Die heiligen Narren - Miguel Delibes - E-Book
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Die heiligen Narren E-Book

Miguel Delibes

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Beschreibung

Mit literarischer Wucht zeichnet Miguel Delibes ein differenziertes Bild vom Leben unter dem Franco-Regime, das die scheinbare Unabänderlichkeit der sozialen Ordnung ad absurdum führt. Zum Helden wird ausgerechnet Azarías, ein Sonderling, dessen ganze Liebe einer Dohle gehört, die er vor dem Hungertod gerettet hat. Denn als eines Tages der junge Gutsbesitzer aus Wut über eine misslungene Jagd das Gewehr auf den Vogel des Untergebenen richtet, reagiert der sonst so friedliche Azarías unerwartet …

Eine allgemeingültige Geschichte über Unterdrückung – und darüber, dass Befreiung nicht nur nötig, sondern möglich ist.

»Ein Buch, in dem die unmittelbar vorhergehende, die Gegenwart noch immer tangierende Vergangenheit erblickt werden kann.« NZZ



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Seitenzahl: 144

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Über das Buch

Wie unter einem Brennglas beleuchtet Miguel Delibes das Leben unter dem Franco-Regime zu einer Zeit, als das System schon langsam zu bröckeln begann: Auf einem gottverlassenen »cortijo« im westlichen Spanien bricht Iván, Sohn der Señora Marquesa, mit seinen einflussreichen Gästen regelmäßig zu Vogel- und Treibjagden auf. Der weitläufige Herrensitz wird von wenigen in Abhängigkeit gehaltenen Landarbeitern bewirtschaftet, allen voran Paco und Régula, der Schwester des Azarías. Azarías ist ein Sonderling, dessen ganze Liebe einer Dohle gehört, die er vor dem Hungertod gerettet hat. Als der junge Gutsbesitzer den Vogel eines Tages aus Wut über eine misslungene Jagd ins Visier nimmt, reagiert der sonst so friedliche Azarías auf eine Weise, die ihm niemand zugetraut hätte.

Über Miguel Delibes

Miguel Delibes, geboren 1920 in Valladolid, studierte Rechtswissenschaft und arbeitete als Anwalt, Dozent und Chefredakteur einer Zeitung, während er gleichzeitig ein umfassendes literarisches Werk vorlegte. 1974 zum Mitglied der spanischen Königlichen Akademie ernannt, erhielt er 1993 mit dem »Premio Miguel Cervantes« den wichtigsten spanischsprachigen Literaturpreis. Delibes starb 2010 in seinem Heimatort. Bis heute zählen seine Romane in Spanien zum Kanon.

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Miguel Delibes

Die heiligen Narren

Roman

Aus dem Spanischen von Petra Strien-Bourmer

Übersicht

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Titelinformationen

Informationen zum Buch

Newsletter

Widmung

ERSTES BUCH

Azarías

ZWEITES BUCH

Paco, der Kurze

DRITTES BUCH

Der Milan

VIERTES BUCH

Der Jagdgehilfe

FÜNFTES BUCH

Der Unfall

SECHSTES BUCH

Das Verbrechen

Nachbemerkung des Verlages

Impressum

In Gedenken an meinen Freund Félix R. de la Fuente

ERSTES BUCH

Azarías

Seine Schwester , die Régula, verdross der Azarías mit seinem Verhalten, und sie schalt ihn aus, und so kehrte er nach La Jara zurück, zum Señorito, denn seine Schwester, die Régula, verdross der Azarías mit seinem Verhalten, ihr lag daran, dass die Jungen etwas lernten, was ihr Bruder für einen Irrtum hielt, denn

dann taugen sie dir weder fürs Feine noch fürs Grobe,

dozierte er mit seiner dumpfen, leicht näselnden Stimme, während auf La Jara, beim Señorito, sich niemand drum scherte, ob man lesen oder schreiben konnte, ob man gebildet oder ungebildet war oder ob der Azarías grummelnd und mit barsten Füßen in seiner Cordhose mit den geflickten Knien und fehlenden Knöpfen am Hosenlatz herumschlurfte, und selbst wenn er plötzlich rüber zu seiner Schwester ging und der Señorito nach ihm fragte und die Antwort lautete,

