das kleine, aber feine Café betrat. Die Stühle standen dicht beieinander. Die Tische waren rund und klein. An der Wand hingen Bilder von englischen Adeligen. Der Duft nach frisch zubereitetem Kaffee machte Lust darauf, im Café länger zu verweilen.

Elaine studierte die modernen Fächer Marketing und Management, um sich später auf Onlinemarketing zu spezialisieren. Nach erfolgreichen vier Jahren des Studiums erwarb sie den Abschluss Bachelor of Business Administration. Nun wurde es Zeit zum Bewerben. Zum Glück fand sie gleich eine Anstellung als Online-Marketing Beraterin in einem mittelständigen Unternehmen spezialisiert auf Online Kommunikation.

Um dem Stress ihrer steilen Laufbahn zu entkommen, flüchtete sie sich nachts in häufige Diskothekenbesuche mit ihren Freundinnen. Den Aushilfsjob im »Café Royale« brauchte sie jetzt nicht mehr. So verbrachte sie immer weniger Zeit in dem entspannten, wohligen Ambiente des »Café Royale«, welches ihr sonst immer den nötigen Halt gab. Das war eines der Gründe, warum sie den Halt verloren hatte.

Ihre Freundinnen Melinda und Cara waren an diesem Samstagabend eingeladen in ihre Wohnung, in der sie alleine wohnte. Gemeinsam schminken für den Discoabend, stand jetzt an. Die Freundinnen standen vor Elaines Badezimmerspiegel, beobachteten einander. Jede wollte an diesem Abend toll aussehen. »Wie steht mir die blaue Wimperntusche?«, fragte Cara die anderen jungen Frauen. Sie schminkte sich glänzende, pinke Lippen heute Abend, mit auffallend viel Rouge.

»Steht dir ausgezeichnet«, sagten die beiden anderen fast gleichzeitig. Alle drei Mädels waren schlank. Elaine hatte ein rundliches Gesicht, welches manchmal ernst wirkte. Ihre Stimme war fröhlich an dem Abend. Jedoch bemerkte ihr Freundeskreis manchmal, dass sie nachdenklich war.

»Mögt ihr mein neues Kleid?«, wollte Elaine wissen. Ihr neues Kleid betonte elegant ihre schlanke Figur. Es war schlicht geschnitten in der Farbe Blau. Der Rock war kurz, bis zu den Knien. Das Dekolleté trat üppig hervor, denn das Kleid hatte einen tiefen Ausschnitt. Die Ärmel waren kurz. Kein Problem, denn es war April.

»Es sieht klasse aus. Aber du musst noch etwas darüber ziehen, denke ich. Ansonsten wird es zu kalt«, schmeichelte ihr Melinda.

»Vergiss nicht, wir werden bis spät in die Nacht tanzen und viel Spaß haben. Wenn wir nach Hause kommen, wird es kalt sein«, meinte Cara.

»Ok, ich werde die schwarze Lederjacke anziehen«, antwortete ihnen Elaine. Die schwarze Lederjacke betonte ebenfalls ihre schlanke Figur. Elaine hatte blaue Augen und lange, blonde Haare. Sie trug die Haare am liebsten offen. Alle drei Freundinnen trugen an diesem Abend High Heels. Sie waren hübsch, schminkten sich auffallend. Jedoch nicht jeden Tag. Nur wenn sie Diskotheken besuchten, dachten sie sich besondere Varianten aus, sich auffallend zu schminken. Ansonsten waren sie eher schlichter anzutreffen, zum Beispiel im Büro. Sie hatten alle einen Bürojob im Marketing. Cara und Melinda hatten auch an der gleichen privaten Universität studiert wie Elaine.

»Lasst uns bitte keine Zeit mehr verschwenden. Beeilt euch, trödelt nicht so lange. Das Taxi kommt gleich«, mahnte Cara.

»Wir sind schon fertig. Gleich klingelt der Taxifahrer an der Tür«, sagte Elaine.

Sie nahmen ihre kleinen, schicken Handtaschen mit. Noch ein letzter Blick in den Spiegel, und schon ging die Fahrt im Taxi los.

Es wurde plötzlich still. Die Gedanken der drei Frauen drehten sich darum, was sie heute trinken würden. Dabei verstanden sie allmählich, dass sie es mit der Zeit übertrieben mit ihrem Rausch. Denn morgens nach dem Discobesuch war ihnen immer schlecht. Der Kopf brummte, zusammen mit einer unerträglichen Übelkeit. Dass sie sich deshalb zu Männern immer schwerer kontrollierten ließen, führte zu flüchtigen, toxischen Affären. Sie waren tiefer in der Sackgasse, als sie es glaubten.

Vor der Diskothek stand schon eine wartende Schlange. Der Türsteher hatte alle Hände voll zu tun, denn einige verdächtige Besucher ließ er gar nicht erst rein. Cara, Melinda und Elaine wurden ohne Probleme reingelassen. Das war ansonsten auch der Fall, also nichts Außergewöhnliches. Sie waren bekannt in der Großstadt Berlin, da sie sehr oft in solchen Diskotheken anzutreffen waren. Sie ließen ihre modischen Jacken in der Garderobe. Als Nächstes stürmten sie auf die Tanzfläche zu elektrisierenden Beats der Musik. Es war ein Musik Mix, manchmal Trance mit Hip-Hop, manchmal Deutschrap. Dazwischen etwas Rockmusik. Sie tanzten mit verschiedenen Männern, oder auch mal nur unter sich. Die Männer kamen und gingen im Wechsel. Es drehte sich lediglich um Spaß, nicht um eine Beziehung. Die Männer küssten die Frauen flüchtig auf den Mund, während sie tanzten. Es war auch mal ein erotischer Zungenkuss mit dabei beim innigen Tanzen. Trotzdem, die Männer wechselten sich ab, nichts wurde ernst genommen.

Jetzt kamen die Frauen in eine Phase, in der die Männer mit anderen tanzten. Daher tanzten sie zu dritt.

»Zeit für eine Abkühlung an der Bar«, sagte Elaine. Die anderen freuten sich.

»Klar, immer doch«, antwortete Cara erwartungsvoll.

