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Simone ist überglücklich: Endlich hat Jochen ihr einen Heiratsantrag gemacht! Doch auf dem Weg zum Traualtar warten mehr Hürden als erwartet.
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Seitenzahl: 258
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Danke!
Bei „Herz im freien Fall“ habe ich noch um jede Zeile kämpfen
müssen, um die Seitenbeschränkung einzuhalten. Dieses Mal ist
zum Glück noch Platz für eine Danksagung!
Danke an Joachim, der vermutlich im Stillen ein: Endlich!
hinzufügt.
Lieben Dank meinen Mädels, die es mir ermöglicht haben, die
Zeit zum Schreiben zu erübrigen. Danke zudem dir Clara, dass du
mit deinem Korrekturlesen, dazu beigetragen hast, dass dieses
Mammutprojekt (endlich) ein Ende findet.
Mein ganz besonderen Dank, gilt Bettina, die sich mit Feuereifer
in meiner Schaffenskrise in die Aufgabe der Lektorin gestürzt
und mit ihren Anregungen für neuen Schwung gesorgt hat.
Danke, auch fürs immer wieder Mut zusprechen, wenn es mal
wieder nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt habe.
Ein riesen Dankeschön an Maren und Timo, die es mit ihren
Hochzeitsfotos ermöglicht haben, dass André ein Cover nach
meinen Wünschen zaubern konnte. Danke André dafür.
Danke an Angelo und Pepe vom City, die sofort zugesagt haben,
dass das City auch im Buch das City bleiben darf.
Ein ganz besonderes Dankeschön gilt all den Leserinnen und
Lesern(!!!) meines ersten Buches „Herz im freien Fall“ für ihre
vielen positiven Rückmeldungen. Es waren genau diese, die mich
ermutigt haben, mein zweites Buchprojekt in Angriff zu nehmen.
Jetzt hoffe ich, dass alle, die das Buch in die Hand nehmen, viel
Spaß beim Lesen haben werden.
Andrea Späth
Sandkörner rieselten ihr beim Gehen warm durch die Zehen. Der Strand breitete sich einsam vor ihr aus. Die verstreuten Liegen waren verlassen. Auf einzelnen leuchteten schneeweiße Tupfen: Handtücher, die vom Vormittag zurück geblieben waren. Dahinter glitzerte das Meer wie ein flacher Spiegel. Simone blieb stehen und ließ die Ruhe auf sich wirken. Die leichte Brise machte die drückende Mittagshitze halbwegs erträglich. Ohne den morgendlichen Trubel konnte man sogar die Wellen hören, die sanft am Strand ausliefen, untermalt vom Rascheln der Palmblätter. Langsam wandte sie sich um und strich sich eine dunkelblonde Strähne aus ihrem Gesicht. Jochen lief bereits zielstrebig auf die kleine Tauchbasis am Steg zu. Er hatte nicht bemerkt, dass sie zurück geblieben war. Am Ziel angekommen, wandte er sich suchend um. Simone musste schmunzeln, als sie seinen verdutzten Gesichtsausdruck sah. Er winkte ihr zu und lief ihr entgegen: „Alles OK?“, hakte er ein wenig besorgt nach. Simone lächelte ihn beruhigend an: „Ja, klar! Schau nur, wie schön es hier ist!“, sie machte eine ausladende Handbewegung: „Als ob die Welt uns alleine gehört.“ – Jochen stellte sich hinter Simone und schlang seine Arme um sie. Gemeinsam sahen sie aufs Meer hinaus, wo sich am Horizont zwei Segelboote abzeichneten. Simone genoss das Gefühl von Geborgenheit, das sie durchströmte. Schließlich lösten sie sich wortlos, Jochen zog sie noch einmal zu sich heran und küsste sie zärtlich. Dann nahm er entschlossen ihre Hand und gemeinsam gingen sie die letzten Schritte. Als sie die Terrasse der Tauchbasis erreicht hatten, kam Momo strahlend mit zwei Gläsern frisch gepressten Orangensaft aus der Holzhütte. Seine gute Laune war wie immer ansteckend. Bei seiner rundlichen Figur hätte man ihn für alles Mögliche gehalten, nur nicht für einen Tauchlehrer. Aber er hatte Simone und Jochen mit seiner unglaublichen Wendigkeit über und unter Wasser schon einige Male beeindruckt. Heute wollten sie das Hausriff jedoch ohne ihn erkunden. Jochen hatte den Tauchgang am Morgen in aller Ausführlichkeit mit Momo besprochen und er hatte ihnen genau zu diesem Zeitpunkt geraten. Der Rest des Hotels schien, in einen mittäglichen Dornröschenschlaf gefallen zu sein. Er stellte die zwei Gläser vor ihnen auf dem Tisch ab und setzte sich zu ihnen. Dann zeigte er mit beiden Daumen nach oben. Die Sicht unter Wasser sei exzellent, der Wind würde nur an der Wasseroberfläche zu einer leichten Dünung führen und die Strömungen unter Wasser seien gut kalkulierbar. Erst jetzt fiel Simone auf, dass sein krauses Haar feucht Schimmerte. Offensichtlich war Momo gerade erst selbst vom Tauchen