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Sarah “Mac” Wächter gelangt mit einem Zauberspruch auf die mystische Insel Avalon. Die Karte mit dem Zauberspruch hat sie jedoch verloren und hängt in dieser Zauberwelt fest. Die Bewohner Avalons hoffen, dass sie sie vor dem bösen Lord retten wird. Sie lernt den König der Drachen kennen und lieben. Hat diese Liebe eine gemeinsame Zukunft? Kann sie Avalon von dem bösen Lord befreien?
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Inhaltsverzeichnis
I.
II.
III.
IV.
V.
VI.
VII.
VIII.
IX.
X.
XI.
XII.
XIII.
XIV.
XV.
XVI.
XVII.
XVIII.
XIX.
XX.
XXI.
XXII.
XXIII.
XXIV.
XXV.
Impressum
„Mac, jetzt mach endlich. Du musst heute noch die Rechnungen trennen, eintüten und die Kopien eintragen und wegsortieren. Und du hast in knapp einer Stunde bereits Feierabend.“
Sarah „Mac“ Wächter ist eine junge und eigenständige Frau. Mit ihren gerade achtundzwanzig Jahren und knapp 1,62 Meter, ist sie eine relativ kleinere Person jedoch leider auch übergewichtig, ihre kurzen dunkelblonden Haare sind immer mit einem Mittelscheitel gestylt, in ihren blaugrünen Augen lassen sich sehr oft ihre Gefühle ablesen, auch wenn sie immer versucht dieses nicht durchblicken zu lassen.
„Warum musste ich unbedingt Bürokauffrau werden? Ob ich es jemals schaffe meine eigenen Träume und Wünsche zu erfüllen?“
Genervt schaute sie auf den dicken Haufen mit den ganzen Rechnungen. Wie sollte sie das alles in weniger als einer Stunde schaffen?
„Ich kann nicht mehr als arbeiten.“, sprach sie sich selbst Motivation zu.
Die junge Frau fühlte sich immer mehr in einer Sackgasse. Beruflich konnte sie aufgrund der kleinen Firma nicht aufsteigen. Bereits seit längerer Zeit dachte sie über eine Änderung in ihrem Leben nach.
Wie jeden Abend nach der Arbeit war sie zu Hause allein bei ihren Büchern. Sie war eine begeisterte Leserin von Romanen, Belletristik bis hin zu Fantasy, auch schaute sie gerne Fantasyfilme. Vor allem hatten es ihr aber die Geschichten der mystischen Insel von Avalon angetan. In ihrer Fantasie hatte sie diesen Ort bereits mehrfach besucht.
In einer Zeichentrickserie hörte sie einen alten lateinischen Spruch und sprach diesen in ihren Gedanken aus, um damit nach Avalon zu gelangen. Alles was sie jemals darüber gelesen und im Fernsehen gesehen hatte, sah sie gedanklich vor sich. Nur um diesen Gedanken aus ihrem Kopf zu bekommen, nahm sie sich vor, den Spruch auszusprechen. Was sollte denn auch schon Großes passieren?
Mit einem Lächeln auf den Lippen stand sie auf einem Steg an einem See und schaute auf die kleine laminierte Karte in ihren Händen. Da sie sich die Worte nicht merken konnte, hatte sie sie sich aufgeschrieben und sogar einlaminiert, um sie vor Wettereinflüssen zu schützen. Nochmals schaute sie sich die Umgebung an und Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit flackerten vor ihrem inneren Auge auf. Tief atmet sie durch und sprach die Wörter auf der Karte aus.
Venite venti fortunate ex rege Oberone et hic navis flumen regate ad orae Avalonis!1
Ihr Blick wanderte auf den See und ein vorher nicht dagewesener Nebel zog auf sie zu.
„Oh mein Gott.“, flüsterte sie vor sich hin.
Sollte dieser einfache Spruch aus einer Zeichentrickserie wirklich funktionieren? Der Nebel kam immer näher auf sie zu und fing an sie und den Steg, auf dem sie stand, zu umhüllen. Ihr Körper fühlte sich immer leichter an, die Umgebung nicht mehr erkennbar. Der Nebel war so dicht, dass sie selbst ihre Hand vor den Augen nicht mehr sehen konnte. Sie kniff ihre Augen zu und hoffte auf einmal, dass das alles doch nur ein Traum wäre.
Macs Augen waren geschlossen und ihr Körper fühlte sich kalt an. Sie bemerkte, dass sie auf dem Bauch lag und etwas von hinten immer wieder über ihren Rücken lief. Ihre Kleidung schien nass zu sein und unter ihren Händen war es weich und feucht. Vorsichtig öffnete sie ihre Augen und hob stöhnend etwas ihren Kopf an. In ihren Mund schmeckte sie Salzwasser, ihr Blick war nach unten gerichtet und langsam fing sie wieder an alles klarer zu sehen. Als sie ihren Oberkörper aufrichtete, hustete sie etwas Salzwasser aus.
Der Boden unter ihrem Körper vibrierte für einen kurzen Augenblick. Langsam und vorsichtig drehte sie ihren Kopf zur Seite und sah nicht weit von sich entfernt dicke schuppige Beine und große Krallen. Angst durchflutete ihren Körper, aber eine Seite in ihr sagte, sie müsse keine Angst haben. Sie setzte sich auf die Knie und ihre Augen wandern von den langen Krallen hinauf zu den schuppigen bronzefarbigen Beinen, einen Oberkörper und einen Kopf. Ihr Blick blieb an den ozeanblauen Augen der Kreatur hängen. Sie hatten etwas Vertrautes, Weisheit und Neugier an sich und sie kam sich innerlich angekommen an. Unbewusst fasste sie sich an ihre linke Außenseite des Unterschenkels.
Lächelnd konnte sie nur den Kopf schütteln. Das ist ein Traum, aus dem ich gleich erwache. Ganz sicher! Die Kreatur kam näher auf sie zu und schaute auf sie herab.
„Chala da?“, hörte Mac die tiefe brummige Stimme. Sie hatte überhaupt keine Angst und das verunsicherte sie. Überrascht starrte sie die Kreatur an.
„Chala da?“, sprach die Kreatur wieder.
Sie kämpfte gegen den Drang an in schallendes Gelächter auszubrechen und glaubte einfach nicht, dass diese Kreatur wirklich mit ihr sprach. Sie schloss ihre Augen und flüsterte zu sich selbst.
„Das ist nur ein Traum. Wenn ich gleich die Augen öffne, ist dort kein Drache, der mit mir redet.“
Vorsichtig öffnete sie wieder ihre Augen und das Gesicht des Drachen war noch da.
Interessiert drehte der Drache seinen Kopf leicht zu Seite. Sie hatte das Gefühl, dass er nach den richtigen Worten suchte.
„Chala da?“ fragte er wieder.
Er strahlte eine Ruhe aus, die sich auch auf sie übertrug. Mac stand vorsichtig auf und drehte sich komplett in die Richtung des Drachen, hob ihre Arme seitlich vom Körper weg und schüttelte ihren Kopf.
„Ich weiß nicht, was du da sagst.“ und zog ihre Arme an ihren Körper wieder heran.
„Ich verstehe das nicht, was du da sprichst.“
Leichte Verzweiflung hatte sich in ihre Stimme eingeschlichen. Der Drache wollte gerade ansetzen etwas zu sagen, als er in der Ferne Stimmen hörte.
Auch die junge Frau hörte im Hintergrund Stimmen und drehte sich in die Richtung. Erneut vibrierte es unter ihren Füßen und ließ sie wieder zum Drachen sehen. Dieser hatte sich umgedreht und schaute noch einmal zu ihr zurück. Sie hatte das Gefühl, dass er ihr bis in die Seele gucken konnte. Irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, ihn bereits zu kenne. Das Fabelwesen drückte sich mit seinen kräftigen Beinen vom Boden ab und flog mit starken Flügelschlägen davon. Ein Windzug wehte zu ihr herüber und sie bekam eine Ahnung von der Kraft dieser Kreatur. Der Drache war schnell nicht mehr in ihrem Blickfeld zu sehen.
