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Wenn der Traumjob zum Albtraum wird Wenig Aufwand, dafür schöne Stunden am Strand: So stellt Rosi sich ihren neuen Haussitterjob auf Mallorca vor. Doch als sie an der luxuriösen Villa direkt am Meer eintrifft, ist schon jemand dort. Fabian behauptet, ebenfalls als Haussitter engagiert worden zu sein. Die Eigentümer sind allerdings nicht erreichbar, um das Missverständnis aufzuklären. Rosi traut Fabian nicht, doch wohl oder übel beziehen sie gemeinsam die abgelegene Villa. Aber schon bald erleben sie beide merkwürdige Dinge und fühlen sich zunehmend beobachtet. Lauert dort draußen eine Bedrohung – oder ist sie schon im Haus? Ein packender Thriller perfekt für den Urlaub!
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Veröffentlichungsjahr: 2026
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© Piper Verlag GmbH, München 2026
Redaktion: Antje Steinhäuser
Covergestaltung: bürosüd, München
Covermotiv: Getty Images (ae-photos; castenoid) und www.buerosued.de
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Cover & Impressum
Zitat
Prolog
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Etliche Jahre zuvor
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Vier Tage zuvor
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Rosi
Fabian
Dr. Wertmann
Rosi
Fabian
Rosi
Epilog
Danksagung und Schlusswort
Inhaltsübersicht
Cover
Textanfang
Impressum
Es gibt zwei Gründe, warum wir Menschen nicht trauen.Erstens, wir kennen sie nicht.Zweitens, wir kennen sie.
(Verfasser unbekannt)
Ein muffig-schimmliger Geruch zog ihr in die Nase, mischte sich mit einem scharfen Aroma, das ihr nur allzu vertraut war, aber so gar nicht zu der anderen Note passte.
Wahrscheinlich war es diese starke, seltsam widersprüchliche Wahrnehmung, die sie aufweckte.
Sie hatte vom Meer geträumt. Von dem sanften Auf und Ab der Wellen, die sie trugen, und dem Sonnenaufgang, den sie so gern beim Schwimmen betrachtete. Sie liebte den Salzgeruch und noch mehr den Geschmack auf den Lippen, wenn sie nach dem Baden mit der Zunge darüberfuhr. Nirgendwo sonst war sie so frei wie hier, in ihrer Bucht, die am frühen Morgen menschenleer war. Niemand, der sie rief oder vor sich hertrieb. Keine Beschwerden und keine Krankheiten. Das Wasser war ihr Element.
Sie hätte gern friedlich weitergeschlummert, doch jetzt war da auch ein Geräusch. Ein leises, aber stetiges Ploppen, so als werfe jemand einen Stein nach dem anderen in einen Teich. Es verdrängte das Rauschen der Wellen, und aus dem Gefühl von Meerwasser, das sie wie ein warmer Mantel umhüllte, wurde das von Feuchtigkeit. Kälte.
Sie stöhnte. Bitte lass mich weiterschlafen. Nur noch ein bisschen.
Sie lag auf dem Rücken. Nicht ihre bevorzugte Schlafposition. Sie wollte sich auf die linke Seite drehen, doch etwas hinderte sie daran. Ihr rechter Arm. Bei der Bewegung schoss ein stechender Schmerz vom Handgelenk bis in die Schulter.
Sie wimmerte und versuchte, die Lider zu öffnen, doch es kostete sie sehr viel Kraft, gegen die Erschöpfung anzukämpfen. Ihr Hinterkopf pochte, und der Sonnenaufgang verwandelte sich in beißende Lichtblitze, die den Traum endgültig vertrieben.
Sie zwang sich, die Augen zu öffnen.
Wo bin ich hier? Zu ihrer Überraschung war es nicht sehr hell. Trotzdem schafften ihre Augen es kaum, sich an das schwache Licht im Raum zu gewöhnen. Es kam vom Schein einer Lampe, die ein paar Meter entfernt von ihr stand und nur einen winzigen Ausschnitt ihrer Umgebung sichtbar machte.
Sie lag auf einem Gestell, das ihr wohlbekannt war, wenn auch nicht aus dieser Perspektive. Eine Hand war an eine der Metallschienen gekettet, die rund um den lederartigen Untergrund angebracht waren.
Der Schock vertrieb den letzten Rest Schläfrigkeit. Ihr Oberkörper schnellte in die Höhe. Sofort erfasste sie Schwindel, der sie in die alte Position zurücksinken ließ. Schweiß brach an ihrem gesamten Körper aus.
Was zur Hölle ist das hier? Leider konnte sie nicht ausmachen, wie groß dieser Raum war, und auch nicht, ob sie allein war.
»Hallo, ist hier jemand?«, fragte sie zaghaft.
Keine Antwort.
Sie versuchte, sich zu erinnern, wie sie hergekommen war, doch ihre Gedanken waren wie Wattebausche. Weich. Unförmig. Schwer greifbar. Wann immer sie einen fassen wollte, schien er zu zerfasern. Es machte sie rasend.
Sie richtete sich auf und ruckelte an der Handschelle, die gegen das Metall klirrte. Sie bemühte die freie Hand, um ihre Fessel abzustreifen. Das Schaben und der Druck auf Haut und Knochen sowie die Verzweiflung entlockten ihr einen Schrei.
»Hilfe!«, krächzte sie, ihre Zunge klebte am Gaumen. Würde sie jemand hören? Oder war es besser, die Klappe zu halten, weil sie nur die Person herbeirufen würde, die sie hierhergebracht hatte?
Sie sah an sich herunter und erschrak. Sie trug nicht mehr als einen Kittel, Slip und Socken. Kein Wunder, dass sie fror. Tränen schossen ihr in die Augen.
Konzentrier dich! Du kannst das. In ihrem Job wurde sie so oft für ihre Gelassenheit gelobt. Wo andere nervös wurden, bewahrte sie meist einen kühlen Kopf. Eine Eigenschaft, die über Leben und Tod entscheiden konnte.
Schließlich gelang es ihr, ihren Atem unter Kontrolle zu bringen. Erschöpft legte sie sich zurück und schloss die Lider.
Erinnere dich!
Da war wieder dieses Ploppen. Keine Steinchen, die in den Teich geworfen wurden, dachte sie jetzt. Etwas scheint hier zu tropfen.
Das gleichmäßige Geräusch beruhigte sie etwas. Sie stellte sich einen Tropfen vor, zum Greifen nahe. Dann hielt sie ihn fest wie eine Murmel. Wie einen Gedanken, der nun endlich Form annahm.
Sie hatte telefoniert. Im Auto. Mit ihrem Freund. Sein Gesicht erschien vor ihrem inneren Auge, und sie lächelte. Sie hatte ihm etwas erzählt. Es war wichtig gewesen. Nur – worum genau war es gegangen? Warum war er am Ende so wütend auf sie geworden?
