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Da ist ein Mann, der seine abtrünnige Kaffeemaschine jagt. Da gibt es einen japanischen DJ, der nicht spricht. Es gibt ein galaktisches Unternehmen, das Planeten verkauft, und eine geheimnisvolle Frau, die in Buchläden zu leben scheint... Jede der 17 Kurzgeschichten in "Die Knotenanomalien" öffnet die Tür zu einer völlig neuen Welt und lässt den Leser mit dem Umblättern der Seite von einem Universum zum nächsten springen. Getrieben von genauen Beobachtungen von Menschen und Orten zieht Martinsons prägnante Prosa den Leser in die Köpfe nachdenklicher Charaktere und ungewöhnlicher Begebenheiten hinein. Diese imaginären Welten scheinen gleich um die Ecke unseres Alltags zu existieren. Und wenn Sie schon dabei sind, finden Sie heraus, wie der Guide Michelin ein Restaurant bewerten würde, das vom Satan persönlich geführt wird.
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Seitenzahl: 143
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Wie Rhys einmal einen Planeten verkaufte
ST4Ns erster Job
Der Mann, der seine Kaffeemaschine jagte
Chrom, reflektiert
Boxen
Verankert
Die Leserin
Wie man einen magischen Gegenstand herstellt
Auf der Schwelle
Die Kunstprüfung
Shadys Gruft
Teufels Küche
Wieso die Eile, Stereo Boy?
Über das Verkaufen von gefährlichen Waren
Der Mann mit den schwarzen Handschuhen
Beim Lösen der Gleichung
Das Leben des Autors
„Sorry, aber es fühlt sich jetzt einfach nicht nach dem richtigen Zeitpunkt an, um einen Planeten zu kaufen!“ sagte der Kunde und verschwand aus dem Holocall.
Rhys stützte das Gesicht in die Hände und seufzte laut. Schon wieder einen verloren. Es war schon Ewigkeiten her, seit er das letzte Mal etwas verkauft hatte und der Druck auf ihn stieg immer deutlicher an. Wie oft hatte er seine schwachen Verkaufszahlen damit verteidigt, dass sich das Planetenbusiness halt nicht an Quartalszielen messen ließ, hatte darauf hingewiesen, dass man die Kunden umgarnen und betreuen musste, dass es galt, Vertrauen aufzubauen und Beziehungen langsam wachsen zu lassen. Vermutlich kam das alles rüber wie lahme Ausreden für fehlende Ergebnisse. Die Genossen aus dem Kombinat waren auch nicht für Philosophie aufgelegt und ließen ihm die Beteuerungen nicht wirklich durchgehen. Er hatte ihre Geduld schon ziemlich strapaziert und seine Zugehörigkeit zum Kombinat stand auf der Kippe.
Seine Hoffnung ruhte auf dem letzten Termin des Tages: eine ältliche Oligarchin mit ihren drei Ehemännern, die alle ein starkes Interesse an dem Mond Hallein 6 gezeigt hatten, um dort Extremwassersport betreiben zu können. Die Frau brachte ihren Körper tatsächlich noch in echte, physische Gefahr und surfte auf 20-Meter-Wellen mit einem Gravboard. Natürlich hatte sie Rhys dann noch Bilder davon geschickt und er hatte sie (so hoffte er) angemessen bewundert. Und ganz ehrlich, solange sie den Mond kaufen würde, schaute er sich gerne Bilder der Zweihundertjährigen im Bikini an, von ihm aus die ganze Woche. Wenn er mit ihr keinen Kaufabschluss hinbekommen würde, müsste er wohl anfangen sich nach einem anderen Job umzusehen. Rhys wollte den Genossen nicht zu Genugtuung geben, ihn rauszuwerfen.
