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Der Militärrückkehrer Damien Beauregard möchte in seiner alten Heimatstadt Backnang ein neues Leben als Ordnungsbeamter anfangen, um die Strapazen seiner Vergangenheit als Leiter einer Task-Force-Elite-Einheit hinter sich zu lassen. Angetrieben von seinem Wunsch zu leben, eröffnet sich ihm eine ganz neue Welt. Eine Welt, die er zuvor unter Einsatz seines Lebens beschützt hatte. Es sind noch einige Wochen bis zu seinem Arbeitsantritt. Eine Zeit, in der er Positives erlebt und Freundschaften schließt, aber auch so manch negative und sogar düstere Erfahrung macht. Schnell entwickelt sich Damien durch heldenhafte Taten zum beliebten Stadtgespräch. Jedoch wirft seine Vergangenheit einen Schatten voraus, von dem er bisher nichts ahnte.
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Seitenzahl: 256
Veröffentlichungsjahr: 2022
Daniel Barreira Gomes
Die Faust Backnangs
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Die Faust Backnangs
Danksagung
Vorwort
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Finales Kapitel
Epilog
Nachtrag
Über den Autor
Impressum neobooks
von
Daniel B. Gomes
An dieser Stelle möchte ich Tina Müller und Karin Seidel einen ganz besonderen Dank für deren großartige Hilfe beim Lektorieren und Korrigieren dieses Buches aussprechen.
Habt tausend lieben Dank für alles.
Mit großer Freude stelle ich Ihnen meinen neuen Regionalroman "Die Faust Backnangs" vor, welcher mit großer Liebe und viel Einsatz entstand.
In der Erzählung werden reelle Orte und Bauwerke sowie auch Ränge, Titel, Namen und Kulturen erwähnt, die mit künstlerischer Freiheit, wenn erforderlich für den Verlauf angepasst wurden. Was bedeutet, dass sie in ihrem dargestellten Zustand nicht unbedingt der Realität entsprechen.
Ebenso sind sämtliche Personen und Organisationen rein fiktiv, oder ebenfalls angepasst.
Ähnlichkeiten zur Realität sind möglich.
Donnerstag, 11. März 2021 – Zeit: 1647
Asien
Die warme Luft roch nach verbrannten Reifen und staubigem Schutt. Häuser lagen in Trümmern dem Erdboden gleich, und Menschen liefen verzweifelt auf den Straßen um ihr Leben. Einige hielten sich blutverschmiert ihre Wunden zu, wenn sie konnten. Andere hingegen hatten dieses Glück leider nicht mehr … schlimme Schreie, ohrenbetäubende Explosionen und lautes Artilleriefeuer überfluteten die Umgebung.
Ein internationales, speziell ausgebildetes Task-Force-Team versuchte in einer Kleinstadt eines instabilen Staates zu retten, was in dem Moment noch rettbar erschien. Jedoch ohne jegliche Aussicht auf einen Erfolg. Es konnte weder den Einwohnern noch Regierungsbeamten geholfen werden.
Per Funk traf der Befehl zum Rückzug aus dem verlorenen Gebiet ein, welches offiziell zum Kriegsschauplatz erklärt wurde. Die Basis sandte zu einem sogenannten Extraction Point einen Helikopter in Richtung Stadtrand zur Abholung aus, welcher bald eintreffen sollte.
Das gut ausgestattete und erfahrene Team flüchtete durch die engen, staubigen Gassen, und wo sie zu Beginn noch zu zehnt waren, liefen sie dann nur noch zu siebt um ihr Leben. Es gab keine Zeit oder Möglichkeit mehr, die gefallenen Kameraden aus dem Gefahrengebiet zu bergen, um ihnen in ihrer jeweiligen Heimat ein anständiges Begräbnis zu ermöglichen. Hier waren die Prioritäten absolut, so sehr es den überlebenden Gefährten im Herzen schmerzte.
Der Weg war für die Elitetruppe noch lang und beschwerlich, die eigentlich zur Unterstützung der Friedensbemühungen gesandt wurde. Durch die kleinen und engen Passagen der dahinscheidenden Kleinstadt, in der nun ein grausamer Bürgerkrieg tobte, lauerten an jeder Ecke bis an die Zähne bewaffnete Regimegegner mit dem Willen, ihre Feinde zu vernichten.
Der befehlshabende Offizier der Truppe las im Laufschritt die Koordinaten zum rettenden Abholpunkt, auf dem Navigationsfeld seines Handgelenkcomputers, ab. Es fehlten nur noch knappe drei lange Kilometer, um dann wieder das Gefühl von Sicherheit erleben zu dürfen.
Weitere zwei Kameraden verloren ihr Leben beim Passieren einer ungeschützten Hauptstraße im Maschinengewehrfeuer. Der Kommandant tat sein Bestes, um alle aus der Gefahrenzone zu bringen, aber es entsprach einem hoffnungslosen Unterfangen, aus dem gegnerischen Territorium unbeschadet herauszukommen. Zu viele Gegner und zu wenig Möglichkeiten, das Ziel geschützt zu erreichen.
