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Sind Sie fasziniert von der geheimnisvollen Welt der schottischen Highlands, wo Männer im Rock mit todernster Mine und größtem Krafteinsatz Baumstämme werfen oder sich bei melancholischer Dudelsackmusik ihrem Wasser des Lebens, dem Whisky, hingeben? Begleiten Sie Conner auf seinem Weg vom Lämmchen zum Widder, der allen bösen Omen trotzt und ein (sa-)tierisch wahrer Schotte wird: Highland Games, Traditionen leben und sich verlieben … Spannung, Gänsehaut und Schmunzeln garantiert.
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Seitenzahl: 93
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Buch
Die Legende von Conner MacSheep erzählt mit einem ironischen Augenzwinkern aus dem Leben eines sehr menschlichen Schafes und seiner Herde in den schottischen Highlands. Trotz unheilvoller Omen bei seiner Geburt verlebt er eine glückliche Kindheit. Als Teenager beweist er sich bei den alljährlich stattfindenden Highland Sheep Games und verliebt sich. Doch dann treten die befürchteten Prophezeiungen ein … Die Geschichte entführt in die wundersame Welt der schottischen Highlands mit ihren Traditionen, ihren Legenden und ihren liebenswerten tierischen und menschlichen Bewohnern. Sie wurde erdacht und aufgeschrieben fürLeser, die trotz Gänsehaut und Spannung gerne auch schmunzeln.
Autor
Elfi Schöniger, Jahrgang 1955, lebt und arbeitet naturnah im Taunus. Sie ist glücklich verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.
Seit 1992 veröffentlicht sie Kindergeschichten, die durch ihre eigene Familie und ihre Umgebung inspiriert sind. Meist, wie auch in diesem Buch, illustriert sie ihre Geschichten selbst.
weitere Bücher:
Die Legende von Conner MacSheep als Hardcover ISBN: 9783940712110 und in der »Schottland-Kiste«
Die Legende von Conner MacSheep als Graphic Novel ISBN: 9783940712165
sowie als eBook und
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die in diesem Buch erzählte Legende ist meiner Fantasie entsprungen. Die Namen der schottischen Städte und Landschaften sind echt. Ich habe sie jedoch geografisch an die Geschichte angepasst und sie mit fiktiven Gebäuden ausgestattet sowie frei erfundenen Menschen und Tieren bevölkert.
Allerdings ist jeder der genannten Orte eine persönliche Entdeckung wert. Und die realen Einwohner werden Ihnen mindestens genauso gut gefallen, wie die erdachten.
Fàilté - Willkommen in Schottland
Ihre
Elfi Schöniger
PS: Ich habe irgendwo gelesen, dass nach einer alten Überlieferung schottische Schafe angeblich sprechen können, weil man in grauer Vorzeit ihre Knochen benutzte, um in die Zukunft zu sehen und aus ihrem Leder den Bag (Sack) für dieses seltsame Musikinstrument fertigte, die Great Highland Bagpipe. Also ...
Der Anfang
Conners Kindheit
Fairy Glen
Highland Sheep Games
Der erste Vollmond
Neue Erkenntnisse
Zurück nach Bettyhill
Mondschein und November-Blues
Ereignisreicher Dezember
Weihnachten und Sylvester
Epilog
Mitwirkende der MacAngus-Herde
Mitwirkende der befreundeten Herde aus den Grampian Mountains
Conners Vollmondfavoriten
Shortbread
Cranachan
Scottish Tablet
Whisky-Trüffel
Whisky-Honig
Dunkelgraue Wolken verdeckten den Großteil des Abendhimmels. Nur hier und da blinkte ein Stern. Es war kalt, und der Frühling ließ auf sich warten. Der Wind pfiff durch sämtliche Ritzen des Pferches. Alle Schafe standen dicht gedrängt zusammen und beäugten das neue Herdenmitglied. Caitlin, die frischgebackene Mutter, leckte und liebkoste ihr Lämmchen. Mit kleinen Nasenstübern drängte sie es, aufzustehen. Die Umstehenden unterstützen mit freundlichem Geblöke.
Endlich hatte er es geschafft: Breitbeinig stand er da. Er zitterte vor Kälte, aber in seinen Augen glommen bereits winzige Feuer aus Neugier und Lebenslust. Er hob seinen Kopf und verkündete seine Anwesenheit auf dieser Welt mit einem laut vernehmbaren ‚Bäääh‘. Dann suchte und fand er seine ganz spezielle Futterquelle und widmete sich ihr hingebungsvoll.
»Glückwunsch Caitlin! Was für ein niedliches Lämmchen! Und so kräftig!«, lobten die Umstehenden laut. Viel leiser wurden unfreundliche Mutmaßungen über den Vater geraunt. Besonders intensiv widmete sich Olivia, ein altjüngferliches Schaf, dem bösartigen Tratsch.
»Hast du sein Fell gesehen? Und wie seine Augen leuchten?«, raunte sie ihrer Schwester zu.