Er machte sich einen Permakaffee und starrte auf den Countdown, der das virtuelle Erscheinen der Kundin ankündigte. Gerade als er den letzten Schluck von dem dampfenden, pinken Gebräu nahm, tickten die Zahlen auf null und eine Frau erschien in seinem Büro, gefolgt von drei deutlich jüngeren Männern. Sie hatte langes rotes Haar, das sich bis auf den Boden wellte und von einer Tiara gekrönt wurde. Ihr ganzer Körper war mit Tätowierungen verziert, und in eine dünne Gaze gehüllt, die nur die strategisch wichtigen Stellen verdeckte, aber ansonsten nicht viel der Fantasie überließ. Die Männer trugen nur Shorts und verschränken ihre muskulösen Arme vor ihren ebenso muskulösen und eingeölten Oberkörpern. Vielleicht waren es Klone, oder Drillinge, Rhys hatte da nie so genau nachgefragt. Er setzte ein warmes Lächeln auf: „Meine allerbeste Kleomansa, wie wunderbar, dich wiederzusehen! Ich hoffe, das Wetter auf Käppchen Gamma benimmt sich!“
„Rhys, du alter Hund, du weißt ganz genau, dass sich das Wetter nur ändert, wenn ich es ihm sage“, sagte die Frau und hob ihre Hand zum Gruß an die Stirn. Sie tauschten eine Weile Nettigkeiten aus, bis Rhys das Gefühl hatte, dass er das eigentliche Thema ansprechen konnte.
„Also, Kleo, hattest du Gelegenheit, Hallein zu besuchen? Ist das nicht ein wunderbarer Mond? Und die Wellen sollen im aktuellen Sonnenumlauf ja spektakulär sein. Wie hat es dir gefallen?“
Die Frau zögerte kurz, und in dieser Pause merke Rhys, wie ihm das Herz in die Hose rutschte. Ihre letzte Unterhaltung war super gelaufen, er war sich so sicher gewesen, dass Kleomansa total auf den Mond abfahren würde. Sollte sie jetzt einen Rückzieher machen?
„Na ja, ich hatte Primorius hingeschickt“, sagte sie und deutete auf einen der Männer. „Aber er war nicht begeistert von dem Tag-Nacht-Zyklus … sechsunddreißig Lichteinheiten und dann hundertvierundsiebzig Einheiten Dunkelheit? Wirklich, Rhys, wer hat denn Zeit für so einen Quatsch.“
„Aber wäre nicht ein Besuch in der Dunkelheit auch attraktiv? Um das Abenteuer noch etwas anzufachen?“ Er hörte eine Spur Verzweiflung in seiner Stimme. Kleo sah ihn recht mitleidig an. „In der Dunkelheit? Dann bist du ganz schnell Futter für die gigantischen Klingententakel-Schwärme. Ich bin vielleicht verrückt, aber nicht lebensmüde.“ Sie machte eine kunstvolle Pause. „Also, noch nicht. Falls es so weit ist, melde ich mich wieder. Jedenfalls, das mit Hallein wird nichts.“
Der Planetenverkäufer unterdrückte einen Fluch. Verdammter Primorius und verdammte gigantische Klingententakel! Er war sich schon so sicher gewesen, dass der Deal klappen würde.
„Kleo, das verstehe ich natürlich vollkommen. Und im Nachhinein war es Unfug von mir, dir den Mond vorzuschlagen, gerade wegen des Lichtzyklus und den Tentakelschwärmen.“ Er fügte unterwürfig hinzu: „Wenn du so gütig wärst, dann erlaube ich mir, dir noch ein paar Alternativen zu zeigen. Ich habe viele weitere Schönheiten auf Lager.“
Er öffnete die Holografie eines Mondes, der mit üppiger Vegetation in Grün und Rot gesprenkelt war.