Eine leichte Sehnsucht floss durch ihren Körper, als sie ihm nachsah und konnte es sich selbst nicht erklären, warum sie so fühlte. Als sie sich umdrehte, sah sie zwei Personen auf sich zukommen, die sich angeregt unterhielten. Einer der beiden Männer hob den Kopf und sah in ihre Richtung. Er blieb überrascht stehen, es schien, dass er und der andere Mann sie gar nicht bemerkt hatten. Irritiert blieb auch der zweite Mann stehen und schaute zu seinem Begleiter zurück. Mac hörte Wörter, aber konnte sie wieder nicht verstehen.
Beide Männer schauten zu ihr hinüber, gingen sie auf sie zu, nachdem die beiden sich gefangen hatten. Der eine Mann schien in ihrem Alter zu sein und hatte schwarze Haare, der zweite Mann war etwas älter, da er bereits graue Haare hatte. Zielstrebig gingen die beiden auf die junge Frau zu. Mac hatte gerade das Gefühl, dass sich der Boden unter ihren Füßen drehen würde und stolperte einen Schritt zurück, um ihr Gleichgewicht zu halten. Mit ihrer rechten Hand griff sie an ihre Stirn und musste ihre Augen schließen.
Der jüngere Mann war mit schnellen Schritten auf sie zugegangen und hielt sie am Arm fest, um sie zu stützen.
„Kolon wae da?“ hörte Mac ihn fragen.
Vorsichtig öffnete sie ihre Augen und blickte direkt in braune Irden. Mit ihrer linken Hand stützte sie sich am Unterarm des unbekannten Mannes ab und atmete mehrfach tief durch, bis sie die Verbindung zwischen ihnen beiden unterbrechen konnte.
„Kolon wae da?“ fragt er wieder.
Sie schaute ihn fragend an und schüttelte nicht verstehend den Kopf.
„Chala da?“, fragte jetzt der Ältere.
Das waren Worte, die sie bereits von dem Drachen hörte, aber auch nicht verstand. Beide Männer sahen sich fragend an.
„Ich verstehe kein Wort.“, sagte sie, aber jetzt schienen die beiden Männer sie nicht zu verstehen. Es war einfach nur zum Haare raufen und genau das tat sie auch gerade.
„Chala da?“, fragt wieder der jüngere Mann.
„Ich weiß echt nicht, was ihr von mir wollt.“ sagte sie mit Tränen in den Augen, während die Verzweiflung ihren Körper rauf und runter lief.
Der junge Mann berührte Mac wieder vorsichtig am Arm und fragte wieder „Chala da?“.
Die junge Frau konnte nur mit den Schultern zucken und die beiden fragend ansehen. Seine andere Hand legte er auf seine Brust „Tom.“, meinte der Jüngere mit einer warmen Stimme. „Chala da?“ fragte er wieder und zeigte mit der Hand auf sie.
Anscheinend fragt er nach meinen Namen. Ihre Hand legte sich auf ihre Brust und antwortete „Mac“. Warum habe ich gerade den Namen genannt und nicht meinen richtigen? schoss es ihr sofort durch den Kopf. Innerlich hatte sie das Gefühl, dass ihr richtiger Name nur für Verwirrung sorgen könnte. Diesen Spitznamen hatte damals ihr ihre Nichte gegeben, da sie ihren Namen nicht richtig aussprechen konnte, als sie klein war.
Freundlich lächelte der jüngere Mann sie an.
„Mac.“ wiederholte er und zeigte wieder mit der Hand auf sie.
Sie nickte nur bestätigend und ein ganz kleiner Stein fiel ihr vom Herzen, da sie zumindest sich wohl mit Händen und Füßen verständigen konnte. Der ältere Mann kam auf sie zu und deutete mit der Hand auf sich.
„Da’an.“ sprach er aus.
Sie nickte ihm zur Begrüßung kurz zu. Der Ältere drehte sich in die Richtung, aus der er mit Tom gekommen war und deutete mit dem Arm in die Richtung.
„Bala.“ und ging in diese Richtung, auch Tom drehte sich um und folgte Da’an in die gleiche Richtung.
Mac schaute verträumt noch einmal in die Richtung, in die der Drache geflogen war. Ihre Hände waren feucht vor Nervosität und ihr Magen schien sich einigermaßen wieder beruhigt zu haben, ihre Knie zitterten noch etwas. Wo war sie hier gelandet? Was war das für eine Sprache? Vor allem ging ihr eine viel wichtigere Frage durch den Kopf. Wie komme ich wieder nach Hause?
„Bala.“, hörte sie aus dem Hintergrund und drehte sich in die Richtung der beiden Männer. Mit einem leichten Kopfschütteln folgte sie den beiden. In der Ferne hörte sie laute Stimmen und sah bereits ein paar Dächer. War das möglich, das sie auf der mystischen Insel Avalon gelandet ist und diese bewohnt war? Das wäre mehr als sie jemals in ihrem Leben gedacht hatte. In keiner Legende hatte sie das gelesen, dass Avalon bewohnt sein sollte. Immer nur die Legende von Artus, aber selbst diese hatte sie niemals wirklich gereizt. Es war nur die Insel selbst.
Je näher sie den Häusern kamen umso lauter wurden auch die Geräusche. Sie hörte, wie sich Menschen unterhielten und Kindergelächter, spielende Kinder. Ein ganzes Dorf war zu erkennen. Die Menschen liefen herum und trugen Mittelalterkleidung. Die Frauen Kleider und die Männer Hosen und Hemden. Alle unterhielten sich und gingen ihren Aufgaben nach. Als die beiden Männer mit Mac das Dorf betraten, wurde es bei jedem Schritt immer leiser. Die Leute drehten sich zu ihr um und schienen genauso überrascht zu sein, wie Tom und Da’an am Strand.
Mac war sich nicht sicher, ob sie lächeln oder ganz schnell ihre Beine in die Arme nehmen und wegrennen sollte. Die Kinder hörten auf zu spielen und schauten sie ganz interessiert an, aber im nächsten Moment versteckten sie sich hinter einer der erwachsenen Personen. Auf einmal hatte das ganze Dorf nichts mehr mit dem fröhlichen Gefühl zu tun, denn es war so leise, dass man eine Stecknadel hätte fallen lassen hören können.
Unsicher schaute der Neuankömmling in die vereinzelten Gesichter. Eine Frau mit schulterlangen braunen Haaren und grünen Augen trat auf Tom zu.
„Chala dan? Chon la wah?“, fragt sie in seine Richtung und schaute dabei abschätzend zu Mac rüber.
Wieder hatte sie keine wirkliche Ahnung, worüber sie sprachen, konnte sich aber denken, dass es um sie ging. Vor allem, wie die braunhaarige sie beobachtete.
„Dan Mac, kreh ba on brech.“, antwortet Tom in einem ruhigen Ton. „I caunt la wah.“, meinte er schulterzuckend.
Die junge Frau drehte sich zu Mac um und fragte „Chon la wan?“
Hilfesuchend schaute Mac zu Tom herüber, der jedoch sah sie auch neugierig an.
„Wah craetet kuhg lenhgt.“
Tief musste Mac einatmen. Verzweiflung breitete sich erneut in ihrem Körper aus und zum ersten Mal wünschte sie sich, dass sie diesen Spruch nicht ausgesprochen hätte.
Die braunhaarige kam auf sie zu und deutete mit der Hand in eine andere Richtung.
„Bala.“, sprach sie sie an und ging voraus.
Vorsichtig folgte Mac ihr. Sie betraten eine einfache Hütte am nördlichen Ende des Dorfes, gebaut aus einfachem Holz und mit einem Strohdach. In der Mitte des Hauses befand sich ein kleines Feuer. In der einen Ecke war ein großes Bett und auf der anderen Seite eine kleine Sitzgelegenheit. Irgendwie hatte die Hütte eine Mischung aus Mittelalter und etwas Modernen aus Macs Welt. Mit der Hand deutete die junge Frau zu der Sitzgelegenheit.
„Chun da Mac?“, fragte sie sie und hielt ihr einen Becher mit einer Flüssigkeit hin.
„Ja.“ antwortete Mac und nickte dabei bestätigend mit dem Kopf.
„I da Celina.“, meinte die braunhaarige und setzte sich mit auf die Sitzgelegenheit.