»Ich bin auch dafür«, meinte Melinda beim Tanzen. Der Barkeeper machte ihnen schöne Augen, als Cara bestellte:

»Wir hätten gerne drei Cosmopolitan, bitte.«

»Sehr gerne, ihr drei Hübschen. Darf es noch etwas sein?«

»Nein, erstmal war’s das, danke.«

Der sympathische Barkeeper mixte ihnen einen alkoholhaltigen Cocktail, der sehr beliebt bei den Frauen hier war. Nach einer Weile waren die drei Cocktails fertig. Der Barkeeper beugte sich nach vorne und gab ihnen die Cocktails. Dabei sagte er: »Ihr Mädels wirkt heute so angespannt. Ihr solltet mehr aus euch hinausgehen. Die Drinks und Cocktails ermöglichen euch, mehr Spaß zu haben. Vergesst all eure Sorgen.«

»Das klingt gut. Ist aber nicht so einfach für uns. Wir haben verantwortungsvolle Jobs«, warf Elaine ein.

»Dann trinkt diesen Cocktail doch schnell aus. Es wird bald Zeit für den nächsten Cocktail«, verführte er sie geschickt zu mehr Drinks. Normalerweise waren sie nicht so leichtsinnig, doch dieser junge Mann sah besonders vertrauenswürdig aus. Dazu hatte er noch unglaublich funkelnde, braune Augen.

»Ich bin mir da nicht so sicher, ob das gut für uns ist«, warf Elaine in die Runde ein.

»Durch die Drinks könnt ihr auf der Tanzfläche lockerer werden. Ihr könnt dann alles um euch herum vergessen. Tanzen, als würde die Welt euch gehören.« William, der Barkeeper, war ein Meister des Verführens.

Was die Mädels nicht wussten, es gehörte zu seinem Spezialgebiet, junge Frauen zu Alkohol zu verführen. Sie hörten ihm neugierig zu, und fielen darauf rein. In einem schnellen Tempo tranken sie ihren Cosmopolitan aus, um gleich daraufhin den nächsten Cosmopolitan bei William zu bestellen.

Elaine wurde es schon leicht schwindelig, als sie den zweiten Cosmopolitan genoss. Auch die anderen Frauen, mit denen sie hier war, waren leicht angetrunken. Sie machten Witze unter sich, und fingen laut an, zu lachen. Dieses Lachen wirkte, als ob es von den Cosmopolitan Cocktails kam, was sicherlich auch die anderen Discobesucher bemerkten. Keine schöne Erfahrung. Sie wirkten nach mehreren Drinks leicht angetrunken. Selber bemerkten sie das nicht. Bloß ein leichtes Schwindelgefühl bemerkten sie, mehr nicht. Die anderen Besucher drehten sich nach ihnen um, als sie laut lachten. Es hatte schließlich keiner etwas dagegen. Es war eine fröhliche Nacht in einer angesagten Diskothek, bei der Spaß an erster Stelle stand.

Sie bemerkten andere Männer an der Bar. Diese Männer suchten nach Blickkontakt zu ihnen, wollten mit ihnen tanzen.

»Ihr seid wirklich noch alleine heute Abend? Kommt mit uns auf die Tanzfläche. Wir sind wirklich nett. Ihr braucht keine Angst vor uns zu haben«, sagte einer der Männer. Dies, nachdem die jungen Freundinnen schon mehrere Cosmopolitan und andere alkoholhaltige Drinks getrunken hatten. Cara, Melinda und Elaine wirbelten mit den drei gutaussehenden Männern auf die Tanzfläche. Sie ließen sich von ihnen mitziehen. Ob sie es wollten, oder nicht. Der eigene Wille war bei ihnen leicht ausgeschaltet durch den Alkohol.

Schnelle Beats pulsierten aus den Lautsprechern der Berliner Diskothek. Scheinwerfer mit pinken und roten Farben vermischten sich mit dem Geruch von Parfüm. Elaine kam dem Mann näher.

»Wie heißt du?«, wollte sie von ihm wissen

»Ich bin der Fritz. Du siehst übrigens sehr hübsch aus. Und wie heißt du?«

»Ich bin die Elaine. Normalerweise trinke ich nicht so viel wie heute.«

»Das macht doch überhaupt nichts. Es ist eine schöne Art sich zu entspannen für eine lange Nacht. Ich merke es dir überhaupt nicht an.« Elaine schaute ihm ins Gesicht. Auf seinem Gesicht bildeten sich einige Schweißperlen, als er sie immer näher beim Tanzen zu sich zog. Sein Äußeres hatte Elaine nicht wirklich angesprochen. Ein wenig sympathisch kam er ihr aber trotzdem vor. Daher hatte sie nichts dagegen, etwas aus sich heraus zu gehen, während sie mit ihm tanzte. Es lief laute Musik, die Elaine in Zusammenwirkung mit dem Alkohol nun brummende Kopfschmerzen bereitete. Sie fing an, sich unwohl zu fühlen.

»Fritz, lass uns mal eine Pause machen. Ich fühle mich unwohl.« Fritz war kein Mann, der das Wohlergehen von Frauen überhaupt ernst nahm. Er wollte nur, dass es ihm gut ging. Wie es den anderen ging, war ihm egal. In einer ähnlichen Weise waren alle Männer in Elaines Freundeskreis eingestellt. Dass sie sich wirklich um Elaines Wohlergehen kümmerten, war ihr noch kein einziges Mal bei ihnen aufgefallen. Eine wirklich selbstsüchtige Gesellschaft, in die Elaine da hineingeraten war. Dementsprechend äußerte Fritz:

»Ne du, lass das mit der Pause mal sein. Das wird schon wieder. Wir sind doch gerade erst dabei, richtig loszulegen.«

Dabei hätte Elaine diese Pause richtig gut gebraucht, um sich zu erfrischen und ein kühles Mineralwasser zu trinken. Ihnen beiden war es ziemlich heiß geworden vom Tanzen. Elaine fühlte sich nicht besonders körperlich zu Fritz hingezogen, während sie mit ihm tanzte.

»Wie du meinst. Aber allzu lange möchte ich nicht bleiben.«

»Keine Sorge, hier ist der richtige Ort um sich näher zu kommen. Hier können wir ruhig die ganze Nacht lang durchtanzen.« Das wollte Elaine ganz und gar nicht. Das lag nicht direkt an Fritz. Bei einem anderen Mann hätte sie sicherlich auch nicht die ganze Nacht lang durchgetanzt. Gerade, da ihr der Kopf immer mehr weh tat. Ein alkoholisierter Schwindel erschwerte ihr den Spaß ebenfalls.

