Die Farben der Liebe - Rosita Hoppe - E-Book

Die Farben der Liebe E-Book

Rosita Hoppe

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Beschreibung

Wenn die Schmetterlinge Loopings drehen: Der romantische Sammelband »Die Farben der Liebe« von Rosita Hoppe jetzt als eBook bei dotbooks. Ein bunter Blumenstrauß der Liebe – der Romantik-Sammelband mit 21 Glücksgeschichten für das ganze Jahr … Gibt es da draußen denn nur noch Frösche, fragt Lara sich wieder mal verzweifelt. Die alleinerziehende Mutter hat sich auf ein echtes Chaos-Date eingelassen, da bleibt nur noch die Flucht. Dabei stolpert sie jedoch einem attraktiven Unbekannten geradewegs in die Arme. Eins ist sicher: Traumprinzpotential hat er auf jeden Fall – aber wie soll Lara ihn bloß wiederfinden, wo sie noch nicht mal seinen Namen weiß? Lassen Sie sich in diese romantischen Geschichten hineinfallen wie in Zuckerwatte! Genießen sie einen stürmischen Tag am Nordseestrand, einen prickelnden Urlaubsflirt auf Lanzarote oder magische Momente auf Amrum. Jetzt als eBook kaufen und genießen: Das Sammelband-Highlight »Die Farben der Liebe« von Rosita Hoppe mit den Liebesromanen »Auf der Suche nach Liebe«, »Verdammt, er liebt mich« und die romantischen Erzählbänden »Herzflimmern« und »Zuckersüße Küsse« Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.

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Seitenzahl: 430

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Über dieses Buch:

Ein bunter Blumenstrauß der Liebe – der Romantik-Sammelband mit 21 Glücksgeschichten für das ganze Jahr …

Gibt es da draußen denn nur noch Frösche, fragt Lara sich wieder mal verzweifelt. Die alleinerziehende Mutter hat sich auf ein echtes Chaos-Date eingelassen, da bleibt nur noch die Flucht. Dabei stolpert sie jedoch einem attraktiven Unbekannten geradewegs in die Arme. Eins ist sicher: Traumprinzpotential hat er auf jeden Fall – aber wie soll Lara ihn bloß wiederfinden, wo sie noch nicht mal seinen Namen weiß?

Lassen Sie sich in diese romantischen Geschichten hineinfallen wie in Zuckerwatte! Genießen sie einen stürmischen Tag am Nordseestrand, einen prickelnden Urlaubsflirt auf Lanzarote oder magische Momente auf Amrum.

Über die Autorin:

Rosita Hoppe ist in einem kleinen Ort unweit des Weserberglandes aufgewachsen und lebt noch heute dort. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Die gelernte Reisekauffrau entdeckte früh ihre Liebe zum Schreiben und war viele Jahre freie Mitarbeiterin ihrer heimischen Lokalzeitung. Auf Reisen findet sie Inspiration für ihre einfühlsamen und turbulenten Liebesromane – ganz besonders spiegelt sich darin ihre Begeisterung für das Meer und vor allem die Nordseeinseln wider. Seit 2009 ist Rosita Hoppe Mitglied bei DELIA, der Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren und -autorinnen.

Bei dotbooks veröffentlichte Rosita Hoppe auch ihre Liebesromane »Sommerträume auf der Insel« und »Die kleine Boutique der Träume«.

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Sammelband-Originalausgabe Februar 2021

Copyright © der Sammelband-Originalausgabe 2021 dotbooks GmbH, München

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Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: dotbooks GmbH, München, unter Verwendung eines Bildmotivs von Adobe Stock / shevalierart

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (rb)

ISBN 978-3-96655-567-8

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Rosita Hoppe

Die Farben der Liebe

Romantik-Sammelband

dotbooks.

Auf der Suche nach Liebe

Kapitel 1

Puh, endlich Feierabend. Lara stellte ihre prallgefüllten Einkaufstaschen auf dem Küchentisch ab und ließ sich mit einem Schnaufen auf den nächsten Stuhl fallen. Mit einem Fuß hangelte sie nach einem zweiten Stuhl, zog ihn heran und legte ihre Beine hoch. Sie beugte sich vor und massierte ihre schmerzenden Waden. Zwar liebte sie ihren Arbeitsplatz in der kleinen Boutique, in der sie nun schon seit beinahe sechs Jahren tätig war, trotzdem war sie jedes Mal froh, wenn sie endlich wieder zu Hause war. Den ganzen Tag auf den Beinen stehen und anschließend noch durch den Supermarkt hetzen, war verdammt anstrengend.

Einen Moment noch ausruhen, dann würde sie die Einkäufe auspacken und das Abendbrot für sich und Torben herrichten. Ob Torben schon zu Hause war? Schwerfällig erhob sich Laura, tappte aus der Küche. Schon als sie die Tür zu seinem Zimmer einen Spalt geöffnete, sah sie ihn auf dem Bett liegen, sein neuestes Spielzeug in der Hand.

»Spiel nicht andauernd mit deinem iPhone«, mahnte Lara und warf einen tadelnden Blick auf ihren Sohn, der sicherlich noch Hausaufgaben machen musste, aber schon wieder auf diesem Gerät herumtippte.

Sie war dagegen gewesen, dass er in seinem Alter unbedingt schon ein iPhone haben wollte. Aber dann hatte Torbens Patenonkel ohne vorherige Absprache Torben mit einem Augenzwinkern eines zum Geburtstag geschenkt. Lara war ihm immer noch böse deswegen. Was hatte er bloß dabei gedacht? Zwar hatte er erklärt, es sei sein altes Gerät und er habe sich das Neueste zugelegt, aber das tat nichts zur Sache. Lara fühlte sich in ihrer Mutterrolle übergangen.

»Ist nur wegen Chemie. Muss mal kurz Timo was fragen«, murmelte Torben, doch Lara sah ihm an der Nasenspitze an, dass er flunkerte.

Es wurde immer schlimmer mit ihm und diesem ständigen Herumhängen vorm Computer und diesem iPhone. Torben ging kaum noch aus dem Haus, traf sich außerhalb der Schule nicht mal mit seinen Freunden. Sie kommunizierten nur noch virtuell. Das war doch nicht normal, oder?

»Okay, wenn es um die Hausaufgaben geht, darfst du das Ding da benutzen. Aber sobald ihr das geklärt habt, lieferst du es bei mir ab. Wenn du mit deinen Arbeiten fertig bist, kannst du es wiederhaben.«

»Mama!«, empörte sich Torben.

»Keine Widerrede.« Lara warf einen letzten mahnenden Blick auf ihren Sohn, dann eilte sie in die Küche, um das Abendessen vorzubereiten.

»Torben, ich warte auf was«, rief sie eine halbe Stunde später über den Flur. Und tatsächlich kam ihr Sohn wenig später mit finsterer Miene angeschlurft – sein neues Lieblingsgerät in der Hand. »Muss das sein?«, fragte er missmutig.

»Es muss. Wie ich dich kenne, wird es sonst nichts mit den Hausaufgaben.«

»Aber wenn ich nicht weiter weiß?«

»Dann bin ich auch noch da.« Mit einem Zwinkern nahm Lara ihm das iPhone aus der Hand und legte es auf den Küchentisch.

Mit skeptischem Blick, aber ohne etwas zu erwidern, schlich Torben zurück in sein Zimmer.

Wenig später nahm Lara das iPhone in die Hand. Was war so toll daran? Sie begann ein bisschen darauf herumzutippen und legte es mit einem Schnauben wieder weg. Dieses Touchscreen hatte sie anfangs ganz kirre gemacht und sie hatte sich ihr uraltes einfaches Tastenhandy zurückgewünscht. Da war der alte PC, den sie benutzte, doch wesentlich handfester und ein normal großer Bildschirm war sowieso viel angenehmer für ihre Augen. In diesem Punkt war sie einfach altmodisch – jedenfalls was technische Dinge anging. Das hatte schon Peter gesagt. Peter! Warum schlich er sich immer noch in ihre Gedanken? Immerhin war ihre Beziehung schon seit Monaten vorbei. Dieser Blödmann hatte sie nach acht gemeinsamen Jahren wegen einer Jüngeren verlassen. Das schmerzte immer noch. Vor allen Dingen, weil sie sich mit ihren sechsunddreißig Jahren noch jung fühlte. Und trotzdem war sie wegen eines jungen Kükens sitzengelassen worden. Pah! Er würde schon noch merken, auf was er verzichtet hatte. Aber dann war es zu spät. Es wurde höchste Zeit, dass sie sich nach etwas Neuem umsah. Der Meinung war auch Anne.