Jetzt fehlten nur noch knappe eineinhalb Kilometer in der gleißenden Sonne bis zum Ende des Albtraumes.
Angst und Adrenalin machten sich im Körper aller verbliebenen fünf Männer zunehmend breit. Ganz zu schweigen von den schockierenden Bildern all der bereits gefallenen Kameraden und den Gefühlen, die sich nicht so einfach abschütteln ließen.
Sie näherten sich einem weit offenen und verlassenen Feld am Zielpunkt des Stadtrandes, das von spärlichem, vertrockneten Gras bewachsen war. Ein paar alte, rostige Lastfahrzeuge schmückten vergebens die karge Landschaft. Zudem wehte ein starker Wind und verteilte einen feinen, trockenen Sand, der die Sicht verzerrte.
»Leute! Wir sind da!«, rief der blauäugige Anführer und bedeutete seinem Team niederzuknien.
Über seine Funkeinrichtung im Helm erhielt er Nachricht: Der Helikopter war nur noch wenige Kilometer vom Abholpunkt entfernt. Aber wie vom Pech verfolgt, tauchte plötzlich von der linken Seite eine Gruppe regimefeindlicher Kämpfer auf, die nicht sonderlich viel von den internationalen Soldaten hielten.
Die fünf Männer fanden sich in einem schweren Schusswechsel wieder. Sie konnten sich hinter einem der alten Lastwagen in Deckung bringen, aber bei der Aktion durchbohrte eine Kugel den Kopf eines weiteren Soldaten, welcher von der Aufprallwucht des Projektils zu Boden geworfen wurde. Die Lage wurde für die verbliebenen Männer sekündlich aussichtsloser. Der Befehlshabende schaute ein letztes Mal zu seinen drei verbliebenen Untergebenen. Seine Atmung war schnell und flach.
»Ihr wisst, was zu tun ist!«
Die Augen der Soldaten weiteten sich auf seine Worte hin kurz, aber dann nahmen sie wieder ihren normalen Zustand ein und zeigten Entschlossenheit. Die Männer nickten ihm alle zu und machten sich für die kommende Aktion bereit, wissend, dass es jetzt um alles oder nichts ging.
Der Leader gab seine Deckung auf, und lief von der rechten Seite des Lasters aus los, in Richtung eines weiteren, alten Fahrzeuges, wodurch er das gesamte Maschinengewehrfeuer auf sich lenkte. Seine Männer feuerten von der linken Flanke aus auf die Angreifer. Sie erwischten fünf. Als ob die Situation nicht schon schlimm genug wäre, nahm einer der Feinde eine Panzerfaust und zielte auf die kleine Truppe, als auf einmal das Geräusch einer anfliegenden Boden-Luft-Rakete ertönte, welches in einem Sekundenbruchteil in einem ohrenbetäubenden Knall endete, der den Boden erschütterte.
Die feindliche Seite war eliminiert!
Das schnelle Schlagen von großen Rotorblättern war plötzlich zu hören, begleitet von rhythmischen Wellen des von ihnen erzeugten Sturmes. Der rettende Helikopter war angekommen, welcher Sand aufwirbelnd über den Köpfen der übriggebliebenen Soldaten schwebte.
Das Schlimmste wurde in letzter Sekunde verhindert. Den Männern fiel ein Stein in Größe eines Berges vom Herzen. Sie schauten zu ihrem heldenhaften Anführer hinüber, der sich zuvor zu Boden geworfen hatte, als die alles entscheidende Rakete einschlug. Aber es tat sich nichts. Keine Regung.
Sie lasen ihren in einer Blutlache liegenden Anführer auf und trugen ihn in den rettenden Hubschrauber. Dieser hob daraufhin mit tosendem Lärm ab, mit Kurs in Richtung eines Flugzeugträgers, der vor der Küste in sicherer Entfernung ankerte …
»Mögen die Gefallenen in Frieden ruhen.«
Der Rückkehrer
Freitag, 15. Juli 2022 - 19:45 Uhr
Bahnhof Backnang, Taxistand
Eine gut gebaute, männliche Silhouette stand wartend auf seine Abholung dem Sonnenuntergang zugewandt.
Aus der Ferne näherte sich ein älteres Taxi, das seine Geschwindigkeit drosselte, bis es vor dem Mann zum Stehen kam.
Der ein Meter fünfundsiebzig große, blauäugige Mann, machte sich bereit zum Einsteigen. Ein leichter Wind zog durch seine an den Seiten kurz geschorenen Haare, die auf dem Kopf zeigefingerlang nach oben standen. Sein lässiger Look bestand aus einer anliegenden, dunkelblauen Jeans und einem grauen T-Shirt sowie hellbraunen Lederschuhen. Abgerundet wurde alles durch seine metallene Flieger-Sonnenbrille, die in seinem Oberteilkragen steckte.
Er wandte sich zum hinteren Teil des Fahrzeuges.