Ob der Barkeeper recht hatte oder nicht, daran war kein Zweifel: Er hatte nicht recht. Es wäre viel besser gewesen, einfach etwas Alkoholfreies zu trinken, was schön Kühles zur Erfrischung. Dann wären Elaine, Cara und Melinda mit dem lauten Lachen bei den Männern nicht so aufgefallen. So weit wie mit diesem unangenehmen Tanzen wäre es sicherlich nicht gekommen. Jede hätte für sich getanzt. Mal mit dem einen, mal mit dem anderen. Mehr in Freiheit, mehr zum Vergnügen.

Nun hatte Elaine diesen Fritz während der ganzen Disconacht am Hals. Sie konnte wirklich nichts dagegen tun. Er wurde ihr viel zu aufdringlich. Auch Cara und Melinda waren mit ihren Männern von der Bar am Tanzen. Er schob Elaine noch näher zu seinem Körper, als ein langsames Liebeslied erklang.

»Auch das noch«, sagte sie leise zu sich, ohne dass er es hörte. Sie tanzten mehrere Liebeslieder lang ganz engumschlungen. Er umarmte sie ganz fest. Sie hatte dabei keine Gefühle. Er anscheinend ebenso wenig. Fritz wollte einfach nur mit einer Frau eng tanzen, den Abend verbringen. Eine hübsche Frau wie Elaine war ihm dabei lieber als irgendeine. Doch der Fremde wollte scheinbar mehr. Der Abend ging in eine unendlich wirkende Nacht über. Fritz küsste Elaine auf den Mund, als ein weiteres Liebeslied ertönte. Es bildeten sich mehrere Pärchen in der Diskothek. Jeder wollte so tun, als ob er verliebt sei. Als ob die Nacht ihm gehörte. Alles wirkte nach mehr Schein als Sein. Die perfekte Welt von einem verliebten Paar bröckelte jedoch bei Elaine.

Sie war überhaupt nicht verliebt in Fritz. Trotzdem erwiderte sie seine Küsse. Warum auch nicht? Sie wirkten wie ein Liebespaar, waren es aber nicht. Denn sie hatten sich nicht einmal richtig kennengelernt.

»Magst du denn keine Liebeslieder? Oder warum bist du so zaghaft?«, wollte Fritz von Elaine wissen.

»Eigentlich habe ich gar nichts gegen solche Liebeslieder. Ich bin einfach nur sehr vorsichtig bei Männern, die ich nicht einmal richtig kenne. Wir müssen es ja nicht gleich übertreiben.« Elaine fühlte sich von ihm erneut bedrängt, wenn nicht sogar belästigt. Durch den Alkohol hatte sie keine Kraft, ihm nein zu sagen. Es fiel ihr bei Männern sowieso oftmals schwer, nein zu sagen. Vor allem, wenn es ums Tanzen ging.

»Mir kannst du ruhig vertrauen. Ich will dir nichts Böses. Bei mir kannst du dich ruhig fallen lassen«, erwiderte Fritz, ohne sich schuldig zu fühlen. Er war eben ein Mann, der gerne mal einer hübschen Frau näherkam. Das, ohne die Hemmnisse einer jungen Frau vor einem fremden Mann nachvollziehen zu können.

Für Elaine war Fritz leider kein Prachtexemplar von Mann. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass zwischen ihnen etwas laufen könnte. Er hatte einen durchschnittlichen Körperbau. War mittelgroß, nicht zu muskulös.

Seine braunen Augen waren für Elaine ebenfalls kein Hingucker. Seine Lippen fand sie nur wenig verführerisch. Sie hatte nicht das Gefühl, ihn unbedingt noch einmal küssen zu wollen. Er hatte einen braungebrannten Teint. Gekleidet war er in einer modischen Jeans mit einem dunkelblauen Shirt. Vielleicht war Elaine heute einfach nicht in Stimmung, denn Fritz war gar nicht so unattraktiv. Nur leider nicht ihr Geschmack.

»Das weiß ich doch. Nur mir ist heute alles zu viel«, sagte Elaine leise.

»Möchtest du heute Nacht bei mir übernachten? Ich wohne ganz hier in der Nähe. Dann können wir ein bisschen kuscheln. Ich hoffe, du hast nichts dagegen.

Ich meine, wenn die anderen dich hier stören«, schlug Fritz ihr vor. Sie war einfach baff, was er sich dabei gedacht hat. Es funkte einfach nicht zwischen ihnen. Warum wollte er dann mehr? Das verstand sie nicht.

»Eigentlich habe ich genug für heute. Ich bin nicht auf eine schnelle Nummer mit jemanden aus, den ich gerade erst kennengelernt habe. Ich bin nicht so jemand, die mit jemanden nur eine Nacht verbringt, ohne es zu wollen.«

»Das war doch gar nicht so gemeint. Ich dachte nur, du wolltest dich mehr entspannen. Hier sind so viele Leute«, warf Fritz verwundert ein.

»Natürlich hast du recht. Aber nein danke. Wenn du jemanden für eine Nacht suchst, bin ich nicht die Richtige dafür. Dann kannst du gleich weitersuchen.«

»Ach sei doch nicht gleich so fies. Es war doch nur ein Vorschlag.« Sie befanden sich jetzt noch immer auf der Tanzfläche, als schnellere Songs ertönten. Er ließ sie leicht los. Beleidigt war er jedoch nicht. Er hatte Verständnis für sie. Das merkte sie im Nachhinein. Er hatte nicht vor, sie nach ihrer Handynummer zu fragen. Die Lage entspannte sich etwas. Er ließ eine Entfernung zwischen ihnen entstehen, nachdem sie so eng getanzt hatten. Ihre Kopfschmerzen wurden dabei besser.

Elaine schaute nach Cara und Melinda. Sie tanzen ebenfalls mit den Männern aus der Bar. Sie versuchte, mit Fritz näher zu ihren Freundinnen zu gelangen.

Denn sie wollte die Diskothek verlassen. Das wollte sie natürlich zusammen mit Cara und Melinda, anstatt mit Fritz.

»Hey, ihr beiden. Wie lange wollt ihr noch bleiben?«

»Wir dachten eigentlich, für heute langt es. Oder, was meinst du?«, fragte Cara sie.

»Ich wollte eigentlich bald gehen«, antwortete Elaine den beiden.

»Natürlich, auch ich habe genug getanzt«, warf Melinda ein.