Aber wo sollte sie den Richtigen finden? Und wie ihn überhaupt erkennen? Sie war nicht der Typ, der Männer auf der Straße, im Café oder wo auch immer anquatschte. Und zum Tanzen würde sie allein sowieso nicht gehen. Und dann war da noch Torben. Es behagte ihr nicht, wenn sie ausgehen und ihn allein zu Hause lassen würde. Gerade jetzt, wo er in einem schwierigen Alter war. Außerdem war sie froh, wenn sie abends die Beine hochlegen konnte. Es war mega anstrengend, den ganzen Tag zu stehen und das trotz der bequemen Schuhe, die sie als Ersatzpaar auf der Arbeit stehen hatte, und in die sie beinahe jeden Nachmittag schlüpfte.

Es würde also nicht leicht werden, jemanden kennenzulernen. Vielleicht wären die Chancen besser, wenn sie in einem Herrenbekleidungsgeschäft arbeiten würde. Aber deswegen einen neuen Arbeitsplatz suchen und jedes Mal wieder von Null anfangen. Nein. Sie war sehr zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz, mit der Chefin, mit den Kundinnen. Das war für sie das Wichtigste.

Neulich hatte Anne doch tatsächlich vorgeschlagen, sie solle sich doch mal auf Partnerbörsen im Internet umsehen und in Ruhe stöbern. Auf so einen Quatsch konnte nur ihre Schwester kommen. So nötig hatte sie es nun auch nicht.

Lara riss sich von ihren Überlegungen los und begann den Tisch zu decken. Dann rief sie nach Torben. »Bist du fertig mit deinen Hausaufgaben?«, erkundigte sie sich bei ihrem schweigsam vor sich hinkauenden Sohn.

»Geht so«, murmelte er. »Mit meinem iPhone wär's leichter.«

»Wieso?«

»Dann könnte ich wenigstens Timo fragen.«

»Ist Timo besser in Chemie?«

Torben zuckte mit den Schultern.

Lara kräuselte die Stirn. Torbens Einsilbigkeit wurde von Tag zu Tag schlimmer. »Ich glaube kaum, dass Timo der richtige Ansprechpartner wäre. Nach dem Essen schau ich mir deine Aufgaben mal an. Vielleicht finden wir gemeinsam eine Lösung.«

Torben brummelte etwas Unverständliches und kaute weiter an seinem Abendessen.

Als Lara später mit Torben über den Chemieaufgaben brütete, musste sie zugeben, dass ihr Chemieunterricht wohl doch schon zu lange her war, um eine wirkliche Hilfe zu sein. »Wenn du gar nicht mehr klarkommst, dann sollten wir über Nachhilfeunterricht nachdenken«, schlug sie vor.

Torben verdrehte mit genervter Miene die Augen. »Bloß, weil ich mal ne Hausaufgabe nicht kann, muss ich nicht gleich zur Nachhilfe«, maulte er. »Hättest du mir das iPhone nicht weggenommen, hätte ich mir die Lösungen längst von irgendjemandem holen können.«

»Es bringt nichts, wenn du bei anderen spickst. Bei der nächsten Klassenarbeit stehst du vollends auf dem Schlauch.«

»Mama, mach nicht so‘nen Stress. Das neue Schuljahr hat grad erst angefangen.«

»Okay, ich warte die erste Arbeit ab.« Lara tippte mit dem Zeigefinger auf Torbens Schulbücher. »Häng dich ein bisschen mehr rein. Wir werden nach der Arbeit noch einmal über das Thema sprechen.«

»Krieg ich es jetzt wieder?«, fragte Torben. »Ich verspreche auch, dass ich nicht nur die Lösungen abschreibe.«

»Ich weiß nicht …«

»Mama bitte. Wozu habe ich es denn, wenn ich es nicht benutzen darf?«

Zögernd drückte Lara ihrem Sohn das Gerät in die Hand. »Häng nicht zu lange dran«, mahnte sie. »Sonst kriegst du viereckige Augen.«

»Könnte ich bei dir auch sagen.«

»Was soll das denn heißen?«

Mit triumphierender Miene schaute Torben seine Mutter an. »Meinst du, ich hab nicht mitgekriegt, dass du gestern bis in die Nacht an deinem Computer gesessen hast?«

»Wie jetzt?« Lara fühlte, wie Hitze in ihr aufstieg. Ihre Wangen brannten mit einem Male, als sei sie bei etwas Unerlaubtem ertappt worden. Torben hatte doch hoffentlich nicht auf den Bildschirm gucken können. Nein, eigentlich unmöglich. Und wenn doch?

»Ich war noch mal auf, was zu trinken holen. Da hab ich dich gesehen. Warst so vertieft, dass du mich gar nicht gehört hast. Was haste denn gemacht?«

Torben hatte Recht. Sie war beinahe in den Bildschirm hineingekrochen, auch wenn sie das als Mutter niemals zugeben würde. Außerdem durfte er niemals erfahren, auf welchen Seiten sie sich umgeschaut hatte. »War nichts wichtiges«, wiegelte sie zerstreut ab. »Hab auf Urlaubsseiten gestöbert und bin ein bisschen ins Träumen geraten.« Diese Schwindelei kam ihr nur schwer über die Lippen. Aber was sonst hätte sie sagen sollen?

»Wir fahren in Urlaub? Wann denn? Wohin?«

Lara hob abwehrend ihre Hände. »Nun mal langsam. Ich hab nicht gesagt, dass wir in Urlaub fahren. Aber stöbern und vom Strandurlaub träumen, wird wohl noch erlaubt sein.«

»Schade«, gab Torben zu. »Wäre echt krass, wenn wir das mal machen würden. Was haste denn angeguckt?«

Musste Torben ausgerechnet jetzt so neugierig und gesprächig sein? Das tat er doch sonst nicht. »War nur so allgemein«, murmelte Lara.

Torben schaute sie noch einmal skeptisch an, dann wandte er sich um und verschwand endlich in seinem Zimmer. Noch nie war Lara so froh gewesen, dass sich Torben verkrümelte. Wenn der wüsste, auf welchen Seiten sie sich herumgetrieben hatte. Er wäre sicher entsetzt. Sie war es ja beinahe selber.

Kapitel 2

Den ganzen Abend über konnte es Lara kaum abwarten, bis Torben ins Bett ging. Nachdem er sich endlich verabschiedet hatte, schaltete sie ihren PC ein. Ob sie Anne gestehen sollte, dass sie es gewagt hatte? Anne hatte lauthals über Laras Bedenken gelacht und sie verklemmt genannt, als sie das erste Mal über diese Möglichkeit gesprochen hatten. Aber Anne war schon immer sehr viel weltoffener und unbesorgter gewesen.

Und jetzt? Gestern hatte sie es tatsächlich gewagt, sich ein paar Partner- und Singleportale anzuschauen. Alles schien ganz einfach, so las es sich jedenfalls. Lara atmete tief durch und setzte sich vor den PC. Unruhig rutschte sie auf ihrem Stuhl hin und her und massierte ihre vom langen Stehen schmerzenden Füße, während sie darauf wartete, dass dieses blöde langsame Gerät hochfuhr. Viel lieber würde sie es sich in ihrer Sofaecke gemütlich machen und die Beine ausstrecken. Aber dieses altmodische Ding konnte sie sich ja schlecht auf die Knie stellen. Mit einem Laptop wäre es doch wesentlich einfacher. Die waren ja nicht mal mehr besonders teuer. Vielleicht sollte sie in absehbarer Zeit mal ihr Konto prüfen, ob sie etwas Geld dafür abzwacken konnte. All die neumodischen Gerätschaften, so wie Torbens, waren bei ihrer finanziellen Situation absolut unerreichbar. Oh ja, so ein Laptop wäre schon klasse. Den könnte sie sogar mit ins Bett nehmen. Dann würde Torben sie nicht mitten in der Nacht vorm PC erwischen und dumme Fragen stellen können.