„Nett dich kennen zu lernen.“, sagte Mac und hielt ihr ihre Hand hin. Misstrauisch und fragend schaute Celina ihre Hand an, aber legte dann vorsichtig ihre Hand hinein.
„Chon la wan?“, fragt die Einheimische.
„Okay, da hört mein Verstehen auch schon auf.“, meint sie lächelnd.
Sie hatte absolut keine Ahnung wie sie sich erklären sollte.
Es klopfte an der Tür und Celina öffnete diese. Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, welches Mac bis zu sich sehen konnte. Etwas nippte sie an ihrem Becher und schmeckte einen schwarzen Tee heraus und beobachtete dabei die junge Frau.
Celina ging zwei Schritte zurück und Tom betrat das Haus. Die beiden standen sich gegenüber und schauten sich tief in die Augen.
Beide sprachen wieder in ihrer Sprache, was Mac nicht verstand. Tom guckte einmal zu ihr rüber und sie glaubte, dass sie sich über sie unterhielten. Immer wieder nippte sie an ihrem Tee und beobachtete die beiden. Selbst von ihrem Punkt aus konnte sie sehen, wie die beiden sich anschmachteten.
„Bye.“, sprach Tom zu Mac und hob dabei verabschiedend die Hand. Mac zog die Augenbrauen hoch. Hatte er gerade ein englisches Wort benutzt?
„Bye.“, antwortete sie ihm winkend.
Nachdem er das Haus verlassen hatte, schloss Celina die Tür. Mit einem Lächeln auf den Lippen kam sie zurück zur Sitzgelegenheit undMac sah sie mit einem Schmunzeln an.
„Ist er dein Freund?“, fragt sie Celina, die sie nur fragend anschaut. „Ähm ...“ Ihre Finger verschränkte sie ineinander „Freund?“ meinte sie wieder.
Celina lächelte kopfschüttelnd „Iih.“, und trank ebenfalls ihren Tee.
Mit Händen und Füßen schafften es die Frauen sich etwas miteinander zu unterhalten. Mac fühlte sich in der Nähe von Celina richtig wohl und gut aufgehoben, seitdem sie an diesem Ort aufgetaucht war.
„I gaz da slop.“, sagte Celina und stand auf.
Aus einer Truhe holte sie eine Decke und Kissen.
„Slop?“ fragte Mac.
Mit der Hand deutete sie auf die Couch und legte als Zeichen ihre Hand an die Wange und schloss kurz ihre Augen, um das Schlafen Zeichen zu zeigen.
„Also schlafen. Okay. Verstanden.“ sprach Mac mehr zu sich selbst und nahm ihrer Gastgeberin die Sachen ab.
Draußen war es bereits dunkel geworden. Nachdem sie die Schlafsachen ausgebreitet hatte, drehte sie sich nochmal zu Celina um.
„Ähm … Toilette?“, fragte sie und schaute mal wieder in ein fragendes Gesicht. Sie konnte es echt nicht glauben. Wie soll ich denn zeigen, dass ich auf die Toilette muss? Sie glaubte einfach nicht, dass sie das jetzt machen musste, aber sie ging leicht in die Knie und machte ein doch etwas komisches Geräusch dazu. Peinlicher geht es echt nicht mehr.
„Ah.“, meinte Celina und ging zur Haustür hinaus. Mac folgte ihr und ihre Gastgeberin zeigte ihr eine Holzhütte, in der sich ein Plumpsklo befand.
“Echt jetzt?“, schockiert schaute sie in Celinas Gesicht.
„Anscheinend meinst du das ernst.“, meinte sie resigniert mehr zu sich selbst. Celina ging wieder zurück ins Haus, während Mac sich unschlüssig umschaute, aber dann doch hinein ging.
Die Unterlage der Couch war ziemlich hart, als sie es sich darauf bequem machte. Das kam ihr beim Sitzen gar nicht so vor.
„Ich muss einen Weg wieder nach Hause finden.“, flüsterte sie zu sich und starrte an die Decke. Celina hatte bereits die Kerzen gelöscht und es war dunkel im Haus, nur die Helligkeit des Mondes brachte etwas Licht hinein. Irgendwann wurde auch sie von der Müdigkeit in einen traumlosen Schlaf gezogen.
Zeichentrickserie‚ Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit↩
Vogelgezwitscher drang dumpf in das Haus. Mac öffnete ihre Augen und sah sich irritiert um.
„Wo bin ich?“, fragte sie sich und so langsam kam die Erinnerung vom gestrigen Tag wieder in ihren Kopf. Sie hatte es wirklich gewagt den Spruch aufzusagen und es geschah das Unmögliche. Sie wachte an einem Strand auf und … anscheinend war sie irgendwo gelandet.
Sie nahm sich die Zeit und schaute sich aus der liegenden Position nochmals etwas um. Das Haus war nur spärlich eingerichtet. Ihre Gastgeberin, Celina, schien bereits aufgestandenen zu sein. Sie erhob sich und legte die Decke feinsäuberlich zusammen, auch wenn sie zu Hause in einem reinen Chaos lebte, wollte sie keinen schlechten Eindruck machen. Celina kam mit einem Eimer in der Hand wieder rein.
„Taan.“, sagte Celina und lächelte ihrem Gast freundlich an.
„Guten Morgen.“, antwortete sie.
Celina stellte den Eimer auf den Tisch und holte eine Schale, füllte das Wasser in die Schale und zeigte mit der Hand darauf.
„Da can wael.“ und ging zum Feuer.
„Danke.“, sagte Mac und fing an sich zu waschen. Sie hatte bereits mitbekommen, dass es hier kein fließendes Wasser und Elektrizität gab, also hieß es zurück zur Oma Methode.
Celina hielt ihr noch ein Tuch hin, um sich abzutrocknen.
Mac ging zum Fenster und schaute interessiert dem Treiben zu. Celina berührte sie an der Schulter und ging bereits Richtung Tür.
Frische Luft schlug ihr entgegen, die Sonne war bereits aufgegangen, es wehte ein leichter Wind und sie roch Meeresluft. Celina führte sie durch das Dorf. Alle Hütten waren aus Holz und hatten etwa die gleiche Größe. Die Menschen waren hier gleich, aber es gab verschiedene Hautfarben, weiß, schwarz, braun, gelb, rot … Es war, als wenn aus ihrer Welt alle Hautfarben in diesem kleinen Dorf vertreten waren.
Die Waren wurden noch mit Pferdekarren transportiert. Wie sie bereits vermutet hatte, gab es hier keine Autos oder ähnliches. Soweit sie sehen konnte, waren hier ungefähr 20 bis 30 Hütten, aber auch in der Ferne waren vereinzelte erkennbar.
Rechts von ihr war der Strand, an dem sie gestern angekommen war. Celina zeigte immer mal wieder auf etwas und erzählte etwas dazu, aber sie verstand es nicht. Mac konnte auch keine Kirche oder ein anderes religiöses Zeichen sehen. Celina und Mac wurden immer mal wieder von jemanden gegrüßt.
Die Leute scheinen sich hier gegenseitig zu kennen, dachte sich Mac. Ich muss aber trotzdem einen Weg zurück nach Hause finden.
Celina blieb stehen und unterhielt sich mit jemand anderen. Tom kam zu ihnen herüber.
„Taan.“, sagte er zu Mac und sie lächelte ihn warm an.
Sein Blick ging zu Celina und eine Art von Sehnsucht war in seinen Augen zu erkennen. Leicht musste sie deswegen sogar schmunzeln.
„Celina.“, sprach Mac sie an. „Ich gehe mal weiter.“, sagte sie und zeigte in irgendeine Richtung.
Ihre Gastgeberin nickte nur verstehend, während Mac sich bereits aufmachte die Gegend weiter zu erkunden.
Schneller als gedacht, hatte sie bereits das Ende des Dorfes erreicht und stand vor einem Wald. Sie konnte bereits etwas weiter einen kleinen Fluss oder Bach erkennen. Sie drehte sich nochmals zum Dorf um.
Ich brauche jetzt echt mal Abstand und muss meine Gedanken ordnen.