»Entschuldige Fritz, meine beiden Freudinnen und ich, wir wollen bald gehen. Es war wirklich nett. Ich möchte mich von dir jetzt aber leider verabschieden.«

»Das ist aber schade. Ich dachte, du würdest noch länger bleiben. Vielleicht sehen wir uns wieder?«, wollte Fritz wissen.

»Ich gehe öfters in solche Diskotheken. Aber wiederholen möchte ich das nicht unbedingt. Weißt du, es ist nichts gegen dich, aber beim Tanzen möchte ich lieber unabhängig sein. Mich nicht so festlegen. Und eine Nacht mit einem Fremden zu verbringen, das ist eh nichts für mich.«

»Na gut, Elaine. Hab noch eine schöne Nacht«, verabschiedete er sich von ihr. »Ja, du auch. Tschüss«, tat sie ihm gleich. »Auf, ihr beiden. Lasst uns draußen ein Taxi nach Hause nehmen. Wir wohnen ja nicht weit entfernt von einander. Da können wir wie immer ein Taxi nehmen«, rief Elaine Cara und Melinda zu.

Die anderen verabschiedeten sich von ihren Bekanntschaften auf der Tanzfläche. Sie gingen zu der Garderobe, um ihre modischen Jacken mitzunehmen. Erschöpft von dem langen Tanzen liefen sie schnell aus der stickigen, lauten Diskothek hinaus.

Draußen war wenigstens frische, kühle Luft. Das wirkte angenehm für die drei Freundinnen. Nun konnten sie so richtig aufatmen. Sie fühlten sie besser. Ihre Kopfschmerzen und ihr Schwindel wurden auch allmählich besser. Sie nahmen sich ein Taxi, das vor der Diskothek auf Gäste wartete. Keiner von ihnen ließ sich dazu überreden, bei einem Mann die Nacht zu verbringen. In ihrem Zusammenhalt waren sie fest entschlossen, dass sie sich nicht auf sinnlose One-Night-Stands einließen.

KAPITEL 2

Die Arbeit fiel Elaine nach solchen Diskothekenbesuchen nicht immer leicht. Immer wieder ertappte sie sich bei der Arbeit mit Gedanken an die Disconacht und an die Blicke der Männer. Manchmal musste sie daran denken, was denn jetzt die Männer machten, mit denen sie getanzt hatte. Ob sie denn eine Freundin hatten oder ob sie Single waren. Ob denn nicht zu Hause die Freundin auf die Männer wartete. Vielleicht meinte derjenige bloß zu seiner Freundin, er würde mit seinen Kumpels Fußball gucken. Stattdessen tanzte er die ganze Nacht mit Elaine. Irgendwie fehlte ihr das Vertrauen in ihre Bekanntschaften mit den Männern aus den Diskotheken. So richtig ernst konnte sie das einfach nicht nehmen.

Ihren Eltern war es wichtig, dass sie entweder eine gute Ausbildung machte oder studierte. Dabei war es für sie völlig in Ordnung, wenn Elaine sich für eine Ausbildung entschieden hätte nach ihrem Abitur in Berlin. Als ihre Eltern erfuhren, dass sie sich für ein Studium entschieden hatte, freuten sie sich ganz besonders. Elaines Mutter hieß Rosa, ihr Vater hieß Sebastian. Rosa war bescheiden. Manchmal erinnerte sie ihre Tochter daran, vernünftig zu sein. Sie hatte jedoch keinen Einfluss auf ihr Verhalten am Wochenende in den Diskotheken. Sie wollte sich nicht einmischen, denn Elaine war schon erwachsen.

Rosa war ihrer Tochter vom Äußeren sehr ähnlich. Sie sah für ihr Alter noch jung aus. Sie hatte auch blonde Haare wie ihre Tochter, jedoch waren ihre Haare kürzer als bei Elaine. Sie hatte schulterlange Haare. Sebastian mochte gerne Fußball. Er mochte es, mit seinen Freunden nach der Arbeit ins Fußballstadion auf ein Spiel zu gehen. Ein Fan von einer Fußballmannschaft war er nicht gerade. Aber einige Regionalmannschaften gefielen ihm. Große Spiele bereiteten ihm nicht immer Freude, wegen dem Hype. Sebastian schaute lieber Spiele von Regionalmannschaften. Rosa war kein Fan von Fußball. Sie hatte aber nichts gegen das Hobby ihres Mannes.

Rosa arbeitete im Restaurant ihrer Freundin Elke. Das Restaurant gehörte ihrer Freundin Elke, daher hatte Rosa ein Mitspracherecht. So konnte die ausgebildete Hotelfachfrau mitbestimmen, welche Gerichte serviert wurden. Oftmals durfte sie über die Preise der Gerichte und Getränke mitbestimmen. Sie hatte sich ein enormes Wissen angeeignet, aus purem Interesse an dem Gastronomiebetrieb. Elaine durfte manchmal im Restaurant vergünstigt ein Abendessen genießen. Sie nutzte diese Chance aus Zeitmangel jedoch viel zu selten. Nach der Arbeit war sie sowieso viel zu müde dafür. Im Onlinemarketing hatte Elaine oftmals Stress bei der Arbeit. Zu Hause angekommen, wollte sie lesen und duschen. Manchmal musste Elaine Überstunden machen. Rosa arbeitete hingegen nicht Vollzeit. Ihre Schicht fing erst um 14:00 Uhr an.

An einem Sommerabend waren Elaine und ihre Mutter in diesem Restaurant verabredet. Rosa hatte an diesem Abend frei. Nach der Arbeit duschte Elaine, schminkte sich dezent, um pünktlich zum Treffen mit ihrer Mutter zu erscheinen. Rosa wartete bereits, als Elaine das Restaurant betrat.

»Hallo, wartest du schon lange auf mich? Ich bin doch richtig in der Zeit«, wollte Elaine von ihrer Mutter wissen. Beide umarmten sich zur Begrüßung.

»Ich mag die Stimmung hier, daher war ich schon früher da. Aber nur einige Minuten. Also keine Sorge«, sagte Rosa.

»Wie geht’s dir und Papa?«

»Mir geht’s es gut. Sebastian hat bei seiner Arbeit als Immobilienmakler einige Schwierigkeiten. Er hat Einiges an Aufträgen verloren«, wollte Rosa ihrer Tochter von dem Problem erzählen.

»Das ist aber traurig zu hören. Was ist denn geschehen, hat es etwas mit der Firma zu tun?«, fragte Elaine erstaunt. Sie fühlte sich von der Nachricht überrumpelt.

