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Eigentlich geht es Nick gut – bis auf die Panikattacken, die ständige Traurigkeit, dieses Gefühl von Leere. Trotzdem macht er weiter, bis er plötzlich zusammenbricht und sich in einer psychiatrischen Klinik wiederfindet. Die ersten Tage verbringt Nick in pandemiebedingter Isolation allein mit seinen Gedanken. Als er die anderen „Bewohner*innen“ der Klinik kennenlernt, prasseln die Eindrücke umso mehr auf ihn ein. Da ist Calle, der unter unkontrollierbaren Wutausbrüchen leidet. Oscar, dessen Zwangsstörungen ihn daran hindern, andere zu berühren. Oder Helen, die nicht weiß, wohin mit ihren Gefühlen. Und obwohl die Betreuung in der Klinik fast genauso kläglich ist wie „da draußen“, wird Nick schnell Teil des „Wolfsrudels“ – und findet in der Station eine sichere Insel.
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Seitenzahl: 358
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Marco Damghani
Die Insel Sertralin
Roman
Jaron Verlag
Das Zitat auf den Seiten 285 f. stammt aus dem Songtext von Hotelzimmer (Autoren: Bazzazian, Haftbefehl). Quelle: Spotify.
Das Zitat auf Seite 302 stammt aus dem Songtext von Die Zeit heilt alle Wunder (Autor*innen: Jean-Michel Tourette, Judith Holofernes, Mark Tavassol, Roy Pola). Quelle: www.judith-holofernes.de.
1. Auflage 2024
Jaron Verlag GmbH, Berlin
www.jaron-verlag.de
© 2024 Jaron Verlag GmbH, Berlin
Alle Rechte vorbehalten. Jede Verwertung des Werks und aller seiner Teile ist nur mit Zustimmung des Verlags erlaubt. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Medien.
Umschlaggestaltung: Franziska Alina Kirschner
Satz: Prill Partners|producing, Barcelona
Lithografie: Bild1Druck GmbH, Berlin
E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH, Rudolstadt
ISBN 978-3-95552-074-8
Für Mama
Kapitel 0
Kapitel 0.1
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52
Kapitel 53
Kapitel 54
Kapitel 55
Kapitel 56
Kapitel 57
Kapitel 58
Kapitel 59
Kapitel 60
Kapitel 61
Kapitel 62
Kapitel 63
Kapitel 64
Kapitel 65
Kapitel 66
Kapitel 67
Kapitel 68
Kapitel 69
Kapitel 70
Kapitel 71
Kapitel 72
Kapitel 73
Kapitel 74
Kapitel 75
Kapitel 76
Kapitel 77
Kapitel 78
Kapitel 79
Kapitel 80
Epilog
Danksagung
Anlaufstellen für psychische Gesundheit
»Es geht Ihnen leider zu gut«, sagt die Therapeutin der Notaufnahme zu mir und lächelt breit.
Vier Stunden lang saß ich im Wartezimmer dieser Klinik unter flackernden Neonlichtern wie in einem gottverdammten Filmklischee, nur um jetzt zu hören, dass es mir ›zu gut‹ geht.
»Sie schaffen es, jeden Morgen aufzustehen, und haben keine suizidalen Gedanken, zumindest hegen Sie keine direkten Pläne, sich selbst zu töten, oder?«
Ich schüttle den Kopf. Mich umzubringen klingt nach viel zu viel Aufwand, dafür bräuchte es eine Menge von ebenjener Initiative, von der ich seit Monaten keinen Tropfen mehr durch meine Adern fließen spüre. Außerdem kann ich meiner Mutter nach meiner Querulantenjugend nicht auch noch einen Suizid antun.
»Naja, und deshalb sind Sie kein Fall für eine stationäre Unterbringung. Sie müssen sich einen Therapeuten suchen!«
Super, danke für den Tipp. Versuche ich seit fünfzehn Wochen.
Genau 105 Tage ist es jetzt her, dass ich nach einem Evaluationstermin bei einem Psychiater zum ersten Mal meine offizielle Diagnose bekam: schwere depressive Episode und Panikattacken steht da in Ärztekrakelschrift auf dem zerknitterten hellblauen Blatt Papier, das ständig neue Knicke bekommt. Seit Stunden hole ich den Zettel immer wieder nervös aus meiner Hosentasche, nur um sicherzugehen. Lese ihn durch, falte ihn wieder zusammen.
Es gibt eine Diagnose. Der Nebel in meinem Kopf hat endlich einen Namen, der Smog, der seit Jahren immer dichter wird und kaum noch Durchblick erlaubt, der es mir unmöglich macht, meinen Gedanken auf Augenhöhe zu begegnen, ist eine Krankheit. Ich bin krank und Krankheiten können doch geheilt werden, oder?
Aber wieso hilft mir dann niemand? Warum versuche ich seit über drei Monaten vergeblich, einen Therapeuten oder eine Therapeutin zu finden, der oder die noch ›Platz‹ bei sich hat? Warum sind die Praxistelefone nur an einem Tag pro Woche zwischen 7 und 7:25 Uhr geöffnet? Und dann durchgehend belegt?
Ich wandere mit einem Rezept durch die Stadt und es gibt keine Apotheken mehr.
Deshalb sitze ich jetzt in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Weil die Angst wieder zu groß geworden ist. Weil ich wieder geweint habe, bis ich keine Luft mehr bekam, und alles um mich herum schwarz wurde. Und das Urteil, das über mich gefällt wird, ist, dass es mir ›zu gut‹ geht.
»Sadeghi. Woher kommt Ihr Name eigentlich?«
Nein. Nicht jetzt. Ich kann jetzt gerade wirklich nicht dieses Müllgespräch führen. Es geht mir schlecht und mein Name hat damit nichts zu tun – denke ich, sage aber:
»Aus dem Iran, ich bin Halbiraner.«
Die Therapeutin schlägt mit beiden Händen auf ihre Oberschenkel, ihr Gesicht leuchtet auf.
»Ah! Dann studieren Sie auch Medizin?«
Ich bin kurz sprachlos, raffe mich dann auf.
»Nein, ich bin Theaterregisseur. Das schwarze Schaf der Familie«, sage ich mit einem erzwungenen Lächeln, weil in diesem Witz doch immer ein bisschen mehr Wahrheit steckt, als mir lieb ist. Als Angehöriger der iranischen Diaspora konnte ich eine von vier Sachen werden: Arzt, Ingenieur, Architekt oder eine Enttäuschung. Ich habe mich für Letzteres entschieden.
»Und welche Sprachen sprechen Sie?« Die stahlblauen Augen der Ärztin strahlen mich so intensiv an, dass ich ihnen nicht standhalten kann und den Blick senken muss.