zurück. Simones Vorfreude auf diesen Tauchgang stieg weiter und ein angenehmes Kribbeln begann sich in ihrer Magengegend auszubreiten. Die farbenfrohe Vielfalt der Unterwasserwelt hier am Hausriff machte süchtig nach mehr. Gleich beim ersten Tauchgang hatten sie eine kleine Gruppe Juwelen-Zackenbarsche gesehen, die mit ihrer leuchtend rot-orangenen Färbung und den vielen kleinen blauen Punkten ein wunderschönes Farbspektakel boten. Eine gefleckte Muräne hatte ihren schlanken Hals aus ihrer Höhle herausgestreckt. Für Simone war es die erste Begegnung mit einer Muräne und bei dem Gedanken daran wuchs ihre Aufregung. Aber jetzt standen ihr erst einmal die ungeliebten Vorbereitungen bevor. Sie hasste es, sich in die enge Pelle ihres Tauchanzugs zu zwängen. Jochen, mit seiner sportlichen Figur, hatte sich die zweite Haut bereits lässig übergezogen, wissend grinsend kam er zu Simone herüber, nahm den oberen Teil ihres Anzugs und zog ihn gekonnt mit Schwung über ihre Schulter. Simone seufzte erleichtert. Dagegen war der zweite Ärmel ein Kinderspiel. Die Füßlinge waren noch angenehm feucht vom letzten Tauchgang und kühlten die Füße. Mit der Flasche auf dem Rücken und den Flossen in der Hand stapfte Simone durch den Sand. Sie hatte das Gefühl, dass ihre Knie unter dem Gewicht nachgeben würden. Dieses Mal blieb Jochen an ihrer Seite. Bereits nach der kurzen Strecke zum Badesteg spürte Simone die Rinnsale, die ihr an Rücken und Vorderseite hinab strömten. Bis sie am anderen Ende des Stegs ankamen, würde sie das Gefühl haben, in ihrem Anzug zu schwimmen. Am Einstieg gingen sie konzentriert den Buddycheck durch. Sie waren ein eingespieltes Team und wussten, dass sie sich absolut aufeinander verlassen konnten. Dann kam von Jochen ein abschließendes: „OK?“ – Simone nickte ihm freudig zu, gab aber zusätzlich das entsprechende Handzeichen bevor sie einen großen Schritt nach vorn machte. Das Wasser umschloss sie. War das herrlich! Das kühle Meerwasser sickerte in den Anzug ein und sorgte rasch für Abkühlung. Wieder an der Oberfläche ließ Simone etwas Luft in ihr Jackett und sortierte sich. Jochen war direkt neben ihr und strahlte sie an. Sie wusste, dass er ihre gemeinsamen Tauchgänge liebte. Dann waren sie bereit fürs Abtauchen. Dieser kurze Augenblick, in dem die Tauchermaske bereits zur Hälfte unter Wasser ist und in der oberen Hälfte die Welt zu verschwimmen beginnt, war für Simone jedes Mal ein magischer Moment. Gerade war es noch da, das geräuschvolle Treiben da oben und dann tauchte man ein in die Unterwasserwelt, überwältigt von der Ruhe, die einen dort empfing. Erst hörte man nur seinen eigenen Atem, aber so wie sich die Augen nachts an die Dunkelheit gewöhnten, nahm man allmählich, wie von Ferne, auch andere Geräusche wahr. Ganz gemächlich ließen sich Jochen und Simone in Richtung eines riesigen Sandplateaus auf etwa zehn Meter Tiefe sinken. Simone genoss die eigene Schwerelosigkeit und beobachtete gebannt das bunte Treiben um sich herum. Verschiedene Papageifische sorgten für eine schier unendliche Farbenvielfalt. Aber besonders die Picassodrückerfische machten ihrem Namensgeber alle Ehre. Jochen deutete auf einen Rotfeuerfisch, der elegant und divenhaft durchs Wasser schwebte. Dann signalisierte er ihr, dass sie ihren Tauchgang in Richtung eines Riffs fortsetzen wollten. Das Riff erhob sich wie eine kleine Bergkuppe aus der Sandfläche vor ihnen. Es stieg sanft an und war über und über mit den verschiedensten Korallen bewachsen. Simone wusste von vorangegangenen Tauchgängen, dass auf der Rückseite eine Clownfischkolonie lebte und freute sich, dass Jochen diese Route für ihren Tauchgang gewählt hatte. Gemächlich paddelten sie, in die eingeschlagene Richtung. Jochen schwamm zwar vor ihr, aber leicht versetzt, damit sie Blickkontakt halten konnten. Simone amüsierte seine Fürsorge immer wieder. Er war zwar der deutlich erfahrenere Taucher als sie, dafür war sie, die bei weitem bessere Schwimmerin und fühlte sich im Wasser ganz in ihrem Element. Außerdem war das Tauchen an dieser Stelle und bei der klaren Sicht, der reinste Unterwasserspaziergang. Andererseits gab es Simone ein Gefühl von Sicherheit, wenn sie ihn dicht an ihrer Seite wusste. Sollte sie unerwartet in Schwierigkeiten kommen, wusste sie, dass Jochen nur einen Wimpernschlag entfernt war und alles dafür tun würde, sie wieder sicher an die Wasseroberfläche zu bringen.
