Die Herkunft - Anny Rock-Naskob - E-Book

Die Herkunft E-Book

Anny Rock-Naskob

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Beschreibung

Der Planet Aerdna ist völlig zerstört und das Leben außerhalb nicht mehr denkbar. Die Aerdaner leben in großen Kolonien, eingesperrt in künstliche Städte. Dann wird ein neuer Planet, die "Erde", entdeckt. Die Aerdaner besiedeln diesen mit Pflanzen, Tieren und Menschen. Nachdem sich das Experiment als erfolgreich erwies und das Leben auf der Erde blühte, versenden sie auserwählte Familien, Kinder des Hohen Rates, auf die Erde. Die erst siebzehnjährige Amaterasu hat das Leben in der geschlossenen Kolonie satt und ist begeistert von den Berichten über das Leben auf der Erde. Sie ist jung, lebensfroh und abenteuerlustig. Ihr und ihren beiden Brüdern gelingt es ein Raumschiff zu entführen und auf die Erde zu reisen. Was wird sie erwarten? Wie werden die Aerdaner mit diesem neuen Planeten umgehen?

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Seitenzahl: 551

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Impressum 3

Exposé 4

I 5

II 7

III 29

IV 36

V 38

VI 41

VII 46

VIII 50

IX 52

X 57

XI 111

XII 130

XIII 198

XIV 203

XV 218

XVI 244

XVII 287

XVIII 326

XIX 328

XX 331

XXI 335

XXII 336

XXIII 337

XXIV 339

XXV 390

XXVI 392

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2022 novum publishing

ISBN Printausgabe:978-3-99131-384-7

ISBN e-book: 978-3-99131-385-4

Lektorat:Isabella Busch

Umschlagfoto:Philcold, Inga Nielsen, Piolka | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Exposé

Das Leben auf dem, einstmals grünen, Planeten Aerdna ist nur noch in geschlossenen Kolonien möglich. Die Forscher haben mehrere Planeten erkundet und einen gefunden, der dem Aerdna ähnelt, den zuerst mit Pflanzen, dann mit Tieren besiedelt und letztendlich Menschen entsendet.

Nachdem die Experimentergebnisse allen Anforderungen entsprochen haben, hat der Hohe Rath ihren Nachwuchs beauftragt, auf die Erde zu gehen und dort „das Leben“ weiterzuentwickeln.

Sie haben dafür Anweisungen bekommen, doch verführt durch die Vorzüge und die Konkurrenz untereinander, beginnen sie bald die Regel zu brechen.

Den primitiven Menschen gegenüber, die erst die Sprache entwickelt haben und die ersten Werkzeuge, sind sie weit überlegen, besitzen eine hochtechnologische Ausstattung und leben in Wohlstand. Für die Menschen sind sie die Götter, die vom Himmel heruntergekommen sind.

Währenddessen schafft es ein Wissenschaftler, auf Aerdna das Gleichgewicht wiederherzustellen. Der Hohe Rath nutzt das als Anreize, die jungen „Götter“ wieder zurückzuholen.

Doch auch die Menschen haben sich weiterentwickelt und die Eigenschaften von ihren Göttern angenommen, sie werden gierig nach Macht.

Geben die Aerdaner ihre erste Kolonie so einfach auf? Schließlich sind nicht alle Auserwählten zurückgekehrt.

I

Die Vergangenheit

Ein blauäugiges Mädchen mit lockigen Haaren und ein blonder Junge liefen über die Wiese voller bunter Blumen. Das Mädchen trug einen Kranz aus den Wiesenblumen, in ihrem weißen Kleidchen bildete sie einen perfekten Kontrast zu der grünen Umgebung.

Der Himmel streckte sich in seinem tadellosen Blau über die ganze Umgebung, ein paar harmlose weiße Wölkchen bildeten sich da und dort, sie sahen aus, als ob ein Künstler sie, zum Abschluss seines Kunstwerks, mit dem letzten Pinselstrich eingezeichnet hätte.

Im Hintergrund wechselte die Wiese zum Wald über und machte die Kulisse komplett. Die frechen, bunt gefiederten Vögel flogen von den Bäumen auf die Wiese, dann wieder zurück und zwitscherten fröhlich.

Zwischen den Kindern erhob sich aus der Wiese ein bunter Schmetterling, der die Aufmerksamkeit der beiden sofort auf sich zog. Verzaubert durch seine wunderschönen Farben und den eleganten Flug, folgten sie ihm und versuchten ihn zu berühren. Der Schmetterling akzeptierte das Spiel und flog im Kreis, jedoch hielt er sichere Distanz zu den Spielkameraden.

Die Sonne stand schon tief am Horizont, die Wärme, die sie strahlte, war angenehm, eine leichte Brise verbreitete den süßlichen Geruch der Wiesenpflanzen.

Das Bild veränderte sich vom Hochsommer zum Herbst, die Umgebung bekam eine goldene Farbe, bis alle Blätter abgefallen waren und vom Himmel silberne Kristalle fielen.

Die Kinder waren noch immer da, der Klang ihres Lachens hatte nie aufgehört, ihre geröteten Wangen und Lippen bildeten einen schönen Kontrast zu ihrer weißen Winterkleidung. Sie genossen gerade die Vorteile des Winters, spielten mit dem Schnee. Der kunstvoller Schneemann, dem das Mädchen seinen Schal und der Junge zwei Äste als Arme verpasst hatte, leistete ihnen Gesellschaft.

„Chronos! Chronos!“, rief eine angenehme Frauenstimme, „komm, es ist Zeit …“

Der Bub und das Mädchen strahlten die Sorglosigkeit ihrer Jugend aus, doch der Klang der Stimmen entfernte sich. Das Bild war wunderschon, doch es schien nicht real.

Die Vision verschwand, Chronos wandte den Blick vom Fenster, in dem sich das Schauspiel gespiegelt hatte, schaute Rhea mit seinen sanften blauen Augen an und nickte. Seine Haare waren weiß auf den Schläfen, passend zu seinem weißen Gewand.

Er wagte noch einen Blick durch das Fenster – in der Hoffnung, dass er wieder in seine Kindheit zurückblicken konnte, jedoch hatte sich das Bild stark verändert. Die Wiese war ausgetrocknet, da und dort gab es noch blassgrüne Flächen, wie nach einem großen Waldbrand, die Bäume im Hintergrund trugen nur noch wenig Blätter, Äste waren abgebrochen, der Himmel war grau und leblos …

„Ich habe schon vergessen, wie kalt der Schnee ist und wie gut er sich trotzdem auf der Haut anfüllt“, sagte er und folgte seiner Frau.

II

Die Realität

Sati, Brahmas Enkelin und Tochter vom Prasuti und Dakscha, war schon als junges Mädchen in Shiva verliebt und nahm sich fest vor, ihn eines Tages zu heiraten.

Sie war sehr zart gebaut, hatte dunkle schwarze Haare, große Augen, eine schmale Nase, ihr Gesicht sah sehr edel aus. Sie war sehr schüchtern und sensibel, ihr Vater war bestimmend und hatte für eine strenge Erziehung seiner Töchter gesorgt. Sie lebten im Zentrum der Kolonie, der Hauptstadt der Aerdna, in einem der größten Quartiere. Ihre Eltern waren Mitglieder des Hochrats, genauso wie die Großeltern. Dieser Weg war auch für Sati vorgesehen, ihre Ausbildung war darauf ausgerichtet, jedoch war ihr Interesse für die Politik nicht gerade ausgeprägt.

Shiva war ein gutaussehender schlanker, junger Mann mit dunklen, welligen Haaren und tiefen grünbraunen Augen, aus denen Ruhe strahlte. Er lebte zurückgezogen, nahm am gesellschaftlichen Leben nur teil, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Er verlor seine Eltern als Baby, bei einer der letzten Umweltkatastrophen, bevor sich die Menschen zu ihrem Schutz für immer in die Kolonie zurückzogen und wurde von Fremden, zusammen mit anderen Kindern, die das Schicksal mit ihm teilten, großgezogen. Er lachte selten, war melancholisch, jedoch sehr verlässlich in allem, was er tat. Durch den Verlust seiner Eltern konnte er gut mit der Einsamkeit umgehen, er genoss das Alleinsein und übte mentale Stärke. Er war ein guter Zuhörer und sprach nur, wenn dies unbedingt nötig war. Er war gehorsam und lernte schnell. Als junger Mann war er sehr bescheiden, verzichtete auf Bequemlichkeiten und Genuss. Durch sein gutes Aussehen sorgte er unbewusst für heimliche Blicke und Liebesseufzer vieler Mädchen.

Er hatte nur einen guten Freund, den Vishnu, der das Schicksal mit ihm teilte. Die beiden Männer setzten sich für die Rettung des Planeten Aerdna ein und widmeten sich ganz dieser Aufgabe.

Shiva war höflich zu jedem, dem er begegnete. Er schenkte keinem Mädchen zu viel Aufmerksamkeit, dazu gehörte auch Sati. Ihr war es wiederum bewusst, dass er nicht die erste Wahl für ihre Eltern war, aber sie hatte sich für ihn entschieden und gab nicht auf, sie wollte bemerkt werden und hatte bereits einen Plan.

Sie zog aus dem elterlichen Quartier aus zu dem Flügel am Rande der Kolonie, wo auch Shiva lebte. Ihre Eltern erlaubten es ihr, mit der Prämisse, sie lerne ihre Entscheidungen selbstständig zu treffen, damit sie sich auf ihre zukünftige Rolle vorbereiten könnte.