Als sich die Seite der Partnerbörse öffnete, die sie am Vorabend schon als besonders freundlich und passend empfunden hatte, waren alle anderen Gedanken wie weggewischt. Sollte sie es wirklich wagen und sich ein Profil anlegen? Es schien so einfach zu sein und die Versprechungen, auf diese Weise bald den geeigneten Partner fürs Leben zu finden, hörten sich absolut glaubhaft an. Ein Profil zu erstellen, wurde sogar kostenlos angeboten. Erst, wenn man aktiv mit einem Mitglied chatten wollte, war monatlich ein akzeptabler Beitrag fällig. Doch bis dahin war noch ein weiter Weg. Darüber brauchte sie sich jetzt noch keine Gedanken machen. Eigentlich konnte nichts schief gehen. Wenig später hatte sie sich tatsächlich mit ihrer E-Mailadresse und einem Nickname eingeloggt. Silver hieß sie jetzt. Dieses Pseudonym war ihr eben spontan in den Kopf gekommen – und sie fragte sich, wie sie überhaupt auf diesen Namen gekommen war. Egal. Es war ein guter Name, um sich dahinter verstecken zu können.

Es dauerte nur einen kurzen Augenblick, bis ihre Anmeldung bestätigt wurde. War es richtig, was sie hier tat? Was, wenn niemand an ihr interessiert war? Würde sie das traurig machen? Was, wenn sich hier nur Chaoten herumtrieben? Mit einem Mal bekam sie Angst vor ihrer eigenen Courage.

Das Vibrieren ihres Handys, das direkt neben der Tastatur lag, riss sie aus ihren Überlegungen. Anne!

»Bist du noch wach?«, fragte ihre kleine Schwester auch sogleich.

»Ja …«

»Wollte nur mal hören, ob du Lust hast, am Samstag mit zum Altstadtfest zu gehen.«

»Weiß nicht. Mal sehen.«

»Gib dir einen Ruck. Meine ganze Clique geht hin. Das wird bestimmt sehr spaßig. Rolf ist auch dabei.«

Ein Grund nicht mitzugehen. Dieser Rolf hatte ihr bei Annes letztem Geburtstag eindeutige Angebote gemacht. Okay, da hatte er schon einiges intus gehabt. Aber trotzdem. Seit diesem Tag ging Lara ihm möglichst aus dem Weg.

»Zier dich nicht so. Wie willst du jemals einen Mann kennenlernen, wenn du nicht aus dem Haus gehst?«

Lara atmete tief durch, dann gab sie sich einen Ruck. »Ich hab's getan, Anne.«

»Was? Was hast du getan?«

»Ich hab mich eben bei einer Partnerbörse registriert.«

»Echt jetzt? Ich hätte nie gedacht, dass du den Mumm dazu hast.«

»Danke Schwesterherz!«, maulte Lara.

»Stimmt doch. Immer bist du so übervorsichtig und überhaupt nicht spontan. Allmählich hatte ich Sorge, dass du auf deinem Sofa versauerst.«

»Ich kann halt nicht immer. Gerade jetzt kommt Torben in ein schwieriges Alter.«

»Wenn du die Glucke spielst, wirkt sich das eher negativ auf Torbens Entwicklung aus«, behauptete Anne.

»Das sagst ausgerechnet du. Du hast keine Ahnung, was es heißt, Mutter zu sein und Verantwortung tragen zu müssen. Du musst auf niemanden anderen aufpassen als auf dich selbst.« Anne ging viel zu sorglos durchs Leben, fand Lara. Nicht mal sich selbst gegenüber verhielt sie sich verantwortungsvoll. Deshalb konnte sie auch Laras ständige Sorge um Torben nicht wirklich nachvollziehen.

»Torben ist dreizehn. In dem Alter will er ganz bestimmt nicht mehr ständig von seiner Mutter an die Hand genommen werden. Da hängt er lieber mit seinen Freunden ab.«

Lara lachte auf. »Wenn er das mal tun würde. Stattdessen hängt er in seinem Zimmer herum und vor dem Computer.«

»Apropos Computer. Erzähl, wo hast du dich angemeldet, hast du schon Anfragen? Hach, du machst mich richtig neugierig.«

»Hab nicht mal mein Profil ausgefüllt.«

»Wieso das nicht?«, rief Anne durch den Hörer.

»Weil du mich davon abhältst.«

»Sorry, Süße. Konnte ich ja nicht wissen. Brauchst du Hilfe?«

Von Anne? Lieber nicht. So sehr Lara ihre Schwester liebte, hier sollte sie ihre Finger besser nicht im Spiel haben. »Nein danke, das schaffe ich schon«, erklärte Lara.

»Schade. Ich würde so gern …« Anne seufzte ziemlich theatralisch. »Meine große Schwester geht auf Männersuche. Dass ich das noch erlebe.«

»Nun hör schon auf.« Lara bereute bereits, Anne eingeweiht zu haben.

»Du sagst mir aber sofort Bescheid, wenn sich ein Typ gemeldet hat. Versprochen? Und pass auf, mit wem du dich verabredest.«

Lara verdrehte ihre Augen. Anne konnte wirklich nerven. Und manchmal – allerdings äußerst selten – wurde sie regelrecht fürsorglich, obwohl sie die Jüngere war. »Anne! Es reicht. Wer weiß, ob sich überhaupt einer für mich interessiert.«

»Schon gut, schon gut. Ich lass dich jetzt in Ruhe, damit du deinem Liebesleben endlich einen Schubs geben kannst. Viel Vergnügen, Schwesterherz.«

Lara hörte noch das Kichern ihrer Schwester, doch bevor sie etwas erwidern konnte, hatte Anne aufgelegt. Lara war sich sicher, dass sie Annes Ratschläge nicht brauchte. Eher war das Gegenteil der Fall. Aber Anne hatte noch nie auf Lara gehört. Sie beide hätten nicht unterschiedlicher sein können, und dennoch waren sie von klein auf ein Herz und eine Seele.

So, nun musste sie endlich die Angaben zu ihrer Person machen. Und dann, ja dann würde es sicher ewig dauern, bis jemand auf sie aufmerksam wurde. Ob es etwas bringen würde, wenn sie ein bisschen schummelte? Beim Thema Hobby zum Beispiel. War sie sportlich? Eigentlich ja. Jedenfalls früher, da hatte sie ein paar Jahre Volleyball in einer Mannschaft gespielt. Und sonst? Ein paar Mal im Sommer Inliner fahren, ab und an schwimmen gehen – das war's auch schon. So ein sportlicher Typ wäre schon ganz nett, aber der würde sich vermutlich eher für eine sportlich aktive Frau interessieren. Sie entschied, die Äußerungen ein paar Mal, und ab und an unter den Tisch fallen zu lassen. Ach ja, verreisen tat sie auch gern – würde sie gern, wenn sie es sich leisten könnte. Kalifornien war ein absolutes Traumziel, Florida und Kanada auch. Das schrieb sie gleich mit auf. Singen liebte sie. Wenn auch nur bei der Hausarbeit und in der Badewanne, es gehörte eindeutig zu ihren Hobbys. Ob sie sich ein paar Jährchen jünger machen konnte? Nicht, dass am Ende der Mann, für den sie sich entscheiden würde, nach kurzer Zeit auch wieder zu einer Jüngeren abdampfte. Nein, besser nicht. Wenn sie schwindelte, würde das gleich beim ersten Gegenüberstehen auffallen. Und schon hätte sich das mit dem Kennenlernen erledigt. Menno, war gar nicht so einfach, sich positiv zu präsentieren, trotzdem ehrlich zu bleiben und natürlich zu wirken.