Diese Unterhaltung wird mir nicht helfen, sie wird sich einreihen in die Versuche derer, die es gut meinen und dann doch nichts ändern. Der weiße Kittel, der sich jetzt einmal um sich selbst dreht, um das Clipboard abzulegen, imponiert mir trotzdem genug, um brav sitzen zu bleiben und weiter Fragen zu beantworten. Die Kittelträgerin reißt ihre Augen weit auf, als ich ihr sage, dass ich Französisch spreche, erzählt mir, dass sie ein Semester in Toulouse studiert habe, und spricht ab diesem Zeitpunkt einfach auf Französisch weiter. Auf einmal findet das Gespräch darüber, warum ich andauernd so verdammt traurig bin, in einer Sprache statt, die ich seit sieben Jahren nicht mehr gesprochen habe. Ich möchte hier bitte weg. Über ihre nasal gehauchten Worte legt sich ein Brummen, ich verstehe immer weniger und meine Sicht verschwimmt.
Sie sagt mir, glaube ich, dass es doch jede Menge Dinge in meinem Leben gäbe, über die ich mich freuen könne, ich sei doch so jung, intelligent und gut aussehend. Ich schaue mich noch einmal im Raum um, nur um sicherzugehen, dass ich gerade nicht bei meiner verstorbenen Großmutter sitze, deren psychologische Fachberatung sich genauso anhörte, wobei sie mir dabei wenigstens eine Capri Sonne in die Hand drückte. Aber weit und breit keine Capri Sonne zu sehen, nur Desinfektionsmittel. Ich atme tief ein, will hier raus, muss hier raus, das Brummen wird lauter, irgendwo im Hintergrund fragt der Kittel mich nach meiner Meinung zum Nahostkonflikt.
Schweiß. Musik laut. Ich lauter. Springe ruckartig und schlage mir auf die Brust. Schlage immer wieder auf dieselbe Stelle. Schreie Texte mit und trinke trinke trinke trinke trinke mehr als ich dachte dass ich trinken kann und bin immer noch viel zu klar. Menschen halten Abstand. Gucken weg, wenn sie meinen Blick streifen. Haben Angst. Ich auch. Will ihnen den Trip nicht verderben und bleibe für mich. Stampfe. Vor ein paar Stunden hatte ich eine Premiere haben Leute geklatscht haben Schauspieler*innen mich auf die Bühne geholt. Habe ich mich verbeugt. Diese domestizierte Version von mir jetzt wie weggeblasen. Ich bin ein wildes Tier. Entfesselt mache ich hektische Bewegungen in jede Richtung. Hole alles aus meinen Muskeln heraus und noch ein bisschen mehr. Angespannt. Überangespannt. Schweiß tropft von der Nase. Mein Shirt nass. Ich tanze nicht mehr ich kämpfe. Kämpfe kämpfe kämpfe kämpfe mit mir mit ihnen mit allem. Die bassige Musik hilft diese eine letzte Emotion, die ich noch in mir habe, herauszukitzeln. Spucke sie in die Hand. Schaue die Emotion an. Hass. Hass auf alles und jeden. Hass auf mich. Hass auf SIE. Schweiß brennt in den Augen. Die Tanzfläche wird leerer. Die Beats vereinzelter. Nehmen pro Minute ab. Irgendwann eine Hand auf der Schulter mit der ich rausgehe. Kurz viel zu hell. Dann schwarz.
Das Brummen wird zu einem dumpfen Dröhnen aus dem Inneren und legt sich über alles.
Liege weinend auf dem Fußboden in meinem Zimmer, wo ich seit sieben Stunden einen Fleck an meiner Wand anstarre, als ich die Klingel höre. Dann ein paar Sekunden lang nichts. Dann noch mal die Klingel, dann mein Handy. Ich sehe das Bild meiner Mutter auf dem Display, die Klingel läutet jetzt durchgehend. Ich gehe ran.
»Mach sofort die Tür auf.«
Erinnerungsfetzen von einer Autobahnfahrt – das Bett meiner Mutter – eine Frau im Kittel – ein Kopfschütteln – eine Fahrt über Landstraßen – ein Gebäude aus Backstein – Stimmen, die meinen Namen sagen – besorgte Blicke – beißender Geruch von Desinfektionsmittel – Glastüren, die sich schließen – Schreie aus einem fernen Zimmer – ein leerer Raum. Im Hintergrund das Dröhnen.
Wach werden, weinen, schluchzen. Stille. Zu den Bildern in meinem Kopf fehlt die Tonspur. Schaue mich um und realisiere langsam, wo ich bin. Das Kissen ist aus Billigstoff und kratzt beim Darüberstreichen. Ach ja.
Ich liege unter einem dünnen weißen Laken auf der Geschützten, die ihren ehrlicheren Namen Geschlossene wohl abgelegt hat. Der Feldzug der gewaltlosen Kommunikation ist natürlich auch bis in die Nervenkliniken vorgedrungen, hier gibt es jetzt also, ganz gewaltfrei, nur noch die geschützte Abteilung und die geöffnete. Vor meinen Fenstern sind trotzdem Gitterstäbe.
Sehe kurz später eine Person mit einem Namensschild hereinkommen, wegen Corona wird mir ein Q-Tip in Hals und Nase gejagt, schabt an meinem Hirn. Begrüßungskommittee.
Die Person kündigt eine Ärztin an, die später vorbeikommen wird, und verschwindet wieder. Ich gucke ihr hinterher und sehe neben meinem Bett einen kleinen, fahrbaren Nachttisch mit meinen Hygieneartikeln. Nick Sadeghi steht auf länglichen weißen Stickern, die irgendjemand in den letzten Stunden auf die Fläschchen geklebt haben muss. Zumindest kein Schreibfehler in meinem Namen. Immerhin. Meine verquollenen Augen suchen langsam den Raum ab. In meinem neuen Zimmer gibt es alles doppelt: zwei Betten (das andere Gott sei Dank leer), zwei Stühle, zwei Schränke, zwei Beistelltischchen, aber aus irgendeinem Grund nur ein Tisch. Wahrscheinlich wird hier davon ausgegangen, dass Depressive sich sowieso nicht aufraffen können, vom Bett aufzustehen und sich zu einem Tisch zu hieven, diesem Ort der Arbeit und des Schaffens, komplett ungeeignet für unsereins. Aus Trotz setze ich mich zehn Minuten an ebenjenen einzelnen Tisch und weine dort weiter. Geschäftsreise. Suche von hier aus wieder das Zimmer ab, ohne zu wissen, wonach ich eigentlich Ausschau halte.
Alles hier ist aus Metall oder hellem Holz. In therapeutischen und pädagogischen Einrichtungen wird gern mit Einrichtungsgegenständen gearbeitet, die wie frisch aus dem Baum gehackt aussehen. Da muss vor dreißig Jahren mal eine Studie durch die einschlägigen Fachblätter gegangen sein, die den Leuten irgendwas von wegen die heilende Kraft des Waldes ins Krankenzimmer holen erzählt hat. Das Laminat hier ist trotzdem eine Todsünde.