der treibt sich bei seiner Schwester rum,

regte der sonst so strenge Señorito sich nicht auf und zuckte höchstens mal kaum merklich die eine Schulter, die linke, ohne weiter nachzufragen oder ein Wort zu sagen, und sobald er dann wie aus dem Nichts wieder auftauchte,

der Azarías ist wieder da, Señorito,

huschte ein versöhnliches Lächeln über die Lippen des Señorito, nur machte es ihn rasend, dass der Azarías behauptete, gerade mal ein Jahr älter zu sein als der Señorito, wo der Azarías doch tatsächlich bei der Geburt des Señorito schon ein strammer Bursche war, woran der Azarías sich aber nicht mehr erinnern konnte, und wenn er hin und wieder darauf beharrte, ein Jahr älter zu sein als der Señorito, dann nur, weil Dacio, der Schweinehirt, es ihm einmal an Heiligabend, als er ein wenig angeheitert war, so gesagt hatte, was sich ihm, dem Azarías, ins Hirn gegraben hatte, und sooft man ihn fragte,

wie alt bist du noch mal, Azarías?,

so oft erwiderte er,

genau ein Jahr älter als der Señorito,

aber das war nicht aus Böswilligkeit oder weil er gerne log, sondern aus reiner Kinderei, und daher war es nicht fair, wenn der Señorito es sich verbat und ihn einen Schwindler schimpfte, und gerecht war es auch nicht, wo der Azarías doch dafür, dass er sich Gottes lieben langen Tag auf dem Landgut herumtrieb, grummelnd und sozusagen das Nichts zerkauend, während er sich interessiert die Nägel seiner linken Hand betrachtete, das Automobil des Señorito mit einem gelben Wischlappen polierte und die Ventilkappen von den Wagen der Freunde vom Señorito abschraubte, damit sie nicht ausgingen, falls die Dinge eines Tages mal schlecht liefen und der Vorrat knapp würde, und als reichte das nicht, kümmerte der Azarías sich auch noch um die Hunde, den Hühnerhund und den Setter, die drei Dachshunde, und wenn mitten in der Nacht der Hütehund des Schäfers im Steineichenwald loskläffte und daraufhin die Hunde auf dem Hof einen Mordsradau veranstalteten, beschwichtigte der Azarías sie, redete ihnen gut zu und kraulte sie so lange zwischen den Augen, bis sie sich beruhigten und einschliefen, und beim ersten Morgendämmer trat er dann auf den Patio hinaus, streckte sich und öffnete das Tor, um die Truthähne in den Steineichenwald hinter der Dornenhecke rauszulassen, eingehegt von einem Maschendrahtzaun, bevor er die Hühnerställe auskratzte und, wenn er damit fertig war, noch die Geranien und die Weide goss, den Bretterverschlag des Uhus säuberte und ihn zwischen den Ohren streichelte, um schließlich bei Einbruch der Nacht, das wusste man schon, im Vorhof, rücklings auf einem Schemel am Feuer hockend, die Rebhühner, die Schnepfen, die Turteltauben oder die Flughühner zu rupfen, die der Señorito im Laufe des Tages erjagt hatte, und wenn reichlich Beutestücke vorhanden waren, legte der Azarías öfter mal eins für den Milan beiseite, so dass der Uhu jedes Mal, wenn er ihn kommen sah, mit seinem runden gelben Blick umfing und mit dem Schnabel klapperte, als turtelte er, all das aus spontaner Zuneigung, während er die anderen einschließlich des Señorito allesamt anfauchte wie ein Kater und ihnen die Krallen zeigte, doch bei ihm, dem Azarías, machte er eine Ausnahme, denn selten kam es vor, dass der ihn abends in Ermangelung eines köstlicheren Happens nicht mit einer Elster, einer Ratte oder einem halben Dutzend mit Hilfe von Vogelleim am Karpfenteich gefangenen Sperlingen oder wer weiß was sonst beehrte, jedenfalls sagte der Azarías zum Großherzog immer, wenn er sich ihm näherte, mit samtweicher Stimme,

