Die Liegenschaft - Urs Wegmaier - E-Book

Die Liegenschaft E-Book

Urs Wegmaier

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Beschreibung

Als Selbstständiger famos gescheitert, kennt der etwas naive Dirk die soziale Leiter nur noch von unten. Doch kommt er zurecht. Auch mit den Launen seiner Sprache. Wirklich schwer liegt ihm sein chronischer Misserfolg bei Frauen im Magen. Als er die ebenso aufregende wie selbstbezogene Claudia kennenlernt, ist er in zumindest einer Hinsicht keine Strafe für sie. Lange braucht es, bis er die unappetitlichen, ihn zunehmend verstörenden Wahrheiten an sich heranlässt. Da stirbt der Mann, an dem Claudia fast zerbrochen wäre. Zum letzten Mal will Dirk ihr auch ein Freund sein ...

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Seitenzahl: 347

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Für Frank und... Conny...

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

Kapitel 58

Kapitel 59

Kapitel 60

Kapitel 61

Kapitel 62

Kapitel 63

Coda

Prolog

Der Junge weint. Oben am Ende der sechs Stufen, die hinunter in die neonbeleuchtete Station führen, steht er am Fenster. Die Metalltüre neben ihm ist elektrisch verschlossen. Abhauen kann er nicht, würde es auch nicht wagen. Seine Eltern sind seit Stunden fort. Morgen werden sie ihn besuchen. Hoch und heilig versprochen haben sie es. Papa fährt dann mittags direkt weiter zum Dienst. Die Mutter kommt, mit der Linie 63, nachhause. Warum er weint könnte er nicht sagen. Jedenfalls ist es nicht das drückende Gefühl, wegen dem sie ihn hergebracht haben. Da geht es ihm besser, seit er morgens hier ankam.

Müde schaut er in den Hof, auf dem eine Ambulanz neben vier großen Abfallbehältern parkt, aus denen aufgerissene Müllsäcke quillen. Ein abgrundtief hässlicher Hof, mit schimmernden Regenpfützen, eingerahmt von trostlosen Wänden, an denen entlang Wasser, aus undichten Dachrinnen, tropft. Eine enge Durchfahrt führt ins Zentrum der Stadt, von der nur Dächer, überragt von der grünen Kirchturmzwiebel, sichtbar sind.

Durch's von Tränen nasse Gesicht, zieht er den Ärmel des karierten Hemds. Sein Bauch, klumpt sich schmerzhaft zusammen. Doch nach jedem Krampf wird es leichter, trotz der zunehmenden Hitze im Schädel.

Nie und nimmer hätte er ihn erwartet! Ja sicher, manchmal klopft ein Pauker, wegen irgendwelcher Kleinigkeiten, zuweilen auch der Rektor und sogar der Hausmeister. Aber er..? Selbst Frau Gemms, war sichtlich überrascht. Noch bevor sie ihr übliches »Ja, bitte..?« loswerden konnte, war sie der sich zaghaft öffnenden Türe entgegengeeilt. Gott, wie er da, die halb aufgeschlagene Kapuze im Nacken, gestanden hatte!

Kein Wort, der kurzen Unterredung, konnte der Junge verstehen. Freundlich aber bestimmt wurde er schließlich, von der Gemms, nach vorne gebeten und vom Unterricht freigestellt. Der Vater sagte, als sie über den sparsam beleuchteten, die eiligen Schritte widerhallenden Flur gingen, es müsse etwas unternommen werden. Unverzüglich. So könne es nicht weitergehen. Barsch hatten des Vaters Worte geklungen, wenngleich aus einem besorgten Innern kommend.

Daheim war die Mutter zugestiegen und sie waren, über die Autobahn, Richtung Stadt gefahren. Schweigend, jeder mit eigenen Gedanken befasst. Er auf dem Rücksitz, den Schädel zwischen die Vordersitze gepresst, Mama auf dem Beifahrersitz. Anscheinend hatten sich die Eltern vorher gestritten. Natürlich wegen ihm. Heftig pflegt der Vater sie dann anzupflaumen.

Er hört ein Summen, dann ein metallenes Klicken. Es ist offen, ein untersetzter Mann kommt herein. Der Junge schaut kurz hin, erkennt ihn. Wortlos hatte sich die urige Type morgens hinzugesellt, sich cool auf den Resopaltisch gesetzt, während sie mit der Oberärztin über den alten amerikanischen Schinken sprachen, den er sich K-Freitag unbedingt ansehen musste. Nur Frau Doktor wusste wer der stille Zuhörer war, der sich schließlich doch vorgestellt hatte. Ein lustiger, irgendwie passender Name, der ihm nicht mehr einfällt.

Auch jetzt spricht der Unbekannte nicht, stellt sich immerhin aber neben ihn. Schließlich redet er vorsichtig auf ihn ein. Der Junge versteht nichts, wendet den dröhnenden Kopf in Richtung der Gestalt und wieder zurück. Abermals starrt er in den Hof.

Etwas schnappt ein. Alles verriegelt. Weg ist der Mann. Später wird er ihm wahrscheinlich gegenüber sitzen. Auf die Gespräche, freut sich der Junge. Er schätzt Menschen, die mühelos hinter Fassaden schauen -ohne die Schreierei anzufangen.

Die Hände in die ausgewaschenen Jogginghose gebohrt, begibt er sich nach unten. Immer noch liegt die Puppe auf dem Linoleumbelag, die bunten Behältnisse aus Plastik. Der gerupfter Löwe aus Plüsch, mit seinen ausgehöhlten Augen. Ein pummeliges Frauchen schiebt sich, unsicher ein Tablett in der Hand wiegend, am Jungen vorbei an der Wand entlang. Missmutig schielt sie ihn an.

Vorn irgendwoher, vernimmt er einen Fernseher. Er sucht den Raum, findet ihn am Ende des Flures und geht hinein. Vor dem Apparat, sitzt ein Mädchen. Voller Pickel ist ihr verblasstes Gesicht, die spindeldürren, in einer rosa Freizeithose verpackten Beine übereinandergeschlagen, die Arme vor der flachen Brust gekreuzt. Auf sechzehn oder siebzehn, schätzt er sie. Demnach ist sie älter, erfahrener.

Hier ist alles aus Holz gebaut, die Regale vollgestopft mit Büchern und Brettspielen, der runde Tisch, der Eckschrank. Rahmenlose Bilder hängen herum. Kindliches Gekritzel, dem er nichts abgewinnen kann. In einer Ecke, türmen sich dicke Bauklötze. Ein Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel liegt herum.

Einer jener Filme läuft, in denen herzlich wenig passiert. Mittwochabends zeigen sie den Schund. In dem hier ist es Abend oder Nacht. Auf einer Lichtung, brennt ein Holzfeuer. Menschen stehen drumherum, entfernen sich nach und nach. Es knistert, vereinzelte Worte fallen. Ein Mann, in einer ähnlichen Jacke wie die die sein Vater heute trug, legt einer Blondine den Arm über die Schulter. Dann ziehen Namen von unten nach oben, wohlklingende Namen, für Hauptdarsteller, Kamera, Ausstattung und Regie. Immer haben ihn Filme interessiert. Der hier ist offensichtlich zusende. Doch selbst nachdem es, auf dem Bildschirm, dunkel geworden ist knistert es munter weiter.

