Die Herzlosen - Gerhard J. Wolff - E-Book

Die Herzlosen E-Book

Gerhard J. Wolff

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Beschreibung

Anna ist mit einem erfolgreichen Mann verheiratet und hat zwei Kinder. Sie arbeitet notgedrungen als Maklerin in einer Immobilienfirma. Da ihr Mann eine Freundin hat, ihre Kinder nach Eigenständigkeit streben und sie in der Firma überflüssig ist, wird sie sowohl zuhause, als auch in der Firma auf gemeinste Weise gemobbt. Am Ende ist sie dem Selbstmord nahe. Wird es ihr gelingen, einen Ausweg zu finden?

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Seitenzahl: 203

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Gerhard J. Wolff

Die Herzlosen

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Enttäuschung

Verzweiflung

Aufgabe

Besinnung

Impressum neobooks

Enttäuschung

1

Anna stand am Fenster ihres Büros im 17. Stock des Towers und sah hinaus auf die große Stadt mit den vielen Wolkenkratzern, Türmen, Gebäuden. In den Straßen wimmelte es von Menschen, die dicht gedrängt in einem scheinbar nicht endend wollenden Strömen durch sie hindurchgezwängt wurden. Es grauste ihr davor, am Abend nach der Arbeit wieder einer von denen zu sein, wieder wie diese hindurchgequetscht und hindurchgeschoben zu werden. Es grauste ihr vor der U-Bahn, in die sie zuerst mit den anderen zusammen hineingesaugt, dann fast zerdrückt und schließlich wieder ausgespuckt wurde. Es grauste ihr vor der Enge, vor dem Gestank und vor der Vielzahl der Menschen.

„Wie die Mäuse im Herbst nach einem Mäusejahr“; überlegte sie.

Sie war auf dem Land aufgewachsen, in den wald-, feld- und wiesenreichen Bergen Montanas, sie erinnerte sich an die Mäusejahre, Jahre, in denen es sehr heiß und trocken gewesen war und die Mäuse nicht durch von Kälte und Nässe hervorgerufenen Krankheiten gestorben waren. Im Folgejahr wimmelte es dann vor Mäuselöchern und man konnte die Mäuse von einem Loch zum anderen huschen sehen, wenn man durch die Natur streifte. Sie schüttelte sich vor Ekel, Ekel vor den Mäusen und Ekel vor den schwitzenden, dicht gedrängten Menschenmassen.

„Im Folgejahr sterben die Mäuse dann an Stress, weil es von ihnen zu viele in den Löchern gibt. Sie müssen so dicht gedrängt leben, dass sie sich dann so auf die Nerven gehen, dass sie krepieren“, murmelte sie.

Dann wandte sich ab und setzte sich wieder an ihren Schreibtisch.

„Ob es den Menschen eines Tages genau so geht?“, fragte sie sich wieder nachdenklich.

Sie nahm eine Akte über ein Gebäude, das sie verkaufen sollte. Sie arbeitete jetzt als Maklerin, eigentlich war sie ausgebildete Kindergärtnerin, aber sie war ihrem Mann aus beruflichen Gründen nach New York gefolgt. Er hatte das Management einer kleinen, aber aufstrebenden Firma angeboten bekommen, die Chance seines Lebens, und da blieb ihr keine Wahl. So folgte sie ihm und, weil ihr in ihrem Beruf keine ihr zusagende Stelle als Kindergärtnerin angeboten, versuchte sie sich in verschiedenen anderen Berufen, im Moment war sie als Maklerin in einem Immobilienbüro angestellt. Also nahm sie sich eine Akte über ein zu verkaufendes Gebäude vor, da sie für dieses Objekt eine Werbung erstellen sollte.

Da wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, da es an ihrer Bürotüre klopfte und gleich darauf Mr. Fisher, der Leiter der Agentur, zu ihr herein kam.

Er kam mit ernstem Gesicht auf sie zu und setzte sich unaufgefordert vor den Stuhl vor ihrem Schreibtisch. Sie ahnte nichts Gutes.