hübscher Milan, hübscher Milan,

und kraulte ihn, mit seinem zahnlosen Grinsen, zwischen den Augen, und wenn es an der Zeit war, ihn hoch oben auf dem Felsen anzuketten, damit der Señorito oder die Señorita oder die Freunde des Señorito oder die Freundinnen der Señorita sich damit verlustieren konnten, auf dem Hochsitz versteckt, durch die Schießscharte auf Adler und Krähen zu schießen, wickelte er ihm einen roten Flanelllappen um den rechten Fuß, damit die Kette ihn nicht verletzte, und wartete, solange der Señorito oder die Señorita oder die Freunde des Señorito oder die Freundinnen der Señorita im Anstand blieben, im Gebüsch unter der Baumkrone mit dem Hochsitz kauernd, und passte, zitternd wie Espenlaub, auf ihn auf, und obwohl er ein wenig taub auf den Ohren war, vernahm er das dumpfe Knallen der Schüsse, wobei er jedes Mal zusammenzuckte und die Augen schloss, und wenn er sie wieder aufschlug und den Uhu immer noch unversehrt, aufrecht und triumphierend auf dem Felsen sah, war er stolz auf ihn und sagte gerührt zu sich selbst,

hübscher Milan,

wobei ihn ein heftiges Verlangen befiel, ihn zwischen den Ohren zu kraulen, und sobald der Señorito oder die Señorita oder die Freunde des Señorito oder die Freundinnen der Señorita es leid waren, Mäusebussarde und Krähen abzuschießen, und den Hochsitz verließen, die steifen Glieder reckend und streckend, als stiegen sie aus einem Schacht, ging er mit malmendem Kiefer, als zerkaute er etwas, auf den Großherzog zu, und dann plusterte sich der Uhu zufrieden auf und spreizte sein Gefieder wie ein Pfau, während der Azarías lächelnd,

warst gar nicht bang, Milan,

zu ihm sagte und ihn zur Belohnung zwischen den Augen kraulte, und am Ende klaubte er die abgeschossenen Adler einen nach dem anderen vom Boden auf, hängte sie an die Stange, band den Uhu behutsam los, sperrte ihn in den großen Holzkäfig, lud ihn sich auf die Schulter und machte sich ganz piano auf den Rückweg zum Gutshof, ohne auf den Señorito und seine Freunde oder auf die Señorita und ihre Freundinnen zu warten, die ihm langsam und erschöpft, unter grundlosem Gelächter über ihre Angelegenheiten plaudernd, auf dem Weg folgten, und wenn er zu Hause ankam, hängte der Azarías die Stange an den Balken im Vorhof und rupfte, sobald es dämmerte, im Patio auf dem Kies kauernd, im weißen Licht der Lampe einen Mäusebussard, um dann mit ihm ans Fenster des Bretterverschlags zu treten, wo er

huhuuuh

heulte mit extra tiefer Stimme, so dunkel wie möglich, und sogleich schwang sich der Uhu mit ruhigem Flügelschlag auf, samtweich wie Watte, näherte sich lautlos dem Gitterfenster und machte seinerseits

huhuuuh,

quasi als Echo auf Azarías’ Huhuuuh, ein Echo von jenseits des Grabes, und schon schnappte er sich den Mäusebussard mit seinen riesigen Krallen und verschlang ihn geräuschlos im Handumdrehen, während der Azarías ihm mit geiferndem Grinsen beim Fressen zusah und vor sich hin murmelte,

hübscher Milan, hübscher Milan,

und wenn der Großherzog sein Festmahl beendet hatte, machte der Azarías sich auf zum Vorplatz, wo die Freundinnen des Señorito und die Freunde der Señorita ihre Wagen unterstellten, um mit seinen ungelenken Fingern geduldig die Ventilkappen der Reifen abzuschrauben und sie, wenn er fertig war, in der Schuhkiste im Schuppen bei den anderen zu verstauen, und dort ließ er sich dann auf dem Boden nieder und fing an, sie zu zählen,