Denn sonst lief in der Immobilienfirma ihres Vaters alles gut. »Auf dem Immobilienmarkt hat eine neue Firma aufgemacht, die bessere Preise anbietet. Dein Vater kann leider nicht so stark mit den Preisen runtergehen, da er noch die Mitarbeiter bezahlen muss«, gestand Rosa ihrer Tochter. Sebastian leitete die Firma zusammen mit einem guten Freund und Arbeitskollegen von früher. Er war ein gelernter Immobilienkaufmann.

»Ich verstehe. Das ist wirklich keine gute Nachricht. Ich hoffe, Papa nimmt sich das nicht zu Herzen«, ließ Elaine ihre Mutter wissen. Ihr trauriger Ton war nicht zu überhören.

»Er sucht nach Lösungen. Mach dir also keine Sorgen. Wie läuft’s bei dir?«

»Meine Kollegen lästern über unseren neuen Chef. Ich glaube, er hat es mitbekommen. Meiner Freundin und Kollegin, der Virginie, wurde heute gekündigt.« Rosa hörte genau zu und sagte:

»Weil der Chef sie dabei erwischt hat, wie sie schlecht über ihn geredet hat?«

»Ja, außerdem hat sie ihn billig angemacht und von ihm eine peinliche Abfuhr kassiert. Das ist richtig zum Fremdschämen«. Als ihre Mutter das hörte, war sie aufgewühlt, denn Virginie war eine gute Arbeitskollegin von Elaine. Elaine schätzte Virginie ansonsten immer.

»Das tut mir aber leid, meine Liebe. Die anderen Kollegen sind doch auch nett. Mach dir deshalb keine Gedanken«, wollte Rosa ihrer Tochter Mut machen.

»Danke, Mama. Ich versuche es. Trotzdem wird es auf der Arbeit frustrierend ohne sie.«

»Und die Discoabende? Lässt du dich immer noch von den Barkeepern zu den vielen Cocktails überreden?« Rosa wusste Bescheid. Ihre Tochter hatte es ihr anvertraut. »Manchmal. Ich komme schon selber damit zurecht. Es ist meine Sache«, war Elaines sture Antwort. Sie wollte einfach die Hilfe ihrer Mutter nicht annehmen. Die Hilfe war da, aber nette Worte konnten nichts dagegen tun. Wegen dem Stress in ihrem Berufsalltag und dem Alltagstrotz wollte sie irgendwie ausbrechen.

So kam es ihr jedenfalls vor. Am Wochenende sollte alles besser werden. Was aber überhaupt nicht der Fall war. Oftmals bereute sie ihren Rausch zusammen mit der durchgetanzten Nacht im Nachhinein.

Rosa und Elaine aßen an diesem lauwarmen Abend Spaghetti Carbonara. Sie tranken Apfelsaft. Eine Pause, um die Spaghetti zu genießen, entstand ganz spontan. Beiden schmeckte die Spaghetti Carbonara so gut, dass sie sich ganz auf das Essen konzentrierten. Elaine schmeckte die Spaghetti schön cremig und nussig. Sie saßen drinnen, denn es hatte vorher geregnet und die Stühle waren noch nass.

Drinnen waren andere Gäste um sie herum, alle in guter Laune, vertieft in gemeinsame Gespräche. Die Tische waren hölzern, in einem Stil, der die früheren Zeiten nachahmte. Die Stühle waren ebenfalls hölzern, mit einem dunkelroten Kissen. So war das Sitzen bequem auf den festen Stühlen. Die Fenster waren klein, mit dunkelroten, gemusterten Vorhängen. Die Vorhänge waren offen, sodass der Gast aus dem Fenster schauen konnte. Draußen waren Gewächse und Bäume zu sehen, mit einem Blick auf die derzeit leere Terrasse. Die Wände waren unauffällig beige gestrichen, geschmückt mit Bildern von früheren Restaurantbesitzern und Familienmitgliedern der Besitzer. Diese Bilder waren teils Fotografien, teils Gemälde. Beide hatten einen großen, silbernen Rahmen. Das Restaurant mit dem Namen Zum alten Schlagbaum befand sich in einem Altbau, das ungefähr schon 100 Jahre in Familienbesitz von Elkes Vorfahren war. Ebenso war das Restaurant schon fast 100 Jahre alt. Ganz im Retrostil, bewunderte Elaine die Einrichtung des Restaurants. Es roch nach Sandelholz und Rosenholz. Gemeinsam mit ihrer Mutter wurden sie heute von Elke eingeladen. Das machte Elke manchmal ganz spontan, denn sie war sehr gastfreundlich.

Heute war Elke ebenfalls im Restaurant anwesend. Sie kümmerte sich um die neuen Kellnerinnen, wies sie freundlich an. Elaine fragte ihre Mutter Rosa:

»Wie läuft es derzeit bei dir mit der Arbeit im Restaurant?« Rosa antwortete:

»Es läuft nicht immer so gut, wie es aussieht. Die Kellnerinnen streiten sich manchmal, sind zickig zueinander. Einige kommen zu spät, sodass wir Schwierigkeiten mit dem Bedienen haben.« Beide wirkten nachdenklich.

»Dich betrifft es aber nicht direkt, oder? Ich meine, du bist nicht diejenige, die streitet?«, wollte Elaine von ihrer Mutter wissen.

»So kann man es zwar sagen. Aber manchmal hat auch schon mal eine Kellnerin geweint. Sie ist dann zu mir gekommen und hat sich bei mir ausgeheult, dass sie nicht zurechtkommt. Ich wusste daraufhin einfach nicht, was ich sagen sollte.« Elaine schaute ihre Mutter verwundert an und zuckte mit den Schultern.

»Du kannst doch nichts dafür. Die anderen Kellnerinnen müssen selber zusehen, dass sie mit der Arbeit zurechtkommen. Versuche einfach, nach der Arbeit abzuschalten und nicht alles so an dich heranzulassen.«

Elaine gab ihrer Mutter eine klare Antwort. Sie wollte nicht, dass ihre Mutter sich den Kopf über die anderen Kellnerinnen zerbrach.