Eine Träne löste sich aus ihrem rechten Auge. Ich werde dich wiedersehen. Ganz sicher. Dann würden sie darüber reden und sich versöhnen. Beide hassten sie Streit.
Ein Quietschen riss sie aus der Erinnerung. Schlagartig öffnete sie die Augen. Es wurde ein wenig heller im Raum.
Sie erspähte eine geöffnete Tür. Die Silhouette darin schien zu einem Mann zu gehören. Kurz flammte Hoffnung in ihr auf. Ihr Freund hatte sie gefunden und würde sie hier rausholen.
Der Knall, als die Tür zufiel, verriet, dass sie schwer war. Vielleicht eine Brandschutztür. Für einen Moment war es wieder still, bis auf das stetige Tropfen. Wer war der Mann? Warum sagte er nichts? Sollte sie ihn um Hilfe bitten? Sie wollte gerade ansetzen, da kam er ihr zuvor.
»Du bist also endlich wach.« Die Stimme verhallte. Trotzdem sorgte ihr Tonfall dafür, dass sich ihre Eingeweide zusammenzogen. Sie kannte diese Stimme, hörte sie nahezu täglich. So vertraut. Allerdings nicht der Tonfall.
Als hätten seine Worte einen Bewegungsmelder ausgelöst, ging um sie herum plötzlich spotartig das Licht an.
Nachdem sich ihre Pupillen an die neue Helligkeit gewöhnt hatten, sah sie eine Reihe von Leuchten in dem Mauerwerk, das sich als Gewölbe über sie zog. Es erinnerte sie an eine Bodega, hier, auf ihrer Heimatinsel, die sie und ihr Freund mal besucht hatten.
Beeindruckend. Der Gedanke verschwand schlagartig, als der Mann auf einmal links neben ihr stand und auf sie herabsah. Jetzt erkannte sie ihn. Sein Blick jedoch, den sie so nie an ihm wahrgenommen hatte, verursachte bei ihr eine Gänsehaut.
Mit ihm kam die Erinnerung. Sie wusste wieder, was passiert war. Sie hatten miteinander gesprochen. Zunächst ganz entspannt. Er hatte gescherzt, so typisch für ihn. Bis sie ihren Verdacht ausgesprochen hatte. Da war sie noch sicher gewesen, sich zu irren. Dass es eine einfache Erklärung für alles gab. Doch je länger sie redete, umso stiller wurde er.
Irgendwann hatte er müde gelächelt und ihr einen Arm um die Schultern gelegt. »Beruhig dich erst mal. Du steigerst dich da in etwas hinein.« Er hatte ihr ein Glas Wasser gebracht. Schon nach zwei Schlucken war ihr schwindelig geworden. Sie hatte es auf den Kreislauf geschoben, was Blödsinn war, denn damit hatte sie nie Probleme.
»Du hast mich betäubt«, stellte sie jetzt ernüchtert fest.
»Du hast mir keine andere Wahl gelassen.«
»Ich hatte also recht. Das hätte ich nie von dir gedacht.« Sie schüttelte den Kopf. Der dröhnte. Ihr wurde übel.
Er seufzte und betätigte den Rundumbügel, der ihren Oberkörper langsam in die Senkrechte fuhr. »Du bist sehr neugierig. Eine Eigenschaft, die ich immer an dir geschätzt habe.« Das Surren der Elektrik und die Bewegung ihres Untergrunds gaben ihrem Magen den Rest. Gerade noch so schaffte sie es, den Kopf zur Seite zu drehen, um sich auf den Boden zu ihrer Rechten zu übergeben.
Sie hörte seine Schritte. Er kam um die Liege herumgelaufen. Seine Schuhe rückten in ihr Sichtfeld. Ein Schnürsenkel hatte sich gelöst. Etwas Kaltes berührte sie am Kinn und zog es sanft nach oben. Mit einem Tuch, das er von dem Tischchen genommen haben musste, wischte er ihr das Erbrochene aus dem Gesicht. Ihr fiel auf, dass einiges davon ihr dunkles Haar verklebte.
Vorsichtig drückte er sie zurück auf die Liege. Die sorgenvolle Miene, mit der er sie jetzt betrachtete, hatte etwas Vertrautes. Das war viel eher der Blick, den sie von ihm gewohnt war. »Ich dachte mir schon, dass du es nicht verstehen würdest.« Dabei waren ihm Offenheit und Ehrlichkeit doch immer so wichtig. War das alles nur Fassade gewesen?
»Du ekelst mich an«, flüsterte sie. Genauso wie der saure Geschmack in ihrem Mund. Sie fühlte sich noch matter als zuvor, doch wenigstens ließen die Kopfschmerzen nach, seit sie sich erbrochen hatte. Am liebsten hätte sie ihn um etwas Wasser gebeten, aber was, wenn er sie erneut betäubte?
Oder Schlimmeres.
»Lass mich gehen!«
»Dazu ist es zu spät.«
Zu spät. Sie weigerte sich, die Bedeutung dieser Worte zu akzeptieren. Ich muss hier raus.
Er entfernte sich einen Moment, und sie hörte, wie etwas über den Steinboden rollte. Die Stehlampe, deren Helligkeit er mit einem schnellen Handgriff höher stellte, sodass sie für ein paar Sekunden das Gesicht abwenden musste, um nicht geblendet zu werden.
»Was hast du mit mir vor?«
Der Mann schwieg. Sah sie nicht an.
»Bitte, lass mich frei. Wir finden eine Lösung.« Ihre Stimme hatte nichts Menschliches an sich. Sie schrillte in den eigenen Ohren. Das stetige Ploppen gesellte sich dazu, beruhigte sie jedoch kein bisschen mehr. Im Gegenteil: Das Geräusch erinnerte sie jetzt an die Sekundenschläge einer Uhr. Ihrer Lebensuhr, die ablief.
Er zögerte einen Augenblick, dann senkte er den Kopf. »Tut mir leid.« Er zog sich Gummihandschuhe an und nahm einen weiteren Gegenstand vom Tisch. Als sie das Objekt erkannte, schienen sich die Wände zu bewegen. Auf sie zuzukommen.
»Bitte, tu das nicht.« Sie zerrte an der Handfessel, stemmte die Fußsohlen gegen den rauen Kunststoff der Liege, versuchte, sich nach vorn zu beugen. Ihre Verzweiflung und der Tränenschleier machten sie halb blind und ließen sie straucheln. Dennoch holte sie mit der freien Hand aus, um ihn zu schlagen.
»Hör auf damit!«, sagte er ungehalten und packte ihren Arm.
»Du tust mir weh!«, schrie sie und spuckte ihn an. Rief erneut um Hilfe, so laut sie konnte.
»Hier kann dich niemand hören.«
»Bitte«, flehte sie. Etwas Kaltes piekste sie in die Ellenbeuge. Ohne Mühe brachte er sie zurück in die Liegeposition.
»Keine Sorge«, sagte er. »Du wirst nichts spüren.«
Sie dachte an ihre Beziehung. An all die Pläne, die sie mit ihrem Freund gehabt hatte.