»Warum bist du hier?«, lässt sich der Junge leise vernehmen.

»Ich habe immer Kopfweh«, kommt es lakonisch zurück. Misstrauisch schielt sie ihn an. »Und du ..?«

»Auch sowas, in der Art.« Nicht wissen lassen mag er sie, wie sich die letzten Wochen angefühlt haben. Die da fühlt doch eh nur ihren Kummer. Da kann er mit leben. Ist ja schließlich ihrer. Zudem gefällt sie ihm nicht. Dennoch überlegt er, in welcher Weise sie von ihm denkt (falls sie an ihn denkt). Schließlich wagt er sich noch mit der Frage heraus: »Wie lange bist du denn schon hier?«

»Zwei Wochen... «

»Ich bin erst seit heute morgen hier«, erklärt er dünn. »Mir hat noch niemand gesagt, wie lange ich bleiben muss.« Weil er annimmt es gehört irgendwie dazu, erkundigt er sich nach ihrem Namen.

»Pauline.«

Neben Pauline sitzen; besser nicht. Während er also weiter die Einrichtung inspiziert behält sie die Ärmchen bei sich, guckt schräg und scheinbar prüfend an sich herunter, dann in den Fernseher.

Umsonst ist die nicht hier, stellt der Junge stumm fest. Wo doch alle hier Probleme haben.

Eine Krankenschwester kommt herein, kniet sich vor dem Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Brett hin, sammelt emsig die Hütchen auf. Brett und Hütchen, legt sie auf den Tisch.

Sie gefällt ihm.

Die blütenweiße Hose, der hellblaue Kittel, die langen, lockigen, pechschwarzen Haare. Doch kommt der Junge zum Ergebnis: Hier ist noch jemand in Grübeleien gefangen. Umso aufmerksamer beobachtet er die Hinzugekommene, die etliche Zentimeter größer und wahrscheinlich noch älter als Pauline ist.

Schnellen Schrittes, stellt sich die Krankenschwester vor den Fernseher.

»Den mache ich jetzt aus, ja ..?«

»Ja«, sagt der Junge fest, »das können sie gerne tun... «

1

»Lope, Shara, Lope!« Mit kurzen, scharfen Lauten gibt er die Kommandos. »Lope... «

Wie ein Radar, bewegen sich Sharas Ohrmuscheln. Nach drei Galoppsprüngen, verfällt die drollige Lewitzerstute wieder in ihren trippelnden Gang. Ließen sich die Bewegungen der Beine doch in Zeitlupe aufnehmen. Genau analysieren könnte er nachher, in welcher Reihenfolge die Hufe aufsetzen.

Gar nichts kann er analysieren...

Noch nie ist Dirk Pfau auf einem Westernpferd geritten. Eigentlich ist Shara auch kein Pferd, eher ein Pony. Nicht groß genug ist er, um auf einem Pony aufzufallen. Außerdem gefällt ihm die braunweiß gescheckte Stute, die gutmütige, er würde sogar meinen verträumte Züge besitzt. Auch wenn sie nicht oft Lust, auf die menschliche Last, verspürt. Dirk kann es dem Tier nicht verdenken. Und gewiss nicht nur, weil sich die Reiterei schließlich auf dem Rücken eines Lebewesens abspielt.

Hörbar erbost bekam er neulich vom Alten die Geschichte von der Schnepfe serviert, die vollmundig vorgegeben hatte sich besonders mit Isländern auszukennen. Woraufhin sie die Erlaubnis bekommen hatte, sich auch Shara anzunehmen. Von der selbst ernannten Expertin war der Lewitzer allerdings derart hart an den Zügel genommen worden, dass sich, unterhalb des Nasenriemens, eine Fleischwunde gebildet hatte. Vom Alten wurde die Dame daraufhin - und wie Dirk vermutet nicht eben freundlich- vor die Türe gesetzt.

Mittlerweile ist der Nasenriemen mit dickem Schaffell überzogen. Überdies soll er den Zügel locker lassen. Mehrfach ist er vom Alten belehrt worden, von dem er nicht aus den Augen gelassen wird. Auch nicht von den Frauen, die sich mit ihren Kindern am ausgeleierten Gatter aufgebaut haben. Bände spricht der Ausdruck, in ihren selbstbewussten Durchschnittsgesichtern.

Mindestens zweimal in der Woche, erteilt er den Kleinen Reitunterricht oder versucht es. Angenehm gelehrig sind sie, nehmen ihm seine unverhoffte Rolle sogar ab. Aber die Mütter? Verächtlich befördert er den Nasenrotz nach oben.

»Die werden sicher ihre eigenen Vorstellungen haben, wie ein Reitlehrer aussehen sollte. Selbst dann wenn er keiner ist«, mutmaßt Dirk, der hocherhobenen Hauptes auf sein unerwünschtes Publikum zureitet, vor sich hin.

Er vermisst die adrette Frau, die freitags pünktlich um halb vier ihr blondes Töchterlein herbringt. Heute sind die beiden nicht gekommen. Sie dürfen ihm zuschauen.

Schwerfällig stampft die Stute, durch den aufgeweichten Dreck. Erdige Klumpen spritzen, unter den aufgeblähten Unterleib.

Gefühlvoll zieht er am linken Zügel, nimmt den Unterschenkel hinter den Bauchgurt des wuchtigen, mit allerlei Ornamenten versehenen Sattels.

»Lope, Shara!«

Tatsächlich bewegen sich die Beine der Stute raumgreifender. Schneller und schneller geht es, hinein in einen gestreckten Galopp, der ihm für Sekunden den Atem raubt.

»Gar nicht schlecht!«, ruft der Alte verhalten begeistert von irgendwoher, während die Frauen -plötzlich aufmerksam geworden- ihre länglichen Hälse recken.

»Ja..! «, schreit Dirk zurück, der fast beim Gatter angekommen ist.

Noch bevor er sein Gewicht nach hinten verlagern kann, stemmt Shara die Vorderläufe in den Dreck. Blitzschnell, bevor es ihn über den Kopf des Tieres katapultiert, ergreifen seine Hände den Sattelknauf. Nur hoffen kann er, dass wenigstens die Frauen nicht verstanden haben,# warum Shara wirklich losgerannt ist.

Dirk zerrt ein dickes Büschel aus dem Strohballen, reibt über das schweißverklebte Pferdefell. Schlaff hängen Sharas Ohren. Offensichtlich genießt sie den Druck. Und sie ist müde. Es wundert ihn nicht. Etliche Kilos zuviel sind auf den Rippen. Die Frau des Alten sorgt regelmäßig für kalorienreiche Futterergänzung. Selbst ihr Mann lässt sie gewähren. Er ist es nämlich nicht, der sich um Sponsoren, um die entsprechende Außenwirkung des Projekts bemüht, wie Dirk schnell klargeworden war.

