6,99 €
Denken Sie bitte einmal an die schrecklichsten Handschläge, die Sie bisher erdulden mussten. Fällt Ihnen da etwas ein? Bestimmt! Was genau machte diese Handschläge so schlimm? Hatten Sie danach ein taubes oder kribbelndes Gefühl in der Hand, weil Ihr Gegenüber so stark gedrückt hatte, dass sämtliches Blut verdrängt wurde? Dann hatten Sie es mit einem "Schraubstock" zu tun. Oder mussten Sie befürchten, die Hand des Gegenübers bald selbst in der Hand zu halten, weil der Eindruck entstand, dass keinerlei Spannung beim Anderen vorhanden war? Das wäre dann die Kategorie "toter Fisch". Aber natürlich gibt es noch mehr, was beim Handschlag alles schief gehen kann. Und es gibt auch Mittel und Wege, um möglichst glimpflich aus unangenehmen Handschlag-Situationen zu entkommen. Dieses Buch ist also zugleich Warnung und Anleitung für alle, die ebenfalls vermuten, dass der Handschlag in der Pandemie zwar totgesagt wurde, aber doch noch etwas länger leben wird.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 47
Veröffentlichungsjahr: 2021
für Kate
Die Geste des Handschlags
in Zeiten der Pandemie, danach und auch ein bisschen davor
Alex Handmann
© 2021 Alex Handmann
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN:
978-3-347-37130-9 (Paperback)
978-3-347-37131-6 (Hardcover)
978-3-347-37132-3 (e-Book)
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Inhalt
Was Sie in diesem Buch erwartet
Händeschütteln in der Pandemie und danach
Retrospektive zum Handschlag
Funktionen des Handschlags
Handschlagtypen
Handschlagtyp I: Der Grüßonkel
Handschlagtyp II: Der Schraubstock
Handschlagtyp III: Der tote Fisch
Handschlagtyp IV: Der NLPler
Der angenehme Handschlag
Unterschiede im Handschlag bei Männern und Frauen
Der unangenehme Handschlag
Die Schweißhand
Die eiskalte Hand
Die unsaubere Hand
Die kranke Hand
Handhygiene
Alternativen zum Handschlag
Subkulturelle Besonderheiten
Begrüßung größerer Gruppen
Kontaktlose Begrüßungen
Drumherum um die Hand
Blickrichtung
Körpersprache
Wortwahl
Maniküre
Handschuhe
Muss das sein?
Quellen
Was Sie in diesem Buch erwartet
Denken Sie bitte einmal an die schrecklichsten Handschläge, die Sie bisher erdulden mussten. Fällt Ihnen da etwas ein? Bestimmt! Was genau machte diese Handschläge so schlimm? Hatten Sie danach ein taubes oder kribbelndes Gefühl in der Hand, weil Ihr Gegenüber so stark gedrückt hatte, dass sämtliches Blut verdrängt wurde? Dann hatten Sie es mit einem “Schraubstock” zu tun. Oder mussten Sie befürchten, die Hand des Gegenübers bald selbst in der Hand zu halten, weil der Eindruck entstand, dass keinerlei Spannung beim Anderen vorhanden war? Das wäre dann die Kategorie “toter Fisch”.
Aber natürlich gibt es noch mehr, was beim Handschlag alles schief gehen kann. Und es gibt auch Mittel und Wege, um möglichst glimpflich aus unangenehmen Handschlag-Situationen zu entkommen. Dieses Buch ist also zugleich Warnung und Anleitung für alle, die ebenfalls vermuten, dass der Handschlag in der Pandemie zwar totgesagt wurde, aber doch noch etwas länger leben wird.
Händeschütteln in der Pandemie und danach
Das Jahr 2020 war in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Vorher selten hinterfragte Umgangsformen mussten plötzlich verändert, ersetzt oder weggelassen werden, der zwischenmenschliche Kontakt war pandemiebedingt nur noch unter unterschiedlichen Auflagen möglich. Als eine der ersten Maßnahmen auf private Initiative hin wurde in vielen Bereichen der Wirtschaft freiwillig auf das Händeschütteln zur Begrüßung und Verabschiedung verzichtet. Statt dessen wurde mit erhobener Hand gegrüßt oder sich freundlich zugenickt.
