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Florance wuchs in den 1970er und 80er Jahren als Tochter von wohlhabenden Eltern in der Agglomeration Zürich auf. Wir begleiten, das schon äusserlich nicht alltägliche Kind, Florance, auf ihrem ereignisreichen Weg durch die Jugend, die Pubertät und ihre, für damalige Zeiten, für Frauen ungewöhnliche Ausbildung. Die zahlreichen Hindernisse, die sie in ihrem Leben und der beruflichen Karriere überwinden musste, formten sie zu einer starken, erfolgreichen Frau. In diesem Roman spielt die lange Suche nach ihrer sexuellen Identität eine zentrale Rolle. Das Buch macht nicht nur den Zeitgeist, die Alltags-Kultur und die Menschen in dieser Zeit wieder lebendig. Es führt den Leser mit viel Lokalkolorit in diese Zeit zurück.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Albana Roselli
Die Kupferanemone
Ein nicht alltägliches Mädchen
sucht seinen Weg.
Roman
Impressum
Texte © Copyright by
Albana Roselli
Alle Rechte vorbehalten.
ISBN: ???????????
Erscheinungsdatum 3.08.2024 V1.0
Verlag tolino media
Vorwort
„Anemona“, sei in der griechischen Mythologie die Nymphe am Hof der Göttin Flora und stehe für Wind, insbesondere für Wirbelwinde voller positiver Lebensenergie. Soweit die kreative Interpretation. Kupfer, als Metall für viele Dinge zu weich, aber wichtiger Bestandteil einiger Legierungen. Deren bekannteste – die Bronze – es bis zur Namensgeberin einer Zeitepoche geschafft hat. Im Gegensatz zu Eisen zerfällt Kupfer nicht zu Rost, wenn er der Witterung ausgesetzt wird. In der Unbill der Umwelt bildet er, gewisser massen dank seines Autoimmunsystems eine Patina. Damit kommt er, allen widrigen Einflüssen zum Trotz, heil durch die Zeit.
Die Kupferanemone ist aber andererseits auch eine farbenfrohe Seeanemone aus der Gattung Blumentiere, die in Korallenriffen in einer Symbiose mit den Anemonenfischen lebt. Die Symbiosepartner schützen sich gegenseitig erfolgreich vor Fressfeinden.
All diese Wesenszüge begleiten auch den jungen, weltoffenen Menschen, von dem dieses Buch handelt. Dank ihrer lebensbejahenden Art ist Florance trotz besonderer Umstände genauso widerstandsfähig und am Ende erfolgreich. Alle diese Eigenschaften stehen sinnbildlich für unsere Protagonistin dieses Romans.
Prolog
Das permanente Summen machte schläfrig, ein Nickerchen hatte sie sich redlich verdient, schliesslich hatte sie soeben ihr Notebook zugeklappt. Sie liebte es, während des Flugs zu arbeiten. Termine koordinieren, Berichte schreiben, Berechnungen auf den neuesten Stand bringen, wie es oft nach Besprechungen notwendig war, weil sich der Auftraggeber abermals umentschieden hatte oder neue Ideen verwirklichen wollte. Schliesslich investierte dieser hunderte Millionen in den Prestigebau: Ein Hochhaus mit Appartements, einem Luxushotel, inklusive Shoppingcenter in den untersten Etagen und natürlich als i-Tüpfelchen eine Skylounge mit Restaurant und Bar. Und seit Kurzem, zusätzlich ein Nachtclub. Ohne das geht es offenbar in Dubai nicht. Die Visitenkarte des Investors, die seinem Ego schmeichelt und sein Ansehen im obersten arabischen Gesellschaftszirkel stärkt. Das konnte ihr nur Recht sein, schliesslich verdienten sie und ihre Firma mit jeder Änderung daran.
Sie schloss die Augen und rieb sich die Schläfen. Ein gutes Gefühl, wenn sie zu Hause landeten, hätte sie sämtliche Arbeiten, die dieser Business-Trip mit sich brachte, bereits erledigt. Das heisst so viel, wie sie im Augenblick machen konnte. Die Besprechungen mit den betroffenen Abteilungen standen in den nächsten Tagen noch an, aber auch diese Meetings hatte sie vorbereitet. So ohne Störung, mit den Annehmlichkeiten der Business-Abteilung, zu arbeiten, ist äusserst effizient. Eine sanfte Stimme mischte sich in das Summen der Airbus-Maschine: „Haben sie noch einen Wunsch, Frau Bernauer?“
Sie war bereits leicht weggedöst, öffnete die Augen und schaute in ein freundlich lächelndes Gesicht.
„Oh, vielleicht noch ein Wasser.“
„Oder möchten sie noch einen Tomatensaft?“
„Nein, danke, nur ein Wasser.“
„Übrigens, es sind noch zwei Stunden bis zur Landung und ein kleiner Imbiss wird in einer halben Stunde serviert.“
„Für mich nicht, danke. Ich werde mich noch etwas ausruhen.“
„Dann bringe ich ihnen noch eine Decke und werde besorgt sein, dass sie nicht mehr gestört werden.“
„Sehr lieb von ihnen, danke.“
Die Flugbegleiterin räumte das leere Glas und die gebrauchten Erfrischungstüchlein ab, zog den Vorhang zu ihrer Koje und verschwand so leise, wie sie gekommen war.
Florance Bernauer, Projektleiterin internationaler Bauprojekte, erhob sich aus dem Sessel, zog die Jacke ihres dunkelgrünen Business Kostüms aus, öffnete die oberen Knöpfe ihrer Bluse, zog sich einen weiten Kaschmirpullover über den Kopf, durchkämmte mit ihren Fingern ihr kastanienrotes Haar, streifte die Schuhe von ihren Füssen und setzte sich wieder. Dann fuhr sie die Lehne zurück, wobei sich gleichzeitig eine Auflage unter ihre Füsse schob, legte das Kissen in den Nacken und versuchte einzuschlafen. Normalerweise gelang ihr das fast wie auf Knopfdruck, umso mehr, da sie ohnehin nichts weiter fürs Geschäft tun konnte. Alle Berichte und E-Mails würden nach der Landung, wenn sie wieder Verbindung zum Internet hatte, automatisch an die Adressaten verschickt, sodass ihre Assistentin das Weitere veranlassen konnte, schon bevor sie im Büro war. Doch diesmal schlichen sich belastende Gedanken in ihren Kopf, die sie, solange sie gearbeitet hatte, erfolgreich verdrängen konnte. Sie atmete regelmässig und tief ein und aus, wie sie das bei den Meditationsübungen gelernt hatte. Sie liess sich in das permanente Summen der Maschine fallen, der sie allmählich wie ein akustischer Kokon umhüllte. Nach kurzer Zeit zeigte es Wirkung, ihr Puls wurde ruhiger, sie dämmerte in einen Halbschlaf.
Ein Traum schlich sich, erst wie im Nebel und später greifbarer, in ihren Halbschlaf. Es musste ein Empfang sein, ihrem Gefühl nach, ein bedeutungsvoller Empfang, sie war angespannt, fühlte sich unsicher und scheinbar all den Blicken der wichtigen Leute ausgeliefert. Am liebsten hätte sie sich versteckt. Sie wollte wegrennen, die Beine trugen sie jedoch nur wie in Zeitlupe. Jemand hielt sie am Ärmel zurück. Alle lachten und zeigten auf sie, dann streckten sie die Köpfe zusammen und tuschelten. Kein Zweifel, sie zogen über sie her und schauten immer wieder hämisch lachend zu ihr.
Eine Durchsage des Piloten, die die Passagiere auf bevorstehende Turbulenzen aufmerksam machte, schreckte sie auf. Sie rieb sich die Augen, schaute auf die Uhr, immerhin hatte sie eine Stunde geschlafen. Sie richtete die Sitzlehne wieder senkrecht, wie es angewiesen wurde, und wusste, sie musste sich diesem Problem stellen, sie konnte es nicht weiter von sich schieben. Bisher konnte sie Privates und Geschäftliches immer trennen und das wurde in der Firma auch respektiert, aber sollte sie in die Geschäftsleitung befördert werden, ginge das nicht mehr so ohne Weiteres. Sie war eine Frau der Taten, entschlussfreudig, übernahm Verantwortung und war konsequent. Von all diesen Eigenschaften hatte sie etwas mehr als ihre männlichen Kollegen auf gleicher Stufe, sonst hätte sie wohl kaum diese Karriere gemacht und wäre auch nicht für den nächsten Schritt in Erwägung gezogen worden. Darauf war sie stolz. Wie nur wenige Frauen hatte sie es in einer immer noch männlich dominierten Branche weit gebracht, und sie war ehrgeizig genug, um auch den nächsten Schritt anzustreben. Natürlich arbeiteten viele Frauen in den Architekturabteilungen, dort hatte sie auch begonnen, aber als Projektleiterin in der Geschäftsleitung, mit direktem Kontakt zu der internationalen Top-Klientel, das wäre schon noch eine ganz andere Liga, zumal als Frau. Zu Hause in ihrem Bett war es, bei aller Annehmlichkeit der Luxushotels, in denen sie auf Geschäftsreisen residierte, immer noch am schönsten. Sie lullte sich in ihrem gossen Bett, in die feine Bettwäsche ein und fiel bald in einen tiefen erholsamen Schlaf. Das gelang ihr mühelos, weil sie den Vorsatz gefasst hatte, sich „ihrem“ Problem zu stellen. In ihrem Beruf gab es viele Hürden und Probleme, die überwunden werden mussten. Ihr äusserst effizientes Problem-Management half ihr, nicht dauernd von diesen anstehenden Problemen abgelenkt zu werden. Es war wichtig, die volle Konzentration auf die jeweilige Arbeit richten zu können. Dazu formulierte sie ein Problem detailliert und schonungslos, auch ein Worst-Case-Szenario gehörte dazu, überlegte, wer oder was ihr dabei Hilfe leisten konnte und terminierte es wie eine normale Aufgabe. Damit war das Problem zwar weiterhin nicht gelöst, aber analysiert und deponiert. Es kreiste nicht wiederholt in ihrem Kopf und störte sie bei den übrigen Arbeiten. Es funktionierte etwa so wie ein Wecker. Wenn man früh aufstehen muss, um einen Flug zu erreichen, ist man besorgt, nicht rechtzeitig aufzuwachen und den Flieger zu verpassen. Das Unterbewusstsein hindert uns, in einen Tiefschlaf zu fallen. Man wacht deshalb immer wieder auf, schaut auf die Uhr, um festzustellen, dass man noch lange schlafen kann. Stellt man jedoch den Wecker, delegiert man die Verantwortung an diesen kleinen Helfer und schon kann man beruhigt, tief und fest schlafen. Florance hatte diese Methode zu einer Meisterschaft entwickelt. Besonders Menschen, die einen hohen Anspruch an ihre eigene Zuverlässigkeit stellen, leiden oft unter solchen Konzentrationsschwächen.