Aus dem Augenwinkel, sieht er sie herannahen. Zwei Labradorwelben tollen um ihre dürren, in einer Leggins steckenden Beine.

»Na, mein Mädchen musstest du arbeiten?«, krächzt sie. Anerkennend tätschelt sie an Shara herum.

»Ich glaube, der fehlt es an Bewegung«, befindet Dirk, mit kleinlauter Entschlossenheit.

Frau Redik lacht nur. Doch eigentlich ist es mehr ein Röhren. Gesetzten Schrittes bummelt sie ihrem Mann entgegen, der Gajus, dem an Weichteilspat erkrankten Wallach, einen Hafereifer umhängt. Gierig steckt das hungrige Tier sein runzliges Maul hinein.

»Die würde dich füttern, bis du platzt!«, flüstert Dirk das Pferdchen an, die Alte außer Hörweite meinend.

Arglos lässt er die benetzten Strohhalme fallen, schielt zu Rediks herüber, die sich angeregt unterhalten. Mit einem frischen Büschel setzt er die Arbeit an Sharas linker Flanke fort, die sich in tiefen Zügen hebt und senkt. Keine Normalisierung der Atemfrequenz... Leistungsphysiologie ist sein Lieblingsthema.

Shara feste am Halfter gepackt begibt er sich zum Elektrozaun, der die abschüssige Wiese vom Reitplatz trennt. Vorsichtig hängt er, mit der freien Hand, die Leitungsbänder aus. Mit der anderen, drückt er den Kopf des Tieres weg vom Zaun. Wobei er hofft Rediks entgeht seine Umsicht nicht.

Seine Beine sind so kraftlos, dass sie zittern, als er mit dem Pony die rutschige Wiese heruntergeht. Unten angekommen gibt er der Stute keinen Klaps, für die er nicht ein Wort mehr erübrigt. Nicht einmal um dreht er sich, auf dem Weg nach oben. Nur beim Einhängen der Bänder, schaut er schuldbewusst zurück. Den ramsförmigen Kopf tief gesenkt ist sein Pferdchen dort stehengeblieben, wo er es hat stehenlassen. Nur schämen kann er sich.

»Wollen wir füttern?«, erkundigt sich Dirk, noch nicht ganz bei den Beiden angekommen, gezwungen, überaus interessiert den Himmel betrachtend, der von tiefgrauen Wolkenfetzen beherrscht wird.

»Fahr du mal nachhause, ich helf dem Arno hier«, antwortet Frau Redik entlarvend freundlich.

»Geh schon!«, fordert der Alte. Einigermaßen vollendet tippt er an die weite Krempe seines Huts. »Bis morgen... «

Frau Redik dagegen belässt es beim Tschüss. Der sympathische Beiklang, läuft ihrem meist borstigen Getue zuwider. Womöglich aber ist die Frau imgrunde anders. Dirk, der ihren wachen Augen nach oben hin ausweicht, wird den Verdacht nicht los. Wieder tröpfelt es auf ihn herab. Gleich bricht der Schauer herein.

»Gut, dann fahre ich jetzt... «

Sein Mountainbike ist am Maschendrahtzaun abgestellt. Direkt neben dem schmuddeligen Wohnwagen, mit seinen grünlichen Flecken. In den ersten Tagen, traute er sich nicht den Drahtesel mit auf das Gelände zu bringen. Bis ihn Frau Redik dazu aufgefordert hatte.

»Gabor, Leika! Hierhin!«, schreit die Alte den Ködern nach, die Dirk kläffend hinterherrennen.

Ängstlich schaut er sich um. Für heute reicht es ihm, mit der Pferdewirtschaft. Ja und wirklich fehlt ihm etwas, wenn sie nicht da ist . Er kommt nicht weiter mit ihr...

2

Unruhig geistern ihre bläulich umschatteten Augen umher. Über das schreiende Durcheinander, auf dem Schreibtisch, hin zum Haufen schmutziger Wäsche. Weiter zum Basttischlein, auf dem sich triviale Romane und Zeitschriften über Gesundheit und wie man sie erhält stapeln. Wieder von allein wach geworden, schaltet sie die Weckautomatik aus.

Auch gestern ist sie nicht ohne ein »Gute Nacht... « nach oben gegangen. Ob er es, vertieft in eines seiner bescheuerten Wissenschaftsmagazine, mitbekommt oder nicht; sobald die Kinder im Bett und halbwegs zur Ruhe gekommen sind ist ihr offizieller Tag beendet.

Irgendwann bugsiert auch er sich die Treppe hoch, dass sie aufsieht und solange lauscht, bis er im Schlafzimmer verschwunden ist. Sogleich kehrt sie zum Buch zurück, in dem sie keine Silbe überließt. Seit Kindertagen liest sie. Vorgelesen wurde ihr nie.

Nach einer gefühlten Stunde, legt sie die Lektüre beiseite, um minutenlang sinnierend den Planfond anzustarren. Schließlich zieht sie die langen Beine an, bettet ihre Hände, zwischen Kopf und Kissen, und grübelt unverdrossen weiter. Bis sie endlich in einen leichten Schlaf abdriftet ist Mitternacht längst vorbei. Beim leisesten Geräusch, schreckt sie auf.

Alleine die Vorstellung er verliert wirklich die Beherrschung, erzeugt Gefühle der Panik in ihr. Die unauffällige, dem Alltagszweck dienende Kleidung, die sie seit Längerem trägt macht es nicht leichter. Am allerwenigstens für ihn, der sich nicht aufführen soll, wie ein liebestoller Schimpanse. Teuflisch ist sie auf die Vermeidung sinnlicher Signale bedacht. Wo die herkommen sollen ist ihr eh schleierhaft.

Sie springt aus dem Bett, tippelt zur Türe hinaus, hinter der sie verstohlen um die Ecke lugt. Im Bad angekommen quetscht sie, unter eher harmlosen Flüchen, den letzten Rest Zahnpasta aus der Tube. Überaus gewissenhaft (kreisende Bewegungen) putzt sie sich die Zähne, wobei sie mehr hinter als vor sich späht.

Zurück im Zimmer, kleidet sie sich für den Tag neu an: Frische, graue Unterwäsche, geringelte Socken, eine Levis-Jeans, einen hellblauen Rollkragenpullover. Im Rachen kratzt es, weshalb sie noch ein seidenes Halstuch umbindet. Noch schnell durchsucht sie ihre Hosentaschen, nach einem Eukalyptusbonbon. Sie findet keines.

Parterre, wo Küche und Wohnzimmer einen riesigen, zusammenhängenden Raum bilden, setzt sie Kaffee auf. Beim Herunterkommen hat sie Gemurmel gehört, aufeinanderstoßende Holzklötze, die, über dem handgeknüpften Teppich verstreut, wunderbar zum Stolpern einladen. Nachher räumt sie alles weg.