„Sie wird ihren Weg machen, lasst sie gehen. Sie muss sich selbst finden“, sagte Brahma zum besorgten Dakscha und Prasuti.

Sie schloss sich einer Gruppe an, angrenzend zu der Außenwelt, weit entfernt vom Ruhm des gesellschaftlichen Lebens. Ziel der Gruppe war es, alles, was außerhalb der Kolonie überlebt hatte, zu retten und zu versuchen, es wieder zur Reproduktion zu bringen.

Sie hatten zu diesem Zweck einige Räume in dem Flügel zum kleinen Glasgarten umfunktioniert, um Pflanzen, die im Freien ausgestorben waren, wieder zum Leben zu erwecken. Sie verließen dafür die geschützte, künstlich belichtete und belüftete Kolonie und setzten sich dadurch den Gefahren aus, die durch das gestörte Gleichgewicht der Umwelt hervorgerufen wurden. Sie suchten nach Samen, die sich unter dem Laub, unter den trockenen Ästen oder im Boden noch erhalten hatten, die sie dann einsetzten und daraus neue Pflanzen züchteten.

Da und dort fanden sie sogar noch Larven von Insekten oder gar lebende Insekten, wie Ameisen, Spinnen oder Würmer, die sie mitnahmen und unter den Schutz der Kolonie stellten, beziehungsweise diese im Garten einsetzten und so einen neuen Lebensraum erschufen.

Sati kannte den Planeten aus den Zeiten, wo er noch grün und „gesund“ war, nur aus dem Unterricht, sie war noch nie außerhalb der Kolonie gewesen. Sie liebte die Bilder der grünen Wälder und blauen Flüsse und wollte alles tun, um ihren Beitrag zur Regeneration der Natur zu leisten, damit ihre Kinder und Enkelkinder das Leben in vollen Zügen genießen konnten. Und das Wichtigste: Shiva gehörte auch zu dieser Gruppe, er leitete sogar die Einsätze.

Sati war als Anfängerin in der Pflanzenschule eingeteilt und bekam in der Pflanzenzucht Einschulung. Sie entfachte von Tag zu Tag mehr Feuer und verbrachte jede freie Minute bei den Pflanzen.

„Ihr seid so schön und stark. Bitte wachst.“ Dabei berührte sie die zarten Blätter.

„Hallo meine Schöne, ich habe noch nie so ein schönes Grün gesehen wie deine Blätter, Paradies für meine Augen“, flüsterte sie zu einem Springkraut. „Und wie deine Blüten duften …“

„Und du, meine Liebe, bist noch ganz klein, du musst noch wachsen“, sprach sie zu einer Sterlizie.

In diesem Moment merkte sie, dass sie nicht allein war, jemand lehnte an der Wand und beobachtete sie. Shiva kam, um die Fühler für die Überwachungssysteme einzustellen, bemerkte Sati und ließ sich durch ihr Gespräch mit den Pflanzen etwas ablenken.

„Wie lange stehst du schon da?“

Sie errötete, sie wollte sich die Nervosität nicht anmerken lassen. So hatte sie sich die erste Begegnung nicht vorgestellt.

Shiva trug eine weiße Leinenhose und ein weißes langes Hemd, die helle Farbe ließ seine Haare noch dunkler erscheinen und betonte seinen strahlenden Teint. Er antwortete nicht, er kniff die Augen zusammen und formte die Lippen zu einem fast unauffälligen Lächeln, dann verließ er den Raum.

Sati wollte sich die Chance, ihn in ein Gespräch zu verwickeln, nicht entgehen lassen.

„Wann ist die nächsten Mission ins Freie, ich möchte mitkommen“, fragte sie, bevor er außer Reichweite war.

„Du willst mit?“

Er drehte sich um und schaute ihr tief in die Augen, die Kraft des Blickes spürte sie bis in die Zechenspitzen. Er durchscreente ihren Körper.

„Du bestehst nur aus Haut und Knochen, das ist anstrengend, allein der Schutzanzug ist für dich zu schwer. Du bist hier drinnen gut aufgehoben, die Pflanzen mögen deine Geschichten, schau, wie gut sie gedeihen.“

Dann hob er kurz seine Augenbrauen an, er machte tatsächlich einen Scherz.

„Ich bin stärker, als du denkst … bitte …“

„Wenn du meinst … melde dich bei Chrishan, sag ihm, ich schicke dich, er soll dir alles zeigen. Wir benutzen keine Fahrzeuge und tragen unsere Ausrüstung selbst, also iss brav, damit du nicht schon unter dem Gewicht des Anzugs zusammenbrichst.“

„Das werde ich nicht, du wirst sehen.“

„Hm!“, machte Shiva, drehte sich wieder um und verschwand im Labyrinth der Gänge.

Sati wartete, bis er außer der Reichweite war, und lief sofort zum Flügel, wo die Ausbildung für die Außenmissionen stattfand und suchte Chrishan auf. Sie hatte Glück, ein Kurs begann bereits am nächsten Tag, dieser bestand aus Erster Hilfe, Krafttraining, gefolgt vom Anlegen des Anzugs, Fortbewegen auf unebenem Terrain aus Steinen, Schlamm und scharfen Ästen. Den theoretischen Teil schaffte sie problemlos, der praktische war tatsächlich sehr anstrengend, doch ihre Ausdauer und Geschicklichkeit wurden von Tag zu Tag besser.

Ihr erster Kontakt mit der Außenwelt war ein kurzer Austritt aus der Kolonie mit voller Ausrüstung. Sie machte den ersten Schritt voller Hoffnung, aber auch Angst und Respekt. Sie betrat zum ersten Mal den Boden, beobachtete zum ersten Mal den grauen Himmel. Sie bückte sich kurz und wollte einige Steine vom Boden holen, dabei wurde sie von Emotionen mitgerissen und folgte den Anweisungen des Instruktors nicht mehr.

„Sati, bist du noch bei uns?“ Chrischans Stimme holte sie aus ihren Gedanken.

Sie warf die Steine wieder zu Boden und versuchte mit großen Schritten die Gruppe einzuholen. Sie atmete schwer, es wurde ihr warm im Schutzanzug, ihr Visier war beschlagen, ihr wurde etwas schwindelig. Sie war es nicht gewohnt, mit der Sauerstoffmaske zu atmen und sich im schweren Anzug zu bewegen. Sie stolperte, fiel zu Boden.

„Sati, geht es dir gut, ich bin gleich bei dir?!“, sagte Chrischan.

Sie hob den Kopf und zeigte mit dem Daumen nach oben, dann riss sie sich wieder zusammen und machte weiter.

Ihr Wille war groß, sie wurde von Mal zu Mal besser und konnte es kaum abwarten, bei einer richtigen Mission mitzumachen.

Dem Shiva ist sie hin und wieder begegnet, doch er grüßte sie nur stumm, meistens mit einem Kopfnicken. Sie hoffte, dass sie beim ersten Ausgang ihren Ehrgeiz beweisen und damit überzeugen konnte, wie ernst sie ihre Aufgabe nahm.

Dann kam der Tag des Einsatzes. Sati wusste, dass eine solche Mission nicht ungefährlich war, doch sie wollte endlich ihren eigenen Beitrag leisten. Neugierig prüfte sie am Vorabend die Namen der Eingeteilten. Shiva war, zu ihrer Enttäuschung, nicht als Leiter des Einsatzes eingetragen.

Die Nacht war lang, sie drehte sich von einer auf die andere Seite im unbequemen Bett und überprüfte öfter die Uhrzeit, die Minuten wurden zu Stunden, und die Stunden vergingen nicht …

„Guten Morgen. Es ist Zeit aufzustehen, heute ist der Tag, in dem Du mit der Rettung des Planeten beginnen kannst“, meldete sich die Stimme ihres persönlichen computerisierten Assistenten.

Sie sprang aus dem Bett, ging unter die Dusche. Die noch nassen Haare steckte sie zu einem Knoten, dann legte sie den Anzug an, nahm den Helm unter den Arm und wollte die Wohnung verlassen. Sie machte noch einen Schritt zurück und holte sich zwei Zwiebackstücke vom Tisch, die sie auf dem Weg zur Versammlungsstelle in den Mund steckte. Als sie die Gruppe erreichte, sah sie Shiva, er hatte auch seinen Anzug an und hielt seinen Helm bereit, ihr Herz begann zu rasen. Durch das hastige Gehen und die trockene Luft bekam sie einen Hustenanfall, durch den sie die Aufmerksamkeit der Menge kurz auf sich zog.

„Sati, du bist zu aufgeregt.“ Aditi aus der Gruppe gab ihr ein Glas Wasser und beruhigte sie.

Shiva beobachtete sie, während sie trank, ohne seine Mimik zu verändern. Als er sich vergewissert hatte, dass sie in Ordnung war, nickte er kurz, das war das Zeichen, dass die Gruppe das Mikroklimaüberwachungssystem des Anzuges überprüft und die Helme aufsetzt, und dass die Expedition begann.

Sie gingen zu dem Raum, der einen Übergang zu der Außenwelt darstellte, dann traten sie aus. Bald befanden sie sich in der steinigen Umgebung im Freien. Der Himmel war grau, die Sonne ließ sich unter den dichten Wolken vermuten, es gab aber genug Tageslicht, an das sich die Augen der Gruppe langsam gewöhnten. Vom Quartier führte eine noch erhaltene asphaltierte Straße in den nahe gelegenen Wald, oder das, was mal der Wald war. Die Kolonie wurde immer kleiner hinter ihnen. Sati kontrollierte ihre Sauerstoffreserven auf ihrem Handgelenk, die Anzeige bewegte sich kaum, das Volumen reichte noch für zehn Stunden.