Demzufolge fiel sie, nach diesen ereignisreichen Tagen, einem Langstreckenflug mit immerhin 3 Stunden Zeitverschiebung, augenblicklich in einen tiefen erholsamen Schlaf. Nach einem kurzen kleinen Frühstück auf der Terrasse ihrer modernen Eigentumswohnung - wobei sie gleichzeitig die News-Schlagzeilen auf dem Tablet überflog, duschte sie. Sie zog eines ihrer Business-Kostüme an - sie wählte heute ein erdfarbenes - passend zum Herbst und zu ihren roten Haaren - und begab sich mit der Tram ins nicht allzu weit entfernte zentral gelegene Bürogebäude. „Guten Morgen Sylvia“, begrüsste sie gut gelaunt ihre langjährige Assistentin, die wie meistens vor ihr im Büro war.
„Hallo, guten Morgen Florance“, erwidert sie in ihrem weichen sympathischen Bündnerdialekt. Dabei deutete sie mit dem linken Arm ein Winken an und liess die zahlreichen dünnen Armreife klimpern. Sie trug, wie so oft in den vergangenen Tagen, einen grobmaschigen weiten Rollkragenpullover. Heute ein Hellbeigen. Florance vermutete, dass sie kürzlich ihre Oberweite hat aufhübschen lassen, aber diese noch eine Zeit lang unter weiten Pullovern bedeckt halten wollte, weil sie bislang nicht dazu stehen konnte. Vermutlich wollte sie das pikante Gerede, das unweigerlich im Büro aufkommen würde, vermeiden. Wenn sie länger keine figurbetonten Kleider trug, würde man es vielleicht nicht bemerken und dann im nächsten Frühling würde es nicht mehr so auffallen. Florance hatte es, gleich als Sylvia aus den Ferien zurückkam, vermutet. Nicht, dass sie es unter den weit geschnittenen Kleidern hätte sehen können, sondern weil sich ihre Körperhaltung verändert hatte. Daraufhin schaute sie genauer und war sich sicher. Sie hätte sie nie von sich aus darauf angesprochen, das war ihre Privatsache. Sie selbst wollte auch nicht auf so persönliche Dinge angesprochen werden. Bestimmt würde sie es ihr später mal erzählen, wobei sie das gar nicht wollte, denn das hätte sie verpflichtet, selbst offenherziger zu sein. Sylvia hätte sich das gewünscht, bei ihrem engen Arbeitsverhältnis und der fraglosen gegenseitigen Sympathie wäre das nur normal gewesen. Florance wollte das aber nicht.
„Ich habe schon mal die Änderungen, die du mir geschickt hast, im CAD eingepflegt.“
„Super, und was, denkst du, gibt das einen erheblichen Mehraufwand?“
„Tja, es kommt darauf an, wie luxuriös dieser Nachtclub ausgestattet werden soll. Man weiss ja, dass jeder dieser Paschas den anderen ausstechen will, und wenn ich an den „Blue Dubai“ denke, liegt die Latte schon recht hoch. Ähm ..., also nicht, dass du mich jetzt falsch verstehst!“ Sie kicherte schelmisch und blinzelte Florance zu. Die wiederum theatralisch ihre Augen verdreht und meint: „War das jetzt ein Freudscher Versprecher?“ Beide hatten denselben schelmischen Humor. „Informiere doch gleich mal das Innenarchitektur-Team, die sollen ein paar Vorschläge ausarbeiten und sie sollen die externe Spezialfirma einbeziehen, wie hiess sie noch gleich.“
„Ja, mache ich.“ Sylvia legte den Kopf schief und dachte einen Moment nach: „Fantastic World!“ Florance hob den Daumen. „Übrigens, die Präsentationen für die Meetings habe ich in etwa einer Stunde fertig.“
„Danke Sylvia, du bist ein Goldschatz, ich hole mir einen Kaffee, möchtest du auch einen.“
„Danke, nein, hatte schon zwei, das sollte genügen, um mit meiner anspruchsvollen Chefin Schritt zu halten.“ Florance ging mit einem Schmunzeln zur Kaffeeküche. Was würde sie nur ohne Sylvia machen?
„Guten Morgen allerseits.“
„Morgen Frau Bernauer.“
Im Büro war man noch grösstenteils per Sie, ausser innerhalb der Teams, da hatte sich das „Du“ mehrheitlich durchgesetzt und auf gleicher Hierarchiestufe. Es ist abzusehen, dass es früher oder später zum Allgemeinen „Du“ führen wird. Florance hätte schon heute das Allgemeine „Du“ eingeführt, wenn es nach ihr gegangen wäre, aber die Geschäftsleitung und insbesondere der Big Boss Frederic Dubois, war in diesen Dingen sehr konservativ.
Florance galt im Büro als eher unnahbar und kühl, was Sylvia nie unterschrieben hätte. Nur ganz wenige wussten etwas über ihr Privatleben und auch diejenigen wenig. Sie schaute sehr darauf, Geschäftliches und Privates klar zu trennen. Sie war ein Single, hatte keine Kinder und lebte hauptsächlich für ihren Beruf, so viel war allgemein bekannt. Über einen Partner wurde nur spekuliert. Zürich ist eine kleine Stadt, da begegnet man sich schon mal in einem Restaurant, im Kino oder an einem Fest. Daher kamen auch die Spekulationen, denn man sah sie mal an der Seite eines Mannes, dann wieder war sie in Begleitung einer Frau gesichtet worden. Wenn sich mitunter jemand mal erdreistete, sie direkt über einen Partner zu erkundigen, gab sie sich verschlossen. Natürlich wurde das von einigen als überheblich, distanziert und divenhaft taxiert. Wer Florance etwas näher kannte, direkt mit ihr zusammenarbeitete, fand bald den Zugang zu ihrer herzlichen und grosszügigen Seite. Sie forderte viel von ihren Mitarbeitenden, war aber gleichzeitig ein starkes Vorbild. Jeder in ihrem Umfeld wusste, dass sie von allen am meisten leistete. Wer selbst nicht bereit war, ganze Arbeit zu leisten, verliess das Team bald wieder. Alle anderen waren zum Teil schon Jahre bei ihr und würden für sie durchs Feuer gehen, wie auch sie sich für ihre Mitarbeiter voll einsetzte, wenn es notwendig war. Florance hasste es, wenn Spannungen im Team aufkamen. Sobald sie so was bemerkte, suchte sie mit allen das Gespräch, denn sie arbeitete ausgesprochen lustbetont und das ging nur in einer harmonischen Atmosphäre. Aber jetzt, mit den Gerüchten um die Nachfolge ihres ehemaligen Chefs, bauten sich zwischen den Abteilungen Spannungen auf, die sich nicht einfach mit einem Gespräch lösen liessen.
Florance‘ früherer Chef, musste wegen eines Burn-outs eine Auszeit nehmen und trotz der, wie man hörte, erfolgreichen Kur, nicht mehr in die Firma zurückgekehrt. Der Chefposten, Projektleiter, der den Einsitz in die Geschäftsleitung mitbrachte, war deshalb seit über einem Jahr nicht mehr besetzt. Zuerst ging das Gerücht in der Firma um, ein Externer würde in diese Position berufen, aber offenbar konnte man keinen geeigneten Kandidaten finden oder man war sich in der Geschäftsleitung nicht einig. Dann kursierten Hinweise, dass möglicherweise eine interne Besetzung in Erwägung gezogen wurde. Nachdem die Gewissheit geherrscht hatte, dass ihr Chef nicht mehr zurückkehren würde, hatte Florance ihre Bewerbung in der Personalabteilung eingereicht. Sie wollte ihr Interesse proaktiv ankündigen. Diese Funktion reizte sie und sie traute es sich zu. Sie hatte auch genügend Zeit, sich alles gründlich zu überlegen. Denn lange war nicht sicher, ob ihr früherer Chef nicht doch zurückkommen würde. Sie hatte getan, was sie tun konnte, nun lag der Ball nicht mehr bei ihr. Sie konnte nur noch warten, weiterhin einen guten Job machen und vor allem keine Fehler.