Es ist sein Zimmer.

Gähnend starrt sie zum Küchenfenster hinaus, hinter dem die Farben des Himmels zwischen malven und grau wechseln. In die behagliche Atmosphäre hinein, gurgelt und zischt die Kaffeemaschine. Trotzdem vernimmt sie das Plätschern des Baches, der sich, in wucherndem Grün gesäumt, in zahllosen Windungen schlängelt. Hierher zu kommen war leicht. Alle wollten sie genug von ihr. Abgesehen von einem...

Hinter ihr kracht die Klinke, gegen den Anschlag der Glastüre, dass ihre Gedanken abrupt unterbrochen werden.

»Frühstück, Robert?«, fragt sie sympathisch, ohne sich nach dem Sprössling umzusehen, der den Kampf mit der Türe endlich gewonnen hat. Eigentlich ist er ja ganz nett.

»Ja ..!«, kommt es gedehnt zurück.

»Dann setze dich. Ich wecke erst Alina... «

Sie saust an dem Knirps vorbei, der mit bloßen Füßen, die vollen Haare verstrubbelt, einen Stapel abgegriffener Pokermoonkarten im Händchen haltend, inmitten des Raumes verharrt. So wirkt er ein bisschen verloren, wovon sie sich nicht täuschen lässt. Nicht lange wird es nämlich dauern, bis er dieses und jenes verlangt. Sofort will er es und Widerrede duldet er nicht.

Erst sechs ist er. Es entschuldigt nicht die Wutanfälle. In einem solchen gefangen wirft sich der Bub schreiend hin, schlägt um und windet sich, dass der sauerstoffarm gewordene Kopf sein blaues Wunder erlebt. Sie hasst es, hasst imgrunde Jungen oder meint es. Nur gut, wie sehr sie sich in der Gelassenheit gefällt, die sie in den Momenten kindlicher Tyrannei bewahrt.

Vom Rappeln und Schlagen ist er aufgewacht. Der Krach von unten ist seine Uhr, auf die er sich verlassen kann. Die braucht es aber nicht immer. Denn manchmal erwacht er noch zeitiger als sie. In den Schlaf findet er dann nicht mehr. Weil sich die allzu frühen Morgenstunden wie ein dampfendes, feuchtes Leinentuch über sein Gemüt spannen.

Den Kopf zur Seite gewendet, peilt er die leere Seite des Bettes an, wo ihr cremefarbenes Plumeau ordentlich drapiert liegt. Draufschmeißen würde er sich am liebsten.

Dagegen ihr verflixtes, häusliches Element. Gleich am Frühstückstisch: Zwischen Robert und Alina gezwängt braucht er nur fünf Finger abzuzählen, und die liebe Frau hält es nicht mehr auf dem Stuhl. Wegen jedem verfluchten Löffel, den eines der Kinder mit Honig beschmiert oder herunterfallen lässt, springt sie auf. Wahrscheinlich aus einem bösartigen Vergnügen heraus.

Wahrscheinlich fragt sie auch heute, nach seinem Unterricht. Ob ihm erneut eine Vertretungsstunde, für die kränkliche Frau Riemer, aufgebrummt worden ist. Knapp aber höflich wird er Auskunft geben. Wärend er, auf dem Schoß die verschlissene Aktenmappe, nach den zusammengekritzelten Unterlagen, für die erste Doppelstunde (Geschichte der Hugenotten. Gott, wer interessiert sich noch für die Hugenotten?), kramt. Dann ist die Gattin bereits durch und durch hochgestimmt. Ja richtiggehend aufgeregt werden ihre Reden, die sich doch nur darum drehen, was heute, an freilich kindgerechtem Programm, geplant ist.

Nicht weiter als sie zum Durchschlüpfen benötigt, drückt sie die nur angelehnte Schlafzimmertüre auf.

»Aufstehen, Mama ..?«, wispert ihr eine verschlafene Kinderstimme entgegen.

»Ja, Schatz!«, antwortet sie leise, vor dem hohen, durch einem Umlauf gesicherten Mahagonibett angekommen. Zärtlich streicht sie ihrer Tochter eine blonde, über dem Auge hängende Strähne beiseite.

Drei Kinder hätte sie bekommen sollen. Am besten vier. Vier sind ihr dann doch plötzlich zuviel. Herr im Himmel, ja, sie liebt auch Robert. Über alles liebt sie ihn. Doch kam der Junge nach seiner Schwester zur Welt. Weswegen ihren tiefen, mütterlichen Gefühlen Alina auch näher sein darf. Erstgeborene sind ihren Müttern meistens näher. Den Grund kennt sie nicht. Es beschäftigt sie auch nicht. Es ist so. Alles bei ihr ist so, wie es ist.

»Wie spät haben wir denn?«, will Alina, ihr Engelchengesicht gegen ein unverhangenes Erkerfenster gerichtet, wissen. Seltsam erwachsen klingt es.

Auch Claudia, sieht hinaus.Wie schön der Raureif, über der großen Wiese, glitzert. Viel Platz, für heranwachsende Kinder, sehr viel Platz. Nicht zuletzt deshalb wollte sie das Backsteinhaus. Obwohl ihr die denkmalgeschützte Fachwerkkafe nebenan noch lieber gewesen wäre. Eine Woche hatte Gernot kein Wort mehr mit ihr gesprochen, um sich anschließend -kurz und bündig- einverstanden zu erklären (»Dann machen wir das eben... «).

»Es rückt auf sieben. Du hast deine Schulsachen noch nicht gepackt... « Beinahe ergriffen betrachtet sie ihr Mädchen, dessen Äuglein wieder kleiner geworden sind. »Alina ..?«

»Ja ..?«

»Du musst aufstehen!« Fachkundig berührt sie eine Wange der Göre. »Ich geh' dann mal in die Küche«, erklärt sie beruhigt.

Im Treppenhaus kommt ihr Gernot entgegen, den sie noch nicht erwartet hätte.

»Guten Morgen, Kaffee ist in zwei Minuten fertig... « Und ohne seinen Gruß abzuwarten: »Wie lange fällt Frau Riemer denn noch aus?«

»Nächste Woche kommt sie zurück.« Auch bei ihm soll es freundlich klingen.

3

Dumpfer, rhythmischer Lärm dringt in Dirks Zimmer. Dazu noch nimmt ihm der verwitterte Ziegelkomplex, aus dessen blechernen Schloten trüber Qualm dringt, mit dem modernen, fünf Stockwerke zählenden Verwaltungsgebäude viel Licht. Somit kommt er nicht umhin auch tagsüber die Lampe anzuschalten.

Den kürzeren Teil des Übereckschreibtischs konnte er aufbauen. Sogar vor der Wand, mit den hübschen Nud- und Federbrettern. Mit dem aufgeklappten Notebook obendrauf wirkt es fast gediegen. Übermorgen soll der Telefonanschluss freigeschaltet werden. Dann kann er endlich wieder, im Internet, unterwegs sein.