Spule Antworten ab, werde schon wieder von irgendeiner Person, die mir mit überkreuzten Beinen gegenübersitzt, ausgefragt. Nachdem ich die ersten zwei Tage kein Wort von mir geben konnte und mich nur meiner Bettdecke anvertraut habe, gebe ich jetzt zum inzwischen fünften Mal einem wildfremden Menschen mit Clipboard in der Hand eine kurze Inhaltsangabe meines bisherigen Lebens. Diese endet zum fünften Mal mit dem Tag meiner Einlieferung und der Erkenntnis, dass ich keinen Grund mehr dafür sehe, weiterzuleben. Zum fünften Mal schaffe ich es nicht, meine Gedanken auf eine Art zu formulieren, die mich nicht klingen lässt wie ein Emopunk-Album aus 2007. Ich kenne die mir gegenübersitzende Person nicht, sie arbeitet offensichtlich einen Fragebogen ab, und sobald ich einen halbwegs zusammenhängenden Satz aus mir herauspresse, gibt sie sich zufrieden und stellt keine Nachfragen. Stattdessen muss ich die immer gleichen Stationen abgehen: Familie, Kindheit, Freund*innen, Arbeit. Ich verstehe die Beharrlichkeit, bin aber nach wie vor der Meinung, dass an genannten Fronten eigentlich alles okay ist. Gehen wir mal durch:
Ich habe eine mich liebende Familie, die mir das auch zeigt. Ich habe viele Freund*innen, manchmal vielleicht sogar zu viele, und davon ein paar gute, die jederzeit für mich da sind, wenn ich sie brauche. Das hat sich in den letzten Wochen deutlich gezeigt, als es rapide bergab ging mit mir, und liebevolle Gesichter ohne nachzufragen plötzlich vor meiner Tür standen und nachts neben mir schliefen, um die Einsamkeit zu vertreiben.
Ich hatte, abgesehen von der Scheidung meiner Eltern – ALARM, SIGNALWORT SCHEIDUNG, LAUTES KRITZELN AUF CLIPBOARD –, eine schöne Kindheit, glaube ich. Wirklich vieles erinnere ich nicht mehr, das kommt wahrscheinlich vom Kiffen in meiner Jugend. Ich verschweige die Joints aber, weil ich seit Jahren kaum noch Gras rauche und die Erwähnung nur ein unnötiges Fass aufmachen würde. Erzähle stattdessen davon, dass ich schon als Kind viel geweint habe, meistens ganz still für mich, eingeschlossen auf dem Klo, damit die Lüftung mein Schluchzen übertönte. Dass ich mich danach besser gefühlt habe, irgendwie erleichtert. Dass aber dieses befreiende Gefühl seit längerer Zeit nicht mehr auf die Tränen folgt.
Auch das Feld der Arbeit scheint schnell besprochen. Ich mag meinen Job am Theater. Nach einem guten Jahrzehnt als Student nd Assistent bin ich endlich Regisseur geworden. Wieder schaut die Person, die mir gegenübersitzt, kurz auf, zieht die Augenbrauen hoch und sagt mit Anerkennung in der Stimme:
»Regisseur! Interessant«, als wäre ich ein seltenes Pokémon.
Mit gesenktem Blick sitze ich auf meiner Bettkante, krame diese Geschichten und Erinnerungen aus mir hervor und versuche, sie in Formulierungen zu pressen, die ihnen gerecht werden. Da die Frau, die hier in meinem Zimmer sitzt, aber nur die diensthabende und nicht meine behandelnde Ärztin ist, – das sind so Worte, die man hier schnell unfreiwillig lernt – spüre ich, wie meine Lust, mit ihr zu reden, auf ein Minimum sinkt. Ich unterlasse es wieder, von IHR zu sprechen. Ich habe diese Situation jetzt schon viermal mitgemacht und kenne das Ende dieses Gesprächs: Mitleidsbekundungen, ein emphatisches und in größtem Ernst gesprochenes ›Das wird schon‹, ein letztes Nachfragen, ob ich denn wirklich keine konkreten Suizidgedanken hätte, und, nach meiner Verneinung, ein langsamer Rückwärtsgang aus dem Zimmer. Keine Heilung, kein Medikament, keine Hilfe. Hauptsache keine immanente Suizidgefahr.
Bevor ich in psychiatrische Behandlung gebracht wurde, hatte ich nie konkretere Selbstmordgedanken als vermutlich jede*r andere auch. Wer noch nie darüber nachgedacht hat, diesen Ausweg zu nehmen, hat eine eigene Bezeichnung von Wahnsinn verdient. Aber: macht man ja nicht, gehört sich ja nicht. Mit jeder weiteren Stunde in der Geschützten beschleicht mich jedoch mehr das Gefühl, dass ausgesprochene Suizidgedanken der einzige Weg wären, in diesem komplett ruinösen System von Clipboarddiagnostiken Aufmerksamkeit zu bekommen.
Seit Monaten interessiert es niemanden, ob ich tagelang kein Licht mehr sehe, dass eine Panikattacke die nächste jagt und ich nur noch heulend in meinem Bett liege. Warum werden alle erst hellhörig, wenn Suizid ins Spiel kommt? Weil sie Angst vor einem Kurzschluss haben?
Ich stehe aber nicht komplett aufgelöst auf einer Brücke, bin betrunken und schreie einer Horde panischer Polizisten meine Traurigkeit entgegen. Ich bin in aller Ruhe zu diesem durchdachten Schluss gekommen, dass mein Leben nicht lebenswert ist. Völlig ohne Aufregung oder Panik kreist dieser eine Gedanke jetzt seit Monaten durch meinen Kopf. Ich würde es gerne beenden, danke für alles, ich steige dann hier aus. Weil es nichts mehr gibt, für das es sich lohnt, den Kampf gegen meine Dämonen weiterzuführen. Ich überlasse ihnen das Feld. 27 Jahre lang war ich ein Kind dieses Krieges und mein Widerstand hat mich an den unglücklichsten Punkt meines Lebens gebracht – daher wird es Zeit, mir einzugestehen, dass die Taktik der Gegenwehr fehlgeschlagen ist. Stattdessen also die nüchterne Wahrheit anerkennen: Die Schlacht ist verloren, der Aufstand gebrochen, die Dämonen sind die fairen Sieger.
Geschlagen blicke ich durch ihre Augen in ihre Welt und finde nichts, was Freude in mir auslöst. Keine Hoffnung, keine Gründe dafür, all den Scheiß weiter zu ertragen. Kurz: Ich möchte nicht mehr leben. Auch Gespräch Nummer sechs wird nichts daran ändern, dass das gerade keine Übersprungshandlung von mir ist. Ich verstehe Eure Welt und denke genau wie Ihr über sie, ich habe Eure Bücher gelesen und Eure Philosophen angehört. Ich bin nicht gestört, irre oder verwirrt – ich bin einer von Euch. Nur dass ich, anders als Ihr, es nicht mehr schaffe, irgendeinen Sinn in alledem zu sehen.