Sie setzte einen Fuß vor den anderen und war dann auch bereits an dem Wasser angelangt. Es war doch noch ein etwas weiterer Weg vom Dorf zum Flussufer als sie dachte, aber hier war nur die Natur zu hören und das Plätschern des Wassers. Der Fluss war relativ breit, aber das Wasser nicht sehr tief. Man konnte den Grund des Bodens sehen. Das Ufer war mit größeren und kleinen Steinen versehen. Sie setzte sich auf einen der größeren Steine und starrte nachdenklich auf das Wasser.
„Was mache ich hier eigentlich? Wie komme ich denn wieder nach Hause?“
Die Verzweiflung war schon aus ihrer Stimme herauszuhören und eine Träne stahl sich aus ihrem Auge, die sie sich aber schnell wegwischte.
Das Schlagen von Flügeln drang in ihr Ohr. Es klang nicht nach kleinen, sondern nach ziemlich großen Flügeln. Der Boden unter ihren Füßen bebte für eine Sekunde. Sie drehte sich in die Richtung, aus der die Geräusche kamen und musste einmal sarkastisch laut schmunzeln.
Der Drache war also auch kein Traum.
Wieder hatte sie das Gefühl, das sie keine Angst vor dem mystischen Wesen haben musste, deswegen blieb sie auch einfach nur sitzen und schaute wieder auf das Wasser.
„Chala da?“, hörte sie wieder die brummige Stimme.
Schon allein bei dieser Stimme ging es ihr durch den ganzen Körper. Irgendetwas hatte sie an sich, dass es sie keine Angst verspüren ließ und eine Vertrautheit durch ihren Körper jagte.
„Es hat sich seit gestern nichts geändert.“, sagt sie schon genervt in die Richtung des Drachen. „Ich verstehe kein Wort von dem was hier gesprochen wird.“ und schaute wieder auf das Wasser.
Der Drache drehte überlegend und interessiert seinen Kopf zur Seite.
„Ich habe dich nach deinem Namen gefragt.“, hörte sie auf einmal den Drachen in ihrer Sprache sprechen.
Überrascht drehte sie sich zu ihm.
„Was war das gerade?“, fragte sie nochmals nach. „Du sprichst meine Sprache?“ Hoffnungsvoll schaute sie ihn an und sprang schon mehr auf die Beine.
„Ja, ich bin ein Drache und wir sprechen sehr viele Sprachen.“, antwortete er.
„Ich … ich … ähhh ...“ Mac wusste gar nicht, was sie sagen wollte und wedelte immer wieder seitlich mit ihren Armen herum.
„Verrätst du mir jetzt deinen Namen?“, fragte sie der Drache wieder.
„Mac. Meine Freunde nennen mich Mac.“, antwortete sie mit den Händen in den Seiten gestemmt.
„Mac?! Nett dich kennen zu lernen.“, antwortete er ihr.
„Vielleicht kannst du mir ein paar Fragen beantworten.“, meinte sie und fing an auf und ab zu laufen.
„Ich werde es versuchen.“ Der Drache machte es sich auf seiner Stelle bequem.
„Also gut … wo bin ich?“
„Du bist auf der Insel Avalon.“
Sofort blieb sie stehen und schaute ungläubig den Drachen an.
„Ich bin was?“, fragte sie verwirrt.
„Auf der heiligen Insel Avalon.“, wiederholte er.
„Sie ist kein Mythos?“
Irritation war in ihrer Stimme zu hören.
„Nein.“
„Ich glaube das nicht. Dann hat der Spruch wirklich funktioniert.“
„Welcher Spruch?“
„Ähm … Ich hatte in einer Zeichentrickserie einen Spruch gehört und dachte mir nicht wirklich was dabei, als ich diesen aussprach … Ich dachte, es wäre nur ein loser Spruch … Ohne irgendeine Wirkung.“, erklärte sie sich. „Und jetzt …“, meinte sie mit ihren Armen gestikulierend.
„Eine Zeichentrickserie?“, hörte sie da schon wieder die fragende Stimme des Drachen.
„Eine … ein spezielles Theaterstück.“, einfacher konnte sie es nicht erklären. Wie sollte sie auch?
„Also gut. Weißt du wie ich wieder nach Hause komme?“, fragte sie ihn und schaute ihn hoffnungsvoll an.
„Nein.“ antwortete er und Mac ließ resigniert den Kopf sinken.
„Es kann sein, dass der Spruch, den du benutzt hast, dich auch wieder zurückführt, aber den kenne ich nicht.“, sprach er weiter.
„Warte.“
Sie griff ihre Hosentaschen ab.
„Ich hatte mir den extra aufgeschrieben, weil ich mir die Worte auch nicht merken konnte. Verdammt, wo ist denn diese blöde Karte.“
Abwartend sah der Drache sie an.
„Nein, nein, nein, nein.“
Immer wieder wanderten ihre Hände über ihren Körper und Hose. Tränen standen inzwischen in ihren Augen.
„Ich fürchte, ich habe die Karte verloren.“
Genervt und mit Tränen in den Augen drehte sie sich von dem Drachen weg. Er sollte sie so nicht sehen.
„Wenn du den Spruch nicht mehr hast, kann ich dir nicht helfen nach Hause zu kommen.“, sprach der Drache.
„Was mache ich denn jetzt?“, fragte sie verzweifelt, drehte sich aber immer noch nicht zum Drachen wieder um. Interessiert und wortlos beobachtete der Drache die junge Frau. Er konnte es sich nicht richtig erklären, aber irgendetwas hatte sie an sich. Etwas, was sich innerlich versteckte und Furcht hatte.
„Leider kann ich dir nicht weiterhelfen.“, sprach der Drache wieder zu ihr.
„Und niemand wird mich finden, weil keiner weiß, wo ich bin.“, jammerte sie herum und fing wieder an auf und ab zu laufen.
„Außerdem bist du bereits länger weg.“, machte sich der Drache wieder bemerkbar. Abrupt blieb sie stehen und schaute das mystische Wesen fragend an.
„Was meinst du damit?“
„Die Zeit läuft hier anders als in deiner Welt.“, fing er an.
„Ich verstehe immer noch nicht.“ Nicht verstehend hob sie kurz seitlich die Arme zur Seite aus und stemmt sie dann in ihre Hüften.
„Ich bin jetzt ungefähr 40 Jahre wieder hier und das entspricht in eurer Zeit ungefähr 1000 Jahre.“, erklärte er.
Mac machte den Mund auf, aber kein Ton verließ ihren Mund.
„Soll … soll … heißt das ...“, fing sie an zu stottern und so langsam setzten sich die Worte in ihrem Kopf zusammen und ließen sie anfangen zu rechnen.
„Soll das heißen, wenn hier knapp 40 Jahre vergangen sind; es in meiner Welt 1000 Jahre sind?“, fragte sie jetzt ganz überrascht.
Der Drache nickte nur bestätigend.
„Das heißt … Ich bin noch nicht mal einen Tag hier und bei mir sind schon Tage oder Wochen vergangen?“
Ihre Stimme wurde am Ende hin sogar lauter. Wut baute sich in ihr auf und sie hatte das Bedürfnis irgendwo reinzuschlagen. Mit ihren Augen suchte sie ihre Umgebung ab, konnte aber nichts Passendes finden.
„Ja.“, hörte sie nur wieder diese Stimme.
„Was habe ich getan?“, fragte sie und konnte die Tränen nun endgültig nicht mehr halten. Kraftlos setzte sie sich wieder auf den großen Stein und ließ ihren Tränen freien Lauf. Der Drache beobachtete sie nur, flog aber nicht weg.
„Leider hast du zurzeit keine andere Wahl, als dich an diese Situation anzupassen.“, sprach er weiter.
„Mich der Situation anpassen?“, fing Mac an zu schreien. „Welche Situation verdammt nochmal?“ Wütend und unruhig lief sie wieder vor dem Drachen auf und ab und gestikulierte heftig mit ihren Armen.
„Das hier ist ein scheiß Alptraum.“ Wieder war ihre Stimme nicht gerade leise. „Was soll ich hier jetzt machen? Hm?“, fragte sie in die Richtung des Drachen.
„Wie wäre es erstmal die Sprache zu lernen?“, fragte er und Mac war sich nicht sicher, ob er nicht gerade lächelte.
Sie konnte bei dieser Aussage nur einen komischen Laut von sich geben.