eins, zwei, drei, vier, fünf …,

und wenn er bei elf angelangt war, sagte er jedes Mal,

dreiundvierzig, vierundvierzig, fünfundvierzig …,

und anschließend trat er hinaus auf den Hof, wenn es bereits dunkel wurde, wo er sich in einer Ecke auf die Hände pinkelte, damit sie nicht schrundig wurden, und ließ sie eine Weile wedelnd auslüften, und so Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr, ein ganzes Leben, doch trotz dieser geregelten Lebensweise wachte der Azarías manchmal in der Früh schlapp und wie zerschlagen auf, so als hätte ihm jemand in der Nacht die Knochen herausgelöst, und an solchen Tagen kratzte er den Hühnerstall nicht aus, stellte den Hunden nichts zu fressen hin, noch reinigte er den Käfig des Uhus, sondern ging hinaus aufs Feld, wo er sich im Schutz einer Hirtenhütte oder zwischen Seidelbaststräuchern und, wenn die Sonne stach, im Schatten eines Erdbeerbaums langlegte, und auf Dacios Frage,

was ist denn mit dir passiert?,

dann er,

mich plagt die Lähme, sag ich dir,

und auf diese Weise ließ er die tote Zeit verstreichen, und wenn der Señorito auf ihn stieß und ihn fragte,

was ist los mit dir, Mann Gottes?,

dann der Azarías wieder,

mich plagt die Lähme, Señorito, sag ich dir,

völlig unbeeindruckt zwischen die Seidelbaststräucher gebettet oder im Schutz des Erdbeerbaums, reglos, in sich gekehrt, die Schenkel gegen den Bauch gepresst, die Ellenbogen auf die Brust gestemmt und leise jaulend wie ein hungriger Welpe, den Blick starr auf die grünlich blaue Linie des sich gegen den Himmel abzeichnenden Gebirges gerichtet, auf die runden Schäferhütten, auf das Rehgebirge (hinter dem Portugal lag), die geduckten Geröllhalden wie riesige Schildkröten, den ausgedehnten Flug der kreischenden Kraniche Richtung Sumpfgebiet, die umherstreunenden Merinoschafe mit ihren Lämmern, und wenn zufällig Dámaso, der Schäfer, vorbeikam,

was ist denn mit dir los, Azarías?,

dann er,

mich plagt die Lähme, sag ich dir,

und solcherart verstrich die Zeit, bis er einen heftigen Druck verspürte und neben dem Erdbeerbaum oder in irgendeiner dunklen Felsspalte seinen Darm entleerte, und während er sich erleichterte, kehrte nach und nach sein Elan zurück, und kaum war er wieder bei Kräften, eilte er als Erstes zum Uhu, um ihm zärtlich durchs Gitter zu sagen,

hübscher Milan,

und schon plusterte sich der Uhu auf und klapperte mit seinem krummen Schnabel, bis ihm der Azarías einen gerupften jungen Adler oder eine junge Elster kredenzte, die der Uhu verschlang, während der Azarías, um Zeit zu gewinnen, zum Schuppen eilte, wo er sich auf den Boden hockte und sich daranmachte, die Ventilkappen in der Kiste zu zählen,

eins, zwei, drei, vier, fünf,

bis er bei elf angelangt war, und dann sagte er,

dreiundvierzig, vierundvierzig, fünfundvierzig,

und wenn er fertig war, legte er den Deckel auf die Kiste und betrachtete eine geraume Weile ausgiebig die platten Fingernägel seiner rechten Hand, wobei sich seine Kinnlade hob und senkte, unverständliche Worte brabbelnd, bis er unversehens beschloss,

ich geh zu meiner Schwester,

und falls er dem Señorito begegnete, der auf der Veranda in seinem Liegestuhl träge vor sich hin döste,

ich geh zu meiner Schwester, Señorito,

zuckte der Señorito unmerklich die linke Schulter,

geh mit Gott, Azarías,

und dann marschierte er los zum anderen Hof, zu seiner Schwester, und sie, die Régula, machte ihm das Tor auf,

darf man mal erfahren, was du hier zu suchen hast?,

und der Azarías,

wo sind die Jungs?,

und sie,

na, in der Schule sind sie, wo denn sonst?,

dann streckte er, der Azarías, kurz seine dicke rosige Zungenspitze heraus und zog sie gleich wieder ein,

dein Pech, nachher taugen sie dir weder für fein noch für grob,

und die Régula,

he, hab ich dich nach deiner Meinung gefragt?,

doch sobald die Sonne unterging, wurde dem Azarías der Kopf schwer, während er in die Glut starrte und auf dem Nichts kaute, bis er nach einer Weile aufblickte und unverhofft sagte,