„Sie wissen, warum ich komme?“, brummte er sie genervt an.

Sie sah ihn schweigend an und nickte.

„Wir hatten das Gespräch jetzt schon mehrfach“, fuhr er seufzend fort, „das letzte Mal vor vier Wochen, eben nach dem Ende der letzten Abrechnungsperiode.“

Sie nickte wieder, sagte nichts.

„Anna!“ Er seufzte schwer. „Es ist nicht nur so, dass sie mit Abstand von allen Kollegen den geringsten Umsatz machen, …“ Er sah sie durchdringend an. „… es ist vielmehr so, dass sie meiner Agentur weniger einbringen, als ich ihnen zahle.“ Er schüttelte den Kopf. „Anna, Sie kosten mir richtig Geld. Das kann ich nicht so lassen, das verstehen Sie doch?“

Sie wusste, dass er Recht hatte. „Ja, das weiß ich“, bestätigte sie.

Sie sahen sich eine Weile schweigend an.

„Sie sind ja eigentlich Kindergärtnerin, nicht wahr!“

Sie nickte.

„Vielleicht sollten Sie doch in ihrem Beruf arbeiten!“

„Sie haben Recht!“ Sie nickte. „Aber ich bekomme in diesem Beruf keine Stelle!“

„Ja, das ist schlecht!“ Er nickte. „Ich meine halt nur, Sie haben einen sozialen Beruf und arbeiten in einem wirtschaftlichen, das ist vielleicht ein bisschen neben Ihren Fähigkeiten! Verstehen Sie mich?“

Sie nickte und biss sich auf die Lippen.

„Vielleicht, also ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber vielleicht ist der Beruf doch nicht so ganz das Richtige für Sie!“, versuchte er es vorsichtig.

„Sie haben Recht!“, bestätigte sie sofort. Tränen traten in ihre Augen.

Er sah sie überrascht an. Nun tat sie ihm leid. „Ich meine …“ Er räusperte sich. „ … man kann alles lernen! Ich meine …!“

„Sie haben schon Recht! Es ist vielleicht besser, ich suche mir etwas Anderes. Es ist nur so verdammt schwer, etwas zu finden.“

Sie tat ihm leid, aber er dachte auch an den Schaden, den sie ihm zufügte. „Ich gebe Ihnen noch eine Chance!“, begann er wieder. „Wenn Sie im nächsten Monat einen ordentlichen Gewinn erwirtschaften, dann können Sie bleiben, ansonsten müssen Sie gehen. Ich denke, das ist fair.“

Sie sah ihn traurig an. „Das ist es!“, bestätigte sie.

„Gut, dann wäre ja alles klar!“ Er stand auf und ging wortlos hinaus.

Sie wischte ihre Tränen ab und versuchte, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Aber immer wieder schweiften ihre Gedanken zurück in die Berge Montanas.

2

„Aber, aber, aber wenn ihr mich nicht zu dieser Party gehen lasst, dann ist mein Ruf komplett ruiniert!“, rief Leonie, Annas Tochter empört aus, stampfte auf den Boden und sah ihre Mutter mit blitzenden Augen an.

„Wir durften auch nicht zu jeder Party, als wir so alt waren, wie du!“, versuchte sich Anna zu rechtfertigen.

„Das ist unfair!“, entgegnete Leonie. „Was kann ich dafür, dass bei euch nichts gelaufen ist, was kann ich dafür, dass ihr am Leben vorbeigelebt habt und vorbeilebt. Ich jedenfalls will mein Leben in vollen Zügen genießen. Ich will etwas erleben!“ Sie sah ihre Mutter herausfordernd an.

Diese schluckte kurz, verwirrt über Leonies Analyse. Sie bebte bei diesen Worten innerlich und versuchte, sich zu beruhigen.

Anna und ihre Tochter standen sich im Arbeitszimmer ihres Mannes gegenüber, während dieser an seinem Schreibtisch vor seinem PC saß und die beiden beobachtete.