Ellie nickte bedächtig. Antworten konnte sie nicht, dafür war ihr Maul zu voll. Sie liebte Fressen über alles.
Olivia setzte ihr ICH-WEISS-BESCHEID-Gesicht auf und unkte: »Der wird bestimmt noch viel Ärger machen!« Dann ergänzte sie mit mitleidsvollem Blick: »Die aaarme Caitlin!«
Ellie nickte wiederum und kaute genüsslich weiter. Da von ihr kein vernünftiger Gesprächsbeitrag mehr zu erwarten war, wandte sich Olivia an Janet: »Ein Lamm mit grünen Augen und Löckchen, das darf es doch gar nicht geben!«
Die sonst nicht viel beachtete Janet freute sich sichtlich über die ihr erteilte Aufmerksamkeit und ergänzte Beifall heischend: »Heute ist Vollmond!«
Olivia erkannte dies sofort als weiteres Omen und orakelte boshaft:
Ellie fiel vor Schreck das Heu aus dem Maul: »Du glaubst, das Lämmchen ist gar kein Lämmchen? Was ist es denn sonst?«
Plötzliche Stille. Alle Schafe starrten sie an. Olivia straffte ihren hageren Körper unter den fragenden Blicken und sagte forsch: »Das weiß doch wohl jeder! Bei Vollmond ist allesmöglich!« Sie hob ihren Kopf und blickte herausfordernd in die Runde.
»Und was bitte soll dieses alles sein?«, fragte Caitlin kämpferisch mit erhobener Stimme.
»Darüber will ich nicht reden«, antwortete Olivia spitz, »aber ich weiß, was ich weiß«, ergänzte sie endgültig und wandte sich ab.
»Ja, und ich weiß, dass du überhaupt nichts weißt!« entgegnete Caitlin trotzig, doch ihre Augen füllten sich mit Tränen. ‚So eine gemeine Ziege!‘, dachte sie. Diese alte Jungfer war doch nur neidisch. Sie drehte sich zu ihrem Lämmchen und leckte liebevoll sein Köpfchen.
»Lass‘ sie nur reden. Ich liebe dich und deinen Vater auch. Eines Tages wirst du genauso stark und mutig sein wie er. Dann werden sie dich bewundern und der böse Tratsch wird sich in Luft auflösen«, flüsterte Caitlin.
Für einen Augenblick träumte sie vor sich hin, dann seufzte sie tief. Mit glänzenden Augen betrachtete sie ihr Lämmchen und sagte feierlich: »Du sollst seinen Namen tragen: Conner! Conner MacSheep vom Clan der MacSheep. Ein Name, auf den du stolz sein kannst.«
Doch Conner interessierte sich noch nicht für Ruhm und Ehre. Stattdessen schlief er bereits satt und zufrieden im silbernen Licht des Vollmondes.
Der Rest der Herde hatte sich längst zur Ruhe begeben. Die meisten hielten sich sowieso zurück, wenn es Streit gab. Aber sich bei etwas einzumischen, das man viel lieber gar nicht erst wissen wollte, war einfach nur dumm. Deshalb waren sie mehr als bereit, das Gehörte sofort wieder zu vergessen.
In den nächsten Tagen und Wochen hatte Conner nur vier Bedürfnisse: Fressen, Schlafen, Herumtollen und Antworten finden. Mit anderen Worten: Er fragte allen Schafen der Herde Löcher in den Bauch. Von morgens bis abends tönte es: »Warum scheint die Sonne nur am Tag? Weshalb schmeckt Erikakraut so bitter? Warum können Schafe nicht fliegen? Wieso macht der Ginster meine Nase gelb? Kann man auch im Stehen schlafen? Woher kommt der Wind? Wieso gibt es keine bunten Schafe? Kann man …?« Dabei schaute er sein Opfer treuherzig an.
Immer hörte er aufmerksam zu. Manche Antworten ließen seine Augen blitzen, einige erforderten weitere Fragen. Viele Herdenmitglieder gaben bereitwillig und ausführlich Auskunft, andere weniger.
Wie man es auch betrachtete, Conner war trotz seiner enormen Neugier bei allen gern gesehen. Das anfängliche Getuschel war verstummt, und solange nichts Ungewöhnliches geschah, würde es auch so bleiben. Ja, so manches Schaf ließ sogar ein Büschel besonders leckerer Kräuter für ihn stehen. Conner gedieh prächtig.
An einem herrlichen Frühsommertag brach Schäfer Adam mit der Herde zu einer anderen Weide auf. »Wir machen Ferien im Fairy Glen!«, seufzte Ellie beglückt und verdrehte die Augen. Ihr inneres Kino versprach saftige Weiden, reichlich Platz und himmlische Ruhe.
