Die Kostbarkeit der Küsse - Daniela Heckmann - E-Book

Die Kostbarkeit der Küsse E-Book

Daniela Heckmann

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Beschreibung

Es ist eine Anthologie von dreißig kleinen Romanen über die romantischste und schönste Erfüllung des Universums – der Kuss. Der Tag des Kusses ist der 6. Juli. Er gehört den Liebenden, aber auch den Kindern und der Familie. Es gibt auch den traurigen Kuss, vielleicht einen Abschiedskuss oder gar keinen. Die Kuss-Geschichten sind selbst erlebt oder fiktiv und wurden miteinander vermischt. Sie sind international und meine Protagonisten sind in jedem Alter. Ich denke, für jeden ist etwas dabei. Ich habe daran gedacht, dass eine kurze Geschichte zu Ende gelesen werden kann. Immer positiv dem Leben gegenüberstehen und manchmal neue Wege gehen! Es ist mein Debütbuch. Daniela Heckmann wurde an einem 16. Juni in Dortmund geboren. Ihre schöne Kindheit verbrachte sie in Münster. Sie hat einen erwachsenen Sohn. Als Büroangestellte arbeitete sie im öffentlichen Dienst und in der freien Wirtschaft. Da sie sehr wissbegierig und immer allem Neuen aufgeschlossen war und noch ist, wechselte sie öfter die Arbeitgeber. So lernte sie viele Menschen kennen und kann bis jetzt auf ein ausgefülltes Leben zurückblicken. Aus einer schönen Begebenheit heraus, schrieb sie eine Geschichte und es wurden dann dreißig vollendet. Sie denkt viel über das Leben nach und genießt es heute. Ein neues Buch folgt. Viel Vergnügen beim Lesen wünscht Ihnen Daniela Heckmann.

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Seitenzahl: 406

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

Élodie und ÉtiennePatricia, Nicolas und KendrickViktoria und FranckCharlotte und GabrielJombedie und RémyJoanna und AljoschaGloria, Penelope, Mercedes und NozomiAfrodita und BelmiroMaya und MagnusDoro und DavidEmmanuelle und CarusoSalome und BarnabasCaroline und RomainDexter und HarveyLouna und MathisSandy und AmadeusFelicidade und MaiconEmilie und MaximilianChiara und TommasoAmrei und TristanLetizia und Jean-IsidoréChantal und ihre Freundin JessicaGerman, Ariana und BelinaGwenaelle-Indiana (Die Gesegnete)Zoey und LiamMalou und DeanRabea, Isabella und RileyNetty und Hannah sowie RicardoJenny und CedricFelipe und Luis

Élodie und Étienne

Sein Atelier befand sich in der Stadt Saint Brieuc im Département Côtes-d’Armor in der Bretagne/Frankreich. Nach der keltischen Bezeichnung wird es auch das »Land am Meer« genannt.

Einen schönen Strand, die Bucht und einen Hafen mit vielen Segelbooten gibt es in dieser Region. Die Bretagne ist die größte Halbinsel Frankreichs.

Étienne Rochefort, ein Mann in den Fünfzigern und gut aussehend, hatte jetzt endlich sein Zuhause gefunden. Er besitzt ein altes Haus am Stadtrand mit einem großen Garten und einem schönen künstlerischen Ambiente. Es hat Pariser Flair, wenn die Tür des Anwesens weit geöffnet wird. Seine Bilder sind Ölgemälde oder Aquarelle sowie Fotografien. Im ganzen Haus sieht man sie an den Wänden oder sie stehen auf dem Boden. Er hatte sich für Landschaften und Menschen interessiert. Da er über eine immense Vorstellungskraft verfügt, stellte er sich einige Bilder vor und hatte sie mit seiner Innenwelt verarbeitet. Manchmal zog er sich auch in diese zurück. Danach spendete ihm seine junge Muse Élodie Ruhe und auch wieder Kraft für neue Kreationen. Er hatte sie in der Stadt angesprochen. Verloren lief sie damals durch den Ort. Étienne war ihr nach kurzer Zeit sympathisch geworden und sie ist einfach mit ihm gegangen, ohne nachzudenken. Sie hatte sich gerade von einem Freund getrennt und war in dieser Hinsicht ziellos. Sehr hübsch sieht sie aus und ist dreiundzwanzig Jahre jung, hat blaue Augen sowie lange blonde und gelockte Haare. Wie eine Venus. Vielleicht war sie die Destination für den seelenvollen Étienne.

Er liebte die Farbe Blau. Sie ist eine kühle Farbe und wirkt beruhigend, erfrischend und erweitert die Sinne. Blau kann in Assoziation mit den gigantischen und unendlichen Ozeanen gesehen werden. Jeder Mensch freut sich doch auch über einen blauen Himmel. Diese Farbe öffnet unsere Seelen und besänftigt zu Ruhe und Frieden. Blau steht auch für Vertrauen. Diese Farbe inspiriert Étienne, wenn er in die blauen Augen von Élodie blickt und sie kühl und zugleich auch rein sind. Kreativität setzt die Energie unserer Gedanken frei und die Sehnsucht, die in uns ist. Er lebte ein »Blaues Leben«. Die Fantasie vitalisierte ihn jeden Tag. Vor allen Dingen, seit Élodie und er sich das Leben teilen. Sie weckt ihn mit ihren heruntergelassen Haaren und einem zärtlichen Kuss. Ihre roten Lippen fühlen sich samtweich an. Die leicht geschminkten Augen und lange weite Kleider schmücken sie mit einigen Holzketten von den Indianern in vielen Farben und Mustern. Abends trägt sie für ihn ein durchsichtiges rotes Kleid. Ihre Knospen und ihre Scham sind genau zu erkennen. Dann muss er sie berühren und intensiv wahrnehmen. Er wird schöpferisch, malt die ganze Nacht und ist der Welt entrückt. Er ist ein Feingeist. Derjenige, der ihn kennt oder seine Werke sieht, kann dies sofort erspüren. Jedoch müssen die Sinne sehen, der Tastsinn und die Intuition aktiviert sein.

Ein Jahr lebte sie schon mit Étienne glücklich zusammen und er hatte viele Bilder von ihr gemalt und der Betrachter konnte sie aus verschiedenen Perspektiven erkennen. Auch die glänzenden Fotografien in Schwarz-Weiß oder Color sind von ingeniöser Kompetenz. Bei ihr musste man noch nichts retuschieren. Er behütet sie mit seinen Argusaugen. Manchmal kommt ihre Freundin Chloé und dann gehen sie am Strand entlang spazieren oder sie fährt mit dem Auto in das Stadtzentrum. Dort besuchen sie dann ein Café und reden über die Bilder und Fotografien. Es gibt aber auch ganz besondere Gespräche von Frau zu Frau und es wird dann viel geflüstert und gelacht.

Étienne wünschte sich, das Élodie sehr lange bei ihm bleiben würde. Er hatte sich an sie gewöhnt und durch ihre Mimik, Gestik und offenen Worte in sein Herz geschlossen.

Seine Frau Marie war vor einigen Jahren an einer unheilbaren Krankheit gestorben und da war er hilflos an ihrer Seite. Er lebte lange in Paris und dann hatte es ihn in die Bretagne, zu diesem Ort, verschlagen. Étienne sehnte sich nach ihrem Tod nach Ruhe und Abgeschiedenheit. Die Zeit der Trauer war unendlich schmerzhaft für ihn. Marie und Étienne liebten sich sehr, und auch Bilder von ihr hängen im Wohnzimmer an der Wand, neben dem Kamin. Sie ist noch oft in seinen Gedanken und sie hatten glückliche Jahre.