„Ich denke, wir haben es dir jetzt lange genug erklärt.“ Anna versuchte ruhig zu bleiben, obwohl der Streit nun schon eine ganze Weile ging und sie sich mehrfach über ihre Tochter geärgert hatte. „Du darfst natürlich zu Partys gehen, genauso wie alle anderen. Aber nicht zu dieser! Und du weißt, warum!“

Leonie blieb uneinsichtig. „Das ist doch alles nicht wahr, was über Stewart geredet wird, das sind doch alles Verleumdungen, das ist doch alles gelogen!“, keifte sie ihre Mutter wütend an.

„Wenn nur ein Bruchteil davon wahr ist, ist es schlimm genug!“ Anna sah zu ihrem Mann hinüber, der schon nicht mehr ihren Streit verfolgte, dessen Augen vielmehr schon wieder auf den Monitor seines PC gerichtet waren.

Anna begann nun auch, sich über ihn zu ärgern. „Das meinst du doch auch, Max?“

Der Vater schrak auf. „Ja, ja, ja, bin vollkommen deiner Meinung!“

Sie begriff, dass er dem Gespräch nicht mehr gefolgt war, also wiederholte sie nochmals ihre Argumente. „Stewart ist nicht etwa nur ein fauler und frecher Schüler, mein Gott, das wäre ja wirklich nichts Besonderes.“ Sie holte Luft. „Nein, er hat Mitschüler verprügelt und mit Drogen gedealt und die ganze Sache ist nur nicht aktenkundig, weil sein Vater der Schule eine schöne Summe für den Physikraum zukommen ließ. Dein lieber Stewart ist ein echter Gauner, so sieht das aus, ein richtig verkommenes Wesen, und deswegen gehst du nicht zu seiner Party! Kapiert!“

„Das ist doch alles gelogen!“, schrie Leonie ihre Mutter an. „Das ist eine einzige Verleumdung!“

„Das ist stadtbekannt!“, konstatierte Anna. „Ich dachte, ich spreche mit einigen Müttern über Stewart, sondiere sozusagen das Umfeld, bevor ich es dir erlaube, auf seine Party zu gehen.“

„Du hast ihn ausspioniert!“ Leonie schüttelte den Kopf. „Das glaube ich jetzt nicht!“

„Ausspioniert?“ Anna schüttelte nun ebenfalls den Kopf. „Ich habe mich über etwas erkundigt, was in der Stadt jeder weiß.“

„Du bist eine hinterhältige Schlange!“, brüllte nun Leonie und begann hemmungslos zu weinen. „Du spionierst meinen Freund aus!“

„Deinen Freund?“ Anna erschrak. „Stewart ist dein Freund.“

„Ja, dass ihr es nur wisst!“

Anna winkte ab. „Ich habe auch erfahren, dass er jede Woche eine Neue hat. Wenn er sie einige Male im Bett hatte, ist es für ihn langweilig und er lässt sie fallen, wie eine heiße Kartoffel, sagen die anderen Mütter.“

Wie aus dem Nichts brach Leonie in Tränen aus und sie begann am ganzen Körper zu zittern vor Zorn und Enttäuschung. „Das, das ist doch alles, alles gelogen. Stewart liebt mich, nur mich. Er hat es mir gesagt!“

„Leonie!“ Anna versuchte ihre Tochter zu umarmen, aber die entzog sich schnell ihrer Berührung. „Werde doch vernünftig! Begreife doch, dass wir Recht haben.“ Sie sah zu ihrem Mann hinüber. „Das meinst du doch auch, Max!“

Dieser schreckte wieder hoch und nickte schnell. „Natürlich, das meine ich auch!“

Anna nun den Kopf über ihn. Dann wandte sie sich wieder Leonie zu. „Du gehst nicht zu Stewarts Party und damit basta! Es ist entschieden!“ Sie holte Luft. „Du gehst nicht zu der Party eines miesen, verantwortungslosen, charakterlosen Kriminellen!“, bestimmte sie nun.