Die diensthabende Ärztin stellt eine Heilung meiner Logik gegenüber, die in meinen Genen ansetzt. Eine Disposition könnte schuld an allem sein.
»Aha. Ach so, eine Disposition«, stimme ich zu und glaube mir selbst kein Wort. Es ist ja auch egal, was ich zu den klug gesprochenen Worten sage, für mich gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich bekomme ein Medikament, das meiner Biologie, meinen Genen, meinem Hirn entgegenwirkt und es mir ermöglicht, Eure Sicht auf das Leben zu übernehmen, oder ich beende meines. Ich bevorzuge keinen der Wege, ich bettele nur darum, dass ich einen der beiden endlich gehen darf.
Die letzte Seite des Clipboards ist beschrieben und ihre Vorgänger rasseln wieder zurück auf ihren Platz. Die Clipboardbesitzerin murmelt, dass ich vielleicht bald in die geöffnete Abteilung verlegt werden könnte, dann erklingen Mitleidsbekundung, ein emphatisches und in größtem Ernst gesprochenes ›Das wird schon‹, und ein letztes Nachfragen, ob ich denn–
Nein, ich habe keine akuten Selbstmordgedanken. Keine Pläne, keine Versuche. Habe ehrlich gesagt viel zu viel Schiss vor dem Schmerz.
Wenn es aber einen Knopf hinter meinem Ohr gäbe, einen Aus-Knopf, der mich einfach abschaltet, ich hätte ihn ohne zu zögern längst gedrückt. Natürlich würde es mir leidtun für meine Familie und Freund*innen, aber über allen Sorgen wabert der Gedanke, dass nach ein paar Monaten mein Tod, genau wie jeder andere, verarbeitet wäre und die Leute weiter ihren gewohnten Weg gehen würden. Was bliebe ihnen auch übrig.
Seit Ewigkeiten fühlt es sich so an, als würde ich mich tagsüber, wenn ich Dinge erledige oder mit Menschen rede, nur ablenken. Der einzig klare Moment, in dem ich von Wahrheit durchströmt zu sein scheine, kehrt ein, wenn ich abends oder zwischen zwei Treffen weinend unter meine Decke gekauert im Bett liege und meine Entscheidung beteuere, das alles nicht mehr zu wollen.
Dieses Nicht-mehr-leben-Wollen ist meilenweit von einem Suizid entfernt. Es ist erst mal nur Ablehnung. Ablehnung von leben, essen, trinken, aufrecht stehen, den Druck ertragen. Selbst die Schwerkraft wiegt zu schwer, deshalb liege ich einige Minuten, nachdem die Ärztin das Zimmer verlassen hat, wieder in Embryonalstellung, während sich mein Kopfkissen mit salzigem Wasser vollsaugt.
Ich möchte nichts mehr. Ich möchte auch nichts mehr wollen. Ich möchte nur noch, dass alles um mich herum aufhört. Manchmal denke ich darüber nach, wie schön es wäre, wenn ein riesiger Meteorit auf die Erde zurasen und morgen einfach alles menschliche Leben beenden würde. Dann müsste ich nicht mehr die Welt und mich selbst verfluchen und könnte auf dem Rasen liegend dem gigantischen Feuerball in der Ferne zulächeln und ihm für meine Erlösung danken.
Aber hier kommt kein Feuerball, hier gibt es nicht mal ein Feuerzeug.
weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen SIEheulen schluchzenatemnotpanik weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen weinen bis mein Körper kein Wasser mehr trägt. Dumpfes Wummern meines Herzschlags in meinen Schläfen.
Weil wir auf die Ergebnisse des PCR-Tests warten müssen, werde ich zunächst drei Tage lang in Quarantäne gesteckt. Da ich in Gesprächen Nummer sechs und sieben ebenfalls meinen Unwillen zum Suizid beteuert habe, werde ich in die Geöffnete, in ein Beobachtungszimmer gebracht. Auf dem zweiten Bett liegt diesmal ein Mensch. Verdammt. Heißt es deshalb Beobachtungszimmer? Sind wir jetzt füreinander verantwortlich?
Ein knapp zwei Meter großer, schlaksiger Mann mittleren Alters steht unsicher auf und stellt sich mir als »Thorsten mit H« vor. Sein Gesicht ist braun gebrannt und faltig, fast ledern, er hat mehrere Schürfwunden am Körper, ich tippe eher auf Hingefallen als auf Heroin.
Ich kann Thorsten jetzt schon nicht leiden, was weniger an ihm liegt als an meiner Angst davor, einen anderen Kranken in meine Neurose mit hineinzuziehen. Als ich ihm die Hand gebe, stelle ich mir vor, wie er wohl reagieren würde, wenn ich vor ihm zusammenbreche und losheule. Am meisten aber mache ich mir Sorgen wegen meiner furchtbaren Angewohnheit, die es mir körperlich unmöglich macht, einfach zu schweigen, wenn ich mit jemand anderem in einem Zimmer sitze. Und aufgrund der riesigen Zigarettendrehmaschine, die Thorstens Beistelltisch vollkommen einnimmt, ahne ich bereits, dass unsere beiden Welten nicht allzu viel Überschneidungsfläche bieten. Ich löse meine Hand aus seiner, stelle mich kurz vor, lege hastig meine Sachen ab und flüchte direkt auf die Terrasse. Gott sei Dank ist es warm draußen, sonst wäre ich nicht nur ein trauriger, sondern auch ein frierender Vollidiot.
Bis auf Weiteres ist meine Bewegungsfreiheit auf Beobachtungszimmer und Terrasse beschränkt, weil selbst der Flur für meinen potenziell-virenverseuchten Körper tabu ist.
Es ist okay hier draußen. Der Rhododendron auf dem Rasenabschnitt hinter den Steinplatten der Terrasse hat seine hellrosa Blüten bereits zur Hälfte verloren, sieht aber noch nicht traurig genug aus, um als Metapher für mein Leben herzuhalten. Hinter dem Busch schaue ich direkt auf eine Straße, die die Gebäude der Klinik miteinander verbindet. Autos fahren hier keine, ab und an gehen Patient*innen vorbei, Personal sehe ich stundenlang nicht. Vielleicht benutzen die Angestellten einen geheimen, unterirdischen Pfad. Oder sie werden einfach von Station zu Station gebeamt, während sie selbst kopfschüttelnd »Dafür ist dann wieder Geld da« vor sich hinmurmeln.