Langsam umrundeten sie das Riff. Kam man von dieser Seite, veränderte sich die Unterwasserlandschaft dramatisch. Statt des weiten Sandplateaus mit vereinzeltem Grasbewuchs, gab es nun versprenkelte kleine Korallenbänke, um die herum das Leben pulsierte. Es war wunderschön. Aber heute nahm Simone etwas anderes den Atem: Vor ihr war ein riesiges Transparent aufgespannt, auf dem stand:
Ich liebe dich im Wasser und an Land!
Willst du mich heiraten?
Simone schossen die Tränen in die Augen. Natürlich wollte sie. Jochen war direkt neben ihr und versuchte, durch die Taucherbrille hindurch, Simones Reaktion zu erahnen. Etwas unbeholfen umarmte sie ihn. Sie überlegte kurz, ob sie ihn küssen sollte, ließ es dann aber lieber sein. Das traute sie sich hier unter Wasser dann doch nicht. Stattdessen grinste sie ihn breit an und machte mit beiden Händen das “OK“- Zeichen. Jochen antwortete mit einem Salto. Dann nahm er ihre Hand und hauchte ihr einen Handkuss darauf. Mit der großen Taucherbrille wirkte die Geste sehr theatralisch und Simone verschluckte sich fast vor Lachen. Jochen zog sie zu sich heran. Gemeinsam schwebten sie vor dem Transparent im Wasser. Simone wäre am liebsten gar nicht mehr aufgetaucht. Aber schließlich gab Jochen ihr ein Zeichen und Simone stellte fest, dass ihre Zeit unter Wasser allmählich ablief. Zusammen lösten sie die Verankerung und rollten das Transparent sorgfältig ein. Mit einem kleinen Seufzer begann der Aufstieg an die Wasseroberfläche.
Momo erwartete sie bereits zurück. Vor dem Sekt, den er für sie kalt gestellt hatte, gab es erst einmal eine Flasche Mineralwasser zum Durst löschen und einen langen intensiven Kuss für Jochen. Simone schwebte noch immer. Endlich hatte er sie gefragt! Wie lange hatte sie sich das gewünscht? Als sie sich vor vier Jahren kennengelernt hatten, war es nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick. Petra, die Kollegin, mit der sie schon seit Jahren befreundet war, hatte sie überredet, zu einem privaten Sommerfest mit zu kommen. Zunächst hatte sie keine große Lust gehabt. Petra war viel mit ihrer Clique zusammen: Freunde, die sich seit vielen Jahren kannten und oft gemeinsam unterwegs waren. Simone verspürte wenig Lust, sich als Anhängsel abgehängt zu fühlen. Aber Petra hatte sie erfolgreich mit der Aussicht auf Cocktails gelockt. Und die waren tatsächlich sehr lecker! Jochen hatte als Barkeeper eine gute Figur gemacht. Da Simone ihre Cocktails am liebsten fruchtig und mit wenig Alkohol mochte, waren sie am improvisierten Tresen schnell ins Gespräch gekommen. Jochen erfüllte Simone gerne ihre Sonderwünsche und schaffte es, genau ihren Geschmack zu treffen. Dann hatte er den Tresendienst abgegeben und sie hatten sich zu zweit in eine ruhigere Ecke zurück gezogen, um ihre Unterhaltung fortzusetzen. Die Zeit war wie im Flug vergangen und entgegen ihrer Befürchtungen hatte Simone den Abend sehr genossen und gehofft, dass Jochen sie nach ihrer Telefonnummer fragen würde. Als er sie aber einfach ziehen ließ, war Simone überrascht, wie enttäuscht sie war. Andererseits hatte sie sich nicht getraut, von sich aus den ersten Schritt zu machen.
Am nächsten Montag kam Petra zu ihr ins Büro. Ohne große Umschweife drückte sie Simone einen Zettel mit Jochens Nummer in die Hand: „Du hast einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“, lächelnd fügte sie hinzu: „Er würde sich freuen, wenn du dich meldest! Und wehe du traust dich nicht.“ - Im Nachhinein, hatte Simone sich immer wieder gefragt, ob Petra von Anfang an den Plan gehabt hatte, sie beiden zusammen zu bringen. Aber am Ende hatte sie nie nachgehakt.