„Mermaleidon 16, der umkreist Paraclestor – wundervoll, mit orange-roten Ozeanen, kleinen Inselchen und garantiert unbewohnt. Wenn du möchtest, können wir ein paar Rex Ornatus-Vögel dort ansiedeln. Du kannst ihre Gen-Zusammensetzung bestimmen und wir gehen gemeinsam die Optionen durch. Mermaleidon ist auf jeden Fall …“
Sie unterbrach ihn. „Lass es gut sein. Einer meiner Ex-Männer hat einen Mond um Paraclestor und ich habe wirklich keine Lust, ihn in der Warteschlange fürs Orbital zu treffen. Nächster.“ Rhys nickte verständnisvoll und teilte seinem System mit, eine Notiz über Kleos Exmann anzulegen. Wenn der Typ schon einen Mond hatte, will er vielleicht auch einen weiteren in der Nachbarschaft kaufen, dann hat er noch mehr Privatsphäre und Ruhe.
Eine neue Kugel erschien.
„Zhukaria 88, im Orbit um Juffu. Besonders interessant sind die Thermalströme, die das Wasser auf der einen Seite zum Kochen bringen und auf der anderen Seite einfrieren!“ Kleomansa winkte ungeduldig ab. „Rhys, ich will surfen und nicht im Wellness rumliegen. Wenn ich mich zu Tode kochen lassen will oder Lust habe auf Einfrieren, dann rufe ich meine Eltern an. Und jetzt zeig mir bitte mal ein paar ernsthafte Vorschläge oder wir beenden das Gespräch auf der Stelle.“
Er schluckte hart. Kleomansa nicht zu verärgern war immens wichtig, und er war auf dem besten Weg, es zu vermasseln. Er sondierte die restlichen Optionen und warf die meisten davon weg, die ihm das System vorschlug. Vielleicht hätte er sich besser vorbereiten sollen, statt den Katalog nur nach Bewohnbarkeit und Wasservorkommen zu filtern. Eine Option sprang ihm ins Auge – kein Mond, ein richtiger Planet. Konnte er den vielleicht anbieten? Er zögerte kurz und stellte ihn dann ans Ende der Auswahlliste.
Aber inzwischen hatte er nicht mehr so viele Kandidaten übrig, und musste wohl oder übel etwas riskieren.
„Also der hier ist was für echte Abenteurer!“ sagte er voller falscher Überzeugung, trotz der dünnen Auswahl. Kleomansa sah ihn erwartungsvoll an und gab ihm damit einen Funken Hoffnung. Er schickte das Hologramm des Mondes ab und veränderte die Standard-Anzeigeoptionen, damit das Bild größer wirkte und die Farben noch mehr leuchteten. „Darf ich vorstellen: Calieri K! Wurde bisher nur per Drohne kartografiert. Ich glaube, das ist genau das, wonach du suchst: sehr großzügige Tag-und-Nacht-Zyklen, bis zu sechsundachtzig Prozent mit Wasser bedeckt und im Durchschnitt immer über dem Gefrierpunkt und deutlich unter Siedetemperatur.“
„Sehr interessant“, sagte Kleomansa. Dafür, dass sie stinkend reich ist, hat sie ein furchtbar schlechtes Pokerface, dachte Rhys. Aber er hatte sie an der Leine und begann vorsichtig, sie einzuwickeln. „Wir haben außerdem sehr großzügige Rabatte für Monde, die noch komplett unbewohnt und unbenutzt sind. Erstbesitzer-Nachlass, sozusagen.“
„Und weiter?“
„Calieri K hat hervorragende Voraussetzungen für den Aufbau eines Ökosystems. Die Landmassen sind weit genug von den Polen entfernt, was sehr positiv für das Aufziehen aller möglichen Spezies ist. Und das Leben im Meer kann man natürlich auch anpassen, also keine Tentakelschwärme!“ Er lachte hölzern.
„Und die Wellen?“ fragte sie.
Er lächelte und spielte seine letzte Karte. „Die Wellen, meine Teuerste, sollen bis zu fünfunddreißig Meter hoch sein!“ Die Datengrundlage zu dieser Aussage war zwar äußerst dünn, aber das muss sie ja nicht wissen.