„Es kommt jemand. Ich werde jetzt verschwinden.“, meinte der Drache und stand auf. Überrascht starrte sie ihn nur an. Sie wusste einfach nicht, was sie fühlen sollte, ob Wut, Verzweiflung Trauer. „Woher weißt du, dass jemand kommt?“, fragte sie ihn.
„Das Gehör eines Drachen ist wesentlich besser als das eines Menschen.“, klärte er sie auf und drehte sich weg. „Es wäre nett, wenn du nicht erwähnen würdest, dass du mich getroffen hast.“, meinte er weiter und breitete seine Flügel aus.
„Warte, warum?“, fragte sie neugierig nach.
„Erzähle ich dir bei unserem nächsten Treffen.“, antwortete er nur und erhob sich in die Lüfte.
„Wann treffe ich dich wieder?“, rief sie ihm hinterher.
„Spätestens wenn du das nächste Mal allein bist.“, meinte er lachend und entfernte sich immer weiter von ihr.
Mac setzte sich wieder auf den Stein und starrte gedanklich auf das Wasser. Was sollte sie jetzt bloß machen? Wenn es alles stimmen sollte, was ihr der Drache erzählt hatte, würde sie hier auf unbestimmte Zeit festhängen. Vor allem würden alle ihre Freunde und Familie älter sein oder nicht mehr am Leben, wenn sie einen Weg zurückfinden würde. Ist das die Wahrheit, was ihr der Drache alles erzählt hat? Konnte sie ihm trauen? Die anderen Menschen hier verstand sie nicht.
Was mache ich denn jetzt? Gedankenverloren starrte sie immer noch auf das Wasser. In einem hat der Drache aber recht, ich muss die Sprache lernen! Da wird mir wohl nichts anderes übrigbleiben. Ich bezweifle, dass die Menschen meine Sprache lernen, sprach sie sich gedanklich zu.
„Mac?“, hörte sie jemanden von weitem rufen. „Mac? Chael bi da?“
Sie hörte die weibliche Stimme näherkommen, hatte aber keine Lust zu antworten und schaute weiter gedankenverloren auf das Wasser.
„Mac?“ Celina kam aus den Bäumen hervor und schaute sich am Flussufer um. Sie fand die fremde Frau traurig auf einen Stein sitzend vor, ging auf sie zu und stellte sich daneben, aber Mac reagierte gar nicht auf sie.
„Kolon wae da?“, fragte sie sie.
Eine Träne lief Macs Wange herunter, welche sie schnell wegwischte und schniefte. Celina legte eine Hand auf ihre Schulter.
„Kolon wae da?“, fragte sie wieder und schaute sie traurig an. Sie konnte sich gar nicht vorstellen, wie es sein musste so allein zu sein. Die fremde Frau sprach noch nicht einmal ihre Sprache. Würde sie diese überhaupt lernen wollen? Woher kam sie überhaupt? Ihre Kleidung war komplett anders als alles was sie bisher gesehen hatte, auch ihr Verhalten und die Sprache.
„Mac?“, versuchte Celina ihre Aufmerksamkeit zu erhalten.
Mac schaute sie an und versuchte zu lächeln. Was sollte sie denn jetzt sagen? Sie konnte doch gar nicht die Sprache?
„Chon la wan?“, fragte Celina sie wieder und Mac musste sie mal wieder fragend angucken. Jetzt musste Celina sich kurz überlegen, wie sie ihre Fragen erklären sollte.
Mit ihrer Hand zeigte sie in die Ferne und stellte wieder die Frage „Chon la wan?“ und zeigte dann auf Mac.
„Weit weg.“, antwortete Mac und schaute traurig in die Ferne.
„Bala.“, meinte Celina und stand auf. Sie ging wieder in Richtung des Weges, auf dem sie auch schon gekommen war. Mac stand auch auf und hatte sie schnell eingeholt.
„We gaz aene viest to da.“, sprach Celina weiter.
„Viest?“, fragte Mac auch schon.
Celina überlegte wieder kurz, wie sie das Wort erklären sollte und führte ihre Finger zum Mund und tat so als wenn sie essen würde und sie fing an zu tanzen.
„Ein Fest?“, fragte die Neuangekommene und lächelte sogar leicht.
Schweigsam gingen sie zum Dorf zurück. In Macs Augenwinkel erregte etwas blitzendes ihre Aufmerksamkeit. Zwischen den Bäumen hindurch erblickte sie einen großen Kristall, welcher zum großen Teil von einem grünen Zeug umhüllt war. Eine Berührung an ihrer Schulter ließ sie den Blick abwenden und in Celinas Gesicht schauen. Kurz huschte ihr Blick wieder an die Außenseite ihres Unterschenkels. Sollte das alles wirklich zusammenhängen?
„Ma da caest Avalon.“, Celina schaute auch in die Richtung des Kristalls. „Doer cheas.“, sprach sie weiter und schüttelte sich etwas.
Fragend schaute Mac sie an.
„Doer cheas?“, wiederholte sie, da sie sich nicht ganz sicher war, was dieser Satz bedeuten sollte.
Celina überlegte kurz und hob ihre Hände so, dass es aussah, sie würde jemanden erschrecken wollen und sagte „Buh.“ und sah, dass die junge Frau es verstanden hat.
„Ah, da spuckt es.“, wiederholte Mac und schaute wieder fasziniert zum Kristall.
„Bala.“, meinte Celina und zog sie schon mehr in die Richtung des Dorfes.
Mac folgte ihr wieder schweigend und war mit ihren Gedanken bei dem Kristall. Sie konnte es sich nicht erklären, aber irgendetwas magisches hatte dieser an sich und sie nahm sich vor, sich dort demnächst mal umzusehen. Egal, ob es dort spuckte oder nicht. Sie glaubt sowieso nicht an so etwas.
Ein reges Treiben war im Gange, als die beiden Frauen das Dorf wieder betraten. In der Dorfmitte wurde viel Holz gestapelt, andere stellten Tische und Stühle auf, an einigen Stellen wurde Essen aufgestellt. Mac konnte beim Vorbeigehen in einige Hütten gucken, da die Türen offenstanden und sah, dass alle irgendwelche Vorbereitungen für das Fest machten.
„Taek sit.“, meinte eine andere Frau zu Mac und deutete mit der Hand auf einen der Stühle.
„I da Carla.“, stellte sie sich vor.
„Mac.“, antwortete sie und reichte ihr die Hand.
Erst schaute Carla sie an, ergriff sie aber. Beide Frauen lächelten sich an und schon ging Carla wieder irgendwelcher Arbeit nach. Sie schaute sich um und sah Celina bei Tom stehen, die sich angeregt unterhielten. Selbst von der Entfernung konnte sie erkennen, dass die beiden mehr füreinander empfanden. Kopfschüttelnd und lächelnd setzte sie sich auf einen der Stühle und beobachtete das ganze Treiben. Irgendwie war es ihr unangenehm, alle hatten etwas zu tun und wuselten um sie herum und sie saß hier einfach nur rum. Eine Art von Ball rollte vor ihre Füße. Zwei Kinder standen vor ihr und schauten sie fragend an. Sie hob den Ball auf und reichte ihn den beiden Jungs. Schüchtern ergriff einer der Jungs den Ball und lächelte sie dankend an.
„Arigat.“, sagte der Junge und er rannte mit seinem Freund wieder zu den anderen Kindern.
„Arigat?“, fragte sich Mac. „Klingt ja fast japanisch mit Arigato als Danke.“
Sie hörte immer mal wieder irgendwelche Ansätze von Sprachen aus ihrer Welt heraus. Japanisch, Englisch und Gälisch hatte sie auch bereits etwas herausgehört.
Wie konnten sich so viele unterschiedliche Sprachen hier miteinander verbinden?, fragte sie sich.
Einer der Männer holte eine angezündete Kerze aus einem Haus und startete das Feuer in der Mitte des Dorfes. Erst waren es nur Kleinhölzer und dann kamen immer größere Holzstücke in das Feuer und es wurde immer höher. Aus allen Himmelsrichtungen kamen immer mehr Leute ins Dorf. Anscheinend lebten auch welche außerhalb des Dorfes. Viele der Menschen, die nicht direkt im Dorf wohnten, kamen auf Mac zu und reichten ihr Sachen in Tüchern gewickelt. Sie hatte den Gedanken, dass die Leute sich Respektvoll vor ihr hinstellten, ihr die Sache übergaben und kurz den Kopf senkten. Bei dieser Art von Begrüßung kam sie sich wieder vor, als wenn sie sich in ihrem alten Dojo aufhielt, wo man dieses ebenfalls gemacht hat.