Mit seinem Doppelbett gab es Probleme. Jedes Mal musste er darübersteigen, um an den Computer zu kommen. Inzwischen nächtigt er auf einer durchgesessenen Couch, die er im Altenstift seiner Mutter, neben dem Versorgungseingang, entdeckt hatte. Sind dort irgendwelche Habseligkeiten abgestellt ist jemand, von den Senioren, gestorben. Zuletzt Frau Servius. Gerne würde er sich bei ihr bedankt haben. Auch für den kleinen Vertiko, der unter dem dicken Grundig ächzt.

Sogar Carola ist im Bilde. Spätabends hatte sie ihn, vom dreiundzwanzigsten Geburtstag ihrer Tochter Melanie, zurückgefahren. Das enge Badezimmer (streckt er die Arme in Querrichtung aus reichen die Fingerspitzen an die Wände) mit den bläulichen, geriffelten Schmuckfließen; tatsächlich schien es ihr zu gefallen. Auch ihm behagt sein knuffiges Bad. Zum eigentlichen Wohnraum allerdings war ihr lediglich die Bemerkung entschlüpft, immerhin habe er jetzt wieder sein eigenes Reich. Dagegen der Zweiplattenherd im Flürchen; kein Kommentar.

Susanne, die jüngere Schwester, ist vorgestern vorbeigekommen. Die unvoreingenommene, frische Art in der sie alles lobte; ganz abnehmen wollte er es ihr nicht. -Nein, er macht sich nichts vor. Sein Habitat ist geschrumpft. Obenauf schwimmt er nicht.

Seine Mutter bleibt daheim. Gut so. Wenngleich ihr Susanne auch diplomatischer hätte sagen können: Besser ist es, sich Dirks Unterkunft nicht anzusehen.

Mitunter nimmt der Nachzögling kein Blatt vor den Mund. Viel verdankt er ihr. Ohne Susannes Unterschrift, unter dem Vertrag zum DAKAR-Darlehen, hätte er damals sein Studium, auf der Zielgeraden, abbrechen müssen. Fünf Monatsmieten Rückstand; weiter wollte selbst Herr Jaroin, Abteilung studentisches Wohnen, nicht über seinen Schatten springen.

Sich auch daran erinnernd, sitzt Dirk, mit einer Schokowaffel, auf der Nachtspeicherheizung, deren Gebläse unaufhörlich warme Luft ins Zimmer drückt. Er reicht mit dem Arm neben die Türe, reguliert am winzigen Steuerrad die Temperatur auf fünfzehn Grad herunter. Weil der Kasten dennoch immer heißer wird öffnet er sein Fenster, hinter dem ein jüngeres Pärchen seelenruhig vorbeispaziert. Der lässige Vatertyp schiebt einen überdachten, mit Rasseln und Glöckchen behangenen Kinderwagen, aus dem winzige Ärmchen wedeln, vor sich her. Der Mann, bemerkt Dirk nicht. Im Gegensatz zur hochschwangeren Frau, die herüber glotzt als sei er Kasper Hauser im finsteren Verlies. In den spitzen Arsch treten könnte er die Spacke.

4

Mehr berührt als gedrückt hat er die goldene Klingel. Zwei ehrfurchtsvolle Schritte tritt er zurück, schaut leicht deppernd nach oben, wo es aussieht als würde die riesige, beinahe nur aus Glas bestehende Gebäudefront an den davonziehenden Haufenwolken kratzen.

Womit der Vater des Mädchens seine Brötchen verdient? In Erscheinung getreten ist der bislang nicht. Gottlob auch nicht beim Alten. Es bedeutet nichts. Es gibt ihn. Scheiße, ja es gibt ihn. Selten nämlich leben in Protzhäusern nur Frauen. Es sei denn sie wurden unerwartet in den allertraurigsten Witwenstand verstoßen. Den sie eventuell leichter ertragen, nachdem sich der Notar angekündigt hat.

Nicht ruhiger werden lässt ihn sein Geätze.

Wie beherrscht sie geblieben war! Beherrscht und augenfällig nachdenklich. Aber das Plag kann doch reiten. Die Anweisungen, die er dem schmächtigen Mädchen erteilt, werden mühelos umgesetzt. Obendrein ist die Kleine nicht blöd. Was fehlt ist der Pepp, sich auf dem Pferd durchzusetzen. Um nicht -so hatte es Dirk später gegenüber Frau Redik ausgedrückt- zum Reiter von Pferdes Gnaden zu werden. Woraufhin die Alte einen Lachanfall bekam.

»Du bist mir schon so einer..!«

Wird wohl so sein. Doch glaubt Dirk an seine Energie, die er Alinas Mutter unbedingt beweisen wollte. Obgleich er sich, bei seinem Herumgeschreie, wie ein billiger Aufschneider vorgekommen war. Er ist ein billiger Aufschneider.

Von Glück jedenfalls kann er sagen, dass er dabeistand, als sich Rediks neulich angeregt über das gefällige Anwesen, in der oberen Himbeerwiese, unterhielten. Wie sonst hätte er erfahren sollen, wo sie lebt?

»Also, nochmal«, hebt sie an, »wenn da irgendwas wäre, würde ich mich schon melden!«

Die Beine seitwärts gedreht, sitzt sie auf der wuchtigen Couch. Eher verhalten hat sie ihrem unerwarteten Gast einen Platz gegenüber, auf einem der weißen Le Corbusier Ledersessel, angeboten. Wie zur Begutachtung liegt die in einen lila Einband gepresste Einführung in das Westernreiten zwischen ihnen, auf dem ovalen Designertisch.

»Na ja, ich hatte halt nur Angst, dass ich ein bisschen zu heftig war.« Langsam gleiten seine unsauberen Finger über die Tischplatte, in der sich sein zerknautschtes Konfirmantengesicht höchst unvorteilhaft spiegelt.

Irgendwann hatte er sich genötigt gesehen dem Pony, auf dem ihre Tochter saß, einen aufmunternden Klaps zu verpassen. Beinahe panisch hatte die Mutter aufgesehen. Dachte sie etwa, der Schlag hätte ihrem Kind gegolten?

Als Claudia ihm warm versichert »Da brauchst du dir keine Sorgen machen... « überkommt Dirk ein wohliger Schauder.

»Ihre Tochter setzt das wirklich ausgezeichnet um, was ich sage. Aber es kommt auch darauf an dem Pferd souveräne Autorität zu vermitteln, sich also durchzusetzen.« Mit jeder Silbe fällt es ihm schwerer, sein gleichmäßiges Atmen beizubehalten. »Das Pferd sollte wissen, dass der obendrauf es ernst meint. Anderenfalls kann es gefährlich werden.« So finster und mahnend, wie er dabei dreinschaut, können seine Worte die Wirkung doch unmöglich verfehlen. Sicher ist er sich aber nicht.

»Bei unserer Katze hat Alina damit keine Probleme.« Mit den Händen zeigt sie hinter sich, als käme der Stubentiger oder Alina, im nächsten Moment, herein.

