Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Eine junge Abenteurerin, im China des 16. Jahrhunderts, muss bei ihrer Heimkehr erfahren, dass eine Katastrophe ihr Dorf verwüstet hat. Die Leiche des Schamanen ist verschwunden und keiner weiß, was geschehen ist. Im Zuge der Nachforschungen entdeckt sie ein gut gehütetes Geheimnis und das größte Abenteuer ihres Lebens beginnt. Wird sie den radikalen Einschnitt in ihr bisheriges Leben ohne Schaden meistern können?
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 379
Veröffentlichungsjahr: 2017
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Der Legende Vorwort
Der Legende erster Teil: Das Unwetter
Der Legende zweiter Teil: Die Suche
Der Legende dritter Teil: Der Zugang
Der Legende vierter Teil: Der Neubeginn
Der Legende fünfter Teil: Das neue Reich
Der Legende sechster Teil: Der Aufbau
Der Legende siebter Teil: Der Palast
Der Legende achter Teil: Die Schlacht
Der Legende neunter Teil: Der Zusammenbruch
Der Legende zehnter Teil: Die Rückkehr
Der Legende Glossar
Eine Frau, deren Leben in wenigen Augenblicken völlig auf den Kopf gestellt wird… daran ist doch nichts besonderes, werden Sie denken und Sie haben im Prinzip recht, verhielte es sich nicht so, dass sich besagte junge Frau, Ende des 16. Jahrhunderts in China befindet.
Xian Li (gesprochen: Schian Li), so ihr Name, hatte schon diverse Abenteuer in ihrem Leben bestritten und war der Ansicht, mit allen Wassern gewaschen zu sein, doch dann geschah etwas Unerwartetes…
… aber das lesen Sie besser selbst!
Ein paar einleitende Worte sollen Ihnen, werter Leser, den Einstieg in dieses Buch erleichtern, damit Ihrem Lesevergnügen nichts im Wege steht.
Das Buch ist im sogenannten Short-Story-Stil geschrieben. Das heißt, jeder Teil ist eine eigene Kurzgeschichte (Short Story). Die einzelnen Kapitel sind in sich abgeschlossen, aber erst alle zusammen ergeben die Handlung. Wobei die Bezeichnung „Kurzgeschichte“ den Stil und nicht die Länge der Kapitel definiert. Ereignisse werden kürzer und prägnanter erzählt, als im Romanstil. Eine mehrseitige Beschreibung, wie ein Weg zurückgelegt wird, oder wie die Bäume im Wald rauschen, wird man hier vergebens suchen.
Zu vielen Begriffen steht eine kurze Erklärung in einer Fußnote. Wer an genaueren Informationen interessiert ist, findet im Anhang des Buches eine Übersicht (das Glossar). Das gilt für alle Begriffe, die in DIESER besonderen Schriftart dargestellt sind.
Nun wünsche ich Ihnen spannende Lesestunden!
Ihr Steve Erun. Wien, 2017
Die Sonne brannte unbarmherzig auf die Wüste herab, die Luft flirrte vor Hitze und man würde nicht erwarten, in dieser Gegend jemanden anzutreffen. Und doch bewegte sich eine Gestalt auf den Rand der Wüste zu. Ihr schwarzes Gewand flatterte im heißen Wüstenwind und der große Bambushut war tief ins Gesicht gezogen. Auf den ersten Blick konnte man daher nicht erkennen, ob es ein Mann oder eine Frau war, die sich den Weg durch diese unwirtliche Einöde bahnte. Wang Xian Li konnte das nur Recht sein, schließlich musste nicht jeder gleich wissen, dass er es mit einer jungen Frau zu tun hatte. Sie war jetzt auf dem Rückweg in ihr Dorf, am Fuße des TIAN SHAN-Gebirges. Viele Wochen war sie fort gewesen, um die TAKLAMAKAN-Wüste zu erkunden.
Doch wie kam eine junge Frau überhaupt dazu, wochenlang durch die lebensfeindliche Wüste zu wandern? Sie war eine Abenteurerin, die stets neue Herausforderungen suchte und so wagte sie sich dorthin, wo sich sonst niemand hintraute. Ihr Äußeres schien jedoch so gar nicht dem zu entsprechen, wie man sich eine Abenteurerin vorstellte. Sie war weder besonders groß, noch schien sie kräftig oder muskulös zu sein. Mit ihren streng zurückgekämmten Haaren, die hinten zu einem Knoten gebunden waren, wirkte sie eher wie eine junge Ehefrau, die ihre Tage damit verbringt auf kleine Kinder aufzupassen und einen Haushalt zu führen. Wer sie jedoch näher betrachtete, würde feststellen, dass ihre disziplinierte, grade Körperhaltung und ihre Art zu gehen, dem widersprach und eher auf eine trainierte Kämpferin hinwies. Auch wenn sie diese, wegen der Sonnenglast, fast geschlossen hatte, entging ihren wachen braunen Augen kein Detail ihrer Umgebung.
Xian Li liebte die Einsamkeit und genoss es, wenn sie lange niemandem begegnete. Zwar war sie beileibe keine Einsiedlerin, doch ertrug sie die Nähe vieler Menschen nicht allzu lange. Dann musste sie wieder eine Zeit lang allein sein. Aber eine junge Frau, die ganz allein durch das Land zieht, dass sie mit Banditen, Wegelagerern und anderen Subjekten teilt, die sich eine allein reisende Frau gern einmal »näher« ansehen würden? Nun, sie hatte gelernt, auf sich selbst aufzupassen. Wenn ihr unfreundliche Zeitgenossen begegneten, die der Ansicht waren, dass eine junge Frau eine leichte Beute sein müsste, so hatten die Angreifer meist keine Gelegenheit mehr, diese Fehleinschätzung hinterher zu bereuen. Sie hatte, von frühester Kindheit an, bei einem großen Kung Fu Meister gelernt und es selbst zur Meisterin der Kampfkunst gebracht. Sowohl ohne, als auch mit Waffen, wie dem JIÀN1, oder dem SHÀN2, den sie an ihrem Gürtel trug, konnte sie sich hervorragend zur Wehr setzen.
Sie war jetzt noch etwa eine Tagesreise von ihrem Dorf entfernt und plötzlich begann sich der Himmel bedrohlich zu verfinstern. Sorgenvoll blickte sie auf die Wolkenformationen und erkannte, dass ein Gewitter heraufzog.
'Erde und Himmel wollen Krieg gegeneinander führen', dachte sie, 'ich muss sehen, dass ich irgendwo eine Höhle oder wenigstens einen Überhang finde. Wenn mich die Macht des LEI KU3 ungeschützt trifft, trete ich schon bald DI-KANG WANG4 gegenüber!'
Gewitter waren selten hier, an den Ausläufern des Tian Shan, konnten dafür aber umso verheerender sein, wie sie aus Erfahrung wusste. Nicht selten verwüsteten solche Unwetter große Landstriche, lösten Erdrutsche aus und zerstörten ganze Dörfer.
Sie lief schneller in Richtung der Felsen, in der Hoffnung irgendwo Schutz zu finden. Offenbar waren die Götter ihr heute wohlgesonnen, denn schon nach kurzer Zeit fand sie eine kleine Höhle.