Welche Eigenschaften sollte ein potenzieller Kandidat haben? Liebevoll sollte er sein. Treu, ehrlich, sportlich und kulturell interessiert. Ja, das hörte sich gut an. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sie es wagte, ihre Angaben mit klopfendem Herzen und einem Klick loszuschicken.

Was hatte sie getan, welche Welle hatte sie da losgetreten? Die halbe Nacht wälzte sie sich schlaflos im Bett herum. Was, wenn sie sich vor Angeboten nicht retten konnte? Wie sollte sie herausfinden, wer der Richtige war? Vielleicht hätte sie noch näher ins Detail gehen sollen. Aber was, wenn sich niemand für sie fand? Oder nur irgendwelche Typen, die auf der Suche nach stetig neuen Sexabenteuern waren? Anne würde diese Zweifel vermutlich erst gar nicht verstehen. Die würde diese Aktion locker und lachend angehen. Aber sie war nicht Anne. Sie war Lara, eine sechsunddreißigjährige Frau mit halbwüchsigem Sohn. Torben! An ihn hatte sie überhaupt nicht gedacht, als sie die persönlichen Angaben gemacht hatte und ihn tatsächlich unterschlagen. Aber das konnte sie morgen nachtragen – oder irgendwann später.

Kapitel 3

Die Zeit, bis sie am nächsten Abend Gelegenheit hatte, nach Nachrichten zu schauen, zog sich dahin wie Kaugummi. Der Arbeitstag nahm kein Ende, und dann stand noch ein Zahnarzttermin an. Was für ein Timing. Natürlich musste sie ausgerechnet heute länger warten, bis sie an die Reihe kam. Dann noch der Elternabend in Torbens Schule.

Ihre Nerven waren zum Zerreißen gespannt, als sie endlich nach zweiundzwanzig Uhr ihre Wohnung betrat. Unter Torbens Tür kroch der Schein seiner Lampe hervor und die fiependen Töne eines seiner Videospiele drangen bis in den Flur. Er hatte es natürlich ausgenutzt, allein daheim zu sein. Niemand da der meckerte, und niemand, der ihn ins Bett scheuchte.

»Torben, bin wieder da«, rief Lara über den Flur hinweg. »Mach jetzt Schluss, es ist schon spät. Morgen ist Schule.«

»Als wenn ich nicht wüsste, dass morgen Schule ist«, gab Torben wenig später von sich, während er missmutig ins Bad schlurfte. »Du erinnerst mich ja ständig dran. Bin doch kein Kleinkind mehr.«

Lara verkniff sich einen weiteren Kommentar. Der hätte nur wieder eine Grundsatzdebatte ausgelöst. Und dafür war es wahrlich zu spät.

Endlich hatte Torben die Zimmertür hinter sich geschlossen und das Licht gelöscht. Lara hatte es kaum noch ausgehalten, denn gerade heute schien er ausgesprochen langsam zu sein. So kam es ihr jedenfalls vor. Leise schloss Lara die Wohnzimmertür und drückte auf den Kopf des PCs. Während er hochfuhr, schenkte sie sich etwas Weißwein ein, den sie mit Mineralwasser mischte. Dann nahm sie erwartungsvoll vor dem Bildschirm Platz.

Ihr Profil sei erstellt, las sie, nachdem sie sich eingeloggt hatte. Um sich besser präsentieren zu können, solle sie noch ein Foto einfügen. Wie hatte sie das vergessen können? Hatte sie ein annehmbares Foto von sich? Wie von der Tarantel gestochen sprang sie auf, eilte zum Wohnzimmerschrank und riss die unterste Schublade auf, in der sie ein paar ältere Fotoalben, aber hauptsächlich einzeln herumliegende Schnappschüsse aufbewahrte. Sie müsste sich wirklich mal wieder die Zeit nehmen und diesen Wust an Bildern sortieren. Am besten an irgendeinem langweiligen Regentag. Hektisch durchwühlte sie dieses Durcheinander, fand aber kaum Fotos, auf denen sie mit drauf war. Und wenn, dann waren es Schnappschüsse, die schon einige Jahre auf dem Buckel hatten und auf denen sie unmöglich aussah. Na klar! Auf dem PC! Da hatte sie die neueren Bilder gespeichert. Wieso hatte sie nicht gleich daran gedacht? Rasch schob sie die Schublade zu. Sie würde Anne bitten müssen, ein Foto von ihr zu schießen, entschied sie kurze Zeit später, nachdem sie auch auf dem PC nicht fündig geworden war. Kein Wunder, dass es kaum Aufnahmen von ihr gab. Schließlich war sie meistens Diejenige, die hinter der Kamera zu finden war. Gleich morgen würde sie Anne bitten sich Zeit dafür zu nehmen, damit sie möglichst zeitnah ein ansprechendes Bild ins Profil einfügen konnte. Eigentlich hatte sie ja gehofft, schon den einen oder anderen Vorschlag für einen zu ihr passenden Mann im Postkasten zu haben. Aber nichts. Lara seufzte auf. Jetzt, wo sie sich endlich getraut hatte, diesen Schritt zu gehen, wollte sie auch, dass es losging. Obwohl sie sich durchaus im Klaren darüber war, dass die Garantie, auf diese Weise einen Menschen zu finden, in den sie sich verlieben könnte und der ebenfalls an ihr interessiert war, verschwindend gering war. Aber gering war immerhin nicht aussichtslos. Und an diesen Strohhalm klammerte sie sich.

»Ich hätte mich an deiner Stelle gleich bei mehreren Portalen angemeldet. Dann hättest du von Beginn an eine wesentlich größere Auswahl«, bemerkte Anne, während sie unentwegt auf den Auslöser drückte. Ausnahmsweise waren sie beide der Meinung gewesen, dass Aufnahmen in freier Natur einen besonders authentischen und natürlichen Eindruck erwecken. Daher hatten sie sich im städtischen Park getroffen. Nun streiften sie schon eine Weile durch die Gegend und immer wieder hielt Anne Lara an, vor einem besonders schönen Busch oder herrlich blühenden Blumenstauden zu posieren.

Als sie beide später vor Laras PC saßen und eine Fotoauswahl trafen, musste Lara zugeben, dass sie auf den Fotografien beinahe sportlich dynamisch wirkte. Was wiederum eine ihrer Profilangaben unterstrich.

»Die Kerle werden auf dich fliegen«, prophezeite Anne.

Lara runzelte die Stirn. »Na hoffentlich die Richtigen. Meinst du wirklich, dass es richtig ist, was ich tue?« Dabei dachte sie in erster Linie an Torben. Was, wenn er von ihren Internetaktivitäten etwas mitbekam? Sie musste unbedingt diskret vorgehen. Er durfte nicht einmal bemerken, dass sie ihre Abende in Zukunft vermutlich wesentlich öfter am PC verbringen würde. Sonst würden ihre Predigten, er solle nicht ständig vor seinen Geräten sitzen, überhaupt nicht mehr fruchten. Die kommende Zeit würde nicht einfach werden, fürchtete sie.

Erst drei lange Tage später entdeckte Lara eine erste Nachricht. Mit klopfendem Herzen las sie: Hallo liebe Silver. Was für ein toller Name! Dein Profil und ganz besonders dein Foto treffen mich mitten ins Herz. Ich würde mich sehr freuen, mit dir in Kontakt zu treten, damit wir uns näher kennenlernen können. Ich bin übrigens der Harry, vierunddreißig Jahre alt, ledig, von Beruf Reiseverkehrskaufmann und spiele seit Jahren in einer Handballmannschaft. Ich kann es kaum abwarten, von dir zu hören.