»Eine Katze ist kein Pferd« Gerade noch kann er es unterdrücken.

»Ich werde nachher mit ihr darüber reden.«

Mit ihr darüber reden... Sowas erlebt er nicht oft. Über ihn reden sie. Seine Augen ist eine tiefe Freude anzusehen, mit der es jäh vorbei ist, als er den Mann mit zwei Pizzen um die Ecke stürmen sieht.

»Ich dachte mir, ich schieb' die beiden schon mal in den Ofen. Deine Eltern kommen doch gleich.«

Wie langsam sie den Kopf, über die Rückenlehne hinweg, dreht, erst die eine dann die andere Pizza aber nicht den der sie hält betrachtet. Dirk entgeht es nicht.

»Meine Eltern kommen doch erst morgen.« Nachsichtig klingt es, wirklich nachsichtig. Nachdem er wieder verschwunden ist, erklärt sie mit abschätzigem Grinsen: »Das war Gernot.«

Für den guten Geist des Hauses hat Dirk den Herrn nicht gehalten, der ihn irgendwie an Prinz Eisenherz erinnert. Noch ordentlicher, setzt er sich hin.

»Ich glaube, dass Alina eine gute Reiterin wird.« In einem Anflug übermütiger Belehrung, schiebt er nach: »Und je öfter sie reitet desto besser ist das.«

Claudia hebt abwehrend die Hände.

»Einmal pro Woche genügt völlig. Alina muss auch andere Sachen machen. Für die Schule lernen. Dann hat sie noch Musikunterricht, Dienstags nachmittags Handball, Mittwochs... « Sie bemerkt sein irritiertes Dreinschauen, hebt die Lider. »Warum sollte ich denn meine Kinder künstlich knapp halten?«

Für Dirk Pfau ist das keine rhetorische Frage. Doch kann er schlecht sagen, die persönliche Erfahrung seiner Kindheit war eine andere. Weswegen er es nicht sonderlich schätzt wenn die lieben Nachkommen zu selbstverliebten, egoistischen Mönsterchen erzogen werden. Ohnehin wäre es nicht die ganze Wahrheit. Die hat ihn nur deshalb nicht bis aufs Skelett abgeschrubbt, weil er eines immer war: Begeisterungsfähig.

Unvermittelt, sich noch weiter herumsetzend, eröffnet sie unsicher:

»Ich bin neununddreißig... «

Er schaut auf. Einen langen Moment lang, schaut er auf: Du bist nicht neununddreißig! Nein aber was soll's? Dirk gafft. Wie schön sie aussieht mit ihren langen Oberschenkeln, die züchtig, unter einer hautengen Jeans, verborgen sind. Und erst die schulterlange Lockenmähne! Genauso war es beim verwahrlosten Mädchen im Film Der Name der Rose (Remigo da Varagines buckliger Gehilfe, wie er lallend, die Hände gefaltet, imbrünstig um Gnade fleht; manchmal versucht er es nachzuspielen). Doch ist die zum berühren nahe Frau alles, nur nicht heruntergekommen. Gleichwohl verunziert nichts die sehnigen, weiblichen Hände. Nichts von dem unsäglichen Firlefanz, mit dem sich Frauen zuweilen zieren, baumelt herab.

Wieder starrt er nach unten. Nur so kann er sein Fühlen zügeln, zum teilweise erdachten Grund seines Kommens zurückkehren.

Als er wieder aufwärts blickt, sitzt Gernot neben ihr. Allzu lässig liegt des augenscheinlich beleidigten Mannes Arm auf der Rückenlehne, der bis hinter ihren Nacken reicht. Als wolle er sagen:

»Schau her du Wichtelmännchen, ich bin ihr Ehemann. Obendrein der einzige Mann, im Leben der attraktiven Frau an meiner Seite.«

Unvermittelte Sätze, erreichen Dirks Ohren. Um die ewige Wurstelei, zwischen den Geschlechtern, dreht es sich anscheinend. Immer verzwickter hört sich an, was über den Tisch geflattert kommt. Doch mag er nicht immer gesetzter werden. Auch deshalb schlussfolgert er: Prinz Eisenherz ist ein unleidlicher Fatzke, ein richtig mieser Kerl, obendrein blasiert und in bedenklichem Maße versnobt.

Da hebt er denn an um loszuwerden, wie seiner unmaßgeblichen Meinung nach die diesbezüglichen Dinge liegen. Wobei er es nicht nur erklärt. Mit einmal die Unaufgeregtheit in Person, stellt er es für alle Zeiten fest. Am Schluss der einprägsamen Rede, nickt er nachdrücklich. Gernot, der plötzlich aufgestanden ist, quittiert es mit einem gurkenbreiten Grinsen. Prinz Eisenherz entschuldigt sich nicht, sagt nicht noch dieses oder jenes wartet auf ihn. Einfach aus dem Staub macht er sich.

Claudia schaut ihrem Mann nach, bis er hinter der Ecke verschwunden ist. An Dirk gewandt und sehr leise:

»Ich kann das schöne Buch unmöglich... «

»Doch, ich brauche es wirklich nicht.«, unterbricht er sie eilig. »Ich werde jetzt wieder fahren.« Wie er immer, bei solchen Aktionen, schnell wieder abzischen musste.

»Wenn du nicht in den nächsten Regenschauer kommen willst, solltest du jetzt besser aufbrechen. -Dirk, es hat mich wirklich gefreut, dass du da warst. «

»Aber das Auto meines Vaters hat ein Dach... «

Ach wie fein konnten sie da lachen, die unsäglichen Tartuffen.

»Ich bringe dich nach draußen!« Während sie sich beide erheben, erkundigt sie sich etwas freier:

»Wo hast du denn dein Fahrrad? Oder bist du zu Fuß hier?«

»Nein, ich hab's an die Hecke da drüben gestellt.« Vor der Haustüre angekommen, fragt er sie -ganz beiläufig- nach ihrem Namen.

»Mein Name ist Wittmann.« Sonst sagt sie nichts, auch nicht »auf Wiedersehen... « oder warum sie ihn einfach geduzt hat.

5

Krachend fällt die schwere Haustüre ins Schloss. Claudia zuckt zusammen. Sekundenlang hallt es im Treppenhaus nach. Im Moment da sie den Wagen hört, atmet sie erleichtert auf. Kurze Zeit später vernimmt sie wie der Motor erneut angelassen wird. Kreischend heult die Maschine auf. Durchdrehende Reifen folgen einem gefühllos eingelegten Gang.

Endlich: Er ist weg -und ihr dem Ekel nahes Gefühl auch.

Die Arme hinter sich gekreuzt, bewegt sie sich ans Küchenfenster, hinter dem der anthrazitfarbenen Wagen die abschüssige Straße hinab beschleunigt. Ganz die Unverständigkeit über seinen dummen, peinlichen Furor, atmet sie tief durch. Ein Weilchen noch verharrt sie am Fenster, als glaube sie er macht bei nächster Gelegenheit kehrt und kommt zurück. Natürlich kommt er zurück. Und gäbe es die Kinder nicht dürfte er sich damit alle Zeit lassen.