‚Welch ein Glück! Diese Höhle ist groß genug, um das Unwetter darin abzuwarten‘, dachte sie.
Nicht lange, nachdem sie ihren Unterschlupf erreicht hatte, fielen schon die ersten Tropfen und nur wenige Minuten später regnete es nicht nur, es schüttete, dass Xian Li keinen Meter vor den Eingang der Höhle sehen konnte. Schnell kam zu dem Regen noch ein Gewitter, das so heftig wurde, dass man hätte glauben können, die Blitze würden das ganze Gebirge sprengen und der Donner war kaum mehr zu ertragen. Sie hielt schützend die Hände über die Ohren, doch dämpfte das kaum das Grollen des Donners. Es klang, als würden tausend Kanonen gleichzeitig abgefeuert und das Echo ließ den Lärm nachhallen, scheinbar bis in die Unendlichkeit.
Donner und Blitz überschlugen sich nun fast und schaurig erhellte immer wieder das fahle Licht der Blitze den Eingang der Höhle. Durch den ohrenbetäubenden Lärm waren ihre Nerven zum Reißen gespannt und sie wusste, dass dieses Unwetter mehrere Stunden anhalten konnte.
Plötzlich hörte sie ein Grollen und Poltern, das nicht vom Gewitter herrührte und ihr stockte der Atem. Eine Gerölllawine ging ab! Wenn die Steine den Eingang verschütten würde, sähe es schlecht für sie aus. Aus der Höhle heraus sah sie Unmengen von Steinen vor dem Eingang ihres Unterschlupfs niedergehen. Bange Augenblicke lagen vor ihr. Würden sie weiterrollen, oder sie lebendig begraben? Immer mehr Geröll polterten den Hang über der Höhle herunter.
‚Ein großer Brocken, der den Eingang verschließt und diese Höhle wird nicht meine Rettung, sondern mein Grab sein‘, dachte sie angespannt.
Sollten ihre Abenteuer, nach allen Fährnissen, die sie überstanden hatte, hier in einer kleinen Höhle ein jähes Ende finden?
Endlich fielen keine Steine mehr herab und Xian Li atmete erleichtert auf. Heute war BUDAI5 wohl auf ihrer Seite, denn die Steine waren weitergerollt und der Eingang war frei geblieben.
‚Das war aber verdammt knapp‘, überlegte sie und fragte sich, wieviel von ihrem Glück sie wohl heute schon verbraucht hatte.
Das Unwetter wütete weiter und weiter und es schien sich kein Ende abzuzeichnen. Mehrere Stunden war sie dem Terror der Elemente nun schon ausgesetzt und es erforderte eiserne Selbstbeherrschung, nicht die Nerven zu verlieren und einfach hinauszurennen, was den sicheren Tod bedeuten würde.
Endlich, nach einer Ewigkeit, wie es ihr schien, begann das Unwetter abzuflauen. Es donnerte jetzt seltener und auch die Blitze wurden weniger und schließlich hörten sie ganz auf. Allmählich ließ auch der Regen nach und bald tröpfelte es nur noch spärlich. Dann war es endlich vorbei.
Inzwischen war aber die Nacht hereingebrochen und man konnte in der Dunkelheit nicht die Hand vor Augen sehen; an ein Weitergehen war daher nicht zu denken.
'Lei Ku scheint sich endlich wieder beruhigt zu haben! Doch es ist spät geworden. Ich werde die Nacht wohl hier verbringen müssen.'
Sie wusste, dass sie keine Angst vor umherstreunenden wilden Tieren zu haben brauchte, denn ein Tier, das vor dem Unwetter keinen Unterschlupf gefunden hatte, würde nicht mehr am Leben sein.
So richtete sie sich mit ihrer Reisstrohmatte ein provisorisches Lager her und schon nach kurzer Zeit war sie erschöpft eingeschlafen.
Als der Morgen graute, erwachte Xian Li und verließ vorsichtig die Höhle. Es zeigte sich nun, dass sie mehr Glück gehabt hatte, als sie am Vorabend geahnt hatte, denn die Gerölllawine war offensichtlich noch viel größer gewesen, als sie dachte. Viele Meter weit lag das Geröll vor der Höhle aufgeschichtet und machte es ihr nicht eben leicht, wieder den Weg, oder was davon übrig war, zu erreichen.
Sie sah sich um und staunte. Die Landschaft hatte sich, in nur einem Tag, vollkommen verändert. Von den Bergen herab flossen Bäche, wo gestern noch keine waren und wohl schon morgen keine mehr sein würden. Gewaltige Erdrutsche hatten eine neue Landschaft vor ihr geschaffen. Wo sich am Tag zuvor noch der Weg am Fuße der Berge befunden hatte, lag nun meterhoch Schlamm und Geröll. Die Erdrutsche würden sie zwingen, große Umwege zu gehen und die Verwüstung, die vor ihr lag, ließ eine düstere Vorahnung in ihr aufsteigen, was mit ihrem Dorf geschehen sein mochte. Ein paar Stunden würde es jedoch noch dauern, bis sie das Dorf erreicht haben würde.
‚Vielleicht ist die Schneise der Verwüstung nicht so weit gekommen‘, hoffte sie daher.
Sie machte sich wieder auf den Weg. Die Sonne stieg immer höher und die zunehmende Hitze machte die Umwege, die sie gehen musste, ermüdend. Ihre Erfahrung riet ihr jedoch davon ab, sich Abkürzungen über die Geröllfelder und Erdrutsche zu suchen, denn wenn sie in einen Spalt fiel, oder sich ein Bein brach, würde das ihr Ende bedeuten, denn niemand würde sie hören oder sehen können, um ihr zu helfen.
Die Sonne begann schon wieder mit ihrem Abstieg, als sich Xian Li endlich dem Dorf näherte. Obwohl sie erleichtert feststellte, dass noch Hütten standen, konnte sie selbst aus einiger Entfernung schon erkennen, dass das Dorf das Unwetter keineswegs unbeschadet überstanden hatte.
‚Hier muss es gestern schrecklich zugegangen sein‘, dachte sie. Vor ihrem inneren Auge sah sie Bilder, von schreienden, in Panik umher laufenden Leuten, die vor umstürzenden Hauswänden und umherfliegenden Trümmern Schutz zu finden suchten, nur um von den Trümmerteilen schließlich doch erschlagen, oder von Schlamm- und Geröllmassen fortgerissen zu werden. Kurz schüttelte sie sich, um diese Bilder zu vertreiben.
Als sie näher herangekommen war, sah sie einige Bewohner, die das Trümmerfeld absuchten. Wonach suchten sie? Vielleicht nach Überlebenden? Vielleicht nach Habseligkeiten?
Bald hatte sie den Dorfrand erreicht und sah sich traurig um. Auch wenn noch eine Anzahl Hütten standen, so schätzte sie doch, dass das Dorf gut zur Hälfte zerstört worden war. Ihre Hütte stand zwar noch, doch viele andere, in denen sie oft Leute besucht hatte, waren einfach verschwunden.