»Sie brauchen sich nicht zu bemühen! Ich lege selber meine Taschen in den Kofferraum, aber Danke trotzdem.«, sagte der Unbekannte zum rüstigen Fahrer, der in seinem Wagen, welcher laut Aufkleber am Heck Gerda hieß, dann abwartend sitzen blieb.
Der Mann öffnete die Wagentür. Er setzte sich auf die Beifahrerseite und schloss diese.
»Wo soll ich Sie hinfahren, junger Mann?«, fragte der ältere Taxifahrer mit freundlicher Stimme seinen neuen Passagier.
»Bringen Sie mich bitte in die Marktstraße, auf Höhe des Kirchturmes.«, antwortete der jung aussehende Typ lächelnd zurück.
Gesagt, getan. Der Fahrer startete seine alte Gerda.
Während der Fahrt fing er ein Gespräch mit dem nett wirkenden Mann an. »Sie scheinen nicht von hier zu sein. Sie sprechen ein akzentfreies Deutsch. Urlaub?«
»Naja, ich komme von hier und wiederum nicht. Ich bin in Paris geboren und lebte dort bis ich zwölf war und dann zogen meine Eltern mit mir aus beruflichen Gründen nach Backnang. Sie sind ein Jahr, nachdem ich die Stadt verlassen habe, zurück gegangen. Wissen Sie, diese Stadt hier ist für mich durch die damalige Zeit zu einer zweiten Heimat geworden.«, entgegnete der Mann, während er in seelenruhiger Entspannung aus dem offenen Taxifenster herausschaute.
Sein intensiver stahlblauer Blick schweifte durch die sommerliche Dämmerung des Tages, die eine beruhigende Lichtstimmung an die vorbeiziehenden Häuser und Bäume malte. Die Straßen waren kaum noch befahren, genau so wenig war auf den Bürgersteigen los.
»Um genau zu sein, kehre ich gerade zurück und beginne ein neues Leben. Ich könnte zwar woanders leben, aber ich wollte es erst mal langsam angehen und Backnang empfand ich damals als eine angenehme, nette Stadt.«
Der Taxifahrer widmete seinem Fahrgast einen kurzen Blick, schaute dann aber wieder auf die Straße zurück.
»So wie Sie reden … Ich habe das Gefühl, Sie haben schon so einiges in Ihrem noch nicht so langen Leben erlebt …«
Der Mann schwieg. Er versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Aber dann lächelte er. »Naja, was kann schon in so einem nicht so langen Leben großartig alles passieren? Bestimmt ist Ihres in der Vergangenheit viel interessanter als meines gewesen. Was haben Sie denn so gemacht? Waren Sie schon immer Taxifahrer?«
»Bevor ich Rentner wurde und mir nun mit dem Taxifahren etwas dazu verdiene, war ich auf den Bühnen der Welt zuhause. Ich war ein ganz anständiger Schauspieler und Sänger, der verschiedene Rollen bekleidete. Singen und Spielen waren mein ein und alles. Aber wie das Leben so seine einzigartigen Geschichten schreibt, verpasste ich meine Chance, eine Familie zu gründen und Opa zu werden. War leider schon immer ein Einzelgänger … Aber das alles ist jetzt zu weit ausgeholt. Jetzt fahre ich meine gute alte Gerda und habe viel Freude daran, die unterschiedlichsten Menschen anzutreffen und an ihre Ziele zu bringen. Wie zum Beispiel Sie.
So, mein Freund … wir sind angekommen.«
Das Taxi blieb auf der Marktstraße an der Backnanger Stiftskirche stehen.
Der Mann holte aus seiner Hosentasche ein paar Geldscheine heraus, um den netten Taxifahrer zu bezahlen.
»Sie scheinen ein ganz Anständiger zu sein. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und alles Gute für Ihren Start. Bestimmt sehen wir uns bald wieder. Backnang ist, wie Sie ja wissen, jetzt nicht die größte Stadt. Mein Name ist, wie er auf dem Ausweis am Armaturenbrett zu lesen ist, Marc … Marc Bergkamp.«, gab er seinem Fahrgast noch abschließend mit.
»Danke Marc, mein Name ist Damien Beauregard. Es war eine angenehme Fahrt mit Ihnen. Bestimmt werden wir uns wiedersehen. Sie wissen ja auch schon ungefähr, wo ich hier wohne. Ich hole meine Taschen aus dem Kofferraum und mache ihn dann wieder zu. Freue mich, wenn wir uns in naher Zukunft weiter unterhalten können. Machen Sie es gut.«, sagte Damien, der nun aus dem Wagen ausstieg und seine Taschen aus dem Kofferraum herausholte.
Marc winkte ihm einmal lässig aus dem Fenster mit der linken Hand kurz zu. Dann fuhr er seines Weges weiter.