Der Wald bestand aus Bäumen mit fehlender Rinde und abgebrochenen Ästen, die nur noch trockene Blätter trugen. Der eine oder andere zeigte Anzeichen von Keimlingen, sie versuchten mit den letzten Kräften den derben Bedingungen zu trotzen und zu überleben. Die Bodenpflanzen waren auch nur noch trocken und durch die Luftfeuchte vom Schimmel angegriffen.

Die Gruppe ging an einem Fluss vorbei, das Wasser war dunkelgraubraun, wild und zog Baumstämme mit sich. Sati hielt für einen Moment an und beobachtete den Nebel über dem Wasser und bunte, unidentifizierbare Teile an der Oberfläche. Sie spürte trotz des Helmes den unangenehmen Geruch.

„Das ist unser Abfall, der Geruch kommt von dem Abbau der abgestorbenen Lebewesen und Pflanzen darin“, klärte Shiva sie auf.

„Können wir nichts dagegen tun?“, fragte Sati.

„Doch, es gibt eine Gruppe, die daran arbeitet, es wird aber noch viel Zeit in Anspruch nehmen, bis es Ergebnisse gibt. Komm jetzt, wir müssen weiter.“

Sie erreichten eine Stelle, wo sie beim letzten Mal Erfolg hatten, teilten diese in Sektoren auf und begannen mit Werkzeugen den Boden zu durchsuchen. Sie trugen Beutel an ihren Anzügen und packten dort alles, was wie ein Samen aussah, hinein.

Sati war besonders motiviert, sie versuchte mit aller Kraft Shivas Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ihre Beutel füllten sich, sie war so beschäftigt, dass sie nicht merkte, dass der Himmel noch grauer wurde und dass er von Zeit zu Zeit durch helle Blitze geteilt wurde. Ein paar Regentropfen fielen auf ihr Visier, sie schaute kurz zum Himmel und dann prüfte sie das Volumen vom Sauerstoff, die Anzeige zeigte nur noch 4 Stunden an.

„Wir haben genug, wir gehen zurück“, hörte sie Shivas Stimme über die Lautsprecher im Helm. „Es zieht ein Gewitter auf, wir sollten die Kolonie erreichen, bevor es gefährlich wird.“

Alle richteten sich auf und machten sich bereit für die Rückkehr. Die Tropfen wurden größer und dichter. Vor Satis Helm flog in dem Moment eine Biene. Sie verfolgte sie mit dem Blick und sah, wie sie in der Rinde eines Baumes verschwand.

„Eine Biene“, sagte sie und zeigte in die Richtung des Baumes.

Ohne auf die Reaktion zu warten, lief sie in diese Richtung. Beim Baum angekommen, entdeckte sie darin ein kleines Loch. Sie spähte hinein, so weit, wie ihr Visier es erlaubte, und entdeckte darin mehrere Bienen.

„Das ist eine ganze Kolonie!“, verkündete sie voller Freude. Es war ihr erstes Mal draußen und gleich so eine Efolg.

„Wir müssen zurück, der Regen wird stärker. Sie haben bis jetzt überlebt, wir kommen wieder, sobald der Regen aufhört und holen sie“, sagte Shiva.

„Wir müssen die Bienen retten,jetzt!“,reagierte Sati.

„Ich mache das, geh mit den anderen zurück“, sagte Shiva.

„Nein, ich habe sie entdeckt, ich bleibe“, sagte Sati entschlossen.

„Gut, gib den anderen deine Beutel, ich hole die Ausrüstung, wir machen das gemeinsam.“

Shiva bemerkte ihre Sturheit und wusste, dass es nicht helfen würde, wenn er Sati zurückschickte, er wollte keine Diskussionen, die Gruppe in Gefahr brachte.

Die anderen sammelten schnell alle Werkzeuge ein und machten sich, samt der Beute, auf den Rückweg. Shiva ging zum Baum mit einer Bienenfalle und versuchte die Bienen hineinzulocken, Sati beobachtete das Geschehen mit großen Augen. Bald waren die Bienen drinnen.

Shiva schloss die Tür der Falle und Sati schaute noch mal in das Loch, es waren alle Bienen draußen.

Der Regen hatte derart zugenommen, dass die Sicht sehr schlecht war. Sati musste sich eingestehen, dass sie die Orientierung verloren hatte und nicht mehr wusste, in welcher Richtung die Kolonie sich befand. Shiva griff ihre Hand und riss sie aus ihren Gedanken. In einer Hand trug er die Bienen, mit der anderen zog er Sati hinter sich.

Der Fluss schien noch dunkler geworden zu sein, an den Ufern blubberte es. Die Gase, die daraus austraten, rochen noch intensiverer als zuvor.

Sie liefen eine Zeitlang, Shiva überprüfte immer wieder den Sauerstoffgehalt und erhöhte jedes Mal sein Tempo. Sati lief hinter ihm, konnte jedoch nicht mehr mithalten, ihre Beine waren müde, ihre Schritte unkontrolliert, der Schutzanzug machte die Bewegung nicht leichter. Sie stolperte über eine Erhebung und stürzte. Sie spürte, wie ihr Kopf an etwas Hartes anstieß und es wurde dunkel.

***

Sati öffnete die Augen und erkannte ihr Zimmer im Quartier. Sie hatte eine Sauerstoffmaske über Mund und Nase, die ihr aufs Gesicht drückte. Sie nahm sie ab und begann sofort zu husten. Dann bemerkte sie Shiva in dem Sessel neben ihr, der in aller Ruhe ihre Maske wieder in Position brachte. Sie setzte sich auf und schaute zu ihm, ihre Augen verrieten die vielen Fragen, die ihr durch den Kopf gingen.

„Dein Helm hatte sich durch das lange Tragen und die vielen Bewegungen gelockert und dein Sauerstoffgerät war fast leer. Du wurdest ohnmächtig. Ich habe dich zurückgetragen.“

„Und die Bienen?“ Sie nahm kurz die Maske ab, Shiva schaute einmal streng zu ihr, sofort setzte sie sie wieder auf.

„Ich musste mich entscheiden, du oder sie. Den Ausgang kennst du.“

Ihre Augen füllten sich mit Tränen, sie begann zu seufzen.

„Den Bienen geht es gut, ich wollte dich nur ärgern.“

„Im Ernst?“ Sie nahm wieder kurz die Maske ab.

„Ja, sie sind bei den Pflanzen und bestäuben sie schon ganz fleißig.“

„Ich will sie sehen!“ Sie setzte sich auf, dann fiel ihr auf, dass sie nur ihren Pyjama trug.

„Keine Sorge, das war ich nicht. Ein Arzt hat dich untersucht, eine Infusion gegeben und die Sauerstoffmaske verordnet. Du hast fast sechzehn Stunden durchgeschlafen.“

Die Tür öffnete sich, Satis Eltern traten ein, Shiva begrüßte sie mit einem Kopfnicken und verließ leise den Raum.

***

Nach einigen Tagen ging es Sati besser und sie machte sich auf den Weg in den Pflanzenraum. Bereits beim Betreten nahm sie den angenehmen Duft der Blüten wahr und atmete ihn in vollen Zügen ein. Sie hörte ein fröhliches Summen zwischen den Pflanzen und in einer Ecke erkannte sie den Bienenstock. Sofort ging sie hin und entdeckte die Bienen, die auf dem Stock waren und die um den Stock flogen, sie war von Freude erfüllt. In einem Moment wurde ihr kurz schwindlig und sie lehnte sich an der Tragfläche mit den Pflanzen mit beiden Händen an, jedoch spürte sie gleich einen Schmerz und zog die Hand schnell wieder zurück. Sie hatte sich mit ihrer Hand direkt auf eine Biene gestützt, diese hatte sich gewehrt. Sie hatte diese Art Schmerz noch nicht gekannt, ihre Hand errötete und schwoll an, aber sie trauerte um die Biene.

„Du Dummerchen, du hast dein Leben aufgegeben, um dich zu schützen, dabei bin ich dein bester Freund.“

„Fräulein Sati, kaum lässt man dich allein, bringst du dich in Lebensgefahr“, sagte Shiva und fasste dabei ihre geschwollene Hand und holte den Stachel raus. „Du brauchst einen kalten Umschlag.“

Sati war überrascht, dass Shiva schon wieder vor Ort war und überwältigt von der Fürsorge, die er für sie zeigte. Er brachte sie auf sein Zimmer, welches näher als ihres zum Pflanzenraum war. Er holte Eis, wickelte es in ein Tuch und legte es auf ihre Hand. Sie genoss seine Nähe und seinen Duft.

„Ich mache dir einen Tee.“

Sati nickte, froh über jede Sekunde, die sie mit ihm verbringen konnte.

„Du bist anders als alle Mädchen, die ich kenne“, sagte er, während er ihr eine Locke aus dem Gesicht entfernte. Sati schmolz unter seiner Berührung dahin.

„Wann ist die nächste Expedition?“, sie versuchte ihn in ein Gespräch zu verwickeln.

