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Außerirdische vom Orionnebel sind neugierig auf die Erdenbewohner, auf ihre Moral, Technik und Medizin. Als sie zum zweiten Mal auf der Erde landen, werden sie mit einer Querschnittslähmung nach einem Unfall konfrontiert. Sie können helfen. Aber von drei Laufspritzen wird eine gestohlen. Der Arzt muss fliehen, taucht ab, und erfährt 17 Jahre später, was mit der gestohlenen Spritze passiert ist. Am Ende steht eine ganz große Versöhnung.
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Seitenzahl: 82
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Die Laufspritze
Teil 3 der Romanserie Die Außerirdischen
Wir schreiben das Jahr 2030. Ein Freitagnachmittag. Jens, 18 Jahre alt, und Inga, 17 Jahre alt, schlendern gerade verliebt über den Fortunaplatz in Hoym. Da landet ein Ufo hinter ihnen. Es sieht aus wie das Ufo, das schon vor 6 Jahren mal hier war. Aber es ist nicht beschmiert. Entweder wurde es inzwischen gereinigt, oder es ist ein baugleiches anderes Ufo. Vor 6 Jahren hatten Anwohner das Ufo vorne mit "Aquarius" und hinten mit "Schlepperbande" besprüht.
Die Ufo-Tür geht auf und 3 Außerirdische steigen aus. Sie haben ganz grüne Haut mit grünen Noppen dran. 2 davon waren vor 6 Jahren schon einmal hier. Der dritte Außerirdische ist zum ersten Mal hier. Er ist jünger als die anderen. Er will eine Doktorarbeit über die moralischen, technischen und medizinischen Unterschiede zwischen den Menschen und den Orionanern anfertigen. Die Außerirdischen kommen vom Orionnebel.
"Hallo", sagt einer der älteren Außerirdischen zu dem verliebten Päärchen. "Hallo", antwortet Jens. "Ihr wart doch schon mal hier. Da waren wir noch kleiner. Damals habt ihr das Handy von Minister Seehofer auf einen Meter Höhe vergrößert, weil wir unbedingt einen Zeichentrickfilm darauf sehen wollten und das Display zu klein war", erzählt Jens. "Und was habt ihr diesesmal vor?" fragt Jens weiter. Der jüngere Außerirdische erklärt, was für eine Doktorarbeit er anfertigen will, und sagt weiter: "Dann macht ihr zwei mal einen Vorschlag!" Jens wartet kurz, ob die anderen Außerirdischen etwas dagegen haben, dann stupft er Inga und sagt zu ihr: "Na, sag schon, was dich bedrückt."
Szenenwechsel.
Das Gesicht von Inga erscheint im Fokus, und die Szene zeigt, was in ihr vorgeht.
Bei Inga zuhause. Frau Ganter ist Ingas Mutter. Sie sitzt im Rollstuhl. Neben ihr steht eine Staffelei. Frau Ganter malt gerade mit Ölfarben ein Landschaftsbild. Sie fasst Ingas Hand und versucht, auf Inga einzuwirken. "Inga, glaub mir, der Jens ist nichts für dich. Der Jens stammt aus einer Akademikerfamilie. Das sind ganz vornehme Leute, Snobs eben. Diese Leute machen nur die vornehmsten Arbeiten. Niemals machen sie sich die Finger schmutzig." Frau Ganter zeigt ihre Hände. Sie weisen Flecken der verwendeten Ölfarben auf. "Wir sind eine Handwerker- und Künstlerfamilie. Und du willst doch später auch mal Kinder bekommen. Das muss doch alles zusammenpassen!" - Inga reagiert verärgert und brüllt: "Willst du jetzt Romeo und Julia aus uns machen?"
Szenenwechsel. Zurück zum Fortunaplatz. Jens hatte seine Inga gerade angestupft und sie aufgefordert, auszusprechen, was sie bedrückt.
"Meine Mutter sitzt im Rollstuhl. - Und der Porschefahrer, der sie angefahren hat, ist ausgerechnet der Arzt hier am Ort. Hohen Blutdruck und Fußpilz kann er heilen, aber meine Mutter nicht. Ich war noch ganz klein, als der Unfall passiert ist." erzählt Inga.
Szenenwechsel.
Eine Kolonne LKW's fährt auf einer Autobahn. Zwischen dem vordersten und dem zweiten LKW schert ein kleines Auto aus auf die linke Spur. Von hinten kommt ein Porsche angebraust, der alle LKW's auf einmal überholen will. Der Porschefahrer ist in Gedanken versunken. Als er das kleine Auto endlich bemerkt, ist es schon zu spät. Er fährt auf, ein schwerer Unfall passiert.
Szenenwechsel. Zurück zum Fortunaplatz.