Damiens Wohnung - 19:57 Uhr
Die Eingangstür ging auf und offenbarte einen langen, weißen Korridor, der durch das letzte hineinfallende Licht der Fenster teils beleuchtet wurde. Es roch noch nach Wandfarbe und neuen Möbeln. Dementsprechend standen die Fenster zum Lüften gekippt.
Damien zog sich an der Tür die Schuhe aus. Danach betrat er in Ruhe die Wohnung. Er ging durch den Flur in Richtung des Wohnzimmers am Ende. Dort angekommen stellte er seine Taschen auf dem Boden ab. Es lagen noch einige verschlossene Umzugskartons im Raume verteilt, die auf ihn warteten, um bei Gelegenheit ausgepackt zu werden.
Damien schaute sich in dem von ihm kürzlich modern eingerichteten Raum um und freute sich, dass er es von nun an recht angenehm in dieser zentral liegenden Dachwohnung haben würde, mit Ausblick auf die Stiftskirche auf der gegenüber liegenden Seite der Straße.
Der Rückkehrer ging in die schöne, helle Küche. Mit einem leichten Schwung öffnete er die Kühlschranktür, um sich eine Bierflasche zu holen. Dann setzte er sich auf seine Couchgarnitur vor den Fernseher und ließ sich vom Abendprogramm berieseln. Rein zufällig kam gleich einer seiner Lieblingsfilme, in dem es um zwei Freunde ging, die in Afrika mit Wortwitz und flinken Fäusten einem reichen Typen mit Box-Leidenschaft und seinen Schergen das Leben schwer machten und verhinderten, dass Wildtiere aus dem Land geschmuggelt wurden.
»Genial! Das wird mir jetzt zum Abschalten gut tun ...«, sagte er freudig zu sich selbst, als der Film begann.
Stunden später …
»AAAHHHH!!!! NEEEIIIIN!!!«, ertönte es aus der Dunkelheit der Straße durch die gekippten Fenster in Damiens Wohnzimmer hinein, was ihn urplötzlich aus dem Schlaf herausriss.
Reflexartig sprang er von der Couch auf und rannte zum Fenster, welches der Kirchturmseite zugewandt war. Er erkannte zwei Typen, die eine junge Frau auf der Straße überfielen. Sie wurde von ihnen festgehalten – das ließ nichts Gutes ahnen.
»Das ist jetzt nicht euer Ernst, oder???«
Kaum ausgesprochen, lief Damien zur Wohnungstür, griff sich die an einem Metallbrett hängenden Hausschlüssel und fluppte in seine Lederschuhe hinein.
Keine fünfzehn Sekunden später stand er bereits auf der Straße, wo die Frau bis eben noch überfallen wurde. Keine Spur von ihr oder den Männern.
Als aus der unmittelbaren Nähe wieder ein gedämpfter Schrei von ihr vernehmbar wurde, war dem jungen Mann klar, wo er hinmusste.
»Die zerren sie zur Aussichtsterrasse hinter der Kirche! Ihr verdammten Schweine, na wartet!!!«
In einem Affenzahn lief Damien zu dem Plateau, während er sich innerlich im Laufschritt auf eine Auseinandersetzung gefasst machte. In Windeseile kam er in Reichweite des Geschehens an. Leise blieb er hinter der Kirchenmauer kurz versteckt stehen, um sich mit beiden Händen an seinen Bauch zu fassen. Dabei machte er ein schmerzverzerrtes Gesicht und atmete kurz durch, um sich zu entspannen.
Damien sah, dass die Typen die Frau zu einer Parkbank zerrten. Noch ein letztes Mal atmete er tief durch und riss sich zusammen, um seine Schmerzen nicht mehr zu fühlen. Sein stahlblauer Blick und sein Gesichtsausdruck wurden auf einmal eiskalt, wie verwandelt. Langsam lief er geduckt durch die Schatten weiter. Dabei näherte er sich kontinuierlich den Angreifern. Es fehlten nur noch wenige Meter.
Einer der Männer drückte die verängstigte Frau auf die Bank nieder, während der andere sie an den Händen festhielt.
Damien kam aus seiner Deckung hervor, und keine Sekunde später schlug er dem an der Fußseite stehenden Mann so hart mit der rechten Handkante in den Nacken, dass der kurzbärtige Typ bewusstlos umfiel. Vor Schreck ließ der zweite Täter die Frau los, während er Damien mit unverständlichen Worten verfluchte.
Den jungen Mann aber hinderte es nicht weiter zu machen und so schnellte er auf den Vollbärtigen zu, wich einem panischen, rechten Schwinger aus und stand plötzlich hinter dem Kerl. Ihn im Würgegriff haltend, begleitete Damien den Mann, der sich anfangs noch wehrte, friedlich ins Land der Träume. Genauso wie seinen Kollegen zuvor.
»Sind Sie unversehrt, geht es Ihnen gut?«, erkundigte sich der auf einmal wieder normal schauende Retter bei der schockierten Frau, die sich noch sammelte, und zu verstehen versuchte, was bis eben alles passiert war.