„Denk nicht dran, du kommst nicht so bald mit.“

„Dann gehe ich mit einem anderen Gruppenleiter.“

„Ich habe dich von der Gruppe, die auswärts arbeitet, gestrichen.“

„Das kannst du nicht machen!“

„Es ist zu deinem Besten.“

„Das akzeptiere ich nicht!“

„Musst du immer allem widersprechen?!“

„Wenn ich ein Ziel vor den Augen habe und mich jemand daran hindert, dann ja.“

„Gut, dann gehst du nur mit mir, ich will sicher sein, dass du wieder lebend zurückkommst. Aber zuerst musst du dich erholen und besser vorbereiten, du hast gesehen, wie gefährlich es da draußen sein kann.“

Sie tranken ihren Tee und plauderten weiter. Der Inhalt klang nach einer Diskussion, doch die Stimmlage der beiden verriet etwas anderes. Zum Abschied bekam sie einen Kuss auf die Stirn, dann schloss er die Tür vor ihrer Nase. Sie wollte noch mal klopfen, überlegte es sich im letzten Moment aber anders. Shiva beobachtete sie durch die Gangkamera und lachte innerlich.

Sie hatte eine sehr unruhige Nacht, sie verarbeitete die Geschehnisse und ging jede Sekunde noch mal durch.

Am nächsten Tag ging Sati wieder zum Pflanzenraum, sie hoffte, dass Shiva dort auftauchen würde. Sie musste auch gar nicht lange warten, er war noch freundlicher und gesprächiger als am Vortag. Sie plauderten über Shivas Erlebnisse bei den Expeditionen, Gegenwart, Zukunft und Hoffnungen. Zum Abschied bekam sie wieder einen Kuss auf die Stirn. Er drehte sich um und verschwand, sie spürte seine feuchten Lippen noch immer auf der Stelle, wo er sie berührt hatte. Sie war mittlerweile richtig, richtig in ihn verliebt und sehnte sich nach einem Kuss auf die Lippen.

Nun machte sie sich auf den Weg zu ihrem Quartier. Sie trat ein, versperrte die Tür, lehnte sich an der Tür an und versuchte die Bilder des Tages wieder in ihrer Fantasie abzurufen. Kaum hatte sie die Augen geschlossen, klopfte es an ihrer Tür. Sie öffnete und davor stand Shiva, er hielt einen Pflanzentopf mit Lavendel in der Hand. Sie war für ein paar Sekunden gelähmt und starrte ihn mit ihren großen Augen an.

„Willst du mich nicht reinbitten?“

„Oh, ja, ja sehr gerne.“ Ihre Überraschung war nicht zu übersehen. Sie machte Platz, dass er reinkommen konnte.

„Was hast du da?“

„Lavendel.“

„Wie schön der ist und wie gut er riecht.“

„Er erinnert mich an dich. Und deine Wohnung braucht etwas, um die Monotonie zu brechen.“

„Ja, das unendliche Weiß.“

„Magst du einen Tee?“

„Gerne, aber vorher noch …“ Er nahm ihre Hand und zog sie an sich, dann küsste er sie lang, lang.

„Du schmeckst besser als jeder Tee.“ Dann küsste er sie wieder. „Du bist so anders, du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf.“

„Du mir auch nicht und das seit …“ Er unterbrach sie wieder mit einem Kuss … Dann drehte er sich um und ging wieder.

Sati lehnte sich wieder an die geschlossene Tür und wünschte sich eine Wiederholung, obwohl sie wusste, dass er nicht noch mal kommen würde. Sie lächelte zufrieden, denn sie war fast an ihrem Ziel angekommen. Sie ging zum Spiegel und betrachtete ihre erröteten Wangen, ihre dunklen langen Haare und ihren etwas zu mageren Körper. Aber es gefiel ihr, was sie sah, eine junge selbstbewusste Frau, die die Aufmerksamkeit, auf die sie so lange gewartet hatte, endlich bekommen hatte.

Die schönen Tage in der Pflanzenstation wiederholten sich, auch die Ausflüge ins Freie. Die zwei Verliebten ließen sich nichts anmerken, sie tauschten, nur wenn sie sich unbeobachtet fühlten, Berührungen aus oder warfen einander lange, sehnsüchtige Blicke zu.

Und nachts wurde aus den Küssen mehr … Zwei verwandte Seelen hatten sich gefunden und verliebt. Satis Quartier wurde zum kleinen botanischen Garten, sie bekam jeden Abend eine neue Pflanze.

Eines Abends klopfte Shiva zur gewohnten Zeit wieder an Satis Tür, sie öffnete … Er hatte diesmal eine Helikonie dabei.

„Diese hast du noch nicht in deiner Kollektion“, sagte Shiva.

„Doch, du hast mir so eine schon vor zwei Wochen geschenkt.“ Sati zeigte in Richtung einer kleinen rot-gelben, grün umrandeten Blüte.

„Nein, Sati, diese hast du noch nicht, schau genau hin.“

„Nun ja, die ist nicht so groß und die Farben nicht so intensiv …“

Sati bemerkte in dem Moment den Ring, der an einer der Blattscheiden hing. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, sie schaute zu ihm auf.

„Sati, willst du mich heiraten?“, fragte Shiva. Du bist das ungewöhnlichste, wunderbarste, stärkste, sturste, netteste Mädchen, das mir je begegnet ist, ich liebe dich unendlich.“

„Ja, mehr als alles andere auf der Welt!“, antwortete sie, ihre Stimme verriet ihre Aufregung.

„Dann nimmst du diese Pflanze samt Ring an? Und mich?“

„Ja!“, rief sie und fiel ihm um den Hals. Er hob sie hoch und küsste sie leidenschaftlich.

***

Sati machte die letzte Überprüfung des dekorierten Tisches in ihrer Wohnung, dieser war für vier Personen gedeckt. Aus dem Backrohr duftete es süßlich, sie wollte ein Essen bereiten aus dem Gemüse, welches aus der Zuchtstation kam, in der sie gearbeitet hatte.

Sie zündete die Kerzen vom Gedeck an, als es an der Tür klingelte, sie öffnete und ihre Eltern kamen herein.

„Sati, das sind so viele Pflanzen, dein Quartier ist sehr klein, aber sehr freundlich. Und wie sie duften“, sagte Prasuti.

„Ja, nett“, merkte Daksha an. „Sag, Tochter, was ist der Anlass deiner Einladung? Und wer ist der vierte Gast?“

Kaum hatte Daksha die letzte Frage ausgesprochen, klopfte es an der Tür, sodass Sati nicht direkt antworten musste.

Shiva trat ein, küsste Sati auf die Wange und nahm ihre Hand in seine.

„Mutter, Vater, Shiva habt ihr schon kennengelernt! Wir haben uns verlobt.“ Sie zeigte voller Stolz den Ring auf ihrem Finger.

„Soso, ihr habt euch verlobt. Ohne uns zu fragen?“

„Deswegen bin ich da, ich möchte um die Hand eurer Tochter bitten.“

Großes Schweigen und ein eisiges Gesicht von Daksha.

„Wie stellen Sie sich die Zukunft auf diesem Planeten vor? Glauben Sie wirklich, mit den paar Samen, die Sie gefunden haben, die Rettung zu schaffen?“ fragte Daksha mit bemerkenswertem Sarkasmus in seiner Stimme. „Und ist das ein Beruf?“

„Papa, bitte“, unterbrach ihn Sati.

„Ist das das Leben, das du willst, Tochter? Dich immer in Gefahr zu bringen für ein paar Grünpflanzen?“

„Lasst uns essen, Sati hat sich Mühe gemacht, es schaut alles lecker aus“, Prasuti versuchte die angespannte Situation zu lockern.

„Mit vollem Magen lässt sich besser denken“, versuchte sie mit einem Lächeln ihren Mann zu besänftigen.

Shiva nickte, er spürte die Kälte der Eiszapfen, die sich zwischen ihm und Daksha gerade bildeten, und er war sich nicht sicher, ob er es je schaffen würde, diese zum Schmelzen zu bringen. Er hoffte irgendwann auf die Fortsetzung des Gespräches, jedoch spürte er eine innere Unruhe, die er nicht auf Sati übertragen wollte.

Während des Essens hörte man nur das Klappern des Bestecks und der Gläser, die Beteiligten tauschten nur kalte Blicke untereinander.

„Das ist sehr schön für das Auge, Sati, du hast dich richtig bemüht.“ Prasuti ermutigte immer wieder ihre Tochter. „Ist das tatsächlich Brokkoli? Und Mangos? Das habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gegessen und damals war es nur konserviert.“

„Das ist alles aus unserem Garten.“

„Tatsächlich“, bemerkte Daksha.

Sati bemühte sich, sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen. Nachdem sie das Dessert serviert hatte, setzte sie sich erleichtert wieder auf ihren Platz, Shiva suchte unter dem Tisch nach ihrer Hand. Er selbst brauchte auch Mut, um das Thema wieder anzusprechen.

„Nun, schulden Sie mir eine Antwort. Sati und ich lieben uns.“

Daksha suchte Shivas Blick und schaute lange zu ihm. Dann zu seiner Tochter.

„Sati, du bist erwachsen, wenn das deine Wahl ist, dann soll es so sein.“

Sati verspürte nicht die Erleichterung, die sie sich erwünscht hatte. Ihr Vater hatte zwar eingewilligt, aber sie spürte, dass er nicht glücklich war. Jedoch hoffte sie, dass wenn sie Shiva besser kennenlernen, die Zeit alles richten würde.

„Danke für das köstliche Essen, Tochter, wir freuen uns für eure Verlobung.“ Prasuti versuchte, die Kluft zwischen Vater und Tochter zu verkleinern, Sati zwang sich zu einem Lächeln und nicht in Tränen auszubrechen.