Den Rest des Tages beobachte ich, aus Mangel an Alternativen, die vorbeilaufenden Patient*innen. Sie bewegen sich auffällig langsam, spazieren aber leider etwas zu weit entfernt, als dass ich verstehen könnte, worüber sie sprechen. Ich fühle mich wie der von Falten übersäte russische Opa aus meiner Siedlung damals, der den ganzen Tag damit zubrachte, auf ein Kissen gelehnt aus dem Fenster zu gucken. In aller Seelenruhe beobachtete er das Nichtgeschehen auf der Straße und machte sich mit einem angenagten gelben Bleistift Notizen in seinem kleinen Büchlein. Gleich zweimal geht eine Gruppe von drei jungen Männern an mir vorbei. Sie blicken kurz zu mir rüber, beachten mich aber nicht weiter und gehen ihres Weges. Ich schaue ihnen noch länger nach und etwas in mir wünscht sich, hinter ihnen herlaufen zu können, als es links von mir auf einmal laut wird.
Zwei Männer um die dreißig streiten sich ein paar Meter entfernt intensiv in einer Sprache, die ich zwar nicht verstehe, die aber immer wieder mit einzelnen persisch klingenden Wörtern gespickt ist. Afghanen also.
Menschen aus Afghanistan, zumindest manche, sprechen Persisch in etwa so wie Schweizerdeutsche nach zwölf Kräuterlikör deutsch sprechen, nämlich euphorisch und mit der größten Überzeugung, gerade verstanden zu werden, während der Empfänger lächelnd und nickend nur hoffen kann, dass ihm gerade keine Frage gestellt wird. Es hilft nicht, wenn man, so wie ich, nur gebrochenes Persisch spricht.
Der etwas Stämmigere der beiden schubst den anderen, dessen Kopf nur noch eine kleine, schwarze Haarkrone ziert, gestikuliert dabei ausladend und benutzt, neben vielen von mir unverstandenen, deutlich die Wörter »Baum«, »warum«, »immer« und »Löwe«. Wobei »Löwe« auch »Milch« oder »Wasserhahn« bedeuten kann, das ist im Persischen dasselbe Wort. Ich puzzle mir anhand der Begriffe selbst zusammen, dass er seit Monaten die Bäume des Klinikgeländes nach Löwen absucht und aufgebracht ist, weil sich bisher kein einziges Tier hat finden lassen. Gerade als sein Gegenüber ihm antworten will, kommt ein Arzt aus der Klinik herausgestürmt und trennt die beiden, indem er dem Löwensucher auf Persisch und in deutlichen Worten klarmacht, dass er sich ein bisschen zügeln soll. Gezischte Befehle sind definitiv Teil des spärlichen Persischvokabulars, das ich von meinem Vater mitbekommen habe.
Plötzlich steht Thorsten neben mir. Ich schrecke auf, weil ich nicht mitbekommen habe, wie er sich angeschlichen hat. Anscheinend ist Thorsten Geheimagent beim BND und bewegt sich nur Mission-Impossible-mäßig auf allen vieren vorwärts, um von niemandem gehört zu werden. Wie Tom Cruise, nur suchtkrank. Das würde auch seine Schürfwunden erklären.
»Mal wieder Ärger im Paradies«, sagt er.
Ich schaue ihn fragend an, nicke und warte, ob sich mein ungewünschter Mitbewohner gleich als Rassist entpuppen wird. Das Braun meiner Augen und Haare ist hell genug, um bei meinem Anblick nicht direkt zu erkennen, dass ich Halbkanacke bin, deshalb ziehen mich Deutsche häufig in ihr Vertrauen, wenn sie fremdenfeindliche Witze machen und über »die Anderen« reden wollen. Wenn ich ihnen dann meine Herkunft offenbare, meinten sie es immer nicht so.
Thorsten aber lächelt, schnalzt, zündet sich seine Zigarette an und spricht aus einem geöffneten Mundwinkel:
»Süß sind sie ja, das muss man ihnen lassen.«
Ich verstehe nicht, was er mir damit sagen will, als er in die Richtung der beiden Männer nickt. Ich drehe mich um und sehe, wie die beiden Streithähne jetzt eng umschlungen zurück in Richtung Station gehen und der erfolglose Löwenbändiger von seinem Haarkranz-Freund einen Kuss auf die Backe gedrückt bekommt.
»Haben sich hier kennengelernt und sind jetzt seit fünf Wochen zusammen.«
Bin mir am nächsten Morgen nicht sicher, ob ich überhaupt geschlafen habe. Die Müdigkeit rückt aber bald in den Hintergrund, denn ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass jemand meine diagnostizierte Krankheit als solche anerkennt und mit allen notwendigen Mitteln ausmerzen will.
Mein behandelnder Arzt trägt Jeans zum Kittel, ist höchstens ein paar Jahre älter als ich und entschuldigt sich, angekommen in seinem Büro, sofort dafür, dass er direkt noch einmal den Fragenkatalog durchgehen muss. Als ich anfange zu sprechen, bemerke ich seine aufmerksam flackernden Augen, die meinen Worten auf die Silbe genau folgen. Das Braun seiner Iris ist genauso dunkel wie meins und als ich ihm auf die Brust schaue, steht dort ein Name mit einem y, einem ö und einem i ohne Punkt. Ein Bruder! Mit jedem Satz, den ich spreche, entspannt sich mein Körper mehr, weil meine Worte sichtbar ankommen.
»Und können Sie sagen, seit wann genau Sie sich so fühlen?«, fragt er nach einigen Minuten und Kleinigkeiten in seiner Aussprache verraten mir, dass er noch nicht ewig in Deutschland lebt. Gut.
Ich traue Menschen mit Akzent grundsätzlich mehr zu, weil ich weiß, dass sie doppelt so fähig wie ihre Kolleg*innen sein mussten, um an denselben Job zu kommen. Ich antworte:
»Ich kann mich ehrlich gesagt an keine Zeit erinnern, in der es anders war.«
Sein kleines Büro, in das ich mit maskierter Eskorte geführt wurde, ist karg eingerichtet, er scheint noch nicht lange hier zu arbeiten, nur ein Foto, das leider von mir abgewandt ist, ziert seinen blitzsauberen Tisch. Er hat ein paar Schweißperlen auf der Stirn und vermittelt mir mit dem eifrigen Herumräumen seiner Zettel das Gefühl, dass es ihm ernst ist, meinen Fall zu lösen. Zeitweise fühle ich mich so wohl, dass ich, als er fragenkatalogsgetreu checkt, ob ich Stimmen hören würde, mit »eigentlich nur Ihre« antworte, was er nicht lustig findet. Schade. Trotzdem: Ich habe endlich einen Verbündeten.
Mein Mitstreiter fragt mich, ob in meinem Zimmer denn alles in Ordnung wäre, was ich direkt als Chance wahrnehme, einen Versuch in Richtung Einzelzimmer zu starten. Sorry, Thorsten.