Andere begannen zu lobbyieren und zu werweissen, wer dafür infrage kommen könnte. Die Gerüchteküche brodelte unter den gegebenen Umständen auf Hochtouren. Dass sich Florance nicht daran beteiligte, nährte bei Mitbewerbern den Verdacht, sie sei bereits gesetzt und ebenso informiert darüber. Denn es war allgemein bekannt, dass sie ehrgeizig war. Aber da irrten sie sich, nicht in der Einschätzung, dass sie ehrgeizig war, sondern sie wollte sich primär vom Hauptkonkurrenten Mac Ackermann abheben, der nichts unversucht liess seine Kandidatur anzufeuern. Mit probaten, aber auch unfeinen Methoden. Natürlich war ihm nicht entgangen, dass die „Ginger Lady“, wie er sie nannte, eine harte Konkurrentin sein würde. Also zielte er auf die Person, genauer auf ihr Singledasein, für eine Frau doch irgendwie merkwürdig, in diesem Alter alleine zu sein, oder nicht? Ohne es direkt zu spezifizieren, unterstellte er ihr, im Umgang mit den arabischen Kunden ein Problem darzustellen. In solch traditionell religiösen Kulturkreisen wäre sie eine Hypothek für die Firma, liess er bedenken. Natürlich wurde das Florance umgehend zugetragen, hauptsächlich von Sylvia, die immer top informiert aus der Kaffeeküche kam. Alles, was Florance tat, war, ein Dossier über Marc Ackermann anzulegen. Mit Argumenten gegen, aber auch für seine Kandidatur. Getreu nach ihrer Devise, ein Problem zu benennen usw. Die Aufzählung wurde lang und länger, eine nicht sehr schmeichelhafte Liste, wie sie fand:
Er ist sehr selbstsicher, aber
Er überschätzt sich meistens.
Er ist arrogant, selbstgerecht und
erhebt sich oft über andere.
Er ist ein intriganter Macho.
Er versucht, ständig die Lorbeeren
einzuheimsen,
Bei Fehlern liegt die Schuld
immer bei den anderen.
Er sieht gut aus, kann sich
in Szene setzen.
Er ist leutselig, kann in kurzer
Zeit ein vertrauensvolles
Zwischen zu Kunden aufbauen.
Er ist gut in Small Talk,
kann charmant sein.
Er hat eine zu hohe Fluktuation
in seiner Abteilung.
Mitarbeiter beklagen sich
über seinen Führungsstil.
Er arbeitet mit grenzwertigen
Methoden, indem er Kunden
zwar nicht direkt besticht,
jedoch mit zu grosszügigen
Geschenken und Einladungen,
in zum Teil zweifelhafte
Lokale, zu beeinflussen versucht.
Er macht überrissene Spesen
und einiges fliesst bestimmt auch
in seine Taschen.
Er ist ein Ekel gegenüber Frauen,
sofern sie ihn nicht anhimmeln.
Fortsetzung folgt, schrieb sie flapsig hin.
Da kommt doch einiges zusammen, fand Florance, als sie die Aufzählung nochmals überflog. Sie betrachtete die Liste und war überzeugt, nicht übertrieben zu haben. Oder zumindest nicht stark. Ein erbärmliches Bild gab er ab. Wieso musste sie überhaupt eine solche Liste erstellen, um sich das bewusst zu werden? Diese Liste half ihr zumindest, selbstbewusster ihm gegenüber aufzutreten. Sie wollte nicht, wie erstarrt vor einem kläffenden Köter stehen. Denn klar, er war schlagfertiger als sie. Sie verabscheute Personen wie ihn. Männer, also nicht alle Männer, aber solche Machos wie er einer war. Sie legte die Mappe im abschliessbaren Fach ihres Pults ab, sie hatte es von Hand geschrieben, nichts ging über den Computer, sie war in solchen Dingen vorsichtig.
Kaum hatte sie das Geheimdossier weggeschlossen, ging eben dieser Mac Ackermann mit festen Schritten an ihrem Büro vorbei und grinste durch die Glasscheibe. Dann drehte er sich auf dem Absatz um, kam zur Tür und fragte in jovialem Ton: „Nah, Ginger Lady, wie war‘s in Dubai.“
Er trug einen blauen Anzug, der Stoff schimmerte leicht, etwas mehr Glanz, und ein Conferencier hätte ihn auf einer Varieté-Bühne tragen können. Die Krawatte war bunt, sehr bunt, in Design und Farbe erinnerte sie an ein Wohnzimmer nach einem aus dem Ruder gelaufenen Kindergeburtstag. Dazu hellbraune Schuhe. Hellbraune! Er liess wirklich keinen Modetrend aus. Sein braunes Haar gegelt, glatt anliegend nach hinten gekämmt. Dazu sein immerwährendes doofes Grinsen.
„Ganz gut, es gibt einen Zusatzauftrag.“
„So so, immer hart am Ball, was?“
„Man tut, was man kann.“
„Und ...“
Sie liess ihn verhungern, denn trotz seines auffordernden Blickes gab sie keine weiteren Informationen preis. Soll er doch denken, der Zusatzauftrag wäre ein ganz neues Projekt.
Irgendwann raffte er, dass nicht mehr aus ihr herauszuholen war: „Na dann, ich muss wieder. Frohes Schaffen.“
Sobald er verschwunden war, hörte sie wieder Schritte und dazu das bekannte klimpern, sie musste nicht aufsehen, um zu wissen, wer es war: „Was wollte denn der von dir?“
„Mich aushorchen über den Zusatzauftrag.“
„Woher weiss, denn der schon wieder davon?“
„Ich habe es ihm soeben gesagt, aber offengelassen, wie gross er ist.“ „Hi, hi, gut gemacht, gleich wird er versuchen, auf seinen Kanälen mehr Informationen zu beschaffen.“
Dann kam Sylvia näher an ihr Pult: „Er hat übrigens sein letztes Projekt an die Konkurrenz verloren, den Architekturwettbewerb für dieses Tourismus-Resort im Tirol, ausgerechnet jetzt“, lachte sie schadenfreudig.
„So, so, das ist aber schade und ja auch ein Verlust für die Firma, Sylvia.“
„Ja klar, ich weiss schon, aber ich mag es ihm trotzdem gönnen, dem Schleimer.“
„Genug getratscht“, ermahnte sie Sylvia.
Dann wurde sie ernster und kam noch näher an Florance‘ Pult: „Eines solltest du aber noch wissen, er verbreitet böswillige Gerüchte über dich.“
„Und was für welche?“
Sie zögert und räuspert sich: „Es geht um dein Privatleben.“
„Geht es etwas Konkreter?“
„Ja, eben nicht, da sei was, etwas, das du zu verstecken hättest und so.“
„Und, was denkst du?“
„Quatsch, ich verteidige dich immer in solchen Gesprächen, obschon ich ja auch nichts über dein Privatleben weiss. Wenn man nichts weiss, fördert das eben die Spekulationen. So sind die Menschen.“
„Tja, damit muss ich leben, aber privat ist privat und das bleibt auch so.“
„Ja verstehe. Also ich mach dann mal weiter, ähm ..., kommst du über Mittag mit uns zum Italiener?“
„Ich weiss nicht, ob es mir zeitlich reicht, Dubois wollte mich nochmals sehen.“
„Oh, oh, schon wieder, gute Neuigkeiten?“
Florance machte eine abwiegelnde Bewegung.
„Ähm ..., ich wollte dich mal was fragen.“ Florance hob die Augenbrauen und schaute Sylvia in die Augen. „Ja, angenommen, du wirst befördert, ähh, also ... habe ich noch die richtigen Qualifikationen für deinen neuen Job?“
„Du fragst dich allen Ernstes, ob du weiterhin deinen Job behalten könntest?“
Sylvia schaute sie ängstlich an.
„Sylvia, Sylvia, was würde ich denn ohne dich machen! Wir sind doch ein so gut eingespieltes Team. Natürlich! Deine Aufgaben wären nicht viel anders als heute. Klar, mehr Verantwortung, mehr Führungsaufgaben, für mich, aber sonst? Nun doch, für dich mehr vertrauliche Informationen, vertrauliche.“ Die Betonung des letzten Wortes klang wie eine Ermahnung. Sylvia wusste genau, was sie meinte und was ihre Schwäche war. Davon verstand sie mehr, war sie überzeugt, denn sie dachte: Ich kann nicht die anderen ausfragen und selbst nichts preisgeben, so funktioniert das Business mit Informationen nicht. Es funktionierte nicht wie eine Einbahnstrasse. Und schliesslich wollte sie ja Florance – gut, natürlich auch sich – nur helfen. Nach einem kurzen Moment, in dem sie den Tadel runterschlucken musste, erhellte sich Sylvias Gesicht zu einem Strahlen, ihre Erleichterung war ihr ins Gesicht geschrieben. Ihre ganze Anmut lag auf ihren Gesichtszügen. Florance war berührt durch so viel Wärme. Sie war sparsam mit Komplimenten gegenüber Sylvia, deshalb war es ein besonderer Moment, trotz der beiläufigen Ermahnung.
„Ich hasse den Konditionalis, Schluss jetzt, wir wollen doch nicht das Fell des Bären verteilen, bevor er erlegt ist.“
„Mir gefällt der Vergleich, wenn ich mir Marc als Bären vorstelle“, meinte Sylvia kichernd, „und wir ihm dann gemeinsam das Fell über die Ohren ziehen.“ Nun musste auch Florance kichern: „Stell dir das nur nicht zu bildlich vor, aber du hast Recht, es löst eine gewisse Genugtuung aus.“
„Aber ein Bär ist für Marc eigentlich ein viel zu majestätisches Tier“, mäkelte nun Sylvia an ihrem Vergleich herum.