Der Anfang ihrer Beziehung war holprig. Jochen schien viel beschäftigt: Als Versuchsingenieur war die Länge seiner Arbeitstage nicht immer kalkulierbar und zudem war ihm sein sportlicher Ausgleich sehr wichtig. Fast täglich ging er joggen oder war mit dem Fahrrad unterwegs. Simone hatte in ihrem Leben wiederholt Versuche unternommen, unter die Läufer zu gehen und war jedes Mal kläglich gescheitert. Mittlerweile gestand sie sich zu, dass Joggen einfach nicht ihr Ding war. Fahrrad fahren war für sie eine gemütliche Wochenendaktivität und kein Workout. Deshalb gestaltete es sich schwierig, spontan unter der Woche einen gemeinsamen Nenner zu finden. Wenn sie dann aber mal zusammen waren, harmonierte es bestens zwischen ihnen. Am liebsten kochten sie gemeinsam. Sie schätzten beide die asiatische Küche und der Wok gehörte zur Standardausrüstung in beiden Wohnungen. Bereits nach einem Jahr zogen sie zusammen. Simone hatte zunächst gezögert. Wie es wohl werden würde, wenn sie sich so dicht auf der Pelle saßen? Schnell merkte sie, dass es die richtige Entscheidung gewesen war. Das Zeitproblem entspannte sich. Und auch die am Ende eher lästige Frage: „Zu dir oder zu mir?“, fiel weg. Nun wohnten sie seit fast drei Jahren zusammen. Simone war fester Bestandteil des gemeinsamen Freundeskreises von Petra und Jochen geworden und hatte das Gefühl, angekommen zu sein. Nie zuvor hatte sie sich vorstellen können, den Rest ihres Lebens mit einem Mann zu verbringen. Aber Jochen war genau dieser Mensch, mit dem es lohnenswert schien, über so etwas wie eine Langfristplanung nachzudenken. Und damit stand für Simone fest, was kommen musste. Aber jedes Mal, wenn sie vorsichtig versuchte, das Thema aufs Heiraten zu lenken, hatte Jochens Radar frühzeitig Alarm geschlagen und ein geschicktes Ausweichmanöver eingeleitet. Mit dem Ergebnis, dass sie nie ernsthaft über das Thema gesprochen hatten. Und jetzt, dieser überwältigende Antrag. Damit hatte Simone so gar nicht gerechnet. Aber es war nicht die einzige Überraschung, die Jochen für sie bereit hielt.
An den vergangenen Abenden waren sie dem Strom der Hotelgäste in eines der All-Inclusive-Restaurants in der Hotelanlage gefolgt, vorbei an den wenigen Gästen, die auf einer überschaubaren, heimelig wirkenden Terrasse direkt am Strand saßen und dort aßen. Simone hatte sie mit einem sehnsüchtigen Blick bedacht. Heute Abend würden sie beiden dort sitzen. Sie wusste das umso mehr zu schätzen, da Jochen seine romantische Ader bislang gekonnt versteckt hatte und solche Stelldichein immer als kitschig abgetan hatte. Heute aber übertraf er sich selbst und überraschte Simone mit einer ganz neuen Seite.
Nach dem Tauchen waren sie jedoch zunächst auf ihr Zimmer gegangen, hatten zusammen geduscht und ohne viele Worte, die neue Qualität ihrer Zweisamkeit genossen. Simone war verblüfft, wie der bloße Heiratsantrag, ihren Blick auf die Dinge und auch ihre Gefühle verändert hatte. Plötzlich nahm die Zukunft konkrete Gestalt an. Die Ungewissheit, ob nur sie sich vorstellen konnte, den Rest ihres Lebens mit Jochen zu verbringen, hatte sich in Luft aufgelöst und ein noch stärkeres Gefühl der Zusammengehörigkeit machte sich breit. Sie freute sich unbändig darauf, mit Jochen Pläne zu schmieden, wusste aber instinktiv, dass sie ihn nicht überfahren durfte. Aber Simone war sich sicher, dass sich am Abend die Gelegenheit dazu ergeben würde. Das bedeutete nur leider, dass sie jetzt erst einmal das kuschelige Bett verlassen mussten. Unwillig löste sich Simone schließlich aus Jochens Armen. Aber es wurde Zeit, ihr zerzaustes Äußeres für das schicke Abendessen aufzupeppen.