Der jüngere Außerirdische fragt: Was ist denn ein Rollstuhl?" - Die anderen beiden Außerirdischen mischen sich nicht ein. Vielleicht wissen sie es auch nicht. "Meine Mutter kann nicht laufen. Sie sitzt den ganzen Tag in einem Stuhl mit Rädern zum Schieben, und ihre Beine hängen nur noch herum." Jens fügt hinzu: "Der Porschefahrer wollte sich damals das Leben nehmen wegen seiner Schuld. Schließlich ist er Arzt und der Gesundheit verpflichtet." "Und dann?" fragt einer der älteren Außerirdischen. Jens erzählt weiter: "Die Leute hier am Ort haben ihn überredet, da zu bleiben. Wir haben ja sonst hier keinen Arzt. Er musste aber versprechen, dass er nie mehr Porsche fährt." Inga fügt hinzu: "Und er hat nie geheiratet. Er hat immer gesagt, er sei nicht lustig genug für eine Frau." "Und was ist nun ein Porsche?" fragt der jüngere Außerirdische. "Na, ein Angeberauto", sagt Jens.
"Wir würden uns diesen Rollstuhl gerne mal anschauen", sagt einer von den älteren Außerirdischen. "Auf dem Orionnebel gibt es so ein Gerät ganz bestimmt nicht."
Jens läuft voraus in Richtung des Hauses der Ganters, die anderen laufen hinterher. Als sie sich dem Haus nähern, übergibt Inga Jens ihren Schlüsselbund und weist auf den Hausschlüssel hin. Jens schließt die Haustür auf und geht direkt ins Wohnzimmer, den Schlüsselbund sichtbar in der Hand. Die anderen warten draußen.
Frau Ganter malt gerade an ihrem Landschaftsbild, als Jens hereinkommt. "Können Sie auch mal ein Ufo malen?" fragt Jens. Frau Ganter ist empört. "Also, wenn ich laufen könnte, dann würde ich dich jetzt mit eigenen Händen und Füßen heraustragen!", schimpft sie. "Hans, kommst du mir mal bitte zu Hilfe!" ruft sie nach Herrn Ganter, dem Vater von Inga.
Herr Ganter, der Jens auch nicht leiden kann, betritt das Wohnzimmer. Frau Ganter beschwert sich über ihn: "Der Jens verlangt von mir, dass ich ein Ufo malen soll", schimpft sie. Herr Ganter fragt Jens: "Womöglich noch mit dir und Inga, wie ihr gerade vor dem Ufo posiert und Ringe tauscht ? - Und überhaupt, wie bist du hereingekommen, und wo ist Inga?"
Jens wedelt mit dem Schlüsselbund in der Hand, dann winkt er nach draußen. Inga provoziert. Sie nimmt den jungen Außerirdischen an der Hand und schreitet mit ihm durch den Flur ins Wohnzimmer. Die anderen beiden Außerirdischen folgen.
Herr Ganter sortiert seine Gefühle. Er ist wütend und erschrocken, und dennoch muss er lachen. "Willst du uns jetzt erpressen, Inga? Wenn du den Jens nicht bekommst, dann brennst du mit einem Marsmenschen durch?" fragt er Inga. Inga lässt die fremde Hand los und sagt dann kleinlaut: "Er hat mich gefragt, was ein Rollstuhl ist."
Herr Ganter überlegt kurz und antwortet dann: "Wenn es auf dem Mars keinen Rollstuhl gibt, dann liegt das daran, dass Ferdinand Porsche auf der Erde und nicht auf dem Mars geboren wurde." Die Außerirdischen unterhalten sich kurz in ihrer Sprache, dann sagt einer von den älteren: "Nicht nur. Auch auf dem Orionnebel passieren Unfälle. Aber Nervendurchtrennungen heilen rasch wieder ab, und falls nicht, dann injiziert ein Arzt eine Nervenwachstumsmixtur, und dann wachsen die Nerven gleich wieder zusammen."
"Alle Mann in Deckung, Herr Ganter explodiert gleich vor Eifersucht", ruft Jens. "Wo du recht hast, hast du recht", knurrt Herr Ganter.
Ein Außerirdischer holt sein Smartphone aus der Tasche und telefoniert mit seiner Basisstation auf dem Orionnebel. "Bitte warten Sie", sagt er zu den Ganters. Schließlich bekommt er eine Rückmeldung von seiner Basisstation und schlägt vor: "Wir können eine solche Injektionslösung per Telefax anfordern. Aber wir brauchen dazu eine irdische Spritze und Kanüle, denn wir haben eine völlig andere Haut als irdische Menschen. Dann können wir ausprobieren, ob dieser Cocktail auch bei irdischen Menschen wirkt."
Herr Ganter ist erstmal sprachlos. "Ich fahre mal zu Dr. Straßer. Vielleicht bekomme ich dort sowas." sagt er, verlässt das Haus, setzt sich in sein Auto und fährt zur Arztpraxis. "Ist das der Unfallfahrer?" fragt der junge Außerirdische. "Ja," antwortet Frau Ganter.