‚Und was mag mit deren Bewohnern geschehen sein‘, fragte sie sich. ‚Sind sie tot, oder haben sie sich retten können?‘
Bevor sie sich weitere Gedanken machen konnte, kam ein junger Mann auf sie zu, der wohl in ihrem Alter sein mochte. Seine ungelenken Bewegungen und seine Körperfülle zeigten, dass er kein großer Freund von körperlichen Anstrengungen war. Seine dunklen Augen wirkten lebendig und er schien hocherfreut zu sein, Xian Li zu sehen. Freudig begrüßte er die Abenteurerin: „Nihăo,6 Xian Li!“
„Nihăo, Feng Hu!“
Einen Moment lang sah er sie schweigend an, dann sagte er: „Es scheint mir fast ein Wunder zu sein, dass du noch am Leben bist!“
„Ich habe eine Höhle gefunden, in der ich das Unwetter abwarten konnte. Doch hier scheinen viele nicht so viel Glück gehabt zu haben.“
Er nickte langsam.
„Ja! Das Unwetter hat fast das halbe Dorf zerstört“, antwortete er seufzend. „Du hast dir nicht gerade den besten Tag für deine Rückkehr ausgesucht.“
„Es scheint so!“
Erneut sah sie sich um, dann fragte sie: „Wie schlimm ist es?“
„Es hat viele Tote und Verletzte gegeben! Ein Krieg hätte uns kaum schlimmer zusetzen können, als der Zorn Lei Kus!“
„Dann wird Quian Tian Wen, ja alle Hände voll zu tun haben.“
Traurig schüttelte Feng Hu den Kopf und meinte leise: „Wohl nicht! Auch Quian Tian Wen ist tot!“
Erschrocken schlug sie die Hände vor den Mund. Das war ein schmerzlicher Verlust für das Dorf! Der Schamane würde nicht leicht zu ersetzen sein. Als sie an Quian Tian Wen dachte, verlor sie sich einen Moment lang in Erinnerungen an ihn:
Vor vielen Jahren war plötzlich ein seltsamer Mann bei ihnen erschienen. Niemand hatte ihn kommen sehen und doch stand er plötzlich mitten im Dorf, wie hingezaubert. Seine ruhige, erhabene, fast schon majestätisch wirkende Art, hatte jeden gleich für ihn eingenommen. Schon bald zeigte sich, dass er ein Schamane war und als er den Dorfältesten fragte, ob er sich hier niederlassen könne, stimmte dieser sofort zu. Welches Dorf würde nicht gern einen Schamanen beherbergen? Seine Hütte hatte er etwas abseits, nah an den Felsen gebaut. Und von jenem Tage an, half er jedem, der es benötigte, heilte und schenkte weise Ratschläge. Einmal, so erinnerte sich Xian Li, hatte sie ihn in seiner Hütte besucht, da saß er mit dem Rücken zur Tür und redete mit der Felswand vor sich, in einer Sprache, die sie noch nie gehört hatte. Konnte man mit den Felsen sprechen? Nun, ein Schamane konnte das sicher! Vielleicht wohnte ein Geist in dem Fels und Schamanen redeten ja mit Geistern. Sie hatte nicht gewagt, ihn danach zu fragen, schließlich hatten Schamanen ihre Geheimnisse und diese gaben sie nur an andere Schamanen weiter.
Und nun war er tot! Xian Lis Gedanken kehrten ins Hier und Jetzt zurück.
Feng Hu sah sie noch eine Weile schweigend an, dann fragte er: „Hilfst du uns, das Trümmerfeld aufzuräumen?“
„Natürlich!“
Er nickte und ging wieder zu seinem Teil der Aufräumarbeiten.
Xian Li wusste, dass es durchaus wahrscheinlich war, bei dieser Arbeit auf unschöne Überraschungen zu stoßen. Feng Hu hatte von vielen Toten gesprochen und sie konnte davon ausgehen, dass sie eine ganze Anzahl davon im Schlamm und Geröll finden würde, das die Hütten samt ihrer Bewohner fortgerissen hatte. Sie atmete noch einmal tief durch, dann machte sie sich an die Arbeit.
Als sie wieder einmal Teile einer ehemaligen Hauswand wegräumte, sah sie etwas glänzendes am Boden liegen, das ihre Aufmerksamkeit erregte, es war eine handtellergroße Metallscheibe. Neugierig hob sie diese auf und befreite sie in der nächsten Pfütze vom Schmutz. Sie war silberglänzend und auf ihr waren seltsame Symbole eingraviert; waren das Bilder oder eine unbekannte Schrift? Als sie die Scheibe länger in der Hand hielt, schien es ihr, als würde eine leichte Wärme davon ausgehen, doch das musste wohl Einbildung sein, wie sollte von einer Metallscheibe Wärme ausgehen können? Sie steckte die Scheibe in die Tasche ihres Gewandes, um weiterarbeiten zu können.
„Xian Li!“
Sie sah sich um, aber dort war niemand, dennoch hätte sie schwören können, dass jemand hinter ihr, ihren Namen geflüstert hatte. Irritiert schüttelte sie den Kopf und arbeite weiter.
„Xian Li!“
Erneut sah sie sich um, nur um wieder festzustellen, dass dort niemand war. Die nächste Person stand viele Meter entfernt und mühte sich an einer umgestürzten Hauswand ab.
‚Ich glaube, das Unwetter hat mir doch geschadet‘, dachte sie. Dann nahm sie, wie einem Impuls folgend, die Metallscheibe aus ihrer Tasche. Sie spürte nun deutlich ein warmes Pulsieren. Mit einem Mal überkam sie ein leichtes Schwindelgefühl und sie wähnte sich plötzlich an einem anderen Ort. Sie sah seltsame Häuser und merkwürdig gekleidete Menschen die sich in den Straßen einer großen Stadt bewegten. Im nächsten Moment waren diese Eindrücke vorüber und sie sah wieder das Trümmerfeld vor sich.
„Hilf mir, Xian Li“ flüsterte die unbekannte Stimme.
‚Also, wenn ich nicht verrückt geworden bin, geschieht hier etwas sehr seltsames‘, überlegte sie.
Bevor sie sich weitere Gedanken machen konnte, sah sie Feng Hu auf sich zu laufen. Schnell ließ sie die Scheibe wieder in ihre Tasche gleiten. Das war nichts, was ihn etwas anging.
„Kannst du bitte mal mitkommen, Xian Li? Wir haben da ein Problem, wie es scheint.“
Sie seufzte. „Was ist es denn?“
„Komm lieber mit, und sieh es dir an! Ich fürchte, es ist sehr schwer zu erklären.“
„Na schön, ich komme mit!“
Sie folgte ihm zum Rand des Dorfes, dort, wo es an die Felsen grenzte. Vor einem Loch in einer Felswand blieb er stehen.