Jochen hatte es einfacher. Verschmitzt lächelnd fuhr er sich mit beiden Händen durch die kurzen, leicht gelockten dunkelblonden Haare. Fertig! Seine gerade geschnittene Jeans brachte seine sportliche Figur besonders gut zur Geltung und das weiße Hemd unterstrich den bronzefarbenen Teint, den er in den letzten Tagen bekommen hatte, zusätzlich. Er sah zum Anbeißen aus. Simone musste sich zurück halten, um ihn nicht zurück ins Bett zu ziehen. Simone hatte sich für eine helle Leinenhose entschieden, die weit geschnitten war und ihre überflüssigen Pfunde geschickt kaschierte. Darüber trug sie eine schicke Tunika in einem frischen Orange, die am Ausschnitt mit Perlen bestickt war. Bewundernd stieß Jochen einen Pfiff aus. Hand in Hand schlenderten sie zum Strand hinunter. Von der befestigten Strandpromenade zweigte ein schmaler Pfad zu der überdachten Terrasse ab. Beide Seiten des Weges waren mit Fackeln beleuchtet, deren Feuerschein wilde Schatten über den Sand tanzen ließ. Ein elegant, ganz in weiß, livrierter Kellner begleitete sie zu einem Tisch direkt zur Meerseite hin. Auf diesem stand eine schmale Vase mit einer einzelnen Blume und die Tischsets aus Bast hatten die Form eines Fisches. Die weißen, gestärkten Tischservietten unterstrichen den Kontrast zum All-Inclusive-Restaurant jedoch am stärksten. Ihr Kellner schenkte ihnen aus einer Glaskaraffe Wasser ein und fragte nach ihren weiteren Getränkewünschen. Simone freute sich, dass sie hier ganz selbstverständlich Tee zum Essen bestellen konnte. Jochen blieb bei seinem allabendlichen Bier. Dann nahm Jochen die mit altägyptischen Schriftzeichen verzierte Menükarte zur Hand und las Simone vor: „Mmh, das klingt aber lecker: Wir starten mit einem Vorspeisenteller mit diversen Dips.“ – Simones Augen leuchteten: „Das klingt, als würde ich heute Abend endlich einmal in den Genuss von Humus kommen. Was gibt es als nächstes?“ – Jochen legte seine Stirn kritisch in Falten: „Rote Linsensuppe! Wir haben doch nicht Winter!“ – Simone lachte: „Rot klingt richtig schön feurig. Ich glaube nicht, dass du eine dicke Pampe mit Spätzle zu befürchten brauchst.“ – Jochen verabscheute Simones Leibgericht, die typisch schwäbischen Linsen mit Spätzle. Simone hoffte, dass sie heute Abend eine leckere Alternative kennenlernen würden, die sie beide mochten.
Der Kellner stellte eine üppig gefüllte Platte mit verschiedenen gebratenen Gemüsesorten und kleine Schälchen mit den angekündigten Dips in die Mitte des Tisches. Simone riss erst Jochen dann sich selbst ein Stück des Fladenbrots ab, das dazu gereicht wurde und tunkte es in die Schüssel ein, die Humus zu versprechen schien. Genussvoll seufzte sie: „Lecker! Das musst du unbedingt probieren!“ – Jochen hatte bereits den Dip daneben versucht und strahlte: „Wow, das ist sensationell, leckeres Sesammus! Sehr empfehlenswert!“ – Die beiden schwelgten ausgiebig in den leckeren Vorspeisen. Als nächstes brachte der Kellner zwei schlichte Tonschalen. Skeptisch beäugte Jochen, das dampfende Behältnis. Simone musste lachen: „Jetzt stell dich nicht so an!“ – „Pah, dann mach du doch den Anfang, wenn du dich traust.“, neckte Jochen sie. Das ließ Simone sich nicht zweimal sagen und griff zu ihrem Löffel. Jochen beobachtete gespannt ihre Reaktion. Simone überlegte kurz, ob sie ihn auf den Arm nehmen sollte, entschied sich aber dagegen: „Ich wette, diese Linsensuppe kommt unter unsere Top 10 Suppenrezepte!“ – Nun griff auch Jochen zum Löffel und stimmte Simone spontan zu. Die Suppe entpuppte sich als leckerer Gemüseeintopf, der durch die ungewohnten Gewürze eine besonders interessante Note hatte. Simone stellte fest, dass sie sich vor lauter Schlemmen, noch über nichts anderes, als das leckere Essen unterhalten hatten. Dabei gab es doch so viel zu besprechen. Wie sollte sie den Aufschlag machen? Aber Jochen kam ihr zuvor. Er signalisierte dem Kellner, dass sie eine Pause vor dem Hauptgang einlegen wollten. Dann beugte er sich vor und nahm Simones Hände sanft in die seinen: „Habe ich dich sehr überrascht?“, wollte er ohne Umschweife wissen. An seine direkte Art hatte Simone sich zu Anfang erst einmal gewöhnen müssen. Jochen war nicht gerade der geborene Plauderer und wenn er etwas sagte, war es auf den Punkt und man wusste manchmal zu genau woran man war. Mittlerweile liebte Simone genau diese Klarheit an ihm. Sie überlegte kurz: „Ja, sehr! Ich hatte schon das Gefühl, dass Heiraten bei dir ein Unwort ist!“ – Jochen lehnte sich etwas zurück: „Meinst du, ich hätte nicht mitbekommen, dass du ständig bohrst?“ – Seine Worte versetzten Simone einen Stich: „Soll das etwa heißen, dass du dich von mir genötigt fühlst?“, fragte sie schärfer als beabsichtigt. Jochen lachte auf: „So gut solltest du mich mittlerweile kennen. Ich lasse mich weder nötigen noch drängen. Aber mir war klar, dass du ganz offiziell gefragt werden möchtest, aber den Zeitpunkt wollte ich schon selber bestimmen!