»Ich … ich … glaube … mir geht es … gut … danke … danke Ihnen ...«
Damien fragte die Frau, ob sie ihm ihr Smartphone geben würde, damit er eine Polizeistreife anfordern könne.
Sie holte es hervor, entsperrte es und überließ es ihm. Bevor er anrief, sah er auf der Anzeige, dass es kurz nach halb drei am Samstagmorgen war.
Momente später …
Zwei Polizeibeamte staunten nicht schlecht, als sie sich dem Tatort näherten. Sie sahen einen Mann und eine Frau vor zwei sich auf dem Boden langsam wieder regenden Tätern stehen. Umgehend holten sie die Handschellen hervor, um die Männer zu fixieren.
Eine halbe Stunde später …
Die Beamten hatten mit der jungen Frau und Damien geredet. Ihr ging es den Umständen entsprechend wieder besser. Die lauwarme Brise, die gerade wehte, verbunden mit dem Duft der umliegenden Bäume, half ein wenig.
Die Täter wurden von einer zweiten Streife abgeholt und aufs Revier gefahren. Ihre Tat würde noch ein Nachspiel haben.
»Nun gut, das wäre es fürs Erste. Kommen Sie bitte am Montag, im Laufe des Tages, auf das Präsidium, damit wir eine ausführliche Aussage aufnehmen können. Auf jeden Fall werden wir schon mal Strafanzeige erstatten und die Männer werden bis auf weiteres in Gewahrsam bleiben.
Sollen wir Sie nach Hause fahren, junge Dame?«, bot einer der Polizisten an.
Die Frau, die noch ein wenig durch den Wind wirkte, nickte mit einem müden Ausdruck im Gesicht.
Alle gingen langsam aber sicher in Richtung der Marktstraße. Dort angekommen, verabschiedete sich Damien mit einem erleichterten Herzen von der jungen Frau und den Polizisten. Anschließend ging er auf die andere Straßenseite zu seiner Wohnung.
Als die Frau in den Wagen stieg, blieb sie eine Sekunde stehen und schaute kurz ihrem Retter nach.
Damien wendete seinen Blick, als er an der Haustür ankam. Dabei sah er sie beim Einsteigen in den Streifenwagen, und dann, wie dieser in der Stille der Sommernacht verschwand.
Einige Minuten später, in der Wohnung …
Damien stand im Bad mit freiem Oberkörper vor dem Spiegel und schaute sich seine Narbe auf der linken Bauchseite an. Ihm stand ein schmerzlicher Ausdruck ins Gesicht geschrieben, als er mit der linken Hand an ihr entlangfuhr. Er war froh, dass er so schnell hatte reagieren können und damit die Frau vor Schlimmerem bewahrte.
Plötzlich schaute er wieder mit einem kalten Ausdruck in den Spiegel. Ihm kamen Erinnerungen aus der Vergangenheit hoch, die er wenige Augenblicke später aber wieder losließ.
»Genug für heute … Zeit etwas zu schlafen … Alles ist gut, Damien … Es geht ihr gut.«, sagte er sich beim Greifen nach der Zahnbürste, um sich bettfertig zu machen.
Wenige Minuten später lag Damien in seinem neuen großen japanisch anmutenden Echtholzbett. Seine Hände waren hinter dem Kopfkissen verschränkt und der Blick zur Decke gerichtet. Die warme Sommerluft, die durch die gekippten Schlafzimmerfenster hineinströmte, half ihm sehr, das vorige Geschehen loszulassen.
Ihm gingen noch einige Gedanken durch den Kopf, dann drehte er sich auf die rechte Seite, seine Augen schlossen sich langsam und er atmete ruhiger.
»Was für eine Rückkehr ...«
Das neue Leben
Samstag, 16. Juli 2022 – 10:20 Uhr
Backnanger Wochenmarkt, Stadtzentrum
Die Sonne strahlte völlig unbekümmert mit ihrer ganzen Kraft und Pracht über den blauen Himmel, an dem es heute nicht mal annähernd eine Wolke zu sehen gab.
Auf dem Wochenmarkt tummelten sich die Leute in Scharen, die ganz geschäftig ihre Einkäufe erledigten. Darunter auch ein mit Papiertüten und Einkaufstaschen aus Stoff bewaffneter Damien, der frische Freiland Eier, Obst und Gemüse eingekauft hatte. Er wirkte sichtlich gut gelaunt, denn er hatte bereits einige nette Menschen auf dem Markt kennengelernt, die dort ihre Stände hatten. Damien bekam sogar von einigen das eine oder andere kleine Geschenk in Form von einer Honigmelone und einer kleinen Schale Erdbeeren, weil er gut Geld dagelassen hatte.
»Jetzt nur noch eine schöne Pflanze für den Wohnzimmertisch … Vielleicht eine Blume … Mal schauen.«, überlegte sich Damien zum Ende seiner erfolgreichen Einkaufstour, als er an einem Blumenstand fündig wurde.