Der Altersunterschied störte Élodie nicht. Es ist ja nur eine Zahl, meinte sie.

Der Herbst ist überraschend gekommen, aber die Temperaturen blieben mild.

»Étienne, was möchtest du zum Abendessen? Lieber Fisch oder Fleisch? Hast du Appetit auf Austern?« »Wenn ich ehrlich bin, bevorzuge ich heute dich. Nein. Du kochst immer so gut. Was magst du heute?« »Fisch mit gebackenen Kartoffeln und Gemüse, wenn es dir recht ist.« »Das hört sich gut an. Gib mir Bescheid. Oder soll ich dir helfen?« »Nein, ich möchte dich heute verwöhnen.« »Du verwöhnst mich täglich, Élodie. Was würde ich ohne dich nur machen?« »Ich bleibe immer bei dir, das weißt du doch. Beruhige dich bitte.« »Danke. Ich verehre dich, meine Liebste.« Sie ging zu ihm und legte ihre Hand auf seine Wange und er küsste ihren Mund. Er lächelte sie an. Den mit der Farbe Blau behafteten Pinsel legte er aus der Hand, fasste unter ihr Kleid und strich an ihrem Bein entlang bis zu ihrem Schoß. »Zeige mir deinen Slip. Ich male dich, nur mit diesem Slip bekleidet. Du bist so schön!« Sie trug einen kleinen Lilafarbenen mit viel Spitze. »Du erregst mich. Ich bin wollüstig, wenn du in meiner Nähe bist.« »Das ist schön. Du machst mich immer glücklich, wenn wir vereint sind. Ich möchte dich gerne einmal nackt fotografieren, im Liegen. Was sagst du dazu?« »Ich werde mich ein wenig verschönern und dann hast du die Kamera. Mache Fotos und gib mir Anweisungen. Das würde mich jetzt reizen. Ich mag deine Ideen.« Étienne war nackt und er konnte sich gut sehen lassen. Seine vollen grauen Haare und seine behaarte Brust sahen sexy aus. Sie knipste einfach, wie es ihr gefiel, und sagte, wie er posieren sollte, und danach sahen sich beide die Bilder an. »Du bist ein Genie, meine Venus. Fantastisch. Sie gefallen mir. So sehe ich also aus. Ich bin doch noch attraktiv, was meinst du?« »Ja. Kann ich ein Foto von dir in meinem Zimmer aufhängen? Über meinem Bett?« »Ja, Élodie, du bist für mich meine zarte Diva und doch auch eine Femme fatale in unserem großen Bett. Deine Sinne berühren mich stark in meiner Männlichkeit. Ich möchte, dass du immer deine Sinne preisgibst. Jede Emotion sehe ich dir an. Ich verstehe jede und kann damit umgehen. Wenn du einmal traurig bist, möchte ich deine Tränen abküssen und tief in deine Seele eintauchen. Gestattest du es mir?« »Étienne, du kennst mich doch schon sehr gut. Ich weiß, dass ich mich bei dir aussprechen kann und du immer Verständnis für mich hast. Deinen guten Charakter schätze ich sehr und du redest mit mir über alles. Das tut mir gut und deswegen liebe ich dich. Aber was ist, wenn ich nicht mehr die schöne Élodie bin und älter werde?« »Ich liebe dich so wie du bist. Du bist das Geschenk von unserem höheren Wesen im Himmel und ich weiß, dass du meine letzte Gabe sein wirst.« Eine geheimnisvolle Aura umgab ihn. »Geht es dir gut, Étienne?« »Sehr gut, Élodie. Ich hatte etwas Schönes gesehen.« »Was?« Er hielt inne und bat um das Abendessen. Sie speisten in der Küche, und der schwarze Kater Jamie wartete auf ein paar Häppchen. »Du hast wieder großartig gekocht. Es schmeckte vorzüglich. Lass uns jetzt in den Salon gehen und wir können Chansons hören. Möchtest du?« »Ja, Étienne.« »Vielen Dank, mein Schatz. Ich möchte dich jetzt streicheln und küssen. Den Abwasch machen wir später. Ich helfe dir dann.« »Du bist so gut. Besser als mein Vater. Er kümmerte sich kaum um uns.« »Sei nicht traurig. Ich möchte alles für dich sein und du bist für mich die Beste und Schönste. Gott hat dir auch noch die Klugheit geschenkt. Schau mal aus dem Fenster. Wir haben Vollmond. Du magst ihn doch so sehr. Wir sind im Elysium!«

Am nächsten Morgen weckte er sie mit einem Kuss, und die Nacht mit ihr war eine Erquickung aller Sinne gewesen. Sie lag jetzt in einer Hängematte und las in einem Buch von Anaïs Nin. Die heiße Schokolade stand auf einem Tisch neben ihr. Sie duftete nach dem Parfüm Shalimar, wie aus einem Märchen aus 1001 Nacht. Er atmete diesen Duft tief ein und hielt seine Nase lange an ihrem Hals. Sie könnte immer für mich da sein, nur ihre Anwesenheit zählt. Das ist das Wichtigste, dachte er. Élodie inspirierte ihn jede Minute. Das kannte er vorher nicht. Sie sah ihn an. Auf dem Tisch stand für ihn Kaffee, Brot mit Käse und Wurst. Der Künstler wollte morgens nicht bedient werden, da er manchmal keinen Appetit hatte. Er ging in sein Büro und kam mit einem Kunstbuch zurück in den Salon und sah sich die Werke von Paul Gauguin an. Besonders das Ölgemälde »Le germe des Areois« von 1892 und natürlich das Ölgemälde »Tanz der vier Bretoninnen« von 1886 hatten es ihm angetan. Das Farbenspiel faszinierte ihn und auch die Südsee. Paul Gauguin lebte vom 7.6.1848 bis zum 8.5.1903. Er wurde zu einem Wegbereiter des Expressionismus und spielte eine wichtige Rolle in der Entwicklung der europäischen Malerei.

Als Étienne Élodie darüber erzählte, war sie fasziniert von seinem Wissen über diesen französischen Maler. »Ein Kollege aus vergangener Zeit. Gauguin verkörperte Sehnsucht, Kreativität und Inspiration. Das sagt ja auch wieder die blaue Farbe aus.«

Beide zogen sich an, fuhren an den Strand und sahen von den Klippen, wie das Wasser brauste. Er hielt seine Kleine fest und drückte sie an sich. »Hat das Meer nicht eine imposante Kraft? Der Anblick gefällt mir. Aber du bist so liebreizend, das ganze Gegenteil, Élodie. Ich liebe dich.« »Ich liebe dich, mein Étienne.« Sie sahen noch einen Moment auf das Meer und dann nahm er sie in seine Arme und wärmte sie. »Du bist ein so liebevoller Mensch, Étienne. Das sagen auch deine blauen Augen über dich aus. Dein Blick sagt mir, dass du nie zornig zu mir sein könntest.« »Warum auch? Mache dir darüber keine Gedanken. Habe keine Angst vor mir, ich könnte dir niemals etwas antun. Sollte ein Problem anstehen, besprechen wir die Angelegenheit in aller Ruhe.« Diese Worte taten ihr sichtlich gut. Was hatte sie erlebt? Sie nahm seine Hand und legte sie an ihre Wange.