Sie war inzwischen aufgestanden, nahm die Sachen an und nickte freundlich zurück. Die Sachen wurden ihr von Celina abgenommen und auf den Tisch hinter ihnen gestellt. Von irgendwoher hörte Mac ein Wort, welches sie nachdenklich machte.
„...Chochu ...“, hörte sie nur und sah nachdenklich zu Celina. Im japanischen bedeutet es Audienz. Sie sah die Schlange der Menschen entlang, alle hatten etwas dabei. Ihr Blick folgte den Sachen, die sie bereits angenommen hatte und jetzt erst fiel ihr auf, dass das alles hier wirklich einer Audienz gleichkam. Man kam zu ihr, übergab ihr etwas, sie reichte es weiter und dieses wurde auf einen Tisch in der Nähe abgestellt. Sie schaute in die Augen einiger Menschen und sah dort etwas wie Stolz und Hoffnung. Was ging hier vor? Man richtete das Fest ihr zu Ehren aus. Die Leute kamen und brachten ihr Geschenke. Jetzt wünschte sie sich der Drache wäre hier und würde ihr die ganze Situation erklären. Sie nahm sich vor, ihn spätestens bei ihrem nächsten Treffen zu fragen.
Nachdem alle Sachen übergeben worden sind, suchten sich alle einen Platz und setzten sich. Aus einigen Häusern wurde noch mehr Essen und auch Getränke herausgebracht. Alle unterhielten sich angeregt und lachten. Mac saß in der Mitte von Tom und Celina. Tom erhob sich und griff nach seinem Becher.
„We abraz Mac on Avalon. Kre wan fon de unoen woel. Kre baen wah haepn on Avalon. Kre da saevy. Waercre Mac on Avalon.“, hielt Tom seine Rede und erhob den Becher. Alle hoben ebenfalls ihren Becher und sprachen „Waercre on Avalon.“
Mac nickte einfach in die Runde, leider hatte sie kaum ein Wort davon verstanden. Alle setzten sich und sahen sie erwartungsvoll an. Mac erhob sich und hob ihren Becher nochmals hoch.
„Arigat.“, brachte sie einfach nur heraus, nahm einen Schluck und setzte sich wieder. Es war zum Glück nur Wasser im Becher.
Tom erhob sich wieder und sprach „Eanyo.“
Er hielt Mac eine Platte mit Fleisch hin und sie griff sich etwas davon. Erst nachdem sie fertig war sich etwas auf den Teller zu packen, griffen alle anderen zu. Kurz runzelte sie die Stirn, das wurde alles immer komischer. Sie bekam das Gefühl, dass es hier um wesentlich mehr ging als es den Anschein hatte. Man benahm sich ihr gegenüber als wäre sie ein Staatsoberhaupt oder so etwas. Ihr Magen machte sich bemerkbar und hatte zum jetzigen Zeitpunkt keine Lust sich noch weiter Kopf darum zu machen. Sie hatte einfach nur Hunger.
Das Fleisch war zäh und nicht gewürzt. Sie konnte auch kein Salz und Pfeffer auf den Tischen sehen, aber der Hunger trieb es in ihren Magen rein.
Celina hielt ihr eine Karaffe hin und Mac deutete ihr an, dass sie ruhig nachschenken sollte. Als sie einen Schluck nahm, musste sie davon husten. Das war definitiv kein Wasser, sondern etwas Alkoholisches und das hatte es wirklich in sich. Celina lachte richtig und schlug ihr auf den Rücken. Mac hob die Hand und deutete an, dass es genug ist.
Alle aßen und tranken und nach dem Essen wurde getanzt und gesunken. Es war eine reine Party, auch wenn Mac kein Wort verstand, aber sie amüsierte sich.
Es war bereits dunkel und der Mond stand hoch am Himmel als sich Mac und Celina zurückzogen. Sie spürte sogar die Wirkung des Alkohols und hoffte, dass der Kater am nächsten Morgen nicht zu extrem wäre. Alles drehte sich bei ihr, etwas was sie am meisten hasste, aber die Müdigkeit überrannte sie zum Glück sehr schnell.
Alles drehte sich und ihr Kopf pochte gewaltig.
„Autsch.“, kam es mühsam von Mac und verzweifelt kniff sie ihre Augen zusammen.
Es war im Haus sehr ruhig, aber die Sonne schien bereits hinein. So sehr sie auch am liebsten liegen geblieben wäre, aber leider machte ihr Körper da einen Strich durch die Rechnung. Vorsichtig stand sie auf und sah Celina noch im Bett liegen. Die Sonne tat in ihren Augen weh, als sie nach draußen ging. Die ersten waren schon wieder wach und gingen ihrer Arbeit nach. Vollkommen verschlafen führte ihr Weg sie Richtung Toilette.
Irgendetwas hat sich hier geändert.
Wenn ihr jemand entgegenkam oder sie vorbei ging, blieb derjenige stehen und verbeugte sich vor ihr. Sie war allerdings noch nicht so ganz wach und konnte mit der Geste nicht wirklich etwas anfangen.
Als sie wieder ins Haus kam, war Celina bereits aufgestanden und trank gerade einen Schluck. Genussvoll stöhnte sie auf. Sie schien wohl genauso einen dicken Schädel zu haben wie sie selbst.
„Hast du auch solche Kopfschmerzen?“, fragte sie Celina verschlafen und zeigte mit ihrem Kopf auf ihren Kopf und machte ein schmerzverzehrtes Gesicht.
„Ya, I smaerz golo.“, meinte sie und rieb sich die Schläfen.
Celina hielt ihr ein Becher mit Wasser entgegen, welches sie sofort leerte.
„Ah, tat das gut.“, meinte sie erleichtert.
Celina ging aus dem Haus, kam nach ein paar Minuten wieder. Währenddessen hatte Mac die Schlafsachen zusammengelegt und sich schon Wasser in die Waschschüssel gekippt. Als Celina wieder das Haus betrat, blieb sie überrascht stehen und schaute ihren Gast an. Sie stand oben ohne vor der Waschschüssel und hatte ein eigenartiges Stück Stoff an.
„Whaek da?“, fragte sie die junge Frau.
Mac schaute sie überrascht an und trocknete sich gerade mit einem Stück Tuch das Gesicht trocken, als sie sich zu ihr umdrehte.
„Was meinst du?“, fragte sie sie nicht verstehend und Celina schien sie zu verstehen.
Sie ging auf sie zu und berührte die Träger des Bustiers. Mac folgte ihrer Bewegung.
„Das ist ein Bustier.“, sprach sie zu Celina.
„Bustier.“, wiederholte Celina und begutachtete das Ding interessiert.
„Willst du mir jetzt weiter auf die Brüste gucken?“, fragte Mac sie belustigt, was ihr gegenüber aus der Starre befreite und zog wieder ihr Oberteil an und zusammen verließen die beiden Frauen das Haus.
„Ich gehe wieder zum Wasser herunter.“, meinte Mac zu ihrer Gastgeberin und zeigte mit ihrer Hand in Richtung des Flusses. Celina nickte nur und ging in die entgegengesetzte Richtung.
Wieder fiel Mac auf, dass die Menschen ihr Platz machten und sich verbeugten. Sie kam sich vor, als wenn sie in Japan wäre mit den ganzen Verbeugungen. Innerlich fragte sie sich wieder, was das zu bedeuten hatte? Bereits seitdem sie auf Avalon angekommen war, benahm man sich ihr gegenüber respektvoll. Kurz vor dem Fluss blieb sie stehen und schaute durch die Bäume in Richtung des großen Kristalls.
„Der Kristallpalast gehörte den alten Herrschern von Avalon.“, hörte sie eine ihr bekannte Stimme und drehte sich in Richtung des Drachen. Sie ging schweigend auf ihn zu, während er es sich bereits wieder auf den Steinufer bequem gemacht hatte. Nachdenklich setzte sie sich auf den großen Stein.