“ – Simone war halbwegs versöhnt: „Und was macht dies zum richtigen Zeitpunkt?“ – Nun lehnte sich Jochen wieder vor und schaute ihr tief in die Augen: „Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit. Ich finde, es lief von Anfang an super zwischen uns. Als für mich fest stand, dass ich dich fragen will, war jedoch klar, dass ich dir keinen null acht fünfzehn Antrag machen will. Irgendwann kam mir dann die Idee zu heute. Das hieß aber, dass wir erst einmal einen Tauchurlaub machen müssen.“ – Simone konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Sie hatte sich gewundert, weswegen Jochen ihr diesen Urlaub völlig unnötigerweise übertrieben schmackhaft gemacht hatte. Sie erwiderte den Druck seiner Hände. Sie hatte so ein wunderbar warmes Gefühl im Bauch, dass sich immer weiter ausbreitete und ihr allmählich zu Kopf stieg. Um den Zauber des Augenblicks nicht zu stören, schluckte sie ihre Fragen zu den Hochzeitsvorbereitungen herunter. Die mussten jetzt einfach warten. Ausgerechnet in diesem Moment brachte jedoch der Kellner den Hauptgang: Es gab dreierlei gegrillten Fisch, mit einem Ratatouille von Okraschoten und Couscoustalern dazu. Das Gericht duftete verlockend. Simone war dankbar, dass der Kellner das Filetieren der Fische übernahm. Sie ließ den Blick über ihren Teller schweifen und blickte hinaus aufs Meer. Was für ein fantastischer Abend: „Ich freue mich so, dass du uns dieses wunderbare Essen hier organisiert hast!“ – Jochen grinste sie breit an: „Deine sehnsuchtsvollen Blicke waren nicht zu übersehen! Außerdem wollte ich den perfekten Abschluss für diesen Tag. Und ich muss zugeben, es ist wirklich klasse hier!“ – Er griff nach seiner Gabel, dann kam ihm plötzlich ein Gedanke und er hielt inne: „Bist du enttäuscht, dass ich keinen Ring für dich habe?“ – Erst jetzt bemerkte Simone, dass eigentlich noch etwas Entscheidendes fehlte. Sie lachte: „Das ist mir noch gar nicht aufgefallen.“ – Es überraschte Jochen nicht, dass Simone nichts vermisst hatte. Äußerlichkeiten waren ihr nicht wichtig. Das unterschied sie positiv von ihren Vorgängerinnen an seiner Seite: „Ich habe mir dazu einiges an Gedanken gemacht. Ich finde aber, dass wir die Ringe unbedingt gemeinsam aussuchen sollten. Vielleicht können wir uns hier bei einem Goldschmied umsehen.“ – Simone war sofort Feuer und Flamme: „Das ist eine schöne Idee und wäre dann gleichzeitig eine Erinnerung an diesen tollen Urlaub.“ – Simones Begeisterung gab Jochen das Gefühl, bislang alles richtig gemacht zu haben. Ihm war durchaus bewusst, dass das in anderen Fragen in Sachen Hochzeit nicht so einfach werden würde. Simone nutzte die Gelegenheit und spielte ihm den Ball nochmal zu: „Und, was hast du dir sonst so überlegt?“ – Jochen zögerte einen kurzen Moment. Er hatte Simones versteckte Botschaften in den vergangenen Wochen und Monaten durchaus gehört. Deswegen war ihm bewusst, dass Simone von einer Hochzeit im kleinen Kreis träumte. Daher galt es jetzt, Fingerspitzengefühl zu beweisen: „Ich weiß, dir wäre es am liebsten, wir würden Eltern und Trauzeugen einpacken und an einen Traumstrand reisen, um dort zu heiraten. Das wird aber nicht gehen.“ – Er sah, dass Simone einen angespannten Gesichtsausdruck bekam. Verflixt, dabei wollte er den Zauber des heutigen Tages nicht zerstören, aber manche Dinge klärte man am besten gleich: „Du hast doch schon mitbekommen, dass man bei uns den ganzen Familienklan zu wichtigen Anlässen einlädt. Ich möchte da nicht die Ausnahme sein. Außerdem“, hier machte er eine bedeutungsvolle Pause: „sag nicht, dass du ohne die Clique feiern möchtest.“ – Simone musste sich eingestehen, dass sie allen anderen Hoffnungen zum Trotz, gewusst hatte, das Jochen, ihr den Wunsch, nach einer Feier im kleinen Kreis, nicht erfüllen würde. Aber war es wirklich so schlimm, bei der eigenen Hochzeit all die Menschen dabei zu haben, die ihr mittlerweile so viel bedeuteten? Sie lächelte ein wenig gequält: „Ist schon OK! Ich finde es zwar schade, aber wir werden einfach das Beste daraus machen.“ – Jochen war erleichtert, dass Simone so rasch einlenkte und drückte ihre Hand. Wie gut, dass dieser Punkt – vermutlich der heikelste – sich so entspannt hatte klären lassen. Dann konnte der Rest kommen. Versöhnlich entgegnete er: „Dafür halten wir die standesamtliche Trauung in ganz intimer Runde ab, was hältst du davon?“ – Simone fand, dass das nur ein schwacher Trost war, aber im Gesamtpaket einen akzeptablen Kompromiss bedeutete. Die leicht schiefe Stimmungslage kam bei süßem, klebrigem Om Ali und Baklava wieder ins Gleichgewicht. Simone lachte: „Das ist zwar super lecker, aber nur mit einem starken Kaffee und viel Wasser zum Nachspülen zu verkraften.“ – Jochen stimmte ihr zu und griff trotzdem gleich nochmal nach einem Stück der leckeren Blätterteigteilchen. Bester Laune schmiedeten sie weiter Pläne.