„Ich bin müde und morgen habe ich geschäftliche Angelegenheiten, wir müssen jetzt gehen. Danke für das Essen, Tochter“, sagte Daksha emotionslos.

Sie bekam von ihrem Vater einen Kuss auf die Stirn, ihre Mutter umarmte sie und streichelte ihr über die Wange. Sie schenkte ihr noch ein Lächeln, dann drehte sie sich um und versuchte Daksha zu erreichen, der es offenbar eilig hatte, sich zu entfernen. Shiva hatte Daksha nur mit einem Blick begrüßt, ohne Worte.

Sati schloss die Tür, fiel Shiva um den Hals und begann laut zu seufzen. Sie hatte sich in ihren Gedanken Tag für Tag dieses Abendessen vorgestellt und versucht sich einzubilden, dass ihr Vater Shiva akzeptieren und sich für ihren Glück freuen könnte. Sie kannte ihren Vater aber zu gut.

***

Die Tage nahmen wieder ihren gewohnten Lauf. Sati und Shiva erzählten niemandem von ihrer Verlobung, sie wollten zuerst sicher sein, dass ihre beiden Eltern den Shiva als Schwiegersohn akzeptieren. Ihre Liebe wuchs von Tag zu Tag und sie konnten ohneeinander nicht mehr leben.

„Heirate mich, ich möchte nicht mehr warten“, bat sie Shiva.

„Wir warten noch, bitte … ich möchte sie dabeihaben, sie gehören zu meinem Leben.“

Etwas Zeit verging, dann passierte was Unerwartetes.

„Shiva, ich muss dir etwas sagen. Wir werden Eltern.“ Sati war überglücklich.

„Meine Liebe, das ist eine großartige Neuigkeit. Wir heiraten. Morgen, nur wir zwei …“

Sati nickte.

„Ich habe eine Bedienung.“ Sati lächelte dabei.

„Ich erfülle dir jeden Wunsch.“

„Ich möchte draußen heiraten, im Freien.“

„Das ist eine Anstrengung für dich, ich will dich keiner Gefahr aussetzen, vor allem nicht in deinem Zustand.“

„Das ist die Bedingung!“

„Gut, dann machen wir es so.“

Sie legten ihre Anzüge an und machten sich auf den Weg. Sie gingen über die bekannten Pfade, Sati hielt wieder beim Fluss und versuchte sich vorzustellen, wie schön es da mal ausgesehen hatte. Sie sah sich und Shiva vor dem Altar, der direkt beim Wasser war, die Hochzeitsgäste saßen hinter ihnen und applaudierten nach dem Kuss. Auf dem Wasser wartete auf sie ein Boot für eine romantische Fahrt zum anderen Ufer, wo die Feier stattfinden sollte …

„Sati, wir müssen uns beeilen“, Shiva riss sie aus den Gedanken, „heute geht es um uns.“

Die Zeremonie erfolgte in dem Teil des Waldes, in dem die Bäume noch etws Lebenskreft zeigten, der Tag ähnelte den anderen, der Himmel war grau und nebelig, wie immer.

Shiva säuberte eine Fläche und entzündete in einer mitgebrachten Schüssel Feuerschale ein paar trockene Äste. Dann band er Satis Hand mit einem Tuch und begann den Gang um das Feuer, Sati folgte ihm.

„Ich nehme deine Hand, mögen wir glücklich sein. Mögest du mit mir, deinem Mann, lange leben. Du bist die Herrin meines Hauses. Ich nehme dein Herz in meines. Mögen unsere Gedanken eins sein!“

„Ich kann dich nicht mal küssen“, sagte Sati.

„Wir werden uns küssen, wenn wir in der Kolonie ankommen.“

„Ich kann es kaum abwarten.“

Währenddessen betrachtete Sati mit ihrem geübten Auge die Umgebung. Ihr Blick war immer auf Samen, grüne Pflanzen oder Insekten gerichtet.

Und tatsächlich, sie bemerkte einen Schmetterling und folgte ihm mit dem Blick, doch der Schmetterling verschwand im Nebel.

„Ein Schmetterling, der war wunderschön. Den müssen wir holen.

„Das ist ein gutes Zeichen. Wenn wir wollen, dass sich die Natur erholt, dann müssen wir ihr eine Chance geben. Er ist sicher ein Kämpfer, sonst hätte er nicht so lange überlebt. Er hat unser Fest verschönert, wir kommen ein anderes Mal und vielleicht hat er bis dann eine Partnerin und auch Kinder, heute ist unser Tag. Ab jetzt bist du meins, ich werde dich bis ans Ende unsere Tage lieben.“

„Ich dich auch. Du bist mein Leben. Ich kann mir keinen Tag mehr ohne dich vorstellen.“

Er löschte das Feuer fürsorglich und sie machten sich wieder auf den Rückweg. Als sie den Eingang in der Kolonie erreichten, hob er die Braut und brachte sie rein. Sie nahmen ihre Anzüge ab und machten sich auf den Weg ins Quartier. Während er sie hinter der geschlossenen Tür küsste, tupfte er ihr die rote Farbe auf den Scheitel.

Sati sah sich um und bemerkte, dass Räucherstäbchen brannten und der Raum und das Bett mit Rosenblättern dekoriert waren.

Sie verbrachten eine lange romantische, unvergessliche Nacht.

***

Seit dem gescheiterten Abend hatte sie keinen Kontakt mehr zu Daksha und Prasuti. Sie wusste, dass sie mit politischen Themen beschäftigt und bei wichtigen Entscheidungen über die Zukunft Aerdna beteiligt waren. Auf der anderen Seite wollte sie ihnen Zeit geben, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass für sie der einziger Mann Shiva ist.

Der Jahrestag des Familienfestes von Satis Familie näherte sich, Sati wollte die gute Laune ihrer Eltern hier nutzen und sie von der Heirat und Schwangerschaft unterrichten.

Sie überlegte sich, was sie ihren Eltern schenken könnte. Die Zeit verging und sie erfuhr, dass die Einladungen schon verschickt wurden, doch sie bekam keine. Sie hoffte, dass ihre unabsichtlich übersehen wurde.

„Sati, wir können nicht hingehen, wir sind nicht eingeladen.“

„Wir müssen hingehen, ich bin ihre Tochter. Ich liebe meine Eltern und ich möchte sie an meinem Leben teilhaben lassen. Sie werden bald Großeltern.“

„Sati, wir haben ohne sie geheiratet, sie werden nicht erfreut sein.“

„Mein Vater ist ein guter Mensch, er kann das nur nicht zeigen. Er ist zu stolz.“

„Für ihn bin ich nicht gut genug. Sie haben sich bei uns nie wieder gemeldet.“

„Wir gehen zum Fest, sie werden uns nicht wegschicken.“

„Ich weiß nicht, ob das eine weise Entscheidung ist, aber du weißt, für dich tue ich alles.“

***

Sati machte ihre Haare zurecht, sie fielen in leichten Locken über ihre knochigen Schultern, während sie aus dem vorderen Teil zwei Knoten formte. Bis zum Knoten führte ein Zickzack-Scheitel, den sie mit einem roten Strich über die gesamte Länge dezent nachzog. Ihre Wangenknochen fielen auf und ließen ihr Gesicht edel erscheinen. Sie war blasser als sonst, dafür betonte sie ihre Augen mit schwarzem Kajal und ihre Lippen mit einem rosa Lipgloss.

Shiva machte ihr weißes Kleid zu, dann drehte sie sich seitlich zum Spiegel und beobachtete ihren Bauch.

„Man merkt nichts“, sagte sie, während sie das Kleid über den Bauch glattzog.

„Nein, es ist noch zu früh und du bist so dünn. Langsam musst du deine Einsätze reduzieren.“

„Dann gehst du auch nicht. Ich weiß, welche Gefahren da draußen lauern, ich möchte mir nicht Sorgen machen, während du weg bist.“ Sati verwendete Shivas Worte, dabei zwinkerte sie ihm zu. Sie waren beide sehr angespannt.

„Es wird mir schwerfallen, aber wenn das dein Wunsch ist …“

„Komm, lass uns fertig werden.“

„Sati, du bist wunderschön, ich kann meine Augen nicht von dir nehmen.“

„Du schmeichelst mir, danke. Ich liebe dich … Du siehst auch gut aus.“

Sati bereitete einen Korb mit Obst aus dem Garten vor, sie wollte ihnen eine Freude mit den Früchten ihrer und Shivas Arbeit machen.

***

Sie erreichten das Quartier des Daksha und Prasuti, sie besaßen ein großes Abteil mit einer Menge Räume. Sati freute sich, wieder im Bereich zu sein, wo sie aufgewachsen war. Sie wünschte sich, dass sie die Liebe Ihrer Eltern wiederfinden könnte.

Im Empfangsraum brannte schon das traditionelle Feuer, manche Gäste waren schon angekommen, bildeten kleine Gruppen und bedienten sich am reichen Büfett. Ihre Mutter war dabei, die Gäste zu empfangen. Als sie die beiden bemerkte, verschwand kurz das Lächeln von ihrem Gesicht, jedoch riss sie sich zusammen und zwang sich zu einem gekünstelten Lächeln. Shiva wusste sofort, dass sie nicht willkommen waren und vermutete kein gutes Ende.

„Sati, meine liebe Tochter du siehst so schön aus.“

Sie küsste ihre Tochter auf die Stirn und entdeckte dabei den roten Strich in ihrem Haar, es wurde ihr sofort klar, was das bedeutete.