»Es ist wirklich nichts Großes, aber– ich habe ein starkes Problem mit Zigaretten und mein Mitbewohner raucht fast ununterbrochen. Gibt es vielleicht noch ein freies Zimmer?« Ich schäme mich zwar für meine Lüge und dafür, wie ich Thorsten gerade unter den Bus werfe, erinnere mich aber an das Telefonat mit meiner Mutter vor ein paar Stunden, in dem ich ihr versprochen habe, in den nächsten Wochen auf mich selbst zu achten.
›Keine falsche Freundlichkeit walten lassen‹ hat sie das genannt. Jetzt gerade bin ich mir nicht mehr ganz sicher, wo genau die Grenze zwischen ›keiner falschen Freundlichkeit‹ und ›purem Arschlochverhalten‹ liegt. Hoffe aber, dass eine kleine Notlüge für einen guten Zweck noch im Rahmen ist. Außerdem zählt die Zigarettendrehmaschine als mildernder Umstand.
»Verstehe. Ich kann Sie heute Abend in ein anderes, bisher leeres Beobachtungszimmer verlegen. Es kann aber sein, dass Sie dort in den nächsten Tagen noch einen Mitbewohner kriegen, der dann auch raucht.« Das Risiko gehe ich ein.
Nachdem er den ausgefüllten Fragebogen in einem gelben Aktenordner unter seinem Tisch hat verschwinden lassen, werde ich von ihm darüber aufgeklärt, wie genau das Verschreiben von und Gewöhnen an ein Antidepressivum läuft. In meinem Hals wächst ein Kloß in der Größe meiner Faust.
2020 hat die moderne Medizin erst einen einzigen Weg ausgemacht, das genau passende Antidepressivum für jede einzelne traurige Person zu finden: rumprobieren. Ich bekomme daher ab morgen den »ersten Versuch« verabreicht. Nach ein bis zwei Wochen wird sich dann zeigen, ob das Medikament und ich ein Match sind oder ob wir es vielleicht mit anderen Partnern probieren sollten. Ich weiß nicht, ob diese Vorgangsweise dem geschuldet ist, dass Depressionen scheinbar erst seit einigen Jahren wirklich als Krankheit anerkannt sind, komme mir aber komisch vor bei dem Gedanken, dass die Wahl des Mittels, das mein Leben retten soll, mit Augenbinde passieren könnte.
Als ich zurück ins Zimmer gebracht werde, sage ich Thorsten, dass er sich nicht wundern soll, wenn ich nachher abgeholt würde.
»Der Arzt hat gesagt, dass es mir aufgrund meiner Kondition besser tun würde, wenn ich alleine untergebracht wäre«, sage ich halb lachend. Bei ›Kondition‹ zeige ich mir mit dem Zeigefinger auf den Kopf und mache Kreisbewegungen, um Thorsten zu verdeutlichen, dass meine Versetzung sicher nicht an ihm liegt. Ich muss einem Klinikinsassen nicht ins Gesicht sagen, dass ich nicht im selben Zimmer sein möchte wie er.
Sitze am nächsten Morgen allein und mit laut plärrendem Handy im Nachbarzimmer von Thorsten. Auf dem Tisch steht mein Frühstück, das, wie die letzten beiden Abende und Morgen auch, Graubrot und zwei Scheiben Salami für mich bereithält. Ich bin Vegetarier. Eigentlich hatte eine Krankenschwester bei meinem Umzug nach meinen Essenseinschränkungen gefragt, worauf ich ihr wahrheitsgemäß »Ich esse kein Fleisch« antwortete, was sofort Scham in mir auslöste. Wer bin ich denn, hier auch noch Wünsche zu äußern? Es kommt mir anmaßend vor, in meiner Lage kulinarische Ansprüche zu stellen, und scheinbar sieht das die Person, die hier das Essen auf die Teller legt, ganz ähnlich. Gestern konnte ich mich dazu durchringen, die Salami so authentisch lächelnd wie möglich mit einer Entschuldigung und der Erklärung um meine Luxuseigenart zurückgehen zu lassen. Auch heute überwinde ich mich und drücke den roten Knopf neben meinem Bett, der zuverlässig maskiertes Pflegepersonal in meine Isolationszelle ruft. Der Knopf leuchtet auf und bedeutet mir zu warten. Von draußen kratzen meine Gedanken am Fenster, ich sehe hinter ihnen wieder die Gruppe junger Männer vorbeilaufen. Schaue ihnen kurz nach, bis sie aus meinem Sichtfeld verschwinden.
Ich habe Angst davor, dass auf die Traurigkeit die Leere folgt. Ich wäre gern weniger traurig, aber immerhin fühle ich etwas. In meinem Kopf spukt das Bild vom geheilten Depressiven herum, der in seinem neuen, medikamentierten Leben nur noch apathisch außerhalb von Welt steht. Wenn ich das alles hier über mich ergehen lasse, dann nur aufgrund einer winzigen Hoffnung, die sich irgendwo in meinem Körper verschanzt hat. Eine Hoffnung darauf, dass es vielleicht doch ein Wundermittel gibt, das mir den Zugang zur Utopie gewährt. Mich in einen Zustand des ewigen Glücks und der nie versiegenden Energie versetzt und mir genau die Art von Leben ermöglicht, die ich mir seit 27 Jahren erfolglos zu erkämpfen versuche.
Wenn ich mir mein geheiltes Zukunfts-Ich vorstelle, dann immer in Geschwindigkeit. Morgens aufstehen und ein zuckerarmes Müsli essen – keine Zeit für Kalorien. Dann vor dem Mittag (Grünkohlsmoothie) das erste Meeting, das zweite, das dritte. Nie mehr zurückblickend auf früher, auf mein Heute, wo ich nach jedem Treffen mehrere Stunden Regenerationszeit für mich allein brauche, um überhaupt wieder betriebsfähig zu werden.
Zukunfts-Nick dagegen sieht aus wie Heidi, die Cartoonheidi mit den runden Backen, die in vollem Tempo über die grünen Wiesen Süddeutschlands (oder war es die Schweiz?) fegt, während die Bäume nur so an ihr vorbeifliegen. Genau so werde ich geheilt durch die Stadt rennen.
Wieso fallen mir nur Zeichentrickfiguren ein und keine echten Menschen, die meine Wunschkriterien erfüllen und mir als Vorbild dienen könnten? Liegt vielleicht daran, dass ich diese Leute gar nicht sehen kann, weil sie sich immer in einem solchen Affentempo fortbewegen, dass sie mit bloßem Auge überhaupt nicht mehr zu erkennen sind. Und mit meinen müden Depressionsaugen erst recht nicht.
Mit einem Schwung geht die Tür auf und reißt mich aus meinen Gedanken. Die Salami wird abgeführt und gegen zwei in goldenes Aluminium eingewickelte Stücke Schmelzkäse ausgetauscht. Ich hasse Schmelzkäse.