Nun wurde Leonie ganz ruhig. Sie sah ihre Mutter mit verbissenem Blick an. „Ist das euer letztes Wort?“

„So ist es!“

„Das werden wir ja sehen!“, antwortete Leonie. „Aber wen ihr nicht mehr sehen werdet, das bin ich.“ Damit fuhr sie herum, stürmte zu ihrem Zimmer, knallte die Türe hinter sich zu und schloss ab.

Anna sah ihr nach und stand dann traurig da. Dann wandte sie sich an ihren Mann. „Es wäre schön, wenn du dich auch ein bisschen an der Erziehung deiner Kinder beteiligen würdest!“

Der sah überrascht auf.

„Meistens bist du nicht da und wenn du da bist, bist du doch nicht da!“

„Entschuldige mal!“, begann er. „Ich habe einen sehr verantwortungsvollen Job, der mich eigentlich rund um die Uhr fordert, das wusstest du, als ich ihn antrat. Wir sprachen darüber. Wir haben geklärt, wie wir das handeln wollen und ob wir das wollen. Du warst mit allem einverstanden.“ Er sah sie empört an. „Sei froh, dass ich heute Abend überhaupt da bin. Wenn der Manager aus Seattle nicht krank geworden wäre …“

„Du bist auch nicht da, wenn du da bist!“, blieb sie bei ihrer Meinung. „Und bei der Erziehung deiner Kinder bist du mir keine Hilfe!“ Damit begab sie sich zurück in die Küche und begann damit, das Abendessen vorzubereiten.

Später aßen sie zu Dritt, weil Leonie nicht dazu zu bewegen war, aus ihrem Zimmer zu kommen.

3

„Was soll denn das jetzt?“, fragte Max überrascht und sah von seiner Zeitschrift auf und Anna in die Augen.

Sie saßen in ihrem Ehebett und lasen noch, als Anna plötzlich ihr Buch beiseite legte und Max unter der Decke am ganzen Körper zu streicheln begann.

„Was hast du vor?“, fragte er distanziert.

Sie hielt inne und sah ihn fragend an. „Ich dachte, du hättest vielleicht Lust auf ein bisschen Entspannung, wenn du mit dem Lesen fertig bist.“

Er sah sie eine Weile schweigend an, überlegte, was er sagen könnte, wollte sie nicht verletzen. „Das Lesen ist nicht das Problem!“, begann er.

„Problem?“ Sie verdrehte mit gespielt ungläubiger Miene die Augen.

Er ging nicht auf ihre Ironie ein. „Es ist spät, ich bin müde, ich bin von der Arbeit des Tages, von einer vierzehnstündigen Arbeit fix und fertig und wir wissen, dass Stress keine Hilfe beim Sex ist.“

„Aber du sollst dich ja entspannen, du sollst dich ja entstressen. Sex ist auch ein guter Entspanner!“, warf sie ein.

Er ging wieder nicht auf ihre Meinung ein. „Ich muss morgen sehr früh raus, muss ausgeruht sein und habe einen furchtbar langen Tag vor mir!“, fuhr er mit seinen Erklärungen fort.

Sie sah ihn nachdenklich an. „Das heißt, du möchtest nicht mit mir schlafen“, stellte sie dann nüchtern fest.

„Jedenfalls nicht mehr heute Abend“, bestätigte er. „Heute Abend möchte ich einfach nur noch schlafen, weil ich sehr müde bin und morgen fit sein muss.“ Damit legte er sein Journal weg, löschte das Licht der Nachttischlampe, legte sich auf sein Kissen und schloss die Augen.

Sie betrachtete ihn eine Weile. „Wir haben schon lange nicht mehr miteinander geschlafen!“, teilte sie ihm mit.