„Wie wäre es denn mit einem Teddybären oder Winnie Puuh?“, schlug Florance vor.
„Ja genau, da ist, wie bei ihm, auch nur Stroh drin!“ Beide fielen in ein schallendes Gelächter.
„Na, was ist der Grund für eure Heiterkeit, darf man mitlachen?“ Es war Esther aus der Buchhaltung, die im Türrahmen stand. Die beiden hielten abrupt inne, mit Lachen und schauten sich etwas verlegen an, dann ein paar Sekunden prusteten sie wieder los.
„Ich glaube, ich arbeite in der falschen Abteilung, aber ich wollte euch nur fragen, ob ihr zum Lunch mitkommt.“
„Ja, gerne“, antworteten beide unisono.
Dann schob Florance nach: „Also wenn ich viertel von Zwölf noch nicht in meinem Büro bin, geht ohne mich.“
„Alles klar, und beim Mittagessen erzählt ihr mir dann noch, was so lustig war.“
Esther verschwand, die beiden vielen nicht mehr in ihr Gelächter zurück.
Nach einer Pause räusperte sie sich Florance und schaute Sylvia eindringlich an: „Ich wollte dich noch was fragen.“
„Ja, nur zu.“
„Nun, es ist etwas speziell, ich weiss nicht ... - nein bitte vergiss es.“
„Hei, hei, auf der Stelle sagst du mir jetzt, was du mich fragen wolltest.“ Sylvia witterte Morgenluft in Bezug auf mehr Vertrautheit zu Florance.
„Also gut ..., ähh ..., könntest du mir deinen Freund ausleihen?“
„Hä was? Hast du ein Gestell bei IKEA gekauft?“
„Nein, dafür brauche ich doch keinen Mann.“
„Ich bräuchte ihn nur für einen Abend.“
Sylvia hatte so ein Glucksen beim Lachen, dann wurde sie wieder ernst, als sie sah, dass es Florance ernst damit war: „Ähm ..., wie meinst du das?“
„Ach so, sorry, ich muss etwas ausholen, sonst könnte man es falsch verstehen.“ Sie musste lachen über ihre tölpelhafte Frage. „Also, um es klarzustellen, ich bin nicht notgeil und möchte dir deinen Freund auch nicht ausspannen.“ Florance grinste doppeldeutig zu ihrer ungewohnt zotenhaften Aussage, aber Sylvia sah sie mit einer tiefen Furche zwischen den Augenbrauen an. Als Florance bemerkte, wie irritiert sie war, schob sie nach: „Ach vergiss es einfach, ich hätte das nicht fragen sollen.“
„Nein, nein, so einfach kommst du jetzt nicht davon, sag mir bitte, um was es geht.“
„Sorry, das war völlig daneben.“
„Und, was? ... komm schon was jetzt?“, hakte Sylvia nach und schaute sie mit grossen Augen an. Nach einer gefühlten Ewigkeit begann Florance:
„Also es ist so, übernächste Woche findet ein Empfang im Theater statt, Geschäftsleitung, Dubois und viele wichtige Kunden mit ihren Ehefrauen. Dubois möchte mich denen vorstellen, mich etwas in diese Gesellschaft einführen, weil er mich als die richtige Wahl für den Job sieht. Versprochen hat er mir noch nichts, denn schliesslich haben die übrigen GL-Mitglieder und Partner, sowie das HR auch mitzubestimmen. Ich glaube, er beabsichtigt, mich zu testen, ob ich in diesem Kreis akzeptiert werde. Er hat mir besonders ans Herz gelegt, mit meinem Partner oder Freund zu kommen. Noch besser fände er einen Ehemann, du kennst ihn ja, aber den gibt es nicht und auf die Schnelle ..., ach Gott, ich rede mich um Kopf und Kragen. Und da ich zurzeit keinen Freund habe, dachte ich in der Not an dich, genauer gesagt deinen Freund. Zuerst dachte ich an einen Escortservice oder „Parship“, aber das wäre mir zu peinlich. Florance schaute Sylvia mit einem Blick an, den sie an ihr so noch nie gesehen hatte. Wie, wenn sie sich entblösst hätte. Einen Seelen-Striptease hatte sie, ihrem Empfinden nach, damit vor ihrer Assistentin gemacht. Sylvia schaute sie mit grossen Augen an und freute sich vor allem, dass Florance sich nach so langer Zeit ihrer Zusammenarbeit ein stückweit öffnete.
„Also du brauchst eine Begleitung für diesen Abend, er soll deinen Freund spielen, einen ..., Statisten sozusagen.“
„Ja, das stimmt, du bringst es auf den Punkt, wenn auch nicht sehr schmeichelhaft.“
„Hmm, ich bin mir nicht so sicher, ob Roland dieser anspruchsvollen Rolle gewachsen ist. Er ist, wie soll ich sagen, er benimmt sich manchmal etwas hemdsärmelig. Du hast ihn ja mal gesehen, an der Firmenfeier.“
„Ja, habe ich, er hat bei mir einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen, ich fand ihn, ähh ..., handsome.“
„Na ja, ich habe ihm auch eingeschärft, dass du meine Chefin bist und er sich dir gegenüber sehr zuvorkommend verhalten solle.“ Florance musste lachen, die Situation war absurd und komisch zugleich.
„Du hast was?“
„Jetzt tue nicht so, ich war ja damals noch ganz frisch dabei und nicht sicher, ob ich bleiben konnte.“
„Ja Entschuldigung, ich bin wirklich nicht in der Position darüber zu lachen, schliesslich versuche ich, gerade noch viel mehr zu inszenieren, mein Gott ist das absurd! Ich weiss nicht, ob ich den Job unter diesen Umständen überhaupt noch will. Ich will mich schliesslich nicht verbiegen.“
„Quatsch, das sagst du jetzt nur so dahin. Natürlich lohnt es sich, für diesen tollen Job zu kämpfen. Ich werde dich unterstützen, mit allem, was ich habe, auch mit meinem Freund.“ „Ich würde ihn dir auch bestimmt unversehrt zurückbringen, versprochen.“
„Unversehrt? So wie er mal über dich gesprochen hatte, wäre er nicht unglücklich, wenn er durch dich mal ein bisschen zerfleddert würde. Er fand dich, wie sagte er, ‚einen heissen Feger‘.“
„Wirklich, das hat er gesagt, nein, du übertreibst.“
„Komm schon Florance, tue nicht so, schau dich doch an, grossgewachsen, tolle Figur, rote Haare, eine Ausstrahlung wie eine Göttin, für viele Männer schlicht ein feuchter Traum und das weisst du auch.“ „Genug, genug.“ Florance erschrak über dieses intime Gespräch mit ihrer Assistentin. Sie schmunzelte aber trotzdem, denn welche Frau hört sowas nicht gerne. Sylvia und Florance schauten sich an, ihre Blicke und blieben aneinanderhaften. So hatten sie sich noch nie angeschaut. Rasch sprachen beide gleichzeitig drauflos, bevor es zu peinlich wurde und brachen auch gleich wieder ab. Es entstand kurz eine unübliche Stimmung zwischen ihnen, vorwiegend Florance war dies unangenehm. Sylvia fing sich schneller und meinte: „Ich kann ja Roland mal fragen, der wird sich bestimmt freuen. Hoffentlich nicht zu sehr.“
„Keine Angst, ich werde ihn bestimmt nicht ...“
„Das glaube ich dir schon, ich dachte auch nicht an dich ...“
„Ich weiss nicht, es war eine Schnapsidee von mir, aber ich bin sicher, es könnte zu einem Stolperstein werden, wenn ich nicht ... Ich werde es heute über Mittag mit Dubois versuchen, näher zu ergründen.“
„Was gäbe es sonst noch für Möglichkeiten? Du glaubst ja nicht, was ich mir schon den Kopf darüber zerbrochen habe. Alle meine Bekannten habe ich im Geiste durchgecheckt.“
„Ja, ein Schauspieler, wenn einer eine Rolle spielen kann, dann wohl ein Schauspieler“, meinte Sylvia.
„Nicht schlecht, du hast recht, man muss es nur beim Namen nennen – eine Rolle spielen – wie du sagtest, dann kann man ja gleich einen Profi engagieren und nicht einen Laienschauspieler, oh sorry, so hab ich das nicht gemeint, nichts gegen deinen Freund.“
„Ach was, schon okay, ich sagte ja bereits, er könnte etwas zu hemdsärmelig sein, für diese ‚feine‘ Gesellschaft. Nur das Beste ist gut genug für dich, schliesslich geht es um unsere Jobs.“ Sie verdrehte bei „feine Gesellschaft“ ihre Augen und hob dann die Brauen an. Florance nickte ihr zu. Sie sagte „unsere Jobs“, da veränderte sich etwas bei Florance. Nun ging es plötzlich nicht mehr nur um ihren Job, sondern auch Sylvias Arbeitsplatz. Für ein Team zu kämpfen lohnte sich noch viel mehr als nur für seinen eigenen Nutzen. Das nahm ihm etwas vom Egoismus, der dem Karrierestreben anhaftet. Sylvia gab alles für sie und das Team, was auch sie verpflichtete. Wobei sie das nicht als Last empfand, sondern als Ansporn, als eine Herzenssache. „Ich schau mal, ob es eine Schauspiel-Agentur gibt, die sowas macht.“
„Nein, nein, das kann ich nicht von dir verlangen, da muss ich selbst ....“
„Ach was, für was bin ich denn deine Assistentin?“
„Bestimmt nicht, um mich mit einem Mann zu verkuppeln.“
„Soweit wolltest du ja nicht gehen, oder habe ich was missverstanden?“
„Na ja, einen adretten Schauspieler, warum nicht?“, frotzelte Florance und grinste schief.