„Und was bitte ist so interessant an einem Loch in der Felswand?“
„Dass hier noch bis vor Kurzem die Hütte von Quian Tian Wen stand?“
Sie sah ihn irritiert an. „Und wo ist die jetzt?“
„Das ist das Problem, das ich nur schwer zu erklären finde: Sie ist weg!“
„Hat dich bei dem Unwetter irgendetwas am Kopf getroffen? Hütten verschwinden nicht einfach so!“
„Nein, ich bin völlig in Ordnung! Du hast recht, Hütten verschwinden nicht einfach so und die Leichen ihrer Besitzer auch nicht, oder?“
„Quian Tian Wens Leiche ist auch verschwunden? Wie soll das möglich sein?“
„Wenn wir das wüssten, hätten ich dich nicht hergeholt. Vermutlich hat das etwas mit dem Loch zu tun. Vielleicht müsste man in das Loch hineingehen…“
„Und? Was hindert dich daran?“
Feng Hu und die Umstehenden sahen sie sehr auffällig an und Xian Li verstand. „Ihr wollt, dass ich da hineingehe? Geht’s euch noch gut?“
„Du bist doch die Abenteurerin hier, oder?“
„Schon, aber warum sollte ich wohl in ein dunkles Loch in einer Felswand steigen, von dem niemand weiß, wie es entstanden ist, oder wohin es führt?
„Weil ich dich brauche!“ hörte sie wieder die flüsternde Stimme.
„Was zum…“ Schnell sah sie sich um, aber wieder war dort niemand.
„Xian Li, alles in Ordnung mit dir?“ fragte Feng Hu besorgt.
„Ja, ja! Alles in Ordnung!“ Für sich selbst fügte sie hinzu: ‚Obwohl ich da nicht ganz so sicher bin.‘
Sie atmete tief durch und sagte: „Gut, ich gehe dort hinein – aber nicht allein!“
Feng Hu durchfuhr ein mächtiger Schreck, denn er konnte sich vorstellen, was sie als nächstes sagen würde.
„Feng Hu, du kommst mit mir!“
„Ich? Warum sollte ich das?“
„Zum einen, weil ich sonst auch nicht gehe, zum anderen ist das nichts, was man allein in Angriff nimmt.“
„Und warum nimmst du nicht jemand anderes mit“, wollte er wissen.
Sie sah sich um. Sonst standen nur noch Tang Zhu Chan und ihre jüngere Schwester in der Nähe. Niemand, der ihr eine wirkliche Hilfe wäre. Dennoch fragte sie: „Zhu Chan, willst du mit mir kommen?“
Die Angesprochene wich entsetzt zurück und schüttelte ängstlich den Kopf.
Xian Li sah wieder zu Feng Hu. „Nun, beantwortet das deine Frage?“
Er fügte sich. „Einverstanden! Komme ich halt mit“, sagte er mit einem tiefen Seufzer.
„So kommen wir weiter!“
Sie wandte sich wieder um. „Zhu Chan, ich brauche eine Blendlaterne und ein Seil!“
„Hole ich dir“, antwortete die Frau und machte sich sogleich auf den Weg.
Feng Hu sah sie irritiert an. „Wozu brauchst du ein Seil?“
„Wenn du vorhast, mit dummen Fragen, mich dazu zu bringen, dich nicht mitnehmen zu wollen, muss ich dir sagen: Das klappt nicht!“
„Ich meinte die Frage durchaus ernst“, antwortete er beleidigt.
Sie seufzte. „Bist du sicher, dass es dort drin nicht irgendwo steil hinauf oder hinunter geht? Ein Seil könnte dann äußerst hilfreich sein, oder?“
„Schon gut! – Daran habe ich nicht gedacht!“
‚Sicher hast du das nicht‘, dachte sie‚ ‚du hast dich ja noch nie aus dem Dorf hinaus bewegt!‘
Xian Li und Feng Hu kannten sich schon seit ihrer Kindheit. Und schon seit dieser Zeit herrschte eine gewisse Hassliebe zwischen ihnen. Sie war energisch und bestimmend und er eher träge und, wie sie fand, ein echter Nichtsnutz. Sie hatte auch nicht vergessen, dass er sie einmal in einer ziemlich misslichen Situation im Stich gelassen hatte:
Nicht weit vom Dorf entfernt, gab es eine kleine Schlucht an deren Rand herrliche Granatäpfel wuchsen. Als Jugendliche waren sie einmal dort gewesen, um die Früchte zu pflücken. Als sie sich auf einem Ast befand, der ein Stück über die Schlucht hinausragte, hatte er, in seiner tolpatschigen Art, den Halt auf einem höheren Ast verloren und sich erst auf ihrem Ast wieder abfangen können. Durch die Bewegung war sie abgerutscht und hing über der Schlucht. Anstatt ihr zu helfen, war er in Panik weggerannt. Daran gedacht, Hilfe zu holen, hatte er allerdings nicht. So hatte sie am Ende eines Astes, über einem tiefen Abgrund gehangen. Ohne ihre Kampfsportschulung, in der sie gelernt hatte, Schmerzen eine Zeitlang zu ignorieren, hätte sie sich sicher nicht wieder hochhangeln können, sondern wäre abgestürzt. Sie hätte ihn damals am liebsten erwürgt, als sie wieder im Dorf war.
Dieses Ereignis hatte ihre Beziehung eine lange Zeit getrübt und wirkte sich auch noch heute manchmal auf die Art und Weise aus, wie sie mit ihm umging.
Sie mochte ihn und dann wieder konnte sie ihn nicht ausstehen, besonders wenn ihre Energie auf seine Trägheit prallte.
Feng Hu hingegen hatte ganz andere Gefühle für die energische junge Frau. Schon seit einiger Zeit hatte er sich insgeheim in sie verliebt, doch hütete er sich, ihr das zu offenbaren. Er hatte die Befürchtung, dass sie ihn, im günstigsten Fall, auslachen würde. Über den ungünstigsten Fall wollte er nicht nachdenken. Ihre manchmal herablassende Art ihm gegenüber, war ihm nicht annähernd so egal, wie es den Anschein hatte, aber was sollte er tun? Sich mit ihr streiten, oder gar handgreiflich werden? Sie war eine ausgezeichnete Kämpferin und er war sicher, dass ihm eine Auseinandersetzung mit ihr, nicht gut bekommen würde. Er wusste, dass sie eine sanfte und eine harte Seite hatte, doch zeigte sie allgemein nur die harte, besonders ihm gegenüber.
An einem anderen Ort, aber doch nicht allzu weit entfernt, atmete eine Frau erleichtert auf.
„Sie kommt her“ sagte sie zu ihrer Dienerin.
„Sag mir, Herrin, war es den Aufwand wert, nur damit eine junge Frau hier her kommt? Es hätte dich fast das Leben gekostet!“
„Es war es wert, glaube mir. Nachdem, was mir mein Mann erzählt hat, ist sie vermutlich die einzige, die es schaffen kann, uns zu retten.“
„Und dazu braucht es eine Abenteurerin, Herrin?“
Die Frau nickte. „Ja! Es braucht eine fähige Abenteurerin und sie muss eine ausgezeichnete Kämpferin sein – und diese Xian Li ist beides!“
„Ich hoffe, du hast Recht, Herrin! Denn wenn nicht, sind wir alle verloren!“
„Mach dir keine Sorgen, ich irre mich nicht! – Jetzt geh‘ und hole sie an der Passage ab.“
„Wie du wünscht, Herrin!“
Die Dienerin hüllte sich in einen Umhang und ging hinaus.
Als Zhu Chan die Laterne und das Seil gebracht hatte, meinte Xian Li: „Nun, dann lass uns aufbrechen, Feng Hu!“
Mit wenig Begeisterung ging er zu der Felswand und sah sie an.