Er sprach eine blondhaarige Verkäuferin mittleren Alters an, mit der Bitte, ihm die Orchidee im roten Topf einzupacken. Während die Dame das erledigte, schaute Damien nach rechts und bemerkte, dass ein Stapel mit offenen Transportkisten am Stand daneben sehr wackelig erschien.
Urplötzlich lief ein kleiner Junge seinem Spielzeug in diese Richtung hinterher. Wie hätte es anders sein können, er lief genau gegen den besagten Stapel.
Damien legte seine Einkäufe auf den Tisch des Blumenstandes vor ihm ab und flitzte wie von der Wespe gestochen auf den Jungen zu. Sein Blick verwandelte sich, wurde intensiv und in diesem Moment erfüllten ihn wieder die gleichen Schmerzen wie in der Nacht. Diese ignorierte er aber.
Eine weibliche Stimme schrie laut auf, als die Kisten in Richtung des Jungen umstürzten.
Der nichts ahnende Kleine wurde plötzlich von Damien hochgehoben und aus der Gefahrenzone weggeschwungen. Ein lautes Aufprallgeräusch, begleitet vom Klicken einer Kamera, ertönte. Durch den lauten Lärm erschraken die Passanten, ebenso wie das Kind.
Damien, welcher mit dem Jungen in den Armen nur knapp einen Meter vor dem Aufprallgebiet stand, sah eine aufgeschreckte Frau auf ihn zulaufen.
»DAVID!!! Mein Kind! Oh mein Gott! Dir ist nichts geschehen! Ich bin ja so froh!«, rief die Mutter.
Sie nahm mit Tränen der Erleichterung ihren Kleinen in die Arme. Dem jungen Mann fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Sein Blick war wieder weich geworden und mit Erleichterung sah er, dass alles gut gegangen war. Lediglich der kleine Junge schaute etwas perplex, weil er nicht so richtig wusste, was eigentlich geschehen war.
Die Mutter war sichtlich sprachlos vor Erleichterung, aber fand dann ihre Worte wieder, um sich ganz förmlich beim Retter ihres Kindes zu bedanken. »Oh, haben Sie vielen, vielen Dank, dass Sie meinen David vor einem Unglück gerettet haben. Das war so selbstlos von Ihnen. Tausend Dank!«
Auf einmal entbrannte von den zusehenden Passanten, die durch den Vorfall stehen geblieben waren, ein großer Beifall, der einzig und allein nur Damien gebührte.
Der Held der Stunde lächelte freundlich den vielen Leuten um sich herum dankend zu. Dabei hielt er sich mit seiner linken Hand wieder diese eine Stelle am Bauch, welche wieder etwas mehr schmerzte.
Damien nickte der Mutter freundlich zu. Anschließend kehrte er zum Blumenstand zurück, um die Orchidee zu bezahlen sowie seine Einkäufe wieder aufzunehmen. Beim Griff zu seinem Portemonnaie fragte er die Verkäuferin: »Neunzehn Euro war doch der Preis, oder?«
Die Dame lächelte ihn an und erwiderte: »Die ist heute für Sie geschenkt! Wer Familien so sehr vor Schlechtem bewahrt, verdient Anerkennung! Sie sind nicht von hier, oder? Ihr Gesicht sehe ich heute zum ersten Mal ...«
Damien freute sich sehr über die nette Geste der Verkäuferin. »Oh, vielen Dank, das ist sehr nett von Ihnen. Da weiß ich nicht, was ich sagen soll, außer Vielen Dank … Ähm, wegen Ihrer Frage … sagen wir es so, ich bin wieder zurückgekehrt und lebe mich wieder ein. Ich war lange nicht mehr in der Stadt.«
Die Händlerin überreichte ihm die fertig verpackte Pflanze.
»So wie es scheint, haben Sie sich schnell neue Freunde gemacht. Die Leute klatschen ja immer noch. Hier bitte, haben Sie viel Freude mit der Orchidee, und ich wünsche Ihnen ein gutes Einleben.«
»Ja, es scheint so … Danke, ich gebe mein Bestes und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Bis bald!«
Mit allen Sachen in den Händen und in den Armen beladen, verließ Damien den Wochenmarkt, in Richtung des Schweizer Baus - ein historisches Gebäude und ursprünglich eine Gerberfabrik - in welchem Ladenflächen sowie verschiedene Betrieblichkeiten ihren Platz fanden. Dabei wurde er noch immer von dem leicht abebbenden Applaus der erfreuten Menschen begleitet.
»Bin ich froh, dass es dem Jungen gut geht … das wäre jetzt was geworden, wenn die Kisten ihn erwischt hätten. Aber zum Glück ist alles noch gut gegangen …
Schon spannend, meine erste Zeit hier … zum Glück hat mich auch meine Bauchverletzung nicht zurückhalten können, selbst wenn sie noch etwas ziept …
Mir fällt gerade ein … stand da jemand und hat Fotos gemacht? Ach, das bilde ich mir nur ein …
So, aber jetzt will ich wissen, was das Kino so im Angebot hat … es soll vor einigen Jahren renoviert worden sein. Bin gespannt, wie sehr es sich verändert hat ...«
Die Sonne wärmte zusehends mehr, so dass sich jeder Schatten dazu anbot, sich vor ihrer enormen Kraft zu schützen.