»Ich möchte dich gleich nackt malen, als Ganzfigur, stehend, Élodie. Im Hintergrund sollen die tosenden Wogen und die Gischt zu sehen sein. Dabei denke ich an einen Leuchtturm in der Bucht bei Brest. Gerne würde ich dazu einen Delphin malen, doch das passt nicht. Wohl aber zu dir. Lasse dein Haar ungekämmt. Du siehst jetzt so aufgewühlt aus und das möchte ich festhalten.« Sie hielten sich an den Händen und der Weg, auf dem sie dann fuhren, brachte sie nach Hause. Zum Abendessen gab es tiefblauen bretonischen Hummer mit einer Tomaten-Wein-Sauce. Das war wohlschmeckend. »Du hast etwas vor, wenn du dieses Essen zubereitest. An was denkst du?« »Male mich doch mit einem Lobster in dem wild brausenden Meer. Male bretonisch, Étienne. Ich bin Bretonin. Zeige allen Menschen, wie schön unsere französische Halbinsel ist. Du liebst das Meer und das Meer liebt dich.« »Das wird ein museales Gemälde.« Er fühlte jetzt, dass dieses Bild etwas Besonderes werden wird.

Sie zog sich aus und er sah ihr dabei zu. Élodie stellte sich an das Fenster und sie sah göttlich aus. Das Bild zeigte das Meer mit den Wellen an einer Steilküste und sie stand nackt vor dem Meer und hielt einen Hummer in der linken Hand. Das Bild war gigantisch geworden und sie lag dann ganz ermattet auf dem Bett. Stunden waren vergangen. Können Sie sich dieses Bild vorstellen, sehr geehrte Leserinnen und Leser? Sie schlief ein und er las weiter in dem Künstlerbuch »Jazz« von Henri Matisse.

Es war schon hell, als er schlafen ging, er kuschelte sich an seine Muse und küsste ihre Hand.

Da er noch lange wach dalag und sich das soeben gemalte Ölgemälde noch einmal vorstellte, kam ihm die Idee, mit Élodie nach Paris zu fahren. Er stand wieder auf. Es war schon zwölf Uhr und er rief seinen besten Freund Laurent an. Das letzte Telefonat mit ihm war vor einem Monat. »Bonjour, mon ami. Hier ist dein Freund Étienne. Wie geht es dir? Arbeitest du momentan an einem Roman?« »Bonjour, Étienne. Ça va? Ich schreibe an einem Roman. Woher weißt du es? Du überrascht mich immer wieder.« »Ich fühle es«, scherzte er. »Ich glaube bald, dass du ein Hellseher bist.« »Nein, ich hatte es mir vorgestellt. Élodie, meine Liebste, habe ich in der letzten Nacht gemalt. Das Ölbild ist wunderschön. Du musst einmal zu uns kommen und dir meine Werke ansehen. Sie schläft noch. Das Malen hatte viel Zeit beansprucht. Ich hatte mir heute Morgen überlegt, ob ich mit ihr eine Reise nach Paris unternehmen sollte. Die kleine Wohnung in der Rue Davioud im 16. Arrondissement habe ich noch.« »Das wäre schön, wenn wir uns einmal wiedersehen. Ich hätte dir so viel zu berichten und zu zeigen bei einem guten Cognac oder Chablis. Du darfst auch ein paar Kapitel von meinem neuen Roman lesen und ich interessiere mich immer für deine Kritik. Aber vielleicht gefällt er dir auch.« »Sei doch nicht immer so pessimistisch, Laurent. Du bist ein guter Autor. Hättest du Zeit für Élodie und mich?« »Selbstverständlich. Wir werden uns jeden Tag sehen und zusammen speisen. Ich freue mich. Rufe mich an, wenn du in Paris bist. Ich werde etwas vorbereiten. Grüße an Élodie. Ist sie noch so schön? Sie tut dir gut, nicht wahr?« »Ja. Sie ist sogar noch hübscher geworden. Sie ist meine geliebte Muse und küsst mich morgens immer wach. So liebreizend ist sie, fragil und subtil – die Krönung! Bis bald, mein Freund. Ich rufe dich dann an. Meine schönsten Bilder werde ich mit meiner Kamera aufnehmen und sie dir dann zeigen.« Er legte den Hörer auf und war nicht mehr müde. Étienne verspürte Heimweh nach seiner Geburtsstadt und Élodie wollte er die Metropole zeigen. Er ging zurück ins Schlafgemach. Ihr graziler Körper war eine Augenweide, so anmutig. Sie wurde wach und sah ihn an. »Wie spät ist es? Möchtest du ein Frühstück? Du musst doch nach dieser Nacht hungrig sein?« Sie ging in die Küche und es gab Baguette mit Honig und Eier mit Bacon. Nichts blieb vom Frühstück übrig und er bat sie noch um eine zweite Tasse Kaffee. »Hatte ich einen Appetit! Ich habe noch nicht geschlafen. Meinen Freund Laurent in Paris habe ich angerufen. Was würdest du sagen, wenn wir nach Paris fahren?« »Großartig, ich freue mich auf diese Reise mit dir zusammen.« »Wir werden viel Spaß haben, Élodie. Laurent wird einiges verwirklichen. Dort habe ich noch eine Wohnung und wir werden viel unternehmen und Freunde treffen.« Sie strahlte ihn an. »Zeigst du mir alles, Étienne? Ich wünsche mir ein schönes Kleid aus Paris. Du suchst es dann aus. Ich möchte dir gefallen und hübsch aussehen.« »Selbstverständlich. Mir kommt gerade eine Idee. Vielleicht können wir meine Bilder in Paris ausstellen. Eine Vernissage wäre ein Traum und du an meiner Seite. Ich müsste mich umhören. Der Frühling wäre die richtige Zeit für diese Ausstellung.« »Kannst du dich von diesen Bildern trennen? Vielleicht hätten dann andere Menschen, auch Männer mich in ihren Häusern. Würde dir das nichts ausmachen?« Da wurde er nachdenklich und musste sich fast eingestehen, sich nicht von seinen Bildern trennen zu können. »Die schönsten bleiben hier im Haus, Élodie. Von denen könnte ich mich nie trennen.« »Ich liebe dich, Étienne. Deine Ideen sind immer so herausragend und du verstehst es, mich oft zu überraschen. Erzähle mir etwas über Laurent.« »Er schreibt Bücher und ist sehr begabt. In meinem Alter ist er und lebt allein. Seine Frau hatte ihn damals verlassen. Er verdiente ihr zu wenig und sie verliebte sich in einen Freund von Laurent und ging fort. Die Tochter blieb bei der Mutter. Er hat jedoch Kontakt zu seiner Tochter Élaine und sie besucht ihn des Öfteren.« »Werde ich sie sehen?« Er hob den Kopf und sah sie müde an.

»Ich werde mich ein wenig ausruhen. Vielleicht schlafe ich auch. Wecke mich aber spätestens um fünf Uhr am Nachmittag. Wir fahren in die Stadt, setzen uns in ein Café und lassen uns mit Kaffee und Torte verwöhnen. Ich möchte dir einen Mantel kaufen, der dich immer wärmt, wenn ich nicht in deiner Nähe bin.« »Wie du das sagst, so melancholisch.« »Nein, so war es nicht zu deuten. Du brauchst ihn. Der Winter ist schnell da.« Élodie war von der Reise nach Paris angetan und stellte sich die neuen Mode-Styles vor. Die Avenue des Champs-Élysées, Arc de Triomphe, La Tour Eiffel, Musée du Louvre, Sacré Cœur de Montmartre musste sie unbedingt besichtigen. Die Vorfreude war groß.