„Was hast du? Wartest du darauf, dass dich das Loch verschluckt?“
„Nein, aber… – Ich soll als erster da rein“, fragte er entgeistert.
„Ganz recht! – Pass aber auf, wohin du trittst!“
‚Na toll! Keiner weiß, wie das Loch entstand, was es ist und wo es hinführt und ich habe die zweifelhafte Ehre, als erster meinen Hals zu riskieren...‘
Mit entsprechend wenig Enthusiasmus stieg er in das Loch hinein. Zu seiner Erleichterung gab es keine unliebsamen Überraschungen. Er sah sich genauer um. Scheinbar handelte es sich nicht um eine Höhle, wie er gedacht hatte sondern um einen Gang im Fels, zumindest sah das Stück, das er durch das einfallende Licht erkennen konnte, so aus.
Er rief hinaus: „Es scheint alles in Ordnung zu sein! Man kann gut hier stehen, du kannst nachkommen!“
Xian Li schulterte das Seil, nahm die Blendlaterne auf und folgte ihm in das Loch hinein und sah sich ebenfalls um.
„Hmm… ein Gang im Fels. Warum befand sich in, oder hinter Quian Tian Wens Hütte ein Gang, der in den Berg führt?“
Feng Hu zuckte die Schultern. „Meinst du, er hat den benutzt?“
„Ich weiß nicht, ich bin häufig bei seiner Hütte gewesen und ich glaube nicht, dass mir ein Loch dieser Größe nicht aufgefallen wäre…“
„Er hätte nur ein Tuch in Farbe der Steine darüber spannen müssen und das Loch wäre unsichtbar gewesen.“
„Möglich...“ Sie dachte einen Moment nach. War nicht das Loch ungefähr an der Stelle, an der Quian Tian Wen mit der Felswand geredet hatte? Wenn dem so war, konnte dann vielleicht Magie mit im Spiel sein? Es war wohl besser, wenn sie ihre Überlegungen nicht Feng Hu mitteilte. Er wäre im Stande, umzukehren und sie doch noch allein gehen zu lassen.
„Aber das erklärt nicht, wie seine Hütte verschwand, zusammen mit seiner Leiche und wie das Loch wieder sichtbar wurde“, meinte sie daher nur.
Sie leuchtete mit der Blendlaterne in den Gang hinein. Der Weg schien beständig aufwärts zu führen.
„Lass uns weiter gehen!“
Feng Hu nickte und folgte ihr tiefer in den Berg hinein.
‚Ich hoffe, sie weiß, was sie da tut. Wir laufen hier in den Berg hinein, als würden wir irgendwo draußen spazierengehen...“
Plötzlich blieb sie abrupt stehen. Er war so in Gedanken, dass er gegen sie prallte.
„Pass doch auf“, zischte sie ärgerlich.
„Warum bleibst du so plötzlich stehen?“
„Sei leise! Dort vorn wird es heller. Lass uns vorsichtig sein!“
Eng an die Felswand gedrückt, schlichen sie weiter vorwärts. Bald hatten sie eine Biegung erreicht und Xian Li spähte vorsichtig um die Ecke. Einige Meter weiter öffnete sich die Passage plötzlich zu einem Tal. Sie sah sich zu Feng Hu um, legte den Finger auf die Lippen und bedeute ihm, ihr langsam zu folgen. Bald hatten sie das Ende des Ganges erreicht und staunten. Vor ihnen lag ein Talkessel, der wohl im Durchmesser eine halbe Tagesreise haben mochte. Das Erstaunliche jedoch war, dass sich dort eine größere Stadt befand, mit Häusern, die in einer Form gebaut waren, wie sie sie noch nie gesehen hatte. Oder doch? Irgendwie kam ihr diese Bauform, mit den fast ovalen Häusern und den abgeschrägten Spitzdächern plötzlich doch bekannt vor.
‚Merkwürdig, die Häuser sehen aus, wie die, dich gesehen habe, als ich die Metallscheibe gefunden hatte...‘
„Wo sind wir hier?“ fragte Feng Hu.
Xian Li drehte sich ungläubig zu ihm um. „Sag mir, dass du nicht gefragt hast, wo wir hier sind! – Woher soll ich das denn wohl wissen? Ich war noch nie hier!“
„Entschuldige!“ brummte Feng Hu.
Xian Li sah sich um und schüttelte den Kopf. „Das gibt’s doch gar nicht!“
„Was denn?“
„Der Talkessel ist nach oben hin offen, aber nichts hier macht den Anschein, als habe das Unwetter von gestern dieses Tal erreicht. Hier ist nirgendwo Hochwasser, nirgends Anzeichen von Erdrutschen oder Gerölllawinen, keine Verwüstung, gar nichts! Unser Dorf ist vielleicht zehn YIN7 entfernt und wurde halb zerstört! Also irgendetwas hier ist sehr seltsam!“
„Vielleicht sollten wir wieder zurückgehen?“
Sie sah ihn verächtlich an. „guxióng!8“
„Hast du mich mitgenommen, damit du jemanden zum Beleidigen dabei hast?“
„Seit wann bist du so empfindlich?“
„Wie wäre es zur Abwechslung mal, wenn du mich nicht herablassend behandelst? Du motivierst mich nicht unbedingt, mit dir ein, möglicherweise gefährliches, Abenteuer bestehen zu wollen. Sicher, du kannst mich natürlich verprügeln, oder sogar mit deinem Shàn umbringen, nur dann ist irgendwie niemand mehr da, der dir helfen könnte. Genauso wenig wie, wenn ich jetzt einfach umkehre! Und du musst mir schon einen sehr guten Grund geben, um mich davon abzuhalten!“
Völlig irritiert sah sie ihn an. In all den Jahren, die sie ihn kannte, hatte er noch nie so reagiert und sie in Frage gestellt. Trotz der misslichen Situation, in die sie das brachte, musste sie zugeben, dass ihr sein Verhalten gefiel. Zum ersten Mal hatte er nicht träge und weich reagiert. Doch er hatte sie jetzt unter Zugzwang gesetzt. Wenn sie ihn nicht anders behandelte, würde er umkehren und sie allein lassen. Es war nicht so, dass sie sich fürchten würde, ein Abenteuer allein zu bestreiten, das hatte sie schließlich schon dutzende Male getan, aber sie hatte ihn als Rückendeckung mitgenommen und diese zu verlieren missfiel ihr sehr. Welchen guten Grund könnte sie ihm nennen?
„Entschuldige, Feng Hu! Es lag nicht in meiner Absicht, dich zu beleidigen und es tut mir leid, dich herablassend behandelt zu haben. Ich glaube, ich bin über die Jahre schon so gewöhnt daran, dass du meine Art geduldig erträgst, dass ich über mein Verhalten gar nicht mehr nachdenke.“
Sie senkte den Kopf und meinte: „Und ich wünschte, du hättest schon früher so reagiert, wie jetzt eben. Ich hätte dich sicher viel mehr schätzen gelernt.“
„Du meinst, du hättest mich nicht als Nichtsnutz und Fußabtreter betrachtet?“
‚Verdammt, was soll ich jetzt sagen‘, fragte sie sich. ‚Wenn ich ja sage, dreht er auf dem Absatz um und geht, andernfalls lüge ich ihn an und er weiß das auch und dann geht er auch. Was ist nur mit ihm los? So kenne ich ihn gar nicht.‘
Sie blieb die Antwort schuldig und sah zu Boden.