„Oh nein! Bring mich jetzt bitte nicht über den Schlaf hinweg!“, flehte er. „Du weißt, wenn ich mich aufrege, kann ich die halbe Nacht nicht schlafen!“

„Nur noch eine Frage: Hast du überhaupt noch sexuelles Interesse an mir?“

Er öffnete die Augen. „Natürlich, großes!“, versicherte er. „Aber nicht mehr heute Abend, Liebes.“ Er fügte das Kosewort hinzu, damit sie zufrieden sei. Und damit sie Ruhe gäbe.

Sie verstand es schon richtig, dachte wieder nach. „Gute Nacht!“, sagte sie schließlich und löschte ebenfalls das Licht.

Er antwortete nicht mehr, weil er schon schnarchte.

4

Es klopfte an Annas Bürotür und die Sekretärin trat ein. „Mr. Fisher bittet euch alle in den Tagungsraum!“, meinte sie zu Anna und verzog die Miene. „Ich fürchte, das heißt nichts Gutes!“ Sie zog die Augenbrauen nach oben, um Anna zu zeigen, dass sie von den Launen ihres Chefs ebenso genervt war, wie Anna.

Anna zuckte hilflos die Schultern. „Es ist doch immer etwas Unangenehmes, wenn der Alte von uns etwas will!“

Anna und die Sekretärin hatten schnell festgestellt, dass sie auf der gleichen Wellenlänge lagen und waren schnell Freundinnen geworden.

„Ich muss weiter!“, meinte Emily. „Er wird euch den Kopf schon nicht abreißen!“, grinste sie. Dann verschwand sie ins nächste Zimmer.

Anna ging zum Tagungsraum, in dem sich schon fast alle anderen Makler um den Konferenztisch versammelt hatten. Mr. Fisher saß wie üblich am Kopfende, neben ihm hatte eine junge, sehr hübsche Frau Platz genommen und strahlte in die Runde. Es traten noch zwei Frauen ein und die Gruppe war vollzählig.

Mr.. Fisher räusperte sich und die Kollegen stellten ihre Unterhaltungen ein. „Ich möchte Ihnen kurz eine neue Kollegin vorstellen“, begann der Chef. „Das ist Miss Jada Rawlins.“ Er zeigte auf die junge Frau.

„Hallo!“ Miss Rawlins hob die Hand zum Gruß und warf den Kollegen ein umwerfendes Lächeln entgegen. „Nennen Sie mich Jada!“

Anna bemerkte, wie die männlichen Kollegen von der neuen Kollegin sichtlich angetan zurück lächelten. Sie verzog verächtlich die Miene.

„Miss Rawlins hat nicht nur ein Qualitätsdiplom einer namhaften Universität, sie hat auch schon einige Jahre Berufserfahrung bei einer ihnen allen bekannten Immobilienfirma und hat uns in den letzten Jahren so manchen Auftrag weggeschnappt.“ Der Chef machte eine Bewegung mit dem Finger in Richtung der Neuen, die zeigen sollte, dass er sie schimpfte. Beide lächelten. „Aber wie schon Sun Che, der große chinesische Kriegsführer sagte: Wenn du jemanden nicht besiegen kannst, dann verbünde dich mit ihm!“ Mr. Fisher grinste über beide Backen. „Und es ist mir tatsächlich gelungen, sie von ihrer alten Firma abzuwerben und in unser Team zu holen!“ Er grinste zufrieden über beide Backen. „Und ich muss gestehen, ich habe sie auch geholt, um Sie ein bisschen zu motivieren, es unserer neuen Kollegin gleich zu tun.“ Nun beugte er sich nach vorne und sah eindringlich von Einem zum Anderen. „Beobachten Sie Ihre neue Kollegin, versuchen Sie ruhig, von ihr zu lernen, es wird zu unser aller Bestem sein.“

Die Kollegen verharrten regungslos, nur Anna verzog verärgert die Miene.

Der Chef bemerkte es. „Vielleicht können ja auch Sie noch etwas lernen, Mrs. Marc!“, belehrte er sie.