„Das wird ein Spass, ich freu mich schon auf die zahlreichen Bewerbungen, aber nur mit Bildern! Darf ich die Vorauswahl treffen und das erste Interview führen?“
Als sich das Florance vorstellte, zauberte es ihr ein breites Grinsen aufs Gesicht. Aber sie hätte es Sylvia zugetraut.
* * *
Frederic Dubois erhob sich mit einiger Mühe aus seinem Ohrensessel hinter seinem altmodischen Mahagoni-Schreibtisch, als Florance in sein Büro eintrat. „Ah, schön, dass sie vorbeikommen, sie drücken das Durchschnittsalter erheblich in diesem Büro.“
Solche altmodischen Sprüche waren typisch, für ihn, charmant und immer mit einem Augenzwinkern auf die holde Weiblichkeit anspielend.
Florance gab ihm die Hand. Sie hatte nach all den Jahren immer noch grossen Respekt vor ihm. Seit den Tagen als sie an der Uni seine Vorlesungen besucht hatte, blieb das mehr oder weniger so. Obgleich er sie manchmal etwas gefühlsselig behandelte, fast so als wäre sie seine Enkelin. Das behagte ihr nicht, aber er war, mit seinen 75 Jahren, wohl nicht mehr zu ändern. Seine wohlwollende Art hatte ihr schon mehr als einmal bei ihrem Weiterkommen geholfen, da sah sie gerne drüber hinweg. „Wie war die Reise zu unseren arabischen Freunden in Dubai?“
„Es lief gut, das Bauvorhaben macht Fortschritte, wir sind sogar etwas über dem Soll.“
„Ja, ja, aber das kann sich schnell wieder ändern, bleiben sie auf der Hut, nicht dass sich ein Larifari einschleicht da unten.“ „Ja gewiss, das werde ich, zudem haben wir einen Zusatzauftrag bekommen, die wollen unbedingt noch einen Nachtclub im Rooftop, einer dieser luxuriösen und pompösen.“
„Sollen sie bekommen, der Kunde ist König. Und wie geht es so im Gespräch mit den Investoren? Manchmal frage ich mich, ob die sie ernst nehmen, sie wissen ja, diese arabische Mentalität ist nun mal ganz anders, hauptsächlich gegenüber den Frauen sind sie noch vorgestrig.“ Dann bekam er einen Hustenanfall, stand auf und verschwand mit einer entschuldigenden Handbewegung ins Nebenzimmer. Florance schaute sich in seinem pompösen altmodischen Büro um und dachte, „apropos vorgestrig“. Eigentlich wollte sie noch sagen, dass sie mit arabischen Investoren keine Probleme hätte, denn die meisten hätten eine Ausbildung in Europa oder den USA absolviert und seien mit der westlichen Gesellschaft besser vertraut als wir mit ihrer. Schliesslich machte sie dort nicht die Bauführung. Ihre Gesprächspartner nähmen sie durchaus ernst. Aus dem Nebenzimmer tönte es, als ob er sein Innerstes aus ihm rauswollte. Diese Firma benötigt unbedingt eine Verjüngung. In zehn Jahren wäre die Mehrheit der Leitungsmitglieder und Partner wohl nicht mehr aktiv, so hatte er es ihr das letzte Mal erklärt. Und dass ihm am Fortbestand dieses Architekturbüros, das mittlerweile ein mittelgrosses Unternehmen war, mehr als alles andere am Herzen lag. Er als Begründer wollte sein Lebenswerk in guten Händen wissen, wenn er einmal diese Welt verlassen würde. Das war bei den übrigen Gesellschaftern nicht unbedingt in selbem Masse der Fall.
An den Wänden hingen Zeichnungen und Fotografien seiner Meisterwerke aus vergangener Zeit, Spitäler, Verwaltungsgebäude, Museen usw., architektonisch sauber gearbeitete, harmonische Gebäude, die mittlerweile einen festen Platz in den Stadtbildern eingenommen hatten. Man konnte sie nicht mehr als modern bezeichnen, aber zeitlos, funktional und absolut stimmig, und das ist ein Kompliment für ein Gebäude. In der Architektur gibt es eine andere Zeitrechnung. Bestimmt standen einige davon bereits unter Denkmalschutz, was wiederum eine Auszeichnung ist. Sie hatten Dubois‘ legendären Ruf begründet und gehören zu seinem Lebenswerk. In der Ausbildung hatte Florance manchmal noch von so einer Karriere geträumt. Heute muss sie schmunzeln, wenn sie an ihre überspannten Erwartungen dachte. Zudem hatte sie nun einen anderen Beruf, sie war nicht mehr kreativ tätig, zumindest nicht architektonisch. Aber im Umgang mit Menschen musste man auch kreativ sein, um ans Ziel zu kommen.
Sie hörte ihn im Nebenzimmer immer noch husten: „Brauchen sie Hilfe“, rief sie. Von drüben kamen unverständliche Worte, sie blieb sitzen und schaute sich weiter um. Hinter dem klobigen Schreibtisch hingen in verschnörkelten Rahmen vergilbte Urkunden, Diplome und Preise. Natürlich war er auch im Rotary Club und in der Zunft Fluntern, das wusste sie bereits. In ihrem Rücken und zu ihrer Seite hingen wertvolle Bilder, natürlich Originale. Sie konnte einen Matisse ausmachen und eine Zeichnung von Alberto Giacometti, andere konnte sie nicht einem Künstler zuordnen. Sie stand auf und betrachtete ein kleineres Gemälde, das ihr besonders gut gefiel, und betrachtete es lange. Drei nackte junge Frauen bei ihrer Morgentoilette in einem Boudoir und eine Zofe, die ihnen zur Hand ging. Ende des neunzehnten Jahrhunderts schätzte sie. Seitlich davon hing eine Schwarz-Weiss-Fotografie, Frederic Dubois in jungen Jahren, er war ein hübscher Mann in seinem Manchester Anzug. Sie vermutete in einem erdfarbenen Farbton, der Fliege und der obligatorischen Pfeifen der Hand, das Markenzeichen von Architekten in jener Zeit. Es wurde buchstäblich zu einer Uniform des Berufsstandes. Neben ihm war ein weiterer Mann abgelichtet, den sie nicht kannte. Sie schaute auf die Bildlegende „Zu Besuch bei Alvar Aalto, Helsinki 1972“. Ah ja, den Namen kannte sie natürlich schon, im Studium hatte sie einige seiner berühmten Werke diskutiert und analysiert, sie konnte sich nur noch an das Theater in Essen erinnern. Andächtig stand sie immer noch vor diesem Gemälde, schaute aber auf die Fotografie daneben. „Femmes à leur toilette, von Félix Vallotton“, hörte sie seine wieder einigermassen hergestellte, noch heisere Stimme hinter sich.
„Ich habe es nicht gekannt, aber Félix Vallotton sagt mir schon was - es gefällt mir“, sagte sie, ohne sich umzudrehen. „Ich konnte die Signatur nicht finden.“
„Das können sie auch nicht, ich habe mir ein Replikat erstellen lassen, denn das Original hängt im Musée d’Orsay, unerreichbar, leider und vermutlich unbezahlbar.“ Florance schaute sich das Bild noch eine Weile an, dann setzten sie sich wieder. „Wo waren wir stehen geblieben? Ah ja, bei der arabischen Geisteshaltung.“
Sie vermutete, dass dies eine rhetorische Frage gewesen war, um zum Kern seines Anliegens zu kommen.
„Frau Bernauer oder darf ich sie Florance nennen?“
„Ja gewiss, es wäre mir eine Ehre“, und dachte: Nur gut, kann mich sonst niemand hören, wie ich gerade heuchle.
„Also Florance, sie sind eine ausserordentlich attraktive Frau, das ist schön für sie und ebenso für ihren Freund, aber in der Geschäftswelt kann das manchmal auch ein Hindernis sein. Stellen sie sich vor, all die nicht mehr ganz taufrischen Ehefrauen unserer Geschäftsleitungsmitglieder, wenn sie so in ihrer vollen Blüte stehend, allein erscheinen würden. Mit dieser attraktiven Frau arbeitet mein Mann also jeden Tag zusammen! Verstehen sie, die scharfen Blicke und spitzen Bemerkungen, die sie ernten würden. Und leider lassen sich die Männer nicht selten von ihren Frauen beeinflussen. Ich hoffe, ich bin nicht zu direkt, ich muss es deutlich ansprechen, sie benötigen zweidrittel der Stimmen. Es genügt nicht, dass sie meine Stimme haben, die Satzung sieht es so vor.“
„Ich bin ihnen dankbar für diese Informationen, das war mir nicht so bewusst, ich sehe, ich kann noch viel von ihnen lernen.“
Dubois war sehr zufrieden mit ihrer Antwort, vor allem mit dem zweiten Teil. Ich sehe folgende Möglichkeit, fuhr er fort: „Sie kommen mit einem attraktiven jungen Freund und zeigen, dass sie sich richtig mögen und zweitens halten bei ihrem Aussehen den Ball etwas flach, sozusagen. Ich weiss zwar nicht so recht, wie sie das tun könnten bei ihrem Aussehen, aber sie wissen bestimmt, wie das geht, oder?“
Florance nickte stumm und konnte kaum glauben, was sie hörte. Dann wurde es eine Weile still im Raum - verlegenes Schweigen. Bis er die Stille unterbrach: „Übrigens besuchen wir nach dem Restaurant „Chefs Choice“ eine Vorpremiere im Stadttheater und dann lassen wir den Abend im Restaurant „Du Théâtre“ ausklingen. Es wird bestimmt ein gelungener Abend.“
„Da freue ich mich aber drauf“, log Florance und erzwang sich ein Lächeln. Eine Reifeprüfung wird das nichts anderes, wenn ich es nur schon hinter mir hätte, dachte sie.