„Was ist los? Du schaust so nachdenklich? War das Fest gestern so hart?“, fragte der Drache.
„Ja, das auch.“, meinte sie schmunzelnd, „Aber irgendetwas ist anders.“, erweiterte sie ihre Antwort.
„Was meinst du?“
„Ich weiß auch nicht.“ Tief atmete Mac durch. „Was bedeutet das Wort *haepn*?“
„Es bedeutet Hoffnung.“, erklärte er.
„Und *saevy*?“
„Es steht für Retter oder auch Saviour.“, erläuterte er weiter.
Mac hielt sich ihre Hände vor den Mund und schüttelte den Kopf. Der Drache beobachtete sie nur und wartete darauf, dass die junge Frau von sich aus etwas sagte.
„Tom hielt gestern eine kleine Rede vor den Dorfbewohnern und als er auf mich deutete sagte er unter anderem diese beiden Wörter. Was soll das denn heißen? Ich wäre Hoffnung und Retter?“, fragte sie nicht verstehend und schaute ihn fragend an.
„Du weißt vieles nicht über die Menschen hier. Sie haben sehr viel Leid zu ertragen.“, fing der Drache an zu erzählen.
„Was für Leid? Die Dorfbewohner sehen sehr glücklich aus.“, fügte Mac hinzu.
„Der Schein trügt dich, Mac.“, sprach er ruhig weiter und sie schaute ihm in seine ozeanblauen Augen. Auch diese Augen zeigten neben Weisheit Schmerz.
„Das ist unfair.“, schmunzelte sie. „Du kennst meinen Namen, aber ich deinen nicht.“ Versuchte sie das Thema zu wechseln.
Auch auf dem Gesicht des mystischen Wesens bildete sich ein Lächeln.
„Meinen Drachennamen könntest du niemals aussprechen.“ Und lachte dabei, was bei der jungen Frau ein angenehmes Kribbeln im Körper auslöste und auch sie musste wieder lächeln.
„Wie soll ich dich denn nennen?“
„Hm … ich bin ein Drache. Wenn es für dich einfacher ist, dann nenne mich doch einfach Drache.“
Mac konnte nur die Augenbrauen hochziehen. Sie schaute zum Himmel hoch.
„Drache klingt blöd.“, meinte sie. „Wie wäre es mit Draco?“, fragte sie ihn.
Jetzt schaute der Drache belustigt zu ihr rüber.
„Drache gefällt dir nicht und nun willst du mich Drache in einer anderen Sprache nennen?“, sprach er schon weiter. Mac konnte nur resigniert die Schultern heben.
„Oh, jemand mit einem guten Wissen, aber du hast recht, das klingt auch nicht gut.“, gab sie nach.
„Nein, es würde mich freuen nach dem Sternenbild meiner Vorfahren genannt zu werden.“, gab er Stolz von sich und flüsterte nochmals den Namen. „Draco.“
„Du hattest bei unserem letzten Treffen etwas erwähnt, dass es Probleme zwischen den Drachen und den Menschen gibt. Was sind das für welche?“
Vielleicht bekam sie so ja endlich mal eine Antwort auf ihre ganzen Fragen und verstand was auf Avalon überhaupt los war.
„In dem Palast lebten früher die Herrscher von Avalon.“, fing er an.
„Wie lange ist das her? Der Kristall sieht ja schon ziemlich zerfallen aus.“, unterbrach sie ihn.
„Ungefähr 40 Jahre, also die Zeit Avalons und nicht die aus deiner Welt. Das dürften ungefähr 1000 Jahre her sein.“, meinte Draco nachdenklich.
„Was ist passiert?“ Die Neugier hatte Mac gepackt und Draco fing wieder an zu lachen.
„Die Menschen und die Drachen lebten einst gemeinsam und in Frieden auf Avalon, genauso wie alle anderen magischen Wesen, die hier leben oder lebten.“, erzählte er.
„Wie? Es gibt noch mehr magische Wesen?“
„Ja. Es gibt sehr viele magische Wesen. Gibt es die nicht mehr in deiner Welt?“, fragte er neugierig nach.
„Nein, zumindest habe ich noch nie welche gesehen. Einige Menschen glauben aber noch daran.“, erklärte sie ihm.
„Welches Jahrhundert habt ihr bei euch eigentlich?“, wollte Draco wissen.
„Wir sind jetzt im 21. Jahrhundert. Es ist … nein, war … das Jahr 2019 als ich dort lebte.“
Ihre Stimme wurde zum Ende hin leiser und trauriger. Nach einer kurzen Pause wollte Mac aber weiter alles von der Insel Avalon erfahren.
„Erzähle bitte weiter. Was ist hier passiert?“
„Vor ungefähr 40 Jahren starb die Königin von Avalon bei einem Unfall. Dieses hat den König gebrochen. Er starb ungefähr fünf Jahre nach seiner Frau. Sie haben die Insel immer in Frieden und Gleichheit regiert. Es war schön hier zu leben. Wir lebten hier in Harmonie miteinander. Der Prinz übernahm den Thron.“, erzählte Draco ihr die Geschichte von Avalon und machte eine Pause.
Mac wurde ungeduldig, weil der Drache nicht sofort weitererzählte.
„Was ist dann passiert?“
Draco musste lachen und wieder einmal ging es ihr durch den ganzen Körper.
„Nach der Krönung regierte der Prinz wie seine Eltern. Er zog jedoch in einen anderen Palast und der Kristallpalast wurde nur noch ab und zu genutzt. Vor ungefähr 33 Jahren tauchte hier ein fremder Mann auf. Er war ein Ritter, ein Lord, wie er selbst sagte und kam aus deiner Welt.“, erzählte er weiter.
„Wie? Er kam aus meiner Welt? Wie ist er denn hierhergekommen?“, wollte sie wissen.
„Genauso wie du, mit einem Zauberspruch. Anders kannst du Avalon nicht erreichen.“, äußerte er weiter. „Zumindest erarbeitete er sich die Gunst des jungen Königs und wurde innerhalb von drei Jahren der Berater. Kurz danach fing der König an sich zu verändern. Er wurde vergesslich und auch seinen Untertanen immer mal wieder aggressiv gegenüber. Der Lord hatte immer mehr die Amtsgeschäfte übernommen.“
„Ist schon eigenartig.“, gab Mac nachdenklich von sich.
„Ja, das dachten auch einige, vor allem die Leibgarde des Königs. Als der Lord das mitbekam, löste er die Leibgarde auf. Der König bekam gar nichts mehr davon mit. Kurz danach starb der König, aber vorher hatte der Lord das alles so geregelt, dass er die Amtsgeschäfte komplett führte. Nach dem Tod des Königs setzte er sich auf den Thron. Das ist jetzt ungefähr 28 Jahre her.“ Traurigkeit war in der Stimme des Drachen zu hören. Kurz musste er seine Augen schließen, um sich selbst innerlich zu sammeln.
„Er hat Chaos angerichtet, oder?“, fragte sie vorsichtig nach.
„Ja. Er trichterte allen Lebewesen negative Gedanken ein. Seitdem haben alle Wesen nichts mehr miteinander zu tun. Die Menschen hat es am meisten getroffen. Sie müssen für ihn arbeiten und horrende Abgaben entrichten. Meistens haben sie nicht einmal genug zu essen, um selbst über die Runden zu kommen.“, sprach er weiter.
„Aber warum lehnen sich die Menschen nicht gegen ihn auf und stoppen das alles?“
„Weil sie Angst haben und weil sie nicht mehr wissen, was Freiheit ist.“
Einen Augenblick schwiegen beide und waren in ihren eigenen Gedanken versunken.
„Was hat das alles mit mir zu tun? Warum nannte mich Tom Saviour?“, kam sie wieder auf das eigentliche Thema zurück.
„Es gibt eine Prophezeiung …“, fing er an. Bereits bei dem Wort unterbrach sie ihn. „Prophezeiung?“, schrie sie schon mehr und setzte sich schon mehr aufrecht auf den Stein, was sie fast aus dem Gleichgewicht brachte.