Sie ließ ihn schlafen, bis er von allein erwachte. »Du hast so müde ausgesehen und ich konnte dich einfach nicht wecken. Verzeihe mir. Möchtest du Kaffee und selbstgebackene Waffeln mit warmen Kirschen? Das Rezept habe ich von meiner Oma aus l’Allemagne.« »Ich hatte es schon vernommen. Sie duften so gut, sehen schmackhaft aus und ich nehme auch Sahne dazu.« »Ja, so schmecken sie am besten.« Der Kaffee war stark und den brauchte er jetzt auch. Am Abend ließen sie sich noch eine kräftige Brise um die Nase wehen. Er hatte wohl festgestellt, dass der Wind seine Gedanken irritiert. Die Konzentration war dann eingeschränkt. Zuhause stellte Étienne den Fernseher an und wollte wissen, was es Neues auf der Welt gab. Danach machten sie es sich auf der Couch gemütlich und sahen sich einen Film an. Élodie liebte Filme aus den USA mit George Clooney und Adam Sandler, dem Komiker. Ihre Lieblingsfilme sind Mr. Deeds und Klick.

In dieser Nacht liebten sie sich sehr intensiv, sodass sie über seine Liebeskünste überrascht war. Ihr Verlangen nach Étienne hatte in der Dunkelheit ihren Höhepunkt erreicht. Das Herz der jungen Élodie brannte vor Leidenschaft und sie sprach die lieblichsten Worte für einen Mann und Liebhaber. Die erotische Nacht hinterließ ihre Spuren und Élodie schlief in seinen Armen ein.

Ein Künstler benötigt Zeit zur Zerstreuung, um wieder neue Kraft für das Schaffen zu erlangen. Es gibt auch Schaffenskrisen, doch Étienne kennt dieses Wort nicht. Wenn es nicht weitergeht, beschäftigt er sich mit Lesen, kulturellen Reisen, Freunde treffen und auch TV. Étienne ist im Leben immer optimistisch und lacht auch gerne mit Freunden. Er ist sogar ein guter Witze-Erzähler, wenn er zwei Gläser Wein getrunken hat. Musik von dem Belgier Jaques Brel, Edith Piaf, Serge Gainsbourg/Jane Birkin, Charles Aznavour und auch Carla Bruni hört er sich an, wenn er musikalisch inspiriert werden möchte.

Als der neue Tag anbrach, wurde Élodie mit einem Petit Dejeuner verwöhnt. Sie freute sich über Croissants und einen heißen Kakao. »Heute packen wir die Koffer und im Morgengrauen fahren wir nach Paris. Ist es dir recht?« »Étienne, ich kann es kaum erwarten, in Paris zu sein. Ich bin so neugierig auf diese Stadt. Verstehst du mich?« »Ja, meine Liebste. Es ist die Stadt der Liebe. Die weiblichste Stadt der Welt. Dort werde ich dich an den schönsten Orten malen.«

»Étienne, wir können losfahren.« Alles war im Auto verstaut. Die Haustür und die Fenster waren dicht verschlossen. Unterwegs pausierten sie auf einem Rastplatz, tranken Kaffee und aßen belegte Baguettes. Es regnete, als sie in Paris ankamen. In seiner Wohnung angekommen, nahmen sie alle Laken von dem Mobiliar. Der Concierge sorgte für Licht und Wasser und das Telefon konnte auch benutzt werden. Élodie ging in die Küche und servierte ihm einen Erdbeertee. »Dein Appartement ist sehr nobel, wie auch dieses Arrondissement. Im Luxus wohnst du also immer?« »Mir gefällt all dieser Komfort hier und in Saint Brieuc. Ruhe dich ein wenig aus.« Er setzte sich in einen Sessel und rief Laurent an. »Hallo, mein guter Freund. Wir sind vor einer Stunde hier angekommen.« »Bonjour, Étienne. Wie war die Fahrt? Habt ihr Hunger?« »Morgen besuchen wir dich. Ist dir fünfzehn Uhr angenehm?« »Gerne. Ich freue mich, euch wiederzusehen.« Sie packte die Taschen aus und räumte alles in die Schränke. Er ging zu ihr und küsste sie. »Sollen wir in einem Restaurant speisen?« »Ich freue mich und trage dann nur für dich mein schönstes Kleid.« »Ziehe dir aber die warme Jacke an.« In einem exklusiven Restaurant ließen sie sich von Ente und Morcheln sowie Reis in Wein gedünstet mit Rosenkohl und Tagliatelle, mit schwarzem Trüffel, kandierten Feigen sowie Crêpes Suzette verwöhnen. Es mundete hervorragend, und der Wein kostete ein Vermögen.

Élodie saß nervös auf ihrem Stuhl und sah ihn öfter an. »Hat es dir gut geschmeckt, meine Liebe?« »Ja danke, ausgezeichnet!« »Warum redest du nicht mit mir?« Ihre Wangen erröteten und sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und sagte: »Étienne. Mir ist … Ich bin …« »Du möchtest das Wort ›schwanger‹ sagen. Ich habe es dir angesehen. So gut kenne ich dich.« Er sah sie mit einem verklärten Blick an. »Ich freue mich für dich und mich. Geht es dir gut? Dein Körper wird sich verändern. Du wirst eine gute Mutter. Ich bin doch wohl der Vater?« Sie war sichtlich erleichtert. »Bist du mir böse? Weißt du, was das für Folgen hat? Das Baby braucht Liebe und Zeit. Aber ich danke dir, dass du mich mit dieser Aussage beruhigt hast. Ja Étienne, es ist dein Kind!« »Ich bin glücklich, in meinem Alter noch eine Kleinfamilie zu bekommen. Ich hatte es mir immer gewünscht. Wir heiraten bald. Möchtest du mich heiraten und meine Frau werden, liebe Élodie? Meine Muse wirst du immer bleiben!« »Ja Étienne! Ich bin beseelt.«

Da sprach der Künstler aus ihm: »Ich male dich jeden Monat und dann zeigen wir später unserem Kind wie dick dein Bauch zuletzt war.« Versunken sagte er: »Mein erstes Kind. Ich werde doch noch Vater in diesem Leben. Eine Gnade vom Himmel.«

»Bleib so sitzen, das Licht ist optimal. Ich fotografiere dich. Deine Haare schimmern wie Goldfäden.« Eine Kamera hatte er immer dabei. Ihre Körpersilhouette zeigte eine ganz kleine Wölbung. Oder lag es am Kleid? »Wann bekommen wir unseren Sohn oder unsere Tochter?« »Mitte Juni.« »Lass es dir schmecken. Du brauchst jetzt viel Kraft und Ruhe.« »Es geht mir gut, Étienne! Ich habe ja dich.«

Mit dem Taxi fuhren sie wieder heim und Élodie ruhte sich auf dem Bett aus. Er legte sich neben sie und streichelte ihr Gesicht und ging mit seiner Hand durch das lange blonde Haar. Er strahlte. »Soll ich eine CD einlegen?« »Ja. Sei bitte immer bei mir.« Er zog sie langsam aus, betrachtete ihren jungen Körper und liebte sie mit viel Gefühl. Sie spürte sein Geschlecht und bewegte sich mit ihm im gleichen Rhythmus. Élodie schlief ein. Er skizzierte sie, während sie in Morpheus’ Armen lag.