»Du …« Warum kam ihr der Satz nicht über die Lippen?
»Dein Tod wird nicht umsonst gewesen sein.« Seine Stimme drang wie durch einen Tunnel zu ihr hindurch.
Sie lief ins Wasser. Tauchte in eine Welle hinein. Schwamm ein paar Züge hinaus auf das Meer, dessen Strömung sie mit sich zog. Immer weiter driftete sie vom Strand weg. Dann ließ sie los und gab sich ihrem Element hin.
Sie musste fast brüllen, um die Lautsprecherdurchsage zu übertönen. »Ich freue mich schon auf die Finca. Die muss der Hammer sein!« Rosi wechselte das Handy in die linke Hand und schnappte sich mit der rechten den Koffer vom Rollband. Dann kämpfte sie sich durch die Menge der Wartenden und verließ das Flughafengebäude.
»Also, dass du gleich wieder einen Housesit hast, wundert mich schon, ehrlich gesagt«, sagte ihre beste Freundin Franziska. »Warst du nicht erst in Thailand?«
»Ja, da komme ich gerade her«, antwortete Rosi auf der Suche nach dem Taxistand. »War auch echt gut. Ein Luxus-Bungalow direkt am Strand.« Sie hatte ihn ganze vier Wochen lang für sich allein gehabt. Nicht einmal einen Leihwagen hatte sie gebraucht, sondern das Auto ihrer Auftraggeber nutzen dürfen, um durchs Land zu kurven. Wobei trotzdem der Eindruck geblieben war, nur einen Bruchteil Thailands gesehen zu haben. Als Housesitterin konnte sie sich nie allzu weit von ihrem Auftragsort entfernen, da sie auf jeden Fall die Nächte in der Unterkunft verbringen musste, um das Haus zu hüten. »Ich habe viele Eindrücke gewonnen. Leider war ich auf keiner der Inseln, ich muss wohl noch mal hin.«
»Du hast ein Leben!« Rosi wusste, Franziska war nicht neidisch. Ihre Freundin bevorzugte das Leben in den eigenen vier Wänden, auch wenn diese nur knapp sechzig Quadratmeter umfassten und unverschämt viel Miete kosteten. »Hattest du überhaupt Zeit zum Schreiben?«
»Na klar. Ich hatte nur wenige häusliche Verpflichtungen und somit genug Zeit für meine Artikel.«
»Das freut mich. Ich hoffe, Mallorca gefällt dir auch. War der Flug okay?«
»Warte mal kurz!« Rosi signalisierte einem Taxifahrer, dass sie mitfahren wollte. Sofort stieg der Mann aus und hievte ihren Koffer ins Auto. Sie bedankte sich mit einem »Gracias«, einem der wenigen Worte, die sie auf Spanisch beherrschte. Dann setzte sie sich mit ihrem Rucksack auf die Rückbank und nannte den Zielort.
»Der Flieger ist verspätet gelandet, aber das ist nicht schlimm«, antwortete sie ihrer Freundin, während sie sich zurücklehnte und entspannt lächelte. »Zumindest solange der Einweiser noch in der Finca wartet, aber davon gehe ich jetzt mal aus.«
»Eine Finca. Klingt fast ein bisschen dekadent«, frotzelte Franziska.
»Millionärsvilla mit Meerblick«, konkretisierte Rosi. So hatte die Anzeigenüberschrift auf dem Sitterportal geworben, und die Bewertungen waren durchweg positiv. »Ich sage dir, die zweihundertfünfzig Euro Anmeldegebühr für das Portal haben sich jetzt schon gelohnt. Vielleicht bewirbst du dich auch mal? Kann es nur empfehlen.«
Es war Rosis zehnter Job als Housesitterin innerhalb eines Jahres, darunter allein drei Monate in Mexiko. Bisher hatte sie mit den Unterkünften jedes Mal Glück gehabt. Sie vertraute dabei sowohl auf ihren Instinkt als auch auf den gesunden Menschenverstand. Deswegen bewarb sie sich nur, wenn sich neben den Bewertungen anderer Sitter ebenso die Bilder der Bleibe und die Beschreibung des Jobs richtig anfühlten.
Diesmal würde sie allerdings nur eine Woche lang das Anwesen gegen freie Kost und Logis hüten und sich um den Familienhund kümmern. Für Rosi ein Bonuspunkt, denn sie liebte Tiere. Hunde ganz besonders. Sie fand es bemerkenswert, wenn Eigentümer ihr geliebtes Haustier einem fremden Menschen anvertrauten, etwas, das sie mit Sicherheit nie tun würde.
»Schön wär’s.« Franziska seufzte, doch ihr Bedauern war eher gespielt. Sie würde ihren Freund, mit dem sie zusammenwohnte, viel zu sehr vermissen. »Aber das Referendariat ist leider völlig ungeeignet, um quer durch die Welt zu reisen.« Mit fünfundzwanzig war sie so alt wie Rosi und lehrte Mathe und Religion an einer Grundschule.
Meine absolute Horrorkombination. Mit Kindern konnte Rosi ohnehin nichts anfangen, was eventuell daran lag, dass sie ohne Geschwister aufgewachsen war. »Dafür hast du im Gegensatz zu mir die Aussicht auf einen sicheren Job.« Als selbstständige Texterin und Bloggerin war es für Rosi nicht immer leicht, über die Runden zu kommen. »Außerdem gebe ich zu, ich leide noch etwas unter dem Jetlag.« Sie seufzte und strich sich durchs kurz geschorene Haar. »Ich sollte wirklich darüber nachdenken, zwischen zwei Housesits eine Pause einzulegen.«
»Bei uns ist immer ein Sofa für dich frei.« Rosi sah Franziskas Grinsen vor sich. Beide waren sie sehr unterschiedlich und doch seit der ersten Klasse unzertrennlich.
Sie verabschiedete sich von ihrer Freundin und ließ den Blick über die vorbeiziehende Insellandschaft schweifen. Alles grün, aber die heiße Phase des Sommers stand noch bevor. Nachdem sie ein paar kleinere Ortschaften an der Küste passiert hatten, bog das Taxi rechts ab. Nun führte eine Serpentinenstraße steil aufwärts durch felsig-bergiges Terrain. Rosi fragte sich, ob der Fahrer sich absichtlich für diese Panoramastrecke entschieden hatte, um ihr die Schönheit seiner Heimat zu zeigen.
Als Kind war sie ein paarmal auf Mallorca gewesen. Vor der Scheidung ihrer Eltern. Sie schob die Erinnerung beiseite und schloss die Augen. Gab sich dem Pendeln ihres Oberkörpers in den einzelnen Kurven hin. Sie liebte es. Wie gerne würde sie selbst jetzt am Steuer sitzen. Ihr Vater hatte ihr die ersten Fahrstunden erteilt.
Ich habe so viel von dir gelernt. Sie schluckte den aufsteigenden Kloß im Hals herunter.