morgen geh ich zurück zum Señorito,

und noch vorm Morgengrauen, sobald sich ein oranger Streifen am Horizont zeigte, der die Konturen der Sierra umschloss, war der Azarías bereits unterwegs, und vier Stunden später, verschwitzt und hungrig, sobald er hörte, wie die Lupe den schweren Riegel am Hoftor beiseiteschob, fing er schon an,

hübscher Milan, hübscher Milan,

wieder und wieder, und für die Lupe, die Schweinehirtin, nicht mal ein Guten Morgen, während der Señorito vielleicht noch im Bett lag, um auszuruhen, aber als er mittags auf dem Vorplatz erschien, vermeldete die Lupe,

der Azarías hat sich in der Früh wieder bei uns eingefunden, Señorito,

und der Señorito sagte blinzelnd, mit schläfrigen Augen,

ist gut,

und zuckte quasi resigniert oder überrascht die linke Schulter, obwohl man den Azarías schon den Hühnerstall auskratzen oder den Verschlag des Großherzogs reinigen oder den Kübel über den Kies im Patio schleifen hörte, und dergestalt gingen die Wochen dahin, bis eines schönen Tages, als der Frühling vor der Tür stand, der Azarías sich veränderte, sich ihm eine Art einfältiges, unergründliches Grinsen auf die Lippen legte und er, als die Sonne sank, anstatt die Ventilkappen zu zählen, sich den Uhu packte und mit ihm im Steineichenwald entschwand, wo der riesige Vogel reglos, aufrecht auf seinem Unterarm die Umgebung erkundete, um, sobald es dunkel wurde, zu einem sanften, lautlosen Flug abzuheben, von dem er schon bald zurückkehrte mit einer Ratte in den Fängen oder einem Buchfinken, um dort beim Azarías seine Beute zu verschlingen, während der ihn zwischen den Ohren kraulte und dem Pulsieren der Sierra lauschte, dem jämmerlich heiseren Bellen der läufigen Füchsin und dem Röhren der sich ebenfalls paarenden Hirsche im Revier der Heiligen Ángela, und dann und wann zu ihm sagte,

die Füchsin ist heiß, hörst du, Milan?,

dann strahlte ihn der Uhu mit seinen runden gelben Pupillen an, die im Finstern funkelten, legte langsam die Ohren an und schlang weiter, und früher, da hatte man in Frühlingsnächten auch noch das düstere Heulen der Wölfe im Ginsterdickicht vernommen, aber seit die Männer vom elektrischen Licht gekommen waren, um die Masten für die Stromleitung längs des Hangs aufzustellen, hörte man sie nicht mehr, dafür erschallte nun in regelmäßigen Abständen der Schrei des Waldkauzes, und in solchen Fällen reckte der Großherzog mit gespitzten Ohren seinen riesigen Kopf, so dass der Azarías lachen musste, ein zahnloses Lachen, dumpf und still, und murmelte,

traust dich nicht, Milan?, morgen mach ich Jagd auf den Waldkauz,

und, gesagt, getan, brach er am nächsten Tag im Morgengrauen allein auf in Richtung Sierra, bahnte sich den Weg mitten durch blühende Zistrosen, Wolfsmilch und Turmkraut, denn der Waldkauz übte auf den Azarías eine seltsame abgründige Faszination aus, eine Art panikartigen Nervenkitzel, so dass er, wenn er im Hochwald pausierte, deutlich das heftige Pochen seines Herzens hörte, und dann wartete er einen Moment, um Atem zu schöpfen und sein Gemüt zu beruhigen, und schließlich rief er laut hinaus,

he!, he!,

machte ihn nach, den Waldkauz, und spitzte sogleich die Ohren in Erwartung einer Antwort, während der Mond hinter einem Wolkenschleier hervortrat und die Landschaft in einen unwirklich schillernden, mit Schatten durchwirkten Glanz tauchte, und dann wiederholte er, leicht eingeschüchtert, die Hände zum Trichter geformt, herausfordernd,

he!, he!,

bis ihm plötzlich von einer wuchtigen Steineiche zwanzig Meter weiter unten das ersehnte schaurige Geheul ans Ohr drang,

buhuh!, buhuh!,