Wow! Da gab es tatsächlich einen Mann in den unendlichen Weiten des World Wide Web, der sich für sie interessierte. Und was er schrieb, las sich auf den ersten Blick doch ganz vielversprechend, oder? Ob sie ihm gleich antworten sollte? Oder lieber erst einmal auf weitere Kandidaten warten? Oder auf Vorschläge des Portals? Immerhin versprachen sie, passende Partner höchstpersönlich und ganz individuell auszusuchen. Mit zittrigen Fingern öffnete sie Harrys Profil. Sofort öffnete sich ein Foto und ein äußerst sympathisch wirkender Mann lächelte sie an. Ja, er schien direkt sie anzulächeln. Okay, er hatte keine Haare mehr. Männer mit Glatze hatte sie bisher nicht besonders anziehend gefunden. Aber ihm stand das, das konnte sie nicht leugnen. Und er hatte einen ehrlichen, offenen Blick aus graublauen Augen. Einen Meter fünfundneunzig war er groß. Für einen Handballspieler vermutlich von Vorteil. Und sein Beruf zog Lara magisch an. Sicher reiste er oft in der Weltgeschichte umher und hatte viel zu erzählen. Vielleicht – Laras Herz tat einen kleinen Hüpfer – vielleicht konnte sie an seiner Seite auch endlich ein bisschen von der Welt sehen.

Lara schnaubte und schüttelte über sich selbst den Kopf. Die Fantasie ging schon wieder mit ihr durch. Sie kannte diesen Mann nicht, und träumte bereits davon, mit ihm auf Reisen zu gehen. Nicht zu fassen!

So sehr es ihr in den Fingern juckte, sie zügelte sich und beantwortete Harrys Nachricht noch nicht. Erst einmal wollte sie auf die Agenturvorschläge warten. Warum dauerte das denn so lange? Ach ja, es wurde ja höchstpersönlich und ganz individuell nach geeigneten Partnern gesucht. Lieber wollte sie ein bisschen länger darauf warten, als irgendwelche unakzeptablen Vorschläge präsentiert zu bekommen. In der Zwischenzeit konnte sie sich ein paar Profile anschauen.

Sie kreiste die Suche auf einhundert Kilometer rund um ihren Wohnort ein. Nichts! Niemand hier suchte einen Partner. Das war doch nicht möglich! Gut, dann eben auf zweihundert Kilometer erweitern. Immerhin erschienen fünf männliche Profile. Allesamt sahen ganz passabel aus. Wie konnte es sein, dass ausgerechnet gut aussehende Männer im Internet auf der Suche nach einer Partnerin waren? Bisher hatte sie geglaubt, die hätten so gar kein Problem Frauen kennenzulernen. Scheinbar hatte sie sich in dem Punkt getäuscht. Aber natürlich hatte jeder Mensch eine eigene Vorstellung davon, was er oder sie als gut aussehend bezeichnete. Harry war nicht unter den fünf Angeboten. Demnach wohnte er weiter weg. Das musste sie gleich mal checken. Dummerweise fand sie in seinem Profil keinen Hinweis auf seinen Wohnort. Hm, echt doof. Was hatte sie davon, mit Männern in Kontakt zu treten, die sonst wo wohnten? Was, wenn sie sich ausgerechnet für einen entschied, der hunderte Kilometer wegwohnte? Da wäre eine Beziehung doch von vorne herein zum Scheitern verurteilt.

Einer der Männer, die bei ihrer Suche eben aufgetaucht waren, sah wirklich zum Anbeißen aus. Der hätte durchaus als Modell einem der Versandhauskataloge, die sie im Regal hortete, entstiegen sein können. Mal sehen, was er über sich schrieb. Er hatte sich als DarkRaider eingeloggt. Irgendwie gruselig. Aber ansonsten lasen sich seine Angaben ganz nett. Er segelte – okay, das war nicht wirklich ihr Ding, spielte im Moment aber nicht wirklich eine Rolle. Er joggte mehrmals die Woche, träumte davon, einmal um die Welt zu segeln und wünschte sich eine Frau, die ihn auf diesem Törn begleitete. Nee, sorry. Wirklich nicht. Wie schade war das denn? Da fand sie ein männliches Wesen zum Anbeißen schön und er lag mit seinen Aktivitäten jenseits ihrer Wünsche und Vorstellungen.

Der nächste - Poor Boy. Oh, der Arme hatte bisher immer Pech in der Liebe gehabt und suchte eine verständnisvolle Frau, die seine Macken akzeptierte. Nicht gerade eine ansprechende Aussage. Was das für Macken waren, wollte sie lieber nicht erfahren. »Pech gehabt, mein Lieber. Nicht mit mir«, murmelte Lara, während sie ihn wegklickte.

Der Nächste hatte Computerspiele als Hobby angegeben. Nein danke. In dem Punkt reichten ihr Torbens Aktivitäten zur Genüge.

Nummer vier war blond, braun gebrannt, und sah sehr ansprechend aus. Die vielen kleinen Lachfältchen um seine Augen versprühten geradezu Humor und Vitalität. Er hatte sich als Robert angemeldet und sei Inhaber eines Restaurants auf einer deutschen Nordseeinsel. Na, das war doch mal was. Als Hobby gab er Surfen an. Eigentlich logisch, wenn man auf einer Insel wohnte. Er war mit vierundfünfzig eigentlich zu alt für sie. Immerhin fast zwanzig Jahre Unterschied. Aber das sah man ihm nicht an. Sicher wirkte er durch sein Hobby jünger. So ganz ausschließen wollte Lara ihn nicht. Er und dieser Harry hatten bisher die positivsten Eindrücke hinterlassen.

Und Nummer fünf? Lara rümpfte die Nase. Nein danke! Mit einem Klick beförderte sie den Kerl sofort wieder in die virtuellen Weiten zurück.

Besser, sie dachte noch ein paar Stunden darüber nach, ob sie einen der beiden annehmbaren Herren eine Chance gab, sie kennenzulernen. Beziehungsweise gab sie sich die Chance, darüber nachzudenken, ob sie einen der beiden kennenlernen wollte.

Kapitel 4

»Worauf wartest du eigentlich?«, posaunte Anne durch den Hörer, nachdem Lara ihr von ihren Internetaktivitäten am Vorabend berichtet hatte. »Wieso zögerst du? Auf die Weise lernst du nie einen Mann kennen. Außerdem solltest du dich schleunigst noch auf anderen Singlebörsen anmelden. Es gibt da auch welche, wo du sofort loslegen kannst, nachdem du dich angemeldet und ein paar Fragen beantwortet hast.«

»Dann sitz ich ja nächtelang am Computer, bis ich mich überall durchgeklickt habe.«

»Na und? Hast du was anderes vor? Schließlich bist du auf der Suche nach einem Kerl.«

»Einem Partner«, verbesserte Lara.

»Okay, das auch. Stell dir doch mal vor, dein Traumprinz ist auf einer Seite unterwegs, auf der du nicht angemeldet bist. Dann würdet ihr euch niemals kennenlernen. Eine unerfüllte Liebe, nur weil es dir zu viel ist, ein bisschen aktiver zu sein.«

»Anne!«

»Stimmt doch!«

»Und wenn ich nirgendwo den Richtigen finde?«

»Dann weißt du wenigstens, dass du es versucht hast. Geh die Sache nicht so halbherzig an. So wird nie was draus.«

Lara seufzte. Hätte sie doch nur halb so viel Mumm und Elan wie Anne. Das würde nicht sich nur auf ihre Suche nach dem richtigen Partner, sondern auch auf ihr ganzes Leben auswirken. Sie streckte ihre Schultern und gab sich einen Ruck. Gleich nachher wollte sie es angehen und diesem Harry schreiben. Die Kosten, die für persönliche Chats entstanden, würde sie schon irgendwie abzwacken können. Schließlich ging es hier um so wichtige Dinge, wie ihr Lebensglück.

»Ich muss jetzt auflegen, Anne. Meine Mittagspause ist vorbei. Wir sehen uns.«

»Vergiss nicht, was ich dir gesagt habe. Du musst was tun für dein …«

Bevor Anne noch etwas von sich geben konnte, drückte Lara das Gespräch weg. Ob sie ihren Vorsatz bis zum späten Abend aufrechterhalten konnte?