Der Alltag holte sie zu Hause schnell wieder ein. Aber Simone schien gegen den Stress immun zu sein. Sie schwebte weiter auf Wolke Sieben. Noch am Flughafen hatte sie sich mit einem ganzen Stapel der vielen Hochglanzzeitschriften rund um das Thema Hochzeit eingedeckt. Endlich hatte sie einen Grund, in den Bildern der Traumroben zu schwelgen. Sie hatte das Gefühl, am Ziel ihrer Träume angekommen zu sein.
Die Frage, wer ihre Trauzeugen werden sollten, hatten sie rasch geklärt. Für Jochen war es klar, seinen besten Freund Tobias zu bitten. Simone hatte sich nach kurzer Überlegung für Petra entschieden. Schließlich hatte sie Schicksal gespielt und Starthilfe geleistet. Petra und Tobias gehörten beide zur Clique, kannten sich entsprechend gut und verstanden sich prächtig. Das machte sie zum perfekten Team und die gemeinsamen Vorbereitungen würden den Spaßfaktor für alle Beteiligten erhöhen. Sie hatten zunächst überlegt, es den beiden gemeinsam zu eröffnen, sich aber am Ende dagegen entschieden. Jochen lud Tobias in ihr Lieblingslokal, das City ein, eine Mischung aus Café, Bistro und Bar. Simone hatte Petra zur gleichen Zeit, zu einem Mädelsabend eingeladen. Petra freute sich von Simone, endlich mehr über den Urlaub zu erfahren. Sie hatte Simone nach dem Urlaub bislang nur im Büro gesprochen. Aber dort hatte Simone merkwürdig abwesend und ihr gegenüber geradezu distanziert gewirkt, so dass Petra sich Gedanken machte, ob es bei dem Traumpaar der Clique womöglich kriselte. Am verabredeten Abend öffnete Simone ihr strahlend die Tür. Auf dem Wohnzimmertisch erspähte Petra eine Flasche Sekt und jede Menge kleiner Goodies. Das machte sie stutzig. Natürlich ließen sie es sich an ihren Mädelsabenden gerne gut gehen, aber das sah nach mehr aus. Fragend sah sie Simone an. Die Gedanken ihrer Freundin erratend, lachte sie und schob ihre Freundin ins Wohnzimmer: „Jetzt komm erst einmal rein. Es gibt tatsächlich einen Grund zu feiern!“ – „Bist du etwa schwanger?“, entfuhr es Petra. Jetzt war es Simone, die verblüfft dreinschaute: „Wie kommst du denn darauf?“ – „Na, deine Geheimniskrämerei im Büro, kein richtiger Urlaubsbericht und jetzt das.“, sie zeigte vielsagend auf den Tisch. Simone nahm die Sektflasche und schwenkte sie sanft hin und her: „Nix schwanger!“ – Petra fiel es wie Schuppen von den Augen: „Ihr heiratet?!“ – Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. Simone jubelte: „Er hat endlich gefragt.“ – Die beiden Freundinnen lagen sich in den Armen: „Ich freue mich so für euch. Aber jetzt erzähl endlich.“
Diesen Gefallen tat Simone ihrer Freundin nur allzu gerne. Sie erzählte ausführlich von Jochens ausgefallenem Heiratsantrag und dem romantischen Abendessen. Petra hörte aufmerksam zu und staunte nicht schlecht: „Du bist sicher, dass du mit unserem Jochen in Ägypten warst und nicht mit einem Doppelgänger, der weiß, was Frauen wollen?“, fasste sie ihre Überraschung in Worte. Simone wusste sofort, worauf Petra hinaus wollte: „So viel Romantik hättest du Jochen also auch nicht zugetraut.“, stellte sie vergnügt fest. Petra schüttelte verwundert den Kopf: „Da hat er sich selbst übertroffen!“
Jochen hatte im City den letzten freien Stehtisch ergattert und es sich auf einem Barhocker bequem gemacht. Es war wie immer an einem Freitagabend gut gefüllt. Darunter waren auch einige bekannte Gesichter, aber zum Glück niemand, der sich gleich zu ihnen gesellen und damit seinen Plan durchkreuzen würde. Denn Jochen wollte unbedingt alleine mit Tobias sprechen und musste sich eingestehen, dass er die Reaktion seines Freundes nicht abschätzen konnte, was ihn noch nervöser machte, als er ohnehin schon war. Dabei war ihm die Meinung von Tobias sehr wichtig. Schließlich waren es die Jungs in ihrer Clique, die den harten Kern ausmachten. Die meisten von ihnen waren schon gemeinsam in die Schule und sogar in dieselbe Klasse gegangen. Tobias und