„Die Menschen glaubten am Anfang, dass die Prophezeiung auf den Lord bezogen war, aber nachdem was alles vorgefallen ist …“
Er sprach den Satz nicht zu Ende, denn sie konnte sich auch so denken, was er ihr sagen wollte.
„Und was erwarten die Menschen jetzt von mir? Soll ich die Welt retten, oder was?“, fragte sie sichtlich überfordert und genervt.
„So in der Art.“, meinte er belustigt. „Die Prophezeiung besagt, dass ein Reisender aus der anderen Welt den Weg nach Avalon findet. Dieser Reisende wird sich den Respekt, die Achtung und die Loyalität der Bewohner sichern und auch die Bewohner immer so behandeln und beschützen. Der Reisende wird das Böse aufhalten und verbannen. Wenn dieses geschehen ist, wird der Reisende über das Volk von Avalon herrschen und beschützen. Alle Wesen werden wieder untereinander vereint werden.“
Ungläubig starrte sie ihn an und war bereits bei den ersten Worten aufgestanden. Unruhig lief sie vor dem Drachen hin und her. Dieser beobachtete sie nur.
„Das ist doch verrückt.“, meinte sie mehr zu sich selbst.
Der Drache antwortete erst gar nicht, denn er merkte, dass sie diesen Augenblick für sich selbst brauchte.
„Ich … ich war immer unsichtbar … und darin bin ich gut. Keiner hat sich immer mit mir unterhalten. Keiner hat mich gesehen. Das ist es, was ich kann. Ich … Ich bin kein Retter … geschweige denn jemand, der führen kann. Da kann es sich nur um eine Verwechslung halten.“ Immer noch lief sie auf und ab. „Du irrst dich!“, schrie sie ihn an und verschwand wieder in Richtung des Dorfes.
Kopfschüttelnd schaute der Drache ihr hinterher. „Es steckt mehr in dir als du denkst, Mac.“, flüsterte er leise und flog wieder weg.
Mac war immer noch aufgebracht als sie das Dorf wieder betrat. Zielstrebig ging sie an den Menschen vorbei und direkt in Celinas Haus. Laut knallte sie die Tür zu und für ein paar Sekunden setzte sie sich auf die Sitzgelegenheit, wo sie auch schlief, konnte aber nicht lange sitzen bleiben und lief unruhig auf und ab.
Schnellen Schrittes betrat Celina ihr Haus.
„Whaek hap?“, fragte sie ihren Gast.
Sie schien gar nicht mitbekommen zu haben, das Celina gekommen war. Wütend schaute Mac zu Celina rüber.
„Ich bin KEINE Saevy.“, schrie sie ihr entgegen und gestikulierte wild mit ihren Händen herum und betonte mit Absicht das Wort kein.
Celina schaute sie entgeistert an.
„Ya, da bi.“
Celina hatte nur eine Ahnung was die junge Frau ihr gegenüber meinte, aber sie gebrauchte das Wort Saevy, also schien sie von der Prophezeiung zu wissen oder es irgendwie erfahren zu haben. Wobei sie sich gerade fragte, wie und woher, da sie ihre Sprache gar nicht sprach. Zumindest schien es Mac nicht zu gefallen oder sie schien damit überfordert zu sein.
„Mac, da bi mer haepn. Da kommer saevty.“, sprach Celina auf sie ein.
„Nein, ganz sicher nicht ich.“, schrie sie aufgebracht und deutete auf sich selbst. Kopfschüttelnd wollte sie an ihrer Gastgeberin vorbeigehen, jedoch griff Celina sie an ihrem Handgelenk und wollte sie am Gehen hindern. Mac riss sich los und als sie draußen war, sah sie, dass einige Leute stehen geblieben waren und die laute Unterhaltung mitgehört hatten.
„Ich bin nicht euer Saevy!“, schrie sie diesmal den Leuten zu und ging wieder in Richtung des Flusses. Als Mac wegging, stand Celina in der Tür und schaute traurig zu ihren Freunden. Sie brauchte nichts zu sagen, denn alle hatten es mitbekommen.
„Gaz we ceva timp.“, meinte sie nur und ging wieder in ihr Haus.
Mac lief aufgebracht in Richtung Fluss. Als sie dort ankam, war der Drache wieder weg und sie stand allein da. Ohne dass sie es sich bewusst war, ging sie in Richtung des Schlosses. Innerlich war sie einfach unruhig.
Ich muss einen Weg weg von hier finden. Ich bin keine Retterin oder Hoffnungsträger. Ich will wieder nach Hause., ging es ihr durch den Kopf.
Die ganze Zeit lief sie einen Pfad im Wald und betrat auf einmal eine Lichtung. Sie hörte Flügelschläge und schaute in den Himmel. Der Drache war wieder da und landete direkt vor ihr auf der Lichtung.
„Bist du sicher, dass du zum Schloss willst?“, fragte er sie und deutete mit einem Kopfnicken dorthin.
Irritiert schaute sie sich um und wurde sich ihrer Umgebung bewusst.
„Mir ist gar nicht aufgefallen, wo ich hingehe.“, bemerkte sie erschöpft. Schwerfällig ließ sie sich in das Gras fallen. Beide schwiegen und Draco machte es sich auch auf dem Gras gemütlich.
„Ich will nach Hause.“ Tränen standen ihr in den Augen. „Ich habe hier nichts zu suchen.“
Er schaute sie nur an.
„Das sollte hier doch alles nicht passieren. Es war doch nur ein Scherz als ich diesen Spruch gesprochen hatte.“
Er hörte ganz genau ihre Verzweiflung heraus, hatte aber gerade gar keine Ahnung wie er ihr helfen sollte und konnte.
„Es ändert aber nichts an der ganzen Situation. Du bist hier.“, versuchte er sie aufzubauen.
Mac griff sich an den Arm und kniff ganz doll zu. „Aua.“, sprach sie leise. Fragend schaute er sie an.
„Was sollte das?“ Ein leichtes Schmunzeln konnte er sich nicht verkneifen.
„Ich dachte, dass es nur ein Traum wäre und wenn ich mich kneife, dann wache ich wieder auf.“, erklärte sie ihm. „Kannst du mich bitte allein lassen?“, bat sie ihn.
Kurz beschaute er die junge Frau.
„Nein, denn ich weiß nicht, was du vorhast.“, erklärte er sich sofort.
Wütend stand Mac auf und ging um den Drachen herum in Richtung des Kristallpalastes. Er warf ihr einen fragenden Blick über die Schulter zu, erhob sich und drehte sich zu ihr um.
„Bist du dir sicher, dass du zum Palast willst?“, fragte er sie wieder.
„Ich weiß nicht, wo ich hin will! Ich will einfach nur noch weg von hier.“, schrie sie ihn an. „Und Celina hatte mir schon erzählt, dass es dort spucken soll.“, redete sie gleich weiter, aber etwas ruhiger.
„Spucken?“, kam es lachend von Draco. „Ja, so kann man es auch nennen, wenn man es nicht besser weiß.“, kam es gleich weiter von ihm.
„Was heißt das jetzt schon wieder?“, kam es genervt von ihr.
„Dieser Kristallpalast wurde mit Magie erbaut.“
Er sah ihr fragendes Gesicht und das sie es nicht verstand.
„Es spuckt dort nicht. Dort sind keine Geister, aber es gibt dort Räume, die ein Eigenleben haben.“
„Bitte was? Ein Eigenleben? Was soll das denn heißen?“
„Das was es heißt. Du wirst es sehen und merken, wenn du da bist. Alles wurde damals in einen magischen Schlaf versetzt. Dieser soll aufgehoben werden, wenn der Saevy die Hallen des Palastes betritt.“, intensiv schaute er ihr dabei in die Augen. Wieder breitete sich Panik in ihr aus.
Ihr Blick ging wieder zum Palast. Sollte sie dort hingehen? Vielleicht würde sich dann das Ganze mit dem Retter erledigen, wenn dieser Palast nicht aus seinem magischen Schlaf aufwachen würde?
„Das ist doch verrückt.“, meinte sie und ging, ohne den Drachen weiter zu beachten, in Richtung des Flusses. Sie hörte wie Draco sich in die Lüfte erhob. Auf halbem Weg zum Fluss war ein verzweifeltes Kindergeschrei zu hören.
„Aju.