Anna sah betroffen nach unten.

„Nun, das war´s schon!“, nickte der Chef und stand auf. „Frisch an die Arbeit, liebe Kollegen!“

Die Makler erhoben sich und gingen zurück in ihre Büros. Auch Anna schlich wortlos hinaus. Sie bemerkte aus den Augenwinkeln, wie der Chef ihr noch einen bösen Blick nachwarf, bevor er sich nochmals Miss Rawlins zuwandte.

5

„Wir müssen uns nochmals über Andi unterhalten, Max! Es ist wirklich wichtig!“, flehte Anna, als Max auf dem Sprung zur Arbeit war und die Wohnung verlassen wollte.

„Jetzt?“ Er sah sie nicht einmal an bei seiner Frage, ergriff vielmehr seine Aktentasche, stürmte in die Diele und schnappte sich seinen Mantel von der Garderobe. „Siehst du nicht, dass ich es eilig habe. Mein Chauffeur wartet unten und du weißt, wenn er das tut, dann steht er immer im absoluten Parkverbot.“ Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und wollte zur Türe hinaus.

„Es muss jetzt sein! Es muss jetzt sein!“, bat sie nochmals eindringlich. „Es muss sein, wenn Andi nicht da ist, versteh doch!“

Andi hatte soeben das Haus verlassen, um mit dem Bus zur Schule zu fahren.

„Ich kann jetzt wirklich nicht! Der Chauffeur wartet und wir müssen uns eh beeilen, weil wir noch den Chef abholen müssen. Und ich bin schon spät dran.“ Damit riss er die Wohnungstür auf und stürzte in den Fahrstuhl.

Sie folgte ihm einfach. „Es geht um Andis Spielsucht!“

„Spielsucht?“ Er sah sie skeptisch an. „Spielsucht? Mein Sohn und Spielsucht? Übertreibst du da nicht?“

„Sobald er von der Schule kommt und die Hausaufgaben gemacht hat, sitzt er am PC und spielt. Stundenlang.“ Sie sah ihn vorwurfsvoll an. „Glaub mir, er ist süchtig nach dem Zeugs. Du kriegst das nur nicht mit, weil du nie da bist.“

„Danke, vielleicht muss jemand die Brötchen verdienen!“ Er starrte sie mit grimmigem Gesicht an.

Sie winkte ab. „Darum geht es doch gar nicht!“ Sie schüttelte den Kopf. „Wir müssen etwas unternehmen.“

„Nein, du musst etwas unternehmen!“, entschied er. „Denn ich bin ja wirklich zu selten da. Oder soll ich kündigen und Hausmann spielen?“

Sie standen sich in aggressiver Haltung gegenüber.

Er bemerkte es. „O.K., das war jetzt nicht so gut!“ Er dachte nach.

Jemand stieg in den Fahrstuhl ein und sie schwiegen, bis er wieder ausgestiegen war.

„Verbiete es ihm einfach!“, schlug er vor. „Geh in sein Zimmer und verbiete es ihm. Drohe ihm mit irgendetwas, was ihm richtig weh tut, Ausgehverbot, Fernsehverbot, das Übliche halt. Oder schalte den Strom ab!“

Sie sah ihn verständnislos an. „Max, dein Sohn ist wirklich süchtig nach den PC-Spielen. Weißt du wie ein Süchtiger reagiert, wenn man ihm seine Sucht wegnehmen will?“

Er sah sie ratlos an.

„Wenn man Glück hat, dann bocken sie, ziehen sich in sich zurück, verweigern alles, Hausaufgaben machen, Schule, schließlich Essen und Trinken!“

Er sah sie überrascht an.

„Und wenn man Pech hat, dann werden sie aggressiv oder selbstzerstörerisch, kapierst du?“ Sie sah ihn verzweifelt an.

Er blickte mit gerunzelter Stirn zurück. „Ich denke, da kenne ich mich wirklich nicht aus.“ Noch immer zeigte er eine ratlose Miene. „Ist ja auch klar, dass du dich da besser auskennst“, murmelte er unüberlegt.