„Shiva“, Prasutis Begrüßung des Schwiegersohns war reserviert.

Shiva bemühte sich freundlich zu bleiben, er wusste, dass Prasuti ihre Tochter liebt und ihn akzeptieren würde, jedoch stand sie unter dem Einfluss vom Daksha.

„Mutter, hier ist das Geschenk für euch“, Sati überreichte den Korb.

„Ohhh, danke, das ist wunderschön. Das sind echte Äpfel?!“

Während Prasuti den Korb übernahm, bemerkte Sati den Blick ihres Vaters, als auch er den roten Streifen in ihrem Haar entdeckte, seine Mine veränderte sich und seine Gesichtsfarbe wechselte ins Grau.

„Ihr beide wart nicht eingeladen. Warum seid ihr gekommen? Ihr seid hier nicht willkommen!“

Sati war von der Reaktion ihres Vaters überrascht, der keine Rücksicht auf die anderen Gäste nahm und sie vor allen beschimpfte. Es wurde plötzlich ruhiger im Raum, alle Blicke waren auf sie gerichtet. Der Raum begann sich zu drehen und Sati wünschte sich, nicht gekommen zu sein. Sie drehte sich um und verließ den Raum.

Shiva folgte ihr, aber Neuankömmlinge versperrten ihm unabsichtlich den Weg, als er den Gang erreichte, war Sati schon verschwunden. Er ging zu ihrem Quartier, jedoch war sie nicht dort. Er suchte im Pflanzenraum, aber Sati war auch nicht dort. Er machte sich langsam Sorgen, als ihm klar wurde, was sie vorhatte, den ihr Schutzanzug fehlte. Er zögerte nicht, legte seinen Anzug an und verließ die Kolonie. Er war sich sicher, dass sie ist zu dem Platz gelaufen war, wo sie geheiratet hatten.

Tag und Nacht auf Aerdna waren nicht mehr zu unterscheiden, der Planet war irgendwo dazwischen, die Uhren sagten ihnen, welche Tageszeit gerade war, der Tag ähnelte der Dämmerung und die Nacht war dunkel.

Als er die Kolonie verließ, war der Wind ziemlich stürmisch, er trieb dichte Wolken über den Himmel, der Regen ließ nicht lange auf sich warten. Er musste sich beeilen, bevor Sati etwas passierte.

Er war erfahrener als sie, obwohl sie eine ausgezeichnete Schülerin war und die Wege mittlerweile sehr gut kannte. Die Regentropfen wurden immer dichter, teilweise entstanden daraus Schneeflocken, dann wiederum Schneeregen, aus dem Boden stieg ein Nebel und in den Unebenheiten bildeten sich schon Wasserlachen. Die Jahreszeit entsprach kalendarisch dem Winter, jedoch wechselten seit Jahrzehnten das ganze Jahr über wärmere und kältere Temperaturen – ohne eine Ordnung und oder Voraussage. Doch an dem Abend war die Temperatur sehr niedrig.

Er erreichte die Stelle und war erleichtert, als er Sati entdeckte. Sie stand unter einem trockenen Baum und suchte nach Insekten.

In dem Moment schlug ein Blitz direkt in den trockenen Baum ein, vor dem Sati stand und er begann zu brennen. Sehr schnell fielen brennende Äste runter, einer berührte sie an der Schulter und ihr Anzug fing Feuer.

Die Flame des brennenden Baumes entfachte sich trotz Regens mehr und mehr und sprang bereits auf die umgebenden Stämme über, die Rauchwolke wurde immer dichter und die Sicht immer schlechter.

Sie roch den Rauch durch ihr Visier, ihr Anzug war beschädigt, sie versuchte die Flammen am Anzug zu ersticken. Sie spürte, wie sie immer schwerer Luft bekam, ihre Augen begannen zu brennen und ihre Wahrnehmung wurde schlechter. Sie spürte die unangenehme Hitze auf ihrer Haut und konnte nichts dagegen tun. Sie sah nur Rauch, ihre Lungen füllten sich mit dem unangenehmen Geruch, dann wurde ihr schwarz vor den Augen.

Shiva erreichte sie und versuchte ihren Anzug zu löschen, aber das Feuer war schon zu stark, er führte ihr Verbrennungen zu und beschädigte den Anzug so, dass die Sauerstoffversorgung nicht mehr funktionierte. Sati war nicht mehr bei Bewusstsein, Shiva sah, wie ihr Körper um die Atemzüge kämpfte. Er musste sich beeilen, damit sie ärztliche Hilfe bekam.

Den Brand musste er zurücklassen. Der Wind und der nasse Boden erschwerten ihm die Rückkehr, der Regen verschlechterte seine Sicht. Es dauerte eine Ewigkeit, bis er die Kolonie erreichte.

Er konnte die Hilfe anfordern, als er nah an der Kolonie war, davor war er durch das Gewitter in einem Funkloch und konnte niemanden erreichten.

Die Sanitäter übernahmen Sati, während Shiva seinen Anzug ablegte. Er lief zum Schockraum und beobachtete ein Ärzteteam, wie sie um Sati kämpften. Dicke Tränen liefen über sein Gesicht, dann trafen auch Daksha, Prasuti und Brahma ein. Prasuti legte eine Hand auf seine Schulter, sie konnte ihre Tränen auch nicht zurückhalten.

„Was ist passiert?“

„Sie war draußen … Der Blitz traf den Baum, unter dem sie stand, … ihr Anzug fing Feuer.“

„Du bist schuld. Du hast sie dieser Gefahr ausgesetzt“, sagte Daksha wütend.

„Es ist kein guter Zeitpunkt für Schuldzuweisungen“, sagte Prasuti.

„Ich liebe sie. Sie ist schwanger.“ Sagte Shiva.

Bei dieser Nachricht wurde alle plötzlich ruhig.

Dann beobachteten sie, wie einer aus dem Rettungsteam Sati das weiße Tuch über das Gesicht zogen.

„Neeeeiiiinnnn!“, schrie Shiva.

Seine Welt brach zusammen. Er griff sich mit beiden Händen über den Kopf und setzte sich auf den Boden, sein Körper bebte, er weinte laut. Daksha umarmte seine Frau.

Vishnu kam bei zur Tür rein. Er ging zu Shiva und legte ihm die Hand auf die Schulter, ohne Worte.

Eine Ärztin kam raus und entnahm ihre Maske.

„Wir konnten nichts mehr für sie tun. Sie war schon tot, als sie hier eintrafen. Die Verbrennungen haben sie sehr geschwächt, dann der Sauerstoffmangel in dem beschädigten Anzug … es tut mir sehr leid, wir haben alles versucht …“

III

Die Mitteilung das Jahr 5000 v.C.

Das Rumoren der Stimmen brach an den Wänden des Hochrath-Raumes, der immer voller wurde. Der Raum war weiß, verziert mit Gold, riesengroß, die Wände glatt, kalt, steril, keine Fenster, der Raum war überflutet mit Kunstlicht.

Die Sitzplätze waren auf einer Seite des Raumes angeordnet, auf der anderen befand sich der ovale Tisch, jeweils weiß.

Die Anwesenden waren alle weiß gekleidet, trugen goldenen Schmuck, waren groß, schlank, fast makellos gebaut, wunderschöne Gesichter. Die Männer trugen weiße Anzüge, die Frauen lange weiße, jedoch individuell gestaltete Kleider.

Dennoch waren die Menschen unterschiedlich, jeder einzigartig mit seinen Gesichtszügen, seiner Hautfarbe, den Augen und Haarfarben.

Ein Gipfeltreffen wurde einberufen, Hochrangpolitiker vom ganzen Planeten „Aerdna“ der Galaxie UBK-j27 waren angereist. Das Klima des Planeten hatte sich verändert, die Anzahl der Menschen auf dem Planeten war stark angestiegen, die Ressourcen reichten nicht mehr lange aus.

Die Menschen hielten sich nur noch in Schutzräumen der Kolonien auf. Der Planet war sehr stark verschmutzt, in den Gewässern waren außer Mikroorganismen keine Lebewesen mehr zu finden, die Natur war vernichtet.

Die Pflanzen wuchsen nur noch unter Verwendung des künstlichen Lichts, in Botanikgärten. Die Menschen kümmerten sich in den Reservaten um die Artenvielfalt so lang es ging. In der freien Natur waren die Überlebenschancen sehr gering, die Pflanzenwelt war abgeschwächt und nicht mehr imstande, sich selbst zu erholen.

Der Planet „Aerdna“ war einzigartig im Sonnensystem und der einzige, der Lebensbedingungen für Pflanzen, Tiere und uns Menschen hatte. Sie hofften noch auf eine Rettung und arbeiteten sehr intensiv daran, aber ohne nennenswerten Erfolg. Die Wissenschaftler waren schon seit sehr langer Zeit auf der Suche nach einem Planeten, der ähnliche Bedingungen für das Übersiedeln der Aerdaner bieten sollte.

Die Masse hatte ihre Plätze bereits eingenommen, und als die Vorsitzenden eintrafen, wurde es im Raum ruhiger.

Sie waren ebenfalls in Weiß gekleidet, sie positionierten sich hinter dem Tisch und richteten ihre Blicke durch den Raum, zum Auditorium.