KAPITEL 3

Elaine war heute mit Cara verabredet. Sie waren in dem Café verabredet, in dem Elaine früher gearbeitet hat. Im »Café Royale«. Die Chefin freute sich besonders, Elaine nach solch einer langen Zeit wiederzusehen. Es war ein Samstagvormittag. Sie waren zum gemeinsamen Frühstück hier. Beide erschienen fast gleichzeitig. Es war ein Treffen nur unter Freundinnen, um einander zuzuhören, um für einander da zu sein. Dafür waren Freundinnen schließlich da. Mit einem freundlichen Lächeln zur Begrüßung setzten sie sich an einen schönen Platz draußen.

Das »Café Royale« befand sich an einer belebten Fußgängerzone in der Stadt. Es standen große, hohe Sonnenschirme zwischen den Tischen, um den Gästen einen Schatten zu gewährleisten. Dies war typisch für die deutsche Außengastronomie im Sommer. Zum Glück war noch ein Platz im Schatten für die beiden frei. Sie wollten keinen Sonnenbrand bekommen. Es war Juli. Der Geruch nach Kaffee war so typisch, dass er nicht wegzudenken war. Elaine wollte heute mit Cara über ihre frühere Beziehung sprechen. Sie war gescheitert, bevor sie überhaupt richtig beginnen konnte. Ihr Ex hieß Florin.

»Wie war dein Tag heute?«, wollte Cara von ihrer Freundin zur Begrüßung wissen.

»Naja, meine Gedanken schweiften heute um Florin. Ich finde, wir haben einfach nicht zusammengepasst.« Cara war bereits informiert über ihre Beziehung zu Florin.

»Verstehe. Du hast mir erzählt, dass er immer so eifersüchtig war. Ihr wart ja nicht einmal richtig zusammen. Hast du dich von ihm damals kontrolliert gefühlt?«, wollte Cara wissen. Sie bestellten sich ein Frühstück mit jeweils einem Cappuccino, einem Croissant mit Butter und Erdbeermarmelade, sowie einem Joghurt. Weil sie gute Freundinnen waren, bestellten sie sich heute das gleiche Frühstück. Sie freuten sich ganz besonders darauf. Schon nach einer kurzen Zeit bekamen sie ihr Frühstück von der Kellnerin serviert.

»Er hat mir auf der Arbeit Nachrichten geschrieben, weil er eifersüchtig auf meinen Chef war. Immer wieder musste ich ihm klar machen, dass ich an meinem Chef kein Interesse habe.« Beide tranken den Cappuccino. Anschließend probierten sie das Croissant.

»Wirklich schade, deine Zeit mit jemanden zu verschwenden, der dir nicht einmal auf der Arbeit vertraut«, sagte Cara und schaute Elaine an. Sie wurden nachdenklich, pausierten, um das Frühstück zu essen.

»Vor einem Jahr waren wir fast ein Paar geworden. Ich hatte ihn durch eine Arbeitskollegin bei einem Dinner kennengelernt. Er kam mir am Anfang ganz sympathisch rüber«, erzählte Elaine.

»Ja, und du hast erzählt, er kannte auch die anderen aus der Diskothek. Ich meine diejenigen, die in unsere Diskotheken gehen«, fügte Cara hinzu.

»Ja, ich war mit ihm mehrere Male in der Disco aus, und habe ihn noch näher kennengelernt. Ich habe sogar einige Abende bei ihm in der Wohnung verbracht.«

»Und was ist dir an ihm damals noch aufgefallen?«, fragte Cara ganz gespannt.

»Er hat mir von einigen Schlägereien erzählt, in die er mit seinen Freunden verwickelt war. Dabei hat er auch schon einige blaue Flecken abbekommen.« Cara hatte davon mitbekommen, dass es im Freundeskreis in letzter Zeit zu Schlägereien gekommen war. Sie fand das schrecklich. Dass ihre Freundin direkt durch Florin betroffen war, machte sie richtig traurig.

»Wie schrecklich. Waren die Verletzungen von Florin und seinen Freunden auch schon mal tiefer?«, fragte Cara ganz außer sich. Sie musste tief durchatmen.

»Leider ja. Florin kam mal mit einer Wunde am Auge zu unserem Date, die vorher genäht werden musste.« Sie aßen den Joghurt, tranken noch etwas von dem Cappuccino. Das Café füllte sich mit Menschen. Cara konnte kaum glauben, was sie da hörte.

»Aber zu dir wurde er doch nicht gewalttätig, oder? Ich hoffe, deine Antwort wird nein sein«, Cara wurde aufgeregt, denn sie wollte ihre Freundin nicht leiden sehen. Diese Frage wollte Elaine ehrlich beantworten:

»So richtig gewalttätig war er nie zu mir. Ein oder zweimal hat er mich grob angefasst oder geschubst. Ich finde, das ist auch nicht in Ordnung«.

»Da hast du vollkommen recht. Selbst bei einem Streit darf es nicht so weit kommen. Zum Glück bist du nicht mehr mit Florin zusammen«, sagte Cara ehrlich.

Elaine dachte darüber nach, dass es bei Florin um jemanden ging, der ihr zunächst wirklich sehr nahegestanden hatte. Sie dachte, es könnte sich tatsächlich eine feste Beziehung daraus ergeben haben.

Doch Florin war nicht nur auf ihren Chef eifersüchtig. Er war einfach jemand, der seine Eifersucht nicht in den Griff bekam. So bemerkte sie manchmal, dass er sogar auf ihre guten Freunde eifersüchtig war, obwohl es gar keinen Grund dafür gab. Dies führte oftmals zu Streit oder Meinungsverschiedenheiten. Bei Elaine hatte damals der Geduldsfaden gerissen und sie machte Schluss. Florin hatte es akzeptiert. Seitdem belästigte er sie nicht mehr. Elaine sagte nachdenklich:

»Irgendwie war er nicht die richtige Gesellschaft für mich. Ich würde sogar behaupten, dass unsere Beziehung toxisch war.« Das fand Cara genauso:

»Wir müssen immer eine toxische Beziehung zu Männern meiden. Wir als gute Freundinnen müssen zusammenhalten, damit so etwas nicht noch einmal passiert.«

»Das stimmt. Wichtig ist es, überhaupt zu bemerken, dass etwas nicht stimmt. Nicht alle Frauen trauen sich bei einer toxischen Beziehung Schluss zu machen«, überzeugte Elaine ihre Freundin Cara. Diese musste zugeben, dass sie noch nie eine toxische Beziehung hatte.

Sie war schon lange Single. Jedoch waren in Caras Freundeskreis einige Frauen ebenfalls von toxischen Beziehungen betroffen.