Mein Schlafrhythmus hat sich noch immer nicht an den Klinikalltag angepasst. Ich schlafe gedankengeplagt kurz nach vier ein und werde um kurz vor sieben wieder von den metallenen Graubrotessenswägen geweckt, die durch den Flur bollern. Die ersten Sekunden nach dem Aufwachen sind die gefährlichsten, weil die Schutzmauer noch nicht steht. Meine Gedanken, die sich über Nacht durch die Terassentür ins Zimmer gefräst haben, nutzen ihre Chance sofort. Kommen angerannt. Springen auf mein Bett und packen mich am Arm, fixieren mich. Sie starren mich an und ihr warmer Atem legt sich über mein Gesicht, während ich mich im Schwarz ihrer Augen verliere, die mich nicht mehr loslassen. Ihre langen Fingernägel graben sich tief in mein Fleisch, ich greife mit letzter Kraft nach meinem Handy und versuche, sie zu besänftigen. Hektische Fingerberührungen auf dem dunklen Display öffnen Spotify, landen auf der Seite Relaxation, klicken direkt die erste Playlist an. Einige Sekunden später tönt Rainforest Thunder durch die schäbigen Handylautsprecher, während draußen höhnisch hell die Sonne scheint. Meine Gedanken, die plötzlich auf die Fußseite meines Bettes gewandert sind, schnauben kurz auf, verdrehen die Augen und flüstern verächtlich »süßer Versuch«, packen mich an den Beinen, festigen ihren Griff und beginnen langsam, mich nach unten zu ziehen. Glücklicherweise kommt in diesem Moment eine Krankenschwester ins Zimmer, um mir Blut abzunehmen. Früher habe ich mich vor Nadeln gefürchtet, heute ist der Feind meines Feindes mein Freund.
müde müde müde müde müde müde müde müde müde müde müde müde erschöpft traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig leer leer leer leer traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig leer leer leer leer leer leer leer leer leer leer leer leer leer traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig leer leer leer leer traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig müde müde müde
Durch den Schlafentzug zittert mein rechtes Augenlid. Ich lasse es für ein paar Sekunden nach unten fallen, was den schon besiegt geglaubten Gedanken eine willkommene Einladung ist, wieder mit Gebrüll auf mich zurückzustürmen. Reiße die Augen wieder auf. Ablenkung. Ich brauche Ablenkung. Durchwühle meine Tasche und greife auf Plastik.
Vor zwei Jahren habe ich mir eine Nintendo Switch gekauft. Die Werbung sah unglaublich cool aus, das Ding kann überall mit hingenommen und zu zweit gespielt werden? Ja geil. Beim ersten Angebot schlug ich zu und seitdem lag die neonglänzende Konsole bei mir im Schrank und diente hauptsächlich als Staubfänger.
Während ich in meiner Kindheit ganze Tage vor der Playstation verbracht habe, hatte ich in den letzten Jahren immer Schuldgefühle, wenn ich einen Controller in der Hand hatte. Wie verkauft man einem Selbstoptimierer im Spätkapitalismus Computerspiele, wenn er seine Zeit auch mit Sprachenlernen oder Onlinelectures zum Thema global capitalism verbringen könnte? Ich entschied mich gegen kindische Spielerei, immer in der Hoffnung darauf, durch meine Anstrengung ein höheres Level an Sein zu erreichen, eine Art Erleuchtung durch Bildung.
Jetzt leuchtet nur der Bildschirm. Ich stoße ein kurzes Dankgebet aus, dass ich vor ein paar Tagen geistesgegenwärtig genug war, das Teil mitzunehmen, setze mich hin, starre in Unterhose auf mein Nintendo und drücke Jetzt kaufen bei einem Spiel namens Final Fantasy XIII.
Das erste Spiel, das ich je besaß, war Final Fantasy X. Ein wunderschönes Rollenspielgame, bei dem man in die Haut von Tidus schlüpfte, einem jungen, unwissenden Helden, der die Welt mit einem Schwert aus Wasser vor einem überlebensgroßen fliegenden Wal namens Sin retten musste, weil dieser das Böse in die Welt trug. Ganz normales Japano-Role-Play also. Mein zwölfjähriges Ich saß damals mit offenem Mund und einer Komplettlösung im Anschlag auf der Couch, sammelte über zweihundert Spielstunden, entdeckte die mystische, untergegangene Geisterstadt Zanarkand und trainierte eine Gruppe von zusammengewürfelten Misfits, die nur mit vereinten Kräften und meiner Hilfe das Böse besiegen konnten. Als ich am Ende der Reise dem Endboss gegenüberstand, schlug mein Herz wie wild, und in der Sekunde, in der Tidus Sin den Gnadenstoß verpasste, ging ein warmer Stromschauer durch meinen Körper. Ich – nein, wir hatten es geschafft. Wir hatten die gesamte Welt von allem Schlechten befreit und ein neues Zeitalter der Menschlichkeit eingeläutet.
»Ganz so final kann die Fantasy ja nicht sein bei dreizehn Teilen«, klugscheiße ich laut und warte, während der Ladebalken des neuen Spiels hochfährt. Noch ein Mal dieser Stromschauer. Bitte nur noch ein Mal.
In einem fingergroßen Pappbecher vor mir liegt meine Zukunft. Oder die Möglichkeit auf eine. Sie ist kaum zwei Zentimeter lang, langweilig weiß und hat einen Strich in ihre Mitte eingekerbt. Sertralin heißt das erste Antidepressivum, das gleich mit meinem Körper Bekanntschaft machen wird, und ehrlich gesagt hätte ich von meiner Retterpille mehr erwartet. Wieso kriegen nur Raver schrill farbige Tabletten in lustigen Formen? Sertralin sollte dringend das Designteam wechseln.
Ohne den Blick vom Becherinneren zu nehmen, schenke ich mir viel zu viel Wasser ein, kreuze die Finger meiner linken Hand und greife mit der Rechten nach dem Behältnis. Sekunden später fällt die Tablette auf meine ausgestreckte Zunge, die mit ihrer Fracht zurück in meinen Mund fährt. Ich trinke mein gesamtes Glas leer und spüre, wie der erhoffte Heilsbringer langsam meinen Hals herunterwandert, bis ich ihn irgendwo ab Brusthöhe nicht mehr wahrnehme. Schaue kurz in den leeren Pappbecher und setze mich zurück an meinen Arbeitsplatz (Tisch), um die Wartezeit mit Final Fantasy zu verkürzen.
Die Story ist leider nicht ganz so packend wie beim letzten Mal – oder ich bin einfach keine zwölf mehr und deshalb eher unangenehm berührt, wenn alle weiblichen Figuren nur im BH rumlaufen und mit Herzen in den Augen den coolen Main-Character anhimmeln, der so unglaublich fucking cool ist, dass er anderen Figuren zur Begrüßung nicht mal die Hand gibt. Wow. Cool. Echt mega mega cool. Egal, die Welt will wieder gerettet werden, und einer muss es ja machen.