In der Mitte stand ein Mann, seine nach hinten gekämmten weißen Haare, sein weißer Bart, seine graublauen Augen strahlten Ruhe und Weisheit aus. Der Klang seiner angenehmen, ruhigen Stimme erfüllte den Raum …

„Verehrtes Auditorium, die Lage ist ernster, als wir bisher angenommen haben, wir müssen schnell handeln. Es gibt zwei Agenden, um unseren einzigartigen Planeten zu retten: Die Geburtenrate muss streng kontrolliert werden, weiter haben wir ein Programm, um die Natur zu retten. Jedoch ist die Evakuierung eines Teils der Bevölkerung unumgänglich.

Die Berichte der Tests auf dem Planeten „Erde“ liegen vor, dieser Planet ist unseren am ähnlichsten und erfüllt die Bedingungen für das Überleben.“

Ein dreidimensionales Bild erschien im Raum, so, dass jedes Detail der Übertragung aus jedem Winkel des Raumes gesehen werden konnte.

„Das ist die Erde …“, schloss Chronos die Eröffnung ab.

3D Bilder vom blauen Himmel, grünen Pflanzen, blauen Flüssen, türkisfarbenem Meer, mit Schnee bedeckten Bergen im Hintergrund erfüllten den Raum mit Wärme.

Chronos’ Blick wanderte durch das Auditorium, die Zuschauer verschlangen die Bilder, in manchen Augen glänzten die Tränen … Sein Blick blieb kurz auf seinem Sohn Zeus stehen, sein Gesichtsausdruck verriet Begeisterung, was Chronos und Rhea sich erhofften.

„So sah es hier vor sehr langer Zeit aus“, setzte Chronos fort.

Rhea übernahm, ihre großen blauen Augen wanderten über das Auditorium, sie versuchte mit jedem Augenkontakt herzustellen.

„Dieser neue, kleine Planet ist unsere Zukunft. Er ist noch wild und in Entwicklung, seine Kontinente noch in Bewegung, seine Vulkane noch aktiv. Er ist Teil eines Sonnensystems.“

Die bildliche Darstellung unterstützte Rheas Darstellung.

„Unsere Wissenschaftler haben schon vor Jahren mit der Erforschung mehreren Planeten in uns zugewiesenen Sektoren begonnen, wir haben Viren und Einzeller auf Meteoriten in das Weltall verteilt und auf diesem Planeten haben sie überlebt. Dann haben wir unsere ersten Astronauten geschickt, die haben die ersten Pflanzen eingesetzt. Und sie haben sich tatsächlich an die Bedingungen angepasst und sogar neue Spezies entwickelt. Sehen Sie sich diese Pracht an.“

Sie deutete mit ihren gepflegten Hand auf die Bilder, sie hatte ihre Begeisterung auf alle im Auditorium übertragen …

Der Regenwald, die Pinienwälder, die Wiesen wechselten sich ab, dann kamen einzelne Schönheiten, Bromelien, Rosen, Lilien, Tulpen, Geranien, Petunien, Margeriten, Dahlien, Begonien in den prächtigsten Farben …

Zeus’ Pupillen erweiterten sich, er atmete die bunten Bilder in sich ein, seine Kehle wurde ganz trocken. Er suchte Methis Hand, ohne den Blick von der visuellen Darstellung zu entfernen und umklammerte sie immer fester, er war von seinen Emotionen geleitet, er begann ihr fast wehzutun. Sein Herzschlag wurde immer lauter, er bildete sich ein, das Methis sein Herz hören konnte und er spürte ihres …

Sie waren frisch verliebt, voller Hoffnung, jedoch wussten sie, wie es mit ihrem Planeten ausschaut. Sie waren darauf gefasst, ein Leben in geschlossenen Räumen zu führen, ohne die Natur zu genießen.

In seinem Kopf wiederholte sich das Wort „Erde“, gleich nach den ersten Bildern. Die Worte, die von seinem Vater und seiner Mutter gesprochen wurden, klangen für ihn wie ein Echo, alles um ihn herum erschien wie in einer Zeitlupe. Sein Verstand projizierte seine eigenen Kopfbilder, er sah sich und Methis, mit ihren Kindern in „Paradies“.

Huitzilopochtli, der Sohn der Coatlique, war von seiner Mutter gezwungen worden, zum Treffen zu kommen. Disziplin und Gehorchen gehörten nicht zu seinen Stärken, ihn interessierte nur sein eigenes Wohl, jedoch ließen ihn die Bilder der Erde nicht kalt.

Er saß einige Plätze entfernt von Zeus und Methis, er fixierte seine Mutter, die rechts von Chronos stand, als sie zu sprechen begann.

Ihre dunklen glatten, langen Haare flossen über ihre Schultern, Feuer brannte aus ihren tiefen dunklen Augen.

„Und das ist nicht alles, es ist uns gelungen auch Tiere dort zu etablieren, sie haben sich auch eigenständig entwickelt.“

Geb, rechts von Coatlique, übernahm, es klang alles wie ein perfekt eingespieltes Team.

„Das Alter der Erde wird auf etwas weniger als vier Milliarden Jahre geschätzt, das sind 18 galaktische Jahre. Zu Beginn war es auf der Erde sehr heiß und die zum Leben notwendige Sauerstoffhülle existierte noch nicht. Zum Glück gibt es dort Wasser, dort ist es uns gelungen, die ersten Zellen zum Leben zu erwecken. Mit der „Entstehung“ der Photosynthese wurde die Atmosphäre mit Sauerstoff angereichert, was die Entwicklung weiterer Lebensformen möglich machte. Wir können dort normal atmen. Doch die Erde ist etwas kleiner als Aerdna, deswegen ist dort nicht Platz für uns alle.“

Seine Frau Nut saß im Auditorium neben ihren Kinder Osiris, Isis, Seth und Nephthys, sie warf ihnen einen liebevollen Blick zu und malte sich ihre Zukunft auf der Erde aus.

Nü Gua, die Frau mit glatten dunklen Haaren und hohen Wangen war als Nächste dran.

„Nun, haben wir vor einiger Zeit auch mit der Besiedelung durch die Menschen begonnen.“

Die bewegenden Bilder zeigten eine Gruppe Wesen, die dem Abbild der im Raum versammelten Menschen entsprach, jedoch mit schmutzigen oder bemalten Gesichtern, kaputten Zähnen, verklebten Haaren, sehr spärlich bekleidet und barfuß. Sie liefen einem Reh nach und versuchten es mit ihren Speeren zu erlegen.

Dann drehte sich der Planet weiter und zeigte andere Menschen, die etwas mehr anhatten und insgesamt fortgeschrittener waren und bereits in einer Art Häuser lebten …

„Es sind Stellvertreter jeder Rasse, jeder Minderheit, Völker aus jedem Sektor der Aerdna dabei. Wir haben vor Jahren Waisenkinder zu der Erde geschickt, sie waren lange betreut, bis sie nicht fähig waren, sich selbst zu versorgen. Wir haben ihnen Nahrung bereitgestellt, ihnen gezeigt, dass sie in den Höhlen vor Wetter und Tieren geschützt sind und durch Bilder, die wir dort hinterlassen haben, ihnen vermittelt, wie sie überleben können.

Es wurde ihnen nicht mal das Sprechen beigebracht, das Ziel war es, sie dem Planeten zu überlassen, damit es zu ihrem Zuhause wird. Wir haben sie die ganze Zeit überwacht und von Zeit zu Zeit „unter die Arme gegriffen“ und ihnen neues Werkzeug gegeben.

Wir haben ihnen das Feuer gegeben, das Rad …Und sie haben sich tatsächlich weiterentwickelt. Wir müssen zugeben, es war nicht ungefährlich, wir haben sie benutzt, aber jetzt wissen wir, dass die Erde bewohnbar ist. Wir mussten dieses Opfer bringen, es ist mittlerweile die zwölfte Generation.“

Brahma, der fünfte Vorsitzende, machte weiter.

„Sie bekamen von unserer Zivilisation nur Schritt für Schritt. Sie mussten ihre eigene Evolution durchleben und ihre eigene Entwicklung durchmachen. Dadurch wollen wir sie beschützen, um ihre neue Heimat lange gesund zu erhalten. Sie erbten unsere Intelligenz, sie werden jedoch lange benötigen, um unseren Stand der Technik zu erreichen. Wir wollen die Erde und ihre Bewohner dadurch beschützen und dort für sehr lange Zeit die Lebensqualität erhalten.“

Shiva verfolgte die Übertragung aus seinem Quartier. Sein Leben war seit Satis Tod auf Expeditionen im Freien und Arbeiten in Pflanzenpflege reduziert. Seine Wangenknochen wurden zum Blickfang auf seinem mageren Gesicht, er nahm ab, er trainierte zwar regelmäßig, um für die Expeditionen genug Kraft zu haben, jedoch ernährte er sich nur bis zum Überleben.

Als er Brahma sprechen hörte, kam ihm wieder die Erinnerung hoch. Seit Satis Begräbnis hatte er keinen Kontakt mehr mit der Familie. Sein Blick wanderte zur Decke, er versuchte sich abzulenken, doch Bilder aus seinen Träumen von sich und Sati und mit ihren Kindern beherrschten seine Gedanken. Er überlebte, indem er eine Mischung aus einigen Pflanzenblätter machte, die seine Gedanken ablenkten.

„Sati … du bist so schön …“, träumte er mit offenen Augen.

Iduna setzte fort mit ihrer angenehmen Stimme, dabei strich sie sich die langen blonden geflochtenen Haare nach hinten.

„Die Entscheidung steht fest, Auserwählte werden zur Erde übergesiedelt, dort wird ihre neue Existenz aufgebaut.