»Wir sind da«, weckte sie die Stimme des Fahrers. Lange konnte sie nicht weggenickt sein, denn die gesamte Fahrt hatte nur eine halbe Stunde gedauert. Rosi rieb sich die Müdigkeit aus den Augen, stieß die Autotür auf und setzte den Rucksack auf. Die Nachmittagssonne blendete sie. Sie drückte dem Fahrer zwei Scheine in die Hand, nachdem sie ihren Koffer von ihm übernommen hatte, und bedankte sich.
Das Anwesen vor ihr schmiegte sich an den Hang und war von einer weißen Mauer umgrenzt, vielleicht zwei Meter hoch, aber massiv. Zu Rosis Überraschung war das breite schwarze Metalltor, das die Mauer an einer Stelle zur Straße hin unterbrach, nicht verschlossen.
In der Hoffnung, keinen Alarm auszulösen, stieß sie es auf und zog den Trolley über eine Auffahrt in der Größe eines Tennisplatzes, die zu einer Doppelgarage führte.
Rosi blieb einen Augenblick stehen, um die Flachdachvilla daneben zu bewundern. Sie bestand aus drei Ebenen, wobei die mittlere stark in der Fassade zurückgesetzt war, was dem Gebäude ein futuristisches Aussehen verlieh. Der dritte Stock war außerdem ein Staffelgeschoss, also kleiner als die anderen beiden. Der weiße Putz strahlte im Sonnenlicht und stand im Kontrast zu den dunkel gerahmten Fenstern der oberen Stockwerke. Von ihrem Standpunkt aus hatte Rosi keine Sicht ins Innere, sie ahnte jedoch, dass sich die Villa nach Süden hin öffnete, um den Bewohnern einen freien Blick aufs Mittelmeer und die umliegende Landschaft zu bieten. Die Wohnfläche allein betrug knapp achthundertfünfzig Quadratmeter, das Kellergeschoss inbegriffen. Zusammen mit dem Garten, der auf der Rückseite des Gebäudes lag, sich auch über das Garagendach zog und eine Aussicht auf das Bergpanorama bot, nahm die Villa fast zweitausend Quadratmeter Grundstücksfläche ein. Ein derart großes Anwesen hatte Rosi bisher nicht betreut, und sie fragte sich unwillkürlich, ob sie dem Job gewachsen war.
Üblicherweise wartete vor Ort der Eigentümer, um einen neuen Sitter einzuweisen, bevor er oder sie selbst auf Reisen ging. In dem Fall war ausgemacht, dass ein Bekannter des Ehepaares die Einführung übernahm, weil dieses sich schon in der Nacht zuvor in den Urlaub verabschiedet hatte.
Rosi klingelte an der doppelflügeligen Tür aus dunklem Kunststoff mit silbermetallischen Türgriffen und Milchglaseinsätzen. Da das Eingangsportal überdacht war, lag es im Schatten, was eine Wohltat war. Denn obwohl es erst Mai war, schwitzte Rosi in ihren langen Jeans.
Als Antwort drang Hundegebell an ihr Ohr. Eine männliche Stimme rief etwas Unverständliches, vermutlich, um den Hund zu beruhigen, dann wurde die Tür aufgerissen.
Vor Rosi stand ein blonder Kerl mit Samuraizopf, Vollbart, freiem Oberkörper und bunten Shorts. Fehlte nur noch das Surfbrett unter dem Arm. Stattdessen hielt er einen dunkelbraunen Labrador am Halsband fest, der jaulte und sich zu befreien versuchte. Mit hochgezogenen Brauen lächelte der Typ sie an.
»Hola«, begrüßte sie ihn in der Landessprache und überlegte gleichzeitig, ob er sie überhaupt verstand. Er sah so gar nicht nach Spanier aus, und die Eigentümer des Hauses waren Deutsche. Vielleicht traf das auch auf ihren Bekannten zu. »Ich bin die Housesitterin«, erklärte sie dennoch weiter auf Spanisch.
Der Mann runzelte die Stirn, lächelte aber immer noch. »Sorry, I do not speak Spanish«, entschuldigte er sich. »German or English?«
»Ich bin die Housesitterin. Die Eigentümer haben mich für eine Woche gebucht«, erklärte sie nochmals auf Deutsch. »Entschuldigen Sie bitte die Verspätung.«
Das Lächeln verschwand im Bart des Mannes und machte einem verständnislosen Ausdruck Platz. »Die Housesitterin?«, fragte er. »Wohl kaum. Die haben nämlich mich gebucht.«
Rosi glaubte, sich verhört zu haben. Veräppelt der mich? Doch er hatte todernst geklungen. »Das kann nicht sein«, beharrte sie und zog ihr Smartphone aus dem Rucksack. Der Typ konnte ihr viel erzählen! »Hier.« Sie öffnete die E-Mail des Sitter-Vermittlungsportals mit der Bestätigung des Sits. »Vom zwanzigsten bis sechsundzwanzigsten Mai. Villa Sonnenhang.«
»Jo, so eine habe ich auch erhalten«, antwortete ihr Gegenüber lässig. »Allerdings direkt von den Eigentümern. Wenn du kurz auf Sherry aufpasst, kann ich dir die Mail zeigen. Mein Handy liegt auf dem Esstisch.«
Kann nicht sein. So eine Dreistigkeit war ihr noch nicht untergekommen.
Sie atmete tief durch, um ruhig zu bleiben, kniete sich neben Sherry und streichelte sie. Sofort begann die Hündin, ihr Gesicht abzuschlecken. Rosi hatte schon immer ein Händchen für Vierbeiner gehabt. Auf dem Sitterportal hatte sie Bestbewertungen für ihre Tierliebe erhalten.
»Hm. Sie mag dich«, stellte der falsche Sitter mit einer Mischung aus Ver- und Bewunderung fest. »Na, dann komm erst einmal rein, und wir klären das eben. Ich heiße übrigens Fabian.« Er ließ die Hündin los und wartete, dass Rosi in das Gebäude hereintrat.
Sie rollte den Koffer in den Flur, der eher wie eine kleine Halle in einem Museum wirkte: helle Fliesen, eine antik scheinende Kommode, vier Büsten, Vasen und Skulpturen aus Keramik sowie eine Garderobe. Gegenüber vom Eingang waren zwei Holztüren, die verschlossen waren. Links von ihr führte eine kurze Steintreppe sowohl hinunter in den Keller als auch empor, vermutlich in den Ess- und Wohnbereich.
Im Inneren der Villa war es so kühl, dass Rosi sogar leicht fröstelte.
Ihr Jobkonkurrent schloss die Haustür und stieg die Steintreppe hinauf. »Kommst du?«, rief er ihr über die Schulter hinweg zu.