Er nickte, dann meinte er: „Dann kann ich jetzt ja wohl zurückgehen!“
Als er sich umdrehte, hielt sie ihn am Arm fest, nicht hart, wie er erwartet hätte, sondern nur als Geste, um ihn aufzuhalten.
„Bitte, bleib hier! Ich brauche dich dabei!“
Er sah sich zu ihr um. „Eine Bitte von dir“, fragte er erstaunt. „Weißt du, dass dies das erste Mal ist, das du nicht in einem Befehlston mit mir sprichst? – Gut, ich komme mit dir!“
„Danke, Feng Hu!“
Als sie weitergingen, löste sich von der Felswand ein Schatten. Alarmiert wandte sich Xian Li um und griff an ihren Gürtel. Eine verhüllte Gestalt ging auf sie zu. Als sie sie erreicht hatte, nahm die Kapuze ab und die beiden sahen, dass es sich um eine Frau handelte. Sie mochte ein paar Jahre älter sein als Xian Li, war aber deutlich größer als sie. Schwarzbraune Haare, mit einigen helleren Strähnen, umrahmten ihre ebenmäßigen Gesichtszüge und Feng Hu fand, dass sie gut aussah.
Sie schaute Xian Li in die Augen und sagte: „Waffe du brauchst nicht! Ich nicht haben Waffe, nichts euch tun will“, sagte sie.
Xian Li nahm dennoch die Hand nicht von ihrem Shàn. „Wer bist du?“
„Ich Liyanshimeen! Gewartet auf euch. Ihr jetzt fertig mit Streit?“
„Warum hast du auf uns gewartet, woher wusstest du überhaupt, dass wir kommen würden? Und wo sind wir hier?“
„Gewartet, weil Herrin befohlen mir! Woher wusste? Herrin gesagt mir! Sagt, hat gerufen dich! Dies Reich Shèngdi!“
„Mich gerufen? Ich kenne deine Herrin doch gar nicht, wie sollte sie mich rufen?“
Liyanshimeen lächelte leicht. „Du genau wissen! Du sie gehört! Jetzt hören auf fragen, hören zu mir, dann wissen alles!“
Xian Li fügte sich. „In Ordnung, ich höre dir zu!“
„Gut! Herrin Hilfe braucht lange schon! Gedacht Mann kann helfen, aber Mann jetzt tot! Er geworfen fort Scheibe, du gefunden, dann Herrin dich gerufen! Du müssen helfen Herrin! Herrin jetzt in Gefahr, weil Mann tot. Band kaputt mit Außenwelt, jetzt wo Mann tot. Brauchen dich, sonst alles in Gefahr, wenn du nicht helfen! Ich dich jetzt bringen zu Herrin! Du mir folgen und passen auf, dass nicht gesehen ihr von anderen!“
„Welchen anderen“, wollte Xian Li wissen.
„Niemand euch sehen soll! Nur ich und Herrin! Jetzt still sein und folgen mir!“
Feng Hu raunte Xian Li zu: „Was denkst du? Sollen wir ihr einfach so folgen?“
„Ja! Sie weiß Dinge, die sie nicht wissen können dürfte. Folgen wir ihr, aber vorsichtig!“
Liyanshimeen drehte sich verärgert um. „Ihr nicht wissen, was heißt: Still sein? Geben keinen Ton von euch, nur folgen!“
Sie führte die beiden in, wie es schien, geheime Passagen hinein und bereits nach kurzer Zeit hatte sogar Xian Li jegliche Orientierung verloren. Wenn Liyanshimeen sie abhängen würde, kämen sie nie zurück. Eine lange Zeit folgten sie ihr. Plötzlich blieb sie stehen, legte die Finger an die Lippen und bedeutete ihnen, in die Hocke zu gehen. Etwas entfernt gingen Leute vorbei. Xian Li hörte Wortfetzen in einer Sprache, die sie noch nie gehört hatte. Wo waren sie hier nur hingeraten? Endlich ging Liyanshimeen weiter. Ein paar Ecken weiter, standen sie vor einer massiven Tür. Ihre Führerin sagte ein paar Worte in der unbekannten Sprache und die Tür öffnete sich. Sie winkte den beiden einzutreten. Jetzt befanden sie sich ein einem größeren Raum, der mit einigen Kerzen beleuchtet war.
An einem Tisch saß eine großgewachsene, schlanke Frau mittleren Alters, deren lange dunkle Haare fast bis zu ihrer Taille herabreichten und den ersten Ansatz von grau zeigten. Ihr Gesicht hingegen zeigte keine Spuren von Alter und drückte Ruhe und Erhabenheit aus. Als Xian Li und Feng Hu näher kamen, stand sie mit einer anmutigen, fließenden Bewegung auf, um die Ankömmlinge zu begrüßen. Anders als ihre Dienerin sprach sie fließend Chinesisch.
„Sei willkommen in Shèngdi, Wang Xian Li, oder zumindest in meinem Haus, denn ob du ansonsten willkommen bist, lasse ich mal dahingestellt! Und wie ich sehe, hast du dir Unterstützung mitgebracht! Ich bin Maratjianween!“
Irritiert darüber, dass diese unbekannte Frau sie mit Namen kannte, dauerte es eine Weile, bevor sie antworten konnte, dann stellte sie ihren Begleiter vor: „Sei gegrüßt, Maratjianween! Dies ist Dong Feng Hu!“
Nicht weniger irritiert, als Xian Li, entbot auch er einen Gruß.
„Ich glaube, ihr habt beide meinen Mann gekannt, oder“, fragte die Frau geheimnisvoll.
Feng Hu schüttelte den Kopf, doch Xian Li fragte: „Kann man Tjianween auch Tian Wen aussprechen?“
„Wenn man in der Außenwelt ist, dann ja! Kijantjianween, war mein Mann. Ihr kanntet ihn wohl unter Quian Tian Wen, nicht wahr?“
Feng Hu und Xian Li nickten staunend.