Sie werden nichts vermissen, sie dürfen das, was wir hier verloren haben, genießen, außer ihre Verwandten und Freunde, die sie hier zurücklassen. Die Auserwählten werden persönlich informiert.

Eine Einteilung für verschiedenen Zonen ist bereits erfolgt. Manche von euch sind betroffen. Eure Kinder und Enkelkinder werden dort ihre neue Heimat finden.

Vielleicht könnt ihr eines Tages zurückkehren, wenn die Mission erfüllt wurde und wenn unser Rettungsprogramm gegriffen hat …“

Shiva wurde aus seinen Gedanken gerissen, er war schweißgebadet.

„Ich muss hier weg. Hier erinnert mich alles an Sati. Ich muss neu anfangen.“

Jörd, die Frau mit auffällig roten Haaren, richtete ihre smaragdgrünen Augen Richtung Auditorium und fügte hinzu:

„Da wäre nur noch eines: Wir wissen, dass die anderen bewohnten Planeten, Leuname Nitnoel und Alokin, keine Probleme dieser Art haben und nicht evakuieren müssen. Die Erde befindet sich in unserem zugewiesenen Sektor und wir haben damit die Urheberrechte. Die Aufgabe des Hochrates ist es, diese Abmachung politisch zu beschützen, die Aufgabe der Auserwählten ist es, sie mit ihrem Leben zu verteidigen, wenn die Diplomatie scheitert.“

Die Lautstärke des Getümmels nahm wieder zu. Die Reaktion bestand aus Freudenlauten, Besorgnis, Neugier und Hoffnung.

„Die Auserwählten werden informiert, auch über ihre Aufgaben und Pflichten. Sie bekommen die notwendige Vorbereitung für die lange Reise und Ausbildung, um den weiteren Aufbau und die Entwicklung des Lebens auf der Erde zu begleiten.

Es ist mir eine große Freude zu verkünden, dass unser Sohn Thor dazugehört, gratuliere, mein Lieber.“

Der junge JHWH, der in der ersten Reihe saß, betrachtete die Bilder der Erde mit glänzenden Augen. Als Nachfolgegeneration des Vorstands hat er von den verschiedenen Missionen gewusst, doch die Entscheidung kannte er nicht.

Er atmete ein und versuchte, sich die Gerüche aller Pflanzen in seiner Fantasie vorzustellen. Dieser neue Planet würde seine Zukunft sein.

IV

Die Entscheidung

Als sie mit der Mitteilung fertig waren, verließen sie den Raum, die bunten Bilder von der Erde bewegten sich noch immer und belebten den kahlen, farblosen Raum.

Zeus zerrte Methis durch das Getümmel, alle wollten gleichzeitig raus. Alle wollten erfahren, ob sie im Aufbauprogramm dabei sind, die Vorsitzenden hatten nicht verraten, wie die Information erfolgen würde.

Sie bewegten sich schnell durch den weißen Gang, der sich in seinem kalten Design nicht wirklich zum Hochrath-Raum unterschied, jedoch im Kontrast zu den weiß gekleideten Menschen, knallrot und verziert mit Gold, voller Menschen mit wunderschönen Gesichtern, perfekt gestylten Haaren, makellosen Figuren.

Sie rammten gerade die unzertrennlichen Vierlinge, Sanaka, Sanatana, Sanandana und Sanatkumara, die ältesten Söhne Brachmas. Die beiden blendeten die Umgebung aus, sie nahmen nur das Gedränge wahr und wollten so schnell wie möglich raus.

„Methis, das ist eine Chance für uns, wir müssen sie ergreifen. Ich will auf der Erde das Leben mit dir aufbauen.“

„Zeus, ich will eine Zukunft mit dir, unsere Kinder sollen in einer gesunden Umwelt leben“, dabei griff sie sich an den Bauch, „aber können wir den Bildern wirklich vertrauen? Ist die Erde wirklich so gut erforscht? Sie sagten, dieser Planet ist noch in Bewegung, ist es dort sicher?“

Zeus schaute sie mit einem zärtlichen Blick an.

„Liebes, sei realistisch, wie stehen die Chancen hier? Willst du, dass unsere Kinder in den geschlossenen, kahlen Räumen aufwachsen? Würdest du sagen, dass es hier sicherer ist, welche Zukunft können wir ihnen bieten?“

„Du hast recht … es ist die Macht der Gewohnheit und die Angst vor Neuem. Ich muss an meine Eltern denken, sie würden ihre Enkelkinder selten sehen, das wird ihnen das Herz brechen.“

„Ich bin mir sicher, dass Okeanos und der Tethys das verstehen, es müssen Opfer gebracht werden. Lass uns herausfinden, ob wir zu den Auserwählten gehören. Ich werde dafür kämpfen, die Erde hat mich bereits in ihren Bann gezogen.“

Sie machten sich durch ein Labyrinth von Gängen auf den Weg zu ihrem Quartier. Als die beiden vor der Tür standen, erschien auf der Tür kurz ein Abriss ihrer Gestalt, dann öffnete sich diese automatisch. Zeus’ Eltern, Chronos und Rhea, und Methis’ Eltern, Okeanos und der Tethys, waren bereits da. Der Raum erstrahlte in türkisblauen Farbe, überraschend für Zeus und Methis, die sie ihn in Weiß verließen.

Die Farben und das Design der Wände im gesamten Komplex waren veränderbar und wurden je nach Bedarf angepasst.

„Sohn und Tochter“, sprach Chronos, „wir wollten euch persönlich mitteilen, dass ihr zur Erde geschickt werdet, ihr gehört zu den Auserwählten. Für uns ist es ein Riesenopfer, denn wir werden uns nicht allzu oft sehen, uns ist bewusst, dass unsere Enkel weit entfernt von uns aufwachsen werden … jedoch die Gewissheit, dass es euch eines Tages besser geht und ihr einen gesunden Lebensraum bekommt, gibt uns die nötige Kraft.“

„Vater, Mutter, ihr hättet uns keine bessere Nachricht bringen können“, strahlte Zeus, „die Erde geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Wir freuen uns so sehr, dass unsere Zwillinge dort zu Welt kommen werden. Wann beginnt die Ausbildung?“

„Geduld mein Sohn, alles zu seiner Zeit.“

V

Die Auserwählten

„Wer ist noch dabei? Wann erfahren es die anderen? Wann erfahren wir, wer die anderen sind?“, fragte Methis ungeduldig.

„Es sind alle Kinder der Vorsitzenden und andere Mitglieder der hohen Gesellschaft betroffen, ihre Eltern, Angehörige sind bereits bei ihnen und führen ähnliche Gespräche durch. Hestia, Demeter, Hera, Hades, Poseidon, Dione und Aphrodite kommen mit euch mit.“

„Wie ihr bereits erfahren habt, die Erde hat einige große Gebiete, wir nannten sie Zonen, um präziser zu sein, genau sieben. Ihr bekommt eure Zuständigkeitsbereiche, eure Aufgaben sind es, auf euch untereinander und auf die Natur aufzupassen, ein langes Leben für alle Spezies dort zu sichern. Die Ressourcen sind mehr als genug, euch wird es an nichts fehlen.“

„Und wo kommen wir hin?“, fragte Zeus.

„Es ist die Zone I.“

In dem Moment erschien wieder die 3D Projektion von der Erde im Raum, Chronos zeigte darauf einen Punkt, die Projektion wurde für diesen Bereich sofort größer. Zuerst erschien ein steiniges Gebirge, jedoch waren beim genauen Hinschauen viele Pflanzen zu erkennen, dabei erfüllte eine angenehme Brise den Raum. Es war auch eine Reh-Herde auf einer Seite des Berges zu sehen, die im selben Moment, als ob sie sich beobachtet fühlten, sich vorsichtig umsahen und beim nächsten Geräusch schon erschreckt davonliefen. Auf der anderen Seite versuchten ein paar Gämsen sich hoch zu arbeiten, um an die saftigen Kräuter zu kommen.

Am Fuß des Gebirges wurde die Vegetation immer dichter, das Meer gab wunderbare, beruhigende Geräusche beim Reiben über dem Sand von sich.

„Wir haben den Zonen noch keine Namen gegeben, ihr müsst dort eure Stätte gründen und über euer Volk wachen, sie führen.“

Zeus und Methis nahmen sich an den Händen bei der Betrachtung ihrer neuen Heimat, dabei spiegelten sich die Bilder von der Erde in ihren Augen wider. Sie waren beide überwältigt.

„Bitte, wir sind sehr neugierig, dürfen wir erfahren, wohin die anderen gehen?“, fragte Methis und gab sich Mühe, sich die Aufregung nicht anmerken zu lassen.

„Wir haben die Auserwählten nach den Zonen eingeteilt und diese auf kleinere Regionen, abhängig von der Landschaft, Flora und Fauna.“

***

„JHWH, du gehörst zu dem Hohen Rath, du hast deine Aufgaben und Verpflichtungen hier.“

„Aber ich könnte auf der Erde so viel beitragen und wenn meine Zeit gekommen ist, komme ich zurück.“

„Es tut mir leid, das letzte Wort ist gesprochen. Du wirst von hier unterstützen“, beendete Chronos die Diskussion.

Im selben Moment erschien die dreidimensionale Erde, die Stelle mit den Koordinaten 31 30 N, 34 45 O. Das Gebiet war steinig, mit wenig grünen Flächen und nicht sehr wasserreichen Flüssen.

JHWH bedankte sich mit einem stummen Nicken. Er senkte den Blick und wurde still, er wusste, dass er die Entscheidung respektieren musste.