Sie setzte den Rucksack ab und folgte ihm. Sherry trottete ihr schwanzwedelnd hinterher. Am Ende der Stufen angekommen, entfuhr Rosi ein leises »Wow«. Sie wandte sich umgehend nach rechts, wo sich ein großzügiger Essbereich mit einem Tisch befand, an dem locker zehn Personen speisen konnten. Daneben zog sich eine Bar über fast die komplette Wandlänge bis hin zu einer Sofalandschaft, die aus drei Couches und zwei Sesseln bestand. Hier konnte man entscheiden, entweder auf einen riesigen Flachbildfernseher zu schauen oder durch das Panoramafenster, das zusammen mit einer gläsernen Schiebetür die gesamte Front einnahm und zur Poolterrasse hinausging. Ein kleiner Kamin neben dem Fernseher sorgte in der kalten Jahreszeit für wohlige Wärme.
»Und wo führt die hier hin?« Rosi deutete auf eine schmale Tür, die neben der Bar vom Wohnzimmer abging.
»Zu einer Bibliothek«, antwortete Fabian. »Die wohl auch als Arbeitszimmer dient.«
Die muss ich mir später unbedingt in Ruhe ansehen. Rosi liebte Bücher und hatte auf ihren Reisen immer ein paar Schmöker im Gepäck.
Sie lief zurück Richtung Steintreppe, die direkt in die offene Wohnküche führte. Deren Granit- und Edelstahloberflächen wirkten so hochwertig, dass sie umgehend beschloss, nur auswärts zu essen, weil sie hier auf keinen Fall etwas beschädigen wollte. Ihre Kochkünste ließen ohnehin zu wünschen übrig.
»Geil, oder?«, meinte der angebliche Sitter, als er ihren Blick bemerkte. »Kann es kaum erwarten, hier etwas zu kochen.« Seine lässige Art ging ihr auf den Keks, auch weil sie Rosi an jemanden erinnerte. Der Typ tat ja gerade so, als hätten sie die Villa für einen gemeinsamen Urlaub gebucht.
»Hast du die Mail gefunden?«, fragte sie daher kühl. Sie wollte den Fremden schnellstmöglich loswerden.
»Jep.« Er streckte ihr sein Smartphone entgegen. Tatsächlich. Die Bestätigung bezog sich auf dieselbe Villa und den gleichen Zeitraum. Die E-Mail war an einen Fabian Ernst gerichtet.
»Okay.« Rosi verschränkte die Arme vor der Brust. Sie hatte es wohl mit einem Betrüger zu tun. »Super Trick, aber darauf falle ich nicht rein. Ich bin hier die Housesitterin, also verlasse bitte umgehend die Villa.«
Die Antwort war ein ungläubiges Lachen. »Sicher nicht. Ich war zuerst hier und wurde schließlich auch von Luis, dem Bekannten der Eigentümer, eingeführt. Der hat jedenfalls kein Wort davon erwähnt, dass er eine Frau erwartet.« Seine blauen Augen verfinsterten sich. »Genauso gut könnte das ein Trick von dir sein, um in dieses Haus zu kommen.«
Rosi seufzte. Das würde schwieriger werden als gedacht. »Woher weiß ich denn, dass du dieser Fabian Ernst bist?«
Er stieß die Luft aus und stapfte barfuß zum Couchtisch. Kam mit einem blauen Kunstledergeldbeutel zurück und zeigte ihr seinen Ausweis.
»Okay«, sagte sie widerwillig. »Vielleicht ein Buchungsfehler. Am besten rufen wir die Eigentümer an. Die werden ja wissen, wen sie engagiert haben.«
»Tja.« Fabian lächelte bedauernd. »Die wollen aber ab Übergabe der Villa nicht mehr erreicht werden. Für eine tägliche Meldung und im Notfall sollen wir uns an diesen Luis wenden. Für einen Spanier kann der übrigens erstaunlich gut Englisch.«
Täglich? Es war üblich, in einem regelmäßigen Intervall mit den Eigentümern zu kommunizieren, allerdings selten jeden Tag. Wobei das bei dieser Villa verständlich war.
»Schön«, antwortete Rosi gereizt. Sie wollte unter die Dusche und ihre Ruhe. »Dann ruf ihn an!«
Fabian scrollte durch seine Kontakte. Offenbar hatte er die Nummer bereits eingespeichert, wie Rosi frustriert feststellte. Sie war klar im Nachteil hier, nur weil ihr Flieger zu spät gewesen war.
Verflucht noch mal!
Fabian schnalzte mit der Zunge. »Geht nicht ran.«
»Verdammt!«, entfuhr es ihr. »Und jetzt?«
»Tja.« Er öffnete die Arme und deutete mit einladender Geste in den Raum. »Die Villa ist groß genug. Teilen wir sie uns doch einfach auf.«
Na toll. Ihm schmeckte es auch nicht, dass sie in der Finca war. Trotzdem versuchte er, nett zu sein, und sie verzog das Gesicht, als hätte er ihr angeboten, das Bett mit ihm zu teilen. Nicht, dass er darauf scharf wäre. Er stand nicht auf Zicken.
Wie alt sie wohl ist? Er schätzte sie auf sein Alter, fünfundzwanzig, vielleicht etwas jünger.
»Auf keinen Fall«, kam ihre patzige Antwort. »Ich habe mich nicht um einen Platz in einer WG beworben. Die Eigentümer werden zudem mit Sicherheit nicht zwei Personen Unterkunft und Verpflegung bieten wollen.«
Wenn sie das Geld dafür auch offensichtlich haben. »Ich gehe jedenfalls nirgendwohin«, sagte er und setzte sich demonstrativ auf einen der Sessel. Der Blick durchs Panoramafenster hinunter in die Bucht war ein Traum. Trotzdem ließ er diese Frau nicht aus den Augen. Irgendetwas an ihr beunruhigte ihn. Oder machte sie ihn nur nervös, weil sie seine Pläne störte? Er hatte genug Arbeit vor sich und brauchte seinen Frieden. Den er mit dieser Sitterin sicher nicht haben würde.
Ich hätte sie gar nicht erst reinlassen sollen. Sie ist eine Fremde. Es war ein Fehler gewesen, das Außentor nach seiner Ankunft nicht wieder zu verschließen. Schließlich hatte er alle Schlüssel des Anwesens in seiner Hand. Aber so, wie die Frau drauf war, würde sie wahrscheinlich die Polizei einschalten, wenn er sie auf die Straße setzte, und den Ärger wollte er sich ersparen.
Sein Vorschlag, diese Finca zu teilen, war rein pragmatischer Natur. Ein vorübergehender Kompromiss. Sie würde schon früh genug einsehen, dass er der Sitter hier war, und die Villa freiwillig verlassen. Gerne half er ihr dabei, einen Rückflug zu buchen. Der Gedanke ließ ihn schmunzeln.
»Hast du eigentlich auch einen Namen?«, fragte er. Als sie ihm ihre Bestätigungsmail gezeigt hatte, hatte er nicht darauf geachtet.
»Rosi.«
Passt zu den mahagoniroten, stacheligen Haaren. Und ihrer kratzbürstigen Art. »Magst du einen Drink?« Fabian stand auf und trat hinter die Bar. Ich sollte jetzt nichts trinken, aber vielleicht beruhigt es uns beide.