»Such dir endlich eine Freundin und lass mich in Ruhe!«, murmelt ein spitzer, verbissener Mund. Und genauso wurde es ihm auch kundgetan.

»Eine Drecksehe führen wir!«, war sie daraufhin, in nie gehörter Lautstärke, belehrt worden.

Nichts von seinem Körper, an dem nicht ein gut ausgebildeter Muskel ist, will sie jemals wieder auf ihrer kalten, oft von Frostpusteln überzogenen Haut fühlen. Nichts! Doch wehe ihr er verliert wirklich die Beherrschung, nimmt sich, in typisch egoistischer Manier des Mannes, was er vergeblich begehrt. Soll doch seine Hand die ungestillte Begierde lindern.

Aber auch über sich selbst schüttelt Claudia den Kopf. Konzentriert, als könne sie die Zeit dadurch beschleunigen, betrachtet sie die Wanduhr. Ein angedeutetes Lächeln stiehlt sich auf ihr blass gewordenes Gesicht.

»Dieser Kerl... «

Unsympathisch ist er nicht, doch offenkundig sonderbar. Auffallend oft sehen sie sich. Freitags nachmittags, bei den Pferden, sowieso. Zuweilen auch am Bahnhof, wo er, mit wahrscheinlich dem zehnten Plastikbecher Automatenkaffee in der Hand, mit immer derselben, schmutzigen Jacke, auf dem gedungenen Leib, in die Schaufenster gafft. Wo er so tut als gelte seine Aufmerksamkeit tatsächlich den Auslagen und nicht etwa ihr, wie sie unruhig unter den im Minutentakt ankommenden Bussen jenen sucht, in dem die Kinder sitzen sollten. Sogar hier, in ihrem Zuhause, war der Typ.Zufall kann es nicht sein...

Zumindest mental ist der Weg vom Bahnhof, zum Manne Lars, nicht weit. Umso kürzer, wenn sie ihn beschreitet. Mehr als drei Jahre ist es her, da durfte sie ihn einen vorfrühlingshaften Samstag lang um sich haben. Drei viel zu lange Jahre...

Sonderlich wohl mochte sie sich nicht fühlen, in dem maßvoll geschlitzten Rock, den wildledernen Stiefeln, der pastellfarbenen Rüschenbluse, die nur deswegen und trotz eines klitzekleinen Flecks, auf der linken Kragenhälfte, zum Tragen gekommen war, weil sie alsbald keine Lust mehr auf weitere Anproben, vor dem Spiegel, gehabt hatte.

Leicht gebeugt, doch immer noch mit diesem federleichten, schwingenden Gang, war er morgens über ihr Wegelchen gekommen. Drei welkende Blümchen in der einen hatte er ihr zur Begrüßung die andere Hand feste auf den Bauch gedrückt, mit der sanften Rauheit seiner tiefen Stimme gefragt, ob ihr Mann sie schlägt.

»Du hast doch nicht mehr alle Tassen im Schrank! Gernot würde mich niemals schlagen. Red' weiterhin so eine Scheiße und du kannst abzischen!« Nichts anderes als ihr notwendig erscheinende Solidarität war die deftige Erwiderung gewesen.

Später, auf der sonnenbeschienenen Terrasse, bei Kaffee und biologischem Spritzgebäck, war es alsbald um ihre Sexualität und darum gegangen, wie sich die seither entwickelt hat.

Unter allen Umständen bei Gernot bleiben müsse sie. Etwas nebenher laufen lassen solle sie stattdessen, am besten ihn und lebenslang. Beinahe hätte die unerwartet auftauchende Alina die pikante Empfehlung, des solariumbraunen Brechers, gehört. Wenigstens an dem Punkt konnte er Rücksicht nehmen, seine fragwürdigen Vorstellungen hinten anstellen.

Sie telefonieren, ja sicher. Entweder die Gespräche sind sehr kurz oder sehr lang. Durch den Wind ist sie anschließend immer. Er ist es der anruft. Meistens in den Ferien. Womöglich aber versteigt er sich irgendwann in eine ihr genehme, liebevolle Wahrheit. Vorgequatscht bekam sie schon früher viel, versprochen noch mehr. Sie nimmt ihm nichts mehr ab. Doch auch er ist älter geworden. Immerhin existiert eine Vereinbarung. Sie scheißt, auf die Vereinbarung. Bis Alina und Robert erwachsen sind ist sie eh auf sich gestellt. Er hatte Recht, genauso wie Gernot. Sie führen keine Ehe, haben nie eine geführt. Nicht einen Tag hat sie sich Gernots Anwesenheit unterworfen, nicht einen. Weder innerlich noch äußerlich.

Über fünf Jahre waren sie auseinander. Im Eiscafe Emmanuell, gegenüber vom Schlosscaree', hatte sie ihn schließlich zufällig wiedergetroffen, hinter einer alten Spiegel-Ausgabe verschanzt, vor den Füßen die ausgelatschten Sneaker (die sie kürzlich heimlich in den Container, der Altkleidersammlung, geworfen hat). Zugegeben, der Tag war unerträglich heiß gewesen und keiner ist frei von Marotten. Sie wollte eine Familie, ja. Und es gab Leute, die der Ansicht waren Enkel sind etwas Wunderbares, Unverzichtbares, der letzte Zweck im Alter. Seit Alinas Geburt ist sie am Ziel. Gernot geht auf Kosten des Hauses.

Abends, nach Lars Abreise; kaum ertragen hatten sie ihn, nur das Nötigste gesprochen. Widerwillig, einsilbig. Erst am nächsten Morgen vermochte Gernot mit der Frage herauszurücken, was los sei.

»Nichts. Was soll sein? Kannst du bitte nachher Alina zum Turnen fahren? Martin Welter hat so eine komische Sitzung einberufen. Angeblich geht es um genauere Zeiterfassung. Mir ist schon klar, was dahintersteckt. Aber da werde ich nicht mitspielen!«

»Wir wollten nachmittags eigentlich, mit ein paar Kollegen, noch zum Minigolf... «

Claudia reißt den Stopfen aus dem Abfluss, fischt noch drei Gabeln und eine Käsereibe heraus. Sie nimmt den Scheuerschwamm, legt ihn zur Seite, spürt wie die Augen nass werden. Den feuchten Kehricht interessiert der sich, für seine Kinder...

6

Nicht lebendiger werden lässt der laue Früchtetee den späten Nachmittag. Dafür bräuchte Dirk seinen Muckefuck. Er hält es aus. Morgen fängt die letzte Woche an, und er darf, bis Freitag Mittag, im Voraus denken. Dann endlich ist Geld überwiesen. Infolgedessen gönnt er sich Kaffee und Leckereien. Nicht zu reden vom cremigen Kakao, mit Sahne, den er sich manchmal, im Bahnhofsstübchen, genehmigt. Immer am selben runden Tischlein sitzt er da. Direkt vor dem großen Fenster, durch dass sich wunderbar, die umher wimmelnden Menschen, beobachten lässt.