„Was, was bitte soll denn das heißen?“, fuhr sie verärgert zurück.

„Na ja, das Suchtverhalten hat er ja wohl von deiner Seite geerbt. Bei uns gab es so etwas nicht. Aber wenn ich an deinen Vater denke. Der war ja wohl ein echter Alkoholiker. Du hast mir ja schon oft davon erzählt, wie schlimm es mit ihm war. War ja auch einer der Punkte, warum du von zuhause wegwolltest.“

„Willst du damit sagen, Andis Spielsucht ist meine Sache, weil er es von unserer Seite geerbt hat?“, fragte sie den Tränen nahe.

Er begriff seine Unbedachtheit. „Natürlich nicht, nein, nein, es tut mir leid!“

Sie verließen den Fahrstuhl und eilten durch die Eingangshalle des Gebäudes. Gleich darauf waren sie auf der Straße. Der Chauffeur hielt ihm bereits die Wagentüre auf.

„Wir müssen am Wochenende darüber reden, Liebes, ich habe jetzt wirklich keine Zeit mehr.“ Er sprang mit einem Satz in den Fond des Wagens, der Chauffeur schlug die Türe zu, eilte um das Auto herum und raste im nächsten Moment los.

Sie stand hilflos auf dem Gehsteig und kämpfte mit den Tränen.

6

„Da hat uns ja der Chef wen ganz Besonderen ins Haus geholt!“, meinte die Sekretärin, als sie Anna einige Akten auf den Schreibtisch legte.

Anna sah gespannt von ihrer Arbeit auf und starrte Emily fragend an.

„Na ja, ich habe einen Blick in ihre Personalakte geworfen“, gestand die Sekretärin.

Anna bemerkte ihre Neugier und auch, dass man ihr diese ansah. Da versuchte sie, ihre Gefühle unter Kontrolle zu bringen. „Was interessiert mich das?“, antwortete sie in gespielt lakonischem Ton.

„Du kannst mir viel erzählen, aber nicht, dass es dich nicht interessiert!“, konterte Emily.

Anna überlegte, wie sie an Emilys Informationen kommen konnte, aber dennoch ihr Gesicht wahren konnte. „Na, wenn du unbedingt musst, dann erzähle es mir halt. Du platzt ja schon fast!“, stellte sie nun fest.

Emily bemerkte ihre Finte, versuchte noch kurz, es Anna zu zeigen und sie im Ungewissen zu lassen, aber dann konnte sie ihr Wissen doch nicht mehr für sich behalten. „Ein Abschluss in Wirtschaftswissenschaften mit „summa cum laude“, also das Beste, was man erreichen kann. In der Schule immer Klassenbeste. Dann die Promotion mit ähnlichem Ergebnis. Und bei ihrer vorherigen Maklerfirma hat sie sich als absolute Verkaufskanone erwiesen. Die Frau ist einfach umwerfend, das kannst du glauben.“

Anna wollte abwiegeln, überlegte, was sie sagen könnte, ohne ihren Neid zu zeigen, es fiel ihr aber nichts ein.

Emily schwärmte noch weiter über Jadas bisherige Erfolge und Leben. „Und nicht nur im Beruf hat die Frau Erfolg: Sie war mehrfach Tennismeisterin in ihrer Heimatstadt und wurde bei der Misswahl zur Miss Texas vierte!“, rief Emily begeistert aus.

„Nicht erste, das ist ja schwach!“, platzte es da doch aus Anna heraus. Gleich darauf biss sie sich auf die Lippen, weil sie wusste, dass sie ihre wahren Gefühle verraten hatte.

Emily sagte es ihr auch gleich. „Na, da höre ich doch eine gehörige Portion Neid heraus!“

„Denk, was du willst!“, antwortete Anna und wandte sich wieder ihrer Arbeit zu.