er waren Jahre lang Banknachbarn gewesen und hatten alles geteilt, was man als Jungen teilen kann. Und jetzt war ausgerechnet er der Erste, der den Schritt in den Hafen der Ehe wagen wollte. Wie das schon klang „der Hafen der Ehe“. Es klang nach Endgültigkeit und irgendwie nach dem Ende von Spaß haben. Wie Tobias das wohl sah? Dass Simone die Richtige war, stand für ihn außer Frage. Schon an dem Abend, als sie sich auf dem Sommerfest unterhalten hatten, fand er sie klasse. Ihre offene und unkomplizierte Art hatte ihm auf Anhieb gefallen. Wenn sie ihn anlachte, strahlte ihr ganzes Gesicht. Jochen fand sie dann unwiderstehlich. Er wusste, dass Simone sich häufig Gedanken wegen ihrer Figur machte. Aber er liebte ihre weiblichen Rundungen. Natürlich wäre es perfekt, wenn sie seine Lust, Sport zu treiben, teilen würde. Aber er hatte keine Partnerin gesucht, die jede freie Minute mit ihm zusammenklebte. Wichtig war, dass sie ihm seine sportlichen Auszeiten gönnte. Und immerhin hatten sie bereits am ersten Abend fest gestellt, dass sie mit dem Tauchen ein gemeinsames Hobby hatten. Außerdem war ihm klar, dass es Simone umgekehrt mit ihm keinen Deut besser ging. Simone liebte Ballett und klassische Musik in den vielfältigsten Formen und ging besonders gerne in die Oper. Aber auch bei den Aufführungen der Stuttgarter Ballettszene kam sie ins Schwärmen. Jochen hatte guten Willen beweisen wollen und Simone versprochen, es wenigstens auf einen Versuch ankommen zu lassen. Allerdings hatte er sich geweigert, mit ihr in die Oper zu gehen. Er ertrug es einfach nicht, wenn die Diva in einer viertelstündigen Arie ihren eigenen Tod besang, bevor sie endlich dankenswerterweise auf der Bühne darnieder sank und endgültig keinen Ton mehr von sich gab. Also hatte Simone Ballettkarten besorgt und zwar für die Kameliendame, damit er, wie sie ihm erklärt hatte, auf der Bühne einer verständlichen Handlung folgen konnte und sich nicht ständig fragen musste, ob ihm die Verrenkungen zu moderner Musik etwas sagen sollten. Trotzdem hatte es sich für Jochen als schwere Kost entpuppt. Während Simone das Geschehen auf der Bühne hingerissen verfolgte, musste er sich beherrschen, ruhig zu sitzen. Seine Versuche, Simone in der Pause zum Gehen zu überreden, blieben erfolglos: „Dieses eine Mal musst du durch!“, blieb sie unnachgiebig. Schließlich lenkte er ein: „Aber nur wenn du versprichst, dass ich nie wieder mit muss. Du kannst gehen, mit wem du willst, nur bitte nicht mehr mit mir.“ – Simone war enttäuscht, dass ihr Bemühen, ihn für etwas zu begeistern, das ihr so wichtig war, derart kläglich gescheitert war. Und tatsächlich unternahm sie nie wieder einen Anlauf, Jochen zu einem weiteren Versuch zu überreden. Trotzdem schüttelte es Jochen bei dem Gedanken, als er sich daran erinnerte, wie sehr der letzte Akt für ihn zur Qual geworden war.
„Alles OK bei dir?“, Tobias legte ihm eine Hand auf die Schulter. Jochen war so in seine Gedanken versunken, dass er gar nicht gemerkt hatte, dass Tobias an den Tisch getreten war. Er lachte: „Nur ein grauenvoller Flashback an meinen Ausflug in die Stuttgarter Kulturszene!“ – Tobias grinste verständnisvoll und ließ sich auf den freien Barhocker neben Jochen gleiten: „Und sonst, alles klar?“, neugierig fragend sah er Jochen an, der mit der Getränkekarte spielte. Jochen blickte auf: „Hast du am vierundzwanzigsten Mai schon etwas vor?“ – Tobias erwiderte irritiert: „Nächstes Jahr? Das ist ja noch ewig hin. Wie kommst du gerade auf dieses Datum?“ – Jochen machte eine bedeutungsvolle Pause und sah seinen Freund auffordernd an: „Hast du echt keine Idee?“ – Tobias überlegte kurz, schüttelte dann aber den Kopf. Dieses Unterfangen entpuppte sich als schwieriger, als Jochen es sich vorgestellt hatte: „Schon mal was von „heiraten“ gehört?“ – Jetzt ging Tobias ein Licht auf. Sofort strahlte er seinen Freund an und legte seine Hand auf