Am Nachmittag trafen sie bei Laurent ein. Die Umarmungen und Küsse waren herzlich. »Mein alter Freund, schön dich zu sehen.« »Ich freue mich auch, Laurent. Du hast dich nicht verändert. Das ist Élodie. Du kennst sie doch noch?« »Wie könnte ich diese Schönheit vergessen. Sie sehen bezaubernd aus, wenn ich das sagen darf.« »Danke, Monsieur Laurent.« Er hatte den Tisch im Salon gedeckt und es gab Apfelkuchen mit Kaffee oder Tee. Sie hatten sich viel zu erzählen und Étienne las in seinem Manuskript und war davon begeistert. Er schrieb an einem Barockroman. Carpe diem. Étienne zeigte ihm Bilder, die er gemalt hatte. »Du bist gut, Étienne. Das hatte ich dir schon immer gesagt. Wir werden uns wegen einer Ausstellung im Frühling informieren. Du hast doch ein wenig Zeit?« »Natürlich Laurent. Wir sind gerade hier. Uns treibt nichts.« Élodie las in einer Zeitschrift und möchte gerne mit Étienne einkaufen gehen. »Morgen werden wir dich vom Kopf bis zu den Füßen neu und hübsch einkleiden. Wir werden schon finden, was du dir wünscht.« »Danke Étienne! Ich freue mich sehr. Gerne möchte ich dich einmal in einem Anzug sehen.« »Ich probiere einige an und du kannst den Favoriten aussuchen. Du hast Recht, ich habe mich schon zu lange leger gekleidet. Anzüge mag ich auch.« »Könnten wir in eine Buchhandlung gehen? Ich möchte gerne Spanisch lernen, um mit dir einen Urlaub auf der immer blühenden Insel Teneriffa zu verbringen. Mein Interesse gilt auch dem spanischen Maler Salvador Dali, der sich wie viele andere mit der Welt der Träume beschäftigte. Ein Bild von ihm zeigt eine surrealistische Darstellung von einer Frau, was sie kurz vor dem Erwachen träumt. Sie lag nackt am Strand und wilde Tiger und ein Elefant auf Stelzen waren zu sehen. Meinen Kopf möchte ich nun mit vielen Gedanken und Informationen füllen. Es sind bestimmt noch Kapazitäten frei und ich möchte mich mit Kunst beschäftigen. Das wäre ein Anfang. Vielleicht ist es die Schwangerschaft, die mich dazu inspiriert?« »Élodie, du überrascht mich! Wir werden heute Abend darüber sprechen. Ich freue mich.« Laurent hörte genau zu, was Élodie sprach.

Es gab zum Dinner eine Zwiebelsuppe, Kaninchen aus dem Backofen mit Kräutern aus der Provence und gebratenen Kartoffeln mit Speck und Zwiebeln sowie einen Merlot. Laurent servierte eine Créme Brûlée zum Nachtisch. Fantastisch mundete es. Der Chef de Cuisine Laurent wurde von beiden gelobt und die Herren tranken noch einen Cognac und so langsam ging es wieder zu ihrem Appartement. In dieser Nacht liebten sie sich nicht. Étienne war zu müde. Élodie lag noch wach in ihrem Bett und dachte an ihr Kind. Wollte sie es wirklich haben? Sie war erst dreiundzwanzig Jahre alt. Mit dem Vater ihres Kindes an der Seite war es wunderbar und er liebte sie so sehr. Aber irgendetwas fehlte ihr.

Am nächsten Tag überschüttete er seine Muse mit Kleidern aus Seide. Blusen, Pullover, Jeans, einen roten Mantel, ein schwarzes Chanel Kostüm, Dessous in allen Farben und Ausführungen, helle und schwarze Strümpfe, Negligés und Leder-Accessoires hatte sie sich ausgesucht. Sie war glücklich und sah in dem Kostüm wie eine Dame aus. »So gefällst du mir, Élodie. Magst du das Kostüm?« Sie umarmte ihren Mann und er hob sie hoch und drehte sich mit ihr im Kreis und stellte sie wieder sicher auf ihre kleinen Füße. Ein Spanischbuch mit einer CD kauften sie in der Buchhandlung und in einem Café redeten sie über die Ideen der aparten Élodie. »Können wir heute einmal ausgehen? Ich möchte mit dir tanzen.« »Ich kann nicht tanzen. Soll ich dich in eine Diskothek bringen? Ich kann dich später wieder abholen? Damit wäre ich einverstanden.« Er brachte sie um zehn Uhr am Abend in die Diskothek »Le Bédyard« und wünschte ihr einen schönen Abend. Er blieb bei Laurent und so gegen zwei Uhr am Morgen wollte er sie wieder abholen.

Um halb drei war sie noch nicht draußen vor dem Eingang und er ging hinein und suchte sie. Sie war nicht auffindbar. Dem Wahnsinn war er nahe. Wo war seine Élodie? Er rief ihren Namen und fragte junge Menschen, die in der Diskothek waren, und zeigte ein Foto von ihr. Was soll ich machen?, dachte er. Er ging zurück zu Laurent und sie blieben die ganze Nacht auf und machten sich Sorgen. »Lass sie. Élodie ist jung und sie braucht auch einmal Kontakt zu jüngeren Menschen.« »Du hast Recht. Ich fahre nach Hause und warte auf sie. Kann ich dich anrufen?« »Natürlich, jederzeit.« Er malte und dachte dabei an ein Kunst-Zitat von Pablo Picasso: »Ich habe nicht alles gesagt, aber ich habe alles gemalt.« Wenn Élodie zurückkommt, werde ich liebevoll mit ihr über alles reden. Sie wird wiederkommen, dachte er. Er wurde unruhig und lief im Zimmer auf und ab. Seine Konzentration für das Malen hatte er jetzt verloren. Er trank ein Glas Wein und dann noch eins. Bald wird sie kommen. Hatte er sie jetzt an einen anderen Mann verloren? Étienne musste sie loslassen und warten, was passiert. Wird sie sich für ihn entscheiden? Er wollte nicht mehr denken müssen.

Élodie rief nicht an und sie kam auch nicht. Er wurde auf eine harte Probe gestellt und in Gedanken war seine Liebste bei ihm. Étienne wartete auf Élodie drei Tage. Jetzt merkte er doch, wie sehr er sie brauchte. Tränen rannen über sein Gesicht. Ihren Seidenschal legte er um seinen Hals und nahm ihren Geruch wahr. Nachdenklich saß er in seinem Sessel und schaute aus dem Fenster. Manchmal zeigte sich die Sonne. Im Tabakladen holte er sich eine Zeitung und überlegte lange, ob er sich Zigaretten kaufen sollte. Er tat es nicht. Er ist ein vernünftiger Mann. Diszipliniert. Als er wieder daheim war, sprach er mit einer Nachbarin im Hausflur und sie lud ihn in ihre Wohnung ein. Sie kochte einen Kaffee. Madame Dupont wollte sich länger mit ihm unterhalten, doch er zog es dann vor, sofort zu gehen. Élodie könnte ja kommen. Er merkte, dass er sich nach ihr sehnte. Es klingelte und dann stand sie vor ihm und erzählte aufgeregt, was sie in den Tagen erlebt hatte und dass es gut für sie war, einmal mit anderen Menschen zusammen zu sein und reden zu können. »Ich weiß es jetzt zu schätzen, dich an meiner Seite zu haben, Étienne. Ich liebe dich und du bist der beste Mann, den ich mir vorstellen kann.« »Ich wusste, dass du einmal ausbrechen würdest, und ich habe es zugelassen. Wer liebt, kommt wieder zurück. Ich hatte mir wohl Sorgen um dich gemacht, aber du bist ja eine erwachsene, junge Frau.« Er nahm sie in seine Arme und küsste sie. Sie umklammerte ihn und hielt ihn ganz fest.