Dann sprachen sie noch übers Geschäft und eher belanglose Dinge. Florance schaute sporadisch auf ihre Uhr, bis er es merkte und zu einem Ende kam, aber nicht ohne nochmals die Wichtigkeit dieses Empfangs für ihre Laufbahn zu betonen. Und dann fügte er noch an: „Und sie sind nur der Anfang, es braucht noch mehr junge strebsame Menschen auf dieser Etage.“ Das machte Florance zuversichtlich. Sie bedankte sich für alles und verabschiedete sich mit betonter Höflichkeit.
Als sie sein Büro verliess und von der Belletage über die interne Wendeltreppe in die Arbeitsräume hinabstieg, wurde sie prompt von einem Mitarbeiter aus Marcs Team gesehen. Natürlich wartete Sylvia im Büro auf sie, die vom Lunch soeben zurückgekehrt war. Sie machte grossen Augen und klimperte nervös mit ihren Armreifen. Ihre Haltung drückte pure Neugier aus.
„Du warst aber lange beim Boss und wie ist es gelaufen?“
„Ganz gut, denke ich, ich glaube, wir brauchen diesen Schauspieler unbedingt.“
„Yesss!“, rief sie halblaut und machte eine Faust dazu wie eine Tennisspielerin, nachdem sie ein Ass gespielt hatte. „Ich habe schon etwas recherchiert, dann nehme ich das voll in Angriff.“
* * *
„Meine Herren, die Lage ist ernst!“ Marc Ackermann hatte sich vor ihnen aufgebaut und schaute jedem seiner Untergebenen, den er für seine Aktion rekrutieren konnte, einen Moment in die Augen. Patrick, Philippe und Jeanmarie schauten erwartungsvoll zu ihrem Anführer hoch. Sie hatten sich nach dem Arbeitsschluss im Lokal „Jules Verne Panoramabar“ zur Lagenbesprechung getroffen. Einen Ort, den kaum jemand aus dem Büro nach Arbeitsschluss besuchen würde, so hatte er es sich, gerissen wie er war, ausgedacht.
„Meine Herren, wir müssen ein Abwehrdispositiv errichten.“ Er fiel ganz in die militärische Attitüde und den Chargon, den er sich in seiner Militärzeit angeeignet hatte. Marc Ackermann war Leutnant der Schweizerarmee, allerdings war seine Militärkarriere etwas abrupt ausgebremst worden. In seinem militärischen Leistungsausweis stand, er sei „überambitioniert“ und neige zu „Sololäufen“. Klar, solche Eigenschaften waren in der Arme nicht wirklich gefragt. Er interpretierte das für sich als „überqualifiziert.“ Aber das war Schnee von gestern. Er neigte sich über sein Bier auf dem runden Tisch, um trotz der Hintergrundmusik nicht so laut sprechen zu müssen. Seine Spiessgesellen taten es ihm gleich, also wiederholte er: „Wir müssen ein Abwehrdispositiv gegen die rote Gefahr errichten.“ Er schaute seine Komplizen bedeutungsschwanger an. „Versteht ihr, gegen die rote Gefahr! Das ist auch der Name unserer Guerilla-Aktion.“ Alle nickten, dann meldete sich Patrick: „Ist der Name nicht etwas zu offensichtlich, ich meine ...“
„Ja klar, wir sind ja nicht blöd, ich wollte euch nur schon mal sagen, was sich hinter dem Kürzel „DRG“ verbirgt. In Zukunft werden wir nur noch diese Abkürzung verwenden. Klar?“
Alle nickten und Marc erhob sein Bier, darauf prosteten sie sich zu, der Geheimpakt war besiegelt. „Und was machen wir jetzt genau?“, wollte Jeanmarie wissen.
„Geduld, Geduld, darauf komm ich gleich. Zuerst will ich euch nochmals versichern, dass ihr, wenn diese Aktion klappt - und das wird sie ganz bestimmt - Privilegien geniessen werdet und bei Beförderungen Zugang zum „Fast Track“ habt, versteht ihr. In meiner zukünftigen Position habe ich ganz andere Möglichkeiten als heute.“ Bei diesen letzten Worten liess er seine Brust leicht anschwellen. Verschwörerisches Nicken machte die Runde, das von selbstzufriedenem Grinsen abgelöst wurde. „Also nun zum Plan. Du, Philippe, bist unsere Verbindung in die Finanz- und die Legal-Abteilung, Patrick, du beschaffst die Detailinformationen zum Dubai-Projekt und Jeanmarie ist logischerweise der IT-Crack.“
„Und was machst du, Marc?“, erdreistete sich Patrick, zu fragen.
„Na, jemand muss die Aktion auch leiten, verstehst du, ist doch klar, ich bin‚ The Brain.“
Nach kurzem Zögern nickten wieder alle, allerdings nicht mehr so heftig wie zuvor. Marc bestellte eine weitere Runde Bier. Es gab noch viel zu besprechen. Als alle wussten, wie der Plan aussah, und was jeder zu tun hatte, stiessen sie ihre Fäuste über dem runden Tisch, der mittlerweile mit einigen leeren Gläsern überstellt war, zusammen.
„Und nochmals!“ Marc erhob seine Stimme und machte eine Kunstpause: „Kein Wort zu Niemandem über DRG, keine E-Mails, keine Telefongespräche im Büro, nur Face to Face, und zwar ausser Hörweite von Fremden – Feind hört mit – sowie Lagebesprechungen hier oder an anderen noch zu bestimmenden Orten. Die Initialsitzung ist hiermit geschlossen.“
Mehr oder weniger unsicher auf ihren Beinen brachen sie auf und jeder zog seines Weges.
* * *
„Wenn die Finanzabteilung etwas die Finger rausgenommen hätte, hätte ich diesen Vertrag auch gleich beim letzten Mal unterzeichnen lassen können“, ärgerte sich Florance, als Sylvia mit der Vertragsmappe im Türrahmen stand. „Und wann lernen diese Buchhalter endlich, das ganze Zeugs digital zu erstellen?“, monierte sie genervt weiter.
Sylvia erhob verständnisvoll die Arme und machte dazu ein zerknirschtes Gesicht: „Kennst sie ja, diese Buchhalter.“
„Jetzt muss ich deswegen nochmals runterfliegen. Wie weit ist denn der Entwurf mit dem Nachtclub, vielleicht kann ich es ja damit verbinden.“
„Ich werde mal nachfragen und ihnen ein bisschen Druck machen.“
„Es darf auch ein bisschen mehr sein.“ Florance hatte sich bereits damit abgefunden, das gehörte eben auch zu ihrem Job. „Na dann her damit, ich schau mal rein, ist ja immerhin die zweite Bauetappe. Bestimmt eine hübsche Summe.“ „Mir wird immer noch fast schwindlig, wenn ich diese Summen lese“, gestand Sylvia ihrer Chefin.
Dicke Luft heute bei Miss Bernauer, was wohl vorgefallen sein mag? Nur wegen des verspäteten Vertrags konnte das nicht sein, mutmasste sie. Sie zog sich zurück.
Florance Bernauer öffnete die Vertragsmappe, entfernte die Klammern und legte die einzelnen Blätter auf ihren Scanner, dann öffnete sie ein Programm auf dem PC. Bald wurden die Blätter nacheinander mit einem surrenden Geräusch eingezogen und gleich hinten wieder ausgespuckt.
Sie würde den Vertrag heute Abend zu Hause in Ruhe durchlesen, nahm sie sich vor und wandte sich wieder anderen Arbeiten zu. Sie hatte ja jetzt Zeit dafür.
Eigentlich wollte sie sich heute mit ihrer Freundin zum Abendessen treffen, und anschliessend ..., aber Jeanine war etwas Wichtiges dazwischengekommen. Sie musste ihr leider absagen, das tat sie nur sehr ungern, denn sie sahen sich viel zu selten, wie beide immer wieder betonten. Aber als Anwältin mit eigener Kanzlei musste sie manchmal auch am Abend zur Verfügung stehen, wenn es ihren Klienten erforderlich schien. Sie musste am Ball bleiben, die Fixkosten waren hoch, für eine einigermassen repräsentable Kanzlei in Zürich. Die wirklich lukrativen Fälle konnte sie noch an einer Hand abzählen. Zudem nahm sie immer wieder mal „Pro Bono“ Fälle an, wenn es um eine schreiende Ungerechtigkeit ging und den, meist weiblichen Geschädigten, das Geld fehlte, sie angemessen zu bezahlen. Deshalb wurde sie im Ausgang immer von Florance eingeladen, die solche Probleme nicht kannte, auch das störte sie ein wenig.