»Ja, ja«, sagte Olivia, zupfte an einem Ginsterstrauch und wiegte bedeutungsvoll ihren Kopf. »Nur ist es dort wirklich einsam, besonders nachts.«
Ellie stutzte: »Aber das ist doch gerade das Beste. Kein Schäfer, keine Hunde, den lieben langen Tag fr ..., - äh, hm, … tun, was wir wollen.«
»Fressen! Sag‘ es nur! Das ist doch das Einzige, was dich interessiert.«
»Ach komm schon, Olivia. Was bedrückt dich denn so?« fragte Ellie gutmütig.
»Das kann ich Dir jetzt nicht erzählen«, zierte sich Olivia. »Aber die Gefahr ist nicht vorüber, im Gegenteil. Sie wächst mit jedem Tag – und plötzlich wird er zuschlagen, wenn niemand mehr damit rechnet. Ich jedenfalls kann mich noch gut an seinen Vater und Großvater erinnern. Und ich möchte keinem von beiden im Mondschein begegnen. Auch wenn Ihr alle ganz vernarrt seid in Conner – ich bleibe auf jeden Fall wachsam.«
Und um ihre Gründlichkeit zu beweisen, warf Olivia sofort einen Kontrollblick nach hinten, wo sie Conner vermutete. Leider übersah sie dadurch einen Felsbrocken auf ihrem Weg und landete auf ihrem wenig gepolsterten Hinterteil. Ellie hatte es kommen sehen. So leid ihr die stöhnende Olivia auch tat, Ellie kicherte schadenfroh. Olivia warf ihr einen tief gekränkten Blick zu und stapfte weiter.
Conner konnte unterdessen seine Neugier kaum bezähmen. »Wie ist es im Fairy Glen? Ist es noch weit zu laufen? Gibt es da einen See? Sind da viele Schafe? Haben wir dort einen Stall oder schlafen wir draußen?«
»Du meine Güte, so viele Fragen! Ich fürchte, Du wirst abwarten müssen, bis wir da sind«, lachte Caitlin. Conner sprang übermütig herum und rempelte gleich mehrere Schafe.
»Hoppla, junger Mann, nicht so stürmisch«, wies Janet ihn freundlich zurecht.
»Entschuldige, Tante Janet, aber ich bin ja so aufgeregt! Ich war noch niemals von hier fort. Aber Mummy meint, ich müsse es abwarten! Das kann ich nicht!« Conner hüpfte aufgeregt herum.
‚Tante Janet‘, hatte er gesagt. Eine Welle des Glücks durchlief das betagte Schaf. Errötend setzte sie zu einer pädagogisch wertvollen Antwort an, aber Conner war bereits in der Menge verschwunden. »So ein lieber Junge«, dachte sie. »Olivia muss sich einfach irren. Und falls nicht – irgendwann verlieren die alten Flüche bestimmt ihre Wirksamkeit.«
Und so brachen sie auf.
Das Fairy Glen1 war noch viel wunderbarer, als Conner es sich auf dem Weg vorgestellt hatte. Hügel in sattem Grün und Purpurrot waren durchsetzt von wild auf- und nebeneinanderliegenden Felsbrocken und malerisch verteilten Birken. Doch das Schönste war der See. Seine Wasseroberfläche glänzte geheimnisvoll wie ein bronzener Spiegel und auf einer Halbinsel im Westen erhob sich eine Burgruine. Soweit das Auge reichte, erstreckte sich die herrlichste Blumenwiese, die Conner je gesehen hatte. Er war überwältigt.
Bis zum Abend lief Conner ungewöhnlich schweigsam hinter seiner Mutter her. Erst als sie einen Schlafplatz neben einem Felsblock gefunden hatten, fand Conner seine Sprache wieder. »Warst Du schon einmal hier? Erzählst Du mir etwas über die Burg und den See, Mummy?« Und mit beinahe hellseherischer Sicherheit fügte er hinzu: »Hat es Daddy hier auch gefallen?«
Caitlin nickte.
»In diesem Tal habe ich deinen Vater kennengelernt.« Sie schaute verträumt zum See. »Wir waren schon einige Tage hier, als er plötzlich eines Abends vor mir stand. Er zeigte mir Dun Eagle2, die Burgruine, und erzählte mir ihre Geschichte. In den nächsten Tagen und Wochen waren wir unzertrennlich. Wir erkundeten die Gegend und waren sehr verliebt. Er war immer fröhlich und freundlich, doch dann war er genauso überraschend verschwunden, wie er aufgetaucht war.« Caitlins Stimme wurde rau. »Da sagten die Anderen, es sei etwas nicht in Ordnung mit ihm. Ja, manche haben sogar behauptet, es läge ein Fluch auf ihm. Und all das nur, weil es Vollmond war, als er verschwand. So ein abergläubischer Blödsinn.« Nach einer Weile fügte sie hinzu: »Doch selbst wenn es so wäre, ändert es nichts daran, dass ich ihn immer noch liebe.«
Die nächsten Tage verbrachten sie damit, die neue Weide zu erkunden. Insbesondere Conner war nicht zu bremsen. Er fühlte sich wie ein großer Entdecker und kam oft erst mit Einbruch der Dunkelheit zur Herde zurück.