Emily ging zur Tür, wandte sich aber dann nochmals um. „Da dürft ihr euch warm anziehen. So etwas, wie die, hatten wir hier noch nie! Ich fürchte, mit der kommt ihr nicht mit!“ Dann verschwand sie schnell.

Anna starrte auf die zugefallene Bürotür. „Nein!“, dachte sie. „Mit Jada kann man nicht mithalten, das ist mir klar.“ Sie stützte ihren Kopf in ihre Hände. „Wie soll man mit jemandem mithalten, der keinen Mann zu versorgen hat, der nicht von schwierigen Kindern genervt wird und der zehn Jahr jünger ist, als man selbst.“ Sie atmete eine Weile tief durch. Dann arbeitete sie weiter.

7

„Du arbeitest noch?“

Anna sah auf. Ihr Kollege Kevin stand in der Tür und lächelte sie an. Sie setzte ihre Brille ab, lehnte sich zurück und lächelte zurück. „Hab noch einiges zu tun. Na ja, du weißt ja. Ich denke, du bist auch nicht mehr zum Spaß hier.“

„Das kannst du laut sagen!“ Er kam herein, ging um ihren Schreibtisch herum und setzte sich vor sie darauf. „Der Chef macht ganz schön Dampf, jetzt wo Jada da ist, sowieso. Die Frau legt aber auch ein Tempo vor!“, meinte er beeindruckt.

„Ja, ja, ja, Jada, Jada, ich kann´s schon nicht mehr hören!“, entfuhr es Anna.

Er verstand, dass das Thema sie nervte. „Na ja, ich mache jedenfalls grade mal ein paar Minuten Pause. Das täte dir vielleicht auch mal gut!“

„Ganz bestimmt!“ Sie lehnte sich ganz in ihrem Sessel zurück. „Ich glaube, ich bin völlig verspannt“, meinte sie unbedacht.

Da sprang Kevin auf und trat hinter sie. „Komm her, ich massiere dich ein bisschen, dann geht´s dir gleich besser!“ Er begann ihren Nacken zu massieren.

Eigentlich mochte sie Kevin nicht besonders und es war ihr jetzt auch nicht Recht, dass er sie berührte. Sie zuckte kurz zurück, aber dann spürte sie ein wohliges Gefühl in ihrem Nacken und sie ließ es geschehen, genoss es schließlich.

Er bearbeitete eine Weile ihren Nacken und ihre Schultern. Plötzlich ließ er seine Hände an den Armen hinuntergleiten und streichelte im nächsten Moment ihre Brüste. „Ich könnte noch einiges tun, was dich entspannt!“, flüsterte er ihr ins Ohr und begann dann ihren Nacken zu küssen.

Sie erschrak und war für einige Sekunden paralysiert vor Überraschung. Kevin küsste sie nun auf den Mund und begann, ihre Brüste fester zu drücken. „Außer uns ist niemand mehr im Büro. Wir sind ganz allein. Wir könnten ein bisschen gemeinsam entspannen, was meinst du?“

Sie war immer noch völlig erstarrt vor Überraschung, er deutete es wohl als Zustimmung, ließ seine Hände unter ihren Pulli gleiten, schob ihren BH nach oben und knetete ihre Brüste noch fester. Da kam sie zur Besinnung. Sie packte seine Hände und riss sie von sich weg. „Nein, nein, was fällt dir ein? Das will ich nicht!“ Sie stieß ihre Hände von sich weg.

Er sah sie überrascht an. Dann lächelte er aber wieder. „Nun hab dich nicht so!“, meinte er. „Lass uns ein bisschen entspannen, danach erledigen wir unsere Arbeit und niemand erfährt etwas davon.“ Damit packte er sie wieder an den Brüsten, dieses Mal aber fester.

Sie versuchte wieder seine Hände wegzuschieben, aber Kevin hatte seine Arme so auf dies ihren gelegt, dass sie sich nicht bewegen konnte. Genüsslich massierte er ihre Brüste. „Na, das gefällt dir doch, oder?“