Am Schweizer Bau vorbeigehend, sah sich der mittlerweile doch recht schwitzende Damien etwas die Gegend an. Wie sehr sie sich verändert hatte - im Vergleich zu seinen Erinnerungen.
Es war schon etwas her, dass er hier gelebt hatte - fast siebzehn Jahre. Ihm fielen die vielen Leute auf, die ganz geschäftig ihrem Lebensalltag nachgingen. Auch standen Leute einfach nur hier und da und unterhielten sich miteinander. Geschäfte, die Damien in Erinnerung hatte, schienen weggezogen zu sein oder hatten vielleicht ganz aufgehört.
Am Kino angekommen fiel ihm die riesige Glasfassade davor auf, die dem Gebäude eine moderne Erscheinung verlieh. Es sah völlig anders aus, als in seinen Erinnerungen. Überall hingen in den Schaukästen und an der großen Fassade die aktuellen Filmplakate. Er betrachtete in einem kleinen Schaukasten ein Plakat mit einem dunkelhaarigen, durchtrainierten jungen Mann, welches er unter dem Titel Die Faust Backnangs in einer Kampfpose zierte.
»Der Name gefällt mir! Der Typ hat auch Ausstrahlung. Zu schade, dass es nur ein Hobbyplakat ist … den Film würde ich mir anschauen ...«
Plötzlich kam ihm von der gegenüberliegenden Straßenseite ein Ruf entgegen. »HAAALLOOO - Sie am Kino!«
Damien drehte sich neugierig um. Dabei erblickte er die junge Frau aus der Nacht, die selbst mit einer Einkaufstasche beladen, an der Bushaltestelle stand und ihm zuwinkte.
Ein freudiger Ausdruck machte sich in seinem Gesicht breit. Da seine Hände die Einkäufe trugen, lächelte er ihr beim Überqueren der Straße zu.
Beim Annähern erkannte er, dass sie sehr schöne, im Sonnenlicht schimmernde, lange kastanienbraune Haare hatte.
Die circa ein Meter siebzig große, junge, hübsche Frau mit smaragdgrünen Augen, im hellrosa Sommerkleid, wirkte elegant und schien seiner Vermutung nach sportlich aktiv zu sein.
»Hallo! Das ist ja ein netter Zufall, dass wir uns wiedersehen, wobei die Wahrscheinlichkeit schon groß ist, wenn man in Backnang lebt … Sie scheinen den Vorfall schneller wegzustecken, als für gewöhnlich … Geht es Ihnen gut?«, eröffnete der voll bepackte Damien das Gespräch.
»Stimmt, Backnang ist nicht sonderlich groß, da ist es nicht verwunderlich, dass wir uns erneut treffen.
Mir geht es nun viel besser. Bin zwar noch etwas mürbe wegen des Überfalls, aber meine Lebensfreude ist nun größer als je zuvor, dank Ihnen. Außerdem würde ich sonst den schönen, sonnigen Tag verpassen, wenn ich mich Zuhause einsperren würde.
Wobei, wenn es Ihnen nichts ausmacht, können wir auch Du zueinander sagen. Immerhin haben wir uns auf eine ungewöhnliche Weise kennengelernt …«
Der junge Mann nickte ihr zustimmend und freudig zu. Anständig wie er war, stellte er sich mit seinem Namen vor.
Die junge Frau musterte ihn. »Damien Beauregard … das ist ein sehr schöner Name … schade, dass ich ihn heute Morgen nicht mitbekommen habe, dann hätte ich ihn längst meiner Mutter genannt. Denn sie fragte mich bereits danach.
Ich bin übrigens Rebecca Reinhardt und meine besagte Mutter hat da vorne, an der Apotheke vorbei, in dem neu errichteten Häuschen ihren Dekoladen, in dem ich auch etwas arbeite, wenn ich nicht anderweitig beschäftigt bin. Ich bringe ihr gleich die Einkäufe. Deinen Taschen und Tüten nach zufolge, warst du gerade auf dem Wochenmarkt. Für einen jungen Mann heutzutage ein eher ungewöhnliches Verhalten.«
»Naja, wir haben hier schon das Privileg gute Zutaten aus der Region zu bekommen, wieso sollte ich dann nur in die großen Supermärkte gehen, die meist alles aus Gewächshäusern und anderen Herstellungen anbieten. Ich ernähre mich mit Vorliebe bewusst und weiß gerne, wo meine Lebensmittel herkommen. Abgesehen davon benötigen die Leute jede Unterstützung im Konkurrenzkampf mit den Großkonzernen.
Ach so, nebenbei … So jung bin ich gar nicht. Ich bin fünfunddreißig Jahre alt.«, erwiderte Damien ihr mit einem leicht unsicheren Lächeln.