Aber Florance kannte das, auch sie war oft im Ausland oder arbeitete bis spät in die Nacht hinein. Manchmal wünschte sie sich ein geruhsameres Leben, mehr Freizeit, vielleicht so etwas wie ein Familienleben. Andererseits liebte sie ihren herausfordernden Job über alles. Also meistens. Und die Karriere hinschmeissen, gerade jetzt in der spannendsten Phase ihrer Laufbahn, nie und nimmer. Sie würde in ein riesiges Loch fallen und am Ende todunglücklich sein. Und das, nur um mehr Freizeit zu haben? Nach diesen Gedanken raffte sie sich wieder zusammen.
Dennoch, die Verstimmung, die sie nach diesem Anruf von Jeanine überfallen hatte, verschwand nicht. Sie war verärgert und unzufrieden mit sich, der Welt und überhaupt. Sollte ihr jetzt nur niemand auf die Füsse treten, sonst ..., ja sie konnte auch mal aufbrausend werden, die Leute in ihrer Umgebung vor den Kopf stossen, gerade weil sie normalerweise so ausgeglichen war.
Sylvia, mit ihren feinen Antennen, konnte das freilich nicht passieren, sie spürte die Gemütszustände ihrer Chefin, fast wie die Gämsen, in den Alpen ein aufkommendes Unwetter spürten. Und sie verstand sie zu beruhigen, obschon sie gerne gewusst hätte, was der wahre Grund ihrer Verstimmung war. Fragen wäre aber zwecklos gewesen, sie hätte bestimmt keine ehrliche Antwort erhalten, verschlossen, wie sie in solchen Dingen war. „Ein Double Espresso et Dolci gefällig?“ Sie balancierte das Porzellantässchen auf dem Tablett, daneben lagen eine Anzahl Macarons, ihre Lieblings-Süssigkeiten.
Florance blickte erstaunt auf, sie hatte ihr tatsächlich aus dem nahen Café neben dem Bürogebäude diese Köstlichkeiten besorgt. „Du bist, ach ..., einfach ein Goldschatz, du beschämst mich.“
„Pscht, pscht ..., kein Kommentar jetzt, einfach geniessen und die gute Laune wiederfinden.“ So schnell und leise, wie sie gekommen war, verschwand sie auch wieder. Florance wippte in ihrem Bürostuhl zurück bis zum Anschlag, nahm ein Macaron und schob es sich mit geschlossenen Augen in den Mund. Ein Lächeln schlich sich in ihr Gesicht, ihre Assistentin war eine Perle.
* * *
„Wie ist der Stand?“ Ackermann schaute am kleinen, runden Tisch in die Runde. Sie hatten wieder das „Jules Verne“ für ihre konspirative Sitzung gewählt. Patrick räusperte sich kurz: „Also, die Vertragsunterzeichnung findet vermutlich am kommenden Mittwoch in Dubai statt, DRG reist am Montag oder Dienstag an. Ich werde noch herausfinden, auf wann ihre Assistentin den Flug gebucht hat.“
„Gut, gut! Und bei euch?“, er schaute zu Jeanmarie und Philippe.
„Also mit Jeanmaries Hilfe konnte ich den Vertrag aus dem System des Legal-Departments kopieren, den habe ich dir ja schon übergeben.“
„Ja, ja, das weiss ich schon, aber wie könnt ihr die Änderungen direkt im System machen, ohne Spuren zu hinterlassen?“, fragte er ungeduldig.
Nun schauten alle zu Jeanmarie: “Also daran arbeite ich noch, es ist etwas kompliziert.“
„Ja natürlich, das wissen wir, aber das ist der Knackpunkt, und deshalb haben wir auch dich, den fähigsten in diesen Dingen, damit beauftragt, verstehst du.“ Er musste ihm nochmals eine Extramotivationsspritze verabreichen. Jeanmarie nickte zustimmend.
Nach einer längeren Pause fährt Marc fort: „Die Beträge sind gigantisch, da könnte man neidisch werden. Ich habe auch schon die Positionen bestimmt, die wir ändern und die in der Verantwortung von DRG liegen. Das kann man bei diesen Beträgen nur bei sehr genauem Hinschauen entdecken. Die Fehlsumme wird beträchtlich sein, selbst wenn sie juristisch dagegen ankämpfen wird, das wird sie nicht überleben, das kann ich euch sagen.“ Betretenes Schweigen in der Runde, alle griffen zu ihrem Bier, um ihre leichte Verlegenheit zu überspielen.
„Hei, was ist, es ist für einen guten Zweck, wir müssen doch zusammenhalten!“ Nur Ackermann hatte keine Gewissensbisse.
„Also Patrick, du organisierst den Austausch des Vertrags, schaffst du das?“
„Klar, ich habe schon mal bei ihrer Assistentin recherchiert, wo sie die Verträge aufbewahrt.“
„Gut, dann mach dich ran, an den System-Hack, daran darf es nicht scheitern.“ Marc schaute Jeanmarie eindringlich an. Der nickte erst nur zögerlich, dann immer heftiger. Sie prosteten sich mit dem dritten Bier zu und stiessen zum Schluss die Fäuste zusammen.
* * *
Florance war auf Businessreisen, mit leichtem Gepäck unterwegs: Einen kleinen Koffer, der als Handgepäck durchging, ihre schwarze handgenähte Ledermappe mit Notebook und den notwendigen Unterlagen. Sowie eine grosse Handtasche, die zu allen Kleidern passte. Immer dabei waren auch ihre Glücksbringer, zwei kupferne handgefertigte Ohrringe in Blütenform. Die beiden Kupferanemonen durften nie fehlen. Obschon sie keineswegs abergläubisch war - da machte sie eine Ausnahme.
Nebst den Business-Anzügen und einem bequemen Deux-Pièces für die Reise, benötigte sie nur noch wenige Freizeitkleider, die knöchellang und ohne tiefe Dekolletés oder Spaghettiträger sein mussten. Sie wusste, wie sie sich als Frau in arabischen Ländern zu bewegen hatte. Wenn sie erfolgreich sein wollte, musste sie sich streng an diese Regeln halten. Und während den Sitzungen mit den Investoren, ganz besonders, da trug sie nie etwas anderes als dunkle Anzüge. Sie wusste zu gut, wie auffällig schon ihre roten Haare waren, auch wenn sie sie straff nach hinten zu einem Rossschwanz gebunden hatte. Da brauchte sie nicht noch auffälligen Schmuck oder sonstige Dinge zu tragen, die Männerblicke ablenkten. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Dubai im Besonderen ist eine relativ tolerante Stadt, in der Frauen keine Kopftücher tragen müssen, trotzdem hatte sie immer eines griffbereit in ihrer Handtasche, denn sollte sie mal eine Moschee besuchen, müsste sie eines tragen.
Heute liess sie sich mit dem Taxi zum Flughafen fahren. Sie würde sich auf dem Flug nochmals erholen können, das war ihr wichtig, um für die meist langen und anstrengenden Sitzungen fit zu sein. Diese Besprechungen glichen oft mehr freien Diskussionen, als dass sie, wie in westlichen Ländern, einer Traktandenliste folgten. Ausdauer war gefragt und oft wurde das Wichtigste am Ende gesagt, wenn die Müdigkeit überhandzunehmen drohte. Die offizielle Unterhaltung war auf Englisch, aber untereinander sprachen sie oft Arabisch. Da Florance des Arabischen nicht mächtig war, fühlte sie sich in solchen Momenten ausgeschlossen. Aber sie konnte mittlerweile damit umgehen und wenn es notwendig wurde, warf sie diskret ein Argument oder eine Bemerkung ein, bei der sie vermutete, dass sie zu der arabischen Unterhaltung passen könnte. So erlangte sie jeweils wieder die Aufmerksamkeit und konnte das Gespräch auf das Wesentliche lenken. Verhandlungen mit arabischen Kunden benötigten viel Zeit, weil sie oft abschweiften oder bereits beschlossenes wieder zur Diskussion stellten. Aber unangenehm war es nie, Höflichkeit war oberstes Gebot. Und die Gastfreundschaft legendär. Natürlich hatte sie wie immer ein Geschenk mitgebracht. Auf der Kundenseite erwartete sie Scheich Mohamed, den Hauptinvestor, und seinen jungen Assistenten, den sie schon öfter getroffen hatte. Denn der Nachtclub war Chefsache. Die sonst noch übliche Entourage war, wie ihr versichert wurde, nicht dabei. Der Assistent besuchte in London eine renommierte Businessschule, war mit der westlichen Mentalität bestens vertraut und, wie ihr schien, einer freien Lebensweise sehr zugetan. Letztes Mal flirtete er mit ihr ganz offensichtlich, was sie einige Mühe kostete, sich elegant aus der Affäre zu ziehen, ohne ihn abzuweisen. Da beide vernarrt in Pferde und natürlich primär in Araberpferde waren, hatte sie für beide einen neuen Bildband über diese Pferderasse mitgebracht. Die Luxusausführung für den Patron und die etwas einfachere Ausgabe für seinen Assistenten. Auch diese Hackordnung musste berücksichtigt werden. Sie hatte eine Buchhandlung, mit guten Verbindungen zum englischen Buchmarkt gefunden, die ihr bei solch spezifischen Geschenken jeweils half. Das heisst, Jeanine wusste über einen Kollegen von dieser Buchhandlung. Sie schärfte sich noch ein, die kunstvoll verpackten Bücher nur mit der rechten Hand zu übergeben. Denn das war in arabischen Ländern wichtig. Die Linke benutzte man bei unreinen menschlichen Bedürfnissen. Mit einem Schmunzeln überlegte sie sich, wie das wohl bei Linkshändern wäre. Egal, sie hatte diese Regeln nicht aufgestellt.