„Und ist da auch eine Orbitalstation in der Nähe?“
„Absolut. Foscus ist nur ein paar Orbitalsprung-Minuten weg und ein neues Orbital soll am Ende des Solarzyklus fertig sein. Von deinem Zuhause auf Käppchen Gamma brauchst du dann weniger als drei Sprung-Stunden.“ Rhys ignorierte die Warnungen des Systems, dass es massive Verzögerungen beim Bau des Orbitals gegeben hatte. Vielleicht wurde es rechtzeitig fertig, vielleicht auch nicht. Damit musste er seine Kundin jetzt nicht behelligen.
Er atmete tief ein und begann die Abschlussphase des Verkaufsgesprächs.
„Du hast sicherlich tausende von Fragen zu allen Details, Kleo und ich bin bereit, dir alles zu sagen, was ich weiß.“
„Hm, nein, gerade nicht. Ich lese die Dokumente später.“ Sie drehte den Globus voller Faszination. „Aber er hat eine ganz spezielle Energie, als würde er mit mir sprechen. Merkst du das auch? Und das K im Namen steht doch bestimmt für Kleomansa, oder?“
Sie stoppte die Rotation und trat einen Schritt zurück. Dann sah sie Rhys an. „Ich nehme ihn.“
Rhys merkte, wie er rot wurde. Hatte er gerade wirklich einen Geschäftsabschluss gemacht und den Mond verkauft? Er konnte noch nicht ganz glauben, dass sie das einfach so entschieden hatte und so brauchte er ein paar Momente, um sich wieder zu fangen. „Oh, dann … hervorragend! Großartig! Ich gebe das an das Kombinat weiter und wir bereiten sofort …“ Einer der drei Männer, die bisher sehr passiv herumgestanden waren, trat nun vor. Er verbeugte sich grazil und grüßte Rhys angemessen.
„Du hast gesagt, er hat die besten Voraussetzungen für ein Ökosystem. Wann können wir ihn also benutzen?“ sagte er, und Kleomansa nickte begeistert. „Ja, Rhys, wann geht’s los?“
„Das kann ich schnell herausfinden.“ Er befragte das System und wollte die Antwort, die er bekam, nicht glauben. Eine Antwort, die alle seine Träume zerplatzen ließ, eine Antwort, die für seinen Kunden total ungeeignet war. Aber die Zeit lief ihm davon und er konnte Kleomansa nicht länger hängen lassen.
„Also, dein neuer Mond Calieri K, wird schon bald fertig sein. Wenn wir gleich starten, dann … am Ende des 293. Solarzyklus“, sagte er ohne große Überzeugung. Der Mann, der die Frage gestellt hatte, lachte verächtlich und dreht sich weg. Kleo konnte ihren Ärger etwas besser verbergen und machte daraus gleich kalte Ablehnung.
„Rhys, Rhys, Rhys. Ich dachte, ich hätte mich ganz klar ausgedrückt: Der Mond ist für mich, nicht für fernen Nachkommen meiner Kinder. Am Ende vom 293. Zyklus kommt überhaupt nicht infrage, solange werde ich nicht warten.“
„Natürlich können wir das Ganze noch ein bisschen beschleunigen, wenn wir die Finanzierung erhöhen“, sagte er achtlos und bemerkte gleich seinen Fehler.
„Du willst mir also sagen, dass du mir erst einen völlig unakzeptablen Zeitplan präsentierst, und dann soll ich auch noch mehr bezahlen, damit es schneller geht? Hältst du mich für einen totalen Idioten, Rhys?“ Ihre Stimme hätte nicht noch klarer machen können, dass das Gespräch ziemlich mies für ihn verlief. Die Vorstellung, heute noch etwas zu verkaufen, entfernte sich rasend schnell.