Sie hatte Didiér kennengelernt, der als Model arbeitet, und eine Freundin Jestelle. Sie lernt bei einem Rechtsanwalt und sie wollten sich manchmal abends in einem Bistro treffen. »Kann ich dort hingehen? Macht es dir etwas aus?« »Treffe dich mit jungen Menschen und lade deine Freunde doch einmal zu uns nach Hause ein. Wir beide kochen und dann könnten wir uns bei einem Glas Wein und einer Tasse Kaffee unterhalten.« »Du bist grandios, Étienne. Ich verdanke dir so viel. Später möchte ich auch arbeiten gehen. Ich habe leider eine Ausbildung zur Bürokauffrau abgebrochen. Ich fange nach der Geburt unseres Kindes neu an. Hilfst du mir dann dabei?« »Natürlich, sehr gerne. Tagsüber kann ich auf unser Kind Acht geben und du wirst Bürokauffrau. Wie gefällt dir die Idee, wenn du später Ausstellungen für meine Bilder in ganz Europa arrangierst und realisierst. Traust du dir diese Arbeit zu?« »Ja, du hast mir viel von deiner Arbeit erzählt und ich werde jetzt viel lesen, recherchieren und notieren.« »Mit Laurent werde ich die erste Ausstellung organisieren. Später verdienst du dein eigenes Geld und musst nicht mehr das Gefühl haben, finanziell von mir abhängig zu sein. Ich liebe dich und jetzt noch viel mehr, weil wir ein Kind bekommen. Du warst und wirst immer meine Élodie bleiben. Ich begehre dich, meine Schöne. Ne me quitte pas. Unser erster Kuss ist unvergesslich. Es war am Strand in Saint Brieuc.« »Ich weiß, mein Liebster. Dieser Kuss ist immer in meinen Gedanken.« Ihre Augen funkelten wie Aquamarine.

Sie bekamen einen Sohn und Élodie bestand auf den Namen Étienne junior. Er ist ganz stolz und hatte dieses Ereignis all seinen Freunden, Verwandten und Bekannten mitgeteilt. Die Hochzeit in einem Hotel war sehr luxuriös mit vielen Gästen und der kleine Étienne jr. ist ein lieber Junge und hat blaue Augen. Die Ausstellungen waren ein großer Erfolg für ihn und er ist jetzt überall bekannt. Seine Frau ist eine Schönheit und jeder möchte ein Bild von ihr im Haus haben. Sie absolvierte die Ausbildung mit Bravur und arbeitet jetzt für ihn. Ihr Freundeskreis hatte sich immens vergrößert, da sie nun als Galeristin ihre Berufung gefunden hat und fließend Spanisch und Russisch spricht. Sie hat sich auch als Malerin versucht. Ein Aquarellbild mit einem bunten, fliegenden Schmetterling hatte sie gemalt. Darauf ist sie besonders stolz. Das Bild ist schön anzusehen und hängt in einem goldenen Rahmen im Schlafzimmer.

Das Ölbild mit Élodie, dem Meer in der Bretagne und dem Lobster, fand einen Kunstsammler. Étienne bedankte sich bei ihm mit einem Champagner-Empfang und er durfte sein Atelier bestaunen. Eine Freundschaft ist daraus entstanden. Antoine stellte Étienne seinen wohlhabenden Freunden vor. Oft wurde er mit seiner Frau zu einem Bankett eingeladen. Eine Nanny blieb dann über Nacht in ihrem Anwesen. Aus dem kleinen Étienne ist ein junger Mann geworden und er studiert Philosophie an der Sorbonne in Paris. Sie sind stolz auf ihren Sohn.

Beide sind glücklich und leben noch heute. Und von seiner Muse, die sie immer noch ist, wird er jeden Morgen wachgeküsst.

Patricia, Nicolas und Kendrick

Diese Geschichte ist aus der Sicht eines Vaters geschrieben, der seine Familie über alles liebt.

»Vorab möchte ich Ihnen meine Frau Patricia und Kendrick vorstellen. Ich heiße Nicolas.«

Es geht um den behutsamen, immerwährenden und innigen Kuss für unseren Sohn Kendrick. Die Kostbarkeit der Küsse ist uns bewusst geworden, als unser Kendrick zur Welt kam. Wir lieben ihn über alles. Das soll er sein Leben lang wissen, und vielleicht wird er später an uns denken, wenn wir alt sind.

Meine Frau Patricia arbeitet wieder drei Tage in der Woche im Krankenhaus auf der Onkologie-Station. Sie geht wieder arbeiten, weil diese Menschen sie auch brauchen. Von den Vorgesetzen und Patienten bekommt sie Dank und Anerkennung.

Sie sieht vornehm und elegant aus.

Unser Sohn war anfangs bei seiner Oma Sucitty, die immer für uns da war.

Als Fachanwalt für Arbeits- und Strafrecht mit eigener Kanzlei kann ich unsere Wünsche erfüllen. Ich habe zwei Partner und wir teilen uns die Arbeit. Jeder hat seine Sekretärin und eine Dame ist am Empfang, Frau Stein.

Sehr zum Wohle meiner Familie mache ich kaum noch Überstunden. Die Zeit mit meinen Lieben genieße ich und es gibt immer etwas, womit wir den Tag verschönern und ihn richtig intensiv erleben können. Die Zeit ist so kostbar wie Kendrick und Patricia.

Auf dieser Reise mit unserem Sohn ist der Weg vom Baby bis zur Volljährigkeit das Ziel gewesen. Kurz vor Weihnachten hatten wir ihn gezeugt. Meine Frau sagte an dem Tag, dass es heute passieren müsste, und das war am 17. Dezember 1993. Den ganzen Tag verbrachten wir zusammen. Natürlich im Bett. Meine Frau ist ein Schatz. Sie hat viel Herz und ist klug. An diesem Tag ging ich nicht ins Büro und an dem nächsten auch nicht. Wir waren enthusiastisch und liebten uns. Den Sex hatten wir über 36 Stunden gut verteilt. Sie betete, dass sie schwanger werden würde, und ich wünschte mir auch den Nachwuchs. Ein wertvolles Geschenk von Gott für uns beide.

Am 11.1.1994 war der Schwangerschaftstest positiv und wir konnten es kaum glauben. Ich küsste den Bauch meiner geliebten Frau und streichelte ihn.

Die Schwangerschaft verlief gut und wir gingen zusammen zur Geburtsvorbereitung, um das Hecheln zu üben, und sie ließ sich gynäkologisch stets untersuchen. Alles war in Ordnung. Bei einer Untersuchung beim Arzt wollten wir wissen, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Ich war schon stolz, dass es ein Junge wird. Einen kleinen Stammhalter. Meine Frau hatte sich neun Monate von mir verwöhnen lassen. Dreizehn Kilo hatte sie zugenommen. Aber sie meinte, dass das Stillen sie wieder schlank machen werde. Sie liebt Tennis.

Am 8.9.1994 so gegen 23.00 Uhr verlor sie das Fruchtwasser und wir fuhren ins Krankenhaus. Ich kann Ihnen sagen, dass ich ganz schön nervös war. Die Kamera war dabei. Ich hielt ihr den Rücken und auch die Hand. Sie schrie und ich litt mit ihr. Ich musste zusehen, unter welchen Schmerzen Patricia unseren Kendrick bekam. Nach den letzten Presswehen gebar sie unseren Sohn. Um 1.05 Uhr am 9.9.1994 erblickte er das Licht der Welt. Ich war froh, dass es keine Komplikationen gab, und hielt ihre Hand. Immer wieder küsste ich sie. Der Arzt untersuchte das Kind. Alles war in bester Ordnung. Er wog 4.320 g und war 53,5 cm groß. Er hat braune Augen und schwarze Haare. Kendrick sah aus wie ein Baby, welches drei Monate alt war, aber nicht wie ein klitzekleiner Kendrick. Wir waren sehr glücklich.