Maratjianween fuhr fort: „Und ihr habt jetzt Unmengen von Fragen. Um aber die Sache abzukürzen, hört mir einfach zu!“
Sie begann nun zu erzählen: „Also, einst wurde dieses Reich von Kijantjianween regiert, doch es ereignete sich etwas, dass die Leute an ihm zu zweifeln begannen. Unser Reich veränderte sich und wir waren mit einem Mal in diesem Talkessel gefangen. Versteht ihr? Früher hatte dieses Tal einen Ausgang. Aber eines Tages drang Feuer aus diesem Durchgang und nun ist er scheinbar fest verschlossen. Ich weiß nicht, ob ihr genug von dem Tal gesehen habt, um zu wissen, dass es hier kaum Wasser und Grünflächen gibt. Wir sind extrem dankbar, wenn ein Regen, wie gestern, niedergeht, weil der unsere riesigen Zisternen wieder auffüllt. Jedenfalls machten die Bewohner des Reiches Kijantjianween dafür verantwortlich, dass sie gefangen waren und er musste fliehen. So floh er durch die Passage, durch die ihr hergekommen seid. Diese Passage ist magisch verschlossen und konnte von niemandem, als ihm verwendet werden. Nun fragt ihr euch, wie es möglich ist, dass ihr hindurch konntet? Durch die Scheibe, die du bei dir trägst, Xian Li! Es hat mich viel Kraft gekostet, dass du sie findest und noch mehr, die Passage auf eurer Seite zu öffnen. Sie ist übrigens jetzt wieder verschlossen. Auch die sterblichen Überreste von Kijantjianween sind jetzt hier!“
Xian Li blickte auf. „Das heißt also, auch wir sind jetzt hier gefangen?“
Maratjianween nickte. „Wie euch Liyanshimeen ja schon mitgeteilt hat, brauche ich eure Hilfe und eigentlich braucht das ganze Volk eure Hilfe, nur weiß es das nicht! Die Bewohner dulden mich nicht unter sich, darum könnte man sagen, dass ich hier gefangen bin. Ich kann euch also bei eurer Aufgabe nicht unterstützen.“
„Und was ist nun unsere Aufgabe“, wollte Xian Li wissen.
„Zunächst müsst ihr das Gegenstück zu der Metallscheibe finden, die du bei dir trägst. Sie befindet sich irgendwo in der Stadt, vermutlich im ehemaligen Palast! Das Problem ist, dass etwa die Hälfte des Palastes verfallen ist und sich im anderen Teil ein Militärlager befindet. Die Bewohner und besonders die Soldaten sind sehr argwöhnisch gegenüber Fremden. Also bleibt möglichst unentdeckt!“
„Wie können die das denn wissen, wir sehen doch aus, wie ihr“, warf Feng Hu ein.
Maratjianween schüttelte den Kopf. „Nein, das tut ihr nicht. Eure, besonders deine, Hautfarbe ist deutlich heller als unsere. Xian Lis Farbe unterscheidet sich recht wenig. Sie ist wohl durch die Sonne gebräunt. Was aber noch auffälliger ist, ist euer Gewand. Euch erkennt man auf hunderte Meter als Außenweltler.“
Xian Li sah sie fragend an. „Kannst du uns denn keine Kleidung geben, damit wir nicht auffallen?“
„Ja und nein…“, meinte Maratjianween gedehnt. „Es gibt einen Grund, warum ich nur dich gerufen habe, Xian Li. Dass du ihn mitbringst, hatte ich nicht erwartet. Hier im Haus wohnen nur Liyanshimeen und ich, daher kann ich nur dir ein Gewand anbieten. Männerkleidung habe ich nicht.“
Xian Li sah schmunzelnd Feng Hu an, aber der verstand sofort, was sie wollte.
„Oh nein! Das kommt überhaupt nicht in Frage! Unter keinen Umständen werde ich Frauenklamotten anziehen! Vergiss es!“
„Was willst du sonst machen? Zurückgehen kannst du nicht und mit deiner Kleidung fällst du sofort auf, selbst wenn jemand nur deinen Schatten sieht!“
„Dann bleibe ich halt hier!“
Liyanshimeen sah ihn seltsam an, dann meinte sie: „Das sein interessantes Idee…“
Ihre Stimmlage ließ Xian Li erneut schmunzeln. „Ja, das wäre es wohl… Wenn du hierbleiben willst, wünsche ich dir viel Spaß…“
Diesmal verstand Feng Hu nicht, worum es ging. „Wobei?“
Statt Xian Li antwortete Liyanshimeen: „Du gut aussehen… Mann schon lange keiner mehr in Haus. Sein sehr interessantes Idee!“
„Ja, das wäre wirklich eine nette Abwechslung…“ meinte nun auch Maratjianween.
Langsam dämmerte es Feng Hu, worauf das Gespräch hinauslief.
Er sah zu Xian Li und fragte: „Geht es hier um das, was ich gerade denke? Die beiden wollen mit mir… ähm… Spaß haben?“
„Wie ich schon sagte: Viel Spaß!“
‚Oh Mann‘ dachte Feng Hu, ‚das ist ja eine Auswahl. Entweder in Frauenkleidern herumlaufen, oder bei zwei Frauen bleiben, die schon lange keinen Mann mehr hatten…‘
„Sieht aus, als müsstest du eine interessante Entscheidung treffen“ meinte Xian Li grinsend.
„Hast du nicht gesagt, du brauchst mich bei dieser Sache?“
„Ja, habe ich! – Aber es liegt mir natürlich fern, dich zu zwingen, in Frauenkleidern herumzulaufen. Zudem müssten wir dich natürlich auch noch ein bisschen ausstaffieren und der Bart geht nun wirklich nicht.“
Feng Hu war von der einen Aussicht so wenig begeistert, wie von der anderen.
Scheinbar verstand Liyanshimeen seine Gedankengänge. „Warum du überlegen lange? Wir nicht gut genug aussehen, oder du Angst, weil wir zwei?“
Er hasste diese sehr direkte Art zu fragen. Sicher sahen die beiden Frauen gut aus und von daher wäre es sicher interessant, hier zu bleiben, aber zweiFrauen, die offenbar schon lange nicht… Er wusste nicht, was er tun sollte.
„Feng Hu, kannst du dich jetzt bitte endlich entscheiden, was du willst? Ich möchte nicht ewig hier bleiben und außerdem möchte ich hören, was wir, oder ich, sonst noch tun müssen, außer die Metallscheibe zu suchen!“
Er überlegte noch kurz, biss die Zähne zusammen und meinte: „Auch wenn die beiden sehr gut aussehen… – Ich komme mit dir!“
„Sehr gut! Dann brauchen wir bitte zweimal Kleidung, Maratjianween!“
Die schmunzelte und meinte: „Eigentlich schade… – Aber gut! Liyanshimeen, bringe bitte beiden ein Gewand!“
Ihre Dienerin nickte, meinte dann aber noch: „Vielleicht er später herkommen, wenn alles fertig…“, dann ging sie hinaus um die Kleidung zu holen.
Während Feng Hu erschrocken schaute, dachte Xian Li: ‚Ich hoffe, er sabotiert jetzt nicht das Abenteuer, um nicht wieder herkommen zu müssen…‘
Wenig später war die Dienerin mit dem Gewand zurück.
„Feng Hu, dreh dich um! Ich will mich umziehen!“
Er drehte sich um und fragte dann: „Und wo soll ich mich umziehen?“
Maratjianween meinte lächelnd: „Hier natürlich! Sei unbesorgt, wir drehen uns auch um!“
Nachdem er sich in ein Kleid reingezwängt hatte, meinte Liyanshimeen: „Wir dich nun machen aussehen wie Frau!“
Xian Li grinste. „Ich bin gespannt auf das Ergebnis…“
„Ich nicht!“, brummte Feng Hu.
Nachdem Feng Hu von Maratjianween und Liyanshimeen ausstaffiert und rasiert war, wollte Xian Li endlich wissen, was sie noch zu tun hätten.