»Gesöff!«, schimpft er selbstgefällig, nach einem zaghaften Schluck. Mit einer übertriebenen Grimasse, schiebt er die Tasse noch weiter weg. Kommt ein einziger Tropfen in den Computer; die täglichen Internetsitzungen sind Geschichte.

Wind peitscht den Regen, an die Scheibe. Laub wirbelt umher. Gemütlich ist ihm zumute, urgemütlich. Nachher schaltet er den Fernseher ein, legt sich, mit großmächtigen Bewegungen, unter die mittlerweile übel riechende Bettdecke und zappt ein bisschen herum. Alsbald wird er müde werden, die Glotze ausschalten und einschlafen. So scheiße ist alles nun auch wieder nicht.

»Soweit komme ich, in diesem Leben, wohl nicht mehr... «, bemerkt er, mit halb aufrichtiger Traurigkeit, andächtig lauschend, ob über ihm auch Vermieter Dingeis Freundin, in ihrem sinnlichen Element, vernehmbar ist. Nein, es knarzt und quietscht nur. Enttäuscht nimmt er den Kopf herunter, spricht sich den Namen, den er endlich kennt, Buchstabe für Buchstabe vor: »W-i-t-t-m-a-n-n!«

Geheuer ist ihm nicht, was ihn an sie erinnert. Und das alternde Riff da oben, in Dingeis morschem Bett, ist keine halb so feine Frau.

Gestern Nachmittag ist er Alinas Mutter, ausgerechnet vor einer neu eröffneten Damenboutique, begegnet. Weder ihn noch die aufreizend gekleideten Schaufensterpuppen wollte sie ansehen. Über die könne er sich, bei nächster Gelegenheit, auslassen. Er nimmt es als Hinweis, und der macht ihn froh.

Sie hört ihm zu. Durch Alina haben sie ein Thema. So kann er die Mutti betrachten. Die sympathische, ungeschminkt Hübsche. Bei der die Proportionen auffällig ausgewogen sind, sie dennoch ohne viel Gewese daherkommt. Rundherum anders ist sie. Hier, an diesem ausklingenden Sonntag, fühlt er es genau. Genauso fühlt er, wie zum Brüllen lächerlich seine schmalzige Schwärmerei ist. Vielleicht auch deshalb springt er nicht sofort auf, als er die schnarrende Türklingel vernimmt. Nicht einmal überrascht ist er, der den Ton zum ersten Mal hört.

Mit welcher Selbstverständlichkeit sie sich hingesetzt hat! Die in blau gehaltene Outdoorjacke zog sie sofort aus, warf das augenscheinlich teure Stück neben sich, auf die Couch.

Von Dirks glotzenden Augen ungerührt, durchmisst sie neugierig den Raum. Als müsse sie eine detaillierte Zeichnung, von der armseligen Behausung, anfertigen. Beim vierbödigen Regal, in dem der bessere Teil seiner übriggebliebenen Klamotten gelandet ist, verzieht sie abschätzig den Mund.

»Woher hast du denn meine Adresse?«, erkundigt er sich zaghaft, sich ganz und gar gewiss, dass er jetzt so tun darf, als kenne er auch ihren Vornamen. Vor die Heizung hat er sich gestellt, die Beine übereinandergeschlagen, und nur er spürt wie feste.

»Ich hab' die Frau Redik angerufen und einfach gefragt, wo du wohnst!« Verschmitzt, obendrein die Unschuld in Person, fügt sie hinzu: »... die hat mir dann die Anschrift gegeben!«

»Das hätte sie nicht tun sollen«, urteilt er still.

»Hier ist es warm... «

Ohne viel Federlesen, entledigt sie sich auch noch des Pullovers. Betont strafft sie ihr schwarzes Unterhemd zurecht, schüttelt die nassen Haare, an denen sie kurz rubbelt.

»Na ja, ich habe halt keinen Job... «, offenbart er, das sich leicht zu denkende, wobei er die Arme öffnet, hebt und auf die Oberschenkel fallen lässt. So als wolle er fragen: »Was zum Henker soll ich denn tun?«

»Ich seh' ja, wie du hier lebst«, erwidert sie kalt. Erneut wandern ihre Augen umher. »Schlecht ist das Zimmer nicht -aber zu dunkel.«

»Von Hause aus bin ich Ingenieur... « Noch nicht heraus ist es und er kommt sich so ungeheuer dumm vor. Es macht sie doch nicht blind, für die Absteige.

Ohne denn auch mit nur einer Silbe auf den Ingenieur einzugehen, erklärt Claudia ausgewalzt:

»Wenn auf unserem Konto fünfhundert Euro fehlen würden -sagen wir für die Handyrechnung-, wir würden das nicht merken!« Gespielt verlegen stellt sie sogleich richtig: »Fünfhundert Euro ist vielleicht ein bisschen hochgegriffen, ungefähr aber wird das schon hinkommen.«

Eisige Abwehr, klumpt sich hinter Dirks eh bedrängtem Brustkorb zusammen. Die Kiefer aufeinandergepresst, schaut er nach draußen, vom plötzlichen Wunsche erfasst, dass der Schnee noch auf sich warten lässt.

»Ich sollte jetzt besser gehen. Meine Kinder warten sicher auf mich«, hört er sie besorgt sagen, die langsam ihren Unterarm verdreht, bis eine unauffällige Uhr (die sie Tage später, für die nächsten Jahre, ablegen wird) zum Vorschein kommt. »Gleich halb sechs haben wir schon... « Sie streift den Pullover über, schnappt sich die Jacke, die sie im sitzen anzieht. »Übrigens, ich hab mit Alina gesprochen. Ich hatte den Eindruck sie hat es verstanden.«

Dirk rührt sich am Fenster.

»Ist doch gut.«

»Ich fahr dann mal wieder.« Mit einiger Zögerlichkeit, erhebt sie sich. »Nicht dass Gernot sich noch wundert, wo ich bleibe.«

Dicht hinter ihr her gehend steigt ihm ein eigentümlicher Duft in die Nase, der nur von ihren Haaren herrühren kann. Dass Haare auch duften können? Es wundert ihn. Ihre jedenfalls tun es auf eine Weise, an die er sich leicht gewöhnen könnte.

»Vielleicht gehen wir ja mal ein Bier zusammen trinken«, schlägt sie vor. Nicht eilig hat es Claudia, beim Öffnen der Haustüre.

»Ich trinke keinen Alkohol«, gibt er mit freundlichem Nachdruck und nicht ohne Hoffnung zurück, es imponiert ihr.

»Dann halt eine Cola.« Skeptische Augen fallen auf Dirk, der, an Claudia vorbei, ausgesprochen interessiert die geklinkerte Außenwand betrachtet, an der ihr City Fahrrad lehnt. »Vielleicht sollte ich erst mal ein paar Erkundigungen über dich einziehen«, kommt es ihr laut in den Sinn.