Ich muss Ihnen noch etwas sagen. Sie hatte eine Fehlgeburt. Mit einem Kind war sie schon im dritten Monat. Das hatte uns sehr in Mitleidenschaft gezogen.

Meine Frau meinte, dass wir Kendrick nie auf den Mund küssen werden wegen der Bakterien. Er bekam Küsse auf die Stirn, Wange, Hände. Die »Babysprache« haben wir uns erst gar nicht angewöhnt. Sie wollte es nicht. Wir redeten mit ihm, wie mit einem Erwachsenen. Nach fünf Tagen kamen sie heim. Das Kinderzimmer hatte ich gelb-blau gestrichen und die Kinderzimmermöbel waren aus Buchenholz, mit einer Plane abgedeckt. In der Mitte stand die Wiege mit einem Himmel aus hellblauer Seide. Unser Sohn war ein freundliches Baby und schrie nur, wenn die Windel voll war oder er Hunger hatte. Zwei Monate Babyurlaub gönnte ich mir. Diese Zeit wurde von mir voll ausgenutzt. Das hatte meinen Sohn und mich eng verbunden. Heute noch. Wir drei sind eine Symbiose. Auf das Rauchen verzichtete ich sofort und werde damit nicht mehr anfangen. Das war wohl sehr hart gewesen. Wir hatten auch ein Au-pair namens Klara aus Polen engagiert. Bei uns verdiente sie gut. Viele Au-pairs werden oft ausgenutzt. Sie war achtzehn Jahre jung und man konnte sehen, dass sie Kendrick mochte. Er ist so niedlich, sagte meine Frau. Sie liebt ihn und mich. Wir streiten uns auch selten und oft sind es nur die Kleinigkeiten. Wir lieben beide die Harmonie.

In dem ersten Lebensjahr hatte er sich rasend schnell entwickelt und an seinem ersten Geburtstag konnte er alleine laufen und einige Wörter sprechen. Seine Mutter war stolz. Ich bin froh, dem Kind eine unbeschwerte Kindheit mit allem Luxus bieten zu können, und da wir ihn lieben, wird er hoffentlich ein glückliches Kind werden und viele Freunde haben. Ich werde immer meine Augen offenhalten, dass alles gut geht. Der Start ins Leben für ein Baby ist uns sehr wichtig. Wir hoffen, dass Kendrick seinen Weg geht, und wir geben ihm Hilfestellung so gut wir können. Jeder Mensch muss auch seine eigenen Erfahrungen sammeln. Wir sehen ihm dabei nur zu und schreiten eventuell dann ein.

Das Herz meiner Frau ist ein offenes Buch. Das liebe ich an ihr. Wir lieben und ergänzen uns und sind gefühlvolle Menschen. Bei uns gibt es kein Jammern. Warum auch. Ich kenne so viele Freunde und Bekannte, die immer etwas am Leben und Alltag auszusetzen haben. Wir Menschen als Individuum können unser Leben selbst entscheiden und dann das tun, was wir für richtig halten. Außer bei Krankheiten. Dann haben alle Probleme. Hoffentlich bleiben wir lange gesund. In meiner Anwaltskanzlei läuft alles gut. Meine Partner sind schon Väter geworden und wissen, dass wir jetzt Zeit brauchen. Ich stehe zurzeit in ihrer Schuld. Sie arbeiten für mich mit. Vor vier Jahren haben meine Frau und ich uns das »Versprechen« gegeben. Sie ist die Liebe meines Lebens. Man wünscht sich immer Kinder von der Frau, die die große Liebe des Lebens ist. Die Sichtweise meiner Patricia ist zurzeit immens emotional eingefärbt und die Sehnsucht nach Romantik und Gefühlen macht sich deutlich sichtbar bei ihr. Meine geliebte Patricia. Mit Vorliebe begeben wir uns jeden Tag auf Schmusekurs. Die Musik ist uns auch sehr wichtig.

Ich mag keine Menschen, die mich mit sinnlosem Gerede langweilen. Ich höre mir aber gerne die Probleme meiner Klienten an. Dabei sehe ich nicht nur mein Honorar, sondern ich kann mich in die Problematik dieser Personen hineinversetzen.

Meine Frau hatte mir damals gesagt, dass sie sich in einen kultivierten und exklusiven Mann verliebt hatte, und darauf bin ich stolz. Wir beide haben viel Fantasie und so gestalten wir auch unter anderem unser Sexualleben.

Am sechsten Juli war ein ganz besonderer Tag. Das ist der Tag des Kusses. Meiner Frau gab ich morgens, als der Tag anbrach, einen innigen Kuss voller Leidenschaft, und wir freuten uns schon, als der zuckersüße Kendrick die Augen aufschlug. Wir küssten ihn und er strahlte uns an. Er ist fast zehn Monate alt, und ich wäre urlaubsreif. Mit Patricia, Kendrick und Klara könnte ich mir einen Urlaub auf Hawaii vorstellen. Ich würde gerne einmal wieder surfen. Klara ist dann dabei, damit wir auch einmal ein paar Stunden für uns alleine haben – und Sie wissen schon.

Vielleicht später im Herbst. Hawaii bietet ganzjährig angenehme Temperaturen. Wir hatten uns auch Gedanken über das Essen gemacht. Kinder kommen mit kleinen Portionen zurecht. Mit großen Mengen wären sie überfordert. Damit Kendrick nicht die Lust am Essen verliert, sollte die Menge auf dem Teller überschaubar sein. Bei Bedarf gibt es einen Nachschlag. Er bekommt Säfte mit Mineralwasser gemischt. Wir gaben ihm von Anfang an einen Schnuller. Jeden Tag ist er an der frischen Luft und wir unternehmen einiges. Heute ist ein heißer Julitag und ich hasse diese Affenhitze. Erst abends machten wir alle gemeinsam einen Spaziergang und schwammen im Pool. Wir brauchen das Vitamin D.

Heute hatte ich die Aufgabe, einen mutmaßlichen Schwerverbrecher zu verteidigen. Einige Wochen hatte ich Zeit, mich darauf vorzubereiten. Der Gerichtstermin war um elf Uhr. Meine Frau ist in der Klinik und Klara gibt Acht auf unseren Sohn. Auf sie kann ich mich verlassen.

Die Zeit verging zu rasch.

Wir schenkten Kendrick zu seinem ersten Geburtstag ein Bobby-Car, ein Kinderklavier, Stofftiere, neue Bücher zum Vorlesen und natürlich einen Ball. Vielleicht möchte er einmal Fußballspieler werden. Der Traum eines jeden Vaters. Die Kerze auf dem Kuchen, den Patricia gebacken hatte, blies ich aus und wünschte uns dreien etwas Schönes. Ich sehe mir oft Patricia an. Wenn sie einen Raum betritt, kann man es fühlen. Sie hat eine wirkende Aura wie Greta Garbo oder Romy Schneider. Wenn Patricia schläft und ich später ins Bett gehe, liegt sie da, wie ein Engel.

Wir hatten uns auch schon dazu entschlossen, zum achtzehnten Geburtstag von Kendrick ein Bankett zu geben. Familie und Freunde sind dann herzlich eingeladen.

An seinem zweiten Geburtstag fuhren wir zu einem Vergnügungspark und Kendrick hatte bestimmt seinen Spaß. Das Reiten und mit dem Karussell zu fahren bereitete ihm sichtlich Freude. Auf dem Weg nach Hause schlief er im Auto ein, natürlich mit Schnuller. Oft schlief er auch mit in unserem Bett und Patricia bereitete ihm noch eine Grießflasche zu, damit er dann die Nacht durchschlief, was auch meistens der Fall war. Wir legten ihm auch ein eigenes Sparbuch an, über welches er mit achtzehn Jahren frei verfügen kann.