»Nein danke«, lehnte sie ab. »Woher aus Deutschland kommst du?«
Diese Ausfragerei nervte. Schon die Nummer mit dem Ausweis war Banane gewesen.
Er schenkte sich ein Glas Gin ein und goss Orangensaft drauf. »Geboren bin ich in Hamburg, aber ich studiere in Frankfurt. Und du?«
»Gebürtige Würzburgerin. Aber da lebe ich schon lange nicht mehr.« Bildete er es sich ein, oder war da Wehmut in ihrer Stimme? »Kannst du dir wenigstens ein T-Shirt anziehen, oder läufst du immer mit nacktem Oberkörper herum?«
Ihm entging nicht der neugierige Blick, mit dem sie sein Tattoo am linken Oberarm streifte. Er hatte es sich vor drei Jahren stechen lassen. Heute bedeutete es ihm sogar noch mehr als damals. Den wenigsten Menschen dürfte die Bedeutung geläufig sein.
»Das Rad des Dharma«, überraschte sie ihn. »Die acht Speichen stehen für Buddhas achtfachen Pfad der Erleuchtung, richtig?«
Fabian nickte und nahm einen Schluck. Der Alkohol brannte in seiner Kehle. Er hatte zu viel Gin in die Mischung gegeben. »Man nennt es auch das Rad der Transformation. Nur die Erkenntnis kann die Menschen in einen Zustand frei von Leid, Hass und Wut versetzen.«
Ich wünschte, es wäre so einfach. Fabian stellte das Glas auf der Theke ab und griff nach seinem Shirt, das über einer der Sessellehnen hing. Er zog es sich über den schlanken, aber durchtrainierten Oberkörper, dann nahm er seine Socken vom Boden auf und zog sie sich über die Füße. Die kleine Tätowierung am rechten Innenknöchel hatte sie wohl nicht entdeckt. Besser so, denn die hätte auf jeden Fall nur weitere Fragen aufgeworfen. Fragen, die er nicht bereit war zu beantworten. »Hast du eigentlich Hunger?«
Rosi schüttelte den Kopf. Ob die Frau je lächelte?
»Echt nicht? Also ich schon.« Wie auf Kommando knurrte sein Magen. »Wollte mir gerade was kochen, als du geklingelt hast. Der Kühlschrank ist gut gefüllt. Verhungern werden wir jedenfalls nicht.«
»Zeigst du mir bitte das Haus?« Rosi stand noch immer mit verschränkten Armen und versteinerter Miene mitten im Raum. Sherry hatte sich zwischen beiden Sittern positioniert und schien ihr Gespräch mit Interesse zu verfolgen. »Es gibt doch sicher auch ein House Book, oder?«
»Jep.« Fabian deutete auf ein ledergebundenes Notizbuch, das auf dem Tresen der Hausbar lag. »Steht so einiges an Regeln drin. Bin noch nicht ganz durch damit.« In Wahrheit hatte er es sehr genau studiert.
»Außer Pflege von Haus, Garten und Hund irgendetwas Besonderes, das ich beachten sollte?«
»Der Pool muss diese Woche gereinigt werden. Und die Eigentümer legen Wert darauf, dass wir die Finger vom Weinlager lassen.« Fabian grinste. »Von der Bar dürfen wir uns bedienen, aber im Keller stehen wohl ausnahmslos kostbare Tropfen.«
»Hmm.« Rosi schien nicht beeindruckt. »Wohin führen die Türen, die unten vom Flur abgehen?«
»Zu einem Gästeklo und einem Technikraum. Darin stehen auch die Geräte für Garten und Pool. Der Fitnessraum ist im Keller.« Dessen Größe sowie die Anzahl an Sportgeräten hätte so manchem Studio Konkurrenz gemacht. Fabian liebte Sport, bevorzugte jedoch Bewegung an der frischen Luft. »Eine der Kellertüren ist übrigens abgesperrt. Luis meinte, die soll uns nicht interessieren, die sei immer verschlossen. Ich tippe auf einen Tresorraum oder eine Waffenkammer.«
Rosi schien ihm nicht mehr zuzuhören. Sie hatte inzwischen die Treppe entdeckt, die vom Wohnzimmer aus ins nächste Stockwerk führte. Fabian folgte ihr nach oben.
»Hier auf der Etage gibt es drei Schlafzimmer, jedes mit eigenem Bad, mit dem es direkt verbunden ist. Zwei der Zimmer haben Balkone, die nach hinten zum Garten rausgehen. Die Aussicht auf die Berge ist genial.«
Rosi öffnete einen Raum nach dem anderen und warf einen Blick hinein. Alle Doppelbetten waren frisch bezogen. Die Einrichtung war sparsam und modern gehalten. Das Mobiliar bestand neben den Luxusbetten mit ihren Nachttischen aus begehbaren Einbauschränken, einem Wandspiegel und jeweils einer Kommode. In den großzügigen Schränken hingen zum Teil Kleidungsstücke der Eigentümer, die meisten von ihnen in Schutzhüllen verpackt.
Die Bäder zierten breite Spiegelfronten. Man hatte die Wahl zwischen Wanne und Dusche, alles aus weißer Keramik in weichen, runden Formen. Die Armaturen waren in Roségold gehalten, die Wasserhähne stilvoll geschwungen und vollelektronisch.
»Schon übertrieben, oder?«, so Rosis Kommentar zur digitalen Anzeige mit integrierten LED-Lichtern, die per Farbverlauf die Wassertemperatur von Blau für kalt bis zu Rottönen für warm anzeigte. »Also ich merke jedenfalls auch so, ob mir das Wasser zu kalt ist oder nicht.«
Fabian gab ihr schweigend recht und folgte ihr zurück ins Schlafzimmer. An den Wänden fanden sich ein paar gerahmte Bilder von Malern, die ihm nichts sagten, sowie Fotos von Meer und Bergen, die wahrscheinlich alle auf Mallorca selbst aufgenommen worden waren. Teppiche bedeckten nur im Badezimmer die hellen Marmorböden.
»Was meinst du?«, fragte Rosi. »In welchem der drei Zimmer schlafen wohl unsere Auftraggeber?«
Fabian zuckte mit den Achseln. »Vielleicht nutzen sie mehrere Zimmer«, meinte er. »Oder jeder hat sein eigenes, machen ja heute viele Paare so.« Persönliche Gegenstände fanden sich in den Räumen nur vereinzelt, mal ein Buch oder eine Schlafmaske auf dem Nachttisch. Vermutlich hatte das Paar vor seiner Abreise das meiste Private irgendwo verstaut.
Ich würde Fremden auch nicht zu viele Einblicke in mein Leben geben, dachte Fabian.
Eine Vorliebe für Nippes schienen die Eigentümer ohnehin nicht zu haben.
In einem der Schlafzimmer mit Balkon stand bereits sein Koffer. Rosi quittierte es mit einem kurzen Heben der Augenbrauen.