Der junge Assist erwartete sie in der Hotellobby, einem Prunkbau, der ebenfalls dem Investor gehörte. Er trug einen modernen westlichen Anzug mit dezenter Krawatte und sah blendend aus. Die Begrüssung war zwischen stilvoll und herzlich, er liess ihr gegenüber eine gewisse Vertrautheit durchblicken. Während sie eincheckte, zog er sich zurück. Sie hatten sich zu einem späten Business-Lunch im Restaurant in der obersten Etage verabredet. Sie bezog ein Zimmer auf dem zwanzigsten Stock, mit einer atemberaubenden Aussicht. Nur schade, konnte sie das Fenster nicht öffnen und sich die warme Brise durch ihr Haar wehen lassen. Sie hatte ein Upgrade zum selben Preis erhalten. Gut möglich, dass er das veranlasst hatte, um weiter ihre Gunst zu gewinnen.
In gut zwei Stunden würde die Sitzung beginnen. Da sie nicht wusste, wie lange der Lunch mit ihm dauern würde, kleidete sie sich bereits für den offiziellen Teil ein. Dunkelblauer gut sitzender Businessanzug, hellblaue Bluse und ein Foulard in herbstlichen Farbtönen. Die Haare liess sie noch offen, die würde sie dann kurz vor dem Meeting zurückbinden. Wie immer bei diesen Meetings, ein sehr dezentes bis fast unsichtbares Make-up, sowie nur einen Hauch von Parfum. Bei solchen Anlässen trug sie generell nur flache Schuhe, sie wollte mit ihrer stattlichen Körpergrösse nicht die Männer überragen, was trotzdem leider viel zu oft vorkam.
Man geleitete sie zum schönsten Tisch in der Ecke direkt vor dem Fenster, wo er sie bereits erwartete. Vor dem Fenster, das bis zum Boden reichte, war kein Balkon, man hatte also besser keine Höhenangst. Eine Aussicht, die einem den Atem raubte. Über grosse Teile der Stadt und bis in die gefühlte Unendlichkeit der angrenzenden Wüste. Galant stand er auf und begrüsste sie nochmals nach allen Regeln der Kunst. Er stellte sich nochmals mit seinem Namen – Hamza – vor, obschon sie das bereits wusste. Er gab sich sehr westlich, seinen Nachnamen könne sie sich sparen, der aus so vielen Namen seiner Abstammung väterlicherseits besteht, dass er selbst manchmal nachdenken müsse. Sie ging auf sein Spiel ein und sagte: „Florance, please to meet you.“
Eine Flasche weisser Burgunder stand in einem Eiskübel neben dem Tisch. Er hatte bereits davon gekostet. Der Kellner schenkte auch ihr ein, sobald sie sich gesetzt hatte, und verschwand wieder. Sie würde nach einem Höflichkeitsschluck bald auf Wasser umstellen, obschon sie das bedauerte, den „Le Montrachet“, ein Grand Cru, kannte sie bisher nur vom Hörensagen.
Zu den kleinen erlesenen Häppchen plauderten sie angeregt über alltägliche Dinge, über London, wo auch Florance einige Zeit geschäftlich verbrachte, aber zunehmend auch vertraulich über ihre Familien und Geschwister. Hamza war ein aufmerksamer Gastgeber und Gesprächspartner. Seine dunklen, grossen Augen hinterliessen bei Florance ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Bestimmt wusste er um die Wirkung dieser einzigartigen Augen. Wie oft hatte er sie wohl schon zu seinen Gunsten eingesetzt? Wobei der immense Reichtum vermutlich ein noch viel stärkeres Erfolgsargument bei den Frauen war. Aber er schien besonders zu seiner Schwester – Amara - ein enges Verhältnis zu haben. Sie hatte ebenfalls in London studiert und wäre gerne dortgeblieben, was die Familie aber nicht erlaubte. Sie sei seit ihrer erzwungenen Rückkehr sehr unglücklich. Das war untypisch, nach Florance‘ Erfahrung, warum erzählte er ihr so viel von seiner Schwester Amara, wenn er sie doch offensichtlich anbaggern wollte. Florance war auf der Hut, dass sein Flirten nicht zu weit ging, denn mit einer Zurückweisung hätte sie ihre Verhandlungsposition geschwächt. Sie benötigte seinen Goodwill. Er kam aber auf Umwegen immer wieder auf Amara zu sprechen, wie wenn er ein Anliegen hätte, das er aber nicht direkt ansprechen konnte oder wollte. Zumindest so erschien es Florance, die nach zwei Gläsern dieses köstlichen Weines schweren Herzens auf Wasser umgestellt hatte und langsam in den „Business-Mode“ umschaltete. Mag das der Grund sein, dass sie ihrem Gesprächspartner nicht so aufmerksam zuhörte, wie sie das normalerweise tat, jedenfalls liess sie Hamza etwas irritiert zurück. Sie entschuldigte sich, um sich vor dem Meeting nochmals frisch zu machen.
Florance staunte nicht schlecht, als sie Hamza im traditionellen Gewand - der Dishdasha – an der Seite seines Onkels, wie sie beim Lunch erfahren hatte, den Meetingraum betrat. Offenbar erwartete er das von seinem Neffen und Assistenten. Ein Zeichen, dass es hier noch sehr traditionell zu und herging, trotz Ausbildung an westlichen Eliteschulen. „As-salamu alaykum.“
„Waalaykum as-salam.“
Und auch die Nachfrage nach der Gesundheit gehört dazu.
„Al-hamdu-lillah.“ Der Friede und Gott wurden damit nach lokaler Tradition würdig angesprochen, es konnte Tee serviert werden.
Nach den Begrüssungsritualen und der Übergabe der Geschenke kam man erfreulich zügig zum geschäftlichen Teil.
Erwartungsgemäss wurde die meiste Zeit, über die Ausgestaltung des Nachtclubs diskutiert. Wobei Florance sich hauptsächlich Notizen machen musste und gelegentlich eine Zusammenfassung, um sich die geäusserten Wünsche nochmals bestätigen zu lassen. Man war noch immer in der Ideen-Phase, obschon die Vorschläge der Kreativen auf Interesse stiessen. Die persönliche Mitwirkung des Scheichs schien ihm wichtig. Florance vermutete, er würde später zu seinen zukünftigen Gästen sagen, die Ausgestaltung sei unter seiner Regie entstanden. Soll es das, er war der Kunde.
Der Vertrag wurde nur kurz durchgegangen, das Interesse war auf Kundenseite eher gering. Sie beschränkte sich auf die Eckpunkte und die wichtigsten Beträge der zweiten Bauphase. Man hatte die Beträge bereits früher ausgehandelt. Der Scheich nahm den unterschriftsreifen Vertrag entgegen und sagte, er würde ihn von seinen Finanzleuten prüfen lassen und morgen unterschreiben.
Als Florance den Vertrag mit dem Kunden durchging, hatte sie ein eigenartiges Gefühl. Zum einen kamen ihr die Beträge zum Teil fremd vor, aber da schwang noch etwas anderes mit, das sie nicht benennen konnte. Ein Bauchgefühl, das sie als logisch und rational Denkende verwirrte. Bauchgefühlen mass sie nur im zwischenmenschlichen Bereich Bedeutung zu, nicht aber bei Projekten und Zahlen. Wofür hatte man denn die Fakten, Berechnungen und Kalkulationen! Diese konnte man jederzeit auf ihre Richtigkeit sachlich überprüfen. Eine innere Unruhe stieg in ihr auf, die sie nicht zuordnen konnte. Sie versuchte, sich zu beruhigen, sie und die Finanzabteilung hatten die Beträge mehrmals überprüft. Das konnte also gar nicht sein. Sie schob die Bedenken wie eine lästige Fliege beiseite und versuchte, andere Gedanken zu fassen.
Hazam fragte gleich nach der Besprechung, ob er sie gegen zehn Uhr in der Hotelbar empfangen dürfte, um das angenehme Gespräch vom Lunch fortzuführen.
Mit äusserstem Bedauern erklärte sie ihm, dass sie noch zu arbeiten hätte, aber beim nächsten Mal gerne darauf zurückkommen würde. Sie befürchtete, seine Flirterei könnte sie zunehmend in Bedrängnis bringen. Sie verabschiedete ihn mit äusserster Höflichkeit und gespieltem Bedauern. Seine Verärgerung war ihm bei aller Korrektheit deutlich anzusehen. Florance wollte sich unbedingt im SPA entspannen, das hatte sie sich verdient. Vom Zimmer aus reservierte sie eine Massage und ein Beautypaket zu einem exorbitanten Preis. Dann machte sie sich auf, in die Wellness-Etage und wurde sogleich von diesem typischen Wohlgeruch, der diesen Spas eigen ist, eingelullt. Sie schwamm vor der Massage im Pool, von dem man beim Schwimmen die traumhafte Aussicht geniessen konnte. Der Pool reichte bis zur Fensterfront, man konnte auch unter Wasser durch die Scheiben sehen. Es sah aus, als würde er dort nur durch die Fensterscheibe vom Ausfliessen gehindert. Was nicht sein konnte, wie sie wusste. Es gingen ihr noch ein paar technische Knackpunkte durch den Kopf, die der Ingenieur einkalkulieren musste. Sie war froh, so eine gewagte Konstruktion nicht selbst verantworten zu müssen.