Patricia und ich schenkten unserem Sohn zum dritten Geburtstag, aber auch uns, einen kleinen Dackel, den wir Rex nannten. Seine Oma kaufte ihm eine Geige. Wir wollten ihn damals für den Unterricht anmelden. Aber die Musiklehrerin sagte uns, dass er mindestens vier Jahre alt sein sollte. Er ging jetzt auch in den Kindergarten in die »Maus-Gruppe«. Als wir Kendrick den ersten Tag in den Kindergarten brachten und die Gruppenleiterin sich mit ihm unterhielt, war sie erstaunt. Simone war so von seiner Eloquenz angetan, dass sie mit ihm in jede Gruppe ging und ihn vorstellte. Das Niveau seiner Artikulation war bildungssprachlich. Wir staunten, denn für uns war es ja Normalität. Er kann heutzutage noch die Menschen mit seiner Redensart beeindrucken. Bei einem Kindergartenfest im Sommer vor den Ferien gab es eine Aufführung und Kendrick hatte ein hellblaues Kostüm aus Krepp an und verkörperte eine Wolke und er musste einen Satz sagen. Wir waren richtig stolz auf ihn und alle klatschten. Und er kannte mit drei Jahren alle Bankkarten. Einmal rief er ganz laut aus dem Sportwagen: »Mama, da ist ja eine Visa Card.« Die Leute lachten und staunten. In einem Fast Food Restaurant fragte er immer direkt nach zwei Spielzeugen für sich allein. »Kann ich auch zwei haben?«, fragte er uns dann. Kendrick und Rex haben sich aneinander gewöhnt und sind inzwischen unzertrennlich. Dabei dachte ich, wie gut, dass wir unseren Kendrick haben. Scheidungskinder können den Glauben an die Menschen verlieren. Unser Kind ist ein Juwel. Kostbarer als alles andere auf dieser Welt. Gut, dass es die Küsse der Liebe gibt.

Damals, als wir jünger waren, gingen wir tanzen und hörten Musik von Dire Straits und Bob Marley. Es groovte! Diese Zeit, wieder etwas allein zu machen, wird wiederkommen. Jetzt sind wir erst einmal Eltern. Wir dachten auch einmal an ein männliches Au-pair, damit Kendrick kämpfen und seinen Mut beweisen kann. Ich denke, dass wir uns später noch zusätzlich nach einem jungen Mann umsehen werden.

Meine Frau Patricia hat bald Geburtstag und ich habe schon einen Tisch im Restaurant von Pepe Amadorina, dem Avantgarde Koch in Stuttgart, reserviert. Sie liebt Tagliatelle mit schwarzem Trüffel und ein Blauflossenthunfisch-Steak aus Japan sowie ein exquisites Dessert mit Blattgold. Ein Collier mit einem Smaragd und ein neues Auto bekommt sie aber schon morgens daheim. Gerne würde ich sie an diesem Tag zu einem Lotustee in Saigon/Vietnam einladen. Einen Schal aus Lotusblütenseide und ein Parfüm aus den Lotusblüten wären mein Geschenk für sie. Aus den Stängeln der Lotusblume werden sie zu Seide versponnen.

Wir lesen unserem Sohn abends immer Geschichten aus dem Märchenbuch vor. Bei Peter Pan sieht er uns mit großen Augen an. Einschlaflieder dürfen dann auch nicht fehlen. Mit dem Schnuller im Mund schläft er dann meistens ein. Wir lassen ihm ein kleines Steckdosenlicht an.

Aber jeden Tag müssen wir uns doch die Agenda ansehen und einige Termine wahrnehmen. Patricia entspannt sich abends in dem großen Jacuzzi mit einem Bananensaft oder einer heißen Schokolade und blättert dann in einer Frauenzeitschrift. Dezente Musik läuft und Kerzen brennen und duften. Manchmal setze ich mich dazu.

Später wird Kendrick seine Lektüre aussuchen und die Bravo oder eine Hip-Hop-Zeitschrift lesen und Poster aufhängen.

Wie Kendrick erwachsen wurde!

Ich sitze jetzt hier im Büro meiner Kanzlei und schreibe an dieser Geschichte oder auch Story von meiner Kleinfamilie, insbesondere von Kendrick, immer in Abschnitten. Diese bekommt er dann an seinem Tag der Volljährigkeit mit vielen Fotos und Filmen. Warum ich hier schreibe? Wenn ich einmal einen Termin verschieben musste, kam Langeweile auf. Eines Tages fiel mir diese Idee ein, ihm seinen Lebensweg mit uns aufzuschreiben. Zwischendurch gibt es auch Tage, an denen ich nicht schreibe oder ich lese mir das Geschriebene noch einmal durch und bin zufrieden oder ich ändere es. Ich hoffe nur, dass er sich darüber freuen wird. Bin mal gespannt, wie viele Seiten ich schreiben werde. Patricia habe ich davon nichts erzählt. Wenn die Story fertig ist, stelle ich sie ihr vor.

Das Telefon klingelte im Büro. »Hallo Patricia.« »Hallo Nicolas. Ich glaube unser Sohn ist krank. Ihm läuft die Nase und er hat Husten. Vielleicht ist es eine sommerliche Erkältung und ihm ist der Ventilator nicht bekommen.« »Bringe ihn zu Bett und gib ihm etwas Warmes zu trinken. Um sechs Uhr bin ich bei euch.« »Bis bald. Wir brauchen dich.«

Also werde ich jetzt erst einmal heimfahren und schreibe morgen wieder weiter.

Heute ist ein Tag, hektischer kann er nicht sein.

An seinem vierten Geburtstag gab es Kuchen und die Kerzen blies Kendrick aus. Seine Freundinnen Petra und Anna sowie Thorsten, Christoph und Matheó aus seiner Kindergartengruppe waren eingeladen und meine Frau hatte an diesem Tag keinen Dienst. Die Kinder sahen glücklich aus. Patricia ließ sich auch jede Menge Spiele einfallen und durch Klara hatte sie Verstärkung. Seine Augen strahlten. Er ist ja so ein vernünftiges Kind und emotional. Man kann ihm alles sagen und er versteht es wie ein Erwachsener. Manchmal ist es schon beängstigend. Spielerisch gehen wir die Zahlen durch. 1, 2, 3 … und die Buchstaben bringen wir ihm an einem anderen Tag immer langsam bei. So lernt ein Kind Lesen und Rechnen. Das ist das A und O, oder? An einem Dienstag gingen wir mit ihm zum ersten Geigenunterricht und er hatte Gespür für dieses Instrument, sagte uns die Musiklehrerin. Die Grundübungen für ein Fundament. Der Bogen und die Saiten müssen im Einklang sein. Die Bogenbalance muss er üben und nochmals üben. Seine Genialität machte uns fast Sorgen. Hatten wir ihn zu sehr strapaziert? Zu viel von ihm verlangt oder lag es einfach in seiner Natur? Wir ließen ihn an einem Institut testen und man sagte uns, dass er einfach sehr sprachbegabt und musikalisch sei. Sobald er in die Schule geht, wird er sich der Sprache seiner Mitschüler wieder anpassen. Das nächste Mal muss Klara ihn zum Geigenunterricht begleiten. Sie ist eine Hilfe für meine Frau und mich und wir möchten sie nicht mehr missen. Kendrick mag Klara noch immer.