Er rief das Menü erneut auf und sah sofort, dass er keine weiteren Optionen mehr hatte. Außer einer letzten: der Planet, den er vorhin ans Ende der Liste gesetzt hatte, war noch übrig. Er war von anderen Verkäufern mit Notizen versehen: unverkäuflich, zu groß, zu abgelegen, zu wild. Und doch fühlte Rhys eine langsam aufglimmende Zuversicht und hoffte, dass er es nicht mit der Unsicherheit verwechselte, sich bald nach einem neuen Job umsehen zu müssen.
„Kleo, bevor du gehst, möchte ich dir sagen, dass es mir sehr leidtut, dass ich deine Zeit verschwendet habe. Ich habe nicht ausreichend beachtet, dass du eine Frau mit sehr individuellen Ansprüchen und Bedürfnissen bist, die nicht leicht zu befriedigen sind.“ Ihre Gesichtszüge entspannten sich ein wenig. Er sprach weiter. „Ich habe dir zwar unsere beste Auswahl gezeigt, aber vergessen, dass es bei einer guten Beziehung um mehr geht. Nicht darum, was das Beste ist, sondern darum, was für dich das richtige ist. Bitte, lass mich dir noch einen letzten Vorschlag zeigen. Wenn es dir nicht passt, werde ich persönlich einen Termin bei einem Konkurrenten deiner Wahl ausmachen.“
Glücklicherweise ließ sich Kleomansa durch Schmeicheleien genauso schnell beruhigen, wie ihre Emotionen vorhin hochgekocht waren.
„In Ordnung, Rhys, aber nur wenn es diesmal ein Superstar ist.“
„Ist es wirklich!“ sagte Rhys und holografierte den Globus, „denn es ist ein Planet. Ich weiß, dass das normalerweise außerhalb deines Budgets wäre, aber ich versichere dir, wir können ihn durchaus bezahlbar anbieten. Er ist etwas abgelegen, das gebe ich gerne zu, das nächste Orbital ist zweihundertsiebzig Sprungminuten entfernt. Aber abgelegen heißt eben auch Ruhe und Privatsphäre. Der Planet ist sehr groß, unglaublich vielfältig und hat fast jede Klimazone, die du dir vorstellen kannst. Vielleicht sind die Wellen nicht so riesig wie woanders, aber sehr vorhersagbar.“
Seine Kundin dreht den blau-grünen Ball herum. „Wie ist das mit dem Licht?“
„Nun, es ist ein Planet, also ist er äußerst stabil und dreht sich bei etwa vierundzwanzig Einheiten. Und wenn du dem Licht folgst, findest du fast überall Wellen zum Surfen. Und keine Klingententakel, nur ein paar kleinere, fast schon harmlose Raubtiere.“
„Und sonst?“ fragte sie.
Rhys befragte sein System und überflog eine Notiz, die ihm mitteilte, dass einer von Kleomansas Männern auch ein Interesse an dem Planeten haben dürfte.
„Oh, jede Menge!“ fuhr er fort. „Von den Wellen mal abgesehen gibt es ein sehr reichhaltiges Ökosystem, das unter anderem durch die Kontinente bestimmt wird. Anscheinend existiert sogar eine sich langsam entwickelnde Primatenart. Ich sehe, das könnte für Primorius von Interesse sein, oder? Dann gibt es noch etwas ganz seltenes - Plattentektonik! Das sieht man nicht oft bei bewohnten Planeten.“
„Was ist daran so besonders?“, fragte sie.
Rhys grinste innerlich, weil er sie dazu gebracht hatte, Fragen zu stellen, was immer ein gutes Zeichen war.
„Plattentektonik bedeutet eine große Anzahl von Vulkanen. Kleo, mal ehrlich: Bist du schon mal auf glühender Lava gesurft, die frisch aus dem Kern eines Planeten ausgetreten ist?“
War das überhaupt realistisch? Rhys hatte keine Ahnung.