Erst jetzt wurde Fabian bewusst, was es bedeutete, wenn sie beide hier wohnten. Er war es nicht gewohnt, mit jemandem zusammenzuleben.
Na ja, es ist sicher nur für eine Nacht, im schlimmsten Fall für ein paar Tage.
»Und im letzten Stockwerk?«, fragte Rosi und strich sich nachdenklich übers Kinn. Genau wie er schien sie zu überlegen, wie sie sich die Räume aufteilen sollten.
»Der Gästebereich«, sagte er. »Allerdings nur zwei Schlafzimmer mit eigenem Bad, ähnlich eingerichtet, aber kleiner als diese hier. Und kein Balkon.« Er zögerte, weil er wenig Lust hatte, unter das Dach zu ziehen. Schließlich war er zuerst hier gewesen. Andererseits hätte er dort oben seine Ruhe, während der Flur mit Treppe in dieser Etage immer der Durchgang zum Gästewohnbereich sein würde.
»Ich gehe gern unters Dach«, sagte Rosi.
Er war überrascht. »Okay«, antwortete er gedehnt und fragte sich, ob er gerade den Kürzeren gezogen hatte. »Du wirst mir schon nicht auf dem Kopf herumtrampeln.«
Rosi ignorierte den Kommentar. Stattdessen stieg sie hoch in die oberste Etage. »Das wird gehen«, murmelte sie, nachdem sie die Räume inspiziert hatte. »Ich richte mich mal ein und gehe duschen.«
»Okay.« Fabian war erleichtert, dass sie sich so schnell geeinigt hatten. »Ich koche uns was. Appetit kommt beim Essen.« Er war schon auf der Treppe, da fiel ihm etwas ein. »Gibt es irgendetwas, das du nicht isst? Unverträglichkeiten oder so?«
Rosi schüttelte den Kopf. »Lass uns doch erst noch den Keller ansehen«, bat sie. »Und ich brauche unbedingt die Nummer von diesem Luis.« Mit Nachdruck ergänzte sie: »Vor dem Abendessen.«
»Wo hast du so gut kochen gelernt?« Sie fragte aus reiner Höflichkeit. Es behagte ihr nicht, mit diesem Fremden in der Villa zu sein und gemeinsam zu Abend zu essen. Seine Nettigkeit war gewiss nur vorgeschoben. Rosi war sicher, dass dieser Fabian sie genauso schnell loswerden wollte wie sie ihn. Diese Schauspielerei war lächerlich. Am liebsten hätte sie diesen Betrüger im hohen Bogen aus der Villa katapultiert. Er hatte ja keine Ahnung, wozu sie fähig war. Doch musste sie taktisch klug vorgehen. Fabian hatte die Schlüssel und somit die Macht über dieses Haus.
Ich muss irgendwie an die Schlüssel rankommen. Am besten, wenn er schläft.
Mehrfach hatte sie versucht, Luis zu erreichen, aber immer nur die Mailbox mit einer generischen Ansage erwischt. Hatte Fabian ihr überhaupt die richtige Nummer gegeben? Der konnte ihr viel erzählen, wenn der Tag lang war. Und dass er gern redete, war ihr schon aufgefallen.
Das ist doch auch nur eine Masche, um mich in Sicherheit zu wiegen.
Schließlich hatte Rosi das Sitterportal angerufen und die Situation geschildert. Die Eigentümer waren dort allerdings nur mit Anschrift und E-Mail-Adresse registriert und hatten einen Luis Hernández als Kontaktperson hinterlegt. Eine Mail hatte Rosi natürlich sogleich versandt, aber wer wusste, ob und wie oft die Urlauber ihr Postfach prüften.
Bewusst hatte sie sich ans andere Ende des Esstisches gesetzt, so weit weg wie möglich von Fabian, sodass sie wie zwei Politiker an Putins Verhandlungstisch wirkten. Die Stimmung war ähnlich.
Fabian lächelte mild und kaute in Ruhe zu Ende, bevor er sprach. »Meine Eltern haben es mir beigebracht. Sie haben ein eigenes Restaurant in Hamburg.«
Rosi musste zugeben, das Rinderhüftsteak war auf den Punkt gebraten, und die Rosmarinkartoffeln mit grünen Bohnen und dunkler Soße, die er dazu servierte, schmeckten himmlisch.
Fabian hatte auch Sherry schon mit Futter versorgt. Die Hündin lag zufrieden unter dem Tisch und hielt ein Nickerchen.
»Arbeitest du dort als Koch?« Rosi nahm einen Schluck Rotwein. Die Flasche hatte sie in einem kleinen Weinregal in der Küche entdeckt. Demnach gehörte sie nicht zu den edlen Tropfen, die im Keller lagerten. Rosi hätte den Unterschied ohnehin nicht geschmeckt. Sie trank zwar ab und zu Wein, kannte sich aber nicht mit den Qualitätsmerkmalen aus. Sie hatte mehrere Küchenschubladen aufgerissen und durchwühlt, bevor Fabian ihr mit einem triumphierenden Lächeln auf den Lippen zeigte, wo der Korkenzieher lag.
Er führt sich auf wie der Hausherr.
»Leider nicht. Meine Eltern wollten, dass ich was Anständiges mache.«
Rosi hatte fast den Eindruck, dass er ihre Gesellschaft genoss. Oder er überspielte seinen Argwohn geschickt. »Und das wäre?« Je mehr sie über Fabian herausfand, umso besser. Sie hoffte, nicht zu neugierig zu klingen, doch sie traute ihm nicht. Schließlich war es ungewöhnlich, dass Luis nicht mal zurückrief. Ein Haus in dem Wert überließ man Sittern nur, wenn jemand im Notfall erreichbar war.
»Ich studiere BWL im Master. Aber in meinem Herzen bin ich Koch.« Sein Teller war leer, und er lehnte sich im Stuhl zurück. »Und du? Was machst du beruflich?«
Einen BWL-Studenten hatte sie sich anders vorgestellt. Irgendwie seriöser. Glatt rasiert und mit akkuratem Scheitel. Dieses Vorurteil musste sie wohl ablegen. Zumindest, falls er ihr die Wahrheit sagte.
»Reisebloggerin«, antwortete sie. »Habe auch einen Instagram- und YouTube-Kanal.« Beides lief sehr gut. Trotzdem musste sie ihre Artikel auch klassischen Medien anbieten, um über die Runden zu kommen. Journalismus war für sie nur die zweite Wahl gewesen. Dass es mit dem eigentlichen Traumjob nicht geklappt hatte, bereute sie bis heute.
Fabian schnalzte mit der Zunge. »Dann macht das mit dem Sitting natürlich Sinn. Bist wahrscheinlich nur unterwegs, oder?«
Sie nickte. Auf der Flucht trifft es eher. Dabei hasste sie es, davonzurennen. Du bist so feige!