Rebecca musste auch lächeln, als sie von ihm das Alter erfuhr. »Für einen fünfunddreißig Jahre jungen Mann siehst du aber noch sehr wie fünfundzwanzig aus. Deine bewusste Ernährung scheint dich gut zu erhalten.
Magst du mich zum Laden begleiten? Ich würde dich gerne meiner Mutter vorstellen, wenn du nichts dagegen hast. Ich glaube, sie wird sich sehr freuen, dich kennenzulernen.«
Innerlich wurde Damien durch das nette Gespräch etwas warm ums Herz. Auf Rebeccas Einladung hin, mit ihr mitzukommen, willigte er mit einem freundlichen Nicken ein.
Wenige Augenblicke später …
Die Eingangstür eines schönen, neuen Dekorationsgeschäftes, in dem alles Mögliche für Daheim angeboten wurde, öffnete sich, begleitet von einem melodischen Klang, erzeugt durch metallene Klangstäbchen, die beim Bewegen der Ladentür gegeneinanderschlugen.
Rebecca und ihre neue Bekanntschaft betraten den kleinen Laden ihrer Mutter, welcher auf den Namen Deko-Deko hörte. Laut Rebeccas Aussage war ihre Mutter sehr stolz auf das Geschäft und vor allem auf den süßen Namen.
Die Besitzerin beriet gerade eine Kundin, bemerkte aber, dass ihre Tochter nicht alleine zurückkam. Sie warf in Richtung der beiden einen neugierigen und interessierten Blick, wendete sich aber dann wieder ihrer Kundin zu.
Rebecca brachte Damien in die kleine, aber knuffige Küche des Ladens, die sehr schön im Landhausstil neu eingerichtet war, in der er seine Einkäufe erst mal auf dem Tisch abladen durfte.
Rebecca räumte gerade ihre Besorgungen weg, als die Ladentür im Hintergrund erklang und nur wenige Sekunden später eine recht neugierige und durchaus gutaussehende Frau mittleren Alters im Raum stand. Sie hatte ein violettes Kleid an und wie ihre Tochter die gleichen langen, kastanienfarbenen Haare und smaragdgrünen Augen.
»Heute haben wir männlichen Besuch! Welch wunderbare Freude! Mein Name ist Elisa. Ich bin die Mutter dieser schönen Tochter und bei mir gibt es übrigens nur das Du und kein Sie.«
Leicht verlegen, aber auf einmal auch etwas zittrig antwortete Rebecca. »Ma ... Ma … Mama ... dddarf ich dir vorstellen … das ist ... Damien … Beauregard … Reiß dich zusammen Mädel … mein Retter aus der Nacht … er hat es den Typen gezeigt und Schlimmeres verhindert ...«
Elisas neugieriger Gesichtsausdruck wandelte sich zu einem freudigen und dankbaren Lächeln. »So sieht also der Retter aus der Nacht aus … vielen, vielen, vielen Dank, Damien … mit diesen Worten kann ich nicht genügend zu Ausdruck bringen, wie froh ich bin, dass du Becca aus dieser schlimmen Lage befreit hast …
Dir ist klar, dass das nun Folgen für dich haben wird, oder, mein Junge?«
Bei dem Wort Folgen sprang bei Damien seine linke Augenbraue neugierig, aber auch ein wenig ängstlich nach oben.
Elisa fuhr fort: »Ich weiß nicht, ob du heute Abend schon etwas vorhast, aber es wäre mir und Becca sicherlich auch eine große Freude, wenn wir dich zum Essen gehen einladen dürften … Wir wollten eigentlich gemeinsam einen Mutter-Tochterabend machen, aber die Reservierung lässt sich bestimmt auch auf einen Platz mehr erweitern. Sag einfach Ja, denn dir bleibt eh nichts anderes übrig. Wer unserer kleinen Familie Gutes tut, muss den Dank dann ertragen können und ich glaube, es gibt Schlimmeres, als mit zwei schönen Frauen essen zu gehen, stimmts?!«
Mit der Kinnlade gedanklich am Boden liegend und nicht wissend, wie ihm geschah, nickte Damien Elisa einfach nur noch zu.
Rebecca errötete leicht im Gesicht. Mit dieser mütterlichen Aktion hatte sie nicht gerechnet. Doch natürlich freute sie sich sehr darüber, dass er mit ihnen heute Abend essen gehen würde.
»Steckt das Leben nicht voller Überraschungen?«
Neue Beziehungen
Die Zeit im Laden verging rasch. Damien blieb noch eine halbe Stunde im Deko-Deko und unterhielt sich etwas mit Rebecca und Elisa. Dabei erfuhr er auch das Alter der beiden. Die Tochter war zarte neunundzwanzig und die junggebliebene, gleichgroße Mutter vierundfünfzig.
Er hingegen hatte von seiner Person nicht viel preisgegeben, außer dass er am fünfzehnten August seine neue Stelle als Ordnungsbeamter der Stadt Backnang besetzen würde.