„Und aus der Beobachtung anderer Planeten wissen wir, dass diese Tektonik riesige Wellen von bis zu sechzig Metern verursachen kann!“ Er ließ den Fakt kurz für sich stehen, bevor er energetischer weiterredete: „Dann gibt es dort Wüsten, Wälder und Steppen, Inseln und zwei völlig vereiste Pole. Alles wartet nur darauf, von dir erforscht zu werden. Stell dir mal die Möglichkeiten vor!“ Die Frau betrachtete nachdenklich den Globus vor sich.
„Und er ist fertig? Sofort verfügbar? Wo ist dann der Haken?“, fragte sie.
„Es gibt keinen Haken, versprochen. Wir hatten Schwierigkeiten, ihn zu verkaufen, weil es für viele unserer Kunden einfach zu … viel war. Wer will schon Regenwälder, Wüsten, Vulkane und Eis? Unerforscht und riesig, dazu abgelegen in einem unmodernen westlichen Spiralarm der Galaxie ... das fliegt nicht gerade von den sprichwörtlichen Regalen.“
Ihr Gesicht, das Zucken ihrer Mundwinkel, verriet ihm, dass sie überzeugt war. Komplett und vollständig überzeugt. Sie hatte dem Mond zu früh zugesagt und jetzt ließ sie ihn die ganze Tortur der vorgetäuschten Sorgen, der Gegenargumente, der Unsicherheiten über sich ergehen, und das alles in guter Absicht, was sich über den größten Teil des Abends hinzog. Aber Rhys war das egal, er hätte auch noch die ganze Nacht mit ihr gefeilscht.
Als er schließlich ihre Zustimmung zum Kauf erhielt und der Holocall beendet war, ließ er sich in seinen Stuhl fallen, schlug die Hände vors Gesicht und lachte. Er hatte es geschafft, ein Geschäft abzuschließen – und es war eines der schwierigsten in der Geschichte des Unternehmens gewesen, denn der Planet lag schon peinlich lange in den Archiven. Die Projektion des blauen Planeten mit den grünen Flecken schwebte noch immer in seinem Büro und drehte sich träge.
„Terra, dritter Planet in der Umlaufbahn um Sol“, las Rhys auf dem Display. „Hoffen wir, dass Kleomansa dich gut behandelt.“
Der Lieferroboter ST4N schwebte zielstrebig auf den riesigen Eingang des galaktischen Hauptquartiers zu. Sie bewunderte ihren frischen Farbanstrich in den reflektierenden Glaswänden des Gebäudes: metallisch blau mit einem breiten gelben Streifen. Darunter stand in fetten Buchstaben: Senko, der beste Lieferservice im westlichen Quadranten.
Die riesigen Energieschilde der Stadt über ihr knisterten mit elektrischem Feuer. Es hatte Nachrichten über einen Kampf im Orbit gegeben, aber ST4N hatte diese direkt in den Müllordner geschickt. Sie musste sich ganz auf ihre neue Aufgabe konzentrieren.
„Eilige persönliche Lieferung für General Toko-Sho-Ji“, rief sie, als sie den schwer bewaffneten Soldaten erreichte, und blieb in einiger Entfernung von der uniformierten Frau stehen.
„Der General nimmt heute keine Lieferungen an! Dieses Gebäude ist abgeriegelt! Du siehst doch, was hier los ist!“
Die Wache blickte finster drein und machte eine abweisende Geste gegenüber dem Roboter. „Du kannst das Paket im Büro des Leutnants abgeben, neben dem Lieferanteneingang.“
ST4N ließ sich nicht so leicht abschrecken. „Oh, aber es ist eine persönliche Lieferung! Und sie muss noch heute zugestellt werden! Senko, der beste Zustelldienst im westlichen Quadranten, verspricht eine Lieferung am selben Tag“, sagte sie eifrig.