Gerade in ihrem Alter war das Thema Beziehungen zu Männern ein spannendes Thema. Nicht immer waren die Gespräche unter Freundinnen zu diesem Thema problemlos. Denn junge Frauen brauchten einander, um belastende Gedanken loszuwerden. So ging es ihnen durch gemeinsame, tiefgründige Gespräche besser. Tatsächlich, bei Elaine hatte sich durch dieses ehrliche Gespräch eine Erleichterung in ihrer Seele spürbar gemacht. Sie bedankte sich bei Cara dafür, dass sie ihr zugehört hat.

Das Frühstück schmeckte ihnen wirklich gut. Es war eine Wohltat, zu einem ehrlichen Gespräch ein gutes Frühstück zu essen. Das Croissant war knusprig-leicht.

Die Marmelade war fruchtig. Der Joghurt war sehr gesund. Sie beide bezahlten für sich, als die Kellnerin kam. Zum Abschied umarmten sie sich. Jede ging ihren Weg zurück nach Hause. Zu Hause angekommen, wollte Elaine lesen. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch, um ein Buch zu lesen, das Cara ihr geschenkt hatte. Es handelte sich um einen Roman.

KAPITEL 4

Eine erneute Disconacht mit Cara und Melinda stand an. Doch diesmal bestellten die drei Freundinnen sich an der Bar einen alkoholfreien Cocktail mit Saft. Irgendetwas stimmte an diesem Abend nicht. Elaine fühlte die Blicke von fremden Männern auf sie gerichtet, die irgendwie kriminell wirkten. Sie fragte sich, was das denn zu bedeuten hatte. Sie nippte an ihrem Getränk, welches ihr gut schmeckte.

Doch anschließend bemerkte sie etwas Saures, fast schon Bitteres als Beigeschmack. Nicht typisch für Saft, dachte sie. Sie verzog ihr Gesicht, trank jedoch weiter, bis sie schließlich das Getränk austrank. Weiterhin fühlte sie etwas Bitteres an dem Getränk. Sie wusste nicht, was es war. Sie wunderte sich, ob ihre beiden Freundinnen auch so etwas bemerkten. Doch entschied sie sich lieber dafür, sie nicht zu fragen. Vielleicht, so dachte sie nach, war das ja nur ein Irrtum. Plötzlich drehte sich alles. Cara und Melinda zogen sie auf die Tanzfläche. Dies kam ihr sehr plötzlich vor, sodass sie ganz unvorbereitet war.

»Lasst uns tanzen. Wir müssen uns nicht unbedingt einen Mann schnappen. Heute können wir ruhig alleine oder unter uns Mädels zu dritt tanzen«, schlug Melinda vor.

»Ja, genau. Und wenn sich ein Kandidat für ein Kennenlernen anbietet, ist er immer gerne bei uns willkommen. Ich meine natürlich, falls sich drei gutaussehende Kandidaten für jede von uns finden lassen«, sagte Cara fröhlich, während sie zu den Beats zu Deutschrap tanzte. Melinda und Elaine tanzten ebenfalls in ihrer Freundinnen-Gruppe zu angesagtem Deutschrap.

Diesmal fühlten sich alle drei Mädels fröhlich und entspannt. Kein Fremder bedrängte sie beim Tanzen. Manchmal hatte ihre Freundinnen-Gruppe beim Tanzen auch etwas Schönes. Sie waren ja noch sehr jung. Männer konnten bei ihnen erstmal warten.

Doch der Schein trog auch diesmal. Elaine wurde etwas ins alkoholfreie Getränk untergejubelt. Ihr wurden Drogen ins Getränk untergejubelt. Sie wusste es zu dem Zeitpunkt noch nicht. Kriminelle Banden breiteten sich in den Diskotheken aus. Die Getränke waren vor Drogendealern nicht mehr sicher. Keiner hatte etwas bemerkt. Die Barkeeper waren diesmal mit verwickelt. Vor ihnen waren die Besucher auch nicht mehr sicher.

Es ging also nicht mit rechten Dingen zu, als Cara, Melinda und Elaine zusammen anfingen, ohne Alkohol Spaß zu haben. Cara und Melinda wurde nichts untergejubelt. Nur Elaine war betroffen. Sie schien für die kriminellen Banden ein besonderes Licht auszustrahlen. Die kriminellen Drogendealer wollten Elaine lahmlegen, schwächen.

Langsam fing Elaine an, etwas zu spüren. Ihr drehte sich der Kopf, obwohl sie keinen Gramm Alkohol getrunken hatte. Augen starrten sie aus jeder Richtung an. Es roch nach Rauch. Es wurde ihr schlecht. Eine Übelkeit machte sich bei ihr bemerkbar, die sie kaum unterdrücken konnte.

Ihre Pupillen weiteten sich. Ihr Herzschlag wurde immer schneller. Ihr Puls schlug gefährlich schnell, fast schon bis zum Herzversagen. Elaine verstand nicht, was mit ihr los war. Cara und Melinda waren so sehr mit dem Tanzen beschäftigt, dass sie kaum etwas bemerkten. Es war ja schließlich dunkel. Nur pinke und rote Scheinwerfer beleuchteten die Tanzfläche. Elaine fühlte sich diesmal von den Schweinwerfern geblendet. Ihr taten die Augen weh. Anschließend begannen sie zu tränen und brennen. Trotzdem versuchte Elaine, sich nichts anmerken zu lassen und tanzte irgendwie weiter. Rauch stieß ihr in die Augen. Es roch nach Männerparfüm. Sie kontrollierte ihre Handtasche. Zum Glück war alles an seinem Platz.

Obwohl in dieser angesagten Berliner Disco Rauchverbot herrschte, konnte Elaine immer mehr den Geruch von Zigaretten wahrnehmen. Dabei dachte sie an die kriminell aussehenden Männer, die hinter jeder Ecke lauerten. Sie konnte jedoch nicht deutlich erkennen, ob geraucht wurde, oder nicht. Dafür war es hier viel zu dunkel. Ihr Puls schlug jetzt deutlich schneller.

So schnell, dass sie husten musste. Das Luftholen bereitete ihr Schmerzen in der Brust. Sie nahm die Luft noch stickiger wahr, als sonst. Ein Würgen erschwerte ihr die Wahrnehmung. Ihre Pupillen zeigten deutliche Anzeichen eines anfänglichen Drogenrausches. Nicht immer wird es von einer jungen Frau wahrgenommen, wenn ihr jemand Drogen ins Getränk untergejubelt hat.