Szenenwechsel. Praxis Dr. Straßer, Hoym.
Herr Ganter betritt die Arztpraxis und setzt sich ins Wartezimmer. Es ist frühabends, drei Patientinnen sind noch da, zwei ältere und eine jüngere. Die Sprechstundenhilfe bemerkt, dass Herr Ganter ohne Termin erschienen ist, und fragt ihn: "Darf ich Ihnen einen Termin geben? Um was geht es denn?" - "Es geht um meine Frau. Bei uns sind drei Marsmenschen zu Besuch. Sie wollen meiner Frau eine Cocktail spritzen, damit sie wieder laufen kann. Aber sie wollen dafür eine irdische Spritze mit Kanüle." antwortet Herr Ganter.
Die Sprechstundenhilfe ist verunsichert. Erstmal geht sie an einen Schrank und entnimmt daraus eine Spritze und eine Kanüle. Dann nähert sie sich Herrn Ganter und fragt: "Aber wäre es denn da nicht besser, wenn jemand von uns die Spritze verabreichen würde, am besten der Herr Doktor selbst?"
Ein Raunen geht durch das Wartezimmer. Die beiden älteren Patientinnen kennen Frau Ganter und wissen, dass sie im Rollstuhl sitzt und dass Herr Dr. Straßer den Unfall verursacht hat. "Späte Wiedergutmachung", sagt die eine Patientin. "Um was geht es denn da?" fragt die jüngere Patientin. Die andere ältere Patientin erzählt: "Na um den Unfall zwischen Dr. Straßer und Frau Ganter. Ewig her. Inga war damals noch ganz klein. Heute turtelt sie schon und muss aufpassen, dass sie nicht schwanger wird." "Fünfzehn Jahre", sagt Herr Ganter, der es genau weiß.
Die Sprechstundenhilfe drückt zum ersten Mal in ihrer beruflichen Laufbahn den roten Knopf, der dem Arzt im Sprechzimmer signalisiert, dass im Wartezimmer ein Notfall vorliegt.
Szenenwechsel. Sprechzimmer Dr. Straßer.
Dr. Straßer bespricht gerade mit seiner Patientin eine Ultraschall-Aufnahme ihrer Gallensteine, da erscheint eine Meldung auf einem Display. "Notfall im Wartezimmer." "Meine Gallensteine können warten," sagt die Patientin. Dr. Straßer öffnet die Tür zwischen Sprechzimmer und Wartezimmer. Die Sprechstundenhilfe hat noch immer eine Spritze und eine Kanüle in der Hand und zeigt auf Herrn Ganter. "Bei mir sind 3 Marsmenschen zu Besuch, die wollen meiner Frau eine Spritze geben, damit sie wieder laufen kann, aber sie verlangen eine irdische Spritze dafür. Sie haben eine grüne Haut mit ganz vielen Noppen, ganz anders als wir," berichtet Herr Ganter aufgeregt.
"Wenn das klappt, dann feiern wir ein Stadtfest, und dann werden Sie dazu verurteilt, endlich zu heiraten", sagt eine ältere Patientin aus dem Wartezimmer. "Ach deshalb ist Dr. Straßer single geblieben", sagt die jüngere Patientin neben ihr.
Die Sache ist Dr. Straßer sichtlich peinlich. "Hat jemand akute Schmerzen?" fragt er ins Wartezimmer hinein. Alle winken ab. "Bringen Sie mir bitte meinen Notfallkoffer," fordert er die Sprechstundenhilfe auf. Diese reicht ihm den Koffer. Dr. Straßer öffnet den Koffer und murmelt: "Ja, Haldol ist auch drin. Vielleicht ist ja der Wunsch der Vater des Gedankens." Nichtsdestotrotz nimmt er die Spritze und Kanüle aus der Hand seiner Sprechstundenhilfe, legt sie in den Koffer und setzt sich dann zu Herrn Ganter ins Auto und lässt sich zum Haus der Ganters chauffieren.
Dort angekommen, finden sie Frau Ganter im Rollstuhl, Jens und Inga und drei Außerirdische vor. Frau Ganter hat inzwischen eine Bleistift-Skizze von einem Ufo mit Inga und Jens davor angefertigt. Herr Ganter ist wütend darüber. "Wenn du das mal nicht bereust", ruft er Jens zu, der das Bild angeregt hat. Jens hält siegessicher seinen Daumen nach oben.
Dr. Straßer stellt sich verlegen vor. "Dr. Straßer mein Name, auch als Raser und Unfallfahrer bekannt." Zaghaft öffnet er seinen Arztkoffer und präsentiert die Spritze und die Kanüle, die er mitgebracht hat. Ein Außerirdischer streckt die Hand aus und Dr. Straßer überreicht ihm die Utensilien. "Bis in etwa einer Erdenstunde sind wir wieder da", sagt er, dann gehen die Außerirdischen zum Ufo.