Lara räumte den Abendbrottisch ab. Torben war gerade wieder in seinem Zimmer verschwunden, als es plötzlich Sturm klingelte. Wer konnte das sein? Sie hatte niemanden eingeladen und es hatte auch niemand angekündigt. Und außerdem hatte sie Wichtigeres vor, als unangemeldete Besucher in die Wohnung zu lassen. Es klingelte noch einmal. Ihr blieb nichts anderes übrig, als diesem hartnäckigen Menschen die Tür zu öffnen. Es war Anne, die lachend und eine Proseccoflasche schwenkend vor der Wohnungstür auftauchte. Eigentlich hätte sie es sich denken können, dass es nur Anne sein konnte, schalt Lara sich. Bevor sie ihre Schwester abwimmeln konnte, hatte die bereits das Wort ergriffen. »Den gönnen wir beide uns, und dann gehen wir auf Männerfang«, posaunte sie durch den Flur.

»Pst«, zischte Lara. »Torben ist zu Hause. Wenn der dich hört.«

Anne zuckte nur mit den Schultern und wischte Laras Einwand mit einer Handbewegung beiseite. Dann beugte sie sich vor und küsste Lara rechts und links auf die Wange. »Und wenn schon«, hauchte sie ihr ins Ohr.

»Anne, du bist unmöglich«, wetterte Lara hinter ihrer Schwester her, die mit wiegenden Hüften und schwenkender Flasche ins Wohnzimmer entschwand.

Prompt öffnete sich Torbens Zimmertür und er steckte seinen blonden Schopf in den Flur hinaus. »Ist Anne da?«

»Ja.«

»Was wollt ihr machen?«

Ach du Schande, Torben schien mehr mitzubekommen haben, als gut war.

»Hast ja schon deinen PC an. Dann kann's ja losgehen?« kam Annes Stimme aus dem Wohnzimmer.

»Äh … Anne muss was im Internet suchen«, erklärte Lara hastig und hoffte, dass es glaubwürdig klang.

Anne kam in den Flur zurück.

Lara versuchte sie mit Gesten, die sie hinter Torbens Rücken machte, von unbedachten Äußerungen abzuhalten.

»Hey Torben. Alles gut?«, begrüßte Anne ihren Neffen.

Lara beobachtete, wie Torben seine Augen verdrehte, als Anne ihm einen Begrüßungsschmatzer auf die Wange drückte.

»Geht so«, murmelte er und wischte die Spuren seiner Tante mit dem Handrücken ab. Jungs eben. »Was wollt ihr machen?«, fragte er noch einmal.

Zum Glück schaltete Anne rechtzeitig und erklärte: »Mein Läppi hat ne Macke, keine Ahnung, was damit los ist. Und ausgerechnet heute, wo ich so viel zu recherchieren habe.« Dabei seufzte sie ziemlich theatralisch, wie Lara fand.

»Mit Mamas alter Kiste?«, fragte Torben skeptisch. »Also wenn du mal was richtig krasses brauchst, ich hab nen iPhone. Ist echt voll fett. Solltet ihr euch auch zulegen.«

»Wie fett?« Annes Blick war ein einziges Fragezeichen.

»Das sagt man heute so – wenn man was voll krass oder geil findet.«

»Aha. Danke für deine Ausführung Torben. Werde ich mir merken«, entgegnete Anne und zwinkerte Lara zu. »Ich werde mir zu gegebener Zeit dein Schmuckstück ansehen. Aber jetzt muss ich mich sputen, damit ich heute noch fertig werde.«

Torben nickte mit weisem Blick, als wüsste er, dass es mit dem schnell fertig werden, sowieso nicht klappen würde und trollte sich in sein Zimmer.

Lara atmete erleichtert auf und schob ihre Schwester ins Wohnzimmer. Energisch zog sie die Tür hinter sich zu. »Du bringst mich noch in Teufels Küche mit deinem vorlauten Mund. Stell dir vor, Torben hätte was mitgekriegt.«

»Ach Quatsch. Woher sollte er wissen, was wir vorhaben?«

»Wir? Suchst du etwa auch einen Mann?« Lara zog fragend ihre Augenbraue in die Höhe.

»Gott bewahre. Ich bin durchaus zufrieden mit meinem Leben. Aber ich muss dir doch auf die Sprünge helfen.«

»Ich bin mir – ehrlich gesagt – nicht sicher, ob ich das überhaupt will«, gestand Lara.

Anne rümpfte die Nase. »Also da mach ich mir nen Kopf um dein nicht vorhandenes Liebesleben und du gibst mir einen Korb.«

»Sorry Süße«, warf Lara entschuldigend ein. »Mir liegt nichts ferner, als dich zu verletzen. Aber versteh doch. Ich – hörst du - ich will auf Partnersuche gehen. Und ich will absolut nicht, dass mir jemand dabei hilft, beziehungsweise dazwischenfunkt. Es geht einzig um mich und mein Leben. Klar?«

»Aber … das hätte mir sooo viel Spaß gemacht.« Auf Annes Gesicht machte sich Enttäuschung breit. »Bist du sicher, dass du mich nicht ein klitzekleines bisschen brauchst?«

»Absolut sicher!«

»Und mein Mitbringsel?«

»Köpfen wir trotzdem.« Lara holte aus der Vitrine, in der sie die Gläser aufbewahrte, zwei Sektkelche und stellte sie auf den Wohnzimmertisch. Währenddessen mühte sich Anne mit der Flasche ab. »Dass diese Dinger immer so …«

Mit einem Knall flog der Korken knapp an der Lampe vorbei. Das köstliche Nass sprudelte plötzlich aus dem Flaschenhals. Der Korken prallte an der Decke ab, und landete zwischen den Blättern der großen Yuccapalme, die in Tischnähe stand. »Upps«, entfuhr es Anne. Sie drückte krampfhaft eine Hand auf die Flaschenöffnung. »Am besten, ich stell die Flasche in die Spüle«, murmelte sie und rannte in die Küche.

Lara zog das Deckchen vom Tisch, das einiges von dem Malheur abbekommen hatte und wischte damit in Windeseile die Tischplatte trocken. Anschließend beförderte sie das Stoffteil in die Waschmaschine. »Hättest vorhin nicht so freudig mit der Flasche wedeln dürfen«, kicherte Lara.

»Klugscheißern kann ich auch«, meckerte Anne. »Ausgerechnet mein Lieblingsgetränk. Guck mal, beinahe ein Viertel des Inhalts fehlt. Ich bin aber auch blöd.«

»Dem kann ich nicht widersprechen.«

»Wie sieht's denn nun mit dem Altstadtfest aus? Kommst du mit?«, fragte Anne, als sie beide endlich auf dem Sofa saßen und am Prosecco nippten.

Lara schüttelte den Kopf. »Nee, lass mal. Mich nervt es schon, wenn ich daran denke, dass dieser Rolf dabei sein wird. Hab dir doch schon gesagt, dass ich keinen Bock auf den habe.«

»Lara Schatz. Dann sag ihm klipp und klar, dass du nicht interessiert bist. Und gut ist’s.«

»Hatte ich schon.«

»Manchmal braucht es ein bisschen, bis er es kapiert. So ist er halt.« Anne stupste Lara mit dem Ellenbogen an. »So, nun lass uns Kerle angucken.«

»Ich will nicht, dass du …«

»Nur gucken. Bitte, bitte.«

Lara konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. Anne sah aus wie ein Kind, das um ein Stück Schokolade oder einen Keks bettelte. »Such dir selbst einen.«

»Mach ich vielleicht auch. Aber du lässt mich ja nicht.« Anne schob schmollend ihre Unterlippe vor.

»Vorhin hast du noch was ganz anderes gesagt.«

Anne zuckte mit den Schultern. »Kann doch meine Meinung mal ändern. Haste was dagegen?«

»Das ist doch ein Trick«, schlussfolgerte Lara. Dieser plötzliche Sinneswandel kam ihr nicht geheuer vor.

»Also wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass ich grad unheimlichen Appetit auf nen knackigen Männerhintern kriege.« Bei diesen Worten rutschte Anne unruhig auf dem Sofa hin und her.