„Naja, danach solltet ihr nachsehen, was das Tal verschlossen hat und den Zugang wieder öffnen.“
Xian Li schaute irritiert auf. „Wenn ihr das nicht konntet, wie sollen wir das denn können? Wir sind keine Schamanen oder Magier!“
„Das braucht ihr auch nicht zu sein, Xian Li! Ich vermute, dass euch die beiden Scheiben dabei helfen können und wir konnten nichts tun, weil eine Scheibe verloren ist und die zweite in der Außenwelt war.“
„Verstehe. Und wenn das Tal wieder offen ist?“
„Wenn alles erledigt ist, wird euch Liyanshimeen wieder zu eurem Dorf bringen.“
Sie sah die beiden ernst an. „Aber denkt daran, auch wenn ihr nun Kleidung von hier tragt, achtet darauf, dass euch möglichst niemand sieht. Aus der Nähe sieht Feng Hu nämlich noch immer wie ein Außenweltler aus. Und macht, um jeden Preis, einen Bogen um die Soldaten und besonders den Gardehauptmann, wenn ihr nicht Meister im Schwertkampf seid.“
„Das bin ich zwar, aber es ist sicherlich nicht ratsam sich mit eurer Garde anzulegen, oder?“
„Ganz bestimmt nicht!“
‚Diese Bestätigung von ihr, hatte ich erhofft‘, dachte Maratjianween erleichtert.
Xian Li atmete durch. „Na gut, dann wollen wir mal! Alles klar, Feng Hu?“
„Nein“, brummte der, „aber wir können trotzdem los!“
Maratjianween lächelte. „Nun denn, viel Erfolg!“
„Danke!“ Sie wandte sich zum Gehen. „Komm, Feng Hu!“
Liyanshimeen sondierte kurz die Lage vor der Tür, dann ließ sie die beiden hinaus.
Als sie gegangen waren, meinte Liyanshimeen in der Sprache Shèngdis zu Maratjianween: „Herrin, ist es nicht gefährlich, wenn sie beide Scheiben haben? Sie können damit wohl den Durchgang öffnen, aber auch eine Menge Schaden anrichten und sie wissen das nicht einmal.“
„Ich weiß, aber das Risiko müssen wir eingehen. Wenn sie das Tal nicht öffnen können, wird hier niemand mehr lange überleben können.“
„Und was, wenn sie dann merken, dass sie die Stelle von Kijantjianween einnehmen können?“
Maratjianween seufzte. „Dann können wir nichts dagegen tun! Sorgen mache ich mir in dem Fall nur um Feng Hu!“
„Warum das, Herrin?“
„Weil ich nicht glaube, dass Xian Li die Herrschaft mit ihm teilen würde…“ Sie dachte eine Weile nach, dann meinte Sie: „Bist du bereit, einen, vielleicht sehr gefährlichen, Auftrag zu übernehmen?“
„Was wünscht meine Herrin?“
„Beobachte die beiden, ohne dass dich irgendjemand zu sehen bekommt und wenn etwas schief läuft, dann greife ein.“
Liyanshimeen sah ihre Herrin lange schweigend an, dann meinte sie: „Herrin, ich kann den Auftrag wohl ausführen, aber ich kann nicht eingreifen. Wenn Xian Li die Scheiben zusammengesetzt hat, wird jeder ihr gegenüber loyal sein müssen, selbst du!“
Maratjianween sah zu Boden. „Du hast recht! Es ist ein sehr hohes Risiko, doch hoffe ich, dass sie stark genug ist, sich nicht zum Bösen verführen zu lassen. Wie auch immer, es bleibt uns einfach keine andere Wahl. Lieber unter Xian Lis Herrschaft leben, als bei einem geschlossenen Durchgang sterben zu müssen!“ Sie sah Liyanshimeen an. „Weißt du, dass du Feng Hu retten könntest, wenn es so kommt?“
„Ich, Herrin? Wie denn?“
„Du müsstest wieder zur Königlichen Beraterin werden und ihn… zum Mann nehmen. Ich glaube nicht, dass dir das schwer fiele, oder?“
„Warum glaubst du das?“
Maratjianween schmunzelte. „Weil ich den Eindruck habe, dass du dich ohnehin schon in ihn verliebt hast…“
Liyanshimeen sah zu Boden und errötete leicht. „Ja, Herrin!“ flüsterte sie.
„Nun, dann warten wir mal ab, was geschieht! – Du solltest sie trotzdem im Auge behalten, schließlich kann sich niemand so ungesehen durch die Stadt bewegen, wie du!“
„Wie du es wünscht, Herrin!“
Sie warf sich ihren Umhang über und verließ das Haus.
1 Ein Schwert
2 Ein Fächer aus hartem Material, der als Waffe Verwendung findet.
3 Chinesischer Gott des Donners, der Wolken, des Sturms und des Regens.
4 Chinesischer Gott des Jenseits.
5 Chinesische Göttin des Glücks und der Zufriedenheit.
6 chinesisch: Guten Tag
8 chinesisch: Angsthase, Feigling
Im Schutz der Dunkelheit schlichen Xian Li und Feng Hu vorsichtig von Maratjianweens Haus fort. Er fühlte sich immer noch sehr unwohl in seiner Frauenkleidung und war auch nicht sehr glücklich darüber, dass er seinen Bart eingebüßt hatte.
„Warum hast du mir nicht erzählt, dass Maratjianween dich gerufen hat?“
„Würdest du jemandem mitteilen, wenn du das Gefühl hast, plötzlich eine Stimme zu hören, wenn absolut niemand in deiner Nähe ist? Du glaubst ja wohl nicht ernsthaft, dass ich wusste, dass sie mich gerufen hat, oder?“
„Nein! Aber du hättest es mir sagen können, als wir in dieses unsägliche Loch geklettert sind. Und wenn du nicht darauf bestanden hättest, dass ich mitkomme, müsste ich jetzt nicht in diesen Weiberklamotten rumlaufen! Ich dachte immer, du erledigst deine Abenteuer allein!“
„Das stimmt schon, aber ich weiß eben auch, wann ich vorsichtig zu sein habe. Und niemand, der klar bei Verstand ist, klettert in eine unbekannte Höhle – und so sah die Passage ja nun einmal aus – ohne eine Sicherung. Sonst wäre nur noch Zhu Chan in Frage gekommen und ich glaube kaum, dass ich sie hätte gebrauchen können. Du hast ja gesehen, wie verschreckt sie war. Außerdem kann sie weder mein Gewicht tragen, noch hat sie die nötige Robustheit. Auf sie hätte ich ständig aufpassen müssen, das ist aber nicht der Sinn der Sache.“
Er grinste ein wenig. „Dann sollte ich mich wohl geschmeichelt fühlen, dass du mir genug Robustheit zutraust.“
„Wenn du es so sehen willst, hast du recht.“ Sie musterte ihn von oben bis unten, dann meinte sie grinsend: „Übrigens siehst du gar nicht so schlecht in den Klamotten aus.“
„Danke“, brummte er. Mit einiger Selbstironie meinte er dann: „Ich muss nur aufpassen, dass keiner versucht, mit mir anzubandeln…“
Xian Li hatte große Mühe, nicht schallend zu lachen. „Feng Hu, bring mich nicht zum Lachen, wir müssen leise sein!“
„Ehrlich, so witzig fand ich das jetzt nicht!“
„Wahrscheinlich hast du nicht meine Vorstellungskraft…“