Fünf stromschauerlose Stunden später habe ich meine Umstände schon fast wieder vergessen, als mir auf einmal aus dem Nichts speiübel wird und mein Herz zu rasen beginnt. Mein Mund trocknet schlagartig aus, mein Schädel wird warm, mein Hirn fängt plötzlich an, ungefragt auf doppelter Geschwindigkeit zu arbeiten und dreht Runden um sich selbst. Ich fühle mich wie auf MDMA – nur ohne die Glücksgefühle. Sekunden später liege ich zusammengekauert unter dem Schreibtisch, halte meinen Bauch und bin froh darüber, allein zu sein, weil ich das hier, was auch immer es ist, mit mir selbst ausmachen muss und niemanden brauche, der besorgt nachfragt, ob alles okay sei. Nein, ist es nicht. Mein Magen stülpt sich gerade von innen nach außen, aber danke der Nachfrage.
Viel zu spät verstehe ich, dass mein Zustand auf die morgendliche Tablette zurückgeht. Robbe in Richtung Bett und drücke mehrmals und so schnell ich kann den magischen roten Personalbestellknopf. Ein stechender Schmerz in der Magengegend.
»Och, hat das kleine Baby Aua?«, höre ich hinter mir. Ich drehe mich um und sehe meine Gedanken, die gerade ihre Zigaretten in die Zimmerecke flicken und die Ärmel hochkrempeln. Kurz später treten sie mir mit voller Wucht in die Magengrube. Ich hieve mich unter Würgegeräuschen auf das Bett, rolle mich zusammen, in die Bauchschmerzen hinein, die immer wieder in unregelmäßigen Schüben stichartig über mich kommen. Versuche gleichzeitig, die Tritte meiner Gedanken abzuwehren. Erfolglos.
Momente später kommt ein junger, gut gelaunter und fülliger Mann mit Schnauzbart in mein Zimmer gewalzt.
»Moin Herr Sadeghi Tommi der Name wie in dem Podcast haha ich bin eigentlich gar nicht von der Station hier aber die Kollegen haben gerade Schichtwechsel und deshalb müssen Sie wohl mit mir vorliebnehmen haha aber des kriegen wir schon hin wa wie kann ich Ihnen denn weiterhelfen?«
»Mir geht’s gar nicht gut!«, krächze ich ihm entgegen.
»Na sonst wären Sie ja auch nicht hier, haha.«
»Nein, ich meine jetzt in dieser Sekunde ganz akut.«
»Oh, wieso das denn?«
»Ich glaube – das liegt an der Pille … dem Antidepressivum. Das … das hab ich heute Morgen zum ersten – Mal bekommen.« Ich kann die Worte nur einzeln rauslassen, weil der Spuckreiz mit jedem Wort an Macht gewinnt und sich kaum noch zurückhalten lässt.
»Ah, oh, ja, ehm, das könnte sein. Ich ruf mal eine der Schwestern.«
Super. Danke, Tommi.
Kurz darauf steht eine besorgt dreinschauende Pflegerin im Raum, richtet mich halbwegs auf und misst meinen Blutdruck und Puls, während das Zimmer vor meinen Augen zu verschwimmen beginnt.
»Beides ordentlich erhöht … Ja, Herr Sadeghi, das ist jetzt nicht schön, aber da müssen Sie durch.«
»Alles klar … vielen Dank … trotzdem«, keuche ich.
»Kann ich Sie so alleine lassen?«, fragt die Pflegerin deutlich verunsichert.
Ich recke einen Daumen in die Luft und brauche meine letzte Energie dafür auf, meinen Würgereiz zu unterdrücken und ihr nicht auf den Kittel zu kotzen.
Meine Gedanken teilen sich ihre Arbeit inzwischen auf, der eine zieht mich zurück ins Liegen, der andere setzt sich auf meinen Bauch und hüpft auf und ab.
»Wenn Sie noch was brauchen, sagen Sie Bescheid, ne?« Die Schwester packt ihre unnützen Messgeräte wieder ein, verlässt das Zimmer. Ich bleibe mit meinem rauschfreien Rausch und den Gedanken allein, kauere mich in Embryonalstellung und schütze mich mit Kissen vor weiteren Schlägen, als einer mich genau unter den Rippen erwischt. Ich falle aus dem Bett, krieche ins Badezimmer und füttere die Toilette wie eine Vogelmutter ihre Kinder. Falle auf den kalten Badezimmerboden, wo mir weinend klar wird, dass die nächsten paar Tage wohl weitaus unentspannter werden, als ich es mir erhofft hatte.
übelkeit übelkeit schmerz leere schmerz schmerzleere leere leere müdigkeit schmerz schmerz leere SIE traurig traurig traurig weinen weinen heulen traurig traurig traurig traurig traurig traurig traurig schmerz schmerz traurig leere schmerz schmerz schmerz schmerz schmerz schmerz leere leere leere leere leere leere Tag wird Nacht und wieder zurück.
»Wir haben eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie!«, flötet Tommi der Krankenpfleger, der gerade freudestrahlend durch die Tür geflogen ist. Sein Schnauzbart hüpft leicht vor freudiger Erregung.
»Die gute zuerst: Sie haben kein Corona.«
»Yey«, sage ich unüberrascht. War klar, dass nicht mal ein Virus Bock drauf hat, in meinem Körper zu stecken.
»Super, oder? Uuuund das heißt, dass Sie aus dem Beobachtungsbereich rauskönnen. Uuuuuuuuuund damit kommen wir leider auch schon zur schlechten Nachricht … Einzelzimmer haben wir auf der Station keine. Und Ihr neuer Mitbewohner ist Raucher.«
In meinem Bauch rumort es, was zum einen am Sertralin liegt, zum anderen aber sicher auch an der Vorstellung, die nächsten Wochen zusammen mit einem weiteren Thorsten und seiner Zigarettenstopfmaschine verbringen zu müssen. Zum Glück habe ich die moralisch-medizinische Überlegenheit von ›Rauchen tötet‹ auf meiner Seite, mit der ich gerade einen letzten Versuch starten will, als Tommi mir zuvorkommt:
»Aber keine Sorge, so doll wie Ihr letzter Zimmernachbar ist der Jesper nicht. Das ist ’n ganz Zutraulicher.«
Kurz frage ich mich, ob mich im nächsten Zimmer ein Hund erwartet. Haben Hunde Depressionen? Denn wer zur Hölle nennt einen Menschen ›zutraulich‹? Auf einmal kommt mir in den Sinn, ob ich mir mein Zimmer gerne mit einem depressiven Pudel teilen würde, und wiege ab: Hunde stinken zwar meistens, dafür müsste ich mich vor einem Hund nicht sonderlich schämen, wenn ich winselnd in meinem Bett liege, Winseln ist ja voll deren Ding. Komme zu dem Schluss, dass meine Spezies-Rangliste für potenzielle Mitbewohner*innen folgendermaßen geht: Katze – Hund – Mensch – Fisch – Echse –