»Wo warst du denn schon überall?«
»Ach, hier und dort.« Sie hatte keine Lust, mehr zu erzählen. »Und wie kommt man als BWL-Student auf die Idee, so eine Finca zu sitten?«, fragte sie, um das Gespräch von sich abzulenken.
Fabians Lächeln verschwand, und ein Schatten legte sich über sein Gesicht. Mit einem Räuspern verscheuchte er ihn. »Ich schreibe gerade an meiner Masterarbeit. Ich fand einen Umgebungswechsel dafür ganz passend. Hier hat man seine Ruhe.« Nach einem kurzen Zögern ergänzte er: »Zumindest dachte ich das.«
Rosi glaubte ihm nicht, hakte aber nicht weiter nach.
»Außerdem möchte ich mir, sobald ich einen festen Job habe, eine eigene Wohnung kaufen und dachte mir, dass so ein Housesitting doch eine coole Möglichkeit bietet, verschiedene Möbel und elektronische Geräte zu testen.«
»Aha«, sagte Rosi nur und dachte, dass er lange würde arbeiten müssen, um sich solch eine Einrichtung auch nur annähernd leisten zu können. »Ich versuche es noch mal bei Luis.« Sie rückte mit ihrem Stuhl vom Tisch weg, stand auf und lief zur Bar, wo sie ihr Smartphone abgelegt hatte. Fabian räumte inzwischen die Teller ab. Ein schlechtes Gewissen, dass sie ihm das auch noch überließ, hatte Rosi nicht. Er war zu Unrecht hier. Ob böse Absicht oder ein Buchungsfehler, spielte keine Rolle. Er musste verschwinden. Anderenfalls würde sie heute Nacht kein Auge zutun.
Wieder nur die Mailbox. Verdammt, hier stimmt doch was nicht.
Sie marschierte an der Theke der Bar auf und ab und dachte nach. »Wir könnten die Nachbarn fragen, ob sie wissen, wo dieser Luis wohnt, und dann zu ihm fahren.« Sie schlug das House Book auf und las vor, dass sie den Seat nutzen durften. Der Tesla war natürlich tabu.
Fabian sah sie zweifelnd an. »Keine Ahnung, wo das nächste Haus steht. Ich habe kein anderes hier oben gesehen.«
»Deswegen nehmen wir ja den Wagen.« Rosi hatte den Eindruck, dass Fabian nach einer Ausrede suchte. Wollte er überhaupt, dass sich der Buchungsfehler aufklärte?
»Sorry, aber wir haben gerade zu zweit eine Flasche Wein geleert. Im House Book steht auch, dass wir den Seat nur fahren dürfen, wenn wir nichts getrunken haben.«
»So ein Schwachsinn«, ereiferte sie sich. »Wer will das denn kontrollieren?«
»Also ich fahre heute nirgendwo mehr hin.« Fabian schloss den Geschirrspüler und fläzte sich auf die Couch. »Morgen ist auch noch ein Tag. Entspann dich mal!«
Entspannen?! Werde ich erst, wenn ich dich los bin. Auf jeden Fall würde sie später so viel wie möglich über diesen Fabian Ernst aus Hamburg recherchieren. Mal sehen, was das Internet so über ihn preisgab.
Fabian seufzte, als er ihre Miene bemerkte. »Hey, ich finde die Situation auch nicht ideal, aber wir sollten das Beste draus machen, oder?«
»Ich kenne dich nicht.« In ein und demselben Haus hielt sich Rosi nur dann mit Fremden auf, wenn sie sicher war, dass sie die Situation unter Kontrolle hatte, und das Gefühl hatte sie hier nicht.
»Streng genommen kenne ich dich auch nicht.« Ihr Mitbewohner musterte sie aus seinen türkisblauen Augen. Er hatte einen leichten Silberblick, wie ihr jetzt auffiel. »Sehr viel über dich erzählst du ja nicht.«
»Wir sind hier ja nicht beim Bachelor«, blaffte sie.
Fabian lachte auf. »Bei wem?«
»Sag bloß, du kennst diese blöde Fernsehshow nicht.« Rosi hatte sie ein paarmal als Kind mit ihrer Mutter zusammen angesehen. Vor der Scheidung. Ihre Mutter hatte lauter Mist geschaut – und Mist gebaut. »Sherry muss raus. Ich übernehme das.« Ein Spaziergang gab ihr die Möglichkeit, das Gebiet zu erkunden und einen klaren Kopf zu bekommen. Einen Teil der Kontrolle zurückzugewinnen.
»Ich komme mit.« Fabian stand so schnell auf, als hätte er auf einer Nadel gesessen.
»Musst du nicht. Hast schon genug getan heute.« Sie schnappte sich die Hundeleine, die neben dem Sofa lag. Dann rief sie Sherry zu sich, die sofort einen Freudentanz um ihre Beine aufführte.
Braves Mädchen.
»Ich laufe aber gern.« Fabians Miene sprach Bände. Sein Verdruss darüber, dass die Hündin eindeutig Rosi ihm vorzog, war nicht zu übersehen. Es bereitete ihr Genugtuung.
»Ich wäre jetzt aber lieber allein«, betonte Rosi und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Es wird schon dunkel«, beharrte Fabian. »Da ist es besser, wenn ich dich begleite.«
Rosi prustete los. »Ich kann sehr gut auf mich selbst aufpassen.« Auch gegen ihn würde sie sich verteidigen können, sollte es nötig sein.
Er warf ihr einen kurzen prüfenden Blick zu. »Glaub ich dir sogar. Ich komme trotzdem mit. Ende der Durchsage.«
Er will mich unter Beobachtung halten. Rosi verstand, dass er ihr ebenso wenig traute wie sie ihm. Warum fand er sich dann scheinbar leichter mit der Situation ab als sie?
Er ist nur der bessere Schauspieler. Und ein Mann. Keine Frau würde es gut finden, mit einem Wildfremden unter einem Dach zu schlafen. »Na schön«, knurrte sie.
Fabian ließ Rosi und Sherry den Vortritt und schloss die Haustür hinter ihnen.
»Hast du nur einen Schlüssel erhalten?«, fragte sie.
»Klar. Es war ja auch nur ein Sitter vorgesehen«, antwortete er mit einem aufgesetzten Grinsen, das wohl verdeutlichen sollte, dass er den Schlüssel nicht herausrücken würde. Sie war auf ihn angewiesen, wollte sie die Villa betreten oder verlassen. Das gefiel ihr gar nicht. Ihr kam in den Sinn, dass er sie auch jederzeit einschließen konnte, um sie festzuhalten.
Um was zu tun? Sie versuchte, die aufkommenden Bilder abzuschütteln.
»Keine Sorge«, sagte Fabian, als hätte er ihre Gedanken erraten. »Ich tue dir nichts.«
Konnte ja jeder behaupten. Rosi würde sich für diese Nacht sorgfältig präparieren. Sich unter dem Dach verbarrikadieren. Mit Pfefferspray und allem, was sie sonst noch zur Verfügung hatte.