Die Kampagne „Höflich ohne Hände“ beispielshalber wurde erneut relevant, nachdem sie bereits 2009 von einem deutschen Unternehmen ins Leben gerufen worden war. Sie hatte damals das Ziel, die mit der grassierenden „Schweinegrippe“ verbundene Ansteckungsgefahr zu verringern und erlebte während der neuen Pandemie ein Revival. Auch die Seite “no-hands.de” wirbt nicht erst seit 2020 dafür, statt des Handschlags doch lieber ein freundliches Lächeln zur Begrüßung einzusetzen.
Anders als zu Zeiten der Schweinegrippe, vermutlich, weil sie nicht ganz so gefährlich war, stand das Thema zwischenmenschlicher Kontakt und Umgangsformen wesentlich stärker im Fokus der Politik und Medien. Es gab die explizite Anweisung, sich anderen Menschen nicht näher als 1,5 Meter zu nähern und allen nicht zwingend nötigen Körperkontakt zu vermeiden. Das heißt, ärztliche Untersuchungen beispielshalber waren zwar noch möglich, auf das Händeschütteln zu Beginn der Untersuchung wurde jedoch verzichtet.
Einigen Menschen kam die neue Vorsicht sicherlich gelegen. So hatten die Maßnahmen zur Eindämmung des neuartigen Coronaviruses auch einen Rückgang anderer Infektionskrankheiten zur Folge. Aus medizinischer bzw. hygienischer Sicht ist es also, und war es auch schon immer, wenig sinnvoll, sich gegenseitig (auch fremden Personen mit denen man sonst keinen Körperkontakt hat) die Hände zu schütteln.
Dennoch war es bis vor wenigen Monaten ein wenig hinterfragtes Begrüßungsritual, das in beinahe jeder sozialen Situation zu Begrüßung und Abschied Anwendung fand. Im Gegenteil, ein Verweigern des Handschlags hätte einen Affront bedeutet - eine ausgestreckte Hand zu ignorieren hätte als grob unhöflich gegolten.
Wie sich nach erfolgreicher Eindämmung der Pandemie das Thema Handschlag entwickeln wird, ist offen. Es wäre allerdings vorstellbar, dass in Zukunft in vielen Alltagssituationen bei Begrüßung und Verabschiedung aus der neuen Gewohnheit heraus auf das Handgeben verzichtet werden wird.
An seine Stelle wird ein höfliches Klopfen auf den Tisch, das bereits angesprochene Lächeln oder Zunicken oder auch Winken treten. In intimeren Situationen, bei Begrüßung und Verabschiedung im Familienoder Freundeskreis wird sich vermutlich wieder die gleiche Gewohnheit wie vor der Pandemie einstellen - häufig werden es hier Umarmungen und vielleicht Küsschen sein. Diese Zuneigungsbekundungen nehmen zwar ein erhöhtes Infektionsrisiko in Kauf, sind aber auf einen kleinen Personenkreis beschränkt und auf Grund der sozialen Funktion außerhalb der Pandemie kaum wegzudenken.
In weniger alltäglichen Situationen aber, in denen der Handschlag traditionell Bedeutung über die reine Begrüßung hinaus erlangt, wird er wohl in jedem Fall Bestand haben. Beim Vertragsschluss, der Gratulation oder beim Kennenlernen dient der Handschlag zur Bekräftigung der Vereinbarung, der Versicherung des Wohlwollens oder auch des gegenseitigen Abschätzens. Diese Funktionen sind so alt, dass sie nur schwerlich durch ein paar Monate erzwungene Distanz außer Kraft gesetzt werden können. Gesten des Händereichens sind durch Reliefs bereits aus der Antike bekannt und stehen so bereits jahrtausendelang für friedliche Vereinbarungen.
Selbst während der Pandemie wurden in Deutschland Vereidigungen, zum Beispiel von neuen Bürgermeistern, weiterhin mit Handschlag vorgenommen. Auch die Symbolkraft des Händeschüttelns in der Politik und im Sport ist zu mächtig, um zukünftig auf sie verzichten zu wollen. Wer sich die Hände reicht, ist auch zu Verhandlungen bereit, oder zu einem neuen Match. Auch bei