»Anne! Ich muss doch sehr bitten«, protestierte Lara mit unterdrückter Stimme. »Denk dran, dass Torben dich hören könnte.«

»Dann lass uns das nächste Mal bei mir stöbern, damit dein Torben uns nicht erwischen kann«, schlug Anne sofort vor. »Ich hätte da allerdings noch eine ganz andere Idee.« Sie holte tief Luft. »Was hältst du von Speeddating? Hat ne Kollegin von mir mal mitgemacht. Hat ihr zwar nicht den Traumtypen beschert, aber mit einem Kandidaten hatte sie anschließend eine heiße Affäre. Das kann man doch auch als Erfolg werten.«

»Ich will keine Affäre.«

»Aber ich vielleicht. Der Sigrid hat es jedenfalls viel Spaß gemacht.«

»Du bist ein verrücktes Huhn«, musste Lara zugeben und schenkte noch etwas vom Prosecco nach.

»Ja und? Los lass uns gleich mal im Netz schauen, wann und wo so was demnächst angeboten wird.«

»Du bist echt verrückt.«

»Na und? Irgendwann im Leben sollte man etwas Verrücktes tun. Warum nicht jetzt?«

Lara ergab sich ihrem Schicksal. Sie wusste, Anne würde sowieso keine Ruhe geben. Also erhob sie sich und setzte sich an ihren PC.

Währenddessen schleppte Anne noch einen Stuhl heran. »Rutsch mal, damit ich auch was sehen kann«, forderte sie.

Widerstrebend machte Laura Platz. »Holst du noch unsere Drinks?«, bat sie Anne, während sie den Begriff Speeddating in die Suchmaschine eingab. Dankbar nahm sie Anne das Glas aus der Hand und nahm einen kräftigen Schluck. Für das, was da auf sie zukam war es vermutlich besser, sich noch ein bisschen Mut anzutrinken. »Mensch, ich wusste gar nicht, dass so etwas bei uns hier in der Stadt angeboten wird«, musste sie zugeben, als sich wenig später eine Liste mit sämtlichen Orten in Deutschland, in denen derartige Events angeboten wurden, öffnete.

»Nächste Woche sogar. Los Lara, wir melden uns an. Wird sicher ein Heidenspaß.«

Lara atmete tief durch. »Also ich … ich muss, erst in Ruhe drüber nachdenken, ob ich das überhaupt mitmachen will.«

»Papperlapapp! Rück mal, ich mach das jetzt. Und das Startgeld sponsere ich ausnahmsweise mal.« Anne stupste Lara in die Seite und kicherte. »Ist ja für einen guten Zweck.«

»Anne! Du kannst das nicht einfach ohne meine Zustimmung machen. Echt nicht.« Ehe sie weitere Einwände hervorkramen konnte, hatte Anne sie beide bereits angemeldet. »Nächsten Freitag, neunzehn Uhr im Borrito. Vergiss es nicht.« Anne warf Lara einen mahnenden Blick zu, dann grinste sie. »Hach, ich freu mich jetzt schon. Bin gespannt, was da für Kerle auftauchen.«

Lara gab sich einen Ruck. Was hatte sie zu verlieren? Höchstens einen Abend, den sie sonst vermutlich allein vorm Fernseher verbringen würde. Vielleicht hatte Anne sogar Recht und diese Aktion würde lustig werden.

Kapitel 5

Endlich war Anne verschwunden. Nicht, dass Lara den unverhofften Besuch ihrer Schwester nicht genossen hätte – das hatte sie wirklich, jedenfalls nachdem sie sich mit Annes Einbringen in die Männersuche abgefunden hatte. Aber jetzt endlich konnte sie ungestört auf der Seite der Partnerbörse stöbern. Denn so sehr Anne auch gefordert hatte, ebenfalls einen Blick riskieren zu dürfen – in dem Punkt hatte sich Lara strikt geweigert.

Schwesterherz hatte sich wohl oder übel damit abfinden müssen. »Dann melde ich mich halt selbst an«, hatte sie beim Abschied ziemlich trotzig von sich gegeben.

Harry hatte erneut geschrieben. Liebe Silver – bin immer noch ganz berauscht von deinem Namen. Wenn das man nicht zu dick aufgetragen war. Vielleicht hast du bei den unzähligen Nachrichten, die dich vermutlich erreichen, meine erste übersehen. Was mich sehr traurig stimmen würde, sich aber nicht ändern ließe. Es würde mich sehr glücklich machen, wenn wir in Kontakt treten und uns auf diesem Wege näher kennenlernen können. Ich warte auf ein Lebenszeichen. Herzlichst Harry.

Der schien wirklich interessiert zu sein. Wieso hätte er sich sonst noch einmal gemeldet? Sie würde ihm antworten. So viel Interesse konnte sie einfach nicht ignorieren. Vielleicht war er wirklich so nett, wie es auf dem ersten Blick erschien. Doch vorher würde sie nach weiteren Kontakten suchen. Man konnte schließlich nie wissen, ob sich nicht noch was Besseres fand.

Wir haben für Sie zwei zu Ihnen passenden potenziellen Partner gefunden, las Lara kurz darauf. Sollte es tatsächlich jemanden, sogar gleich zwei Männer geben, die zu ihr passten? Scheinbar ja. Mit heftig klopfendem Herzen und zittrigen Fingern klickte Lara auf das erste Profil, das ihr von der Onlineagentur präsentiert wurde. Sie schloss die Augen und atmete tief durch. Was würde sie jetzt erwarten? Wie würde ihr Traumpartner aussehen?

Lara zählte leise bis zehn.

»Mama, hätte ich beinahe vergessen …«

Lara zuckte zusammen, als sie plötzlich Torbens Stimme hörte. Erschrocken und reflexartig klickte sie die Seite weg.

»Ähm, was ist? Ich dachte, du schläfst längst.« Lara spürte, wie ihre Wangen vor Aufregung und Unsicherheit brannten. Hoffentlich merkte Torben das nicht.

»Hatte ich auch schon fast. Aber dann ist mir eingefallen, dass wir morgen ein Handballturnier in der Schule haben.« Torben stöhnte genervt auf. »Mit mehreren Schulen. Geht bis vier Uhr nachmittags. Echt ätzend. Aber wenigstens fällt der Unterricht aus.«

»Oh, das macht doch bestimmt viel Spaß. Kannst du eigentlich gut Handball spielen?« Torben hatte noch nie etwas in diese Richtung erwähnt.

Torben zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Geht so, glaube ich. Also ich muss dann erst zur zweiten Stunde los.«

»Okay. Ich mach dir ein bisschen mehr zu essen. Wirst ja schließlich körperlich gefordert. Und jetzt geh schlafen, damit du morgen fit bist.«

»Nacht«, murmelte Torben und trollte sich in sein Zimmer.

Puh, gerade noch mal gut gegangen. Sie musste künftig besser aufpassen, immer mit einem Ohr wachsam bleiben. So, schnell noch den letzten Rest vom Prosecco trinken, und dann … Laras Nerven waren zum Zerreißen gespannt, sie musste es jetzt einfach wissen. Ein Schluck, ein Klick und es öffnete sich das erste Profil.

Brrr, was war das denn? Das konnte doch nicht wahr sein – echt nicht! Es grenzte beinahe an Beleidigung, so etwas anzubieten. Lara starrte das Foto des Mannes an, der angeblich so wunderbar zu ihr passte. Sämtliche ihrer Nackenhaare stellten sich auf, und das nicht vor Freude.

Alter? Undefinierbar. Haarfarbe? Irgendwas zwischen Staub und Asche. Aussehen? Nicht zu fassen. Rundes Gesicht, rote Pausbacken, dazu ein akkurat geschnittener Pony. Mit Pony – welcher Mann lief freiwillig so rum? Und dann noch dieser komische Bart, rund um den Mund. So was hatte sie noch nie ausstehen können. Kein Wunder, das der Typ im richtigen Leben keine Frau fand. Wer wollte sich mit so einem Deppen verabreden? Also sie garantiert nicht. Wenn Anne noch hier wäre, die würde sich nicht mehr einkriegen vor Lachen. Lara verzichtete darauf, nachzulesen, wieso dieser … ähm Mann der angeblich perfekte Partner sein sollte.