Sie tanzte immer weiter, kam einfach nicht zur Ruhe.

Die typischen Signale eines ernstzunehmenden Drogenrausches waren nicht zu übersehen. Doch an diesem Ort bemerkten Cara und Melinda wenig von Elaines gefährlichem Zustand. Elaine ahnte jedoch, dass etwas mit ihr nicht stimmte. In Gedanken zu sich selber war sie wie verloren. Der nötige Halt an diesem Ort fehlte diesmal noch mehr. Ihre Freundinnen konnten ihr diesmal keinen Halt geben. Es war nicht ihre Schuld. Cara und Melinda waren viel zu vertieft in das Tanzen zu Deutschrap. Sie feierten die Nacht und ihre Freundschaft. Da hatte Elaine eine Idee. Sie sagte:

»Wartet hier auf mich. Ich gehe kurz mal auf die Toilette, um mich zu erfrischen. Irgendwie ist mir schwindelig. Ich finde es hier heute besonders stickig. Findet ihr das auch?«

»Eigentlich ist es heute gar nicht so voll wie sonst. Ich finde die Luft hier ganz normal. Es ist eben eine Disco«, antwortete Melinda besorgt.

»Ja, heute ist es gar nicht so stickig. Ich habe schon schlimmere Nächte erlebt. Erfrische dich ruhig. Wasche dein Gesicht mit kühlem Wasser, schau etwas in den Spiegel. Mach deinen Hals etwas nass. Dann kannst du dich nachschminken. Wir warten hier auf dich und tanzen weiter«, schlug Cara ihrer Freundin besorgt vor. Sie bemerkte, dass Elaine in dem Moment das Gesicht verzogen hat. Jetzt schaute sie ihr in die Augen. Sie fand ihren Blick so geradeaus. Wollte aber nichts sagen, weil sie nicht verstand, was los war.

Elaine umging die tanzende Menge. Sie drängelte sich zur Damentoilette. Im Spiegel am Waschbecken erkannte sie ihr Gesicht nur verschwommen. Sie wusch sich am Hals mit kaltem Wasser. Anschließend machte sie ihr Gesicht mit kaltem Wasser nass. Ihr Spiegelbild wirkte jetzt weniger verschwommen.

Plötzlich konnte sie einen weißen Flügel mit Federn wie von einem Engel im Spiegel erkennen. Schon verschwand die Erscheinung eines Engels. Sie dachte sich nichts dabei. Trotzdem fühlte sie sich von dieser Erscheinung beobachtet. Etwas verwundert schaute sie zur Ausgangstür. Sie erkannte zwar niemanden. Dennoch umgab ein helles Licht die Ausgangstür. Bis es wieder verschwand. Sie machte sich ihre Hände und die Schläfen nass. Ihr Puls beruhigte sich zunächst. Sie atmete erleichtert auf. Anschließend schminkte sie sich nach.

Sie kam schließlich auf eine Idee. Wegen der kriminellen Machenschaft am heutigen Tage dachte sie, dass etwas Alkohol oder Drogen in ihrem Cocktail gelandet waren. Sie wusste nicht, ob es Drogen oder Alkohol waren. Der Grund dafür war, sie hatte bisher in ihrem Leben wenig mit Drogen zu tun gehabt. Aus diesem Grund kannte sie die typische Wirkung von Drogen auf ihren Körper nicht. Sie ahnte also etwas. Ihre Idee war es, heute nichts mehr an der Bar zu bestellen. Sie hatte Angst, es ging dort heute nicht mit rechten Dingen zu. Aber gerade jetzt hatte sie ein kühles Mineralwasser nötig. Das wusste sie. Sie trank spontan das kühle Wasser aus dem Wasserhahn. Es ging ihr daraufhin etwas besser. Dann ging sie zurück auf die Tanzfläche, zu Cara und Melinda. Beide warteten bereits auf sie. Als sie zurückkam, lächelten sie ihr zu. Sie wollten wissen, ob alles in Ordnung war. Cara fragte:

»Geht’s dir jetzt besser? Hast du dich erfrischt?«

»Ja, ich habe mich erfrischt. Aber so richtig weiß ich nicht, was heute mit mir los ist. Vielleicht wurde mir etwas ins Getränk untergejubelt«, berichtete Elaine von ihren Sorgen. Sie dachte, die beiden anderen müssten doch auch etwas bei ihnen bemerkt haben. Bald kam schon die Antwort von Melinda:

»Das wäre ja fatal. Ich hoffe wirklich, dir wurde nichts ins Getränk getan. Aber ich habe von solchen Fällen in Discos schon mal gehört. Also, ich merke bei mir zum Glück gar nichts.«

»Auch ich fühle mich wie immer an solchen Disconächten. Nur dass ich heute auch ohne Alkohol glücklich bin. Sogar noch glücklicher. Mir wurde definitiv nichts ins Glas getan«, gab Cara zur Antwort. Sie reagierte mit Besorgnis um ihre Freundin. Auch Melinda machte sich um Elaine große Sorgen. Trotzdem fühlten sie eine gewisse Hilflosigkeit, denn sie wussten einfach nicht, wie sie reagieren sollten.

»Du darfst dich mit dem Tanzen nicht übernehmen. Kommt, lasst uns zur Sitzecke gehen. Dort können wir uns ausruhen. Das wird schon wieder«, sagte Melinda und machte damit einen guten Vorschlag.

»Das wird mir sicherlich helfen. Wir werden einfach weitersehen, wie es mir geht«, sagte Elaine leise. Das Sprechen tat ihr im Rachen weh.

»Ansonsten müsstest du mal am Montag zum Arzt gehen«, gab ihr Cara einen Ratschlag. Sie hoffte dabei, dass Elaine für heute Nacht keinen Krankenwagen braucht. Soweit sollte es nicht kommen. Cara dachte, das wäre fatal. Cara und Melinda waren nun alarmiert. Sie wollten es sich in der Sitzecke bequem machen.

Die Sitzecke bestand aus einer großen, edlen, schwarzen Couch mit mehreren schwarzen Sesseln. Alles war in einer Ecke arrangiert, die zum Erholen gedacht war. Einige Besucher machten es sich auf den breiten Sesseln bequem. Die drei Freundinnen setzen sich nebeneinander auf die große, lederne Couch.