Wenn der zweite Vorschlag ähnlich dämlich war, würde sie sofort ihr Profil löschen und sich eine neue Agentur suchen, nahm sie sich vor. Pech zwar dann für Harry, aber nicht zu ändern.

Es dauerte eine ganze Weile, bis Lara einen Blick auf das zweite Profil wagte. Harry! Das war doch nicht möglich – die hatten wirklich Harry vorgeschlagen. Das war ein Zeichen – oder? Lara spürte, wie das Blut schneller durch ihre Adern pulsierte, wie ihr Herz vor Aufregung ein paar Takte schneller schlug. Wie konnte es sein, dass die Agentur ihr ausgerechnet den Mann vorschlug, der als Einziger Kontakt zu ihr suchte. Wo war da der Trick? Minutenlang starrte sie Harry an und horchte in sich hinein. Sie stellte sich vor, wie es wäre, mit ihm zu kuscheln, ihn zu küssen und Sex zu haben. Das waren vielleicht nicht gerade die dringendsten Fragen bei der Entscheidung, ob sie ihn kontaktieren sollte oder nicht. Oh doch, flüsterte ihr eine innere Stimme zu. Gerade das waren besonders wichtige Kriterien, wenn auch nicht die einzigen.

Sich mit Harry auszutauschen würde bedeuten, dass sie sich kostenpflichtig anmelden musste. Wollte sie das? Ja, das konnte sie ruhig wagen – damit es endlich in Sachen Partnersuche vorwärts ging. Wenn sie später herausfand, dass sie sich doch nicht sonderlich sympathisch waren, trotz der Prognose der Agentur, würde sie das jederzeit stoppen können. Und außerdem gab es ja noch den Blonden von der Nordseeinsel. Den wollte sie im Hinterkopf behalten. Mit beiden Männern zeitgleich Kontakt aufnehmen traute sie sich nicht. Es war noch nie ihr Ding gewesen zweigleisig zu fahren.

Sie atmete tief ein und tippte los. Hallo Harry, ich freue mich über dein Interesse – sie löschte dein Interesse und ersetzte es durch deine Nachricht. Das hörte sich nett, aber nicht nach ›endlich meldet sich einer‹ an, fand sie. Was sollte sie noch schreiben? Irgendwas nettes, aber unverbindliches am besten. Aber was? Es interessierte sie brennend, was für Vorschläge Harry von der Agentur erhalten hatte, beziehungsweise ob ihm ihr Profil nahe gelegt worden war. Aber so direkt nachfragen mochte sie nicht, jedenfalls nicht bei der ersten Kontaktaufnahme. Upps, jetzt hatte sie diesen ersten Satz schon losgeschickt. Schnell was Schlaues hinterher. Ich bin neu hier im Forum und kenne mich noch nicht gut aus. Und überhaupt ist es das erste Mal, dass ich mich bei einem Onlinepartnerportal angemeldet habe. Ich bitte daher um Nachsicht. Einen schönen Abend wünscht Silver. Und los.

Jetzt hieß es warten und sehen, ob sich Harry wieder meldete. Halt! Was hatte sie da für einen Schwachsinn geschrieben? Konnte man abgeschickte Nachrichten nachträglich löschen? Lara suchte vergeblich nach einem rettenden Button. Mist. Auf diese Weise würde sie sich bestimmt keinen Mann angeln können.

Gerade, als sie sich ausloggen wollte kam eine neue Nachricht rein. Harry war wohl gerade online und hatte postwendend geantwortet.

Liebe Silver, ich finde es wunderbar, dass du dich meldest. Das hatte ich kaum zu hoffen gewagt. Es ist überhaupt kein Problem, wenn du dich noch nicht so auskennst. Ich helfe dir gern weiter. Was hältst du davon, wenn wir in einen privaten Chatroom gehen, dann können wir uns austauschen, ohne dass andere mitlesen können. Überleg dir das in Ruhe. Ich wünsche dir eine gute Nacht. Bis zum nächsten Mal, Harry.

Puh. Lara musste erst einmal kräftig durchatmen. Privater Chatroom? Ja, es wäre ihr sehr angenehm, wenn ihr virtueller Kontakt für andere unsichtbar bliebe. Aber das würde sie ihm erst Morgen mitteilen. Für heute hatte sie genug Aufregung gehabt. Außerdem musste sie erst einmal darüber nachdenken, was sie von sich preisgeben wollte und was nicht.

Kapitel 6

Lara räumte gerade einen Stapel T-Shirts ins Regal, als sie hinter sich ein Räuspern und gleich darauf eine tiefe männliche Stimme vernahm.

»Entschuldigung, darf ich Sie stören?«

Wow, was für eine Stimme. Dieser tiefe sonore Ton löste ein Kribbeln auf ihrer Haut aus und sämtliche Härchen stellten sich auf. Welcher Anblick erwartete sie, fragte sie sich, während sie sich langsam umwandte. Der Mann, der sie entschuldigend und unsicher lächelnd aus goldbraunen Augen anschaute, haute sie beinahe aus den Schuhen. Er war etwas größer als sie, dunkle Haare kringelten sich um ein attraktives Gesicht mit Dreitagebart. Diese Augenfarbe! So einen Farbton hatte sie noch nie gesehen. Er war modisch lässig und doch gut gekleidet, so wie sie es am liebsten mochte.

»Ja bitte«, krächzte sie. Bei diesem hinreißenden Anblick machte sogar ihre Stimme schlapp. Lara spürte, wie ihre Wangen vor Aufregung zu brennen begannen. Sicherlich bekam sie gerade wieder diese dummen roten Flecken am Hals, wie immer, wenn sie unsicher und verlegen war.

»Vielleicht könnten Sie mir helfen. Ich suche ein ganz bestimmtes Oberteil.«

Lara versuchte ein hinreißendes Lächeln und sie hoffte, dass es ihr nicht missglückte. »Aber natürlich. Dafür bin ich doch da. An was hatten Sie gedacht?« Was suchte dieser Typ ausgerechnet hier? Vermutlich etwas für seine Frau oder Freundin.

»Wissen Sie – meine Schwester hat demnächst Geburtstag und sie wünscht sich so ein Spitzenteil, das sie kürzlich bei Ihnen im Schaufenster entdeckt hat.«

Für seine Schwester! Halleluja! Was für ein Glück. Jetzt hieß es, sich zusammenzureißen und nicht gleich zu Beginn alles durch unüberlegte Äußerungen zu verpatzen. »Ah, ich weiß genau, welches Stück Ihre Schwester meint. Wenn Sie mir bitte folgen wollen.« Lara ging mit wiegenden Hüften – halt, nur nicht übertreiben – ihrem Kunden voran. Auf dem Weg zu dem Ständer, an dem die Spitzenoberteile hingen, drehte sie sich noch einmal um. »Welche Größe soll es denn sein? Und welche Farbe?« Upps, beinahe wäre sie gegen den Ständer mit den Blazern gerannt. Aufpassen Lara und keine Dummheiten machen. Schließlich willst du Eindruck auf ihn machen.

»In Größe sechsunddreißig. Das champagnerfarbene bitte, wenn Sie noch haben.«

Er lächelte so süß und das brachte sie vollkommen aus dem Takt. Mit zittrigen Händen griff sie nach dem ersten champagnerfarbenen Oberteil – zu groß. Sie schob einen Bügel nach dem anderen zur Seite auf der Suche nach der richtigen Größe. Nichts. Das war doch nicht möglich. Irgendwo musste doch noch eines in der richtigen Größe zu finden sein.

»Sorry, ich schau mal eben im Lager nach. Wenn Sie mich einen Moment entschuldigen würden.«

»Aber natürlich. Lassen Sie sich Zeit. Ich schau mich inzwischen ein bisschen um.«